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BILDUNG FÜR EINE NACHHALTIGE ENTWICKLUNG – WIE

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BILDUNG FÜR EINE NACHHALTIGE ENTWICKLUNG –
WIE ENGAGIEREN SICH INSBESONDERE DIE INGENIEURE AN DER
FH-KÖLN ?
M. Rückert
Institut für Anlagen- und Verfahrenstechnik/ Rescue Engineering
Fachhochschule Köln
E-mail: michael.rueckert@fh-koeln.de
SUMMARY: The UN have declared the years 2005 –
2014 the world decade „Education for Sustainable Development“. The Applied University of Cologne has
been following this order in several manner. Especially
in the engineering fields, there are a lot of lectures about
sustainable development with the components renewable energies, rational use of energy, recycling technologies, environment and health. The social sciences
also contributes to this. The chance for an interdisciplinary cooperation between the faculties should be enforced, though. For three years the working group
“Agenda 21” gives valuable inputs e.g. with a series of
lectures “Elements of Sustainability” and the promotion
of an environmental management system. The paradigmatic dimension of the sustainable topic chould not be
neglected in spite of the practical aspects of job training.
ZUSAMMENFASSUNG: Die UN haben die Jahre 2005
bis 2014 zur Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung„ erklärt. Die FHK kommt schon seit einigen
Jahren in vielfältiger Weise diesem Auftrag nach. Insbesondere in den ingenieurwissenschaftlichen Disziplinen
gibt es eine Fülle von Lehrveranstaltungen über Nachhaltigkeit mit den Komponenten regenerative Energietechniken, rationelle Energieverwendung, Recyclingtechnik, Umwelt und Gesundheit etc. Auch der sozialwissenschaftliche Bereich leistet Beiträge dazu. Die
Chance zur interdisziplinären Zusammenarbeit der Fakultäten der FHK muss allerdings noch stärker genutzt
werden. Seit drei Jahren gibt ein Arbeitskreis Agenda 21
wertvolle Impulse, u.a. mit einer Ringvorlesung „Elemente der Nachhaltigkeit“ und mit der Promotion eines
„Umweltmanagementsystems“ an der FHK. Die weltanschauliche Dimension des Themas Nachhaltigkeit sollte
trotz aller praktischen Berufsbezogenheit nicht außer
Acht gelassen werden.
Bildung für nachhaltige Entwicklung
Die UN haben die Jahre 2005 bis 2014 zur Weltdekade
„Bildung für nachhaltige Entwicklung„ erklärt.
Nachhaltigkeit (Sustainability) geht historisch auf den
sächsischen Edelmann Carlowitz aus der Silberstadt
Freiberg zurück. Er war im 17. Jahrhundert in Sachsen
verantwortlich für den Bergbau, der sehr viel Holz verbrauchte. Carlowitz sah zu, dass dem Wald nur so viel
Holz entnommen wurde, wie nachwuchs.
Als Meilensteine für das heutige Umweltbewusstsein
können folgend Stationen gelten:
• 1962 Buch „The silent spring“ von Rachel
Carlson
• 70/80 Jahre Kette von großen Chemie/Energieunfällen (Bophal, Seveso, Tschernobyl...)
• 70er Jahre Club of Rome
• 1982 Auftrag der UNO zum Brundlandt- Bericht
• 1992 Konferenz von Rio
Das Magische Dreieck der Nachhaltigkeit
Das Thema Nachhaltigkeit hat drei Dimensionen (magisches Dreieck der Nachhaltigkeit): Ökonomie, Ökologie, Soziales. Ökologisches Gleichgewicht kann nur
erreicht werden, wenn parallel ökonomische Sicherheit und soziale Gerechtigkeit gleichrangig angestrebt
werden. /learn-line.nrw/
Der Begriff "Nachhaltige Entwicklung" umfasst eine
technische, wirtschaftliche und soziale Entwicklung, die
den Bedürfnissen der Gegenwart gerecht wird, ohne die
Möglichkeiten zukünftiger Generationen zu beeinträchtigen, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen. Zwei
Bereiche sind grundlegend für den nachhaltigen Umgang mit den natürlichen Ressourcen der Erde. Erstens
gehört dazu die Befriedigung der menschlichen Grundbedürfnisse nach Essen, Kleidung, Wohnung und Arbeit.
Dies bedeutet auch, sich um die unbefriedigten Bedürfnisse der Armen zu kümmern, denn eine Welt, in der
fortwährend Armut herrscht, wird immer für ökologische und andere Katastrophen anfällig sein. Zweitens
sind die Grenzen der Entwicklung nicht absolut, sondern sie richten sich nach dem gegenwärtigen Stand der
Technik und gesellschaftlichen Organisation, nach ihrer
Wirkung auf die Umwelt und auf die Fähigkeit der
Biosphäre, die Folgen des menschlichen Handelns aufnehmen zu können. Sowohl Technologie als auch gesellschaftliche Organisation können verbessert werden,
um eine neue Ära ökologisch rücksichtsvollen Wirt-
schaftswachstums in die Wege zu leiten.
