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1 Erniedrigung und Erhöhung Palmarum Seid so unter - Felsisa

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Erniedrigung und Erhöhung
Palmarum
Seid so unter euch gesinnt, wie es auch der Gemeinschaft in Christus Jesus
entspricht: Er, der in göttlicher Gestalt war, hielt es nicht für einen Raub, Gott gleich
zu sein, sondern entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an, wurde den
Menschen gleich und der Erscheinung nach als Mensch erkannt. Er erniedrigte sich
selbst und wurde gehorsam bis zum Tod, ja zum Tod am Kreuz. Darum hat ihn auch
Gott erhöht und hat ihm den Namen gegeben, der über alle Namen ist, dass in dem
Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und
unter der Erde sind, und alle Zungen bekennen sollen, dass Jesus Christus der Herr
ist, zur Ehre Gottes des Vaters.
Philipper 2,5-11
Viele Menschen und darunter auch viele Nichtchristen sehen in Jesus von Nazareth einen
außergewöhnlichen und vorbildhaften Menschen und sind davon überzeugt, dass es
besser in der Welt zugehen würde, wenn es mehr Menschen so wie ihn geben würde.
Wenn der Apostel Paulus hier schreibt: "Ein jeglicher sei gesinnt, wie Jesus Christus auch
war...", so scheint das in dieselbe Richtung zu geben, nämlich dass der Herr Christus
hingestellt wird als ein Vorbild des Gehorsams und der Selbstlosigkeit, wie Paulus das bei
allen Christen sehen möchte.
Es geht aber um viel mehr, als dass uns der Herr Christus nur als Vorbild hingestellt wird,
dem wir möglichst perfekt nacheifern sollen. Paulus zeigt und bezeugt ihn uns vor allen
Dingen als den, der es uns möglich macht, so zu leben. Er spricht von dem neuen Leben,
zu dem wir selber nicht die Kraft aufbringen, zu dem unser Herr uns aber fähig gemacht
hat.
Was er damit meint können wir am besten verstehen wenn wir daran denken, dass dieses
Lied über den Herrn Christus wahrscheinlich ein Teil der Gottesdienstordnung bei der
Taufe war und dazu gebraucht wurde, um den radikalen und totalen Wechsel zu
bezeugen, der geschieht, wenn ein Mensch Christ wird. Mit der Taufe wird der Täufling mit
dem hier beschriebenen Herrn Christus verbunden. Und das hat ganz bestimmte
Auswirkungen auf sein Leben.
Darum geht es - und deshalb ist es nicht damit getan, in dem Herrn Christus nur ein
Vorbild zu sehen. Das ist er sicherlich auch. Aber er ist viel mehr als das. Und wenn wir
nicht davon ausgehen, dass er mehr als ein bestes Vorbild ist, wird auch seine
Vorbildlichkeit letzten Endes sinnlos, weil wir sie doch nicht erreichen können.
Was ist nun das Besondere an dem Herrn Christus? Das beginnt damit, dass er eben nicht
nur ein Mensch ist, sondern "in göttlicher Gestalt war", wie es in diesem Lied heißt. Das
heißt sein Leben hat nicht erst mit seiner Geburt in Bethlehem begonnen, sondern sein
Anfang ist bei Gott. Er ist der Sohn Gottes von Anfang an und von Ewigkeit her. Er ist der
Mitschöpfer der Welt und der Mitherrscher Gottes des Vaters. Sein Zuhause ist der
Himmel und die Herrlichkeit Gottes.
Ohne diese seine Herkunft kann man alles weitere, was er getan hat, nicht verstehen. Und
jedes noch so hohe Bewundern seiner Vorbildlichkeit muss ohne diese Voraussetzung
völlig an dem vorbeigehen, wer der Herr Christus wirklich ist und was er für uns getan hat.
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Das zweite Besondere und Unausdenkbare ist, dass dieser Sohn Gottes sich erniedrigt
hat und in diese Welt gekommen und ein Mensch wie wir geworden ist. Entscheidend
dabei ist, dass er nicht in seiner strahlenden göttlichen Herrlichkeit über die Erde
gegangen ist. Er ist nicht gekommen wie ein flüchtiger Besucher aus einer anderen Welt,
der nichts von den Problemen seines Gastlandes merkt und mitbekommt, sondern er hat
sein Gott-Gleich-Sein aufgegeben und ist uns Menschen gleich geworden. Sonst hätte er
uns auch nicht helfen können. Denn ein Gott, der uns nur besucht aber nicht wird wie wir,
kann nicht unser Heiland und Retter sein.
