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ÄNGSTE, HERAUSFORDERUNGEN, CHANCEN? WIE - EMS

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4/2013
ISSN 0947-5435
E 12344
MAGAZIN ÜBER CHRISTLICHES LEBEN IM NAHEN OSTEN
ÄNGSTE, HERAUSFORDERUNGEN, CHANCEN?
WIE CHRISTEN IM NAHEN OSTEN DIE UMBRÜCHE ERLEBEN
INHALT
WIE CHRISTEN IM NAHEN OSTEN DIE UMBRÜCHE ERLEBEN
Gottes Güte gilt allen2
Ein Licht für Gottes Volk im Nahen Osten
Pfarrer Dr. Habib Badr zur Lage der Christen in Syrien und im Libanon
4
Fürbitte für Syrien7
Für die Zeit nach dem Bürgerkrieg
EMS und EVS weiten Syrienhilfe aus
8
Der missbrauchte Frühling10
Eine libanesisch-christliche Perspektive
Hoffen auf die Rückkehr der Flüchtlinge
Über Jahrzehnte haben Kriege das Schicksal der Christen im Irak bestimmt
12
Verzweiflung ist fehl am Platz14
Die Zukunft der Christen im Nahen Osten aus palästinensischer Sicht
NACHRICHTEN AUS DER SCHNELLER-ARBEIT
Vorsichtig optimistisch – gut aufgestellt für die Zukunft
16
Zum Stand der Zusammenarbeit mit der Theodor-Schneller-Schule in Jordanien
Auf den Spuren einer großen Frau
EVS feiert Schneller-Fest mit Fellbacher Luthergemeinde
20
Nachrichten aus der Schneller-Arbeit22
Ehrenamtlich aktiv!27
Medien30
Impressum33
Ein Kind an der Johann-Ludwig-Schneller-Schule
Foto: EMS/Martina Waiblinger
EDITORIAL
Liebe Leserinnen und Leser,
angesichts der dramatischen Lage im Nahen Osten
liegen die Nerven blank. Eine Folge der millionenfachen Not syrischer Flüchtlinge beschrieb unlängst
die Nachrichtenagentur Reuters: Zurzeit könnten
fast die Hälfte aller syrischen Kinder und Jugendlichen keine Schule besuchen. Derweil versuchen
die Schneller-Schulen im Nahen Osten, der Evangelische Verein für die Schneller-Schulen (EVS) und
die Evangelische Mission in Solidarität (EMS)
zu helfen, wo es möglich ist. Das Flüchtlingskinderprogramm an der Johann-Ludwig-SchnellerSchule im Libanon wurde noch einmal ausgeweitet.
Und in diesen Tagen startet im syrischen „Tal der
Christen“ ein neues Projekt unserer evangelischen
Partner vor Ort. Wir sind dankbar, dass die EMSMitgliedskirchen und viele andere diese Arbeit
unterstützen!
Es ist ermutigend, dass sich Menschen in Deutschland vom Schicksal gerade auch
der christlichen Geschwister im Nahen Osten anrühren lassen. Manchmal hat dies heftige Auseinandersetzungen zur Folge. Nach der Leserbriefdebatte im letzten SchnellerMagazin gingen bei uns weitere Zuschriften zum Thema Christenverfolgung ein. Dabei
sind die Stimmen unserer Geschwister aus dem Nahen Osten selbst sehr unterschiedlich. „Wir sind verfolgt“, sagt mir einer ihrer Vertreter. „Wir erwarten von euch, dass
ihr deutlicher für uns eintretet und die Tür nach Deutschland ein Stück weiter öffnet.“
Am selben Tag erhalte ich den Brief eines Christen aus genau demselben Land: „Die
moderaten Muslime bei uns sind die einzigen Partner, die wirkungsvoll für den Fortbestand der christlichen Gemeinden im Nahen Osten eintreten können. Laute Solidaritätsbekundungen aus dem Westen sind demgegenüber eher kontraproduktiv. Bitte hört
auf, von einer Christenverfolgung zu sprechen und damit die christliche Auswanderung
aus dem Nahen Osten noch zu befördern.“
So oder so – beide treten für das Überleben ihrer Gemeinschaften ein. Wir sollten
genauer auf die Stimmen aus Nahost hören, bevor wir urteilen. Dazu möge dieses Heft
dienen, welches sich mit den Kirchen in den Umbrüchen in der arabischen Welt befasst.
Im Namen des Redaktionsteams wünsche ich Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest
und ein friedvolles neues Jahr.
Ihre
Pfarrer Dr. Uwe Gräbe,
EVS-Geschäftsführer
1
BESINNUNG
GOTTES GÜTE GILT ALLEN
Und sie sprachen zu mir: Die übrigen von der
Gefangenschaft sind daselbst im Lande in großem Unglück und Schmach; die Mauern Jerusalems sind zerbrochen und seine Tore mit Feuer
verbrannt. Da ich aber solche Worte hörte, saß
ich und weinte und trug Leid etliche Tage und
fastete und betete vor dem Gott des Himmels
und sprach: Ach HERR, Gott des Himmels, großer und schrecklicher Gott, der da hält den Bund
und die Barmherzigkeit denen, die ihn lieben
und seine Gebote halten, lass doch deine Ohren
aufmerken und deine Augen offen sein, dass du
hörst das Gebet deines Knechtes, das ich nun
vor dir bete Tag und Nacht für die Kinder Israel,
deine Knechte, und bekenne die Sünden der Kinder Israel, die wir an dir getan haben; und ich
und meines Vaters Haus haben auch gesündigt.
(Nehemiah 1, 3-6)
Die Christen in Ägypten und Syrien
sind in den Blick der weltweiten Öffentlichkeit geraten. Die Medien zeigen viele
Bilder von verwüsteten Kirchen und vom
besetzten Maalula, dem letzten Dorf in
Syrien, in dem noch Aramäisch gesprochen wird. Täglich hören wir von Opfern
des arabischen Frühlings, und in den Leitartikeln wird über das Ende des Christentums im Nahen Osten spekuliert.
Der Prophet Nehemia war in einer ähnlichen Situation. Die Mauern Jerusalems
waren gefallen. Die Menschen lebten im
Elend, bedrängt von ihren Feinden. Das
Volk Gottes war nicht mehr präsent im
verheißenen Land. Und als Nehemia diese
Berichte hörte, wollte ihm das Herz brechen. Diese Geschichte zeigt uns vier
Wege, wie wir mit der heutigen Situation
umgehen können: Zuhören, Weinen,
Buße und Fürbitte.
2
Als erstes müssen wir noch aufmerksamer werden gegenüber denjenigen, die
wirklich leiden – wir müssen zuhören.
Jesus fordert uns in Matthäus 5, 44-46
außerdem auf, unsere Feinde zu lieben.
Wir müssen offen sein für alle Opfer und
Flüchtlinge, egal ob die Welt sie als unsere
Freunde oder Feinde bezeichnet, egal ob
sie nah oder fern sind. Wir müssen die Hilferufe aus Syrien und Ägypten hören, aber
auch die Hilferufe der gemäßigten Muslime in Nigeria, der anglikanischen Christen im pakistanischen Peshawar. Das
Gebet, das mir in den vergangenen Monaten am meisten unter die Haut gegangen
ist, ist das eines jungen ägyptischen Christen: „Gott, nimm dich derer an, die als
Terroristen handeln, genauso, wie du dich
meiner angenommen hast, auch wenn ich
es nicht verdient habe, damit sie dich lieben werden und verwandelt werden.“
Als zweites müssen wir beweinen. Im
Römerbrief schreibt Paulus über Bedrängnis, Verfolgung und Elend – aber es wird
uns dort auch gesagt, dass wir uns nicht
rächen, sondern dass wir betrauern sollen.
„Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in
Trübsal, haltet an am Gebet…. Segnet, die
euch verfolgen …. Weinet mit den Weinenden … Ist es möglich, soviel an euch
ist, so habt mit allen Menschen Frieden.
Rächet euch selber nicht, meine Lieben,
sondern gebet Raum dem Zorn Gottes.“
(Römer 12, 12 ff) Genau so hat Gottes
Geist auch Nehemia dazu gebracht, Fürbitte zu halten.
Der dritte und der vierte Weg greifen
ineinander. Wir müssen Buße tun und Fürbitte halten wie Nehemia es tat, ganz in
Foto: EMS/Katja Buck
hung zu dem lebendigen Gott bitten wir
um Gnade und Vergebung, auf dass sie auf
uns alle fallen möge für die Sünde unserer
Mitschuld und Mittäterschaft, für unsere
Lieben, für ganz Israel und für unsere arabischen Brüder und Schwestern – keiner
ist gänzlich unschuldig. Das müssen wir
anerkennen, wenn wir Regen vom Himmel erwarten, Regen der auf die Gerechten
und die nicht Gerechten fällt. Gott ist
dazu in der Lage, und tut dieses Wunder
bereits: Er erhebt die Friedensstifter, die
daran arbeiten, sich voneinander abschottende Gruppen zusammenzubringen.
Wir müssen denen unsere Hilfe anbieten, die sie brauchen. Unser Beitrag mag
klein sein, er darf sich aber nicht daran
bemessen, ob wir christliche oder nichtchristliche Opfer unterstützen. Unsere
Haltung muss sich an den klugen, christlichen Verantwortungsträgern in der
­arabischen Welt orientieren wie zum Beispiel am koptisch-orthodoxen Papst
­Tawadros II., der kürzlich verkündete: „Die
Kirche besteht nicht aus Gebäuden, sondern aus unserem Glauben.“
Ein schlichtes Holzkreuz im Innenhof der
Nilsynode in Kairo
dem Bewusstsein, dass so, wie Gott denjenigen Gerechtigkeit und Heilung bringen
möchte, die er liebt, so möchte er auch
geheiligt werden von uns allen, die wir
uns als seine Diener sehen. Auf der Suche
nach einer erneuerten persönlichen Bezie-
Betet für den Frieden auf Erden, dass
Christen für ihren Glauben und für den
Frieden einstehen. Betet für den politischen Prozess in Ägypten, dass die Rechte
aller Menschen hoch gehalten werden
und für diejenigen, die in den kommenden Monaten in verantwortungsvolle
Ämter gewählt werden, dass sie fähige
Friedensstifter werden und nicht Fanatiker, die keine Vorstellung haben von Gottes Güte, die aber auf uns alle regnet.
Pfarrer Naji Umran stammt aus Syrien.
Er lebt und arbeitet in Ägypten.
3
WIE CHRISTEN IM NAHEN OSTEN DIE UMBRÜCHE ERLEBEN
EIN LICHT FÜR GOTTES VOLK IM NAHEN OSTEN
Foto: UNHCR/S. Malkawi
Pfarrer Dr. Habib Badr zur Lage der Christen in Syrien und im Libanon
Eine UNHCR-Mitarbeiterin in Al Beereh (Libanon) kümmert sich um das Baby syrischer Flüchtlinge,
während die Eltern des Kindes sich registrieren lassen.
Angesichts der schnellen gewaltsamen
und radikalen Veränderungen, die
derzeit in der arabischen Welt, besonders in Ägypten und Syrien, stattfinden, hat sich die Situation der
Christen dramatisch verändert. Die
Verfolgung und die Gewalt gegen
Christen haben in der Tat stark zugenommen, und die Auswanderungswellen haben ein unerwartet hohes
Niveau erreicht. Die Zukunft der
Christen in dieser Region erscheint
mehr und mehr unklar, düster und
unheimlich.
