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Eine Insel wie ein Zauberpilz - Travelhouse

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sonntagszeitung.ch | 26. Oktober 2014
«Die Mafia
wurde
verdrängt»
Tourasia-Chef Stephan Roemer
über ehrliche Taxifahrer und
unbekannte Regionen Thailands
Stephan Roemer gilt als einer der profundesten Asienkenner in der Reisebranche. 1992 gründete er den auf
Individualreisen spezialisierten Veranstalter Tourasia,
der heute in der Schweiz pro Jahr knapp 40 Millionen
Franken umsetzt. Dank eigener Agenturen in diversen fernöstlichen Ländern profitiert der 49-Jährige von
Informationen aus erster Hand. In Bangkok besitzt
Stephan Roemer ein Haus. Die Hochs und Tiefs im
thailändischen Tourismus verfolgt er mit Spannung.
Happy
Shakes und
MagicMushroomOmletten:
Full-MoonParty in
Haad Rin auf
Koh Phangan
Ist nach den politischen Wirren der letzten Jahre
in Thailand wieder Ruhe eingekehrt?
Dass General Prayuth im April die Macht übernahm,
wurde allseits begrüsst. Die beiden unversöhnbaren
politischen Blöcke hatten sich seit Jahrzehnten in unterschiedlichen Konstellationen immer wieder gegenseitig gelähmt. Der Militärchef hat erste Erfolge vorzuweisen. Und er will nach eigenen Aussagen eine
Demokratie nach westlichem Muster aufbauen, in der
die verschiedenen politischen Kräfte konstruktiv zusammenarbeiten.
Was kriegt der Tourist mit vom neuen Stil
in Thailand?
Prayuth hat die Bekämpfung der Korruption zuoberst
auf die Agenda gesetzt. Wenn Sie heute in Phuket an den
Strand gehen, geniessen Sie freien Zugang und müssen sich nicht mehr durch Stände, Garküchen und Heerscharen von aufdringlichen Masseurinnen kämpfen.
Denn die Mafia, die die Pfründen an Stränden vergab
und einen grossen Teil der Einnahmen einsackte, wurde zurückgedrängt.
Dann wünschen Sie
sich den General
noch lange an der
Macht?
Ich stelle einfach fest: Es
hat sich einiges zum Positiven verändert seit dem
Putsch des Militärs. Unsere Arbeit wurde erleichtert. Gerade in Phuket,
wo Touristen zusehends
ausblieben, herrscht wie- Stephan Roemer: «Die
der ein geordneter Be- Hotels bleiben günstig»
trieb. Wenn ich abends
bei Regen in Bangkok
ein Taxi nehme, kann ich sicher sein, einen normalen
Preis zu bezahlen. Wenn der Fahrer schummelt, kann
ich ihn anzeigen – und er kriegt ein gröberes Problem.
Bestand für Touristen während der politischen
Spannungen Gefahr an Leib und Leben?
Nein, aber unsere Logistik wurde mühsam, weil in
Bangkok immer wieder Strassen durch Demonstrationen blockiert waren. In den Monaten vor dem
Putsch war die Situation dermassen verfahren, dass
viele staatliche Ämter die Arbeit einstellten.
Wie läuft Thailand heute bei Tourasia?
Wir haben im Vergleich zum Vorjahr klar weniger
Thailand-Buchungen. Das können wir mit andern
asiatischen Destinationen wettmachen: Indonesien,
Indochina, Myanmar oder Philippinen.
Wie wichtig ist Thailand für Ihr Geschäft?
Vor acht Jahren machte Thailand 42 Prozent des
Tourasia-Umsatzes aus. Das war ein Klumpenrisiko.
Heute erreicht Thailand noch knapp ein Drittel
unseres Gesamtumsatzes.
Allein aus der Schweiz reisten letztes Jahr
200 000 Touristen nach Thailand: Ist Siam eine
Massendestination?
Phuket, Koh Samui, Pattaya und mit Abstrichen Rayong
und Koh Chang sind sicher Massenziele. Aber wenn
Sie eine Woche durch den traumhaften Nordosten reisen, werden Sie kaum je einen Touristen antreffen.
Welches thailändische Ziel würden Sie zur
Trenddestination 2014 küren?
Bei Tourasia erlebte Koh Phangan diesen Sommer
einen unerwarteten Boom.
Wie viel Zeit soll man für einen Aufenthalt in
Bangkok einplanen?
