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www.wirtschaftsbrief-gesundheit.de
Niedersachsen | Bremen | Hamburg
Remote Monitoring – die Zukunft der
Medizin liegt im Internet + Mobiltelefonie
Ausgabe 036 | 04.11.2014
UNTERNEHMEN + MÄRKTE 2 | 3
-- Gewaltiges Potential:
Markt für mHealth-Lösungen in Deutschland liegt
Liebe Leser,
bei 3 Mrd. Euro bis 2017
-- Telemedizin: Wachstums-
unaufhaltsam schreitet die Digitalisierung der
chancen in Kardiologie,
Wirtschaft voran – und greift in jahrzehntelang eta-
Onkologie, Neurologie
blierte Arbeitsprozesse und -strukturen ein. Knapp eine
halbe Milliarde Euro ist dieser Fortschritt dem Bundes-
TECHNOLOGIEN + PRAXIS
wirtschaftsministerium wert: Exakt 430 Mio. Euro fließen bis zum Jahr 2018 in Programme und Maßnahmen
zur Förderung dieses Wirtschaftszweiges, so Minister
Thordis Eckhardt
Gabriel auf dem 8. Nationalen IT-Gipfel der Bundesregierung in Berlin. Seite 2
4
-- Telemedizin par excellence: Remote-Fitting von
Chochlea-Implantaten –
Fernanpassung per Video
Mickrige Zahlen – angesichts des von der Unternehmensberatung A.T. Kearney
geschätzten Potentials allein für den Gesamtmarkt für mHealth: Rund drei
Mrd. Euro werden bis zum Jahr 2017 in Deutschland prognostiziert. Seite 2
FORSCHUNG + ENTWICKLUNG 5 | 6 -- Exklusiv-Interview mit
WHO-Chef Dr. Al-Shorbaji:
tentiale sind gewaltig, die sich in der Gesundheitsversorgung allein durch den
„eHealth und
Einsatz moderner Informations- und Kommunikationstechnologien (IKT) ab-
mHealth sind
zeichnen. Stichwort: Telemedizin oder Remote Monitoring: Fernüberwa-
die Techno-
chung von Patienten mit chronischen Erkrankungen.
logien der
Bild: Thordis Eckhardt
Dabei gilt mHealth nur als ein Teilbereich des eHealth-Marktes. Die Po-
Zukunft in der
Träger-Technologien sind dabei nach Ansicht des Direktors der Weltgesund-
Gesundheits-
heitsorganisation (WHO), Dr. Najeeb Al-Shorbaji das Internet und die Mo-
versorgung
Dr. Al-Shorbaji
biltelefonie. Warum – erfahren Sie im Exklusiv-Interview mit Al-Shorbaji
im Wirtschaftsbrief Gesundheit: Seite 5-6
Freuen Sie sich mit uns auf eine informative Lektüre
– wir lesen uns wieder am 2. Dezember 2014. Und
Bild: MHH
treffen uns zwischenzeitlich im Pressezentrum
AUS DEN LÄNDERN
-- Ambitioniert: Uniklinikum
Ostsachsen realisiert mit
T-Systems bis Mitte 2015
der MEDICA 2014 in Düsseldorf. Vereinbaren
Deutschlands derzeit
Sie einen Termin mit uns.
größtes TelemedizinProjekt
-- 5. Fachkongress Teleme-
Ihre Thordis Eckhardt
Chefredakteurin und Herausgeberin |
Wirtschaftsbrief Gesundheit
7
dizin: 6.-7.11.14, Berlin
AUSBLICK | AUSGABE 37
- Systempartnerschaften |
02.12.2014
Seite 2
Ausgabe 036 | 04.11.2014 | www.wirtschaftsbrief-gesundheit.de
> UNTERNEHMEN UND MÄRKTE
Digitalisierung: Nutzen von IKTAnwendungen für die Medizin steigt
DATENSYSTEME
Neue Schnittstelle zwischen Arzt-Infosystemen
Knapp eine halbe Milliarde für die
Der Bundesverband Ge-
Digitale Wirtschaft – das ist das In-
sundheits IT (bvitg) hat die
vestment des Bundeswirtschaftsminis-
Entwicklung einer neuen
Bild: A.T.Kearney
teriums in die Digitale Wirtschaft bis
Schnittstelle angekündigt:
2018. Genau genommen fließen 430
BVITG-transfer soll als
Mio. Euro in Programme und Maßnah-
Schnittstelle für Datenpor-
men zur Förderung dieses bedeutsamen
tabilität zum Standard des
Wirtschaftszweiges.
