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KLOSTER REINBEK – oder wie Reinbek seinen - Stadt Reinbek

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KLOSTER REINBEK – oder wie Reinbek seinen Anfang nahm
Ein Vortrag von Dr. Carsten Walczok, Stadtarchiv
Vorwort
Das Reinbeker Kloster kann zweifellos als der Ausgangspunkt für die Geschichte der Stadt
Reinbek angesehen werden. Hier begann eine rund siebenhundertjährige Geschichte. Wenn
auch das Kloster selber längst nicht mehr existiert, so finden sich noch heute direkte und
indirekt Spuren, die noch immer an diese frühe Zeit Reinbeks erinnern. Der Name
Klosterbergen ist das wohl eindeutigste Überbleibsel davon, aber auch der Mühlenteich beim
Schloss nahm damals seinen Anfang, ja das Schloss selber steht zumindest teilweise dort,
wo einst das Kloster stand.
Dennoch, fragen wir uns heute, was eigentlich bekannt über das Kloster und somit über die
Geburt Reinbeks ist. Fragen wir noch weiter, was wir selber eigentlich über diese Zeit
wissen?
Der folgende Vortrag möchte versuchen, daß bekannte Wissen über diese Zeit und das
Kloster zusammenzustellen und vorzutragen.
Für den Vortrag wurde auf die im Stadtarchiv Reinbek erreichbare Literatur und Quellen
zugegriffen. Eigene Recherchen, die sich aus meiner Tätigkeit als Stadtarchivar ergaben,
wurden ebenfalls in den Vortrag eingearbeitet.
Das 13. Jahrhundert beginnt
Die Zeit des beginnenden 13. Jahrhunderts sah in vielen Belangen ganz anders aus als wir
die Welt kennen. Alle lebten in einer festen Ordnung, die Geistlichkeit (Oratores) sorgten für
das Seelenheil der Menschen, die Ritter (Miles) schützten die Menschen und die Bauern
(Laboratores) versorgten alle mit dem Lebensnotwendigen.
Die Menschen lebten größtenteils von der Landwirtschaft, rund 90 Prozent der Bevölkerung
lebten in kleinen Dörfern. Städte gab es in Mitteleuropa nur wenige. Ihre Größe war
vergleichsweise gering.
1. London hatte um 1180 rund 40 000 Einwohner, 1209 erhielt London eine erste
Brücke aus Stein, die „London Bridge“.
2. Köln hatte im Hochmittelalter 40 000 Ew.
3. Rom, eine Stadt im Wachstum hatte um 1300 wieder rund 50 000 Ew. Rom war
bereits in der Antike eine Millionenstadt.
4. Konstantinopel oder Ostrom (das heutige Istanbul) hatte zu der Zeit 100 000 Ew.
5. Kopenhagen dagegen um 1250 nur 5000 Ew.
Es war die Zeit des Hochmittelalters, der Adel herrschte unangefochten im Land. Mit dem
Kaiser Barbarossa, der 1190 auf dem Kreuzzug umgekommen war, hatte das Reich eine
mächtige Integrationsfigur verloren. Der Streit um seine Nachfolge entbrannte bald, Otto IV
(aus Sachsen) gegen Phillip von Schwaben. Phillip setzt sich durch, starb aber bald darauf.
Also blieben Ottos Ansprüche bestehen.
Mit Friedrich II. fand man zwar einen würdigen Nachfolger aber auch zugleich einen Kaiser,
der sich nicht weiter für das barbarische Reich jenseits der Alpen interessierte, Friedrich
lebte lieber in Italien. 1212 kam er erstmals nach Mitteleuropa.
In Mitteleuropa lebte man im „Sacrum Romanum Imperium“, so zumindest tauchte diese
Bezeichnung um 1254 erstmals auf. Es ging dabei um die alte Idee des Kaisertums, einen
universalen Anspruch zu haben à der Kaiser herrschte über alle.
Das Staunen der Welt
Friedrich II lebte von 1194-1250, Sohn von Kaiser Heinrich VI und Konstanze von Sizilien.
1211 wurde er zum König gewählt, gegen den Anspruch Otto IV von den Welfen. Seit dem
Tode von Otto 1218 unangefochten als König, 1220 erfolgte seine Kaiserkrönung.
