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Kicken wie die Großen - Sonntag Aktuell

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In Deutschland gibt es viele Fußballschulen für die kleinen Stars
von morgen – zumeist betrieben
von ehemaligen Bundesligaprofis.
Ein Besuch im Feriencamp des
ehemaligen Bayernprofis Hansi
Dorfner.
Endlich ist es so weit. Endlich kommt er,
der ehemalige Profi des FC Bayern München, der ehemalige deutsche Meister, der
Ex-Nationalspieler. Der letzte Tag im Kindertrainingscamp ist in vollem Gang, das Abschlussturnier mit zwölf Teams, Champions
League genannt, läuft. Hansi Dorfner schreitet im schwarzen Trainingsanzug auf das
Trainingsgelände. Das Kleinfeldspiel Manchester United gegen Real Madrid wird
beim Stand von 2:1 unterbrochen. Cristiano
Ronaldo zu sein zählt jetzt nichts mehr.
Dorfner ist jetzt wichtig. Die 60 Kinder
bilden einen Sitzkreis, die Fragerunde beginnt. „Du, Hansi, kannst du mir die Handynummern vom Schweini und vom Poldi
geben“, fragt ein sechsjähriger Knirps mit
hoffnungsvollem Blick. Der Nächste will
wissen, wo genau Luca Toni in München
wohnt, der andere plant für den nächsten
Tag ein persönliches Treffen mit Nationalstürmer Miroslav Klose: „Hansi, kannst du
das machen? Bitte, bitte!“
Der Gefragte lacht, später wird er sagen,
dass das immer so sei: „Ich habe 1994
meine Karriere beendet, die kleinen Jungs
kennen mich doch gar nicht. Es sind die
Eltern, die durch meinen Namen auf die
Fußballschule aufmerksam werden. Wenn
ich Glück habe, sagen sie den Kindern, dass
ich mal in der Bundesliga gespielt habe.“
Dorfner findet mit seiner lockeren, offenen
Art schnell Zugang zu den Kindern, und die
hoffen dann, durch ihn, den alten Star, an
die Nummern ihrer aktuellen Idole zu kommen – natürlich vergebens.
Nach der kurzen Enttäuschung aber kehrt
die Begeisterung bei den Kleinen schnell
zurück. Aus den Lautsprechern dröhnt nämlich direkt nach der Fragerunde die offizielle Champions-League-Hymne zum Beginn der Zwischenrunde des Abschlussturniers. Die Camp-Teilnehmer dürfen sich vor
Dorfners Augen wie die Großen in einer
Reihe aufstellen. Manche Kinder schaffen es
nicht lange, still zu stehen. Sie strahlen, sie
hüpfen vor Begeisterung und Vorfreude.
Dann winken sie ins Publikum, Mütter und
Väter klatschen begeistert.
Fußballferien, das soll immer etwas Besonderes für die Kinder sein, über mehrere
Tage wollen die Veranstalter Abwechslung
bieten zum Sportunterricht in der Schule
oder zum Trainingsalltag in den Vereinen.
So heißt das Abschlussturnier eben
Champions League, jedes Kind bekommt wie bei den Profis eine
eigene Trinkflasche mit eigener
Nummer, die Kleinen dürfen im
einheitlichen Trikotsatz, den sie
danach behalten können, ihre Ferientage auf dem Fußballplatz verbringen. So kommt es, dass sich
Justin nach erfolgreichem Torabschluss in bester Schweinsteiger-Manier vehement auf die Brust klopft,
dorthin, wo das Wappen der Hans-Dorfner-Fußballschule aufgenäht ist. Die große
Fußballwelt, sie ist bei den Fußballferien
für die Kleinen allgegenwärtig.
Am ersten Tag teilen die Trainer die 60
Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren
in fünf Gruppen ein. Die drei Tage sind
durchorganisiert, um zehn geht es los, mittags um fünf geht es wieder nach Hause.
Übernachtet wird nur bei den sechstägigen
Alle auf den Hansi: Begeisterte Kinder während einer Trainingseinheit in der Hans-Dorfner-Fußballschule. Unten liegt der
ehemalige Bundesligaprofi des FC Bayern und des 1. FC Nürnberg, der seine Schule seit 15 Jahren betreibt.
Bilder: Lex, Wiest
Kicken
wie die
Großen
Camps. Jede Gruppe hat einen Trainer, der
Trainingsparcours ist vorab aufgestellt. Eine
Vereinstrainerin, die ihre zehnjährige Tochter schon zum dritten Mal in die Fußballferien geschickt hat, notiert jede einzelne
Übungsform auf ihrem kleinen Notizblock.
„Hier kann ich immer viel dazulernen“, sagt
sie, die meisten Übungen kenne sie noch
gar nicht.
