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Fußball rund wie die Welt - inforadio 10.06.11

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Inforadio RBB, 10.06.2011
Der Fußball ist rund wie die Welt
Der Name ist Programm - FC Internationale Berlin
Der Fußball ist rund wie die Welt. Im deutschen Nationalteam sind auch Spielerinnen, deren
Familien nicht aus Deutschland kommen oder die selbst in einem anderen Land geboren
wurden. Lira Bajramaj zum Beispiel, die aus dem Kosovo stammt.
Oder Celia Okoyino da Mbabi, deren Eltern aus Kamerun bzw. Frankreich kommen und die
extra für ihre im Nationalteam spielende Tochter die deutsche Staatsbürgerschaft
angenommen haben.
Auch beim Fußballnachwuchs treffen sich Mädchen verschiedener Nationalitäten. Das gilt
besonders für den Berliner Verein FC Internationale, hier ist der Name Programm. Und hier
spielen auch Mädchen, die im Herkunftsland ihrer Eltern womöglich nie die Chance dazu
gehabt hätten. Unsere Reporterin Dörthe Nath hat eine der Mädchenmannschaften vom FC
Internationale in den letzten Monaten begleitet und dabei auch eine kleine Reise durch das
Berlin von Italienern und Algeriern gemacht:.
Über den Dächern Schönebergs tänzelt Isabella mit einen bunten Plastikball über die
Holzplanken einer Dachterrasse. Hier ist ausreichend Platz, um ein paar Tricks zu zeigen.
Isabella: "...Wenn ich vor dem Tor stehe und ich bin mir nicht so sicher, dass ich ein Tor
schieße, dann mache ich so.."
Elf Jahre ist Isabella alt und versinkt ein bisschen in ihrer weiten, kurzen Jeans und dem
großen T-Shirt. Es ist ein sonniger Nachmittag und ihre Eltern Michele Trincia und Dorothea
Gohl kümmern sich ein paar Schritte entfernt um die Kübelpflanzen. Ein Olivenbäumchen,
ein Oleanderstrauch und die pinkfarbenen Blüten einer Bougainvilea erinnern Michele Trincia
an seine Heimat. Vor vier Jahren sind der Italiener und seine deutsche Frau nach Berlin
gekommen, wie er beim Kirschenessen erzählt.
Michele Trincia: "...Ich habe mich besonders für unsere Tochter Isabella gefreut, dass wir
nach Berlin gezogen sind, weil sie so eine Fußballfanatikerin ist. Und in Deutschland ist
Frauenfußball wirklich sehr verbreitet. In Italien wird Frauenfußball klein geschrieben und
du hast Mühe, einen Verein zu finden..."
Dass Isabella Fußball spielt, dass fand er von Anfang an toll. Und so hat sie als Siebenjährige
erstmal in einer italienischen Jungenmannschaft gespielt.
Isabella: "...Das ist irgendwie anders, weil sie anders spielen als Mädchen. Manchmal sind
sie schneller aber manchmal sind sie auch schlechter als Mädchen..."
Die Eltern als Tifosi
Einmal, erzählt ihre Mutter, sei sie dort auch ausgelacht worden - weil sie ein Mädchen ist.
Das passiert ihr jetzt nicht mehr.
Dorothea Gohl: "...Dieses Gefühl hat sich hier in Berlin völlig verflüchtigt. Sie hat hier ihre
Identität in einer Mädchenmannschaft gefunden...".
Beim Schöneberger Verein FC Internationale nämlich - den alle nur liebevoll Inter nennen.
Genauso wie die italienische Spitzenmannschaft Inter Mailand. Und die Spielerinnen tragen
auch noch die gleichen Trikotfarben.
Michele Trincia: "...Wir sind alle auch Tifosi von dieser Mannschaft. Und deswegen fand ich
das irgendwie putzig, dass wir sowohl in Italien für die eine Mannschaft den Tifo machen und
dann unsere Tochter in Berlin für den Verein mit diesem Namen spielt..."