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Der Kaiser, von Zeitgenossen „stupor mundi“ - das „Staunen der Welt“ - genannt, war
hochgebildet und sprach mehrere Sprachen: Neben seiner Muttersprache Italienisch
beherrschte er das Lateinische sowie das Deutsche und verfügte womöglich auch über
Grundkenntnisse des Arabischen. Darüber hinaus verstand er Französisch und vielleicht
etwas Griechisch. Er war vielseitig interessiert - an naturwissenschaftlichen, künstlerischen,
philosophischen und theologischen Fragen - und verfaßte ein wissenschaftliches Werk über
die Falkenjagd.
Doch was gab es noch Besonderes im 13. Jahrhundert?
1204 plündern die Kreuzfahrer des 4. Kreuzzuges Konstantinopel.
Von 1209 bis 1229 führt der französische König einen Kreuzzug gegen die Albigenser und
Katharer durch.
1212 startet ein Kinderkreuzzug. à der allerdings militärisch ohne Folgen blieb. Er brachte
lediglich neue Sklaven für den Orient.
1228-29, 5. Kreuzzug vom Kaiser Friedrich II gegen Sultan Al Kamil. Endet mit Vertrag, der
den Arabern Jerusalem beläßt, aber den Christen freien Zugang gewährt.
Dennoch läuft die Rückeroberung gegen die Kreuzfahrerstaaten weiter.
1291 fällt mit Akkon die letzte Bastion der Kreuzfahrer im Heiligen Land.
Im Laufe des 13. Jhd. werden die Schubkarre und der Kompaß entwickelt, Ende des 13. Jhd.
taucht die erste Brille auf.
1389 wird die erste Papiermühle in Deutschland (Nürnberg) nachgewiesen.
Die Baukunst der Gotik macht im 12. und noch mehr im 13. Jhd. große Sprünge. Spitzbogen
und Kreuzrippengewölbe wurden nun zur vollen Blühte entwickelt und führten zur Auflösung
der geschlossenen Wände in schlanke, durch Bogen verbundene Stützen und zuletzt zum
System der mit Filialen beschwerten Strebepfeiler und Strebebögen zur Aufnahme des
Bogenschubs. Der Weg zu den großartigen gotischen Domen wie Chatres oder Reims war
damit geebnet.
Fast noch bedeutsamer für die Menschen (besonders in den aufstrebenden Städten) war die
Erfindung der Gewichtsräderuhr, denn sie ermöglichte die Einführung der gleichlangen
Stunden. Davor hatten die Menschen lediglich den Tag in zwei Teile zu 12 Stunden
eingeteilt. Jetzt konnten sie den Tagesablauf präziser planen.
Kaiser Friedrich II kümmerten die Geschehnisse im, vom warmen Italien aus gesehen,
weiten entfernten und zutiefst barbarischen Norden kaum.
Wie weit der Kaiser weg war, macht deutlich, wenn man sich daran erinnert, daß die Dänen
damals versuchten, ihr Reich bis an die Elbe auszudehnen und ihnen auch von Seiten des
Reiches kein direkter Widerstand entgegen trat.
Hier mußte man sich aus eigener Kraft helfen. Teile des schleswig-holsteinischen Adels
schmiedeten ein Bündnis mit Lübeck und Adligen aus Mecklenburg.
Unter der Führung des Grafen Adolf IV. von Holstein-Schauenburg stellte man sich den
Dänen mit ihren Verbündeten. (Dithmarschen und Otto von Braunschweig)
Am 22. Juli 1227 kam es bei Bornhöved zur Schlacht. Der dänische König Waldemar II.
verlor den Kampf trotz seines Beinamens „der Sieger.“
Der Sieg von Bornhöved veränderte die Machtstrukturen in Norddeutschland grundlegend.
Der dänische Einfluss ging zurück. Da der Sieg aber nicht von einem Reichsheer erfochten
wurde, kam es auch jetzt kaum zu einer Einflußnahme des Reiches. Statt dessen konnte
sich Adolf von Schauenburg etablieren.
Er hatte diese Koalition geschmiedet und angeführt. Damit hatte er die Verluste seines
Vaters Adolf III. ausgeglichen und beherrschte die Grafschaft Holstein.