Immer mehr Leute buchen eine ganze Woche Bangkok. Die Metropole ist für mich Asiens faszinierendste
und vielseitigste Stadt. Aussergewöhnlich die vielen Kurse von Thai-Boxen bis zur Thai-Küche für Touristen.
Wie entwickeln sich die Preise in Thailand?
Hotels bleiben günstig. Essen und Trinken wurden in
den Hotels teurer, sind aber auf der Strasse billig. Unter dem Strich ist Thailand immer noch ein Reiseland
mit einem sehr guten Preis-Leistungs-Verhältnis. Für
die Thais sind die Lebenshaltungskosten aber gestiegen, Strom und Benzin haben sich enorm verteuert.
Christoph Ammann
Bottle Beach
Chaloklum
Eine Insel wie ein
Zauberpilz
Einst waren die Hippies hier, dann wurde sie zum
Saufmekka: Dabei hat Koh Phangan viel mehr zu bieten
KO
PHANGAN
Thong
Nai Pan
Beach
THONG
SALA
Haad Rin
GOLF VON
THAILAND
KO SAMUI
Stefanie Rigutto
Matt und Lou sind die vielleicht
letzten verbliebenen Hippies auf
Koh Phangan. Sie wohnen tief im
Dschungel, hoch über Haad Rin,
der Aufstieg bei 35 Grad tut weh
wie ein Marathon. Ende der 90er
standen hier über ein Dutzend
Bungalows mit Aussteigern aus der
ganzen Welt – jetzt ist nur noch
das britische Paar geblieben. Die
beiden Mittvierziger pflanzen Gemüse an, backen ihr eigenes Brot,
und natürlich wurde auch der Bungalow mit den eigenen Händen gebaut. Trinkwasser tragen sie in 20Liter-Kanistern hoch, Elektrizität
kommt von zwei alten Solarpanels.
Kein Wi-Fi, kein TV, ihr einziges
Luxusgut ist ein DVD-Player.
Von ihrer liebevoll eingerichteten Hütte blicken sie aufs Meer,
das in der Mittagssonne träge vor
sich hin döst. Unter dem Mangobaum knabbert ein Äffchen an
einer Frucht. Warum bloss sind alle
Hippies aus dieser Idylle weggezogen? Matt zeigt auf den Strand
der Partystadt Haad Rin: «Viele haben sich an der lauten Musik der
Vollmondpartys gestört.» Und dass
tags darauf der Strand jeweils voller Scherben war. Warum sind sie
geblieben? Matt sagt: «Abgesehen
von der Full-Moon-Party ist das
Leben hier ruhig, gemütlich und
vor allem: sehr günstig.» Gerade
mal 270 Franken Miete zahlen sie
dem Landbesitzer – im Jahr!
Der Massentourismus hat
Koh Phangan erreicht
Vor 20 Jahren war Koh Phangan –
die kleine Schwester der All-inclusive-Ferieninsel Koh Samui – fest
in der Hand der Hippies. Danach
folgten die Partytouristen, BikiniContests und die Full-MoonPartys. Thaibiza nannte man Koh
Phangan fortan – die Insel kam in
Verruf, ein einziges Saufmekka zu
sein. Und heute? Was ist aus dem
einst so verschlafenen Eiland geworden? Findet man es noch, das
Robinson-Crusoe-Feeling?
Zuerst fällt auf: Koh Phangan
ist im Massentourismus angekommen. Statt mit der Fähre wie noch
vor zehn Jahren brausen wir mit
Speedboot von Koh Samui an. Und
wir nächtigen nicht mehr in einem
Bungalow, wo wir die Toilette mit
einem Kübel Wasser spülen müssen, sondern kommen in einem
der schicken Resorts in Thong Nai
Pan Noi an der Ostküste unter.
Abends schauen wir HBO-Filme
im Fernsehen. Im Dschungel sind
wir aber immer noch: Der Gecko
quakt einem das Ohr voll, die
Mücken kennen keine Gnade.
Am Morgen tuckern wir mit
einem farbigen Longtail-Boot die
Küste entlang. Am Bug flattern
Girlanden, der Wind lindert die
Hitze. Die Fahrt zeigt vor allem
eins: grüne Hügel, dichter Dschungel, ab und zu eine Hütte. Mal
überholt uns ein Jetski oder ein
Tauchboot. Ansonsten nur Palmen
und vom Meer geschliffene Felsen.
