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Die Nacht wird hell wie der Tag

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auch nachdenken über sich und über sich hinaus.
Was ist wichtig? Was ist notwendig? Welchen
inneren Ballast schleppe ich mit mir herum?
Was hat sich in mir verhärtet? Welches Dunkel
in mir sehnt sich nach dem Licht?
Es ist gut, dass wir in das Osterfest nicht gleichsam hineinstolpern, in das Halleluja mit dem Ruf
„Christus ist auferstanden vom Tod“. Sondern,
dass wir in der langen Fastenzeit auf diese Stunden vorbereitet werden. Die Fastenzeit gibt die
Chance, sich diesen Fragen zu stellen, sich neu
auszubalancieren und Kurskorrekturen zu wagen.
Dazu möchten die Meditationen von Stephan Wahl
beitragen – kleine Atempausen auf dem Weg hin
zu Ostern.
Stephan Wahl, geboren 1960 in Bonn,
aufgewachsen in Remagen-Kripp, von 1999
bis 2011 Sprecher beim Wort zum Sonntag
(Das Erste), neun Jahre Mediendirektor in
der Leitung des Bistums Trier, 2013 Rückkehr
in die Gemeindeseelsorge und Beauftragung
zur Verkündigung in den Medien.
Stephan Wahl Die Nacht wird hell wie der Tag
Fasten heißt verzichten. Aber nicht nur. Es heißt
Stephan Wahl
Die Nacht
wird hell wie
der Tag
Kleine
Atempausen
auf dem Weg
hin zu Ostern
www.echter.de
ISBN 978-3-429-03709-3
echter
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Stephan Wahl Die Nacht wird hell wie der Tag
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Stephan Wahl
Die Nacht
wird hell wie
der Tag
Kleine
Atempausen
auf dem Weg
hin zu Ostern
echter
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Zum Gedenken
an den Saarbrücker
worttreu-prophetischen Künstler
Ernst Alt, gestorben in der
Frühe des Ostermorgens 2013,
und für alle, die durch Wort,
Musik oder Farben verwundbar
und widerständig-österlich
vom Leben erzählen
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Inhalt
Vorwort — 7
Die Nacht … — 9
Fastenzeit
KreuzAsche — 13
Barmherzigkeit — 16
… nicht nur Himmlisches — 19
Fastenzeit — 23
Download Gottes — 26
Nicht selten — 31
… nicht kleiner machen — 33
Vater unser — 36
Balken — 40
… raus — 44
Zehn Gebote — 46
Zerrissen — 50
Gebet — 52
Verklärung — 53
Ohne Angst — 56
Zuflucht — 60
Morgengebet — 63
Harte Schale — 64
Martha — 68
Wider die Angst — 69
Glauben — 72
Ein Neujahrsfax — 73
Demut — 80
Das kleine Kreuz — 81
Unmöglich möglich — 84
Eifersucht — 88
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Gottes Chance — 90
Vergebung — 92
Ohne Himmel — 96
Taufe — 99
Segen zur Stärkung — 101
Ebenbild — 103
Gottvertrauen — 105
Trotzdem — 107
Segen — 108
Verlieren können — 109
… dann vielleicht — 111
Widerständig — 113
Straight Story — 116
PalmAsche — 119
… auf was es ankommt — 122
Berührungen — 124
Bitten — 125
Gott unten — 126
Psalm 91, meditiert — 127
Abschied — 129
Ostern
Fürchtet euch nicht — 135
… seid, was ihr singt! — 139
Mittendrin — 142
Sieben Werke — 144
Mission impossible — 151
Thomas — 155
Julia — 157
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Vorwort
Um Ostern gut zu feiern, braucht es einen langen
Anlauf. Es macht Sinn, dass wir nicht in das Osterfest hineinstolpern, sondern in der langen vierzigtägigen Fastenzeit auf diese österlichen Stunden
vorbereitet werden. Fasten heißt verzichten. Aber
nicht nur. Heißt auch: nachdenken über sich und
über sich hinaus. Was ist wichtig, was ist notwendig,
welchen inneren Ballast schleppe ich mit mir herum? Was hat sich in mir verhärtet? Welches Dunkel
in mir sehnt sich nach dem Licht?
Die Fastenzeit gibt die Chance, sich diesen Fragen
zu stellen, gibt die Chance, sich neu auszubalancieren und Kurskorrekturen zu wagen. Die Besinnung der Tage bis Ostern und die Kraft der Osternacht können helfen, dass man uns Christen etwas
mehr von unserer Hoffnung anmerkt, die uns immer
wieder umfasst, dass wir spürbarer leben, was wir
glauben. Sonst können wir unser noch so schönes
Oster-Halleluja einpacken.
