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Fast alles wie früher - Home Instead Schweiz AG

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BEZIRK HINWIL 3
ZO/AvU
MONTAG, 7. APRIL 2014
GEDANKENSTRICH
VON MICHAEL VON LEDEBUR
Späte Genugtuung
D
er Betrag treibt einem das Wasser
in die Augen: 18,93 Millionen
Franken investierte die Gemeinde
Wetzikon in den Nullerjahren in den
Bau der Scheller-Unterführung. Eine
Ausgabe, die viele der gegenwärtigen
– oft kritisierten – Investitionen über­
steigt. Die Unterführung sollte der
­Erschliessung des Morgen-Quartiers
dienen. Acht Jahre nach der Fertig­
stellung erscheint die Übung wie ein
Schildbürgerstreich. Die Unterführung
ist idyllisch zwischen Wiesen mit
­grasenden Schafen gelegen. Wer
sich auf die Lauer legt, erhascht mit
­etwas Glück einen Blick auf ein Auto,
das die Gleise unterquert.
b heute ist alles anders. Ab
heute rollt der Verkehr durch die
Schellerstrasse, dass es eine Freude ist.
Weil die Rapperswilerstrasse saniert
wird, werden Autos und Lastwagen
Richtung Hinwil bis im Herbst 2015
umgeleitet. Was täten die Verkehrs­
planer nur ohne die Unterquerung?
Sie müssten den einspurigen Verkehr
wohl abwechselnd durch die Baustelle
lotsen. Die Autofahrer würden noch
mehr fluchen, die Stadt würde unter
noch mehr Stau ächzen. Ja, sie war
­sauteuer, und ja, sie stand lange nutzlos
herum. Aber nun hat die SchellerUnterführung endlich zu ihrer wahren
Bestimmung gefunden.
A
Eine spezielle Dreierwohngemeinschaft: Milada und Carl Schnetzer mit Cornelia Geschwandter (Mitte). Bild: Carole Fleischmann
Fast alles wie früher
GOSSAU. Milada und Carl
Schnetzer wohnen daheim,
obwohl sie den Alltag allein
nicht mehr bewältigen können.
Hilfe bekommen sie von zwei
Betreuerinnen, die abwechselnd
beim Ehepaar wohnen und
rund um die Uhr für sie sorgen.
SUSANNE BUCHER
Das Ehepaar Schnetzer sitzt entspannt
im Wohnzimmer seines Einfamilien­
hauses im Grüt. Auf dem Salontisch
stehen säuberlich aufgereiht Glück­
wunschkarten. Carl Schnetzer feiert
seinen 93. Geburtstag gerade an dem
Tag, als das Treffen für diesen Artikel
stattfindet. Die Stimmung ist aufge­
räumt, und trotz ihrem hohen Alter –
Milada Schnetzer ist 90 Jahre alt – sind
die beiden präsent und aufmerksam.
Nur manchmal spielt das Ohr von Carl
Schnetzer nicht mit. Und man sieht
­ihnen an, dass nach einem langen Le­
ben die Vitalität nachgelassen hat.
Carl Schnetzer sagt es deutlicher:
«Es hapert überall.» Besonders schwer
wiegt für ihn, dass er so schlecht auf
den Beinen ist. Die Kraft hat ihn ver­
gangenen Sommer jäh verlassen. Aus­
löser dafür war ein Wasserschaden in
ihrem Haus. «Bei den Aufräumarbei­
ten haben sich die beiden überan­
strengt», erzählt der Sohn, Carl Schnet­
zer junior, der seine Eltern an diesem
Tag besucht. Das Gehen ist für seinen
Vater seither ein kaum zu bewälti­
gender Kraftakt. Selbst einen kleinen
Gegenstand aufzuheben, bereitet ihm
Mühe. «Ich muss wegen jeder Kleinig­
keit jemanden rufen», erzählt er. Mi­
lada Schnetzer ist zwar noch besser bei
Kräften, aber sich um den Ehemann zu
kümmern, dafür ist auch sie zu schwach.
«Sie macht das wunderbar»
Der Gang ins Altersheim schien unum­
gänglich. «Einen Platz für Ehepaare
zu finden, ist aber gar nicht so einfach.
Es gibt lange Wartezeiten», sagt der
Sohn. Deshalb haben sich Schnetzers
entschieden, eine 24-Stunden-Hilfe
ins Haus zu holen – vorübergehend, wie
sie damals dachten. Mittlerweile wollen
sie es nicht mehr anders. «Frau Ge­
schwandter macht das wunderbar. Ge­
nau nach unseren Vorstellungen», er­
zählt Milada Schnetzer und strahlt.
