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(Wie) soll die Wirtschaftspolitik die „Ökonomischen

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WIE DIE WIRTSCHAFTSPOLITIK DIE „ÖKONOMISCHEN ENTWICKLUNGSKERNE“ („OEK“) IM OSTEN DEUTSCHLANDS UNTERSTÜTZEN SOLLTE
In der derzeitigen wirtschaftspolitischen Diskussion ist der Begriff „Cluster“ im Sinne von
Ballungen wirtschaftlicher Aktivitäten für die Akteure der Raumentwicklungspolitik fast zu
einer Art Zauberformel zur Beschwörung der Kräfte des regionalen Wirtschaftswachstums
geworden. Hierbei spielt auch die Kritik an der bisherigen „Gießkannenförderung“ ,speziell
im Osten Deutschlands, eine Rolle. In der Praxis hat allerdings jeder Akteur seine eigene
Auffassung von dem, was unter einem Cluster konkret zu verstehen ist. Zudem besteht keine
Einigkeit darüber, mit welchen Strategien die vorhandenen Cluster unterstützt oder neue
Cluster entwickelt werden sollten. Teilweise wird verlangt, daß sich die Wirtschaftspolitik auf
diejenigen Regionen konzentrieren sollte, in denen die wirtschaftlichen Aktivitäten noch nicht
die Qualität von Clustern erreicht haben.
Um mehr Klarheit in die Diskussion zu bringen, hat das IWH den Clusterbegriff durch das
Konzept der „Ökonomischen Entwicklungskerne“ („OEK“) ersetzt und für alle Regionen im
Osten Deutschlands eine flächendeckende Bestandsaufnahme von drei Elementen durchgeführt, die wesentliche Teilaspekte von Ballungen wirtschaftlicher Aktivitäten darstellen:
(1.) regionale Branchenschwerpunkte, (2.) Unternehmensnetzwerke, (3.) innovative Kompetenzfelder. Von einem OEK wird gesprochen, wenn in einer Region für eine Branche eine
Übereinstimmung zwischen diesen Elementen gegeben ist, und zwar in dem Sinne, daß
zwischen ihnen eine inhaltliche Beziehung existiert. Die Untersuchungsergebnisse erlauben
einen objektiven Vergleich der Ausstattung aller ostdeutschen Regionen mit den betrachteten
Elementen und bieten damit eine empirisch fundierte Grundlage für die Entwicklung von
neuen wirtschaftspolitischen Strategien.
Mit den von der IWH-Studie identifizierten OEK ergeben sich Ansatzpunkte der Förderung,
wenn sich eine Landesregierung oder Region zu einer räumlich konzentrierten Förderpolitik
entschließt. Da das OEK-Konzept dreidimensional angelegt ist, liefert es Informationen über
das Ausmaß der räumlichen Konzentration eines Branchenschwerpunkts, über die darin
ablaufenden Netzwerkaktivitäten sowie über das Ausmaß seiner Ausrichtung auf
Innovationen.
Grundsätzlich plädiert das IWH dafür, bei einer Entscheidung für eine räumliche Konzentration der Wirtschaftsförderung diejenigen Standorte, die in Form eines oder mehrerer OEK
räumlich organisiert sind, vorrangig zu unterstützen. Dabei sollte aber in Bezug auf die
direkte finanzielle Förderung von Firmen keine Differenzierung erfolgen. Die Maßnahmen
können nach außen hin eine Standort-Werbung (z. B. „Kompetenz-Schwerpunkt X in
Sachsen“) und nach innen hin eine Förderung beinhalten, die von der jeweiligen Struktur des
OEK abhängt. Der konkrete Förderbedarf hinge von drei Kriterien ab:
-
-
von der Zahl der Unternehmen: je mehr, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß
eine kritische Schwelle bereits überschritten ist bzw. eigendynamische
Expansionsprozesse ablaufen,
von der Technologie- bzw. FuE-Abhängigkeit des OEK (notwendige Unterstützung
durch Technologie- und Wissenschaftspolitik)
und von der eigenaktiven Neigung der Unternehmen im OEK zur Bildung von
Netzwerk-Kooperationen:
Bei
zu
geringer
Eigenaktivität
kann
eine
Netzwerkförderung adäquat sein.
Soweit in einer Region keine OEK, wohl aber bereits Branchenschwerpunkte gegeben sind,
kann versucht werden, die beiden anderen Elemente von OEK zu fördern, also
Netzwerkaktivitäten und / oder innovative Kompetenzen.
Ansprechpartner:
Martin T. W. Rosenfeld; mrd@iwh-halle.de
Literatur:
Franz, Peter (2005): Innovative Kompetenzen Ostdeutschlands in den Räumen Berlin und
Dresden am stärksten ausgeprägt, in: Wirtschaft im Wandel, Nr. 1, S. 23-28. Link
Heimpold, Gerhard (2005): Unternehmensnetzwerke in Ostdeutschland, in: Wirtschaft im
Wandel, Nr. 4, S.118-124. Link
Martin T.W. Rosenfeld, Peter Franz, Jutta Günther, Gerhard Heimpold und Franz Kronthaler
(2006): Ökonomische Entwicklungskerne in ostdeutschen Regionen: Branchenschwerpunkte,
Unternehmensnetzwerke und innovative Kompetenzfelder der Wirtschaft, Halle ,IWHSonderheft. Link
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Bildung
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