Datenaustausches zwischen
Der Einsatz moderner Informations-
den unterschiedlichen Arzt-
und Kommunikationstechnologien (IKT) tangiert nahezu jede Branche und verän-
Informationssystemen wer-
dert Arbeitsprozesse und -strukturen. In der Medizin beispielsweise finden
den und bei Systemwech-
IKT-gestützte Lösungen Anwendung in der Telemedizin: Die Behandlung und
seln den Im- und Export von
Betreuung von Patienten kann standortübergreifend erfolgen; die Mediziner be-
Daten weiter erleichtern.
obachten und beurteilen via audiovisueller Telekommunikation die medizinischen
Zudem wird die Schnittstelle
Daten von Patienten und tauschen Befunde über sichere Datenverbindungen aus.
den Transfer von Medikati-
Das ist nur ein Anwendungsbeispiel für die unter dem Stichwort eHealth
onsdaten, beispielsweise für
zusammengefassten IT-Einsatzmöglichkeiten in der medizinischen und pflegeri-
übergreifende Prüfungen zur
schen Versorgung von morgen. Die Potentiale sind gewaltig – allein der Markt
Arzneimittel-Therapiesicher-
für mHealth in Deutschland wird nach A.T.Kearney bis 2017 auf 3 Mrd. Euro
heit, gewährleisten.
geschätzt – und die Herausforderungen sind es ebenso: So wird u. a. eine
Der Markt der Praxissoft-
Telematikinfrastruktur für eine flächendeckend verfügbare technologische Basis
ware umfasst mehr als 100
benötigt, die einen datenschutzrechtlich sicheren Austausch von medizinischen
Anbieter.
Informationen gewährleistet. Die Festlegung von Qualitätsstandards und Transpa-
Geheimnisse im Interview
Wer kennt wen in der weit verzweigten Landschaft der Gesundheitswirtschaft
im Norden Deutschlands? In Niedersachsen, Bremen, Hamburg, SchleswigHolstein und Mecklenburg-Vorpommern arbeiten über 2,31 Mio. Menschen in
dieser Branche. Wir stellen Macher und Unternehmen vor. Heute: Jens Tegeler,
Geschäftsführender Gesellschafter
tegeler Unternehmensgruppe, Wunstorf
Bild: tegeler
Unternehmensgruppe
renz ist genauso relevant wie die Sicherstellung der Finanzierung.
Jens Tegeler
Geschäftsführender Gesellschafter
tegeler Unternehmensgruppe, Wunstorf
Kurz gesagt: Womit beschäftigt sich Ihr Unternehmen?
Wir erbringen Service- und Versorgungsdienstleistungen im Care Markt, von den infrastrukturellen Versorgungsleistungen
Catering, Reinigung und Personalleasing bei Drittkunden bis hin zu stationären und ambulanten Versorgungen in eigenen
Standorten.
Was unterscheidet Ihr Unternehmen vom Wettbewerb?
Das wir uns „kümmern“ und ein Rundumversorgungs-Paket anbieten. Quasi alles aus einer Hand.
In welcher Position sehen Sie sich oder Ihr Unternehmen in fünf bis zehn Jahren?
Wir werden Marktführer in Norddeutschland sein.
Ihr Wunsch an die Kollegen Ihres Berufsstandes?
Mein Wunsch ist es, dass sich der Berufsstand einmal wirklich den Kundenwünschen und -bedürfnissen annimmt.