Die Broschüre des VCI /vci/ (Verband der Deutschen
Chemie) „Was ist Nachhaltig; Vorgeschichte, Verlauf
und Ergebnisse der Bundestags Enquete Schutz des
Menschen und der Umwelt„ gibt einen hervorragenden
Abriss der Geschichte des Nachhaltigkeits- Gedankens
und hebt das Umweltbewusstsein in der Chemischen
Industrie hervor. „Nachhaltigkeit gilt nicht länger als
Formel für die heile Welt beziehungsweise als ein der
Natur abgeschautes technokratisches Konzept zur Rettung der Menschheit, das sich mit Hilfe strikter Stoffstrom Managementregeln und detaillierter qualitativer
Zielvorgaben umsetzen lässt, sondern als regulative Idee
im Sinne des Philosophen Immanuel Kant, das heißt
zunächst als erkenntnistheoretisches Konstrukt (wie
Wahrheit, Freiheit oder Gerechtigkeit), das dem
menschlichen Verstand bei Such- und Lernprozessen
eine Richtung weist.
Die Agenda 21 ist ein Globales Aktionsprogramm für
eine nachhaltige Entwicklung mit dem Ziel, gleiche
Lebenschancen für gegenwärtige und künftige Generationen zu ermöglichen. Agenda 21 bedeutet: Was zu tun
ist; "21" steht für das 21. Jahrhundert. Wichtig sind die
Umsetzungen auf lokaler Ebene (in Gebietskörperschaften, Bildungseinrichtungen etc.).
.
Wir Ingenieure haben unsere Hausaufgaben gemacht:
Unsere Umwelttechnik und unsere Umwelt- Gesetzgebung sind vorbildlich. Die Emissionen pro Produktionseinheit sind in einem früher nie für möglich
gehaltenen Maß zurückgegangen. An diesem Fortschritt
haben Ingenieure einen erheblichen Anteil. Neben hoher
fachlicher Kompetenz haben sie eine ausgeprägt ethische Grundhaltung.
Die früher übliche „End of Pipe“ – Technik im Anlagenbau ist durch den Produktionsintegrierten Umweltschutz (PIUS) abgelöst worden. Bei ihm werden Prozesse so geführt, dass Abfälle erst gar nicht entstehen
bzw. direkt wieder zurückgeführt werden. Völlig neue
Verfahren sind weniger energieintensiv und Ressourcen
schonend (Greene Chemistry). PIUS ist übrigens ein
Studienschwerpunkt im Studium der Anlagen- und Verfahrenstechnik.
Unser täglicher Ökoterror:
Im Kampf um ein gesünderes Leben und um eine bessere Umwelt ist m.E. oft auf „das falsche Pferd gesetzt
worden.“ Schon Lovelock /Lov/ warnt davor, dass die
Forschungsergebnisse von „big science“ die falschen
Ursachen z.B. eines Klimawandels identifiziert. Es wird
zu stark auf das CO2 als Leitgas als Treibhausgas gesetzt. Möglicherweise liegen die Ursachen ganz wo
anders. Auch die Klimamodelle sind noch so ungenau
und berücksichtigen entscheidende Faktoren wie die
Aerosole, z.B. die Verbrennungsgase aus Flugzeugturbinen in großer Höhe, zu wenig.
Verleitet durch den enormen Fortschritt der Analytik
sind Grenzwerte unrealistisch niedrig. Die Medien tun
ihr übriges und halten die Menschen durch immer neue
vermeintliche „Umweltskandale“ in Atem /Hug/ Dadurch wird abgelenkt von wirklich großen Risiken, und,
was das entscheidende ist: Die Umweltauflagen sind
mittlerweile nicht mehr bezahlbar. Es ist kein Geld mehr
da für wirklich effektive Maßnahmen, z.B. für eine
Umwelt- und Gesundheitserziehung in den Schulen und
Hochschulen. Nicht nur auf Bundes- und Länderebene,
sondern erst recht auf EG- Ebene werden nicht mehr
umsetzbare Verordnungen erlassen. Peer Steinbrück,
NRW- Ministerpräsident sagte im Mai 2004 überspitzt
dazu: „Auch ich gewinne den Eindruck, dass die EU
Kommission gewillt ist, das Furzen des Hundes dem
Bundesimmissionsschutzgesetz zu unterwerfen.“
Die Zeche zahlt der Nachwuchs
Auch um die soziale Komponente sollten wir uns in der
Ingenieursaubildung kümmern.
