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Eingreifen, aber wie? - Pax Christi im Bistum Limburg

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pax christi
Zeitschrift der Pax Christi-Bewegung im Bistum Limburg
© DPA/Picture-Alliance
Ausgabe 2/2011 • August 2011
Mosaiksteine zum Frieden
Anlässlich des Studientages »Die langen
Schatten des Krieges« im Herbst letzten
Jahres wurde die Traumatisierung der
Menschen beleuchtet, die im Zweiten
Weltkrieg Kinder und Jugendliche waren.
Damals unterstrichen die Vielzahl der
Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der
Gruppe der damaligen Kriegskinder sowie ihre sichtliche Betroffenheit recht
deutlich die Brisanz des Themas.
In diesem Frühsommer war nun eine
Gruppe junger Leute aus Srebrenica zu
Gast bei Pax Christi Limburg. Normale
Teenager – auf den ersten Blick, neugierig, lebhaft, mit viel Interesse und zwischendurch auch mal albern. Wir waren
viel in Frankfurt unterwegs, um gemeinsam neue Impulse für ein multikulturelles und multireligiöses Miteinander zu
erleben. Irgendwann kam mir der Gedanke: Auch das sind Kriegskinder – genauso wie vor 70 Jahren meine Mutter.
Sie sind aufgebrochen, um etwas dafür
zu lernen, wie man das Leben zwischen
ehemaligen Kriegsgegnern in Srebrenica
in Bosnien-Herzegowina gestalten kann.
Kein einfacher Weg! Und ich wäre sehr
stolz, wenn unsere Bistumsstelle durch
die Ermöglichung dieses Aufenthalts
einen kleinen Mosaikstein für eine friedliche Zukunft in Srebrenica gelegt hätte.
Einen Bericht über den Besuch finden Sie
auf Seite 5.
In diesem Heft finden Sie noch manch
anderen Mosaikstein zum Frieden. Lesen
Sie ein bisschen weiter, aber lassen Sie
sich nicht davon abhalten, Ihre persönlichen Mosaiksteine zu finden, jeden Tag
in den vielfältigen Lebensbezügen.
Sammeln wir Mosaiksteine!
Birgit Wehner
Sprecherin von Pax Christi Limburg
Rebell in Bengasi, Libyen. Wie aktuell in Syrien steht die internationale Gemeinschaft vor der
schwierigen Frage, wie sie mit der gewaltsamen Unterdrückung der Proteste umgehen soll.
Eingreifen, aber wie?
Der Streit um den NATO-Militäreinsatz in Libyen
Unser Redakteur Thomas Meinhardt befragte den Nahost-Experten Clemens Ronnefeldt, der in diesem Frühjahr die Region bereiste, nach seinen Einschätzungen.
Wäre es verantwortbar gewesen »zuzuschauen«, als Gaddafis Truppen kurz vor der Einnahme Bengasis standen?
Am 19. März schrieb der israelische alternative Nobelpreisträger Uri Avnery:
»Zuerst hörte ich die bluttriefende Rede von
Muammar Gaddafi, in der er versprach, innerhalb weniger Stunden Bengasi zu besetzen
und ein Blutbad unter den Rebellen anzurichten. Ich war äußerst besorgt und auf die internationale Gemeinschaft sehr wütend, besonders auf die USA, die tage- und wochenlang
kostbare Zeit mit leeren Phrasen vergeudeten,
während der Diktator Libyen Stück um Stück
zurückeroberte. (…) Das Zögern der USA und
anderer Länder, militärisch in Libyen zu intervenieren, war skandalös, war ungeheuerlich.
(…) Für mich ist ›Nicht-Einmischung‹ ein
schmutziges Wort.«
Zwei Tage später, am 21. März 2011, verfasste
Ulrich Ladurner, Redakteur der Wochenzeitung
Die Zeit in seinem Blog folgende Gedanken:
»Es ist leicht, einen Krieg zu beginnen, und
sehr schwer, ihn wieder zu beenden. Das gilt
auch für Libyen – der Westen wird es noch
erfahren. (…) Niemand kann garantieren,
dass es nicht zu Massakern in Tripolis kommen wird, wenn die Rebellen die Stadt einnehmen. Wie wird sich die UNO dann verhalten? Eine Resolution verabschieden, die
diese Libyer schützt? Was wird die NATO tun?