Mit wem würden Sie gern einmal zum Abendessen gehen und warum?
Mit dem Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt, einem der letzten großen, noch lebenden Persönlichkeiten Deutschlands.
Seite 3
Ausgabe 036 | 04.11.2014 | www.wirtschaftsbrief-gesundheit.de
> UNTERNEHMEN UND MÄRKTE
Telemedizin: „Bedarf ist die einzige
Triebfeder, Ärzte zu überzeugen“
INFEKTIONSFORSCHUNG
Konsortium Ebokon
stärkt Ebola-Forschung
In zwei Einschätzungen sind
Das Deutsche Zentrum für
sich die Akteure einig: Teleme-
Infektionsforschung (DZIF),
dizinische Anwendungen werden in
Braunschweig, hat ein
den kommenden Jahren verstärkt
Konsortium initiiert, das die
Einzug in die medizinische Ver-
Ebola-Forschung verstär-
sorgung Deutschlands halten. Das
ken und die Wissenslücken
ist die gute und zugleich visionäre
schließen soll. Ziel ist es,
Nachricht. Punkt eins.
– bezieht sich auf realisierte Anwendungen,
auf
Einsatzgebiete,
Hersteller und Leistungserbringer
in der medizinischen und pflegerischen Gesundheitsversorgung. Aktuelles Ergebnis:
viele Ideen, vereinzelte Leuchtturm-Projekte, beachtliche Insellösungen.
Das Problem? Mangelnde Akzeptanz und fehlendes Vertrauen in Nutzen, Sicherheit
und Vergütung telemedizinischer Anwendungen in der ärztlichen Versorgung.
„Hier müssen wir ran“, sagt Dr. med. Andreas Tecklenburg, Vorstand Krankenversorgung und Vizepräsident der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH),
gegenüber Wirtschaftsbrief Gesundheit. „Ich bin fest überzeugt, dass Telemedizin
in der Gesundheits- und Krankenversorgung an Bedeutung gewinnt.“ Zwar führe
sie aktuell ein Nischen-Dasein, aber die demografische Entwicklung zeige schon
heute die vorhersehbaren Konsequenzen einer alternden Gesellschaft auf. „Wir
werden es vermehrt mit Krankheitsfällen aus den Bereichen Kardiologie,
Onkologie und Neurologie zu tun haben. Einhergehend wird es in der Zukunft gerade in ländlichen und kleinstädtischen Regionen schwieriger, eine flächendeckende, qualitativ hochwertige medizinische Versorgung zu gewährleisten.
Vor diesem Hintergrund sind neue Wege und Technologien notwendig, um die
medizinische Versorgung und Ausbildung in Deutschland zu sichern und zu ver-
den Kampf gegen die
Bilder: MHH
Punkt zwei – Status quo
Epidemie zu unterstützen. Der Verbund „EBKON“
wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) bis Ende
2015 mit 2,3 Millionen
Euro unterstützt. Gefördert
werden insgesamt zehn
Projekte, die wiederum in
die internationalen Aktivitäten zu Ebola, unter anderem die der WHO, eingebunden sind. Sie greifen
die dringendsten Fragen
nach der schnellen und
sicheren Entwicklung
von Impfstoffen und ihre
Implementierung in den
Markt auf.
bessern – zum Beispiel über interdisziplinäre Kooperationen zwischen den
Leistungserbringern.“
Der Vorteil von Kooperationen: Ihre Netzwerkstruktur stellt ein hohes Wissensniveau sicher
und hilft Medizinern, in Behandlungsfällen schnelle und richtige Entscheidungen zu treffen.
Wichtig werden Kooperationen vor allem in medizinischen Fachbereichen, in denen Ärztemangel besteht. Beispiel: Neurologie. „In Deutschland gibt es nicht genügend Neurologen. Die Krankenhäuser
benötigen aber mindestens sechs Neurologen, um eine medizinische Versorgung 365 Tage im Jahr
24 Stunden im eigenen Haus zu gewährleisten“, erklärt Mediziner Tecklenburg. Diese Problematik
kann mit einem Ärzte- oder Klinik-Netzwerk gelöst werden. „Größere Kliniken beispielsweise könnDr. med. Andreas
Tecklenburg
ten einen Pool an neurologischen Fachärzten vorhalten, aus denen sich bei Bedarf andere Krankenhäuser und Kliniken bedienen.“ Behandlungen könnten vor Ort oder telemedizinisch erfolgen.