Die Schere zwischen Arm und Reich geht weltweit aber
auch in Deutschland immer weiter auseinander. Das
System dieser wachsenden Ungleichverteilung ist aufgrund von Zinseszins und Wirtschaftswachstum mathematisch „exponentiell“. Exponentielle Kurven beginnen
immer horizontal und harmlos. In Spätzeiten aber
schießen sie vertikal ins Nichts und sterben irgendwann
den Sternentod. In Deutschland ist dieses Exponentielle
sinnigerweise in einem so genannten „Stabilitätsgesetz“
festgeschrieben. Vor der Supernova aber kommt die
„Plutokratie“, die ungeschminkte Herrschaft der Milliardäre. In den USA ist sie bereits erreicht. /inwo/
/Creutz/ /Moewes/
49 Bundestagsabgeordnete haben eine Initiative "Nachhaltigkeitslücke" gegründet. 49 Jungparlamentarier
fordern die Aufnahme folgenden Artikels (20b) in das
Grundgesetz:
„Der Staat hat in seinem Handeln das Prinzip der
Nachhaltigkeit zu beachten und die Interessen der zukünftigen Generationen zu schützen„
Die offen ausgewiesenen Schulden des deutschen Staates steigen um 1714 Euro pro Sekunde. Die Summe
beträgt derzeit 1,4 Billionen (1012 ) Euro. Dazu kommen
versteckte, implizite Schulden in Form der Ansprüche
von zukünftigen Rentnern, Pflegebedürftigen, Pensionisten etc. Schreibt man die heute gesetzlich verbrieften
Leistungen fort, so beträgt das wahre Ausmaß der
Staatsverschuldung sieben Billionen Euro. Das sind das
drei-fache des heutigen Brottoinlandsproduktes. Experten nennen das die „Nachhaltigkeitslücke“
Wirklicher Bewusstseinswandel oder nur „fromme
Worte“ oder Strohfeuer ?
Gerade in den letzten Monaten hat eine Reihe von relevanten Kongressen stattgefunden. Der Autor hat an
folgenden Veranstaltungen teilgenommen:
• Auftaktveranstaltung Bildung für eine nachhaltige
Entwicklung /agenda21.nrw/. Hier wurde die „Düs-
seldorfer Erklärung“ zum Auftakt der UN Dekade
„Bildung für nachhaltige Entwicklung“ in NRW
formuliert.
• Die vom BMBF (Bundesministerium für Bildung
und Forschung ) im April 2005 in Bonn veranstaltete Fachkonferenz „Rheinklima“ hat sich mit den
möglichen Auswirkungen der Klimaänderung auf
die Rheinlandschaft befasst. Unter /deklim/ können
die Vorträge herunter geladen werden.
Diese Veranstaltungen waren hervorragend organisiert;
es ist aber zu befürchten, dass ihre Initiativen Strohfeuer
des NRW- Landtagswahlkampfes waren und keine dauerhafte Wirkung zeigen werden.
Die interdisziplinäre Struktur der FH Köln bietet
große Chancen.
Das Studienangebot an der FHK ist breit gefächert: Es
reicht von Angewandten Sozial-, Kultur-, Informations-,
Kommunikations-, Medien-, Wirtschaftswissenschaften
über Architektur hin zu verschiedenen Ingenieurwissenschaften, darunter z. Zeit
• Maschinentechnik in natürlichen Kreisläufen mit den
Schwerpunkten Regenerative Energie- und Stofftechnik
und Reg. Boden- u. Landschaftstechnik,
• Produktionsintegrierter Umweltschutz,
• Technologie und Ressourcenmanagement in den Tropen und Subtropen.
Folgende Curricula sind interdisziplinäre:
• Rescue Engineering: beteiligt sind Wirtschaft, Notfallmedizin und Berufsfeuerwehr.
