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Herr Dr. Leber, wie funktionieren Nachhaltigkeitsfonds? - ACATIS.de

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52 | DIE S TIFTUNG 4/1 2
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| DI E STI F TUNG 4/12
Zwischen den Zeilen
Der Stiftungstag in
Erfurt hat es wieder
einmal gezeigt: Nachhaltigkeit zieht. Insbesondere bei Stiftungen.
Aber von welcher Nachhaltigkeit sprechen wir?
Nachhaltigkeit in der
Vermögensanlage ist sicherlich ein erstrebenswertes Ziel, das zu erreichen aber enorme
Ansprüche an Stiftungsvorstand & Co.
stellt. Denn nur weil Öko oder Sustainable
oder Ethik auf dem Fondsprospekt prangt,
ist das noch lange keine Garantie für den
Ausweg aus dem Renditedilemma, den
Stiftungen heute mehr denn je so gerne
suchen. Nicht selten sitzen die Vermögensmanager schlicht einer Mode auf, der sie
dann auch Lemmingen gleich hinterherlaufen.
Diese Erfahrungen müssen aber auch Stiftungen machen. Umso mehr, als dass ihr Ansatz eine organisatorische Nachhaltigkeit
sein muss, in die eine Vermögensanlage,
die in bestimmter Weise mit dem Stiftungszweck korrespondiert, eingebettet ist.
Vermögen allein nachhaltig zu verwalten
reicht nicht, wenn meine Organisation
nicht darauf ausgerichtet ist, langfristig
und dauerhaft ihre Zwecke zu verwirklichen. Nur dann bleibt eine Stiftung in
ihrem Bestand erhalten, nur dann ist sie
in jeder Phase politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen handlungsfähig, nur
dann ist ihre Philosophie nachhaltig. Alles
was also dazu beiträgt, eine Stiftung von
innen heraus zu stärken, damit sie nach
außen wirken kann, ist nachhaltig. Das Vermögen einer Stiftung kann hier nur Mittel
zum Zweck sein. Wenn Stiftungen nach
nachhaltigen Anlagen fragen, müssen sie
sich zunächst selbst fragen, ob sie ein
nachhaltiges Denken und Handeln bereits
ihr Eigen nennen. Wenn ja, machen Solar,
Wald und Wind durchaus Sinn.
Herzlichst
Ihr
Tobias M. Karow
Verlagsleiter DIE STIFTUNG
Stiftl will‘s wissen – Teil 6
Herr Dr. Leber,
wie funktionieren
Nachhaltigkeitsfonds?
STIFTL: Neulich habe ich einen Politiker
beim Gespräch mit seinem Redenschreiber belauscht. Der sagte zu ihm: „Du musst
unbedingt zweimal das Wort ,nachhaltig‘
in die Ansprache einbauen, damit deine
Zuhörer wissen, dass du es auch wirklich
ernst meinst.“ Funktioniert so auch ein
Nachhaltigkeitsfonds?
Dr. Hendrik Leber: Nein, sicherlich nicht.
Wenn Stiftungen Fonds kaufen, auch
Nachhaltigkeitsfonds, dann solche, in
denen Unternehmen enthalten sind,
die länger
über sich
selbst und
ihr Tun nachdenken, denn diese sind
langfristig nachweislich erfolgreicher.
Eben nachhaltiger. Das Entscheidende
hierbei ist die Frage: Was machen wir
hier eigentlich? Genau dieses Nachdenken verlangen Stiftungen und die hinter ihnen stehenden Menschen vermehrt von Verwaltern von Nachhaltigkeitsfonds, weil sie sich diese Fragen
selbst immer häufiger stellen.
definieren, was als nachhaltig gelten
soll. Wenn man zu ideologisch rangeht,
macht man Fehler. Wir waren zum
Beispiel überrascht, die Lufthansa als
nachhaltige Aktie zu finden – aber es ist
plausibel, denn die Lufthansa kann mit
guter Ingenieursleistung mehr für die
Umwelt tun als eine Biotreibstoff-Firma,
die ihre Kosten nicht in den Griff bekommt. Eine 10%ige Treibstoffreduktion
stiftet viel mehr Nutzen als das Benutzen grauen Umweltpapiers. Man
muss also auf die
wirklich werttreibenden Faktoren
schauen – und
nicht nur auf die guten Absichten oder
das gute Geschäftsfeld –, und die findet
man häufig bei etablierten, profitablen,
guten Firmen. Auch sollte man nicht zu
sehr auf Modethemen setzen.
„Unternehmen, die
über sich nachdenken,
sind erfolgreicher“
STIFTL: Wie lässt sich nun Nachhaltigkeit
in einen Fonds implementieren?
Leber: Das ist relativ einfach: Ich lege
einen Nachhaltigkeitsfilter auf das WeltAnlageuniversum und arbeite mit dem
reduzierten Anlageset weiter. Es bleiben
noch sehr viele Gesellschaften und Länder übrig, die investierbar sind. Unter
diesen finden wir zumindest noch sehr
viele interessante Titel. Wir haben den
Filter gemeinsam mit unseren Kunden
entwickelt. Sie haben uns die Leitlinien
der Auswahl vorgegeben.
STIFTL: Warum leiden eigentlich viele
Fonds, die zur Gruppe der Nachhaltigkeitsfonds gezählt werden, unter eher
mauen Wertentwicklungen?
Leber: Vermutlich, weil sie zu dogmatisch herangehen. Es ist schwierig zu
STIFTL: Was sollten Stiftungen beachten,
wenn sie sich überlegen, einen Nachhaltigkeitsfonds zu erwerben?
Leber: Sie sollten unbedingt klären, ob
ihre Anlageprinzipien eins zu eins
umgesetzt werden. Wenn nicht, ist zu
klären, ob diese Umsetzung vom Anbieter erreicht werden kann. Wenn das
der Fall ist, sollten sie die Plausibilität
des Asset-Management-Ansatzes überprüfen. Nur wenn die werttreibenden
Faktoren benannt werden können, ist
eine Investition sinnvoll. Beide Voraussetzungen, also Anlageprinzipien und
Asset-Management-Ansatz, müssen
eingehalten werden.
Dr. Hendrik Leber ist Gründer und geschäftsführender
Gesellschafter der in Frankfurt am Main ansässigen
Vermögensverwaltung Acatis
Investment GmbH.
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Seele and Geist
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