Bedarfe sind das Stichwort: Die Bereitschaft, in Kooperation telemedizinische Leistungen zu erbringen, funktioniere nicht über monetäre Anreizsysteme, so Tecklenburg: „Die einzige Triebfeder ist der Bedarf. Wo Mediziner
keine Notwendigkeit für Netzwerk-Kooperationen sehen, gehen sie auch keine ein.“
Genau hierin liegt aber der Mehrwert der Telemedizin für Leistungserbringer, Patienten und Kostenträger: Netzwerkmedizin erlaubt eine standortübergreifende, qualitativ hochwertige und lückenlose medizinische Versorgung von Patienten – deutschlandweit, Tag und Nacht. Beispiele gibt es an der Medizinischen Hochschule Hannover einige: das
pädiatrische Intensiv-Netzwerk, die integrierte Versorgung LungenTx, das Projekt Elektronische Fallakte (EFA) oder
die Kooperation Neurologie zwischen dem Klinikum Peine, der MHH und dem Klinikum Magdeburg.
Voraussetzungen für die gelungenen Netzwerk-Kooperationen? „Vertrauen, Transparenz und ein sicherer Datentransfer.“
Seite 4
Ausgabe 036 | 04.11.2014 | www.wirtschaftsbrief-gesundheit.de
> TECHNOLOGIEN UND ANWENDUNGEN
Deutsches Hörzentrum passt Hörimplantate per Ferndiagnose an
KÖPFE
eHealth.Niedersachsen:
Florysiak in Beirat bestellt
Telemedizin par excellence: Remote-Fitting von Chochlea-Implantaten – Fern-
Im Zuge der inhaltlichen
anpassung per Video. Hochgradig schwerhörige oder ertaubte Patienten, die an
Neuausrichtung der Metro-
der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) mit einem Chochlea-Implantat
polregion GmbH, Hannover,
(CI) versorgt worden sind, können medizinische Nachsorgeuntersuchungen
Braunschweig, Göttingen,
bei einem niedergelassenen HNO-Arzt an ihrem Heimatort vornehmen
Wolfsburg, auf die Themen-
lassen – und aus der Ferne gleichzeitig auf die medizinische Kompetenz
felder Medizintechnik,
der versorgenden Klinik zugreifen.
Life Science und eHealth
ist Geschäftsführer Kay
Florysiak in den Beirat
der Initiative eHealth.
Niedersachsen des Landeswirtschaftsministeriums
berufen worden. Die Initia-
Bilder: DHZ
tive hat die Erschließung
der Wirtschaftspotenziale
von eHealth für mittelständische Unternehmen
Fernanpassung von Chochlea-Implantaten: Audiologe im DHZ und Patientin und Arzt in der heimatnahen
HNO-Praxis (v.l.)
in Niedersachsen zum
Die Möglichkeit der Chochlea-Implantat-Fernanpassung basiert auf der
Informationsaustausch im
telemedizinischen Anwendung „Remote-Care“, einer Entwicklung des Deut-
Netzwerk der Kompetenz-
schen Hörzentrums der MHH in Zusammenarbeit mit Hörsystem-Spezialisten der
träger aus der
tend implantiert.