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Für diesen Sieg musste Graf Adolf als guter Christ seinem Gott durch eine gottgefällige Tat
danken.
Klöster im Mittelalter
Das Kloster ist keine Erfindung des Mittelalters, ganz im Gegenteil. Als die ersten Klöster
nördlich der Elbe errichtet wurden, schaute das Mönchstum schon auf eine beinahe
tausendjährige Geschichte zurück.
Das Wort „Mönch“leitet sich vom griechischen „monachos“ab und bedeutet: „der, der allein
lebt“„der, der einzigartig lebt.“
Neben diesen Männern, die sich von der Welt zurückzogen und als Eremiten für sich lebten,
fand sich bald eine andere Lebensweise.
Bald, d.h. zwischen 290 und 346, entwickelte sich ebenfalls in Ägypten, das koinobitische
Mönchtum, vom griechischen: „koinos bios“„gemeinsames Leben“. Letztlich entwickelte sich
besonders aus diesem Stamm das Klosterleben.
Mönchstum und Klosterleben finden sich nicht nur in der christlichen Welt, auch bei den
anderen Religionen, Moslems,
Im Islam ist eigentlich kein monastisches Konzept vorgesehen, dennoch hat sich ab dem 8.
Jhd. eine Bewegung zum Rückzug entwickelt. Durch ihre weißen Wollumhänge gaben sie
sich zu erkennen (suf: Wolle à sufis). Sufis bemühen sich durch Askese und Gebet in eine
mystische Verbindung mit Gott zu treten. Im 12. Jahrhundert verbreitete sich besonders im
Iran der Sufismus. Aus dieser Bewegung ging im 13. Jahrhundert die Bruderschaft der
tanzenden Derwische hervor. à Drehen und Gesang ergeben eine Liturgie, in der jede
Geste eine Bedeutung hat.
Buddhisten,
Vor ca. 2500 Jahren entstand in Indien der Buddhismus. Am Anfang standen hier wandernde
Bettelmönche. Der Mönch darf fast nichts besitzen. Sein Schädel ist kahl, er trägt eine
safrangelbe Robe. Er darf nicht arbeiten und muss für sein Essen betteln. Man kann
jederzeit das Mönchsleben aufgeben oder beginnen à kein ewiges Gelübde.
Hindus
à deren Ashram sind Gebetsanlagen, keine echten Klöster, denn der Hinduismus kennt kein
Klosterleben. Als sich vor 4000 in Indien fromme Hindus entschlossen alles aufzugeben um
als Eremiten à Eremos = Wüst zu leben, schlossen sie sich manchmal auch zu
Einsiedlergesellschaften zusammen.
Der Begriff Kloster (lat.) bedeutet abgeschlossen von Claustrum.
Die ersten Klöster sind ungefähr im 4. Jahrhundert in Ägypten und Palästina entstanden.
Der Heilige Martin von Tours, der das Christentum im späten römische Reich geprägt hatte, gründete
um 361 in Ligugé bei Poitiers das erste urkundlich belegte Kloster im Abendland. Bekannt wurde er
als Mann, der seinen Mantel teilte. Vor mehr als 1.600 Jahren, am 8.11.397, ist der dritte Bischof von
Tours gestorben.
Doch bestimmend für die europäische Klosterlandschaft der römischen Kirche wurde das
Kloster in Monte Casino. Es wurde 529 von Benedikt von Nursuia gegründet. Das Kloster
und die von ihm aufgestellten Regeln (Regula Benedicti) wurden für viele Jahrhunderte
prägend für die Klosterlandschaft im christlichen Abendland.
Der Orden der Benediktiner ist bis heute ein bedeutender Orden geblieben.
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Die Regeln die Benedict verfasste bestanden aus 73 Kapiteln, die den Mönchen klar und
deutlich vermittelten wie sie am besten beten, zusammenleben und dem Auftrag des
Evangeliums folgen konnten. (Evangelium= frohe Botschaft)
Die Regel verordnet ein Programm für jeden Tag, nämlich sieben gemeinsame
Gebetszeiten.
Hier werden auch die Führung der Gemeinschaft geregelt, Wahl des Abtes.