Die Kinder müssen bei Übungsstation eins
den Ball auf das Tornetz schießen, der
Trainer hat das Gehäuse zuvor umgekippt.
Wer es schafft, bekommt einen kleinen
Zettel in die Hand gedrückt. Und wer nach
zehn Minuten die meisten Papierknöllchen
gesammelt hat, ist der Stationssieger und
darf sich auf die Brust klopfen. Bei der
nächsten Station muss der Ball über eine
Bierbankbande ins Tor geschossen werden,
später gilt es, den Ball in ein Toreck zu
schießen, abgegrenzt von Hütchen, die
nicht viel Platz lassen zwischen sich und
dem jeweiligen Torpfosten. Es gibt keinen
Leerlauf, ein Pfiff des Trainers, ein kurzer
Schluck aus der Trinkflasche, und der
nächste Parcours wartet. Pünktlich um
zwölf gibt’s dann im Vereinsheim
Mittagessen, meistens Nudeln, damit der Kohlehydratspeicher wieder
aufgefüllt wird. So wie bei den ganz
Großen eben.
Hansi Dorfner ist da noch nicht anwesend. Die Kinder selbst trainieren, das
geht nicht – die Spätfolgen seiner zahlreichen Verletzungen als Profi. Stattdessen
organisiert er die nächsten Camps, besucht
die anderen Trainingsplätze, pflegt Kontakte, schult Trainer, akquiriert Sportplätze
und Vereinsheime. Der 43-Jährige gibt seiner Schule den prominenten Namen, er
organisiert und verwaltet. „Die Kinder wollen ein paar schöne Tage“, sagt er, da sei es
doch egal, wer sie trainiere. Die Alltagsarbeit auf dem Platz erledigen seine Trainer.
450 hat er in seiner Datei im Büro in der
Regensburger Innenstadt aufgelistet.
Jörg Brockmeyer zum Beispiel, ein Polizeikommissar, der sich in seinem Urlaub noch
etwas dazuverdient. Neben ihm sitzen am
Mittagstisch vier Lehramtsstudenten der
Uni Regensburg, die in den Semesterferien
etwas für ihren Lebenslauf tun. „Wir haben
hier eine Mordsgaudi zusammen, die Arbeit
macht tierisch Spaß“, sagt Matze, der die
sechs- und siebenjährigen Kinder trainiert.
Nach dem Essen ruft er die Kinder in
einen abgedunkelten Raum im Vereinsheim. In der Mittagspause gibt’s ein Fußballquiz. Schon hier, noch vor dem Abschlussturnier, sind die Gruppen nach Mannschaften aus der Champions League eingeteilt.
Der FC Liverpool erkennt Jürgen Klinsmanns Stimme auf Band, Real Madrid vermutet in einer etwas veralteten Tonaufnahme richtigerweise Kevin Kuranyi, der
beteuert, sich in Stuttgart wohlzufühlen.
Und Juventus Turin sagt korrekt voraus,
dass ein auf der Leinwand abgestoppter
Schuss von Michael Ballack bei der EM
2008 im Tor landet. Neidische Blicke vom
FC Bayern wandern an den Nachbartisch.
Die kleinen Turiner strahlen.
Um halb zwei geht es zurück auf den
Trainingsplatz, wo die Kinder vor dem großen Champions-League-Turnier noch ein
Technikabzeichen machen. Sie müssen den
Ball aus 25 Meter Entfernung in ein kleines
Hütchenquadrat spielen. Fünf Versuche pro
Spieler in jeder Gruppe, der Sieger bekommt eine kleine Urkunde. Bei fast jeder
Übung gibt es ihn, den kleinen Anreiz. Die
Trainer wissen, wie sie ihre kleinen Kicker
bei Laune halten können.
Das Finale des Abschlussturniers ist dann
übrigens eine klare Sache – für den 1. FC
Köln. „Drei Kids sind eingefleischte FC-Fans,
und die haben mich gedrängt, dass sie in
der Königsklasse mitspielen dürfen“, sagt
Trainer Brockmeyer. Köln gewinnt mit einem souveränen 3:0 gegen den FC Chelsea
die Champions League, Justin weint wie
Michael Ballack, und die kleinen Kölner
liegen sich in den Armen – die Fußballferien
machen’s möglich.
Marco Seliger
Info
◆ Die Fußballschule von Hans Dorfner gibt es seit 15 Jahren. Die Camps finden an verschiedenen Orten in Bayern,
Österreich und Südtirol immer in den
Pfingst- und Sommerferien statt. Das Angebot reicht von drei Tagen Kurs ohne
Übernachtung (119 Euro) bis zum Fußballcamp für zehn- bis fünfzehnjährige
Kinder und Jugendliche an sechs Tagen
mit Übernachtung und Vollpension (349
Euro). Mehr auf www.fussballferien.de,
Tel. 09 41 / 4 61 39 37.