Für das Remote-Fitting steht technisch ein neu entwickeltes System zur Echtzeit-Fernanpassung mit hochauflösendem Videobild bereit: Patient und Audiologe kommunizieren vis-à-vis über Computer-Videoübertragung mittels
Mikrofon und Freifeld-Lautsprecher oder über Head-Sets. Bei Verständigungsschwierigkeiten kann optional auf eine Chat-Funktion über Tastatureingabe
zurückgegriffen werden. Und so funktioniert es:
Den Patienten steht technisch geschultes Personal zur Seite, das den Anschluss
des Sprachprozessors an das Fernanpassungs-System herstellt und die Anpassung
Bild: Metropolregion
Firma auric, Rheine. In der MHH werden jährlich rund 500 CI-Patienten hörerhal-
Ziel. Schwerpunkt ist der
Gesundheitswirtschaft und dem
Gesundheitssystem NiederKay Florysiak
sachsen.
UMFRAGE
Kardiologie: innovativster Forschungsbereich
durch einen DHZ-Audiologen begleitet. Der Audiologe wiederum kann über den
Die Stärke des MedTech-
Videokanal die Einstellsoftware des Sprachprozessors bedienen. Die Hör-
Standortes Deutschland
tests werden von den Spezialisten vor Ort durchgeführt, die Ergebnisse an das
liegt in seinen Innovatio-
Deutsche Hörzentrum übermittelt und in einer zentralen Datenbank gespeichert.
nen. In der Herbstumfrage
Bei Abweichungen von den zu erwartenden Ergebnissen wird der Patient an das
des Bundesverbandes
DHZ überwiesen und unmittelbar ein Termin zur genaueren Kontrolle vereinbart.
Medizintechnologie (BV-
Hintergrund: Die Testumgebung in den auric-Hörcentern entspricht den Vorgaben
Med), Berlin, haben 45 %
des DHZ und erlaubt eine Vergleichbarkeit mit vorangegangenen Testergebnissen.
der befragten Unternehmen
In dem „Remote-Care“-Netzwerk sind deutschlandweit 14 Hörzent-
die Kardiologie als innova-
ren angeschlossen. Die notwendige medizinische Betreuung der Patienten wird
tivsten Forschungsbereich
durch die am Netzwerk beteiligten, niedergelassenen HNO-Ärzte sichergestellt.
genannt. Auf den folgenden
Deutschlandweit werden pro Jahr rund 2.500 Patienten mit einem CI
Rängen platzieren sich die
versorgt. Mit über 7.000 CI-Operationen seit 1984 ist die HNO-Klinik der MHH
Onkologie und Diagnostik
mit dem DHZ das größte CI-Zentrum weltweit. Der stark wachsende Bereich der
(jeweils 33 %) sowie die
Mittelohrimplantate entwickelt sich zu einer neuen Versorgungsform für kombi-
Neurologie (28 %).
nierte Schwerhörigkeiten.
Seite 5
Ausgabe 036 | 04.11.2014 | www.wirtschaftsbrief-gesundheit.de
> FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG
WHO-Chef Al-Shorbaji: „e/mHealth
bestimmen medizinische Versorgung“
DIGITALE KOMMUNIKATION
UKE: Wissen über EbolaBehandlung publiziert
Die digitale Kommunikation via
Ein mit dem Ebola-Virus
Internet und Mobiltelefon wird
infizierter WHO-Mitarbeiter
zum Standard in der weltweiten
ist Anfang Oktober nach
Bild: Thordis Eckhardt
medizinischen Versorgung. Vision oder Realität?
Wirtschaftsbrief Gesundheit
(WIB) traf den Direktor der
WHO, Dr. Al-Shorbaji, auf der
Fachtagung „Kooperation in der
digitalen Gesellschaft“ der tubs.
CITY – Centrum für Informatik
Hochkarätig besetztes Symposium: Prof. Dr. Reinhold Haux
(Geschäftsführer PLRI), Dr. Najeeb Al-Shorbaji (Direktor
WHO), Prof. Dr. Sándor Fekete (Vorstand tubs.CITY).
und Informationstechnik an der
TU Braunschweig und sprach mit ihm über Bedeutung, Einsatz und Zukunft digitaler Technologien in der Medizin – und im Kampf gegen Epidemien wie Ebola.
