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Gegengeschäft: Wie die Bischöfin eine neue Wohnung bekam - Archiv

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Dienstag, 23. März 1999
In diesem Eimsbütteler Haus wohnt Bischöfin
Maria Jepsen zur Miete.
Foto: AMBOR
Hamburg
Gegengeschäft:
Wie die Bischöfin
eine neue
Wohnung bekam
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Hamburger Abendblatt − Nr. 69 − Seite 13
Streit um Anhörung
Mühlenberger Loch: BUND rügt Wirtschaftsbehörde
Hamburgs künftiger Bischofssitz: Alte Rabenstraße .
Foto: BODIG
Von GEORG PAKSCHIES
B
ischöfin Maria Jepsen
und ihr Mann Peter denken ans Kofferpacken.
Sie wollen ihre 200-Quadratmeter-Mietwohnung der Jerusalem-Gemeinde an der Schäferkampsallee in Eimsbüttel verlassen. Dort leben sie seit 1994.
Beide ziehen − wahrscheinlich
Ende des Jahres − in eine herrschaftliche Villa aus der Jahrhundertwende an der Alten Rabenstraße in Rotherbaum. „Dieses Haus gehört der Gemeinde
St. Petri und soll künftig Hamburgs Bischofssitz sein. Dieses
Angebot habe ich der Nordelbischen Kirchenleitung vorgeschlagen. Sie stimmte inzwischen zu“, sagt der Hauptpastor
von St. Petri, Wilfried Kruse.
Bischöfin Maria Jepsen zahlt
für ihre Wohnung an der Schäferkampsallee um die 2500 Mark
monatlich. Insider meinen, die
Miete müßte im künftigen Bischofssitz ebenfalls um 2500
Mark liegen. Wenn nicht höher.
Hauptpastor Wilfried Kruse
von St. Petri hat mit der wertvollen Gemeinde-Immobilie an der
Alten Rabenstraße (geschätzter
Verkaufswert 2,5 Millionen Mark
auf dem freien Markt) dieses vorteilhafte Geschäft mit Nordelbien eingefädelt:
Für die dringend erforderliche
Turmsanierung der Hamburger
City-Hauptkirche St. Petri bekommt er vom nordelbischen
Kirchenamt in Kiel aus dem Baufonds für Kirchenunterhaltung
zwei Millionen Mark als Grundstock. Im Gegenzug, sozusagen
als „Bonbon“, erhält das nordelbische Kirchenamt das Pastorat
Alte Rabenstraße auf 25 Jahre.
Es verpflichtet sich, das Gebäude künftig als Hamburger Bischofssitz zu nutzen. Zuletzt
wohnte und arbeitete dort St..Petri-Hauptpastor Werner Hoer-
LL
schelmann. Wie berichtet, ist er
jetzt Direktor der Kindernothilfe
in Duisburg.
Das nordelbische Kirchenamt
ist zudem verpflichtet, auf 25
Jahre die Pastorats-Villa Alte Rabenstraße zu renovieren. „Wir als
St.-Petri-Gemeinde hatten nicht
das Geld dazu. Von uns ist eine
große Last genommen“, sagt Wilfried Kruse.
Der Sprecher der nordelbischen Kirchenleitung, Ocke H.
Peters, betont: „Wegen der räumlichen Nähe zur Bischofskanzlei
(Alte Burg am Hopfenmarkt) ist
das Gebäude als Bischofspastorat gut geeignet. Für die Hamburger Bischöfe hat es in den vergangenen Jahrzehnten nie einen
festen Amtssitz gegeben.“
Bischöfin Maria Jepsen freut
sich auf ein ruhigeres Arbeiten
und Wohnen an der Alten Rabenstraße. Ihr Arbeitszimmer in
Eimsbüttel liegt seit 1994 an der
stark befahrenen sechsspurigen
Schäferkampsallee.
Kaum war Maria Jepsen in
Hamburg zur ersten lutherischen Bischöfin der Welt im Jahr
1992 gewählt worden, brach − ohne ihr Zutun − um Weihnachten
1993 ein Donnerwetter über sie
herein. Das hatte sie dem „diplomatischen Geschick“ des nordelbischen Kirchenamtes zu verdanken. Während es über arge
Finanznot stöhnte, den Gemeinden mit Stellenabbau drohte,
kaufte es für rund 1,5 Millionen
Mark auf dem freien Markt eine
weiße Atrium-Villa am Botanischen Garten Klein Flottbek als
Bischofssitz. Das wurde in Hamburger Gemeinden als Scheinheiligkeit verstanden. Umgehend knickte das Kirchenamt
ein und verkaufte das AtriumHaus. Maria Jepsen und ihr
Mann zogen in die JerusalemWohnung.
gp
Hamburgs Bischöfin Maria Jepsen in ihrem Arbeitszimmer an der Schäferkampsallee in Eimsbüttel. Wegen der
Foto: JÜSCHKE
sechsspurigen Autostraße mit dem täglichen Lärm ist an konzentriertes Arbeiten kaum zu denken.