Die Texte dieses Bandes sollen dazu beitragen,
kleine Atempausen auf dem Weg zu Ostern zu
ermöglichen. Sie sind in sich stehende, kleine
Textinseln, auf denen man verweilen oder die
man auch schnell verlassen kann, weil eine
andere Insel mehr dem Eigenen entspricht.
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Jeder der Texte steht für sich. Ostern und der
Weg dorthin lassen alle Themen zu. Wer einen
logischen Aufbau, gar einen stringenten Exerzitienweg erwartet, wird enttäuscht. Es sind Gedankensplitter. Vielleicht führt das eine oder andere Wort
ins Nachdenken, in die Meditation oder gar ins
Gebet und hilft eigenes Dunkel aufzuhellen.
„Die Nacht wird hell wie der Tag“, heißt es
im Exsultet der Osternacht. Möge dies vielfältig
erfahren werden.
Trier, im Advent 2013
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Stephan Wahl
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Die Nacht …
„ … die Nacht wird hell wie der Tag.“
Würde sie es doch nur,
meist bleibt sie dunkel,
nur der Vollmond vermag uns zu täuschen,
dann genießen wir es.
„ … die Nacht wird hell wie der Tag.“
So jubelt das Osterlob, das Exsultet,
in der Nacht der Nächte.
Wenn der Kantor gut singt,
sind wir bewegt.
„ … die Nacht wird hell wie der Tag.“
Tiefste Sehnsucht, oft erfleht,
manchmal befürchtet
und doch gern erwartet.
Sie zeigt,
wer wir sind.
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Fastenzeit
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KreuzAsche
„Kehr um und glaub an das Evangelium.“
So heißt es,
wenn in den katholischen Kirchen
das Aschenkreuz ausgeteilt wird.
Es hält nicht lange,
das Kreuz auf der Stirn,
aber das Wort,
das gesagt wurde, bleibt.
„Bedenke, Mensch, dass du Staub bist
und zu Staub wieder zurückkehrst.“
Ein weiteres Wort.
Unbequem.
Kein leichter Satz.
Wer lässt sich daran schon gern erinnern?
Dass man wieder Staub wird.
Ist aber so.
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„Bedenke, dass du Staub bist“,
heißt übersetzt:
„Leb jetzt, nimm die Zeit ernst,
die du hast,
verschieb nichts auf später.
Heute ist heute.
Carpe diem.
Jetzt kann es auf dich ankommen.“
Und: „Nimm dich wichtig,
aber nicht zu wichtig.
Es dreht sich nicht alles um dich.“
„Kehr um und glaub an das Evangelium.“
Ein kleines schwarzes Kreuz
auf der Stirn,
aus Asche.
Es erinnert mich an den,
der differenzieren konnte.
Für den es nicht die Menschen gab,
sondern ganz konkrete, einzelne.
Der auch dem letzten Chaoten
immer noch eine Chance gab.
An Jesus, den sie dafür aufs Kreuz
gelegt haben.
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Die Fastenzeit leben heißt,
daran denken und deshalb verzichten.
Auf Überflüssiges:
dumme Sprüche, schnelle Antworten
ohne nachzudenken.
Nüchtern werden
im wahrsten Sinne des Wortes,
die Sinne schärfen.
Hellwach sein für das,
was um mich herum passiert.
Fasten heißt verzichten,
heißt leiser werden,
behutsamer mit sich
und anderen.
Unterscheiden,
sich nicht von Stimmungen leiten lassen,
nicht allem nachplappern,
das ist Originalton Jesu:
„Kehr um und glaub an das Evangelium.“
Das kleine Kreuz
vom Aschermittwoch
bleibt unsichtbar
auf meiner Stirn.
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Barmherzigkeit
Über die Liebe predige
ich nicht allzu gern.
Das hat immer etwas Eigenartiges,
wenn sich katholische Pfarrer,
vollmundig und äußerst beredt,
und vor allem langatmig,
dieses Thema vornehmen.
Aber über eine
sehr praktische Übersetzung
dieses hohen Begriffs
spreche ich gern:
über die Barmherzigkeit.
Für mich ist es das
schönste und wichtigste
Attribut Gottes.
Gott ist barmherziger mit uns
als wir mit uns selbst.
Barmherzigkeit ist eine Hauptvokabel im Evangelium.
Sie setzt moralische Maßstäbe,
Eckpfeiler, Prinzipien nicht außer Kraft,
ist kein Freibrief für Beliebigkeit.
Aber zeigt deutlich,
dass nicht alle über einen Kamm zu scheren sind.
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Seele and Geist
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