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Dr. Frank Gahlmann zu 10 Jahren Gemeinschaft - STAUF

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Dr. Frank Gahlmann zu 10 Jahren Gemeinschaft Emissionskontrollierte
Verlegestoffe [GEV]
Wie hat sich der EMICODE in den vergangenen 10 Jahren entwickelt?
10 Jahre Fussbodentechnik
Juni 2007
In der ersten FussbodenTechnik 1997 gab es die Diskussion ,,Ist EMICODE die Lösung?" FussbodenTechnik wollte vom neuen
TKB-Vorsitzenden Dr. Frank Gahlmann wissen, wie das Fazit nach 10 Jahren Gemeinschaft Emissionkontrollierte
Verlegestoffe (GEV) lautet. Die zweite Frage lautete: Wie hat sich der
EMICODE in den vergangenen Jahren entwickelt?
Der EMICODE ist zu einem Gütezeichen geworden und für viele Handwerker, Architekten, Planer und auch kritische
Verbraucher stellt er mittlerweile ein wertvolles Instrument zur Orientierung in der Vielfalt bauchemischer Produkte dar. Der
EMICODE feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Angefangen hatte alles in den neunziger Jahren des letzten
Jahrhunderts. Die Hersteller von Bodenbelagsklebstoffen verbannten die letzten Lösemittelreste aus den Rezepturen ihrer
Produkte für die Verklebung von PVC, Linoleum, Teppichboden und Co. Diese Beläge konnten nunmehr vollständig
lösemittelfrei verlegt werden, Kunstharzteppichklebstoffe waren passé, selbst für Polychloroprenklebstoffe gab es
lösemittelfreie Alternativen, die Entwicklungsabteilungen hatten gute Arbeit geleistet.
Allerdings kam insbesondere im Zusammenhang mit textilen Bodenbelägen die Frage des temporären, aber auch länger
anhaltenden Geruchs beim und nach dem Einbau dieser Beläge auf. Gleichzeitig entwickelte sich generell ein kritischeres
Verbraucherinteresse an Fragen der Innenraumluftqualität im speziellen und der ’Baugesundheit’ im allgemeinen. Diese Zeit
war auch der Ursprung des bis heute kritisch zu bewertenden bzw. gar nicht nachzuweisenden oder schlichtweg nicht
existenten Zusammenhangs zwischen Geruch – Innenraumluftanalyse – physiologischer Wirkung, vereinfacht nach dem
Motto ’Gestank macht krank und VOCs sind auch noch in der Luft’.
Die Belagsindustrie, insbesondere die Hersteller textiler Bodenbeläge mussten reagieren und kreierten Gütesiegel für
Schadstofffreiheit und Emissionsverhalten, so wurde in diesem Zusammenhang z.B. im Dezember 1990 die GuT
(Gütegemeinschaft umweltfreundlicher Teppichboden e.V.) gegründet.
Auch die Verlegewerkstoffindustrie nahm sich des Themas Innenraumluftqualität ab 1993 verstärkt an. Nach orientierenden
Recherchen einzelner Hersteller wurden 1996 herstellerübergreifend und in Zusammenarbeit mit der GuT und dem TFI
(Teppichforschungsinstitut Aachen) orientierende Untersuchungen von Teppichklebstoffen hinsichtlich Geruch und
Emissionen durchgeführt. Am 24.02.1997 wurde dann die GEV = Gemeinschaft emissionskontrollierter Verlegewerkstoffe e.V.
durch die maßgeblichen Hersteller von Bodenbelagsklebstoffen gegründet. Zielsetzung war und ist bis heute die Ein- und
Durchführung geeigneter Maßnahmen zur Kontrolle, Klassifizierung und Kennzeichnung von Verlegewerkstoffen in Bezug auf
Emissionen. Mit dieser Absicht wurde ein nach außen dokumentiertes, messbares und für jeden objektiv überprüfbares und
damit glaubhaftes, fundiertes System von EMICODE-Klassen etabliert.