4
N
och nie war die aktuelle Situation
in Syrien so schwierig und kompliziert wie heute, besonders für
die dort lebenden christlichen Gemeinden. Irgendwie erscheint es so, als wäre in
Syrien innerhalb von nur drei Jahren alles
auf den Kopf gestellt. Die Besetzung des
alten christlichen Ortes Maalula durch
Oppositionsgruppen vor einigen Wochen
ist ein typisches Beispiel dafür. Bekannt
ist, dass verschiedene radikal-islamische
Gruppierungen in den Ort eingedrungen
sind und nach einer kurzen Auseinandersetzung mit dem Militär, bei der offen-
sichtlich viel Schaden entstanden ist, wieder zurückgedrängt wurden.
Bis heute weiß niemand – auch wir
Christen im Libanon und in Syrien nicht
– ob und wie stark die alten Kirchengebäude und Klöster in Maalula beschädigt wurden. Keiner weiß, ob Menschen verletzt
oder getötet wurden. Auch ist uns nicht
bekannt, ob die christlichen Führer in
Damaskus überhaupt wissen, was genau
passiert ist, oder ob sie es wissen, darüber
aber nicht reden, weil sie Repressalien
befürchten. Und schließlich ist nicht klar,
ob die Priester, Mönche und Nonnen, die
in Maalula leben wirklich frei über die
Situation und über das, was passiert ist,
sprechen können. Das ist der traurige
Stand der Dinge.
Diese quälende Ungewissheit
Das Gleiche kann über die zwei Bischöfe
gesagt werden, die vor einigen Monaten
entführt wurden. Die beiden Patriarchen
der Griechisch- und der Syrisch-orthodoxen Kirchen haben keinen Hinweis darauf,
wo sich die beiden Bischöfe befinden
könnten, ob sie am Leben sind, und ob es
irgendwelche Forderungen im Zusammenhang mit ihrer Freilassung gegeben hat.
Oder wissen sie es, können darüber aber
öffentlich nicht sprechen? Es ist diese quälende Ungewissheit und Unsicherheit, in
der wir Christen leben und welche die
aktuelle Situation in Syrien so kritisch, so
gefährlich, so heikel und so unvorhersehbar macht.
Bis jetzt ist klar, dass der Aufstand in
Syrien, der als friedliche Bewegung begann
und auf die das Regime nicht gut reagiert
hat, mittlerweile zu einem sehr blutigen
und gewaltsamen Kampf geworden ist.
Laut Medienberichten haben sich unge-
fähr 10.000 radikal-islamische Kämpfer
aus dem Ausland zusammen mit einigen
tausend syrisch-stämmigen Islamisten zur
Opposition gesellt. Das hat folglich zu großer Verwirrung und tiefen Gräben innerhalb der Widerstandsgruppen geführt,
hinzu kommt, dass sich verschiedene
Fraktionen innerhalb der Opposition
gegenseitig bekämpfen. Sie haben kein
gemeinsames Ziel in ihrem Kampf, keine
politischen Strukturen, die sie zusammenbringen könnten und es fehlt ihnen eine
gemeinsame Vision davon, wie Syrien einmal aussehen könnte.
Millionen sind auf der Flucht
Was uns allerdings am meisten umtreibt,
ist das Flüchtlingsproblem. Millionen
Menschen sind innerhalb von Syrien auf
der Flucht, weitere Millionen haben
Zuflucht in den Nachbarländern Türkei,
Jordanien und Libanon gesucht. Der Libanon kann die Last dieses Flüchtlingsansturms nicht tragen, der etwa einem
Viertel seiner eigenen Bevölkerung entspricht. Die Folgen dieser Tragödie wirken
sich stark auf die Sicherheit des Libanon
aus, der sowieso schon instabil ist.
INFO
Zweieinhalb Jahre nach Beginn der kriegerischen Auseinandersetzungen lebt ein Großteil der syrischen Bevölkerung in Armut.
Dies geht aus einem Bericht der Vereinten
Nationen hervor, der Ende Oktober in New
York veröffentlicht wurde. Demnach seien
acht Millionen der insgesamt 21 Millionen
Syrer wegen des Krieges verarmt, mehr als
vier Millionen lebten in, so wörtlich, „völliger Armut“. Die Arbeitslosigkeit liege bei
48 Prozent, die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die nicht mehr in die Schule gehen,
bei fast fünfzig Prozent.
5
Foto: EMS/Uwe Gräbe
WIE CHRISTEN IM NAHEN OSTEN DIE UMBRÜCHE ERLEBEN
Zelte syrischer Flüchtlinge an der Straße zur Johann-Ludwig-Schneller-Schule
In erheblichem Maße werden auch die
Wirtschaftsentwicklung, die politische
Stabilität und der soziale Zusammenhalt
beeinträchtigt.
Die Frage stellt sich, was wir tun können. Zuallererst können und müssen wir
für den Frieden beten. Wir müssen in
unseren Herzen beten, in unseren Häusern, in unseren Kirchen am Sonntag und
immer dann, wenn wir Gelegenheit dazu
haben. Dann müssen wir uns aber auch
für Frieden und Gerechtigkeit stark
machen und uns gegen Gewalt aussprechen. Wir müssen in unseren Gemeinden,
in unserer Gesellschaft und in allen Foren,
die sich uns dafür bieten, dafür eintreten.
Am wichtigsten ist aber, dass wir den
Regierenden und Amtsträgern gegenüber
deutlich für Frieden und Gewaltfreiheit
eintreten.
6
Schließlich müssen wir unsere menschlichen und finanziellen Mittel nutzen, um
das Leiden unserer christlichen und nichtchristlichen Brüder und Schwestern in
Syrien und im Libanon zu lindern. Wir
müssen in der Dunkelheit ein Licht anzünden, das Gottes Volk im Nahen Osten
umhüllt. Vielleicht ist unser Beitrag nur
so groß wie das Scherflein der Witwe, aber
er muss großzügig und großherzig gegeben sein.
Dr. Habib Badr ist Leitender Pfarrer
der Nationalen Evangelischen Kirche
in Beirut, welche die Trägerschaft der
Johann-Ludwig-Schneller-Schule in
Khirbet Kanafar hat.
FÜRBITTE FÜR SYRIEN
Barmherziger Gott,
wir bringen vor dich die Not der Menschen in den Krisenregionen unserer Welt. Heute denken wir
besonders an Syrien.
Wir bitten dich für die Menschen, die unter der Gewalt des Krieges leiden, die den Tod von
Menschen, die ihnen nahe stehen, ertragen müssen und deren Lebensgrundlagen zerstört werden.
Wir bitten dich für die Opfer der furchtbaren Giftgasangriffe und für alle Opfer von Angriffen und
Verfolgung, dass sie Trost und Beistand finden. Wir bitten dich für die Millionen von Frauen,
Männern und Kindern, die aus dem Land geflohen sind oder im Land Zuflucht suchen.
Gott des Lebens, wir rufen zu dir:
G: Herr, erbarme dich.
Wir bitten dich für die, die in Syrien mit Waffengewalt um Land, Macht, Veränderungen kämpfen, dass sie Wege finden, ihre Auseinandersetzung mit friedlichen Mitteln auszutragen und zum
politischen Dialog zu kommen.
Wir bitten dich für die führenden Vertreter und Vertreterinnen der internationalen Gemeinschaft,
dass sie vor allem das Leiden der Bevölkerung vor Augen haben, und ihren Einfluss nutzen, um
die verschiedenen Parteien im Land zu Verhandlungen zu drängen. Lass sie Wege der politischen
Konfliktlösung finden und Abstand nehmen von den geplanten Militärschlägen, deren Folgen für
die Menschen in Syrien und in der Region unabsehbar sind.
Gott des Lebens, wir rufen zu dir:
G: Herr, erbarme dich.
Wir denken vor dir an unsere christlichen Geschwister in Syrien und im ganzen Nahen und
Mittleren Osten, die vielfach bedrängt sind und die sich gleichzeitig für ein gleichberechtigtes
friedliches Zusammenleben aller Menschen in der Region einsetzen. Stärke sie und stärke alle
Menschen guten Willens aus den verschiedenen Religionen.
Wir bitten dich mit Worten von Geschwistern aus dem Nahen Osten: „Lass uns hoffen und
beten, dass vor allen von uns, die wir in dieser unruhigen geplagten Region der Welt leben, eine
Zukunft liegt, die heller und sicherer, die friedlich ist.“
Gott des Lebens, wir rufen zu dir:
G: Herr erbarme dich.
Lass uns nicht vor der Gewalt und der Kompliziertheit von Konflikten resignieren. Erfülle uns mit
der leidenschaftlichen mitleidenden Liebe Jesu Christi. Segne uns mit Phantasie und Tatkraft,
dass wir unsere Möglichkeiten entdecken und nutzen, bei uns und an anderen Orten der Erde zum
Frieden beizutragen und das Leben der Menschen und deiner Schöpfung zu bewahren.
Gott des Lebens, wir rufen zu dir:
G: Herr, erbarme dich.
Ulrike Schmidt-Hesse
7
WIE CHRISTEN IM NAHEN OSTEN DIE UMBRÜCHE ERLEBEN
FÜR DIE ZEIT NACH DEM BÜRGERKRIEG
EMS und EVS weiten Syrienhilfe aus
Für Projekte zur Unterstützung der
Flüchtlinge im Libanon und in Syrien
erbitten die Evangelische Mission in
Solidarität (EMS) und der Evangelische Verein für die Schneller-Schulen
(EVS) Spenden. Gemeinsam mit Partnern vor Ort soll insbesondere Flüchtlingskindern eine Fortsetzung ihrer
Schulbildung ermöglicht werden.
A
m schlimmsten ist es, wenn andere
mit dem Finger auf mich zeigen
und rufen: iih, du Flüchtling“, sagt
die achtjährige Rihan. „Aber hier an der
Schneller-Schule tut das niemand.“ Sie
sind angekommen, die Flüchtlingskinder
aus Syrien an der Johann-Ludwig-Schneller-Schule (JLSS) im Libanon.
Bereits im September 2012 wurden an
der JLSS 21 syrische Flüchtlingskinder aufgenommen. Das erste Schuljahr war sehr
erfolgreich und konnte durch großzügige
Spenden sowie durch Zuschüsse von EMSMitgliedskirchen und befreundeten Organisationen vollständig finanziert werden.
Das Programm geht jetzt ins zweite Schuljahr mit knapp 30 Kindern, unterstützt
vom EVS, aber auch von unserem Schweizer Schwesterverein und vielen weiteren
Freundinnen und Freunden. Ein Großteil
der Kinder wird im Internat aufgenommen, einige auch an der Tagesschule. Alle
erhalten kostenlos Unterricht, Schulspeisung, Unterrichtsmaterialien und psychologische Betreuung. In einem liebevollen
Umfeld können die Kinder hoffentlich
Abstand vom Krieg bekommen.