Drei Säulen des Mönchstums: Ortstreue, körperliche Arbeit als eine Form des
Gottesdienstes (gegen die Verachtung der körperlichen Arbeit in der Antike) und die
Mäßigkeit in allen Dingen. à Rücksicht auf die Schwachen und Schutz vor Auswüchsen der
Askese. Verbot jeglichen Privateigentums.
Als Benedict 547 auf dem Monte Cassino starb, folgten gerade drei Kloster seinen Regeln.
Es waren Benediktiner-Mönche, die nun aufbrachen, um das übrige Land zu christianisieren.
An dieser Stelle muss folglich auf Bonifatius verwiesen werden, der die Germanen angeblich
christianisierte.
Karl der Große überzog sein Reich mit einem Netz von Klöstern, die ihm als Zentren des
noch unsicheren Christenglaubens dienten und somit auch als Machtzentren. Ihre großen
Klosteranlagen wurden von den Menschen als steingewordener Gotteslob angesehen.
Kurz die Klöster waren bedeutend und somit reich und mächtig geworden, ohne allerdings
auch in theologischen Belangen ihren Ansprüchen gerecht zu werden.
Nach einem Jahrtausend Christentum sah sich dieses in einer heftigen Krise, die Angst vor
dem bevorstehenden Weltende wurde durch den Ansturm des Islam von Süden und der
plündernden Nordmänner aus dem Süden verstärkt. Auch die Klöster wurden von diesen
Krisen bzw. dieser Weltuntergangsstimmung erfaßt. Vielfach verloren sie ihre positive
Ausstrahlung auf die besorgten Gläubigen.
Eine kleine Gemeinschaft, die sich im burgundischen Cluny zusammenfand, machte sich
auf, zum Motor einer Erneuerungsbewegung zu werden.
Das Kloster Cluny unterstellte sich direkt dem Papst und sicherte so letztlich seine
Unabhängigkeit. In den folgenden zwei Jahrhunderten wuchs die Gemeinschaft auf rund
1200 Klöster in ganz Europa. Die Cluniazenser, die sich als die Erneuerer des klösterlichen
Lebens sahen, veränderten die Benediktusregel, indem sie der liturgischen Seite mehr
Gewicht verliehen, dies aber auf Kosten der körperlichen Arbeit. Wohl auch dies führte zu
einer starken Zunahme der Priester auf Kosten der Laienbrüder. Gerade dies Gleichgewicht
aber hatte Benedikt angestrebt.
Das Kloster Cluny selber war im 11. Jahrhundert das größte Gotteshaus der Christen und
mit 187 Metern sogar länger als St. Peter in Rom.
Groß, reich und mächtig geworden erstarrte das Ordensleben und sein Niedergang begann.
Bernhard von Clairvaux, der große Kreuzzugsprediger (1095), kritisierte diese Entwicklung
aufs heftigste.
Viele Mönche wandten sich neuen Gemeinschaften zu, die jetzt überall entstanden. (Die
Kreuzzüge, die viel neue Kenntnisse gebracht hatten, waren daran nicht ganz unbeteiligt.)
Erneuerung bedeutete immer auch zurück zum mönchischen Ideal, Armut, Buße und
Rückzug aus der Welt. Der Bischof Bruno von Köln (um 1030/35 bis 1101) wurde Begründer
eines der faszinierendsten Orden, der Kartäuser.
In Frankreich in einem abgelegenen Gebirgstal in der Wildnis von Chartreuse fand die kleine
Gemeinschaft eine Heimat.
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Die Kartäusergemeinschaft bietet ihren Mönchen die Gelegenheit des Eremitendaseins und
gleichzeitig auch des Gemeinschaftslebens.
Sie beten, meditieren und arbeiten alleine in ihren Zellen – individuelle Häuschen mit einem
Garten- schweigend. Sie kommen zu den gemeinsamen Gebeten zusammen: nächtlicher
Gottesdienst, dem Vespergottesdienst, das sonntägliche Mahl im Refektorium. Miteinander
reden dürfen sie nur zu einem bestimmten Zeitpunkt, einmal in der Woche.
Klosteralltag
Der klösterliche Tag bestand im Mittelalter aus sieben Teilen, den Horen:
Vigil, Laudes, Terz, Sext, Non, Vesper, Komplet.