• Sozialraum Management: informeller Studienschwerpunkt von Architektur und Sozialwissenschaften (Abstimmung Stadtplanung/Sozialarbeit unter Einbezug der
BürgerInnen)
Folgende Zentrale Einrichtungen beschäftigen sich mit
Nachhaltigkeits- Themen:
• AG Solare Anlagen- und Bautechnik
• Senatskommission Umwelt
• Agenda 21-AK
• AK Brennstoffzellen
• Lenkungsgremium zur Einführung von EMAS II an
der FHK (in Gründung)
Aus der Fülle von Nachhaltigkeits- relevanten Lehrveranstaltungen und Projekten seien hier exemplarisch nur
die der Fakultät für Anlagen, Energie- und Maschinensysteme genannt:
Im Institut für Anlagen – und Verfahrenstechnik /Rescue
Engineering:
• spez. Umwelttechnik
• Umweltbiotechnologie
• Anlagensicherheit
• Umweltrecht
• Instrumentelle Analytik
• Umwelt und Gesundheit
• Recyclingtechnik und Nachhaltige Entwicklung
• Betriebliches Umweltmanagement
• Biologischer Abbau von Textil-Farbstoffen
• Technische Mikrobiologie
• Umweltbiotechnologie
• Umweltmanagement Abwassertechnik
Für den Master- Studiengang Technologie in den Tropen
als Lehrexport:
• Physikalisch- Technische- und wirtschaftliche
Grundlagen der Renewables
Im Institut für Maschinentechnik in natürlichen Kreislaufen folgende Lehrveranstaltungen:
• Regenerative Energie- und Stofftechnik
• Regenerative Boden- und Landschaftstechnik
Im Institut für Technische Gebäudeausrüstung:
• Wasser-, Boden-, Luftreinhaltung
• Immissionsschutz, Schallschutz
• Abwassertechnik
• Abfallwirtschaft
• Umwelt und Entwicklung
Innerhalb verschiedener Fächer wird die Notwendigkeit
des Umweltschutzes dem Stand der Technik und den
Vorschriften entsprechend berücksichtigt, so z. B. in
der Konstruktionstechnik das recyclinggerechte Konstruieren material- und energiesparender, abgasarmer
Produkte.
Knapp 20 % der in den Ingenieurdisziplinen vergebenen
Diplomarbeiten hatten ökologische Ziele.
Der Arbeitskreis Agenda 21 an der FH Köln
Vor ca. drei Jahren wurde der AK Agenda 21 an der FH
Köln gegründet /A21/. In ihm arbeiten Professoren,
Wissenschaftliche Mitarbeiter und Verwaltungs- Mitarbeiter mit. Das Engagement der Studierenden lässt leider sehr zu wünschen übrig. Die Mitglieder dieses Arbeitskreises haben sich zum Ziel gesetzt, das Prinzip
einer nachhaltigen Entwicklung im Sinne einer „lokalen“ Agenda 21 im Leben der FH und in Lehre und
Forschung umzusetzen. Der AK trifft sich einmal im
Monat.
Folgende Präambel bildet das Leitmotiv des AK: „Der
Agenda 21-Arbeitskreis an der Fachhochschule Köln
folgt dem Bildungsauftrag des 21. Jahrhunderts, wie er
in der Agenda 21 formuliert ist: Lehre, Forschung und
Organisation der Hochschule sollen durch gleichrangige
Behandlung der Ökologie, Ökonomie und sozialen
Verantwortung in interdisziplinärer Kooperation bei
Beteiligung aller Mitglieder und Angehörigen der
Hochschule auf lokale und globale Nachhaltigkeit ausgerichtet werden“
Die Aktivitäten des AK Agenda 21 sind:
• Ringvorlesung Elemente der Nachhaltigkeit im
WS02/03
• Zusammenstellung der umweltrelevanten
Lehrveranstaltungen
• Bestandserhebung und Erweiterung der relevanten Bücher in der Bibliothek
• Mitarbeit bei der lokalen Agenda 21 Köln
• Mit- Motor bei der Einführung eines Umweltmanagementsystems in der FHK
•
Vorbereitung einer „Umweltbewusstseinsaktion“
Vorträge dieser Reihe sollten im folgenden kurz dargestellt werden:
Chancen an der FHK zur interdisziplinären Zusammenarbeit werden nicht ausreichend genutzt
Erklärtes Ziel des Rektorats ist die Einführung von
EMAS (Eco Management and Audit Scheme) an der
FHK. EMAS ist ein Managementsystem, das Unternehmen dabei hilft, ihren betrieblichen Umweltschutz
eigenverantwortlich und kontinuierlich zu verbessern.
Der AK Agenda 21 unterstützt dieses Ziel durch Rat und
Tat. Folgender Nutzen wird für die FHK davon erwartet:
• Kontinuierliche Verbesserung der Umweltsituation und der Lehr/ Lernatmosphäre,
• Kostenreduktion bei Entsorgung und Energieverbrauch, Marketing- Vorteile,
• Verbesserung des Umfeldes für Studierende
und MitarbeiterInnen.
• Die Chance für Lehre und Forschung, praxisnah in der FHK an EMAS- Themen mitzuarbeiten.