8
Gerüstet für einen Neuanfang
nach dem Krieg
Stetig wird das Flüchtlingsprogramm an
der JLSS ausgeweitet: Nicht nur die Zahl
der Flüchtlingskinder ist gestiegen. Das
Programm richtet sich auch an alleinerziehende Mütter. Die syrische Flüchtlingsnot
im Libanon ist in weiten Teilen die Not
von Frauen und Kindern. Sie haben sich
über die Grenze in Sicherheit gebracht,
während die Männer im Krieg zurückgeblieben sind. Bei Besuchen in den improvisierten Flüchtlingslagern der Umgebung
hat der Schulleiter der JLSS, George Haddad, festgestellt, dass viele der alleinerziehenden Flüchtlingsfrauen früh geheiratet
haben, jung und ohne Ausbildung sind.
Ihnen bietet nun die JLSS eine Perspektive
in schwieriger Zeit an.
Nachdem seit etlichen Jahren auch
Mädchen an der Schule und im Internat
aufgenommen werden, wurden vor einiger Zeit neben den traditionellen Ausbildungsgängen für junge Männer auch
SPENDENKONTO
Wir bitten Sie herzlich um Ihre Spende für
die Syrienhilfe der EMS und des EVS. Wenn
Sie Ihre Spende speziell für eines der beiden
Projekte oder für das Unterprojekt geben
möchten, dann vermerken Sie das bitte als
Verwendungszweck auf dem
Überweisungs­träger.
Spendenkonto:
Evangelische Kreditgenossenschaft eG
BLZ 520 604 10 | Konto-Nr. 124
IBAN: DE85520604100000000124
BIC: GENODEF1EK1
Berufsausbildungsmöglichkeiten für Frauen zur Modeschneiderin, Friseurin oder
Kosmetikerin eingerichtet. Da sich dafür
bislang weniger libanesische Mädchen
eingeschrieben haben als erwartet, gibt es
freie Kapazitäten, die nun den alleinerziehenden syrischen Flüchtlingsfrauen zur
Verfügung gestellt werden. In dreimonatigen Intensiv-Ausbildungskursen können
sich 28 bis 30 junge Frauen für einen wirtschaftlichen Neuanfang in Syrien nach
dem Krieg qualifizieren.
Damit sie ihr Land
nicht verlassen müssen
Unterricht an der Johann-Ludwig-Schneller-Schule:
Eines der Kinder auf dem Bild ist mit seiner Familie
aus Syrien geflohen. Welches, ist nicht ersichtlich
– und das ist gut so.
Völlig neue Wege geht die Nationale Evangelische Kirche von Beirut (NECB) unter
der Leitung von Pfarrer Habib Badr
gemeinsam mit ihrer Schwesterkirche, der
Evangelischen Synode von Syrien und
dem Libanon, in diesen Tagen: In einem
ehemaligen Hotel im „Tal der Christen“
(Wadi Nasara) in Syrien soll demnächst
ein „Evangelisches Zentrum“ eröffnet werden, wo Kinder die Vorschule besuchen
können, täglich warme Mahlzeiten und
eine liebevolle Betreuung erhalten. Tausende von Flüchtlingen innerhalb Syriens
suchen in dieser relativ sicheren Region
bereits Schutz und Zuflucht vor dem Krieg;
die örtlichen Institutionen sind hoffnungslos überlastet. Durch die großzügige
Unterstützung der EMS-Mitgliedskirchen
sowie der Spenderinnen und Spender des
EVS wird es möglich, diese neue Arbeit im
Geiste von Johann Ludwig Schneller zu
begründen. Für die Menschen vor Ort –
insbesondere die Christen – tut sich so
eine Chance auf, ihr Land nicht verlassen
zu müssen.
Dr. Uwe Gräbe
9
WIE CHRISTEN IM NAHEN OSTEN DIE UMBRÜCHE ERLEBEN
DER MISSBRAUCHTE FRÜHLING
Die folgenden Gedanken zum Arabischen Frühling sind persönlicher
Natur und stellen die Sicht eines
einzelnen libanesischen Christen dar.
Auch wenn der Libanon keine ähnlichen Umbrüche erlebt hat wie Ägypten, Tunesien oder Syrien, so haben sie
dennoch Auswirkungen nicht nur auf
den Libanon sondern auf den ganzen
Nahen Osten. Meine Überlegungen
sind deswegen sowohl die eines
Außenstehenden als auch eines Betroffenen.
Foto: EMS/Uwe Gräbe
Eine libanesisch-christliche Perspektive
Z
u Beginn des Arabischen Frühlings
sah alles noch gut aus. Alle Welt
dachte, dass die arabische Welt endlich aus ihrem Tiefschlaf erwacht sei und
sich auf den Weg gemacht habe zu neuen
Horizonten eines demokratischen
Bewusstseins, von Freiheit und von Menschenrechten. Nicht zuletzt hatte der Arabische Frühling sich selbst so ankündigt.
Doch irgendetwas ist schief gegangen
mit dem Arabischen Frühling. Er wurde
vom politischen Islam missbraucht. Das
ist in Tunesien, Libyen, Jemen und in
Ägypten passiert. Und auch wenn das Bild
von der Zukunft Syriens zurzeit noch verschwommen ist, so werden doch ungeheure Anstrengungen unternommen,
damit das Gleiche in Syrien passiert.
Das Scheitern des politischen Islam in
Ägypten auf dem Hintergrund der Werte
des Arabischen Frühlings und der Ägyptischen Revolution hat aber gezeigt, dass der
politische Islam weder eine Zukunftsvision für alle hat noch in der Lage ist, das
größte Land in der arabischen Welt zu
10
regieren. Der politische Islam ist überhaupt nicht in der Lage in einer pluralistischen Welt, wie der heutigen, zu regieren.
Seine Weltsicht, die alles, was nicht in sein
Raster passt, ausschließt, kollidiert mit den
einfachsten und gängigsten Grundsätzen
von Gesellschaft in der Gegenwart. Sollte
der politische Islam doch einmal an einem
einzelnen Ort Erfolg haben, so wird der
Erfolg nicht von Dauer und irgendwann
zum Scheitern verurteilt sein.
Dieses Scheitern muss als etwas Positives gesehen werden. Vielleicht ist eine der
Errungenschaften des Arabischen Frühlings, dass er dem politischen Islam die
Eine Hauswand in Beirut – der Sprayer
jedenfalls findet, dass die Zeit für eine
Revolution im Libanon reif ist.
Gelegenheit gegeben hat, seine Unfähigkeit und sein Scheitern auf allen Ebenen
zu beweisen. Aber wird Ägypten wieder zu
einem Gleichgewicht finden? Das werden
wir erst mit der Zeit wissen. Wird der Arabische Frühling in Syrien sich weigern,
sich vom politischen Islam missbrauchen
zu lassen? Auch das werden wir erst mit
der Zeit wissen. Muss der politische Islam
in Syrien den Geschmack des Scheiterns
erst kennen lernen, so wie in Ägypten, um
selbst davon überzeugt zu sein, dass er keine Überlebenschance im 21. Jahrhundert
hat? Oder wird er erfolgreich sein? Die
Dinge können nur im Nachhinein beurteilt werden, nicht im Voraus.
Inmitten dieser Probeläufe ist mein
Herz bei den Glaubensschwestern und
-brüdern in Syrien, im Irak und in Ägypten. Sie sind die Opfer des Machthungers
des politischen Islam geworden. Ihr Leben
ist derart stark verwundet worden durch
den Arabischen Frühling, dass sie ihn Arabischen Herbst nennen. Leider läuft für
viele nahöstliche Christen, die in arabischen Ländern leben, die Zeit ab. Und ihre
Lage ist dringender denn je.
Wenn der Arabische Frühling erfolgreich sein soll, dann muss der politische
Islam seine Machtgier aufgeben. Doch das
ist noch nicht genug. Offene und moderate Gesellschaftsschichten in arabischen
Ländern müssen die Initiative ergreifen
und den Arabischen Frühling vor seinem
Missbrauch retten, indem sie für zivile
Regierungsformen eintreten, in denen alle
Bürger vor dem Gesetz gleich sind und in
denen ihre Freiheiten von der jeweiligen
Verfassung geschützt werden. Wir brauchen mehr Fürsprecher unter den moderaten arabischen Muslimen, die davon
überzeugt sind, dass es wichtig ist, dass die
historische Präsenz der Christen im Nahen
Osten weitergehen muss. Nichts kann die
Zukunft der Christen in der arabischen
Welt mehr garantieren, als wenn sie von
der muslimischen Mehrheit von Herzen
gewollt wird.
Der Theologe Dr. Johnny Awwad ist
Professor für Neues Testament an der
Near East School of Theology (NEST)
in Beirut
11
WIE CHRISTEN IM NAHEN OSTEN DIE UMBRÜCHE ERLEBEN
HOFFEN AUF DIE RÜCKKEHR DER FLÜCHTLINGE
Über Jahrzehnte haben Kriege das Schicksal der Christen im Irak bestimmt
Kaum einer in Deutschland hat so
viele Kontakte zu Christen im Irak wie
Pfarrer Horst Oberkampf. Seit Jahrzehnten setzt sich der Vorsitzende der
Solidaritätsgruppe Nordirak und
Turabdin ehrenamtlich dafür ein, dass
ihre Stimmen in den hiesigen Kirchen
gehört werden. „Jede Hilfe, jedes
Projekt, jeder Besuch zeigt den Christen im Irak, dass sie nicht vergessen
sind“, sagt Oberkampf.
Was fasziniert Sie am Irak?
Der Irak ist ein biblisch geprägtes Land.
Juden und Christen haben dort viele Spuren hinterlassen. Ethnisch gesehen sind
die Christen im Irak Assyrer, Chaldäer,
Syrer und Armenier. Die Bibel berichtet
immer wieder von ihnen. Auch Ninive bei
Mosul wird öfters erwähnt. Und nicht zu
vergessen: Der Erzvater Abraham stammt
aus Ur am Euphrat im heutigen Südirak.
Von dort aus machte er sich auf den Weg
nach Haran nahe der syrisch-türkischen
Grenze, wo heute viele Zeltstädte der
Flüchtlinge in Syrien stehen.
Wie schätzen Sie die Lage der Christen
im Irak?
Den Christen im Irak geht es derzeit nicht
gut. Über Jahrzehnte haben Kriege ihr
Schicksal bestimmt. Vor allem der letzte
Krieg im Jahr 2003 hat ihre Situation sehr
verschlechtert. Die Christen wurden von
radikalen Islamisten und terroristischen
Gruppen verfolgt, bedrängt, vertrieben
oder ermordet. Zu Tausenden sind sie
geflohen – in die Nachbarländer oder in
den Norden des Irak, nach Irakisch Kurdistan und in die Ninive-Ebene bei Mosul,
wo schon immer Christen lebten. Mehr
12
als 60.000 christliche Flüchtlinge haben
dort Zuflucht gefunden.
Haben die aktuellen Umbrüche in der
arabischen Welt Auswirkungen auf die
Christen im Irak?
Die Menschen im Irak wissen sehr genau,
was es heißt, in Zeiten der Gewalt leben
zu müssen. Heute sind es Syrien und Ägypten, die von Gewalt überrollt werden und
wieder leiden die Christen als schutzlose
Minderheit besonders stark. Während des
Irak-Kriegs waren Hunderttausende nach
Syrien geflohen. Viele von ihnen kommen
nun wieder zurück und sind jetzt Flüchtlinge im eigenen Land.