WIB: Dr. Al-Shorbaji, Sie sind seit 2008 Direktor Wissensmanagement,
Ethik und Forschung bei der WHO. Welche Rolle spielt die Digitalisierung
für die weltweite Gesundheitsversorgung?
fünfwöchiger intensivmedizinischer Versorgung
im Universitätsklinikum
Hamburg-Eppendorf (UKE)
geheilt entlassen worden.
Die im Zuge der Behandlung gewonnenen
wissenschaftlichen
Erkenntnisse und medizinischen Erfahrungen
haben die betreuenden
Ärzte und Infektiologen des UKE nun im
New England Journal
of Medicine (NEJM) als
detaillierten Fallbericht
Dr. Najeeb Al-Shorbaji: Digitalisierung ermöglicht eine globale Vernetzung von
veröffentlicht. Prof. Dr.
medizinischer Versorgung, Wissen, Bildung und Kommunikation – über Länder-
Ansgar Lohse, Direktor der
grenzen hinweg, zwischen nationalen medizinischen Einrichtungen und unter-
I. Medizinischen Klinik und
schiedlichen Gesundheitssystemen weltweit. Die digitale Kommunikation ist die
Poliklinik des UKE: „Dieser
Schnittstelle für den Informations- und Datentransfer in der Forschung, Entwick-
Fall zeigt, was durch die
lung und Anwendung von Medizin und Gesundheit. Sie bildet eine wesentliche
sorgfältige klinischwissen-
Grundlage für internationale Zusammenarbeit in der Gesundheitsversorgung und
schaftliche Beobachtung
bei der Bekämpfung und Heilung von Krankheiten, Seuchen oder Epidemien. Spe-
gelernt werden kann, und –
ziell in Fällen wie Ebola ist es notwendig und dringlich, auf das gesammelte, ver-
im Einverständnis mit dem
fügbare Wissen weltweit und auf neu erworbene Erkenntnisse zur Behandlung
Patienten – freuen wir uns,
und Heilung von Krankheiten zugreifen zu können. Eine bedeutsame Rolle nimmt
dieses Wissen nun auch
hierbei das Internet ein: Die digitale Kommunikation erlaubt einen schnelleren,
an andere weitergeben zu
weltweiten Informations- und Kommunikationsfluss; sie verbreitet Wissen inner-
können.“
halb kürzester Zeit an viele Menschen.
WIB: Welche IT- und Kommunikations-Technologien werden sich Ihrer Meinung nach weltweit in der
medizinischen Versorgung durchsetzen?
Dr. Najeeb Al-Shorbaji: Zwei Informationstechnologien sind aus meiner Sicht bedeutsam: das Internet und das Mobiltelefon. Das Internet wird zum bedeutsamsten Medium für die Bildung und Ausbildung von Medizinern, Patienten und
der Öffentlichkeit. Es ist ein wichtiger Informationsträger in der Vermittlung von Gesundheitswissen in Bezug auf medizinische Versorgung, Kranken- und Gesundheitspflege und Volksgesundheit. Es wird sich zur wichtigsten Wissensdatenbank für die medizinische, pflegerische und Gesundheitsbildung entwickeln. Eine ähnliche Aufgabe übernimmt auch
das Mobiltelefon; in vielen Ländern der Erde stellt es die Verbindung zur Außenwelt dar – noch vor dem Internet. Mittels
mobiler Technologien (mHealth) kann beispielsweise ein medizinischer Support in der Krankenversorgung erfolgen oder
medizinisches Wissen vermittelt werden – genau wie über das Medium Internet. Schon heute finden mHealth- und
eHealth-Technologien in der Gesundheitsversorgung Einsatz, Stichwort Telemedizin oder Patienten-Monitoring-Systeme.
Die Verbreitung dieser Technologien und Anwendungen wird zunehmen.
 Fortsetzung Interview Dr. Al-Shorbaji, Seite 6
Seite 6
Ausgabe 036 | 04.11.2014 | www.wirtschaftsbrief-gesundheit.de
Bild: Thordis Eckhardt
> FORSCHUNG UND ENTWICKLUNG
Interview mit WHO-Direktor Al-Shorbaji
Fortsetzung von Seite 5
WIB: Worin sehen Sie die Hürden einer schnellen Verbreitung von mHealthund eHealth-Technologien weltweit? Was konkret unternimmt die WHO,
um diese Technologien flächendeckend in den Markt zu bringen?