Die Zahl sieben stand für die Vollkommenheit: „Sieben Mal am Tag lobe ich dich, denn deine
Entscheidungen sind gut und gerecht.“sagt der Psalmist.
Vigil: Mit diesem Gottesdienst beginnt der Tag, je nach Jahreszeit zwischen drei und vier
Uhr. Diese Zeit wird auch Matutin (Frühmette) genannt.
Laudes: Dieser Gottesdienst soll mit dem Tagesanbruch zusammenfallen (Lobet, der L.
symbolisiert die Auferstehung).
Terz: Zur dritten Stunde des Tages, ca. 09:00 Uhr. Erinnert an den Vorrang des Gebetes im
Kloster.
Sext: Die sechste Stunde (Mittag) eine kurze Gebetszeit (Jesus am Kreuz) vor dem
gemeinsamen Mahl.
Non: Die neunte Stunde des Tages (15:00 h) gedenkt der Sterbestunde Jesu.
Vesper: Abendgottesdienst gegen 18:00 gefeiert. (Lat vesper - Abend) Dieses Chorgebet
schließt den Klostertag ab.
Komplet: Gegen 20:00 oder 21:00 Uhr als Nachtgebet statt oft mit dem Kirchenlied „Salve
Regina“beendet.
Das gemeinsame Mahl
Drei Mal am Tag essen die Brüder und Schwestern zusammen.
Das Refektorium, der Speisesaal, ähnelt in seiner Architektur einer Klosterkirche. Gegessen
wird schweigend. Um unnötigen Lärm durch Klappern zu vermeiden sind die Teller und
Schüsseln oft aus Ton gefertigt.
Im R. sitzen die Mönche und Nonnen nebeneinander am Tisch, nie gegenüber. So können
sie ihr Mahl mit dem Nachbarn teilen. à Sorge tragen, daß dem Nachbarn nichts fehlt.
Der Orden der Zisterzienser
Um 1098 gründete ein Mönch Robert (um 1028 bis 1111) in einem Wald in Burgund die
kleine Gemeinschaft von Molesme, die in Armut und in der Nachfolge Christi leben wollte,
sich also vom Reichtum von Cluny absetzen wollte.
Drei Jahre später verstarb der Mönch Robert und erlebte deshalb nicht mehr den Erfolg
seiner Idee. Bis 1115 folgten vier neue Gründungen in La Ferté, Pontigny, Clairvaux und
Morimond. Rund zwanzig Jahre später, also um 1135, gab es 75 Zisterzienserabteien und
1153 beim Tode Bernhards von Clairveaux sogar 336 Abteien und um die Mitte des 14. Jhd.
sogar über 740 Abteien à die 1000 Frauenklöster gar nicht mitgerechnet. Eines davon war
das Reinbeker Kloster doch dazu später.
Allen Z-Klöstern war eines gemeinsam, sie funktionierten alle gleich, ja sie wurden sogar alle
nach dem gleichen Bauplan errichtet. Ein Mönch konnte sich so in jedem Kloster sofort
zurechtfinden. Weiter ist ihre Wirtschaft genau geregelt.
In ihren Statuten zur Wirtschaftsführung heißt es: „Die Mönche unseres Ordens müssen von
ihrer Hände Arbeit, Ackerbau und Viehzucht leben. Daher dürfen wir zum eigenen Gebrauch
besitzen: Gewässer, Wälder, Weinberge, Wiesen, Äcker, sowie Tiere … “Allerdings darf man
jetzt nicht annehmen, dass jetzt alle Mönche Schweine hüteten, die Äcker bestellten usw.
Doch ein strenges und vollkommenes Leben zu führen, war und ist nicht einfach, deshalb
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bedienten sich die Mönche einiger Helfer, der Laienbrüder (Konversen). „Wir halten sie als
Mitbrüder, teilhaftig unserer geistlichen wie zeitlichen Güter gleich den Mönchen.“
Zu den Zahlen: Kloster Himmerod: 60 Mönche und 240 Laienbrüder, Walkenried: 80 Mönche
und 180 Laien.
Wir erkennen hier eine ähnliche Entwicklung wie bei den Cluniazensern.
Frauenklöster
Doch schauen wir uns kurz einen entsprechendes Frauenkloster an:
Man mag jetzt annehmen, dass es doch unwesentlich sei, ob ein Kloster von Männern oder
von Frauen bewohnt war.