Zugunsten von Gaddafis Anhängern intervenieren? (…)
Wenn der Einsatz des Westens zu einem militärischen Patt führt, dann könnte das Land
sich in zwei Hälften teilen. Gaddafi würde
Tripolis und den Westen des Landes kontrollieren, die Rebellen Bengasi und den Osten.
Aber wird ein Diktator Gaddafi tolerierbar,
wenn er nur die Hälfte des Landes kontrolliert und sich ansonsten ›ruhig‹ verhält? Wird
man ihn nicht dauernd ›überwachen‹ müssen? Oder wird man nicht doch versuchen
müssen, ihn endgültig zu vertreiben? Und
wenn die Rebellen das nicht allein schaffen,
wer dann? Der Westen und seine militärischen Fähigkeiten wären wieder gefragt. Er
Leitartikel
würde tiefer in den libyschen Konflikt hineingezogen.«
Vier Monate später, im Juli 2011, zeigt sich,
wie präzise und berechtigt die kritischen Gedanken von Ulrich Ladurner (gewesen) sind.
Gab es Alternativen zum militärischen Eingreifen?
Die libysche Regierung war angeblich – noch
vor den ersten Bombardierungen – zur Umsetzung eines Friedensplans der Afrikanischen Union (AU) bereit. Bei einem Treffen
am Sitz der AU in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba sollen Vertreter Libyens
erklärt haben, ihre Regierung akzeptiere den
AU-Plan zur Beendigung der Kämpfe in Libyen.
Am 24. März 2011 berichtete der Berliner Tagesspiegel ausführlich darüber, wie der französische Präsident Sarkozy einen hoffnungsvollen türkischen Friedensplan zerbomben
ließ.
Der türkische Friedensplan sah vor, eine konkrete Agenda für den Aufbau demokratischer
Strukturen zu vereinbaren und der Spitze des
libyschen Regimes einen Abgang ohne Gesichtsverlust zu ermöglichen. Dieser Aufbau
demokratischer Strukturen sollte eine neue
Verfassung und freie Wahlen beinhalten und
vorübergehend international überwacht
werden. Der sehr großen Familie Gaddafi
sollte die Möglichkeit zur eigenen Parteigründung eröffnet werden.
»Es soll erste Erfolge auf dem Weg zur friedlichen Einigung gegeben haben – dann ka-
Libyenkrieg
Kritik an de Maizière
Ende Juni kündigte Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière an, eine Anfrage der NATO positiv zu beantworten und
die Lieferung von Munition für den Krieg
in Libyen zu genehmigen. Während der Minister die Unterstützung der Krieg führenden Parteien als »normale Bündnistreue«
bezeichnete, die nichts mit einer deutschen
Beteiligung am Krieg zu tun habe, kritisierten die SprecherInnen der »Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!« die
Ankündigung. Christine Hoffmann, Generalsekretärin von Pax Christi Deutschland,
sagte: »Wer, wie die Bundesregierung, zuerst den Kampfeinsatz der Bundeswehr in
Libyen ablehnt, danach aber Waffen liefert,
macht sich trotz aller schönen Worte zur
Kriegspartei.«
2
men die Luftangriffe der Alliierten«, so der
Tagesspiegel.
Die türkische Zeitung Hürriyet titelte: »Frankreich bombardierte eine Lösung«.
Welche Motive und Interessen der Interventionsmächte gibt es?
Libyen verfügt über die größten Erdöl-Reserven Afrikas. 70 Prozent seiner Öl- und Gasexporte gehen in die EU, davon ca. 40 Prozent nach Italien, 13 Prozent nach Deutschland, 8 Prozent nach Frankreich und 7 Prozent
nach Spanien. Damit ist Libyen für die Energieversorgung Europas »systemrelevant«.
Am 13. März 2011 traf sich Gaddafi in Tripolis
mit den Botschaftern Chinas, Indiens und
Russlands. Dabei habe er diesen drei Staaten
den Vorschlag gemacht, die bereits zu diesem Zeitpunkt wegen der Unruhen geflüchteten westlichen Ölunternehmen durch jeweils eigene Konzerne zu ersetzen.