Dass der Herr Christus so Mensch geworden ist, ist höchst verwunderlich. Denn seinem
Ursprung nach gehört er zu Gott. Und wenn wir seine Menschwerdung auch noch so nötig
haben, so bedeutet das noch nicht, dass er es deshalb auch tun musste. Gott ist frei und
uns gegenüber zu nichts verpflichtet! Und es ist durchaus nicht selbstverständlich, dass
der Herr Christus den Weg in die Niedrigkeit gegangen ist. Es wäre viel eher zu verstehen,
wenn er an seiner Göttlichkeit festgehalten hätte. Es ist ja nach unserem Denken und
Handeln normal, wenn jemand seine erreichte Position festhält und nicht wieder her gibt wie ein Dieb seine Beute.
Nur: So ist unser Herr eben nicht. Er wollte nicht selig sein, wenn wir unselig sind. Deshalb
hat er seine göttliche Herrlichkeit verborgen und versteckt und Menschengestalt
angenommen. Über sein königliches Gewand hat er einen Sklavenkittel angezogen und
ist ein Mensch wie wir geworden.
Dabei war er nicht nur ein Mensch unter uns Menschen. Seine Erniedrigung ging noch viel
tiefer - nämlich bis zum Tod am Kreuz. Er lebte nicht unter den Mächtigen und
Prominenten dieser Welt. Er stieg vielmehr ganz hinab und wurde niedriger als die meisten
Menschen und auch als wir. Er begab sich in die Gemeinschaft der Zöllner und Sünder
und hauchte von Gott und Menschen verlassen in völliger Einsamkeit sein Leben aus.
Auch das tat er nicht gezwungenermaßen, sondern in freiwilligem Gehorsam. Er wurde
nicht erniedrigt, sondern er erniedrigte sich selbst - bis hin zum Tod am Kreuz. Der Tod
am Kreuz aber ist die schmachvollste Todesart, die man sich denken kann. Er zeigt die
Freiwilligkeit seines Weges und seines Gehorsams noch einmal in aller Deutlichkeit.
Und wenn wir fragen, wem gegenüber er darin gehorsam war, dann sind wir bei einer
weiteren Besonderheit, die ihn von uns Menschen unterscheidet. Denn er war Gott
gehorsam. Das unterscheidet ihn ganz grundsätzlich von uns, die wir seit Adam
ungehorsam sind gegenüber Gott. Der Herr Christus tut den Willen des Vaters in allen
Dingen und handelt auch dabei in völliger Freiheit. Er ist freiwillig unter Gottes Auftrag
geblieben. Sein Leidensweg war ein ganz bewusst eingeschlagener und durchschrittener
und unter vielen Anfechtungen durchgehaltener Weg.
Das ist von entscheidender Wichtigkeit für uns. Denn nur dann, wenn das Leiden und
Sterben des Herrn Christus nicht das Ergebnis unvorhergesehener und ungewollter
Ereignisse war, sondern Gottes Plan und Willen entspricht, können wir darin unseres Heils
gewiss sein. Nur wenn der Herr Christus diesen Weg nicht widerstrebend, sich sträubend
und innerlich voller Hass auf seine Gegner, sondern freiwillig und aus Liebe zu uns
Sündern gegangen ist, wird sein Tod für uns zum Leben und zur frohen Botschaft.
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Dass es so ist, bezeugt Paulus nicht nur durch den freiwilligen Gehorsam des Herrn
Christus. Er hat noch ein viel stärkeres Argument dafür, das jeden vielleicht noch
bestehenden Zweifel an seinem Heilswerk beseitigt.
Dieser Beweis liegt darin, dass er nicht im Tod geblieben ist. Gott hat ihn nicht in der
Niedrigkeit gelassen, sondern hat ihn daraus erhöht. Er hat ihn nach drei Tagen aus dem
Tod auferweckt, ja er hat ihn wieder zu sich genommen in seine himmlische Herrlichkeit.
Dabei hat er ihm nicht nur das alte Dasein, wie er es vor seiner Menschwerdung hatte,
wiedergegeben, sondern hat ihn über alle Maße erhöht und ihm einen Namen gegeben,
der über alle Namen ist.
Diesen Namen über alle Namen trägt er deshalb, weil durch seine Auferstehung nicht nur
für ihn persönlich der Tod überwunden ist, sondern grundsätzlich für alle, die an ihn
glauben. Denn wer sein Vertrauen auf ihn setzt und auf das, was er für uns getan hat
durch sein Leiden und Sterben, der erhält die Vergebung seiner Sünde und darf im
Frieden mit Gott leben. Das ist Gottes Verheißung und Versprechen, und zu diesem
Versprechen gehört, dass er alle Gläubigen wie seinen Sohn aus dem Tod erwecken wird
und ihnen ein ewiges Leben bei ihm geben wird.