Die Einführung von EMAS an der FHK steckt noch in
den Kinderschuhen. Dabei ist ein Element von EMAS,
nämlich die Reduzierung von Ressourcen- Verbräuchen,
insbesondere der Energie- verbräuche überfällig. Dort
eingesparte Kosten könnten dem Lehr- und Forschungsbetrieb zu Gute kommen. Als ein großer Hemmschuh
bei der Umsetzung eines modernen Gebäudemanagements erweist sich, dass alle öffentlichen Gebäude in
NRW durch eine zentrale Liegenschaftsverwaltung
(BLB) verwaltet werden. Die FHK ist quasi nur Mieter
mit eingeschränkten Handlungsmöglichkeiten. Kapazität und Kompetenz des BLB sind m.E. beschränkt. Die
Kommunikation lässt zu wünschen übrig. Außerdem
wurde das Potential von sachkundigen ProfessorInnen
bisher zu wenig genutzt; Diplomarbeiten über Ressourcen- sparthemen wurde könnten häufiger vergeben werden.
Das Management der Hochschulen steht vor großen
Herausforderungen. Der Staat zieht sich immer mehr
aus der Verantwortung. Eigenverantwortliches Arbeiten
muss von den Hochschulen aber erst gelernt werden.
Management- Handwerkszeug, die in Wirtschaft Stand
der Technik sind, werden noch nicht ausreichend professionell genutzt. Als Beispiel sei hier /UNIVIS/ erwähnt. Diese Online- Datenbank für Ressourcenmanagement an Hochschulen und zur Erstellung von Vorlesungsverzeichnissen findet in den Fakultäten kaum
Akzeptanz; der dafür zuständigen zentralen Einrichtung
fehlen Kapazität und Professionalität. Das Ergebnis sind
mangelhafte Kommunikation, Doppelarbeit und mangelhafte Ausnutzung der Ressourcen.
Ringvorlesung „Elemente der Nachhaltigkeit“
Der Arbeitskreis „Agenda-21“ an der FH Köln organisierte im Wintersemester 2002/03 eine Veranstaltungsreihe mit dem Titel „Elemente der Nachhaltigkeit“. Die
Um den synergistischen Effekt der Reihe zu verstärken
und auch die multidisziplinärenen Chancen der vielfältigen Studiengänge der FH Köln zu nutzen, fanden die
Veranstaltungen wechselseitig im Ingenieurwissenschaftlichen und im Geisteswissenschaftlichen Zentrum
der FH statt; sie wurden auch von externen Gästen rege
besucht. In acht Vorträgen und einer Podiumsdiskussion
spannte sich der Bogen von technischen über wirtschaftliche hin zu weltanschaulichen Aspekten.
Prof. Dr. Hartmut Gaese und Mitarbeiter aus dem FHInstitut für Tropentechnologie (ITT) stellten ihre weltweiten Projekte in Entwicklungs- und Schwellenländern
vor, u.a. ein integriertes Land- und Wassermanagement
des Einzugsgebiets Rio Cauto, Kuba, die Infrastrukturplanung der Besiedlung des Gebiets hinter dem AssuanStaudamm in Ägypten und ein Wasseraufbereitungsprojekt für eine Nahrungsmittelproduktion in Chile.
Prof. Dr. Michael Rückert aus der Fakultät 09 der FH
Köln stellte –ausgehend vom gleichnamigen Titel eines
neueren Buches von Rüdiger Dahlke - die „Weltkrankheiten“ in Analogie zu individuellen Krankheiten vor.
Krankheit wird als Ausdruck von seelischem Ungleichgewicht verstanden. Umweltgifte und Viren sind lediglich Auslöser von Krankheiten, jedoch nicht ihre wirklichen Ursachen. Ihre Bekämpfung ist zwar auch wichtig;
wichtiger ist jedoch der Ausgleich des seelischen Ungleichgewichts. Ähnlich verhält es sich bei der „Bekämpfung“ der Weltkrankheiten, z.B. des Terrorismus,
bei der es vorrangig um die Veränderung des „Milieus“
gehen sollte.
Prof. Dr. Tilmann Elliger von der Fakultät 01 sprach
über „Friedensdienste – Erfahrungen aus einem Kosovo- Einsatz“. Auf der Basis der UN-Prinzipien und der
humanitären Charter des "SPERE"-Projekts stellte er die
Standards und Management-Methoden der internationalen Not- und Katastrophenhilfe (disaster and emergency
response) dar. Am Beispiel der Massenlager während
des Kosovo-Krieges und der noch ungeklärten Flüchtlingsschicksale
in
Afghanistan
(UNHCR-Repatriierungsprogramm) stellte er die typischen Problemstellungen und Funktionen des Emergency Management
anhand zahlreicher Dias sehr anschaulich vor.
Durch Vergleich dieser Bilder mit den Darstellungen im
Fernsehen wurden Möglichkeiten und Beispiele der
Meinungsmanipulation gezeigt: Die Wahl eines geringfügig anderen Bildausschnitts führte zu völlig überzogener oder verfälschter Darstellung einer Situation.