Chaloklum an der Nordküste ist
das Gegenteil von Haad Rin: Im
letzten Fischerdorf der Insel erhält
man eine Ahnung, wie das Leben
der Einheimischen früher war. Ein
paar Dutzend Kutter ankern in der
ruhigen Bucht, vier Handymasten
ragen aus dem Dorf in den Himmel. Natürlich gibt es auch hier ein
paar Hostels, Restaurants und
einen ATM, aber ansonsten ist es
ganz wunderbar langweilig.
Aus einem der Restaurants
duftet es verführerisch nach gedünstetem Knoblauch, am nächsten
– Name: The World’s End – hängt
das Schild: «Ich bin noch im Bett.»
Drei Mädchen in Schuluniform
fahren auf ein Moped gequetscht
vorbei. Im Schatten einer Hütte ruhen sich die Fischer aus, drinnen
sortieren Frauen Tintenfische, die
sie an der Sonne getrocknet haben.
In einem Aquarium schwimmt ein
Mordstier von Fisch. Eine Trophäe?
Niemand kann es mir sagen, niemand spricht Englisch.
Am Bottle Beach, unserem
nächsten Stopp, gibts genau vier
Lokale. Der vielleicht schönste
Strand der Insel ist gesäumt von
Palmen, dahinter verstecken sich
einfache Bungalows. Ein paar wenige Touristen sitzen auf den Holzbänken und blicken verträumt aufs
Wasser. Der Kellner serviert einen
süssen Bananenshake, dazu Pad
Thai, gebratene Nudeln. Hach, so
lässt es sich verweilen! Im glasklaren Wasser schwimmen kleine Fische vor unseren Füssen davon,
beim Schnorcheln bei den Felsen
entdecken wir Seegurken und
schönste Papageienfische.
Einheimische wollen lieber
Familien- und Ökotourismus
In Thong Sala, dem Hauptort der
Insel, betreibt Anong Khamjeen
das Siam Healing Center, ein modernes Spa aus rohem Beton.
Anong Khamjeen – 49 Jahre alt,
weisse Bluse, luftige Baumwollhosen – arbeitete früher als Innenarchitektin in Bangkok. Sie zog vor
14 Jahren hierher, das Leben in der
Stadt war ihr zu stressig. Warum
hat sie Koh Phangan ausgewählt?
«Der Natur wegen», sagt sie. Die
Energie der Insel sei einzigartig, es
gebe viel Fantasie, viel Freiheit.
Als eine der Ersten eröffnete sie in
Haad Rin einen Massageshop. Am
Anfang hätten sie die Einheimischen schräg angeschaut, sagt
Anong Khamjeen. «Eine Frau, allein, die erst noch Thaimassagen
anbieten wollte – das war den Leu-
CHINA
THAILAND
5 km
SoZ web
Luxuriös und ruhig
Anreise Mit Swiss von Zürich nach
Bangkok, ab ca. 970 Fr., www.swiss.
com. Weiter mit Bangkok Airways
nach Koh Samui, ab 250 Fr., www.
bangkokair.com. Nach Koh Phangan gibts eine Fähre – viele Hotels
organisieren auch einen Transfer.
Arrangement Travelhouse/Wettstein ist der Schweizer Spezialist
für Asienreisen. Er bietet Flüge, Hotels und Rundreisen in Thailand an.
Drei Nächte in einer Pool-Villa-Suite mit Meersicht im Santhiya Resort
auf Koh Phangan kosten ab 1650
Fr./Person im DZ inkl. Frühstück
und Flug von Zürich nach Koh Samui. www.travelhouse.ch
Unterkunft
– Santhiya Resort, Koh Phangan:
luxuriöse Unterkunft in einer ruhigen Ecke der Insel. Die schönen
Bungalows aus Holz verstecken
sich zwischen Palmen, man läuft
über Stege durch den Dschungel.
Die meisten Gäste sind Honeymooner, mehrheitlich aus Europa. DZ
ab 120 Fr., www.santhiya.com
– Santiburi Beach Resort, Koh
Samui: wunderschöne schicke
Anlage mit duftenden FrangipaniBäumen. Die Zimmer sind riesig,
der Strand ruhig und entspannt. DZ
ab 260 Fr., www.santiburi-hotel.de
Allgemeine Infos
www.tourismthailand.ch
www.thailandtourismus.de
Reisen
77
Das letzte
Fischerdorf
der Insel:
Chaloklum im
Norden
der Insel
ten suspekt.» Doch die Hippies
rannten ihr die Bude ein.