◆ Andere Anbieter: Auch weitere ehemalige Profifußballer und diverse Landesverbände des DFB betreiben Fußballschulen. Infos auf www.fussballschulen.com oder www.dfb.de.
REISENOTIZEN
Kalte Dusche
Sie benötigen: Kletterzeug, Helm und Neoprenanzug – und eine ordentliche Portion
Mut. Denn das Flusswandern, auch Canyoning oder Schluchting genannt, ist nichts
für zarte Naturen. Abenteuerlustige können
sich zum Beispiel in Kärnten in die Mauthner Klamm abseilen lassen. Und bekommen
dabei vielleicht auch ein kalte Dusche ab.
Wer sich davon nicht abschrecken lässt,
findet sicherlich auch 64 weitere Angebote,
die in der Broschüre „Abenteuer Alpen“
zusammengefasst sind, interessant. Das
Heft und alle weiteren Informationen gibt
es bei der Naturarena Kärnten, Karnischer
Tourismus, Telefon 00 43 / 42 82 / 31 31,
www.naturarena.com.
Rad unter Strom
Radler, die nicht mehr volle Pulle in die
Pedale treten können, haben jetzt die Möglichkeit, auch weiterhin flott unterwegs zu
sein: Elektrobikes machen es möglich. Mit
200 Kilometern bietet Flims eines der größten Flyer-Elektrobike-Netze der Schweiz,
ausgestattet mit vielen Miet- und AkkuWechselstationen. Wer dank der Kraft aus
der Steckdose spielend auch anspruchsvolle
Steigungen meistern will, erfährt Näheres
bei Flims Laax Falera Tourismus, Telefon
00 41 / 81 / 9 20 92 00, www.flims.com.
fon 02 51 / 9 27 88 10, www.frosch-sportreisen.de.
Auf den Wellen reiten
Surfer brauchen zum Glück nur ein Brett,
Wind und Wasser. Klingt simpel, ist es oft
aber nicht. Bei der Suche nach Surfregionen
und Reiseangeboten hilft den Wellenreitern
ein Vermittler im Netz: www.wave-culture.com. Dieser veranstaltet auch Surfcamps mit Kursen und betreibt in Portugal
eine Surf Lodge. Die Anreise müssen die
Gäste selbst organisieren.
Rund um Elba paddeln
Auch Anfänger können bei dieser Reise mitpaddeln: mit dem Kajak rund um Elba.
Denn der Veranstalter Club Aktiv organisiert die Tour von einem festen Standort auf
der italienischen Insel aus. Das heißt, die
Teilnehmer brauchen kein Gepäck im Kajak
mitzunehmen und müssen auch nicht jeden
Abend das Zelt neu aufbauen. Zwei Wochen
dauert das Unternehmen und kostet inklusive Anreise mit der Bahn, Zeltunterbringung, Seekajakausrüstung und Halbpension
1295 Euro. Termine 2009: ab 27. September und 11. Oktober. Mehr über diese und
viele andere Seekajaktouren bei Club Aktiv,
Tel. 04 41 / 9 84 98 12, www.club-aktiv.de.
Aktiv auf Gomera
Platsch! Ferien am Pool sind für sportliche Familien etwas Wunderbares. Für
unsportliche ebenso.
Bild: Frosch Sportreisen
Für fitte Eltern
Schnorcheln, tauchen, mit dem Mountainbike unterwegs sein, wandern: ein Programm für fitte Eltern (mit Anhang) organisiert Frosch Sportreisen in Griechenland.
Ausgangspunkt für die Unternehmungen ist
der Frosch Family Club Tropical in Fourka
auf Kassandra. Für eine Woche Urlaub im
Bungalow mit Sportprogramm und Kinder-
betreuung inklusive Flug und Halbpension
zahlen Erwachsene derzeit 799 Euro, Kinder 299 Euro. Weitere Informationen direkt
beim Veranstalter Frosch Sportreisen, Tele-
Speziell für Singles und Alleinreisende organisiert der Veranstalter Activida Tours sportliche Reisen auf Gomera. Auf der Kanareninsel können die Gäste wandern, radeln und
mit dem Boot Delfine beobachten. Die Teilnehmer werden in Appartements oder im
Hotel untergebracht. Wer zwei Wochen mitmacht, zahlt für Flug, Transfer, Programm
und Halbpension 1699 bis 2099 Euro. Die
Reise kann auch achttägig gebucht werden.
Info bei Activida Tours, Telefon 0 61 26 /
58 18 18, www.activida.de.
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