Dr. Najeeb Al-Shorbaji: Die WHO verfügt über viele Möglichkeiten und Maßnahmen, die eingesetzt und angewandt werden. Wir unterstützen zum Beispiel
Mitgliedsstaaten in der Entwicklung und Anwendung von nationalen Standards
für Gesundheitsinformationen, und wir fördern intensiv und nachhaltig die Ausbildung des Personals in Gesundheitsberufen. Ferner forcieren wir die Etablierung
von nationalen Zentren und Exzellenz-Netzwerken für eHealth und die Integration
mobiler Technologien in die nationalen Gesundheitssysteme und Dienstleistungen.
85 Länder haben bislang zusammen mit uns nationale eHealth-Pläne erarbeitet – und wir investieren weiter in die Entwicklung von Tools, Systemen und
Guidelines. Speziellen Handlungsbedarf sehen wir noch in der Überzeugungsarbeit
Dr. Al-Shorbaji, Direktor der WHO
bei den Anwendern dieser modernen Technologien – bei Medizinern, Krankenschwestern und Pflegekräften. Wir haben festgestellt, dass diese von der Effizienz
bisheriger eHealth- und mHealth-Lösungen noch nicht überzeugt sind und sie selten einsetzen. Hier gilt es, vermehrt Wissen zu vermitteln und Überzeugungsarbeit zu leisten. Denn Technik ist nichts Natives, es muss erlernt und angewandt
werden. Auch muss genauer untersucht werden, welche Technologien und Anwendungen für das Business der Mediziner tatsächlich hilfreich sind, welche die
Arbeit vereinfachen und das Personal entlasten. Ingenieure können alles bauen,
sie müssen nur wissen: was.
STUDIE
52 Mio. OPs bei stationären Patienten in 2013
In Deutschland sind im
vergangenen Jahr insgesamt 52 Mio. Operationen
und medizinische Prozeduren bei Patienten durch-
WIB: Das scheint ein weiter Weg zu sein. Reichen die Ressourcen?
geführt worden, die im
Dr. Najeeb Al-Shorbaji: Wir arbeiten ja nicht allein (lacht). Um die Digitalisie-
Krankenhaus vollstationär
rung und die neuen Technologien voranzutreiben und in die Anwendung zu brin-
behandelt und entlassen
gen, arbeiten wir mit vielen Partnern zusammen: mit privaten Organisationen und
wurden, teilt das Statisti-
NGOs, mit Unternehmen, Verwaltungen und der Politik. Wir schaffen Schnittstel-
sche Bundesamt (Destatis)
len, unterstützen mit administrativem, technischem und mit Bildungs-Know-how
mit. Die Zahl übertrifft die
und vernetzen Akteure und Entscheidungsträger im Gesundheitssektor weltweit.
OPs aus dem Jahr 2012 um
In begrenztem Umfang bieten wir auch monetäre Unterstützung.
zwei Prozent. Gründe für
den Zuwachs wurden nicht
Wirtschaftsbrief Gesundheit: Dr. Al-Shorbaji, wir danken für das Gespräch.
genannt.
Bis zu 40 % sparen
OHNE Zahnarztwechsel
nten
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Seite 7
Ausgabe 036 | 04.11.2014 | www.wirtschaftsbrief-gesundheit.de
> AUS DEN LÄNDERN
Deutschlands realisiert: die offene, technische Plattform „CCS Telehealth Ostsachsen“. Über die Infrastruktur der ITPlattform sollen künftig telemedizinische
Dienstleistungen
medizinischen
aus
verschiedenen
Fachgebieten
erbracht
und Patienten, Ärzte und Kliniken miteinander vernetzt werden.