Zeugnis einer sehr langen Tradition: Das syrischorthodoxe Kloster Mar Mattai, östlich von Mosul,
gehört zu den ältesten christlichen Klöstern in der
ganzen Welt. Gegründet wurde es im Jahr 344.
Foto: Horst Oberkampf
Welche Rolle spielt das Thema Auswanderung heute im Irak?
Seit 2003 haben hunderttausende Christen ihre Heimat für immer verlassen. Offizielle Zahlen gibt es nicht. Aber
Schätzungen gehen davon aus, dass 1991
noch etwas mehr als eine Million Christen
im Irak lebten. Heute sind es 300.000 bis
400.000. Das sind dramatische Zahlen.
Nicht umsonst rufen die Bischöfe im Irak
die Christen seit Jahren zum Bleiben auf.
Louis Sako beispielsweise, der seit Anfang
des Jahres Patriarch der Chaldäischen Kirche ist, sagte mir vor einigen Jahren: ‚Wir
glauben, dass Gott uns für hier erschaffen
hat. Wir dürfen unsere Heimat nicht aufgeben. Wir dürfen einander nicht im Stich
lassen. Unser Reichtum liegt hier und
nicht im Ausland.‘ Trotzdem müssen wir
uns klar machen: Jeder Angriff auf die
Christen erschüttert die gesamte christliche Gemeinschaft und stellt jeden einzelnen vor die Grundfrage: Soll ich fliehen
oder kann ich bleiben?
Ist das Ende der Christenheit im Irak
gekommen?
Diese Frage ist schwer zu beantworten. Ich
möchte gerne den Erzbischof Mar Gewargis Sliva aus Bagdad zitieren. Er sagte bei
der Jahrestagung der Solidaritätsgruppe
2010: ‚Wir Christen leben von der Hoffnung, die sich aus unserem christlichen
Glauben ergibt. Wir hoffen auf eine Rückkehr der vielen Flüchtlinge, die jetzt im
Norden des Irak, in den Nachbarländern
und im westlichen Ausland leben. Wir
hoffen auf eine Rückkehr, damit die wenigen Christen im Irak wieder mehr werden.
Damit unsere Obstbäume wieder blühen,
damit Dora, dieser alte christliche Stadtteil
von Bagdad, wieder das einst große christliche Dora in Bagdad wird. Die Voraussetzung aber ist, dass wir unsere Rechte
bekommen und für unseren Schutz
gesorgt ist.‘
Die Fragen stellte Katja Dorothea Buck.
ZUR PERSON
Horst Oberkampf ist Pfarrer i.R. und Mitgründer der Solidaritätsgruppe Nordirak
und Turabdin, die sich seit Jahrzehnten für
Christen in diesen beiden Gegenden einsetzt. Der 71-Jährige hat mehrere Bücher
geschrieben. Das Neueste hat er zusammen
mit dem Ökumene-Referenten der bayerischen Landeskirche Thomas Prieto Peral
herausgegeben und ist kürzlich unter dem
Titel „Heimat oder Exil? – Zur Lage der
Christen im Irak“ im Erlanger Verlag für
Mission und Ökumene erschienen. Horst
Oberkampf betreibt auch die Internetseite
www.nordirak-turabdin.de, die fundiert,
aktuell und ansprechend über die Christen
im Nordirak und im Turabdin berichtet.
13
WIE CHRISTEN IM NAHEN OSTEN DIE UMBRÜCHE ERLEBEN
VERZWEIFLUNG IST FEHL AM PLATZ
Die Zukunft der Christen im Nahen Osten aus palästinensischer Sicht
Alle Palästinenser verfolgen sehr
genau, was derzeit in den arabischen
Nachbarländern geschieht. Palästinensische Christen haben aber ihre eigenen Gründe, sich für die Umbrüche zu
interessieren. Sie sehen, was mit den
anderen Christen im Nahen Osten
passiert und das macht ihnen Angst.
Dennoch gibt es Hoffnung.
I
m Gegensatz zu anderen arabischen
Ländern sind in Palästina die Beziehungen zwischen Christen und Muslimen im Großen und Ganzen gut. Wir
müssen keine Überfälle auf Kirchen und
kirchliche Einrichtungen ertragen. Auch
sind palästinensische Christen in ihrer
Gesellschaft stark verwurzelt. Vielleicht
liegt das daran, dass Christen und Muslime in Palästina gleichermaßen leiden,
dass sie gemeinsam für ihre Rechte kämpfen und die gleichen Hoffnungen teilen.
Antichristliche Anklänge gibt es nicht einmal in den islamistischen Gruppierungen.
Doch allein die Tatsache, dass es diese
Strömungen gibt, flößt den palästinensischen Christen Angst ein. Sie sehen nicht,
wo in einem islamisierten Palästina ihr
Platz sein soll.
Christen im Nahen Osten wissen aus
Erfahrung, dass ihr Heil nicht von außen,
und schon gar nicht vom Westen kommt.
Jedes Mal, wenn sie sich auf den Westen
verlassen haben, waren die Folgen verheerend. So war es bei den Assyrern im Irak
in den 1930er Jahren, oder bei den libanesischen Christen während des Bürgerkriegs von 1975, oder während der
Besetzung des Irak 2003, oder bei der
Staatsgründung Israels 1948, oder ganz
14
aktuell, bei dem, was derzeit in Syrien passiert.
Das Heil der Christen im Nahen Osten
kann nur aus ihrem tiefen Glauben kommen und aus der Tatsache, dass sie in
ihren Ländern und in ihren Gesellschaften
stark verwurzelt sind. Ihr gesellschaftliches Engagement wird es ihnen erlauben,
ihren Platz zu behaupten. Mittlerweile
gibt es immer mehr und immer lautere
Stimmen in allen arabischen Ländern, die
betonen, wie wichtig die nahöstlichen
Christen für ihre Gesellschaften sind und
dass der Schutz der Christen nicht nur für
sie selbst gut ist, sondern auch für die
jeweilige Gesellschaft. Leider sehen einige
im Westen, besonders evangelikale Christen aus den USA, die Christen im Nahen
Osten als ein Propaganda-Objekt gegen
die muslimische Welt. Damit tun sie
sowohl den Christen als auch den Muslimen Unrecht – und auch dem Westen
selbst.
Wir werden oft gefragt: Was kann der
Westen tun? Er soll helfen, dass die Christen in ihren Ländern bleiben können. Auswanderung ist keine Lösung. Die Christen
im Nahen Osten sind sicherlich nur eine
sehr kleine Minderheit, sie sind aber kein
Unfall der Geschichte, keine fremde Minderheit. Sie zu entwurzeln würde dazu führen, dass sie selbst und ihre Gesellschaften
verarmen. Vielmehr sollen Christen mit
ihrem Engagement und ihrer Demut Salz
und Licht in ihren Gesellschaften sein.
Wenn jemand helfen will, dann soll er es
in diesem Sinne tun.
Foto: Katja Buck
dass sie die Größe hatten, sich
immer wieder an neue Situationen zu gewöhnen, um weiter
präsent zu bleiben und ihren
gesellschaftlichen Beitrag zu leisten. Die Schwierigkeiten, vor
denen sie heute stehen, sind
nicht dramatischer als die der
Vergangenheit. Und so wie sie
diese Schwierigkeiten in der Vergangenheit überwunden haben,
werden sie es auch mit den heutigen Problemen aufnehmen
können. Wir wissen, dass Christus die Christenheit begleitet
und ihr Mut und Hoffnung gibt.
Christen müssen deswegen zu
den lebendigen Quellen des
Glaubens zurückfinden, um von
dort die Kraft zu bekommen, Zeichen der Hoffnung in ihrer
Gesellschaft zu setzen.
Neunte Station eines Kreuzwegs, gesehen in
einer kleinen Kirche in Südfrankreich: „Bewahre
uns vor der dritten Todsünde, welche die Verzweiflung ist. Nichts ist wirklich verloren, solange
uns der Tod noch bevorsteht.“ (Frei nach Paul
Claudel)
Ich möchte diesen Artikel nicht ohne
einen hoffnungsvollen Ausblick schließen. Der Nahe Osten hat im Laufe seiner
langen Geschichte eine Reihe von dramatischen Umbrüchen erlebt. Und die Christen haben die Auswirkungen immer
deutlich zu spüren bekommen. Trotz
allem haben sie aber nicht nur überlebt,
sondern auch weitergelebt in dem Sinn,
Sicherlich, die Zahl der Christen wird immer kleiner. Verzweiflung ist aber fehl am Platz.
Es braucht vielmehr eine lebendige Hoffnung, die handlungsfähig macht. Im Heiligen Land ist
uns sehr bewusst, dass wir nah
bei einem leeren Grab leben.
Jesus ist auferstanden und ruft
uns auf, die aktuelle Situation als
eine Einladung zum Glauben
anzusehen, zu Hoffnung und zu
Barmherzigkeit.
Pater Rafiq Khoury, Lateinisches
Patriarchat Jerusalem. Der Text ist eine
gekürzte Fassung. In Originallänge
wird der Artikel voraussichtlich in der
französisch-sprachigen Zeitschrift
„Proche-Orient Chrétien“ erscheinen.
15
NACHRICHTEN AUS DER SCHNELLER-ARBEIT
VORSICHTIG OPTIMISTISCH –
GUT AUFGESTELLT FÜR DIE ZUKUNFT
Zum Stand der Zusammenarbeit mit der Theodor-Schneller-Schule in Jordanien
V
or einigen Monaten hatten wir
bereits im Schneller-Magazin darüber berichtet: Es hat Debatten
gegeben über die Zusammenarbeit an der
Theodor-Schneller-Schule (TSS), über Verantwortlichkeiten und pädagogische Konzepte. Viele Gespräche haben dazu in
Amman und Jerusalem stattgefunden, in
denen sich auch der alte und der neue
Generalsekretär der EMS, Bernhard Dinkelaker und Jürgen Reichel, sowie der
Kuratoriumsvorsitzende der Schneller-Stiftung, Botschafter a.D. Dr. Martin Schneller, engagiert haben. Als Förderverein
musste der Evangelische Verein für die
Schneller-Schulen (EVS) lernen, dass die
Trägerkirche der TSS, die Anglikanische
Diözese von Jerusalem und dem Mittleren
Osten, unseren Konzepten einer Friedenspädagogik für die Schule nur begrenzt
folgen kann. Zu heikel seien diese Ansätze,
besonders in der Nachbarschaft eines
Flüchtlingslagers, so wurde uns immer
wieder gesagt. Eine Erklärung hierfür liegt
in dem eher rhetorischen Gebrauch des
Wortes „Frieden“ in Zusammenhang mit
einem Prozess, der aus Sicht der Palästinenser bisher keinerlei substanzielle Fortschritte zu einer Lösung des israelischpalästinensischen Konflikts gebracht hat
und eher dazu dient, eine unverändert
triste Realität zu verschleiern.
