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Health Care Management 18.11.2013 Reaktivierende Pflege: Wie

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Health Care Management 18.11.2013
Reaktivierende Pflege: Wie Heimbewohner zurück ins Leben finden
Bild: Julius Brockmann/Sputnik GmbH
Bernhard Kwiatkowski kam durch reaktivierende Pflege wieder auf die Beine.
Pflegebedürftige werden im Bochumer Barbaraneum unter Anleitung zurück ins Leben geführt.
Dabei werden verloren gegangene Fähigkeiten reaktiviert. Unterstützend dazu richtete das
Pflegeheim einen Wellness-Raum ein, der jetzt offiziell eröffnet wurde. - von Cathrin Conradi
Behandlungen wie Fußmassagen, Aroma- und Klangtherapien sprechen die Bewohner emotional an
und helfen, einen besseren Zugang zu den Pflegebedürftigen zu finden. Ziel ist es, den Bewohnern
durch die Pflege möglichst viel Alltagskompetenz zurückzugeben.
Die Geschichte von Bernhard Kwiatkowski
Wie erfolgreiche reaktivierende Pflege aussieht, zeigt das Beispiel von Bernhard Kwiatkowski. Der
Bewohner des Barbaraneums begrüßt seine Gäste freundlich mit festem Händedruck. In seinem
Zimmer hängt ein Poster vom VFL, er witzelt mit Pflegedienstleiterin Monika Kijek über das letzte
Spiel der Bochumer. Noch vor zwei Jahren war der 62-Jährige schwer erkrankt, abgemagert und
wohnungslos. Er konnte kaum laufen und war geistig verwirrt. Ärzte hatten wenig Hoffnung, dass
Kwiatkowski noch lange lebt. Dass er heute in so einem guten Zustand ist, verdankt er v.a. dem
Ansatz der reaktivierenden Pflege, die in der stationären Betreuung immer mehr an Bedeutung
gewinnt, wie Pflegedienstleiterin Monika Kijek vom Meridias-Ruhrstadtpflegehaus Barbaraneum
berichtet.
Pflege wandelt sich: Mehr jüngere Bewohner
"Die Pflege hat sich gewandelt. Früher kamen vor allem sehr alte Menschen in ein Pflegeheim,
heute haben wir immer häufiger Pflegebedürftige mit psychischen Erkrankungen, die das
Rentenalter noch nicht erreicht haben", sagt Kijek. Diese Personen sind laut ihr oft verwahrlost,
drogenabhängig und haben keine Angehörigen, die sich um die Hilfebedürftigen kümmern könnten.
Stationäre Pflegeeinrichtungen wie das Barbaraneum nehmen diese Menschen auf und versuchen
durch gezielte Therapien, die zusammenfassend als reaktivierende Pflege bezeichnet werden,
Pflegebedürftigen wieder auf die Beine zu helfen. "Am Anfang steht dabei die Frage, was will ich
heute erreichen, welche Fortschritte möchte ich bei meinen Bewohnern erzielen?", beschreibt Kijek
ihre Arbeit. Die Maßnahmen, die in solchen Fällen ergriffen werden, sind vielfältig: Neben
regelmäßiger Krankengymnastik, die den Muskelaufbau fördert, kommen bei einigen Bewohnern
auch zahnärztliche Behandlungen zum Einsatz, damit sie besser essen und wieder sprechen
können.
Bezugspflege und strukturierter Tagesablauf
Am wichtigsten jedoch sind ein strukturierter Tagesablauf und eine Bezugsperson, die sich intensiv
um den Menschen kümmert. Kijek erläutert das Konzept: „In der ganzheitlichen Bezugspflege hat
eine examinierte Pflegekraft Verantwortung für eine kleine Gruppe von Bewohnern. Für diese ist es
wichtig, wenige Ansprechpartner zu haben, wechselndes Personal ist für den Erfolg der
Pflegemaßnahmen hinderlich.“ Daher müssen Übergaben gut geplant und dem Bewohner die
Pfleger vertraut sein. So erlange er Sicherheit und Zuversicht.
Ganz konkret heißt das, man nimmt sich für Bewohner wie Kwiatkowski viel Zeit und gewöhnt ihn
an die Strukturen im Haus. Dadurch kennt das Pflegepersonal die Bedürfnisse besser und kann die
Therapien sinnvoll unterstützen. Schritt für Schritt helfen die Pfleger den Bewohnern so zu mehr
Selbstständigkeit.
Um zu verhaltensauffälligen Bewohner einen besseren Zugang zu erlangen, richtete das
Barbaraneum einen kleinen „Wellness-Raum“ ein. In dem mit Fußmassagen, Musik, Kerzen und
Düften positive Anreize gegeben werden. Wenn die reaktivierende Pflege Erfolg hat, kommt es
sogar vor, dass Bewohner aus dem Pflegeheim ausziehen, beispielsweise in ein betreutes Wohnen.
Größte Sorge der VFL
Fragt man Bernhard Kwiatkowski heute, wie es ihm geht, sagt er: „Gut. Sehr gut.“ Das bestätigt
auch das Pflegepersonal. Er sei freundlich und aufgeschlossen, erledige kleine Aufgaben und
brauche keine Unterstützung mehr bei der Körperpflege. Und nicht nur das: Für seine Mitbewohner
übernimmt er Verantwortung und achtet darauf, dass sie nicht stürzen. „Er hat hier das ZuhauseGefühl“, sagt Pflegedienstleiterin Kijek. Sorgen bereiten ihm momentan v.a. die Fußballer des VFL.
„Willst du Bochum oben sehen, musst du die Tabelle drehen“, sagt Kwiatkowski mit einem Lachen
und zeigt auf das Poster an der Wand.
Weitere Informationen unter:
www.meridias.de
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