Es gab deutliche Unterschiede: Bei aller Ähnlichkeit unterstand ein Frauenkloster immer der
Visitation durch einen Mann dem pater imediatus (Vaterabt). Nur er durfte finanzielle
Forderungen für das Kloster eintreiben, Klosterverlegungen mußte er erlauben, er nahm die
Profeß der Chorschwestern ab, begleitete die Wahl der Äbtissin, Frauenklöster waren
niemals abseits errichtet, sondern in der Nähe von Städten oder großen Dörfern.
Weiter verkompliziert folgende Tatsache die Sache noch mehr: es gab inkorporierte und
nicht-inkorporierte Frauenklöster. Die Inkorporation war mit verschiedenen Privilegien
verbunden: Schutz des Klosters durch die Kurie, Zehnfreiheit, Freiheit der Äbtissinnenwahl.
Das Zisterzienser-Modell war so erfolgreich, daß viele sich daran beteiligen wollten, das ging
aber nicht. Darum beschlossen die Zisterzienser einen Aufnahmestopp. Der Andrang blieb:
bis 1230 allein 25 Neugründungen in Westdeutschland.
1228 Beschluß, das auch Nicht-inkorporierte nach der Regel von Citaux leben dürfen. Sie
blieben aber zwangsläufig unter der Jurisdiktion eines Bischofs oder Landesherrn
unterworfen, hatten also weniger Privilegien.
Im Laufe des 13. Jhd. waren es ca. 900 und in Deutschland allein 220 Nicht-Inkorporierte.
Das Kloster in Reinbek und seine Machtentfaltung
Reinbeks Anfänge liegen im Dunkeln.
Oft wird angenommen, dass hier die Schlacht von Bornhöved am Marien-Magdalenen-Tag
(22 Juli 1227) eine große Rolle gespielt haben soll. Aus Dankbarkeit über seinen Sieg soll
Graf Adolf IV. das Maria-Magdalenen-Kloster gegründet haben.
Die Urkunden lassen diesen Schluss nicht zu.
Die Urkunde vom 12. November 1224 sagt, dass der Graf Albert von Orlamünde einer
Kapelle in Hoibeke zu Ehren der Maria Magdalena ein paar Güter übergeben hat. Die
Kapelle muß ungefähr dort gestanden haben, am Südufer der heutigen Mühlenbek, nahe der
Einmündung in die Bille.
Zwar haben wir in der Urkunde vom 25. März 1229 einen Beweis für das Vorhandensein des
Klosters Hoibeke, mehr aber nicht, seine genaue Gründung ist weiter unbekannt.
Bild: Stadt Reinbek, Amt für Stadtentwicklung und Umwelt.
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Zwar waren die Schenkungen des Grafen von Orlamünde für eine Kapelle recht großzügig
und für ein Kloster ausreichend. Die Kapelle in Hoibeke muss also vor 1224 und das Kloster
also nach 1224 gegründet worden sein.
Hier liefert jetzt eine Urkunde vom 4. Juni 1226 einen wichtigen Hinweis:
Erzbischof (Gerhard II) von Bremen bestätigt Stiftung und Erbauung des Klosters Reinbek
Des Eerzbisschoffes zu Bremen Confirmation auff Stifftung und Bawung des Closters
Reinebeke, A.D. 1226.
Das Kloster existierte also schon vorher.
1229 kommt aber doch zu einer Schenkung durch Adolf IV. Er überlässt dem Kloster das
Dorf Glinde, diese Schenkung lässt er durch den Abt Herbord aus Reinfeld in der
Klosterkirche verkünden
Graf Adolf IV. hat vor seinem Aufbruch nach Livland das Frauenkloster durch die
Bestätigung seines Besitzes und durch Neuverleihung reich ausgestattet.
das halbe Reinbek/Köthel, den Ackerhof Hoybeke, die Dörfer Ohe, Schönningstedt und
Glinde, die Mühle und fünf Hufe in Hinschendorf, eine Hufe in Hobenradesdorpe (Wüstung?),
den Zehnten in Steinbeck, sechs Scheffel in Billwerder. einen halben Morgen in Allermöhe,
zehn Morgen in Gorieswerthe (ehemalige Elbinsel), den dritten Teil des zehnten aus vier
Hufen in Wewelsfleth a. d. Stör.