Mittlerweile sind einige Entscheidungen gefallen. Von 2004 bis Ende 2011 war
Musa Almunaizel an der TSS tätig. Er hat
hier die Arbeit des neu eingerichteten pädagogischen Zentrums aufgebaut, zukunfts-
16
weisende pädagogische Konzepte auf den
Weg gebracht, Erzieherinnen und Erzieher
fortgebildet, ein ganzes Ensemble heilpädagogischer Gärten begründet und dabei
zahlreiche Kooperationen mit unterschiedlichen Partnern etabliert und
gepflegt. Für dieses herausragende Engagement, welches zahlreiche Früchte getragen hat, sind wir ihm sehr dankbar. Musa
Almunaizel, der inzwischen als Geschäftsführer bei der Berliner Lebenshilfe arbeitet, wird nun nicht wieder nach Amman
zurückkehren.
Auch die Dienstzeit des Direktors der
TSS, Ghazi Musharbash, endet mit dem
Ablauf dieses Jahres. In schwierigen Zeiten
hatte er sich bereit erklärt, die Leitung der
Schneller-Schule zu übernehmen. Als
erfolgreicher Unternehmer im Ruhestand
(und zeitweilig Parlamentsabgeordneter)
entwickelte er etliche Projekte, um die Einrichtung finanziell unabhängiger zu
machen – mit Erfolg! Trug zu Beginn seiner Amtszeit der EVS noch etwa die Hälfte des Schulhaushaltes bei, so ist es
nunmehr nur noch ein Drittel. Es war eine
gute Amtszeit, für die wir dankbar sind.
Ebenso dankbar sind wir dafür, dass Ghazi Musharbash weiterhin bereit ist, im
lokalen Verwaltungsrat der TSS mitzuarbeiten und hier seine enorme Expertise
einzubringen.
Zuletzt sind nun auch Fortschritte bei
einem der größeren Projekte erkennbar,
die Ghazi Musharbash angestoßen hat:
Unlängst wurden die ersten Busse auf den
Teil des Schneller-Geländes gefahren, wo
fast zwei Jahre lang eine große Baugrube
klaffte. Hier sollte einmal ein großer
Betriebshof entstehen: gut für die Mieteinnahmen und gut für Praktika der KFZLehrlinge an der TSS. Doch dann war die
Bus-Firma in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten; die Baustelle lag brach. Nachdem die Stadt Amman nun den größten
Teil der Firmenaktien gekauft hat, scheint
es wieder aufwärts zu gehen – und der TSS
erschließt sich somit eine – hoffentlich
gute – Einnahmequelle.
Zuletzt sind nun auch Fortschritte bei
einem der größeren Projekte erkennbar,
die Ghazi Musharbash angestoßen hat:
Dass endlich auch Mädchen im Internat
aufgenommen werden, ist ein Erfolg der
jüngsten Zeit.
Unlängst wurden die ersten Busse auf den
Teil des Schneller-Geländes gefahren, wo
fast zwei Jahre lang eine große Baugrube
klaffte. Hier sollte einmal ein großer
Betriebshof entstehen: gut für die Mieteinnahmen und gut für Praktika der KFZLehrlinge an der TSS. Doch dann war die
Bus-Firma in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten; die Baustelle lag brach. Nachdem die Stadt Amman nun den größten
Teil der Firmenaktien gekauft hat, scheint
es wieder aufwärts zu gehen – und der TSS
erschließt sich somit eine – hoffentlich
gute – Einnahmequelle.
In diesen Tagen wird nun ein neuer
Direktor gewählt. Welche Schwerpunkte
er gemeinsam mit dem lokalen Verwal-
tungsrat für die TSS setzen wird, ist noch
offen. Deutlich ist jedoch, dass die friedenspädagogischen Projekte an ein Ende
gekommen sind. Die letzten für diesen
Zweck eingegangenen Spendengelder
nutzt Ghazi Musharbash in diesen Tagen
zur Fertigstellung des „Abrahamitischen
Gartens“, der eine zentrale Rolle für das
Miteinander der Religionen an der TSS
spielen soll. Wir danken allen, die großzügig für die Friedenspädagogik der TSS
gespendet haben. Zukünftige Spendeneingänge werden in den regulären Schulhaushalt fließen.
Die TSS befindet sich deutlich an einer
Schwelle, an der neue Orientierung notwendig ist. Welche pädagogischen Konzepte zukünftig umgesetzt werden sollen
und wohin sich die berufliche Bildung
entwickelt, ist momentan noch offen. Es
ist ein Einschnitt in der bisherigen Entwicklung der Schneller-Schule. Mehr Verantwortung in die Hände des Gastlands zu
legen war immer eine Zielsetzung seit
Gründung der Schule. Dies geschieht nunmehr und entspricht einer Tendenz bei der
Zusammenarbeit mit ausländischen Partnern weltweit. Da hierbei noch viele Fragen offen sind, hat z.B. das Ökumenische
Freiwilligenprogramm der EMS in diesem
Jahr bis zu einer Klärung dieser Punkte
erstmals keine Freiwilligen an die TSS entsandt. Natürlich fällt es nicht leicht, die
Arbeit der zurückliegenden Zeit nicht fortführen zu können. Dennoch waren die
Investitionen der vergangenen Jahre nicht
vergebens. Viele bleibende Erfolge konnten erzielt werden:
verfügt die TSS über einen KinfErstmals
f
dergarten.
fErstmals
f
werden an der TSS Jungen und
Mädchen gemeinsam erzogen.
17
Foto: EMS/Uwe Gräbe
NACHRICHTEN AUS DER SCHNELLER-ARBEIT
Schneller-Schüler kümmern sich um die Sauberkeit auf dem Schulgelände.
fMit
f
dem Pädagogischen Zentrum, im
Zusammenspiel mit dem vor einigen Jahren renovierten Gästehaus, steht der TSS
eine unschätzbare Ressource zur Verfügung. Wenn sie auch momentan kaum
von der TSS selbst genutzt wird, so mieten
doch viele auswärtige Gruppen diese
Räumlichkeiten für ihre eigenen friedenspädagogischen Projekte und tragen
damit zur Finanzierung der TSS bei. Darunter befindet sich auch die BerghofFoundation aus Deutschland, bei der sich
unter anderem Musa Almunaizel ehrenamtlich engagiert. So war er in den vergangenen Monaten wieder mehrfach an
seiner alten Wirkungsstätte anzutreffen.
18
Mit all diesen Errungenschaften besteht guter
Grund zu Optimismus und Gottvertrauen:
Die TSS ist für die Zukunft gut aufgestellt!
Eine der letzten Personalentscheidungen von Ghazi Musharbash war die Einstellung von Bishara Tannous als
Erziehungsleiter. Bishara ist bereits als kleines Kind an die TSS gekommen und hier
aufgewachsen. So fühlt er sich dem
bewährten Konzept der Schneller-Schulen
verpflichtet, eine solide Berufsausbildung
mit der akademischen Ausbildung zu verbinden. Ein besonderes Anliegen ist ihm,
dass die Schülerinnen und Schüler selbst
Verantwortung für ihre Einrichtung übernehmen. So sieht man in diesen Tagen
immer wieder Kinder und Jugendliche mit
Besen und Schaufeln über das Gelände zie-
Foto: EMS/TSS
EVS-Vorsitzender Klaus Schmid (rechts) unterschreibt das neue Abkommen mit der Partnerkirche. Neben ihm von links nach rechts: Khaled Freij, Pfarrer an der TSS, Bischof Suheil Dawani,
EVS-Geschäftsführer Uwe Gräbe.
hen. Es wird gefegt und ausgebessert,
Bewässerungsgräben wurden angelegt,
Bordsteine gestrichen und der Spielplatz
repariert. Das Gelände rings um das Internatsgebäude erstrahlt in neuem Glanz!
Ein abschließender Schritt nach den
Verhandlungen der vergangenen Monate
war nunmehr die Unterzeichnung eines
neu überarbeiteten Abkommens zwischen
der EMS und der Anglikanischen Diözese.
Ausdrücklich wird darin das Engagement
des EVS für die Einrichtung anerkannt;
viele Fragen der Zusammenarbeit – insbesondere im lokalen Verwaltungsrat – werden in dem Papier geklärt. Aber auch dies
wird in dem Abkommen deutlich: Letzte
Verantwortung für die Einrichtung hat die
örtliche Trägerkirche. Die Entscheidungen
über den zukünftigen Weg der TSS liegen
bei ihr. Dabei wollen EMS und EVS ihr
auch weiterhin gerne unterstützend zur
Seite stehen. Für die Zukunft der Schülerinnen und Schüler ist die Schneller-Schule von unschätzbarem Wert – und wir
stehen zur Partnerschaft mit unseren
Geschwistern vor Ort. Daher bitten wir Sie
auch weiter herzlich um Ihre Treue und
Unterstützung!
Pfarrer Dr. Uwe Gräbe,
im Oktober 2013
19
NACHRICHTEN AUS DER SCHNELLER-ARBEIT
AUF DEN SPUREN EINER GROSSEN FRAU
EVS feiert Schneller-Fest mit Fellbacher Luthergemeinde
Einen besseren Ort als Fellbach hätte
sich der Evangelische Verein für die
Schneller-Schulen (EVS) für seine
diesjährige Mitgliederversammlung
kaum aussuchen können. Nicht nur,
dass die Weingärtner-Stadt östlich von
Stuttgart enge historische Beziehungen zur Schneller-Arbeit hat, auch
herrscht in der gastgebenden Luthergemeinde eine Gastfreundschaft, die
Ihresgleichen sucht.
B
ereits im gut besuchten Gottesdienst
in der Lutherkirche bekamen die
zum Teil von weit angereisten
Schneller-Freunde den Eindruck, dass sie
in Fellbach herzlich willkommen waren.
Pfarrer Eberhard Steinestel zeichnete in
seiner Begrüßung die Beziehungen Fellbachs zur Schneller-Arbeit auf. In eben
jener Kirche, vor eben jenem Altar hatte
Theodor Schneller, der Sohn des Gründers
des Syrischen Waisenhauses in Jerusalem,
im Juli 1887 der Fellbacherin Johanna Allmendinger das Ja-Wort gegeben. Im
Anschluss an den Gottesdienst, bei dem
der neue EMS-Generalsekretär Pfarrer Jürgen Reichel die Predigt gehalten hatte,
ging Bürgermeister Günter Geyer in seinem Grußwort noch einmal kenntnisreich
auf das Leben dieser Frau ein, die das kleine Städtchen im Remstal verließ, um mit
ihrem Mann nach Jerusalem zu gehen und
dort die Hauswirtschaft des Syrischen Waisenhauses zu führen. Vier Kinder gingen
aus dieser Ehe hervor, darunter Hermann
und Ernst Schneller, die später die JohannLudwig-Schneller-Schule im Libanon und
die Theodor-Schneller-Schule in Amman
gründeten.
20
Dass die Fellbacher auf Johanna Schneller, geb. Allmendinger stolz sind, zeigte
sich auch beim anschließenden Besuch im
Stadtmuseum, das dieser großen Frau
einen eigenen Ausstellungsteil gewidmet
hat. Zahlreiche Exponate aus ihrem Leben
zeigen, wie viel Kraft Johanna Schneller
aus ihrem Glauben ziehen konnte. Ansprechend wird der zeithistorische Kontext
erläutert und die Geschichte und Bedeutung des Syrischen Waisenhauses nachgezeichnet. Der gebürtige Fellbacher Theo
Lorenz, der selbst einmal in den SchnellerSchulen tätig war und jetzt die Kontakte
zwischen dem EVS und Fellbach geknüpft
hatte, führte kompetent durch die Ausstellung.