Neben der Verständigung der Unternehmen, der Absichtsdefinition und Kontrolle der Zielsetzungen durch Gründung des
Vereins war ein enormes Maß an technisch inhaltlicher Arbeit zu leisten. Eine Prüfmethode musste erarbeitet und verifiziert
werden, die geeignet sein musste, mögliche flüchtige organische Bestandteile (VOC = volatile organic compounds)
quantitativ und vor allem reproduzierbar zu detektieren. Es mussten sehr anspruchsvolle Grenzwerte definiert werden, deren
Einhaltung garantierte, dass keine physiologisch relevanten VOC-Raten in die Raumluft abgegeben werden. Eine direkte
Korrelation von VOC-Konzentrationen aus Prüfkammermessungen und zu erwartenden Raumluftkonzentrationen ist zwar nicht
herstellbar, aber die vorliegende zehnjährige Praxis hat gezeigt, dass die strengen EMICODE-Grenzwerte sicher vor hohen
VOC-Raumluftkonzentrationen aus Verlegewerkstoffen schützen. Eine der Ursprungintentionen der GEV war es, durch
vorsorgliche Reduzierung von Emissionen aus Klebstoffen die Produkte von der Raumluft-Geruchs-Diskussion weitgehend zu
trennen.
Mit Festlegung des EMICIDE-Systems hatten die Produktentwickler alle Hände voll zu tun. Es stellte sich heraus, dass das
Erreichen des sehr anspruchsvoll definierten Niveaus des besten EMICODES EC1 mit vielen bekannten Produkten nicht
möglich war. Die höheren zulässigen VOC-Konzentrationen der EMICODES EC2 und EC3 waren für die
Entwicklungsabteilungen ein weniger sportliches Ziel und die werbliche Attraktivität dieser Klassen war gering, so dass EC2
und EC3 keine Verwendung fanden. Im Zuge dieser Entwicklungen wurde z.B. auf sehr nützliche Plastifzierungsmittel
verzichtet, technisch vorteilhafte Koaleszenzmittel mussten ausgetauscht werden, Dispersionen erwiesen sich als zu reich an
Restmonomeren und vor allem viele klebrigmachende Harze (interessanterweise Naturprodukte) enthielten zu hohe
VOC-Mengen. Die Verlegewerkstoffindustrie drängte die Rohstoffindustrie massiv, sauberere Polymerdispersionen und
aufgereinigte, modifizierte tackifier zu herzustellen.
Nicht alle anfänglichen, emissionsarmen Produktentwicklungen fanden zunächst den Beifall der Verarbeiter. Lösemittelfrei
und ohne den Zusatz von geringen Mengen Hochsiedern war es schwierig, gleichzeitig einen hohen green tack, eine lange
Klebrigkeitsphase und eine harte Klebstofffuge darzustellen. Die ersten Produkte wurden oftmals als zu ’weich’ empfunden,
vielfach eine Konsequenz der umgestellten Harzschmelzen. Auch harzfreie Formulierungen auf der Basis festkörperreicher
Dispersionen von relativ ’weichen’, ’klebrigen’ Polymeren waren nicht die Lösung. Jedoch wurden die Kinderkrankheiten
relativ schnell überwunden und heute steht die ganze notwendige Bandbreite an Bodenbelagsklebstoffen zur Verfügung, die
lösemittelfrei, hochsiederfrei, weichmacherfrei, restmonomerarm und dazu sehr emissionsarm sind, und in ihren technischen
Eigenschaften ihrer Vorgängergeneration in nichts nachstehen.
STAUF Klebstoffwerk GmbH
Oberhausener Strasse 1
D-57234 Wilnsdorf
Tel. +49 (0) 27 39 301-0
Fax +49 (0) 27 39 301-200
info@stauf.de
www.stauf.info
Stand: 24.07.2014 08:07
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Wenn das EMICODE-System auch seinen Ausgangspunkt bei Bodenbelagsklebstoffen, insbesondere Teppichklebstoffen,
nahm, dehnte sich seine Bedeutung schnell auf andere Produktkategorien aus. So sind heute zahlreiche Parkettklebstoffe,
Grundierungen, Spachtelmassen oder Flächendichtstoffe ebenfalls mit dem EMICODE zertifiziert. Eine Konsequenz aus der
Erweiterung ist die Änderung der GEV in „Gemeinschaft emissionskontrollierte Verlegewerkstoffe, Klebstoffe und Bauprodukte
e.V.“ Das Interesse an dem System ist ungebrochen; weitere Kategorien werden aufgenommen (z.B. Fugendichtstoffe) und es
gibt Anfragen aus dem Ausland zur Übernahme des Systems. Für Architekten und auch Bauherren ist der EMICODE ein
seriöser Maßstab für die Produktauswahl und es ist möglich, die gesamte Fußbodenkonstruktion sehr emissionsarm auszulegen.