Zur selben Zeit schenkte auch der Albert Herzog von Sachsen, Engern und Westfalen dem
Kloster „in Reinebec“den Lauenburgischen Teil des Dorfes Köthel und das Dorf Mühlenrade.
Offenbar war das Kloster Hoibeke/Reinbek nach Köthel/Stormarn an den Oberlauf der Bille
verlegt worden. So ein Umzug war für ein junges Kloster nicht ungewöhnliches, von den 10
holsteinischen Feldklöstern sind gerade drei ortsfest gewesen.
Irgendwann muß bei den Nonnen der Wunsch gereift sein, das Kloster in den Mittelpunkt des
umfangreichen Klosterbesitzes zu verlegen.
Der große Talkessel der Bille im Bereich der Gemarkung Hinschendorf bot sich hierfür an.
Wann nun genau zogen die Nonnen hierher?
Da der Name Reinbek weitergeführt wurde ist eine exakte Bestimmung kaum möglich. In
allen weiteren Urkunden ist nur von Reinbek die Rede, ohne nähre Hinweise.
1239 ist noch immer vom Kloster in Köthel die Rede, auch noch in einer Urkunde von 1241.
Hier schenkt Albrecht von Sachsen: den „virgines sacras in loco qui Reinebeke dicitur“das
Dorf Talkau.
1251 bestätigen die Grafen Johann und Gerhard von Holstein, Stormarn und Schauenburg
die Besitzungen des Klosters und erweitern sie erneut.
Erst in dieser Urkunde finden wir eine nähere Grenzbeschreibung, aus der klar hervorgeht,
daß das Kloster bereits umgezogen war. In dieser Urkunde wird eine genaue Beschreibung
des Klostergebietes mit den Dörfern Hinschendorf, Schönningstedt, Glinde und Ohe
geliefert. Lediglich das Dorf Bunebottle zw. Glinde und Schöningstedt war davon
ausgenommen (später Wüst).
In den folgenden Jahren machte sich der Konvent daran sein Klostergebiet auszuweiten. So
kamen noch Witzhave, Grande, Grönwohld, Langelohe und Stellau hinzu, (1303 gegen
Grönwohld getauscht). Weiter kamen, Altstapelfeld, Braak, Siek (1344), Neustapelfeld und
Lohbrügge, Havighorst, Öjendorf, Steinbek, Boberg. Später folgten noch: Tonndorf (1342),
Jenfeld (1344) und Schiffbek (1387) zusammen mit den späteren Wüstungen umfaßte der
Klosterbesitz zu Beginn des 15. Jhd. rund 20 Stormarner Dörfer. Zeitgleich erwarben die
Nonnen auch diverse Dörfer im Lauenburgischen: Köthel, Mühlenrade, Talkau, Wentorf
(1272), Wohltorf, Börnsen (1324) und Escheburg, Herbechhagen (Fuhlenhagen).
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Stadtarchiv Reinbek
In einem Zeitraum von rund 150 Jahren hatte das Kloster zu Reinbek eine solide
Klosterherrschaft aufgebaut. Zwei Punkte sind daran bemerkenswert, einmal der
Grunderwerb über Landesgrenzen hinaus, also Lauenburg und Stormarn, der später für
Probleme sorgte, und die Tatsache, dass praktisch Südstormarn ganz in Kirchenhand war.
Zusammen mit dem Domkapitel zu Hamburg hatte man den Einfluß des Adels aus
Südstormarn verdrängt. Ein Faktor, der auch in späteren Jahrhunderten Bedeutung haben
sollte.
Wir haben jetzt ungefähr eine Vorstellung von der Epoche, wie Reinbek dort hinein passt und
von der Größe des Klosters.
Bliebe noch die Frage des klösterlichen Lebens hier an der Bille.
Foto: Stadtarchiv Reinbek
Woher kamen nun die Nonnen?
Wer trat in das Kloster ein und wie groß war der Konvent? Um 1336 werden über 60 Nonnen
im Kloster gelebt haben. Vor der Auflösung 1529 waren es noch 47 Mitglieder.