Beim anschließenden Schneller-Fest im
Paul-Gerhardt-Haus, bei dem das FestTeam der Gemeinde alles tat, damit sich
die Gäste wohl fühlten, sprach Dr. Roland
Löffler über die Umbrüche in der arabischen Welt und kam nach einer klaren
Analyse der Situation in den einzelnen
Ländern zu dem nüchternen Schluss, dass
der Weg zur Demokratie, der mit Beginn
der Jasmin-Revolution in Tunesien vor
knapp drei Jahren noch aller Welt so klar
und deutlich vor Augen stand, doch lang
und steinig sein wird.
In der eigentlichen Mitgliederversammlung berichteten Pfarrer Klaus
Schmid, EVS-Vorsitzender, und EVSGeschäftsführer Pfarrer Dr. Uwe Gräbe von
ihren jüngsten Besuchen an den beiden
Schulen und gingen auf die spezifischen
Herausforderungen beider Einrichtungen
ein. Der Schatzmeister des Vereins, Dr.
Reinhold Schaal, stellte den Finanzbericht
Foto: EMS/Katja Buck
Einige Schneller-Freunde im Fellbacher Stadtmuseum, das einen eigenen Ausstellungsteil
Johanna Schneller, geb. Allemendinger gewidmet hat.
vor und konnte aufzeigen, dass mit insgesamt knapp 400.000 Euro das Spendenergebnis 2012 im Vergleich zum Vorjahr
zwar leicht gesunken war, dass der EVS
aber längst nicht so viele Einbußen im
Spendenbereich verzeichnen musste wie
viele andere Hilfswerke. Er rief die Schneller-Freunde zudem auf, in den jeweiligen
Gemeinden für die Arbeit der Schulen zu
werben.
Die Mitgliederversammlung berief
außerdem einstimmig die bisherigen Mitglieder im Kuratorium der Schneller-Stiftung
– Erziehung zum Frieden für weitere fünf Jahre. Neben Pfarrer Eberhard Will aus Kassel,
den der Missionsrat der Evangelischen
Mission in Solidarität (EMS) ins Kuratorium entsendet hat, und neben Dr. Basil
Rischmawi (Köln) und Kerstin Sommer
(Karlsruhe), die beide vom EVS-Vorstand
entsendet sind, gehören dem Stiftungskuratorium wieder MdB Steffen Bilger (Lud-
wigsburg/Berlin), Prof. Dr. Herta
Däubler-Gmelin (Tübingen), Kirchenpräsident Dr. Volker Jung (Darmstadt), Botschafter a.D. Dr. Martin Schneller (Zlan/
Österreich) und Alfons Riek (Stuttgart) an.
Des Weiteren verabschiedete die Mitgliederversammlung einstimmig die neue
Vereinssatzung, die mit den Strukturveränderungen innerhalb der Evangelischen
Mission in Solidarität (EMS), in der der
EVS Mitglied ist, notwendig geworden
war. Auch die neue Vereinbarung, die nun
zwischen EMS und EVS gilt, nahm die Mitgliederversammlung zustimmend zur
Kenntnis.
Im kommenden Jahr wird der EVS am
19. Oktober 2014 zur Mitgliederversammlung einladen.
Katja Dorothea Buck
21
NACHRICHTEN AUS DER SCHNELLER-ARBEIT
Der zerstörte Grabstein von Johann
Ludwig und Magdalene Schneller auf dem
Zionsfriedhof
GRABSCHÄNDUNG
IN JERUSALEM
Jerusalem (EVS). In der Nacht vom 29.
auf den 30. September 2013 wurden auf
dem protestantischen Zionsfriedhof in
Jerusalem rund 25 Gräber geschändet, darunter auch das Grab des Gründers des
Syrischen Waisenhauses, Johann Ludwig
Schneller, und seiner Frau Magdalena. Wie
bei den meisten beschädigten Gräbern
wurde auch in diesem Fall das steinerne
Kreuz vom Grabmal geschlagen.
Die Tat wird einer Gruppe jugendlicher,
nationalreligiöser Juden zugeschrieben,
die in den vergangenen Monaten häufiger
durch so genannte „Preisschild-Attacken“
gegen christliche, muslimische und linksgerichtete jüdische Einrichtungen von
sich reden machten. Solche Taten stehen
oft in Zusammenhang mit der Siedlungspolitik. Wenn beispielsweise Siedlungen
geräumt werden sollen, kommt es zu Vandalismus vonseiten radikaler jüdischer
Siedler. Die Preisschild-Attacken sollen zeigen, dass das Vorgehen gegen Siedlungen
seinen Preis hat.
22
In Jerusalem werden Vorkommnisse
wie auf dem Zionsfriedhof mittlerweile
sehr ernst genommen: Die Polizei hat eine
umfassende Untersuchung eingeleitet,
und bereits am 11. Oktober kamen etwa
50 jüdische Israelis zu einem Solidaritätsbesuch auf den Friedhof. Die Anglikanische Diözese von Jerusalem, die
gemeinsam mit der deutschsprachigen
Erlöserkirchengemeinde für den Friedhof
verantwortlich ist, hat sich bereit erklärt,
die beschädigten Grabsteine zu reparieren.
JORDANIEN ENTDECKEN
MIT ALLEN SINNEN
Bad Boll (EVS). Zu
einer Wander- und
Begegnungsreise
nach Jordanien lädt
die Evangelische
Akademie Bad Boll
vom 26. April bis 7.
Mai 2014 ein. Dabei
soll sowohl die reiche
Geschichte als auch
die faszinierende Natur dieses spannenden
Landes erkundet werden. Wanderungen
in die geheimnisvolle Nabatäer-Stadt Petra stehen genauso auf dem Programm wie
die faszinierende Wüstenlandschaft des
Wadi Rum oder die Eichenwälder im Norden. Die Reise führt auch zu römischen
und biblischen Orten, nach Amman sowie
ans Tote Meer. Der Austausch mit Einheimischen über Politik, Religion und die
Flüchtlingsfrage soll dabei nicht zu kurz
kommen.
Weitere Informationen:
martina.waiblinger@ev-akademie-boll.de
oder 07164 79-302.
REISE IN DEN
LIBANON
Stuttgart (EVS). Zu
einer Privatreise in
den Libanon und an
die Johann-LudwigSchneller-Schule
(JLSS) vom 11. bis 20. Juni
2014 lädt Anselm Kreh ein, der drei Jahre
lang Ausbildungsleiter an der JLSS war.
Neben einem ausführlichen Besuch der
Schule und einem Gespräch mit Pfarrer
George Haddad, dem Direktor der Schule,
stehen auch Ausflüge nach Anjaar, Baalbek, Beirut, Byblos, Deir El Kamar, Sidon
oder zum Weingut Ksara auf dem Programm. Bei einer Reise in den Libanon
darf natürlich auch nicht eine Wanderung
durch die bizarre Berg- und Felsenlandschaft im Naturpark Barouk fehlen. Dort
stehen die schönsten der wenigen Zedern,
die es im Libanon noch gibt. Die Teilnehmenden sind während der ganzen Zeit in
dem gut ausgestatteten Gästehaus der JLSS
untergebracht.
Weitere Informationen und Anmeldungen:
anselm.kreh@web.de oder 07322/21152
DIE BIBEL ERLEBBAR MACHEN
Schönbronn (EVS). Manchmal liegen der
Schwarzwald und der Nahe Osten näher
beieinander, als man denkt. Die Bibelerlebniswelt in Schönbronn bei Schramberg
beispielsweise hat sehr direkte Bezüge zu
den Schneller-Schulen. 2007 wurde sie als
Verein von Diakon Dieter Vanselow
gegründet. Viele Jahre war er Mitarbeiter
in den Schneller-Schulen, erst im Libanon
und dann in Amman, wo er lange Zeit
Erziehungsleiter war.
„Kommet, sehet und schmeckt, wie
freundlich der Herr ist.“
Die Bibelerlebniswelt steht unter dem
Motto: „Kommet, sehet und schmecket,
wie freundlich der Herr ist.“ Sie hat unter
anderem das Ziel, die biblische Botschaft
mit allen Sinnen erlebbar zu machen, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen
einen lebendigen Zugang zur Bibel zu
ermöglichen sowie durch Begegnungsreisen in den Nahen Osten einen Beitrag zur
Völkerverständigung leisten. Die Schneller-Schulen spielen dabei eine wichtige
Rolle. Mit Bildern, Infomaterialien sowie
weiteren persönlichen Erklärungen werden sie als Beispiel eines vorbildlichen
christlich-sozialen Werks vorgestellt.
Vor drei Jahren hat Landesbischof
Frank Otfried July die Bibelerlebniswelt
mit dem Bibelpreis der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, der Bibelgesellschaft sowie des Bibelhauses in Stuttgart
ausgezeichnet. Zahlreiche Familien,
Gemeinden und Gruppen haben in den
vergangenen Jahren einen Ausflug in den
Schwarzwald mit einem Besuch in der
Bibelerlebniswelt Schönbronn verbunden.
www.bibelerlebniswelt.de
23
NACHRICHTEN AUS DER SCHNELLER-ARBEIT
ZUM TOD VON DR. GUDRUN GRASHOF
Mit Trauer erfüllt uns die Nachricht vom
Tode von Dr. Gudrun Grashof. Als Ehefrau
des langjährigen Vorstandsmitglieds KarlTheodor Grashof hat sie an vielen Sitzungen des Evangelischen Vereins für die
Schneller-Schulen (EVS) teilgenommen
und war so immer auf dem Laufenden,
was an den Schulen geschah. Dem Ehepaar Grashof ist zu verdanken, dass die
Schneller-Schulen in der Region Aachen
bekannt wurden. Dort haben auch einige
Vorstandssitzungen stattgefunden, zu
denen Grashofs gerne einluden. Auf ihre
Initiative hin fand auch einmal eine Mitgliederversammlung in Aachen statt, die
von Grashofs liebevoll vorbereitet wurde.
Über den EVS kam Gudrun Grashof in
den neu gegründeten Frauenbeirat des
Evangelischen Missionswerks in Südwestdeutschland (EMS, heute: Evangelische
Mission in Solidarität), wo sie die Interessen des EVS und der Partnerkirchen mit
großem Einsatz einbrachte. Mit Dr. Gudrun Grashof verliert der EVS eine langjährige und treue Freundin. Wir sind dankbar
für alles, was sie für die Schneller-Schulen
getan hat.
Pfarrer Klaus Schmid, EVS-Vorsitzender
SPENDENBESCHEINIGUNGEN 2013
Falls Sie bis Mitte Februar 2014 keine
Zuwendungsbestätigung für Ihre Spende
im Jahr 2013 an den Evangelischen Verein
für die Schneller-Schulen (EVS) erhalten
haben, könnte es daran liegen, dass wir
keine vollständige Anschrift von Ihnen
haben oder das Feld „Jahresquittung“ auf
der Überweisung nicht angekreuzt war.
Bitte melden Sie sich umgehend bei Frau
Ursula Feist in der Geschäftsstelle des EVS,
Vogelsangstraße 62, 70197 Stuttgart, 071163678-39, feist@ems-online.org.
