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Füße wie Eisklumpen

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Füße wie Eisklumpen
HNA-Leser Dietrich Pabst erinnert sich an den Winter
ROTENBURG. Wie war der
Winter früher? Viele interessante Geschichten unserer Leserinnen und Leser haben wir
in den vergangenen Monaten
veröffentlicht.
„Da immer noch Winter ist,
habe ich meine Erlebnisse mal
zusammengefasst", sagt Dietrich Pabst (75) aus Rotenburg. Hier seine Erlebnisse.
Die Winter Ende der dreißiger
Jahre in Sorga habe ich in guter Erinnerung. Sobald die
Schularbeiten nach dem Mittagessen gemacht waren,
ging's zum Schlittschuhlaufen auf den Wilhelmshöfer
Teich, zwischen Sorga und
Hersfeld gelegen.
Die Schlittschuhe wurden
mit einer kleinen Kurbel an
die Straßenschuhe geschraubt. Wir Jungen spielten
Eishockey, mit krummen Äs
Erinnerungen. Als Schüler
der Klosterschule gingen wir
drei Sorgaer Kinder zweimal
die Woche, auch bei Schneetreiben und Kälte, über „das
Kreuz" (Obersberg), um
Schulaufgaben in einer ungeheizten Schule abzuliefern
und neue zu empfangen - acht
Kilometer, ohne uns aufwärmen zu können. Im Winter
1945 /1946 musste ich beim
Acht Kilometer zu
Fuß zur Schule
Holzfällen im Wald helfen,
damals mit Axt und Blattsäge,
damit meine Familie Anspruch auf einen Raummeter
Buchenscheitholz hatte. Die
Füße, wie Eisklumpen, wurden auch am Feuer nicht
warm.
1950/1951 waren Vertriebene in unserer Wohnung und
zu wenig Platz und Ruhe für
mich Schularbeiten zu machen. Ich wohnte damals ein
Jahr bei meiner Tante in Rotenburg an der Gartenstraße,
und fuhr jeden Tag nach Hersfeld. Die in Bebra eingesetzten
Züge waren über Nacht aus-
AKTION
WIE WAR DER
WINTER FRÜHER?
ten und einem flachen Stein.
An Mädchen kann ich mich
nicht erinnern. Die Brauerei
Engelhardt aus Hersfeld hatte
meistens auf der Westseite Eis
entnommen. Wir mussten aufpassen, nicht auf die wieder
zugefrorenen, viel zu dünnen
Stellen zu geraten.
Natürlich haben wir auch
einen Schneemann gebaut.
Eine Mohrrübe als Nase wäre
viel zu wertvoll und eine Verschwendung gewesen. Das
Foto zeigt meine Spielgefährtin Marta.
Schlitten fahren konnte ich
dicht am Haus. Nur zwanzig
Meter bergab reichten, um genügend Schwung zu bekommen. Auf dem Bauch liegend
und mit einem zweiten Schlit-
Die Züge waren
ausgekühlt
Ein schöner Schneemann: Das Foto zeigt Marta, die Spielgefährtin
von Dietrich Pabst. Sein Vater Franz hat fotografiert.
ten zum Lenken gelang es,
über hundert Meter weit zu
kommen. Bei Pulverschnee
konnte ich selbstgemachte
Latschen anziehen. Nach vier
Stunden waren sie allerdings
durchgeweicht.
Alle im Dorf mussten bei
klirrender Kälte an einer gefassten Quelle Wasser holen,
wenn das Sorgaer Leitungswassemetz eingefroren war.
Unser Nachbar trug zwei
Zehnliter Wassereimer mithilfe eines hölzernen Schulterjoches, wir beförderten das
Wasser mit Handwagen oder
Schlitten in einem Einkochtopf. Auch bei Dunkelheit
ging ich zum Plumskloo über
die Straße zum Nachbarn, unser WC war eingefroren.
An die Zeit im Krieg und
danach habe ich weniger gute
gekühlt und wurden erst
warm, wenn ich in Hersfeld
angekommen war. An Essen
und Kleidung herrschte damals Mangel. Heute kommt
man auch bei großer Kälte gut
über den Winter.
Soweit der Bericht' von Dietrich Pabst. Herzlichen Dank
allen, die in den vergangenen
Monaten mitgemacht haben.
Es hat Spaß gemacht, die Berichte der Zeitzeugen zu lesen. (M.S.)
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