Den ältesten Beleg haben wir aus dem 13. Jahrhundert: Die Tochter eines Lüneburger
Ratsherren, erst aus späteren Jahrzehnten finden sich mehr Info. Reinbek war annähernd
gleich mit Bürgerlichen und Adeligen besetzt. Die adligen Insassen stammten vom
holsteinischen Adel: Borstel, Brockdorf, Campe, Hagen, Hamme, Hummelsbüttel, Plessen
Raboysen, Ratlow oder auch vom lauenburgischen Adel: Crummesse, Lasbeke, Parkentyn,
Ritzerau, Schacke. Die Bürgerlichen dagegen kamen meist aus Hamburg aber auch aus
Lüneburg.
Allerdings müssen wir annehmen, dass diese nicht immer freiwillig ins Kloster gingen. Als
1529 die Nonnen ihr Kloster verließen, gaben sie auch eine Erklärung ab warum sie dies
taten (Urkunde):
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•
•
•
•
Oft schon im Kindesalter abgegeben
gegen ihren Willen
als Unterpfand für die ewige Seligkeit der anderen
so erhöhte sich der Erbteil der anderen Verwandten
Was ist geblieben?
Die Reformation, die durch die Lehren von Luther und Zwingli in deutschen Landen um sich
griff, traf auch in Hamburg auf offene Ohren. Die Konventualinnen übereigneten ihrem
Landesherrn für 12 000 Mark den gesamten Klosterbesitz. Am 7. April 1529 verließen sie
das Kloster. Damit stand das Bauwerk leer.
Der Bauer Hans Haverbecke
Augenzeugenbericht darüber:
aus
Kirchsteinbeck
überliefert
uns
den
einzigen
Ein burger zu Hamborg, Cordt Goldener genant, habe die Jungfrawen darauß gebracht; wer
aber das gelt außgelegt, das wisse zeuge nicht, und sein der Jungfrawen und die auß
Hamborg bey ihnen gewesen wol sieben wagen vol gewesen und hetten eine trummel bey
sich gehabt. Solchs habe zeuge uff seinem acker, da er gepfluget, gesehen.
Nebenbei kam es zu einem Rechtsstreit vor dem Reichskammergericht um die 8
Lauenburgischen Dörfer zwischen dem dänischen König und den Lauenburgischen
Herzögen, der nach 150 Jahren zu Gunsten der Lauenburger endete.
Am Himmelfahrtstag des Jahres 1534 ging das leere Gebäude in Flammen auf. Lübecker
Söldner brannten im Zuge der Grafenfehde das Anwesen nieder. Damit fand die
Klostergeschichte ihr endgültiges Ende.
Allerdings gibt es auch heute wieder Nonnen in Reinbek. Wir alle sehen sie zuweilen im Ort
oder besonders im Krankenhaus. Bei diesen Frauen handelt es sich um die Mitglieder des
Ordens der Heiligen Elisabeth, auch als „graue Schwestern“bekannt.
1975 wurden bei Erdarbeiten zufällig alte Reste gefunden, die dann zu einer Notgrabung
führten. Bei den Resten handelte es sich um Überreste des Klosterfriedhofs.
Aufgrund dieser Funde kam es zu einer Notgrabung.
1985-87 entschloß man sich von Seiten des Amtes für Vor- und Frühgeschichte zu einer
regulären Grabung im Bereich des Schlosses. Und tatsächlich wurden die Archäologen
fündig und konnten verschiedene Mauerreste freilegen.
So konnte man feststellen, dass die Klosterkirche nicht wie bei anderen ZisterzienserKlöstern am Nordflügel des Kreuzganges lag. Statt dessen kann man sie im Bereich des
gegenwärtigen Bahndammes vermuten.
Bilder der Ausgrabungen
Stadtarchiv Reinbek
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Stadtarchiv Reinbek
Uns stellt sich vielmehr die Frage, wie wir heute mit diesem Wissen um das Kloster bzw.
dessen Reste umgehen.
Diese Überbleibsel sind konkrete Zeugen aus den Tagen, in denen Reinbek seinen Anfang
nahm.
• Lassen wir die gefundenen Fundamente einfach in der Erde?
• Zeichnen wir ihren Verlauf oberirdisch nach, z.B. mit weißen Steinen wie einen
Grundriß?
• Stellen wir eine Info-Tafel auf?
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