Training auf einem Kunstrasenplatz beim Innsbrucker Platz - gleich neben einer S-BahnTrasse. Nach ein paar Technikübungen wird gespielt - zwei Mal in der Woche. Eigentlich mit
dem Trainer, der den Mädchen im Zweikampf auch schon mal den Ball abnimmt. Jetzt guckt
Mohamed Mohamed für einige Momente zu.
Mohamed Mohamed: "...Integration wird bei uns hier sehr, sehr, sehr groß geschrieben. Wir
sind eine sehr bunte Mischung. Auch wenn die meisten blond sind, das bedeutet nicht, dass sie
aus Deutschland kommen..."
Nationen-Mix
Die Familien der Spielerinnen vor ihm auf dem Platz kommen aus England, Spanien, den
USA, Ägypten, Syrien, Kroatien, Italien, Algerien und aus Deutschland. Mohammed
Mohammed selbst kommt aus Ägypten, die Trainer der anderen Mädchenteams aus
Österreich, Japan und Italien.
Seit 1980 gibt den FC Internationale - gegründet als ein Verein, der anders sein wollte. Kein
Spieler oder Trainer sollte Geld bekommen und bis heute spielen die Teams ohne
Sponsorenaufdruck. Stattdessen steht auf ihren schwarz-blau gestreiften Trikots der Slogan:
No Racism - gegen Rassismus. Für sein Engagement verliehen die Länder Berlin und
Brandenburg dem Verein im vergangenen Jahr das Band für Mut und Verständigung.
Mohamed Mohamed: "...Die sind auch eine Mannschaft. Das ist das wichtigste. Es gibt
natürlich ein paar, die sind talentierter, ein paar, die mit Herz Fußball spielen. Ich habe
immer gesagt: Egal wie die technisch spielen, wenn die Fußball spielen wollen, dann dürfen
sie auch spielen. Wir sind auch ein Breitensportverein..."
Auf dem Platz jagt Ryane einer Gegenspielerin den Ball ab. Ihre langen schwarzen Haare
fliegen hinter ihr her. Ihr Vater kommt aus Algerien und dass seine Tochter Fußball spielen
will, fand er anfangs nicht so gut, erzählt sie nach dem Training.
Ryane: "...Mein Vater meinte so: Wirklich? Ist doch nicht so richtig was für Mädchen. Aber
dann hat er mich gelassen..."
Das war vor drei Jahren, als sie in der Fußball AG ihrer Schule anfing mit dem Fußball - mit
Jungs. Jetzt ist sie elf Jahre alt und seit einigen Wochen in der Mädchenmannschaft von Inter.
Ryane: "...Wenn ich Fußball spiele – zum Beispiel, wenn ich traurig bin - sobald ich dann
Fußball spiele, dann geht’s mir irgendwie besser..."
Kinder gucken lassen, wohin sie sich entwickeln
Vom Training abgeholt, wird sie von iher Mutter Manuela Merabti, die aus Thüringen stammt
und zum Islam konvertiert ist. Sie trägt Kopftuch. Der Glaube ist auch in der Wohnung der
Merabtis sichtbar. In Ryanes lila gestrichenem Zimmer liegt ein Koran in einer
Schmuckschatulle, nebenan, bei ihren Brüdern hängt ein Bild der Moschee in Mekka und eine
Autogrammkarte von Zinedine Zidane. Mit einer Widmung für die Familie Merabti.
Manuela Merabti: "...Das ist schon im Herzen drin. Die Kinder gehen auch zur Koranschule
und lernen Arabisch. Aber trotzdem eben auch sportlich..."
Drei Brüder hat Ryane. Mit ihnen und den Jungs aus der Nachbarschaft spielt sie fast jeden
Tag auf dem kleinen umzäunten Fußballplatz hinter ihrem Wohnblock. Zwar ist Ryane dort
meistens das einzige Mädchen, aber wenn die Teams zusammengestellt werden, wird sie
gleich am Anfang gewählt.