Sie erleichtern uns das Bearbeiten Ihrer
Spenden, wenn Sie auf dem Überweisungsträger Ihre Freundesnummer und/
oder Ihren Vor- und Zunamen mit vollständiger Adresse angeben. Benutzen Sie
dazu bitte das Feld „Verwendungszweck“.
Sollten Sie eine Spende im Auftrag einer
dritten Person überweisen, dann geben Sie
unter „Verwendungszweck“ zusätzlich
24
den Namen des Spenders bzw. der Spenderin an. Andernfalls sind wir gesetzlich
verpflichtet, die Spendenbescheinigung
auf Ihren Namen auszustellen. Teilen Sie
uns mit, falls die Adresse des Spenders
bzw. der Spenderin nicht mit Ihrer übereinstimmt. Vielen Dank für Ihre Treue!
Dank!
Mit herzlichem Dank bestätigen wir
den Eingang von Gaben unbekannter
Spenderinnen und Spender und von
Spendenden, die keinen Einzeldank
wünschen.
WERDEN SIE
MITGLIED IM EVS!
Der Evangelische Verein für die
Schneller-Schulen e.V. (EVS) unterstützt und begleitet die Arbeit der
Johann-Ludwig-Schneller-Schule im
Libanon und der Theodor-SchnellerSchule in Jordanien. Seine besondere
Aufgabe besteht darin, in den SchnellerSchulen bedürftigen Kindern Erziehung
sowie eine schulische und berufliche
Ausbildung zu ermöglichen.
Der EVS informiert in seinen Publikationen und Veranstaltungen über Kirchen und Christen im Nahen Osten.
Das Schneller-Magazin erscheint vier
Mal im Jahr und kann kostenlos abonniert werden. Referenten für Vorträge
zu Themen rund um die Arbeit der
Schulen vermittelt die EVS-Geschäftsstelle.
Wenn Sie Mitglied werden wollen,
schicken wir Ihnen gerne eine Beitrittserklärung zu. Der jährliche Mindestbeitrag beträgt für natürliche Personen 25
Euro, für juristische Personen 50 Euro.
Mit einer Spende für die SchnellerSchulen unterstützen Sie eine als mildtätig anerkannte diakonische Arbeit.
ZUKUNFT SICHERN
Ihre Ansprechpartner
für die Stiftung:
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DIE SCHNELLER-SCHULEN LANGFRISTIG!
Die Schneller-Schulen fördern die christliche Friedenserziehung im Nahen Osten.
Seit mehr als 150 Jahren steht der Name
Schneller für den unermüdlichen Einsatz
in der Erziehung von Kindern und Jugendlichen zu Toleranz und Frieden. Die beiden christlichen Schulen stehen allen
Kindern offen – gleich, welcher Religion
sie angehören. Sie bieten einen Ort der
Geborgenheit und Verlässlichkeit. Um diese Arbeit auch langfristig und unabhängig
von wirtschaftlichen Einbrüchen gewährleisten zu können, wurde im Jahre 2007
die Schneller-Stiftung – Erziehung zum Frieden
ins Leben gerufen. Im Gegensatz zu Spendengeldern, die unmittelbar verwendet
werden, wirkt eine Zustiftung dauerhaft.
Sie geht in das Stiftungsvermögen ein. Nur
die Zinsen werden direkt
für die Arbeit der
Schneller-Schulen
verwendet.
Sie möchten die
Pfr. Klaus Schmid,
Schneller-StifEVS-Vorsitzender,
tung unterstütevs@ems-online.org
zen? Wenden Sie
Pfr. Dr. Uwe Gräbe,
sich an uns!
EVS- Geschäftsführer,
Ihren Zustifgraebe@ems-online.org
tungsbetrag können Sie übrigens
steuerlich geltend machen. Bei größeren Beträgen raten
wir, dass Sie sich zuvor mit einem Notar
oder Steuerberater abstimmen. Eine
Zustiftung kann auch in Form eines Vermächtnisses oder einer Erbschaft erfolgen.
Eine Stiftung eignet sich, um das eigene
Lebenswerk über die Lebenszeit hinaus zu
bewahren oder das eines Angehörigen zu
würdigen.
Die Schneller-Schüler blicken gerne auf
ihre Schulzeit zurück. Mit Ihrer Hilfe können Kinder aus zerbrochenen Familien auch in vielen
Jahren noch durch die
­Schneller-Schulen eine nachhaltige Perspektive für ihr
weiteres Leben gewinnen.
Leisten Sie einen Beitrag
zur Friedenssicherung im
Nahen Osten.
Schenken Sie Zukunft!
EHRENAMTLICH AKTIV!
M
öchten Sie den EVS mit Ihren
Gaben, Ihrem Wissen und Ihrer
Begeisterung für den Nahen
Osten oder – ganz konkret – für die Schneller-Schulen unterstützen? Eine gute Möglichkeit dafür bietet unser EMS-AktivenProgramm. Die Einsatzbereiche sind
vielfältig. Je nach Interessen und Fähigkeiten können Sie in Gemeinden Informationsabende oder Gottesdienste gestalten
– zum Beispiel zu den Schneller-Schulen.
Sie können uns bei der Standarbeit auf
Messen, Kirchentagen oder Festen unterstützen. Wenn die EMS zu internationalen
Tagungen und Veranstaltungen einlädt,
sind wir auch dankbar für Menschen, die
die Gäste vom Flughafen abholen – eine
schöne Gelegenheit zum interkulturellen
Austausch. Außerdem können Sie sich als
Übersetzerin oder Übersetzer einbringen.
Wir laden Sie als EMS-Aktive regelmäßig zu spannenden Vorträgen zu verschiedenen Themen länderbezogener oder
theologischer Art ein und bieten auch
Möglichkeiten zum Austausch mit anderen EMS-Aktiven und den Mitarbeitenden
der Geschäftsstelle.
Eine neue EMS-Aktive erzählt, wie sie
dazu kam: „Ich war für ein paar Jahre als
Lehrerin im Nahen Osten und interessiere
mich sehr für arabischsprachige Länder.
Die Schneller-Schulen in Jordanien und
im Libanon konnte ich auf Reisen besichtigen und ihr Konzept hat mich begeistert.
Nun habe ich mich kürzlich als EMS-Aktive registriert. Ich kann mir gut vorstellen,
beim Kirchentag in Stuttgart am EVSStand mitzuhelfen.“
Wenn Sie die Schneller-Schulen gut kennen
– oder sich in die Thematik einarbeiten
möchten –, wenn Sie im Libanon oder Jordanien gelebt und gewirkt haben oder wenn
Sie auf andere Art und Weise einen persönlichen Bezug zu den Schulen und dem EVS
aufgebaut haben und uns gerne unterstützen
möchten, dann freuen wir uns, wenn Sie sich
als EMS-Aktive registrieren!
Rufen Sie uns an unter 0711-63678-60.
Ein Anmeldeformular finden Sie auf:
www.ems-online.org/service/
gemeindeservice/
unter dem Stichwort „Werden Sie EMSaktiv“. Tragen Sie in der Spalte „Länder/
Themen“ den EVS, die Schneller-Schulen
oder auch einfach „Nahost“ ein. Wir freuen
uns auf Sie!
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SCHNELLER FREUDE SCHENKEN!
EIN LESEBUCH ZUM 150-JÄHRIGEN JUBILÄUM
DER SCHNELLER-SCHULEN IN NAHOST
FRIEDEN LEBEN LERNEN
Ansprechend und übersichtlich gibt das Lese buch
Einblick in die Ge schichte des Syri schen Waisenhauses
und die aktuelle Arbeit der beiden Schulen.
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interessante Angebote aus den Ländern
der EMS-Gemeinschaft.
OLIVENÖL-SEIFE
Nach alter Tradition handgefertigt, aus reinem Olivenöl und SodaAsche. Ohne chemische Zusätze oder Duftstoffe. Die Oliven wachsen auf dem Gelände der Theodor-Schneller-Schule in Amman,
Jordanien. Verpackt im attraktiven Brokatsäckchen.
Bestell-Nr. 46210
Stück 80 g
2,90 F
WEIHNACHTSKARTE
„FLUCHT NACH ÄGYPTEN“
von Künstler Sliman Mansour aus
Palästina. Doppelkarte mit Kuvert.
Bestell-Nr. 33318
0,60 F
(Mengenrabatt möglich)
28
FRIEDENSTAUBE, ANSTECKPIN
SCHNELLER GENUSS
Zum 150-jährigen Jubiläum der
Schneller-Schulen im Nahen
eine edle Spezialität, Aprikosennougat aus dem Libanon
Osten. Das arabische Wort
Zutaten: Pistazien, Vanille,
„Salaam“ (Friede) in Form einer
Taube, ein zweifaches Friedenssymbol. Geprägt, in Sandkorn-
Aprikosen u.a.
Bestell-Nr. 42309
10 Stück ca.160g
3,70 F
optik veredelt, ca. 2 cm
Bestell-Nr. 43109 2,50 F
SCHULE FÜR FRIEDEN
UND HOFFNUNG
Zusammen leben und lernen von
Christen und Muslimen in den
Schneller-Schulen in Nahost.
Vielseitige Unterrichtsmaterialien
für Schule, Kinder- und Jugendarbeit, Konfirmandenunterricht
und Erwachsenenbildung.
Bestell-Nr. 44112
Aktionspreis! 9,90 F
BESTE
L
0711 L-TELEFON
636 7
8 71/
61
MAGDALENA-SCHNELLERWEIN, CHARDONNAY
(WEISS), 2011
Dieser Chardonnay wächst auf
900 Meter Höhe im Bekaa-Tal
und wird in jungen Eichenfässern ausgebaut.
Bestell-Nr. 42150,
1 Flasche, 0,75 l 12,90 F
Bestell-Nr. 42153
3 Flaschen
37,00 F
Bestell-Nr. 42156
6 Flaschen
73,00 F
Bestell-Nr. 42162
12 Flaschen
145,00 F
(falls ausverkauft, liefern wir
den nächsten Jahrgang)
JOHANN-LUDWIG-SCHNELLERWEIN, CUVÉE (ROT), 2010
Der Prädikatswein aus dem
Libanon aus Cabernet-Sauvignon,
Syrah und Carignan hat auf der
15. Wein Trophy Berlin eine
Goldmedaille gewonnen.
Bestell-Nr. 42101
1 Flasche, 0,75 l 7,60 F
Bestell-Nr. 42106
6 Flaschen
44,35 F
Bestell-Nr. 42112
12 Flaschen
86,25 F
29
MEDIEN
Chalid al-Chamissi
Arche Noah –
Roman aus Ägypten
Aus dem Arabischen
von Leila Chammaa
Lenos-Verlag 2013
407 Seiten, gebunden,
Euro 22,50,
E-Book Euro 14,99
Al-Chamissi schreibt aber mit viel
Humor und Menschenfreundlichkeit –
typisch ägyptisch eben. Und deswegen ist
das Buch allen zu empfehlen, die das heutige Ägypten abseits der Zeitungsartikel
und Touristenführer kennenlernen möchten. Wer es gelesen hat, wird besser verstehen, warum das Regime Mubarak zu
einem Ende kommen musste.