Der Emicode beschreibt primär das Emissionsverhalten von Bauprodukten und ist daher vor allem auf den Verbraucherschutz
ausgerichtet. Es gehört aber zum Selbstverständnis der dahinterstehenden Unternehmen der chemischen Industrie und passt
auch zum Charakter der Selbstverpflichtung, dass die GEV jüngst den Verarbeiterschutz noch stärker berücksichtigte und
auch nach außen kenntlich machte durch die Einführung der EMICODE- Klassen EC1(2,3)-R. Nachdem stark
lösemittelhaltige Produkte per definitionem vom EMICODE-System ausgeschlossen sind, sollte aber auf die Gefahren, die von
Reaktionsharzprodukten (Zement, Polyurethane, silanvernetzende Systeme, Epoxide, Acrylate, Polyester etc.) für den
Verarbeiter ausgehen können, durch dieses R (für reguliert) hingewiesen werden und zum besonderen Beachten der
Arbeitsschutzmaßnahmen animieren.
Bei einem System, das auf Selbstkontrolle und Selbstverpflichtung basiert, ist Skepsis bezüglich der Seriosität nicht gänzlich
ausgeschlossen. Die GEV begegnet dem mit einer Reihe von vertrauensbildenden Maßnahmen. Die Satzung des Vereins, die
Prüfmethoden und die Einstufungskriterien liegen offen, sind technisch fundiert und finden allgemein Anerkennung. Die
Produktprüfungen zur EMICODE-Einstufung erfolgen bei unabhängigen Prüfinstituten, die Produkt-Hersteller haben
entsprechende Qualitätskontrollmechanismen in ihre Qualitätsmanagementsysteme eingebaut, die Produktionen unterliegen
einer laufenden Qualitätskontrolle, Ringversuche weisen die guten unabhängigen Prüfinstitute aus, die die
EMICODE-Prüfung mit der erforderlichen Genauigkeit und Reproduzierbarkeit durchführen können, und nicht zuletzt gibt es
die regelmäßigen Stichprobenanalysen der GEV, nach denen Produkte bei Nichteinhalten der Grenzwerte den
EMICODE-Status verlieren und über die Hersteller Sanktionen verhängt werden können.
Es wäre vor diesem Hintergrund wünschenswert, wenn das EMICODE-System die Akzeptanz des DIBt (Deutsches Institut für
Bautechnik) ohne weitere Eingriffe finden würde. Im Zuge der Umsetzung der Europäischen Bauproduktenrichtlinie hat der
AgBB (Ausschuss zur gesundheitlichen Bewertung von Bauprodukten) ein Bewertungsschema entwickelt (AgBB-Schema), das
prüftechnisch in weiten teilen dem EMICODE-System nachempfunden ist, allerdings bei zum Teil niedrigeren
Anforderungen. Bei einer künftigen baurechtlichen Zulassung von Verlegewerkstoffen soll dieses AgBB-Schema Teil des
Zulassungsverfahrens werden, wenngleich die damit zu überprüfenden Kriterien Umwelt, Verbraucherschutz und Hygiene für
sehr viele Produkte bereits durch den EMICODE geprüft und beschrieben sind.
Mit der staatlichen Überprüfung wären ein erhebliches maß an Bürokratie, neuem Messaufwand und natürlich erhebliche
Kosten für die Produkthersteller verbunden. Ohne den geringsten zusätzlichen Nutzen für Mensch und Umwelt werden sich
genau die Produkte für den Verbraucher verteuern, die er im Eigeninteresse bevorzugt verwenden sollte. Gleichzeitig wird für
die Chemieunternehmen der Anreiz erstickt, schnell, unbürokratisch und phantasievoll technische Verbesserungen
umzusetzen, stattdessen werden teure und bürokratische Zulassungen gefordert.
Dessen ungeachtet kann die GEV nicht ohne Stolz auf zehn sehr arbeitsreiche, aber auch sehr erfolgreiche Jahre
zurückblicken, in denen eine komplett sehr emissionsarme Fußbodentechnik geschaffen wurde. Langweilig wird es in Zukunft
nicht werden; die Ausdehnung auf andere Produktkategorien, die Einbindung auch ausländischer Hersteller oder die
Untersuchung und Klassifizierung anderer Rohstoffbasen sind nur einige Beispiele der Aktivitäten und Ideen, die die GEV
bewegen und das EMICODE-System dynamisch halten werden, immer mit der Zielsetzung der Optimierung des Schutzes von
Mensch und Umwelt.
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