Ebenso wurde verdeutlicht, wie sehr die Hilfsorganisationen unter dem Druck stehen, sich für Berichterstat-
tungen in den Vordergrund zu drängen um Sendezeit zu
erhaschen, von der das Spendenaufkommen erheblich
abhängt. Sehr deutlich wurde, dass neben der konventionellen beruflichen Professionalität der Helfer Zusatzqualifikationen und besondere Persönlichkeitseigenschaften erforderlich sind, von denen die Erfolgsaussichten der Hilfe in kulturell fremder, oft lebensgefährlicher Umgebung unter außerordentlich schwierigen
technischen und wirtschaftlichen Bedingungen abhängt.
Prof. Dr. Christiane Rieker und Prof. Dr. Wolfgang
Wiesner sprachen über Stand der Technik und Chancen
der Regenerativen Energiesysteme -Sonne, Wind und
Biomasse. Biomasse deckt zur Zeit vorwiegend alsWärme 1,8 % des Energiebedarfs in Deutschland. Dieser Prozentsatz könnte mittelfristig auf 7 -10 % anwachsen und damit einen entsprechend großen Anteil an
CO2-Emissionen einsparen. In gleicher Größenordnung
werden sich die zurzeit wirtschaftlich nutzbaren Potentiale der Windenergie bewegen. Hier setzt zunehmend
eine Begrenzung wegen der eingeschränkten Verfügbarkeit geeigneter Standorte ein. Diese Begrenzung ist bei
Photovoltaik in absehbarer Zeit nicht zu erwarten. Allerdings ist diese Art der Stromerzeugung noch ohne
erhebliche Unterstützungsmassnahmen nicht im Energiemarkt konkurrenzfähig. Gleichwohl erwartet man
auch in den folgenden Jahren ein Wachstum des Marktes von zwischen 15 und 20 %. Die solarthermische
Energienutzung steht im engen Zusammenhang mit der
weiteren Reduzierung des Energieverbrauchs im Gebäudebereich für den zur Zeit ca. 30 %der Primärenergie aufgewendet wird. Hier wäre im Zuge der Erneuerung des Gebäudebestandes eine Halbierung denkbar.
Der Aachener Wirtschaftsanalytiker und Autor des Buches „Das Geldsyndrom“, Helmut /Creutz/ behandelte
das Thema: Geldsysteme – In der Zinseszinsfalle gefangen? Der Referent berichtet u.a. über die Hintergründe
von Verschuldungs- und Wachstumszwang, die Umweltproblematik und die Arbeitslosigkeit - und über
Auswege aus dem Dilemma. Bei dem herrschenden
Zinssystem gehe die Schere zwischen Arm und Reich in
Deutschland und weltweit immer weiter auseinander. In
Niedrig- Zins- Zeiten suche sich das Kapital ertragsreichere Anlagen, z.B. in der Rüstungsindustrie. Auf Niedrigzinszeiten folgten automatisch Kriege, nach denen
dann wieder ein „Wirtschaftswunder“ gesehen könne.
Ein Lösungsvorschlag aus diesem Dilemma wäre es,
auf Geld(besitz) den gleichen Angebotsdruck auszuüben, unter dem Waren und Arbeitskraft stehen. Aus der
Zuhörerschaft kam der Hinweis, dass leider in den Medien (noch) wenig Interesse besteht, die dargestellten
Zusammenhänge zur Diskussion zu stellen.
Die Leiterin des Referats Umwelt im BMZ (Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung), Ingrid Hoven, sprach über: “10 Jahre nach
Rio: Die UN- Konferenz von Johannesburg - Wie geht
es mit der Agenda 21 weiter?„ Als Mitglied der deutschen Delegation an der Konferenz machte sie die Er-
fahrung, dass die offiziell gesteckten Ziele bei weitem
nicht erreicht worden sind, dass aber Bewusstsein, Engagement und Wissen für nachhaltige Entwicklung stark
gewachsen seien. Eine große Zahl neuer Initiativen,
Netzwerke und Allianzen sei entstanden, die Konferenz
sei – ähnlich wie ein Kirchentag - eine Ideen/Wissensbörse zu aktuellen Fragen der nachhaltigen
Entwicklung gewesen. Darin lag ihr eigentlicher Wert.
