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Die digitale Radiozukunft
Oktober 2014
Die Zukunft des Hörfunks gehört auf die politische Agenda
Privatradio in Deutschland ist schon heute schon überall dort, wo dessen Hörer
sind. Die Macher der rund 270 privaten UKW-Hörfunkprogramme sind vom Umstieg
des reichweitenstärksten Mediums von der analogen in die digitale Welt überzeugt.
Seit Jahren investieren sie in alle Übertragungswege, im Digitalen angesichts der
wachsenden Reichweite vornehmlich die Verbreitung via Webradio. Die aktuelle
Geschäftsgrundlage der Privatradios ist und bleibt jedoch die UKW-Verbreitung.
Statt eines UKW-Abschalttermins sollten die Voraussetzungen diskutiert werden,
wie Radio auf alle mobilen Endgeräte gelangt und dort auffindbar gemacht wird.
Die Diskussion über den Weg in die (digitale) Radiozukunft ist aktueller denn je: Eine
Evaluierung des Rundfunkbeitrags steht aus, die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs der Rundfunkanstalten (KEF) muss in absehbarer Zeit über weitere zusätzliche Mittel für DAB+ entscheiden und zahlreiche ARD-Anstalten ordnen ihr
Frequenzspektrum eigenmächtig neu. In diesem Zusammenhang wird die Zukunftsfrage der Digitalisierung des Hörfunks durch die ARD auf den Standard DAB+ verengt. Privatradio steht dagegen für einen deutlich breiteren Zukunftsansatz in der
digitalen Welt.
Digitales Radio ist mehr als DAB+ und findet besonders im Internet statt
Die Digitalisierung im Radio ist nicht auf einen Übertragungsweg beschränkt, sondern umfasst alle Wege und Endgeräte, auf denen der Hörer präsent ist. Endgeräte
erlangen dabei zunehmend Bedeutung für den Medienkonsum der Zukunft – das
Smartphone und damit die mobile Nutzung spielt für Radioangebote eine immer
zentralere Rolle. Dies umso mehr, da die mobile Internetnutzung perspektivisch die
stationäre überholen wird. Die mobile Nutzung war schon immer das Alleinstellungsmerkmal von Radio und wird es mit dem Smartphone auch im Digitalen bleiben. Digitales Radio übers Internet liegt mit 5,3 % der Radionutzung deutlich vor
DAB+ (1,1 %).
Eine auf DAB+ verengte Debatte zur Radiodigitalisierung greift daher deutlich zu
kurz und beschreibt nur einen kleinen Ausschnitt der Herausforderungen, denen
sich Radio stellt. Radio ist heute schon digital – und digitales Radio ist nicht nur
DAB+, sondern vor allem als Webradio und andere Audioangebote im Netz erfolgreich. Wenn über die Zukunft des Radios gesprochen wird, reicht allein der Blick auf
eine einzige Technologie, wie dies zuletzt über Studien betrieben wird, nicht aus.
Digitales Radio bedingt Investitionen in Multichannel und Aggregation
Allein im Internet gibt es ca. 300 deutsche Webradioangebote. Aktuell setzen
zahlreiche VPRT-Sender zudem auf SmartRadio, eine Verknüpfung von UKW
oder DAB+ mit digitalen Internetangeboten. Solche hybriden Lösungen werden
in Zukunft eine deutlich größere Bedeutung erlangen, weil sie auch interaktive
Angebote ermöglichen: Personalisierung und Vernetzung sind neben der Interaktion wesentliche Faktoren für die aktive Hörerbindung. Technologie ist nicht zu
verordnen, sondern muss sich beim Verbraucher durchsetzen.
Ziel der Radiomacher ist es, dass Radio in der digitalen Welt einfach und überall
empfangbar bleibt. Dabei wird der direkte Kontakt zu Hörer und Kunden ausgebaut.