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Nr. 69
Seite 13
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Schwarz
E-Blau
E-Rot
E-gelb
Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND)
ist empört: Obwohl das Anhörverfahren zur Erweiterung des
Airbus-Werkes ins Mühlenberger Loch erst am 1. Februar begann, habe die Wirtschaftsbehörde ihren Rechtsbeistand bereits
am 4. Januar gebeten, fertiggestellte
„Textbausteinentwürfe
des künftigen Planfeststellungsbeschlusses durchzusehen“, wie
es in einem jetzt bekanntgewordenen Behördenschreiben heißt.
„Das Anhörverfahren wird immer mehr zu einer Provokation
der Einwender“, erklärten der
BUND, der Verein „Rettet die Elbe“ und die Rechtsanwaltskanzlei Günther. Der Planfeststellungsbeschluß, der erst am Ende
der Anhörung getroffen werden
könne, habe offenbar schon vier
Wochen vor ihrem Beginn in der
Schublade gelegen.
Besonders kritisierten die Verbände, daß die Wirtschaftsbehörde ihrem Anwalt auch die „zusammenfassende Darstellung“
der Umweltauswirkungen zur
Durchsicht vorlegte. Nach dem
Gesetz müsse dies innerhalb eines Monats nach Abschluß des
Anhörverfahrens erarbeitet werden, sagte Herbert Nix von „Rettet die Elbe“.
Dietrich
Hartmann-Heuer,
Leiter der Planfeststellungsbehörde, sagte dem Abendblatt, er
empfinde eine juristische Prüfung von Antragsunterlagen „als
normal“. Auch wenn die Unterlagen so aufbereitet würden, daß
man sie für den Planfeststellungsbeschluß verwenden könnte, sei dies doch nur ein Entwurf.
In jedem Fall würden Änderungen, die sich aus dem Erörterungstermin ergeben, einfließen.
scho
Kooperationsvertrag
Gewalt in Partnerschaft
Schutz des
Grundwassers
gesichert
Votum für
Täter-OpferAusgleich
Die Hamburger Wasserwerke
(HWW), der Gartenbauverband
Nord und der Bauernverband
haben gestern einen Kooperationsvertrag zum Schutz des
Grundwassers unterzeichnet. Er
gilt für die Wasserschutzgebiete
Curslack/Altengamme und die
Süderelbmarsch/Harburger Berge und regelt die unterschiedlichen Interessen. Ziel ist die dauerhafte Sicherung der Trinkwassergewinnung bei gleichzeitiger
Weiterentwicklung von Gartenbau und Landwirtschaft.
Umweltsenator
Alexander
Porschke (Grüne/GAL) unterstrich den präventiven Charakter
des Vertrages. „Den Schaden
nicht beheben, sondern verhindern − das ist Umweltschutz im
besten Sinne“, erklärte Porschke. HWW-Geschäftsführer Hanno Hames betonte, Hamburgs
Trinkwasser sei seit Jahrzehnten
unverändert gut. „Die Wasserversorgung der Metropolregion ist
langfristig gesichert“, so Hames.
Das 1997 festgesetzte Wasserschutzgebiet
Curslack/Altengamme umfaßt 24,4 Quadratkilometer. 1998 betrug die Förderung nach Angaben der HWW
21,8 Millionen Kubikmeter Wasser. Das Schutzgebiet Harburger
Berge/Süderelbmarsch erstreckt
sich über 47,2 Quadratkilometer.
Im Wasserwerk Süderelbmarsch
wurden 1998 rund zehn Millionen Kubikmeter Grundwasser
gefördert.
dpa
Beim Thema Gewalt in der Partnerschaft ist in vielen Fällen der
Ausgleich zwischen Opfer und
Täter sinnvoller als der Gang vor
den Richter.
Das ist das Ergebnis eines Gutachtens, das Bürgermeisterin
Krista Sager in ihrer Funktion
als Senatorin für Gleichstellung
gestern vorstellte. „Die Erfahrungen zeigen, daß nur wenige
Übergriffe in Beziehungen zu einer Anklage führen“, so Sager,
zudem werde der Gewaltkreislauf auch nach einer Verhandlung vor Gericht nur selten
durchbrochen.
Dem Gutachten zufolge suchen jährlich etwa 40 000 Frauen
die mehr als 320 Frauenhäuser in
Deutschland auf. Nach einer Befragung der Opfer sei davon auszugehen, daß etwa 14,5 Prozent
dieser Frauen mindestens einmal in ihrem Leben Opfer einer
Vergewaltigung oder sexuellen
Nötigung geworden seien. Von
diesen würden nur knapp sieben
Prozent angezeigt. 40 Prozent aller Gewalt ereigne sich im Freundeskreis oder in der Familie. Der
Täter-Opfer-Ausgleich steht seit
1994 als Bestandteil des Strafrechts zur Verfügung, wird der
Studie zufolge aber nur selten
von der Justiz genutzt.
Nach Sagers Worten ist der Täter-Opfer-Ausgleich aber keine
Alternative zum Strafverfahren.
dpa / schmoo
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Seele and Geist
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