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Journalismus und Web 2.0 Wie sich Öffentlichkeiten im Internet

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Titel
Dr. Jan Schmidt
(Forschungsstelle „
Neue Kommunikationsmedien, Bamberg)
Journalismus und Web 2.0
Wie sich Öffentlichkeiten im Internet verändern
Vortrag bei den „
Nachwuchsjournalisten Bayern“
10.01.2007, München
Agenda
#2 von 25
Einleitung
1.
Einleitung: Kontext und Fragestellung
2.
Entstehen und Strukturmerkmale von Öffentlichkeiten im
Web 2.0
Web 2.0
Fazit
3.
Fazit
1
Web 2.0 - ein Hype?
#3 von 25
§
Web 2.0 ist Oberbegriff für eine Vielzahl von Trends, die
sich in den vergangenen Jahren im Internet abzeichnen
Einleitung
Web 2.0
§
§
Neue Anwendungen
§
Neue Arten der Software-Entwicklung
§
Neue Märkte und Geschäftsmodelle
§
Neue Öffentlichkeiten
Problem: „
Web 2.0“
…
a) …ist sehr umfassend und allgemein, dadurch
unscharf und wissenschaftlich wenig aussagekräftig
(Alternativbegriff: Social Software)
Fazit
#4 von 25
b) …zeigt erste Tendenzen, Fehler des ersten
Internetbooms zu wiederholen (hohe
Investitionssummen bei unklaren Erlösmodellen)
Beispiel Wikipedia
Einleitung
Web 2.0
Fazit
2
#5 von 25
Beispiel Weblogs
Einleitung
Web 2.0
Fazit
#6 von 25
Beispiel Flickr
Einleitung
Web 2.0
Fazit
3
#7 von 25
Beispiel StudiVZ
Einleitung
Web 2.0
Fazit
#8 von 25
Beispiel Qype
Einleitung
Web 2.0
Fazit
4
Beispiel Youtube
#9 von 25
Einleitung
Web 2.0
Fazit
Zum Vortrag
#10 von 25
§
Einleitung
Zwei miteinander verbundene Leitfragen des Vortrags
1. Wie entstehen Öffentlichkeiten im Internet?
§
Web 2.0
Vortrag wird zeigen, wie aus den Handlungen einer
Vielzahl von Nutzern, die Identitätsmanagement,
Beziehungsmanagement und Informationsmanagement betreiben, Öffentlichkeiten
unterschiedlicher Größe und unterschiedlicher
thematischer Ausrichtung entstehen
2. Wie verändert sich Öffentlichkeit im Internet?
§
Fazit
Vortrag wird zeigen, dass „
persönliche
Öffentlichkeiten“die massenmedial produzierten
Öffentlichkeiten ergänzen, wobei bestimmte
Strukturierungsprinzipien die Verbreitung und
Rezeption von Informationen beeinflussen
5
Öffentlichkeiten
#11 von 25
Aufmerksamkeit/Größe des Publikums
Massenmediale Öffentlichkeit
(z.B. Gesundheitsreform)
Einleitung
Spezialisierte Teilöffentlichkeiten
(z.B. wissenschaftlicher Diskurs)
„
Persönliche Öffentlichkeiten“
(z.B. Fotos & Berichte von der Silvesterparty)
Web 2.0
„
long tail“
Fazit
Rangplatz
(I) Identitätsmanagement
#12 von 25
§
Nutzer verwenden Angebote des Web 2.0, um
Identitätsmanagement zu betreiben, also Aspekte der
eigenen Person im Internet zu präsentieren
§
Identitätsmanagement nimmt sehr unterschiedliche
Formen an, bspw. hinsichtlich
Einleitung
§ …der Themen und Inhalte, die veröffentlicht werden
§ …der Gestaltung
Web 2.0
§ … dem Grad an Zurechenbarkeit zur „
realen“Identität
(Anonymität / Pseudonym / Realer Name)
Fazit
6
#13 von 25
Identitätsmanagement: Weblogs
Inhalte des eigenen Weblogs (n=1223; Mehrfachantworten mgl.)