Gott der Vater hat dem Sohn das Reich gegeben und damit die Welt, und die Knie aller
Menschen beugen sich vor ihm und alle Zungen bekennen, "dass Jesus Christus der Herr,
zur Ehre Gottes des Vaters." Was für unser natürliches Auge noch unsichtbar ist, ist
dennoch Wirklichkeit und wird an dem großen Tag der Wiederkunft des Herrn Christus für
alle Menschen offenbar werden. Die Welt gehört schon heute keinem anderen Herrn als
dem, der für sie gestorben ist.
Das ist der Mann, nach dem wir Christen uns nennen, und das hat er für uns getan. Der
Mann der Schmerzen, der in Jerusalem eingezogen ist, um sein Leben für uns Sünder in
den Tod zu geben, hat durch sein bitteres Leiden und Sterben uns Menschen mit Gott
versöhnt. Das können wir ihm nicht nachmachen und brauchen es auch nicht, weil er uns
alles schenkt, was er uns erworben hat.
Aber sein Opfer und seine Auferstehung sollen wir in unser Leben einbeziehen. Unsere
Versöhnung mit Gott und damit unser ewiges Leben soll sich auswirken in unserem Leben.
Die Erniedrigung unseres Herrn, sein Gehorsam und seine Selbstlosigkeit werden nun
vorbildhaft für uns, weil durch die Änderung, die durch ihn eingetreten ist, unser Leben
einen anderen Inhalt und ein neues Ziel bekommt. Weil wir durch Gott erlöst sind, kann
es gar nicht anders sein, als dass wir in einem neuen Leben wandeln, das auf ihn
ausgerichtet ist.
Durch unsere Taufe leben wir in solch einem neuen Leben. Der Herr Christus hat es für
uns errichtet. Wir leben in ihm - in ihm, der sich für uns erniedrigt hat und der deshalb
erhöht wurde und dem der Name über alle Namen gegeben ist. Und das hat Folgen für
unser Leben. Wir dürfen und können uns nicht selber erhöhen und ständig unser eigenes
Ich in den Mittelpunkt stellen. Wir können nicht mehr ständig nur für uns selber da sein
wollen, sondern unser Mittelpunkt wird Gott.
Weil wir in dem Herrn Christus sind, wird unser ganzes Leben neu. Es bekommt eine neue
Grundhaltung und unser Denken und Wollen wird neu ausgerichtet: Wir sonnen uns nicht
mehr in den Strahlen der Bewunderung anderer Menschen, die uns treffen, sondern unser
Denken und Handeln ist ausgerichtet auf Gott den Herrn und auf unsern Nächsten. Wir
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streben danach, was wir Gott und unserem Nächsten geben können und was wir für ihn
tun, ja noch mehr, was wir für ihn sein können.
Ob die Grundhaltung unseres Lebens eine andere und neue geworden ist, dafür hat
Paulus im Römerbrief einen Prüfstein gegeben, wenn er dort geschrieben hat: "Gebt eure
Glieder Gott zu Waffen der Gerechtigkeit." (6,13) Und das heißt: Gebt eure Stimme zum
Lob Gottes, eure Ohren zum Hören auf ihn, euer Herz zur Dankbarkeit gegen ihn, eure
Sinne zum Aufspüren der Not und eure Phantasie zum Ausdenken der Hilfe, eure Füße,
um Einsame und Beladene zu besuchen, und eure Hände, um zu lindern und zu heilen.
Es wird deutlich, dass das alles nicht aus unserer eigenen Kraft geht, sondern aus Kraft,
die uns geschenkt wird. Es geht nur aus er Kraft dessen, von dem der Hebräer-Brief sagt:
"Er hätte Freude haben können, aber erduldete das Kreuz und achtete der Schande nicht"
(12,2).
Aus der Gotteskraft des Todesüberwinders und des zu Gott Erhöhten, der bei uns ist alle
Tage bis an der Welt Ende, aus der Kraft dessen, von dem alle Zungen bekennen sollen,
dass Jesus Christus der Herr sei, zur Ehre Gottes des Vaters, aus dieser Kraft können und
wollen wir leben. Amen
Herr Jesus Christus, wir danken dir für deinen Gehorsam, der uns beschämt und zugleich
tröstet. Wir wollen unser Versagen, unser Kreuz und Leid auf deine Schultern heben. Denn
allein du hast uns die ewige Erlösung erworben. Lass uns nicht müde werden, deiner Hilfe
zu vertrauen und das Wunder deiner Liebe zu rühmen. Amen.
Peter Ahlers
28. März 2010
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