Max Breitzler und Frank Kühl, AStA-Referenten der
FH-Köln, beleuchteten das Thema: Bildung als Ware –
die möglichen Folgen von GATS –
GATS (General Agreement on Trade in Services) ist ein
generelles Abkommen über den Handel mit Dienstleistungen. Seit1994 für 144 WTO-Vertragspartner bindend
verändert es nun auch die Bildung und macht sie zur
weltweit handelbaren Ware. Der Bereich der öffentlichen Dienstleistungen wird als Riesenmarkt (mehrere
1000 Milliarden US$) angesehen, der durch GATS für
private Investoren erschlossen wird. Das Bildungswesen
gehört in den meisten Ländern noch zum öffentlichen
Bereich. Ein hoch stehender und gut ausgebauter öffentlicher Dienst ist eines der wichtigsten Elemente demokratischer Länder. Der öffentliche Bereich wird durch
Steuern finanziert, steht somit auch unter der Kontrolle
der öffentlichen Hand und funktioniert nicht profitorientiert. Alle Menschen sollen ungehindert und gleichberechtigten Zugang zu den öffentlichen Dienstleistungen
haben, denn dies ist eine Grundvoraussetzung für sozialen Frieden und Wohlstand in einem Land. In kurzer
Zeit wurden immer mehr dieser öffentlichen Dienstleistungen in Aktiengesellschaften umgewandelt, wie z.B.
Telekom, Post und Bahn. Das Bildungswesen beginnt
gerade diesen Privatisierungsprozess. Die Referenten
meinen, dass die Risiken und möglichen Nachteile die
Chancen deutlich übersteigen und forderten alle Hochschulangehörigen auf, sich gründlicher über GATS und
die Folgen zu informieren.
Prof. Dr. Maria Mies, emeritierte Professorin der FH
Köln und Autorin des Buches „Globalisierung von unten“ hielt einen beeindruckenden Vortrag über „Globalisierung“. Einer Globalisierung von oben steht eine Globalisierung von unten entgegen. Die Globalisierung von
oben wird von Regierungen, Konzernen und Organisationen wie der WTO in Genf in Geheimverhandlungen
betrieben. Ihr Mythos ist der Neoliberalismus, ihr Credo
der Ausspruch von Margret Thatcher: „ There is no
alternative (TINA). Die Globalisierung von unten arbeitet mit Netzwerken (TTIT.org, TRIPS) und ist durchaus erfolgreich. Die Diskussion nach dem Vortrag wurde sehr lebhaft geführt über die Möglichkeiten, sich zu
informieren und zu engagieren. Besonders kontrovers
wurde die Rolle der Gewerkschaften diskutiert.
Den Abschluss der Veranstaltungsreihe bildete eine
Podiumsdiskussion über das Thema: Bildungs- und
Forschungsziel Nachhaltigkeit. Sie wurde professionell
geleitet vom Moderator Arnd Henze, Journalist beim
WDR. Es entwickelte sich eine interessante Diskussion
zwischen den Podiumsteilnehmer Rektor, stellv. Kanzler, Studierendenpfarrer, Ausländerreferent und Bildungsreferent des ASTA und eine Professorin aus dem
ingenieurwissenschaftlichen Bereich und dann auch mit
dem Publikum. Hier einige Stichworte aus den Antwortenrunden und den Beiträgen aus dem Publikum:
Das kameralistische Abrechnungssystem in den öffentlichen Haushalten, das zum sog. „Dezemberfieber“
führte, war in der Vergangenheit das Gegenteil von
nachhaltig. Es wird jetzt aber modernisiert und zukunftsfähig gemacht.
Die Ausbildung an FHen ist sehr an den Bedürfnissen
der Abnehmer orientiert. Es besteht die Gefahr, dass
keine wirkliche Bildung (mit ausreichend Grundlagen)
vermittelt wird, sondern lediglich Bildung als „verderbliche“ Ware.
Eine neue – andere als die 68er – Politisierung an den
Hochschulen ist angesagt: Engagement der Studierenden und Lehrenden in NGOs und Integration dieses
Engagements in die Curricula, und zwar im Rahmen der
an den FHen vorgesehenen 7% „außerfachlichen“ Lehrveranstaltungen.
Nichts ist ohne Grund
Zum Schluss seinen einige weltanschauliche - philosophische- religiöse bzw. spirituelle Dimensionen des
Themas Nachhaltigkeit erläutert. Gerade in einer multikulturellen Hochschule mit einem gewissen AusländerInnen- Anteil stoßen Gespräche über diese Themen
meiner Erfahrung nach auf großes Interesse der Studierenden.