0%
Einleitung
20%
40%
60%
80%
Berichte/Episoden aus
Privatleben
76,0%
73,9%
Bilder/Fotos
Kommentierte Links
70,0%
49,4%
Bücher/Filme/Musik
Hobbies
49,3%
Episoden aus Arbeitsleben
Web 2.0
45,1%
Lokale/Regionale
Ereignisse/Themen
41,5%
Berufl-/schulische Themen
41,4%
35,7%
Politische Themen
Gedichte/Kurzgeschichten
31,6%
Berichte/Episoden aus
Studium/Schule
Fazit
100%
30,8%
11,4%
Film-/Videodateien
Podcasts
6,4%
Quelle: Schmidt/Paetzolt/Wilbers 2006
Identitätsmanagement
#14 von 25
Motive für das Führen eines Weblogs (n=4417; Mehrfachantworten mgl.)
0%
Einleitung
20%
40%
60%
Zum Spaß
Schreibe gerne
62,7%
Eigene Ideen/Erlebnisse festhalten
61,7%
44,5%
Wissen anderen zugänglich machen
33,4%
Mit Freunden/Bekannten in Kontakt bleiben
33,2%
Aus beruflichen Gründen
Fazit
49,0%
Gefühle von der Seele schreiben
Neue Bekanntschaften/ Kontakte knüpfen
Aus anderen Gründen
100%
70,8%
Über Ideen/Erlebnisse austauschen
Web 2.0
80%
27,2%
12,7%
10,7%
Quelle: Schmidt/Wilbers 2006
7
(II) Beziehungsmanagement
#15 von 25
Einleitung
• Zum Identitätsmanagement tritt das Beziehungsmanagement, also das Abbilden, Pflegen und Knüpfen
von sozialen Beziehungen über das Internet
§
Forschungsergebnisse zeigen:
§ Kontakte/Beziehungen im Internet nicht per se
defizitär
Web 2.0
Fazit
#16 von 25
§ Beziehungsmanagement schließt oft weitere Kommunikationsmodi mit ein (z.B. E-Mail, SMS, face-to-face)
§ Internet bietet die Möglichkeit, Sozialkapital zu
erweitern
Ü Individuen können durch die Einbettung in soziale
Netzwerke bestimmte Ressourcen erhalten, z.B.
Zugang zu Informationen, Zugehörigkeitsgefühl/
Solidarität, sozioemotionale Unterstützung in
Krisensituationen, …
Beispiele für Beziehungsmanagement
Zustimmung zu Aussagen über blogbasierte Beziehungen (n=1153)
0%
20%
40%
60%
80%
100%
Einleitung
Stehe über Blog mit Personen
ausserhalb meiner Stadt/Region in
Kontakt
Komme über Blog ständig mit neuen
Leuten in Kontakt
Web 2.0
72,00%
37,20%
Blog macht mir deutlich, dass ich viele
Menschen über zwei Ecken kenne
33,20%
Unter den Blog-Kontakten könnte mir
jemand im Notfall 250 Euro leihen
32,20%
Unter den Blogkontakten kann ich
jemanden bei persönlichen Problemen
um Rat fragen
26,30%
Fazit
Anmerkung: Vorgegeben war eine fünfstufige Skala; angezeigt sind Anteile der Personen, die
völlig oder eher zustimmen.
Quelle: Schmidt/Paetzolt/Wilbers 2006
8
(III) Informationsmanagement
#17 von 25
§
Zwischenfazit: Aktive Nutzer von Web 2.0-Anwendungen
betreiben Identitäts- und Beziehungsmanagement
§
Ergebnis von Publikation und Vernetzung: hypertextuelle
Netzwerke (Links zwischen Texten, Bildern, Musik- oder
Videodateien) und soziale Netzwerke (Beziehungen
zwischen Menschen)
§
Diese Netzwerke stellen Öffentlichkeiten her, die als
Geflecht von aufeinander verweisenden Texten und
Personen zum Informationsmanagement benutzt
werden kann
§
Strukturmerkmale der Öffentlichkeiten im Web 2.0 in
dreierlei Hinsicht bemerkenswert:
Einleitung
Web 2.0
1. Kanalisierung von Aufmerksamkeit
Fazit
2. Hierarchie
3. Überlappung mit massenmedialen Öffentlichkeiten
III-1: Kanalisierung
#18 von 25
§
Grundproblem des Informationsmanagements: Wie kann
in der Masse der vorhandenen Informationen das jeweils
Relevante erkannt/gefunden werden?