Katja Dorothea Buck
Wenn die geliebte Heimat
unerträglich wird
Mit „Arche Noah“ bezeichnet Chalid alChamissi eines der großen Themen in der
ägyptischen Gesellschaft – die Emigration.
Der Bestseller-Autor stellt in seinem 2009
im Original erschienenen Roman viele
verschiedene Personen vor, die auswandern wollen oder bereits ausgewandert
sind: Ärzte, Lehrer, Professoren, Ingenieure, Unternehmer, Studenten, Bauern… Auf
den mehr als 400 Seiten kommt da ein
illustrer Kreis zusammen. Alle lieben ihr
Land. Das allerdings macht ihnen das
Leben und die Zukunft immer schwerer.
Die Gründe für die Auswanderung sind
so vielfältig wie die Menschen: politischer
Druck, Armut, Perspektivlosigkeit, aber
auch enttäuschte Liebe oder krumme
Geschäfte. Al-Chamissi zeigt, dass die Auswanderung ein gesamtgesellschaftliches
Phänomen in Ägypten ist, das alle Generationen, Schichten und Religionen
erfasst. Glücklich kann sich schätzen, wer
das Geld für eine geordnete Auswanderung per Flugzeug und mit Visum hat. Die
anderen müssen illegal mit Schleusern
und in einem Boot auf dem Mittelmeer ihr
Glück suchen. Ein tragisches Thema.
30
Arabische Evan­
gelische Gemeinde
Stuttgart
Poster A2
Euro 3,00
(zzgl. Porto)
Bestelladresse:
heidi.josua@arabic-church.com
Crosses of Egypt
Zwölf Fotos (Fotografin Heidi Josua) von
koptischen Kreuzen auf tiefrotem Grund.
Das Poster zeigt mehr als tausend Jahre
alte Intarsienarbeiten aus verschiedenfarbigen Hölzern und Elfenbein, Tür-Verzierungen oder Fassadenschmuck aus bunten
Kacheln oder Stein. In ihrer Vielfalt zeigen
die Kreuze die Kreativität und Kreuzeszentriertheit einer tiefen Spiritualität, deren
Zentrum die Liebe zu Gott und das Gebet
sind.
MEDIEN
Arabische Evangelische
Gemeinde Stuttgart
Orientalischer
Kirchenkalender
2014
14 Blatt A4, in vier
Sprachen, Euro 5,00
(zzgl. Porto)
Bestelladresse:
heidi.josua@arabic-church.com
Christliches Erbe im Orient
Der Kalender zeigt nicht nur christliche
Stätten, Kirchen und Symbole aus dem
Nahen Osten, er gibt auch fundierte Erläuterungen zum Beispiel über die Situation
der jeweiligen christlichen Minderheiten.
Der Kalender will zum Staunen und Beten
einladen und will Brücken bauen zwischen Orient und Okzident.
Sebastian Engelbrecht
Beste Freunde –
Als Deutscher in Israel
Evangelische Verlags­
anstalt, Leipzig 2013
152 Seiten, Euro 14,80
Vorzeichen: Freundschaft
In seiner Zeit als Korrespondent des ARDHörfunks in Tel Aviv (2008 bis 2012) geriet
Sebastian Engelbrecht immer wieder ins
Visier notorisch polemischer Internetseiten, die seine oftmals kritische Berichter-
stattung als „antijüdisch“ oder gar als
„Hetze“ gegen Israel bezeichneten. Nur
diejenigen, die solch zweifelhaften Publikationen Glauben schenken, mögen
erstaunt sein, wenn Engelbrecht nunmehr
das „Vorzeichen“ offenlegt, unter dem
seine Berichterstattung aus Israel (und
Palästina) stets stand: Es ist das Vorzeichen
einer tiefreichenden Freundschaft zwischen Israel und Deutschland, zwischen
Israelis und Deutschen, die alle Bereiche
des gesellschaftlichen, wirtschaftlichen
und politischen Lebens durchzieht, und
welche, so Engelbrecht, „zu den größten
politischen und menschlichen Wundern
der Nachkriegszeit“ gehört.
Unter diesem Vorzeichen beschreibt
Engelbrecht die engen wirtschaftlichen
und kulturellen Verflechtungen zwischen
Deutschland und Israel; unter diesem Vorzeichen erzählt er vom Tel Aviver Alltag
ebenso wie von Begegnungen mit Holocaustüberlebenden und dem in weiten
­Teilen osteuropäisch geprägten ultraorthodoxen Judentum. Nahezu nebenbei schildert Engelbrecht dann auch die
Unkompliziertheit, ja: Leichtigkeit, der
Begegnung zwischen Christen und Juden
an einem Ort, an welchem letztere die
selbstverständliche Mehrheit stellen.
Engelbrecht lässt seine kritischen Einschätzungen eher zwischen den Zeilen
einfließen. Wenn er zum Beispiel scheinbar ohne Werturteil vom Export deutscher
Waffenkomponenten nach Israel spricht,
die selbstverständlich „auch in den besetzten palästinensischen Gebieten“ eingesetzt werden, dann ist für jeden, der das
journalistische Werk Engelbrechts kennt,
die Zielrichtung des Hinweises klar.
Berührend ist schließlich das Kapitel
über „Relikte des Protestantismus“ in
31
MEDIEN
I­srael, in welchem Engelbrecht auch die
turbulente Geschichte der Entdeckung
und Bergung des historischen Altars aus
dem ehemaligen Syrischen Waisenhaus zu
Jerusalem im Jahr 2010 nacherzählt.
Fast alle Kapitel dieses Buches gehen
auf Beiträge zurück, die Engelbrecht für
den ARD Hörfunk in Israel produziert hat.
Nachdem das „Vorzeichen“ nun klar
gestellt ist, möchte man freilich noch
einen zweiten Band lesen, der dann Engelbrechts vorzügliche Reportagen aus Palästina, insbesondere aus dem Gazastreifen,
enthalten sollte.
Dr. Uwe Gräbe
Alternative
Tourism Group
Palästina
Reisehandbuch
Palmyra Verlag
Heidelberg 2013
664 Seiten, gebunden, mit vielen
Fotos und Karten
Euro 29,90
Faszinierendes Palästina
Eines ist dieses „Reisehandbuch“ gewiss
nicht: ein Buch, das man während einer
Reise mal schnell zur Hand nimmt. Dazu
liegen die rund 650 prächtig illustrierten
Hochglanzseiten einfach viel zu schwer im
Handgepäck. Wer sich jedoch die Mühe
macht, die ganze Fülle der hier enthaltenen Informationen zur Reisevorbereitung
zu lesen, dem erschließt sich eine ebenso
faszinierende wie vielgestaltige Welt.
Gewiss: Es ist ein Reiseführer, der ganz aus
32
palästinensischer Perspektive geschrieben
und sicherlich nicht auf „Ausgewogenheit“ bedacht ist. Aber stehen dem auf
dem Buchmarkt nicht hunderte von Reiseführern gegenüber, die eine eher israelische Perspektive einnehmen und Palästina
lediglich als Anhängsel behandeln? Nein,
die klar benannte Perspektive ist eine Stärke des Reiseführers!
Die Schwächen dieses Buches liegen
eher auf technischer Ebene: Die englische
Originalausgabe wurde bereits 2005 von
der „Alternative Tourism Group“ in Beit
Sahour veröffentlicht. Und offenbar wurde der Text seitdem nur halbherzig aktualisiert. Beispielsweise werden unter den
hier verzeichneten Hotels in Ramallah
und Gaza die teilweise höchst komfortablen Neueröffnungen der vergangenen acht
Jahre nicht erwähnt. Gar zum Verwirrspiel
werden solche veralteten Daten, wenn es
um mittlerweise falsche Ein- und Ausreiseformalitäten von und nach Ägypten
geht.
Auch in anderen Fällen hätte man dem
Buch ein gründlicheres Lektorat gegönnt:
„Tarqumia im Gazastreifen“ (9) gibt es
nicht – der Ort liegt im Westjordanland.
Der Tunshuq-Palast (127) sowie etliche
Gebäude der Mamluckenzeit in Jerusalem
(129 ff.) dürften aufgrund der spärlichen
Ortsangaben für den Reisenden jedoch
nur schwer zu finden sein. Schmunzeln
mag man, wenn der Hohepriester Kaiphas
zum „römischen Prokurator von Juda“
(179) erklärt wird. Gar nicht lustig ist es
hingegen, wenn die deutschen Templer,
die im 19. und frühen 20. Jahrhundert
einen wesentlichen Beitrag zur Modernisierung Palästinas geleistet haben, lediglich als „millenaristische Sekte“ (200)
abgetan werden, die „auf den Schienengüterverkehr“ spezialisiert gewesen sei (201).
MEDIEN / LESERBRIEFE
Dennoch: Wer großzügig über solche
Unachtsamkeiten hinwegsieht, wird
reichlich belohnt. Wohl noch nie zuvor
gab es ein derart umfassendes Kompendium an Informationen über Palästina in
deutscher Sprache. Dabei bleibt der Reiseführer niemals theoretisch, sondern inspiriert stets zu der Begegnung mit den
Menschen Palästinas. Auf dem Weihnachts-Gabentisch eines Nahost-Interessierten sollte dieses wunderschöne,
vielfarbige Buch nicht fehlen!
Dr. Uwe Gräbe
IMPRESSUM
128. Jahrgang
Heft 4, Dezember 2013
Herausgeber: Evangelischer Verein
für die Schneller-Schulen e.V. (EVS)
in der Evangelischen Mission
in Solidarität e.V. (EMS)
Redaktion: Katja Dorothea Buck
(verantwortlich), Ursula Feist,
Dr. Uwe Gräbe
Fotos:
S. 9
S. 17
S. 22
S. 23
S. 27
EMS/Uwe Gräbe
EMS/Uwe Gräbe
Wolfgang Schmidt,
EMS/Andreas Maurer
EMS/Martina Waiblinger,
Dieter Vanselow
EMS/Ursula Feist
Anschrift: Vogelsangstraße 62
70197 Stuttgart
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Sitz des Vereins: Stuttgart
BRIEFE AN DIE REDAKTION
Wir freuen uns über jede Rückmeldung,
auch wenn sie kritisch ausfällt oder eine
andere Meinung als die der Redaktion
widerspiegelt. Gerne veröffentlichen
wir die Leserbriefe. Aus Platzgründen
müssen wir uns gegebenenfalls jedoch
Kürzungen vorbehalten.
Zum Schwerpunktthema des SchnellerMagazins 3/2013 „Traum oder Albtraum? – Wasser im Nahen Osten“
Was alle Anrainerstaaten des Jordans tun,
ist unverantwortlich, und eines Tages wird
sich die Natur dafür rächen, aber dann ist
es zu spät.
Rudolf Schmalenbach, Peiting
Gestaltung: B|FACTOR GmbH
Druck: Buch- und Offsetdruckerei
Paul Schürrle GmbH & Co KG, Plieningen
Auflage: 14.700
Kontaktadresse Schweizer Verein
für die Schneller-Schulen im Nahen
Osten (SVS): Pfr. Ursus Waldmeier,
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Das Schneller-Magazin erscheint vier
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33
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Schneller-Schulen (EVS) ist Mitglied
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Wachet; denn ihr wisst nicht, welchen Tag euer Herr
kommen wird. (Mt. 24, 42)
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