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FAZ 25.05.2009: Wie mit Gargel un... - Handwerkergilde Alt Brettheim

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Handwerk: Wie mit Gargel und Endhobel ein Fass entsteht - Hessen - R...
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AktuellRhein-Main-ZeitungHessen
Handwerk
Wie mit Gargel und Endhobel ein Fass
entsteht
Von Eberhard Schwarz, Seligenstadt
Historisches Vorbild: In der Klosterküche wird beim Handwerkermarkt auf offenem Feuer
gekocht
25. Mai 2009 Ein Fass aus Eichenholz herzustellen ist keine einfache Angelegenheit. Allein
zwei Tage Handarbeit sind erforderlich, den Rand des Fassbodens so abzuhobeln, dass er in
den Fassrumpf eingebaut werden kann. Wie mühselig das ist, war am Wochenende beim
historischen Zunft- und Handwerkermarkt in Seligenstadt zu sehen, den der Verein
„Klatschmohn“ in diesem Jahr zum zehnten Mal veranstaltete: Im ehemaligen
Benediktinerkloster wurde die Zeit mehrere Jahrhunderte zurückgedreht. Damen und Herren
in farbenfrohen Rokoko-Kostümen flanierten durch den Klosterhof, während Handwerker in
althergebrachter Arbeitskleidung den Besuchern ihre traditionellen Fertigkeiten
demonstrierten.
Tradition und Brauchtum des Handwerks zu pflegen, lautet das Ziel der vor zehn Jahren
gegründeten Handwerkergilde Alt-Brettheim aus Bretten bei Karlsruhe, die erstmals in
Seligenstadt vertreten war. Den mittelalterlichen Küferberuf darzustellen sei ihre Mission,
verriet Frank Dittes, den dabei das Arbeiten mit Holz besonders fasziniert. Zehn Erwachsene
und zwei Kinder gehören der Gilde an. In Bretten habe es einst mehrere Küferwerkstätten
gegeben, berichtete William Cieplik, der den Besuchern erklärte, dass mit dem Gargel oder
Kimmhobel früher die Nut in den Fassboden geschnitten wurde und der Endhobel dazu
diente, die Fassung kreisrund zu machen. Die Abziehklinge, auch Schabhobel genannt, war
hingegen dafür nötig, die Fassdauben in die richtige Form zu bringen.
Streifen von Rattanrinde
Fässer seien früher „universell eingesetzt“ worden, sagte Cieplik. Bier wurde darin ebenso
aufbewahrt wie Einlegefleisch oder Sauerkraut. Ihr Werkzeug erhielt die Gilde von Küfern,
die ihre Werkstätten inzwischen geschlossen haben. Ein Fass machen Dittes und Cieplik aber
nur in der Freizeit auf: Eigentlich ist Dittes Chemietechniker, Cieplik Datennetzmonteur. Ein
angehender Student und ein Bäcker sind ebenfalls bei der Handwerkergilde Alt-Brettheim
aktiv.
27.05.2009 22:36
Handwerk: Wie mit Gargel und Endhobel ein Fass entsteht - Hessen - R...
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Die hat sich noch einem zweiten Beruf verschrieben: Unmittelbar neben den Küfern war
Herbert Meindl damit beschäftigt, einem alten Stuhl zu einem neuen Sitzgeflecht aus
schmalen, langen Streifen von Rattanrinde zu verhelfen. Pro Stuhl dauere das zehn bis 14
Stunden, erläuterte Meindl, der eigentlich Anwendungsberater für Computer ist, die filigrane
Arbeit. Ein einfaches Geflecht oder ein Sonnengeflecht benötigen weniger Zeit; länger dauert
es beim Wiener Geflecht, das aber auch das stabilste sei. Als Lehrling ging Ciepliks Frau
Sandra zur Hand.
Holunderpfannkuchen
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Mehr als 80 verschiedene Handwerksberufe hatten „Klatschmohn“ und der
Vereinsvorsitzende Horst Müller in der alten Abtei versammelt: Zimmerleute und
Bürstenbinder, Gewürzhändler und Brauer trafen dort ebenso aufeinander wie Wollfärber
und Büchsenmacher. Der Zunft- und Handwerkermarkt hat sich längst über Seligenstadt
hinaus in der Region einen Namen gemacht und zog wieder Tausende von Besuchern an.
Bürgermeisterin Dagmar Nonn-Adams (parteilos) mischte sich in der Rolle der Witwe eines
Augsburger Kaufmanns aus der Zeit der Kaufmannszüge, die von Nürnberg und Augsburg
über Seligenstadt nach Frankfurt zogen, unter das Publikum. Scholaren ließen mittelalterliche
Lieder im kühlen Sommerrefektorium erklingen, während Gaukler auf der Bühne neben der
Prälatur und auf der großen Wiese ihre Kunststücke vorführten. In der Klosterapotheke
wurden Pillen gedreht, und in der Prälatur brannte das Küchenfeuer: Mägde bereiteten
Holunderpfannkuchen zu.
Text: F.A.Z.
Bildmaterial: Rainer Wohlfahrt
© Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH 2009.
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