§
Strategie der massenmedial hergestellten
Öffentlichkeiten: Journalist/Redaktion als Gatekeeper
§
Strategie im Web 2.0: (zusätzlich) Kanalisierung von
Aufmerksamkeit durch andere Nutzer
Einleitung
Web 2.0
1. Weisheit der Masse: Bewertung von Informationen
durch Vielzahl von Nutzern führt zu kollaborativ
erstellten Ranglisten populärer Themen
2. Weisheit des eigenen Netzwerks: Zusammenstellen
eines individuellen Repertoires relevanter Quellen
(unterstützt durch RSS-Technologie)
Fazit
9
III-2: Hierarchie
#19 von 25
§
Web 2.0 senkt Zutrittsschwellen zur Öffentlichkeit und
fördert Dezentralität, doch nicht jedes Angebot erhält die
gleiche Aufmerksamkeit
§
Hierarchie existiert, in der einige wenige Angebote
vergleichsweise große Publika erreichen, während die
Mehrzahl der Angebote nur von wenigen Menschen
bemerkt wird
§
Zentrale Netzwerkknoten (bspw. häufig gelesene
Weblogs) haben größere Chancen, (a) weitere
Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und (b) die
Verbreitung von Informationen zu beschleunigen
Einleitung
Web 2.0
Fazit
III-2: Hierarchie
#20 von 25
Ranking der "Blogscout Top 100" nach Besuchern
am Tag (Stand: 08.01.2007)
Einleitung
Web 2.0
Visits am 08.01.2007
60.000
#1 Bildblog.de (ca. 52.000 Visits)
50.000
#2 PSP News (ca. 10.300 Visits)
40.000
#100 Stylespion (ca. 850 Visits)
30.000
20.000
#1826 Silberfischla (1 Visit)
10.000
0
0
20
40
60
80
100
Fazit
Rangplatz des Weblogs
Quelle: http://blogscout.de/
10
III-3: Überlappung
#21 von 25
§
Lebhaft diskutierte Frage: Bringt Web 2.0 das Ende des
Journalismus mit sich?
§
Verbreitung und Institutionalisierung von Web 2.0 zeigt
eher Komplementarität und Überlappung der
verschiedenen Öffentlichkeiten
Einleitung
§
Anwendungen des Web 2.0 finden ihren Weg in
Kommunikationsrepertoire von Massenmedien und
Organisationskommunikation
§
Wechselseitige Beobachtung / wechselseitiges
Agenda Setting
Web 2.0
Fazit
#22 von 25
III-3: Überlappung
Auf welche Seiten verweisen Weblogs?