Mit ihren Programmen fördern die privaten Radioverantwortlichen den Übergang
intensiv. Die Voraussetzungen sind besonders im Internet positiv:
Über 30 Mio. Menschen nutzen Audioprogramme über das Internet (ma
Radio II 2014)
Fast 80 % der Streaming-Nutzung im Internet entfällt auf Simulcasting (Parallelübertragung) der terrestrischen UKW-Programme (ma IP Audio III
2014)
Knapp 5 Mio. Hörer Nettoreichweite haben private Radio- und Audioportale im durchschnittlichen Monat in Deutschland (AGOF internet
facts 2014-07).
Bereits 61,4 % nutzen das mobile zusätzlich zum stationären Internet
(AGOF mobile facts 2014-II)
Im August 2014 haben 15 Unternehmen des privaten Radios die Radioplayer
Deutschland GmbH gegründet, um rund 140 private Radioangebote für die Hörer
noch einfacher gebündelt online empfangbar zu machen. Sie investieren damit in
ein aggregiertes Angebot, das die Nutzung der Programme über eine einheitliche
Schnittstelle besonders für die mobile Nutzung (Apps, Autoradio etc.) ermöglicht.
Digitales Radio erfordert solide wirtschaftliche Grundlage
Die Geschäftsgrundlage der Privatradios ist ihre UKW-Verbreitung. Die Digitalisierung des Radios muss auf einem funktionierenden Geschäftsmodell und einer soliden wirtschaftlichen Basis aufbauen. Für die vermarktbare Reichweite ist
ausschließlich die tatsächliche Nutzung und nicht die rein technische Verfügbarkeit
entscheidend. Hier liegt UKW als meistgenutzte Empfangsart (75 %) deutlich vor Internetradio (5,3 %) und DAB / Digitalradio (1,1 %). Solange sich die Refinanzierung
nicht entsprechend darstellen lässt – wie aktuell z. B. bei DAB+ – ist die UKWVerbreitung alternativlos. Ein Beispiel aus einer anderen Industrie: Es kommt zu
Recht niemand auf die Idee, der Automobilindustrie Verbrennungsmotoren zu verbieten, um Elektromotoren in den Markt zu drücken. Dies geschieht in einem wohlbedachten Umstiegsszenario auf freiwilliger Basis. Auch im Netz erreichen digitale
Radio- und Audioangebote schon heute signifikante Reichweiten. Die Themen digitale Messung und konvergente Audiowerbewährung sind dabei zentrale Herausforderungen für die künftige Refinanzierbarkeit.
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Digitales Radio rückt Zugang und Auffindbarkeit in den Mittelpunkt
Statt eines UKW-Abschalttermins sollten die Voraussetzungen diskutiert werden, wie Radio auf alle mobilen Endgeräte gebracht und dort auffindbar gemacht werden kann. Dies ist z. B. mit einem technologieneutralen Multi-Chip
der Fall, der neben UKW und DAB+ auch Internet enthält. Die Vernetzung von linearen Programmen z. B. über UKW, Onlineangeboten und sozialen Medien
nimmt zu und ermöglicht neue, spannende Gesamtangebote. Wer auf digitalen
Plattformen und über Suchmaschinen nicht gefunden wird, verliert an Relevanz.
Daher sollte sich die Bund-Länder-Kommission zum Medienstaatsvertrag auch
mit Must Carry / Must Be Found für privates Radio auf digitalen Plattformen befassen.
Digitales Radio braucht Grenzen im Verdrängungswettbewerb durch die ARD
Im Unterschied zu den ARD-Radios kann der private Rundfunk keine Zukunftsinvestition zulasten der Beitragszahler tätigen. Dass insbesondere die ARD-Anstalten sowie das Deutschlandradio die UKW-Abschaltung öffentlich platzieren, ist in einem
größeren Kontext der Gesamtdebatte zu sehen und legt eine Doppelstrategie zur
vermeintlichen „Zukunftsdiskussion Radio“ offen:
Einerseits wird aktiv ein UKW-Abschaltdatum in die Diskussion gebracht, das vor
allem die privaten Wettbewerber in ihrer Finanzierungsgrundlage maßgeblich
schwächen würde. Andererseits werden gerade die wettbewerbsintensiven,
massenattraktiven und stärker auf die Jugend ausgerichteten ARDRadioprogramme zunehmend auf leistungsstarke UKW-Frequenzen aufgeschaltet, was im eklatanten Widerspruch zur DAB+-Position der ARD steht und sich
auch in zeitlicher Hinsicht negativ auf die DAB+- Durchsetzung auswirken wird.