Cornelia Geschwandter wohnt seit
gut einem halben Jahr jeweils zwei Wo­
chen am Stück beim betagten Ehepaar.
Dort hat sie ein eigenes Zimmer samt
Bad. Mehr als sieben Stunden aktive
Arbeit leistet sie nicht pro Tag, und ein­
mal in den 14 Tagen darf sie einen fünf­
stündigen Ausgang einziehen. Nach
zwei Wochen wird Geschwandter von
einer zweiten Mitarbeiterin abgelöst,
mit der sie sich die Betreuung teilt. Ver­
mittelt wird dieser Service von Home
Instead, einer auf Seniorenbetreuung
spezialisierten Firma (siehe Box).
Die 53-jährige Deutsche kocht, putzt,
kauft ein, wäscht und bügelt – und vor
allem: Sie unterstützt Carl Schnetzer
bei all denn 1000 Kleinigkeiten, die
nicht mehr selbstverständlich sind. Sie
hilft ihm vom Bett ins Bad, vom Bad ins
Wohnzimmer, vom Wohnzimmer ins
Büro. Sie kleidet ihn an und holt ihm die
Post, schaltet die Leselampe ein, bringt
ihm einen Ordner, reicht ihm Couverts
und Briefmarken. Und sie ist jederzeit
abrufbereit. Auch nachts. Dann wird
sie jedoch nur selten gebraucht.
Das zweite Zuhause
«Morgens setzt mich Frau Geschwand­
ter erst einmal zusammen», sagt Carl
Schnetzer, dem der Humor nicht ab­
handen gekommen ist: «Wirklich, es ist
das reinste Zusammensetzspiel!» An­
ziehen, Hörgerät und Zähne einsetzen,
Brille aufsetzen, Taschentuch und Not­
fallklingel in die Hosentasche und den
Stock in die Hand. Und jeden Morgen
bekommt er von ihr die Beine und
Füsse massiert. «Ja, vormittags ist es
viel Arbeit, aber nachmittags sind sie
ganz pflegeleicht», scherzt Cornelia
­Geschwandter. Dann hält das Ehepaar
Mittagsruhe, bevor man sich um halb
vier zum Nachmittagstee trifft. Auf
einen immer gleichen Tagesablauf legt
die Dreierwohngemeinschaft Wert.
Cornelia Geschwandter bezeichnet
das Haus von Schnetzers als ihr zweites
Zuhause. Das Ehepaar ist ihr ans Herz
gewachsen. «Wir verstehen uns super
und haben viel Spass zusammen»,
sagt sie. Klar falle der Abschied von
zu Hause jeweils schwer. Sie wohnt mit
ihrem Partner im Tirol. «Aber kaum
biege ich auf die Autobahn ein, bin ich
gedanklich schon in der Schweiz.»
Eine fremde Person ins Haus zu
­lassen, war für das Ehepaar Schnetzer
anfangs nicht leicht. «Für meine Frau
war es eine Umstellung, die Hausarbeit
abzugeben», sagt Carl Schnetzer. Er
selber habe weniger Probleme gehabt,
eine neue Bewohnerin aufzunehmen.
«Im Gegenteil», sagt sein Sohn. «Als
die Kraft nachliess, schlug das meinem
Vater aufs Gemüt. Frau Geschwandter
hat die Sonne zurück ins Haus ge­
bracht.»
Hilfe in allen Lebenslagen
«Ich mag diese Arbeit sehr, es liegt mir
einfach», sagt die gelernte Verkäuferin,
die zuvor überwiegend in der Gastrono­
mie tätig war. Schon ihre Grossmutter
hat sie gepflegt, ebenso ihren Vater
­sowie ihren Bruder, der mit 39 Jahren
einen Schlaganfall erlitt. «Man merkt,
dass sie Erfahrung mit handicapierten
Leuten hat», sagt der Sohn. Man müsse
ihr nie sagen, was sie tun solle, sie
merke es vorher. Etwas, das der 93-jäh­
rige Vater sehr schätzt: «Ich will sie ja
nicht dauernd umherjagen.»
Milada Schnetzer fällt das Abgeben
der Arbeit mittlerweile leichter. Nach
wie vor hilft sie nach Kräften im Haus­
halt mit. So deckt sie etwa jeden Abend
den Frühstückstisch für den nächsten
Morgen – wie früher, wie immer.