0
2000
4000
6000
8000
10000
12000
14000
16000 18000
20000
W IKIPE DIA - Die freie Enz yklop ädie
SPIEGEL ONLINE
Einleitung
he ise o nline
ZEIT online
su edd eu tsche.de
DIE WEL T.de
FAZ.NET
tage sscha u.de
stern.de
gole m.de : IT-News für P rofis
BILDblog
NETZEITUNG.DE
die tage sze itung
NEWS.ORF.at
Bild.T-Online.de
DER TAGESSPIEGEL online
Spree blick
ZDF.de
Bas ic Thinking
FINANCIAL TIMES DEUTSCHL AND
Web 2.0
FOCUS ONLINE
derSta ndard.a t
W DR.de
Blau: Redaktionell erstellte Angebote
NZZ Online
PRESSEPORTAL
BR-ONLINE.DE
n-tv
Rot: Weblogs
Han dels blatt.com
BerlinOnline
ProSiebe n.de
law blog
Der Shopblo gge r
Ehren sen f
20 minute n
ARD.de
finanz en .ne t
RP ONLINE
Fazit
SW R.de
RTL.de
N24
We rbeblogge r
Quelle: deutscheblogcharts.de; Stand der Daten: 3.01.2007. Gemessen wurde die Anzahl der Weblogs, die innerhalb der vergangenen sechs
Monate auf die entsprechende Seite verlinkt haben (Quelle hierfür: technorati.com)
11
III-3: Überlappung
#23 von 25
§
Arbeitsteilung zeichnet sich ab, in der die existierenden
Öffentlichkeiten unterschiedliche Funktionen übernehmen
Einleitung
§
Massenmediale Öffentlichkeiten setzen Themen und
informieren
§
Persönliche Öffentlichkeiten verbreiten, kommentieren
und bewerten diese Quellen
§
Verschiebung von Relevanzkriterien: Kopplung von
„
öffentlich“und „
gesellschaftlich relevant“löst sich auf, da
auch Informationen öffentlich gemacht werden, die „
nur“
für wenige Personen relevant sein mögen
§
Banalisierungsargument („
99 Prozent der Weblogs sind
Müll“
) daher nicht stichhaltig
Ü mag jeweils persönlich zutreffen, verkennt aber, dass
Inhalte sich eben nicht an eine generelle, sondern nur an
eine persönliche Öffentlichkeit wenden
Web 2.0
Fazit
Fazit
#24 von 25
§
Kernargumente des Vortrags
§ Öffentlichkeiten entstehen im Web 2.0 als Aggregation
von Handlungen einzelner Menschen, die Identitäts-,
Beziehungs- und Informationsmanagement betreiben
Einleitung
§ Die daraus resultierenden soziotechnischen Netzwerke
weisen Strukturierungs- und Relevanzprinzipien auf, die
die Verbreitung und Rezeption von Informationen
beeinflussen
Web 2.0
§
Ausblick
§ In dem Maße, wie sich persönliche Öffentlichkeiten
verbreiten, verändern sich auch hergebrachte
Vorstellungen von Grenzen der Privatsphäre
Fazit
§ Zukünftige Web 2.0-Anwendungen müssen es in deutlich
stärkerem Maße möglich machen, Informationen selektiv
nur bestimmten Teilen des eigenen sozialen Netzwerks
zugänglich zu machen
12
Schmidt/Mayer
Herzlichen Dank für die
Aufmerksamkeit!
Forschungsstelle „
Neue
Kommunikationsmedien“
Dr. Jan Schmidt
An der Universität 9/501
D –96045 Bamberg
fonk@split.uni-bamberg.de
www.fonk-bamberg.de
www.bamberg-gewinnt.de
Weitere Literatur
• Schmidt, Jan (2006): Weblogs. Eine kommunikationssoziologische Studie.
Konstanz.
• Schmidt, Jan (2006): Social Software. Onlinegestütztes Informations-,
Identitäts- und Beziehungsmanagement. In: Forschungsjournal Neue Soziale
Bewegungen, Nr 2/2006, S.37-46.
• Schmidt, Jan/Martin Wilbers (2006): Wie ich blogge?! Erste Ergebnisse der
Weblogbefragung 2005. Berichte der Forschungsstelle "Neue
Kommunikationsmedien", Nr. 06-01. Bamberg. Online verfügbar:
http://www.fonk-bamberg.de/pdf/fonkbericht0601.pdf
• Schmidt, Jan/Matthias Paetzolt/Martin Wilbers (2006): Stabilität und
Dynamik von Weblog-Praktiken. Ergebnisse der Nachbefragung zur „
Wie ich
blogge?!“
-Umfrage. Berichte der Forschungsstelle "Neue
Kommunikationsmedien", Nr. 06-03. Bamberg. Online verfügbar:
http://www.fonk-bamberg.de/pdf/fonkbericht0603.pdf
13
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