Zu den drei Beispielanwendungen,
die bis zum Projektabschluss Mitte 2015 realisiert werden, zählen die Telepathologie, der Telestroke für Erstkontakt und Nachversorgung von Schlaganfall- und
Herzinsuffizienzpatienten vor Ort sowie ein Telecoaching.
Die Koordination des Projektes, welches mit rund 9,8 Mio. Euro aus Mitteln
der EU und des sächsischen Sozialministeriums gefördert wird, übernimmt Carus
Consilium Sachsen. Es zeichnet auch für die medizinische Expertise verantwortlich. T-Systems entwickelt die technische Infrastruktur.
 weiterführende Informationen auf der aktuell gelaunchten Website unter
Telehealth Ostsachsen.
eHealth-Vertreter in Dänemark: Dr. Rehof
Hohe Ehre für einen gebürtigen Dänen: Prof. Dr. Jakob Rehof, Institutsleiter
Bild: ISST
des Dortmunder Fraunhofer-Instituts für Software- und Systemtechnik ISST seit
Albträume als Frauen
Geschlechterspezifische
Unterschiede – nun auch im
Traum: Rund fünf Prozent
der Deutschen leiden unter
Albträumen. Geplagt sind vor
allem Frauen: Ihre stärkere
Gefühlsbetontheit beschert
ihnen vermehrt Albträume
und Depressionen als den
Männern. Entsprechend
häufiger erinnern sich Frauen
auch an Träume und haben
ein größeres Bedürfnis, sich
mit anderen Menschen darüber auszutauschen. Abhilfe
gegen Albträume versprechen Suggestionstechniken.
IMPRESSUM
Wirtschaftsverlag
Gesundheit GmbH
2006, wurde von Ihrer Königlichen Hoheit Kronprinzessin Mary
Bruchtorwall 6
von Dänemark zum Internationalen Repräsentanten der däni-
38100 Braunschweig
schen Gesundheitswirtschaft ernannt.
Tel:0531-208.643-23
Die Organisation „Healthcare Denmark“, deren Patronin die
Kronprinzessin ist, arbeitet im Auftrag des Landes Dänemark und
privater dänischer Industrieunternehmen an der internationalen
Prof. Dr.
Jakob Reho
Männer haben weniger
Vermarktung dänischer Lösungen für das Gesundheitswesen. Ziel
ist es, die Innovationskraft der dänischen Gesundheitsbranche im
Ausland gebündelt darzustellen. Dem 12-köpfigen Komitee gehören Repräsentanten aus Großbritannien, den USA und Deutschland an.
Fax:0531-208.351-02
redaktion@wirtschaftsbriefgesundheit.de
www.wirtschaftsbriefgesundheit.de
Der Wirtschaftsbrief
Gesundheit wird Ihnen
Berlin
mit Ihrem Einverständnis
zugesandt. Möchten Sie
5. Nationaler Fachkongress Telemedizin: „Insellösung als Strategie“?
Unter der provokant-realistischen Fragestellung
„Telemedizin – Insellösung als Strategie“ wird
ihn abbestellen, klicken Sie
bitte hier:
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auf der zweitägigen Veranstaltung diskutiert,
Wirtschaftsverlag Gesund-
wie die gegenwärtige Situation mit Pilotprojek-
heit GmbH ist eingetragen
ten oder Insellösungen überwunden werden kann. Beleuchtet werden die Bund-
beim Amtsgericht Braun-
Länder-Perspektive, Handlungsspielräume, Projekte und Anwendungsbeispiele.
schweig unter HRB 204151.
 WANN? 06. bis 07. November 2014
 WO?
Ellington Hotel Berlin, Berlin
 INFOS? www.telemedizinkongress.de
Vertretungsberechtigte
Geschäftsführende Gesellschafterin: Thordis Eckhardt
Quelle: BarmerGEK
Am Uniklinikum Dresden wird das derzeit größte telemedizinische Projekt
SCHON GEWUSST?
Bild: T-Systems International GmbH
(Telekom PictureWorld)
Telemedizinprojekt: Website „CCS
Telehealth Ostsachsen“ geht online
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