close

Anmelden

Neues Passwort anfordern?

Anmeldung mit OpenID

(A) (C) (B) (D) Ich weiß, dass ich Gen-Fundis wie Herrn Röspel nicht

EinbettenHerunterladen
7582
(A)
Deutscher Bundestag - 14. Wahlperiode - 81. Sitzung. Berlin, Donnerstag, den 20. Januar 2000
Ich weiß, dass ich Gen-Fundis wie Herrn Röspel
nicht überzeugen kann. Für die Realos unter Ihnen jedoch zwei kleine Anmerkungen: Vor kurzem berichtete
AGRA-Europe über eine neue Studie des Wissenschaftlers Richard Flavell für das International Food Policy
Research Institute. Er kommt zu dem Ergebnis, dass bei
der Beurteilung der Chancen und Risiken der Gentechnik ein strategischer „Langzeit-Blick“ nötig ist. Das Potenzial der Gentechnologie, zum Beispiel Pflanzen mit
größerer Widerstandsfähigkeit gegen Trockenheit und
hohe Salzgehalte, gegen giftige Schwermetalle, Schädlinge und Krankheiten zu züchten, sei enorm. Ethisch sei
es nicht zu verantworten, diese Technologien nicht weiterzuentwickeln.
Und erst am 13. Januar erhielten wir wieder einen
Beweis für das Potenzial dieser Technologien. Forscher
der Universität Freiburg und des Instituts für Technik in
Zürich gelang es, Gene in die Erbmasse von Reis einzuschleusen, die während des Kornwachstums für die Synthese von Beta-Carotin sorgen. Beta Carotin – das heißt
Vitamin A. Und Vitamin A-Mangel ist in vielen Ländern Asiens für Blindheit und schwere Wachstumsschäden bei Kindern verantwortlich. Der neue Reis muss
noch weiterentwickelt werden. Er soll aber später Bauern in Entwicklungsländern ohne Hindernisse zur Verfügung gestellt werden.
(B)
Wir alle wünschen uns einen erfolgreichen Start der
Konferenz Montreal. Die Forderungen in Ihrem Antrag
sind eher eine Hypothek als eine Unterstützung. Man
könnte auch sagen: Fundis gehören in den Fundus. Wir
lehnen den Antrag deshalb ab.
Kersten Naumann (PDS): Wir alle wollen gesund
und sicher essen, die Umwelt erhalten und mit den Entwicklungsländern fair handeln – sie aber auch fair behandeln. Das Bio-Safety-Abkommen zum Abschluss zu
bringen beinhaltet dies als Chance, um mindestens den
jetzigen Bestand der biologischen Vielfalt rechtlich, institutionell und finanziell abzusichern und den Schutz
der menschlichen Gesundheit festzuschreiben. Dazu bedarf es – so bekennen SPD und Grüne richtig – erheblicher Anstrengungen gerade auf internationaler Ebene.
Leider stehen die Chancen auf eine Einigung der sogenannten „Miami-Gruppe“, insbesondere die USA, ihre
Zustimmung zu einem Bio-Safety-Protokoll“ geben, es
sei denn, dies Protokoll enthält de facto keine klaren
Regelungen zum Umgang mit gentechnisch veränderten
Lebens- und Futtermitteln oder aber es lässt sich mittels
WTO unterlaufen.
Ich bin auch keineswegs optimistisch, was die Verhandlungsrolle der EU und der Bundesregierung angeht.
Ein wachsweicher Kompromiss in Montreal bringt
nichts, außer dass er vielleicht die Position der EU in
Welthandelsfragen gegenüber den USA stärkt. Das kann
aber nicht unser Ziel sein.
Es muss ein strenges Protokoll über biologische Sicherheit verabschiedet werden, das weder durch die
WTO noch durch andere Verhandlungen zur Disposition
gestellt wird. Es ist jedoch zu befürchten, dass mit dem
ambivalenten Verhalten der Bundesregierung das Proto-
SEITE ZURÜCK
koll zu einem Instrument zur Durchsetzung der Handelsinteressen der Industriestaaten wird, anstatt den Gefahren und Risiken der Gentechnik vorzubeugen.
(C)
Damit handelt sich nach alter Manier bei Konfliktlösungen: Hierarchien bilden, Verhandlungsmodelle mit
etwas Makulatur anbieten und schließlich das Aussitzmodel anwenden.
Deshalb wird meine Fraktion dem vorliegenden Antrag nicht zustimmen und sich der Stimme enthalten.
Zu einem wirkungsvollen „Bio-Safety-Protokoll“ gibt
es derzeit keine sinnvolle Alternative, wenn ich auch
nicht verhehlen will, dass mir strenge Kennzeichnungsvorschriften, die Sicherung der Rückverfolgbarkeit, Informationspflichten und Haftungsregelungen für den
Handel mit Gentechnik-Organismen und ihren Produkten im Hinblick auf das immer wieder eingeforderte
Vorsorgeprinzip nicht ausreichen. Wohlverstandene
Vorsorge hieße, gentechnisch veränderte Lebens- und
Futtermittel gar nicht erst für den Handel zuzulassen!
Die Vermarktung solcher Produkte ist und bleibt ein
groß angelegter Feldversuch, mit nicht absehbaren Gefahren.
Ein Monitoring, wie es auch im vorliegenden Antrag
wieder gefordert wird, ist ein Eingeständnis der mangelnden Vorsorge. Es ist aber gleichzeitig der Versuch,
der ablehnenden Haltung der Konsumenten zu begegnen
und zugleich den Entwicklungen der GentechnikIndustrie die Aussicht auf eine hohe Rendite zu sichern.
Unverzichtbar ist aber aus unserer Sicht ebenso – und
das zum Beispiel fehlt mir in Ihrem Antrag – die hiebund stichfeste Einbeziehung sozio-ökonomischer Krite- (D)
rien in die Risikoanalyse und von Haftungs- und Entschädigungsregelungen in das Protokoll.
Anlage 3
Zu Protokoll gegebene Reden
zur Beratung der Beschlussempfehlung und des
Berichts: Zweiter Bericht der Bundesregierung
über den Anteil von Frauen in wesentlichen
Gremien im Einflussbereich des Bundes
(Tagesordnungspunkt 9)
Renate Gradistanac (SPD): Ich freue mich sehr, dass
wir in der ersten Woche des neuen Jahres 2000 über das
Thema Frauenpolitik debattieren. Die Gleichstellung
von Frauen und Männern und die gleichberechtigte
Teilhabe am politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Leben ist eine lohnende Aufgabe für unsere Gesellschaft, der wir uns mit großer Freude und Kraft widmen.
Dazu gehört, dass es zur Selbstverständlichkeit wird,
dass Frauen ihrem Anteil in der Bevölkerung entsprechend in allen Entscheidungs- und Beratungsgremien
mitwirken: im Gemeinderat, in Landesparlamenten, in
Vereinen, in Sachverständigenkommissionen und in
Handwerkskammern.
SEITE VOR
Document
Kategorie
Seele and Geist
Seitenansichten
10
Dateigröße
144 KB
Tags
1/--Seiten
melden