­Zudem geniesst sie es, sich von Frau
Geschwandter – sie siezen sich konse­
quent – verwöhnen zu lassen. Mal die
Haare im Gesicht zupfen zu lassen
oder mit ihr über einen Artikel in der
Zeitung zu sprechen. Wie zufrieden
das Ehepaar mit der Situation ist, wird
auch spürbar, als ein Freund anruft
und zum Geburtstag gratuliert. Die­
sem erzählt Carl Schnetzer stolz, dass
sie noch zu Hause wohnten. «Weisst
du, wir haben eine Dame, die uns hilft.
In allen Lebenslagen.»
Konkurrenz aus dem Osten
Das Franchise-Unternehmen Home
Instead ist seit Oktober 2009 im Zür­
cher Oberland vertreten. Die Firma
bietet Senioren zu Hause stunden­
weise oder in einer 24-StundenBetreuung Hilfe an. Letztere kostet
zwischen 390 und 430 Franken pro
Tag – ein stattlicher Betrag. Deshalb
verliert Home Instead häufig Kunden
an Mitarbeiterinnen aus dem Osten,
die massiv günstiger arbeiten – oft­
mals illegal. «Wir halten uns an
alle gesetzlichen Bestimmungen und
bieten zudem eine deutlich höhere
Qualität», sagt Claude Schnierl, Ge­
schäftsführer von Home Instead in
Pfäffikon. So kümmere sich ein Kun­
denbetreuer um alle organisatori­
schen Belange, beschaffe etwa einen
Rollstuhl oder helfe beim Einfordern
der Hilflosenentschädigung. Die Be­
treuerinnen stammen meist aus
Deutschland oder Österreich und ver­
dienen für einen zweiwöchigen Ein­
satz brutto 2600 Franken plus Kost
und Logis. «Wir finden kaum Schwei­
zer, die diese Arbeit machen wollen»,
erklärt Schnierl. Das liege vor allem
daran, dass nur wenige bereit seien,
zwei Wochen am Stück durchzuarbei­
ten und in dieser Zeit von ihrem so­
zialen Umfeld getrennt zu sein. (sub)
Walder Rechnung
mit kleinem
Ertragsüberschuss
WALD. Die Rechnung der Politischen
Gemeinde Wald schliesst bei einem
Aufwand von 61,813 Millionen Fran­
ken und einem Ertrag von 61,820 Mil­
lionen Franken mit einem Ertragsüber­
schuss von 7400 Franken ab. Laut einer
Mitteilung des Gemeinderats war ein
Ertragsüberschuss von 795 300 Franken
budgetiert. Die gebührenfinanzierten
Bereiche Abwasser und Abfall schlos­
sen mit einem Überschuss von 517 000
beziehungsweise 32 000 Franken ab.
Der veranschlagte Totalaufwand
wurde um 2,138, der Totalertrag um
1,351 Millionen Franken übertroffen.
Die Mehrausgaben betreffen überwie­
gend Bereiche, die nicht oder nur un­
wesentlich beeinflusst werden können:
bei der Bildung (+1,11 Millionen Fran­
ken), im Bereich Gesundheit/Pflege­
finanzierung (+540 000 Franken) sowie
bei der Sozialen Wohlfahrt (+570 000
Franken). Auf der Ertragsseite resul­
tierten Steuereinnahmen, die um
850 000 Franken höher ausfielen als im
Voranschlag vorgesehen.
Eigenfinanzierte Investitionen
In der Investitionsrechnung wurden im
Verwaltungsvermögen Ausgaben von
8,03 Millionen und Einnahmen von
2,11 Millionen Franken verbucht, heisst
es in der Mitteilung weiter. Daraus
­resultieren Nettoinvestitionen in Höhe
von 5,92 Millionen Franken, welche
insgesamt eigenfinanziert wurden. Sie
wurden auf der einen Seite in die
Schulinfrastruktur investiert (Sanie­
­
rung Schulhaus Binzholz, 1,91 Millio­
nen Franken, Erweiterung Schulhaus
Ried, 570 000 Millionen Franken).
Auf der anderen Seite erfolgten
­I nvestitionen in die Gemeindestrassen
(Felsenkellerstrasse, 350 000 Fran­
ken), die Abwasserbeseitigung (Ka­
nalisationserneuerung Schibliraiweg,
120 000 Franken, Sanierung unge­
nügender Leitungen 740 000 Franken
und Sanierung Biologiebecken Klär­
werk, 180 000 Franken) sowie in
den Gewässerunterhalt (Ausbau Hin­
ternordbach, Laupenstrasse, 560 000
Franken). In die Behebung von Un­
wetterschäden an Strassen und Gewäs­
sern mussten im Jahr 2013 gut 700 000
Franken investiert werden. (zo)
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