Wir befinden uns derzeit in einem drastischen Wertewandel - und wer weiß schon, auf was es im Leben
wirklich ankommt? Das "Hoppla"- Weltbild der naturwissenschaftlich- technisch geprägten Gesellschaft gibt
den Mensch immer weniger Antworten auf den Sinn des
Lebens und viele ahnen, dass "Lebensstandard" nicht
das höchste Ziel im Leben ist. Das Thema Umwelt
konkurriert heftiger mit anderen drängenden Themen:
Arbeitslosigkeit, Sicherheit, Familie. Auf der Achterund Geisterbahn der Meinungen und Standpunkte kann
uns die Symbolik von Krankheiten wertvolle Hinweise
geben: Allergien, Krebs, AIDS. Aber auch die Krankheiten der Erde wie Fieber oder Ozonverlust spiegeln die
menschlichen Erkrankungen wider. So wie es Ärzten
gelingt, einen Kranken, dessen Lebensgeister und dessen Selbstorganisationsvermögen lebensgefährlich geschwächt sind, nur für eine begrenzte Zeitspanne in der
Intensivstation zu "managen", so können wir nur äußerst
begrenzt die geschwächten Selbstorganisationskräfte der
Erde und unserer Umwelt durch technische Maßnahmen
ersetzen. Das Endziel eines tiefen Umweltbewusstseins
muss daher die Rückkehr zur Ehrfurcht vor dem Leben
sein und damit auch vor Mutter Erde – Gaia – die letztendlich auch ein Lebewesen ist. /Lov/
Was ist der Sinn unseres Erdendaseins? Ist die Welt
unendlich gerecht? Nach welchen Gesetzen funktioniert
sie? Diese Fragen beschäftigen jeden Menschen. Religionen haben darauf unterschiedliche Antworten. Sie
haben aber alle einen gemeinsamen Kern: Das ist der
Satz vom Grund – Nichts ist ohne Grund, oder wie
Christus sinngemäß sagte: Ihr erntet, was ihr sät.
Nach den fernöstlichen Religionen, z.B. dem Buddhismus sind wir an das Rad des Lebens geboren. Die Welt
ist wie eine Schule, in der wir Lektionen lernen und
immer wieder hierher zurückkehren müssen, so lange es
noch etwas zu lernen gibt. Wenn wir unser Ziel erreicht
haben, so dürfen wir in die Ewigkeit = Zeitlosigkeit =
Nirvana eingehen und sind endgültig von der Welt der
Polarität befreit. Nicht für unseren Nachkommen müssen wir deshalb den Ort des Lernens, die Erde und die
Natur sorgsam bewahren, sondern für uns selbst. Dieser
Kreislaufgedanke führt gerade im Buddhismus zu einem
pfleglicheren Umgang mit der Natur.
Das Weltbild der abrahamitischen Religionen (Judentum, Christentum, Islam) dagegen ist linear: Am Ende
des Lebens bzw. beim jüngsten Gericht (ist das vielleicht das Hier und Jetzt ?) richtet ein allgewaltiger
personaler Gott über unser weiteres Schicksal: Himmel,
Fegefeuer oder Hölle (ewige Verdammnis). Die Gnade
Gottes bzw. die Leiden Christi verringern unsere
Schuld. Jeder Mensch kommt mit einer Erbsünde zur
Welt. Sind Erbsünde und Fegefeuer vielleicht noch
Relikte des Kreislaufgedankens fernöstlicher Religionen?
Allen Religionen haben neben dem „nihil sine causa“
noch eine andere Gemeinsamkeit: Sie mahnen uns zum
rechten Maß und zur Bescheidenheit. Und das ist es ja
hauptsächlich, was uns in den Industrieländern bei unserem Wachstumsfetischismus fehlt. Weil uns diese Tugend so ungeheure vorkommt, haben wir eine akademische Umschreibung erfunden: Suffizienz.
Der dramatische Anstieg von Krebs und die Ereignisse
um den 11. Sept. 2001 zeigen uns jedoch mit ihrer
Symbolik dass wir wieder zurück müssen zur freiwilligen Selbstbeschränkung. Das Schicksal wird wie uns
auf seine Art sowieso aufzwingen.
Literatur:
/Creutz/ Helmuth Creutz: Das Geldsyndrom- Wege zu
einer krisenfreien Wirtschaftsordnung. Econ- Verlag
/Lov/ Lovelock: Gaia – Die Erde ist ein Lebewesen,
Scherz Verlag 1992
/Moewes/ Günther Moewes: „Geld oder Leben“,
Signum Verlag 2004
/Hug/ Heinz Hug, Der tägliche Ökoteror¸ Wirtschaftsverlag Langen Müller/ Herbig, 1997, Neuauflage 2002
/VCI/ Broschüre des VCI (Verband der chemischen
Industrie): Was ist nachhaltig?
URL:
www.ak-agenda21.fh-koeln.de
www.inwo.de/ (Initiative für natürliche Wirtschaftsordnung)
http://www.learnline.nrw.de/angebote/agenda21/archiv/
99/pr/zei4898nachhalt.htm
http://www.agenda21.nrw.de/nachhaltig/nrw/un_dekade
_2005_2014/
http://www.deklim.de/seiten/dek-frame.asp
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