Ryane: "..Sie sagen meistens: Du bist doch gut. Und die meisten hier aus den Häusern, die
finden es auch gut, dass ich jetzt in einem Fußballverein bin..."
Auch Ryanes Mutter hat als Jugendliche auf der Straße Fußball gespielt. Seit Manuela
Merabti sich für das Kopftuch entschieden hat, kickt sie höchstens mit den Kindern in der
Wohnung. Ryane weiß noch nicht, ob sie später Kopftuch tragen will. Aber wenn ja, dann
wird wohl auch Schluss sein mit dem Fußball, sagt ihre Mutter.
Manuela Merabti: "...Wenn man sich dann für das Kopftuch entschieden hat, dann sollte man
ja eigentlich diese Aktivitäten dann sein lassen in der Öffentlichkeit. Es soll sich ja jeder
selbst für das Kopftuch entscheiden oder nicht. Ryane soll das auch selbst entscheiden und
nicht dass wir sagen, du sollst jetzt Kopftuch tragen. Die Kinder müssen sich ja auch erstmal
entwickeln und selber gucken, wohin sie wollen..."
Offenheit zählt
Dafür, findet sie, ist FC Internationale genau der richtige Verein.
Manuela Merabti: "..Das ist schon gut für die Kinder. Dass sie auch offener werden und nicht
so eingeklemmt mit einer Nationalität zusammen bleiben. Das finde ich schon sehr wichtig..."
Wer woher kommt, das - sagt Ryane - spiele dort keine Rolle.
Punktspiel gegen Grün-Weiß-Neukölln. Ein großer Tag für Isabella, die in ihrem Trikot fast
genauso versinkt, wie in Jeans und T-Shirt.
Mohamed Mohamed: "..Super Beba. (klatscht)..."
Beba, das Isabellas Familienspitzname. Ihren Trainer ruft sie - wie alle anderen nur Mo. Er
tigert am Spielfeldrand entlang und ist ziemlich stolz auf seine Mädels.
Mohamed Mohamed: "...Sie behandeln sich wie eine Mannschaft, treten auf wie eine
Mannschaft. Die machen Faxen die ganze Zeit. Also nicht so wie andere Mannschaften, die
auflaufen wie Soldaten. Wir haben unseren eigenen Charakter. Ich bin auch temperamentvoll.
Also nicht so mit Ordnung und so, das ist nicht mein Ding..."
Fünf Tore schießt Isabella an diesem Sonntag. Ihr Vater Michele Trincia guckt von der
kleinen Tribüne aus zu. Zwischendurch unterhält er sich mit der Mutter einer Mitspielerin aus
den USA. Hinter ihm stehen der zweite italienische Vater im Team und ein Großvater aus
Kroatien beieinander.
Michele Trincia: "...Ich bin meistens dabei – das macht mir sehr viel Spaß. Auch mit den
Eltern. Wir lernen uns immer besser kennen. Das ist schon interessant..."
Die Nationalitäten, erzählt Michele Trincia, seien nach dem ersten Kennenlernen schon egal.
Nicht egal ist, dass die Mädchen an diesem Nachmittag 11:1 gegen Neukölln gewinnen. Wie
sie überhaupt in der Rückrunde sehr erfolgreich waren. Sie haben sich als Team
zusammengefunden und sich von den letzten Plätzen ins Mittelfeld der Verbandsliga
vorgearbeitet. Auch deswegen ist sich Trainer Mohamed Mohamed sicher: In der nächsten
Saison können sie ganz oben mitspielen. Letztendlich geht es eben auch beim FC Inter um
Fußball.
Ein Beitrag von Dörte Nath.
http://www.inforadio.de/programm/schema/sendungen/nahaufnahme/201106/159394.html
http://www.inforadio.de/dossier/die_ballkoeniginnen/fc__internationale.html
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Seele and Geist
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