Vor kurzem zog sie nach Thong
Sala und baute sich ein neues Center. Haad Rin falle auseinander,
sagt sie. Noch vor zehn Jahren sei
das Dörfchen der Place-to-Be gewesen – «jetzt ist es abgesehen von
den Tagen um die Full-Moon-Party eine Geisterstadt». Langsam
dämmert es auch den Einheimischen, dass dies so nicht weitergehen kann: Viele möchten statt des
Partyvolks lieber Familien und
Ökotouristen anziehen. Aber nicht
nur Haad Rin, findet Anong
Khamjeen, auch der Rest der Insel
habe ein Problem. Die Abfallentsorgung sei nicht gelöst, das Abwasserproblem auch nicht. «Die Insel entwickelt sich viel zu schnell,
wir hinken immer hinterher.»
Was macht Koh Phangan trotzdem speziell? «Die Vielfalt», sagt
Anong Khamjeen. «Egal welche Art
von Paradies du suchst, ob die Idylle oder die Dschungelparty, ob du
Yoga machst oder lieber schnorchelst, ob du im Luxusresort übernachtest oder in einer Hütte – auf
Koh Phangan findest du es.» Nur:
Für wie lange noch? Seit zehn Jahren wird an einem Flughafen gebaut,
letztes Jahr hätte er eröffnet werden sollen, nun soll es Ende dieses
Jahres so weit sein. Er könnte Koh
Phangan zu einem zweiten Koh Samui machen. Anong Khamjeen
spricht Klartext: «Ich will den Flughafen nicht. Ich will, dass unsere
Insel genauso bleibt, wie sie ist.»
Ein Mann verkauft «Happy
Shakes» mit Zauberpilzen
Dichter
Dschungel,
viel Natur:
Insel Koh
Phangan
Fotos: Laif (2), F1online, Anzenberger
Auf der
Suche
nach der
Authenzität:
Markt in
Thong Sala
Ein Sammeltaxi, auf das sich zwölf
Leute quetschen, bringt mich nach
Haad Rin. Keiner der Passagiere
ist über 20. Junge Männer – oben
ohne, Flipflops, verbrannte Schultern – überholen uns auf ihren Mopeds. In Haad Rin wird schnell
klar, worums heute Abend gehen
soll: Man trägt Shirts mit der Aufschrift «Drugs saved my life», aus
einer Bar dröhnt «The Final Countdown» (really?), ein Mann verkauft
«Happy Shakes» mit «Zauberpilzen». Es sind nur noch wenige
Stunden bis zur Full-Moon-Party.
Überall hängen Plakate, welche
die Touristen davor warnen, bereits geöffnete Flaschen von Fremden anzunehmen.
Wir flüchten nach Thong Sala.
Am Phantip Night Bazaar duftet
es betörend nach frischen Waffeln.
Eine Frau bereitet Pizza zu («more
cheese, more delicious»), andere
mixen frische Fruchtsäfte, braten
Tintenfische, frittieren Frühlingsrollen. Mit Fächern verscheuchen
die Verkäuferinnen die Fliegen,
beim Jumbo-Meatball-Stand wird
man von Schnulzen beschallt, ein
zahnloser Mann verteilt Flyers für
einen Boxkampf. Warum kann Koh
Phangan nicht überall so sein?
In Thong Nai Pan Noi, unserem Dorf an der Ostküste, gibt es
alles, was der Reisende braucht:
nette Hotels, einen Waschsalon,
Fruchtstände, fünf Gassenküchen,
zwei Tauchanbieter. Der Sand in
der sichelförmigen Bucht ist warm
und weich, dahinter erheben sich
die saftig-grünen Hügel. In einem
Hüttchen am Strand legen wir uns
auf eine Matte und lassen uns von
einer plappernden Frau für kein
Geld die Muskeln massieren.
Während das Boot mit den Touristen zur Full-Moon-Party nach
Haad Rin ablegt, nehmen die Einheimischen den Strand in Beschlag,
baden mit ihren Hunden, machen
Rumpfbeugen. Das Meer ist spiegelglatt, der Vollmond zwängt sich
zwischen den Wolken hervor und
erleuchtet den Strand. Der Mond
ist so gross, wirkt so nah, dass man
glaubt, ihn anfassen zu können.
Das Schauspiel macht trunken.
Kein «Happy Shake» hätte diesen
Rausch besser hingekriegt.
Die Reise wurden unterstützt von
Travelhouse/Wettstein
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