Als Beispiele können PULS (BR), DASDING (SWR) und YOU FM (HR) angeführt
werden, die alle einen Zuwachs an UKW-Frequenzen verzeichnen und damit die
Wettbewerbssituation zu den Privaten verschärfen. Über die Diskussion in der
KEF werden auch Simulcast- und Abschaltszenarien der ARD entwickelt. Sollte
sich die ARD entscheiden, den Weg zu DAB+ fortzuführen und dort die alleinige
Zukunft im Digitalen zu sehen, so müsste durch ein Moratorium verhindert werden, dass parallel das UKW-Spektrum verstärkt mit jugendaffinen und/oder
reichweitenstarken Wettbewerbsprogrammen gefüllt wird. Die Aufteilung der
analogen und digitalen Kapazitäten der ARD-Radios muss konsequent beibehalten werden. Die terrestrische Verbreitung der ARD-Programme muss auf ihr regionales Auftragsgebiet beschränkt bleiben. Eine Überprüfung der
Notwendigkeit, inwieweit ARD-Anstalten zugleich Programmanbieter und Netzbetreiber in der analogen und digitalen Welt sein müssen, ist ebenso angezeigt.
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Fazit: Breiteres Themenspektrum, Ende der Abschaltdebatte, Grenzen für ARD
Die Diskussion über die Zukunft des Radios muss auf breiterer Basis als DAB+ geführt werden und darf die Refinanzierung des Radios z.B. nicht über eine Abschaltdebatte gefährden. Insofern trifft den Gesetzgeber auch eine
Ausgestaltungspflicht, die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für privates Radio zu schaffen, Vielfalt auf Plattformen zu sichern und dem Verdrängungswettbewerb der ARD entgegenzuwirken.
Hintergrund:
Die Vielfalt und Qualität der deutschen Radiolandschaft ist weltweit einmalig.
Gemessen am Umsatz ist Deutschland hinter den USA der zweitgrößte Markt.
Radio ist das meistgenutzte Medium der Deutschen. Die privaten Anbieter veranstalten in Deutschland ca. 270 private Hörfunkprogramme, stiften regionale
Identität und unterhalten ihre Hörer nicht nur, sondern informieren sie auch
über Aktuelles aus ihren Regionen.
UKW ist über alle Programme und Altersgruppen hinweg mit weitem Abstand
die häufigste Art, Radio zu hören: 93,6 % der Bevölkerung nutzen UKW, lediglich
7,7 %, oft auch parallel, DAB+/Digitalradio. Nach dem Digitalisierungsbericht
2014 der Landesmedienanstalten waren bundesweit Digitalradio und DAB+ aber
nur für 1,1 % der Deutschen die meistgenutzte Radioempfangsart. Eine annähernd flächendeckende Ausstattung der Haushalte mit DAB+ ist auf absehbare
Zeit nicht zu erwarten. 5 Mio. DAB- und DAB+-Geräten stehen 143 Mio. UKWRadios gegenüber, deren Absatz um 3 Mio. gestiegen ist und damit noch vor
DAB/DAB+ liegt (+ 2,7 Mio.). Aus diesem Grund hat der Gesetzgeber bei der Novelle des Telekommunikationsgesetz 2012, das in seiner ursprünglichen Fassung
von einer UKW-Ablösung durch Digitalradio bis 2015 ausging, diesen Passus gestrichen und darauf verzichtet, ein konkretes Umstiegsdatum festzulegen.
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