Jürgen Wagner, Mitarbeiter der Informationsstelle Militarisierung in Tübingen, hat
in seiner Studie »Libyen: Intervention im Namen des Volkes?« einen wesentlichen Grund
genannt, warum westliche Investoren Gaddafi als »Unsicherheitsfaktor« angesichts
ihrer Milliarden-Investitionen in Libyen ansahen.
Als Gaddafi 2009 Eigentum der in Libyen
operierenden kanadischen Ölfirma Verenex
verstaatlichte, war der Unmut groß, wie ein
Branchenreport aus demselben Jahr zeigt:
»Wenn Libyen die Nationalisierung von Privatbesitz androhen kann; wenn es bereits
verhandelte Verträge neu aufmacht, um sein
Einkommen zu vergrößern oder ›Tribut‛ von
Firmen zu extrahieren, die hier arbeiten und
investieren wollen; (…) dann wird den Unternehmen die Sicherheit verweigert, die sie für
langfristige Investitionen benötigen. (…) Libyen hat es versäumt, eine stabile Plattform
bereitzustellen.«
Libyen wird zukünftig auch für die Elektrizitätsversorgung Europas von Bedeutung werden. Das geplante Desertec-Projekt zur
solaren Stromerzeugung in der Sahara in
Höhe von mehreren hundert Milliarden
Euro braucht ein sicheres und stabiles Libyen.
Während der französische Präsident unter
katastrophalen Umfragewerten vor den
französischen Wahlen stand und sich als
»Verteidiger der Menschenrechte« in Libyen
einen Stimmenzuwachs versprach, war das
Motiv der CDU/FDP-Regierung in Deutschland genau umgekehrt: Vor dem Hintergrund
des beim deutschen Wahlvolk äußerst unbeliebten Afghanistan-Krieges fürchteten
die Kanzlerin und der Außenminister, bei den
bevorstehenden Wahlen in Baden-Württemberg extrem abzustürzen, hätten beide der
UN-Libyen-Resolution zugestimmt mit dem
Risiko, demnächst deutsche Soldaten auch
nach Nordafrika zu beordern.
Wie ist das Gaddafi-Regime einzuschätzen
und wie die sogenannten Widerstandskräfte?
Libyen hat den höchsten Lebensstandard in
ganz Afrika und liegt auf der weltweiten
Wohlstandsliste auf Platz 53 – und damit zum
Beispiel noch vor Mexiko. In der libyschen
Stammesgesellschaft war Gaddafi auf die
Zustimmung einer Mehrheit der großen
Stämme angewiesen. Durch brutales Vorgehen gegen Oppositionelle, aber auch durch
negative ökonomische Folgen der Weltwirtschaftskrise 2009, stieg die Unzufriedenheit
der libyschen Bevölkerung in den letzten beiden Jahren erheblich an.
Zu Beginn des Aufstandes in Libyen schreibt
Wolfram Lacher von der »Stiftung Wissenschaft und Politik« (SWP): »Der entscheidende Impuls für den Aufstand ging jedoch von
den weitgehend unorganisierten Kräften
aus: In der Mehrzahl waren es arbeitslose
oder unterbeschäftigte junge Männer, die in
den Städten des Nordostens und den Nafusa-Bergen im Nordwesten Polizeistationen
und Amtsstuben in Brand steckten und damit für die Eskalation der Unruhen sorgten.«
Wolfram Lacher bilanziert: »Für die Mehrheit
der politischen Akteure wird es aber weniger
um die Grundlagen des libyschen Staates,
sondern vielmehr um die Neuverteilung der
Ressourcen gehen.«
Die NATO hat sich frühzeitig auf zwei führende Politiker für eine Gegenregierung festgelegt: Mahmud Dschibril und Ali Tarhuni.
»Depeschen der US-Botschaft, die das Internet-Portal WikiLeaks veröffentlichte, beschreiben Dschibril als ›ernsthaften Gesprächspartner‹, der die USA ermunterte, sich
in Libyen stärker zu engagieren. Die Weltmacht kritisiert er dafür, dass sie nach dem
Ende des Kalten Krieges ihre ›sanfte Macht‹ –
ihre alltagskulturellen Trümpfe von McDonald‘s bis Hollywood – im Nahen Osten nicht
bewusster ausgespielt habe«, schrieb das
Hamburger Abendblatt.
Über Ali Tarhuni berichtete die FAZ am 30.
März 2011: »Er war Wirtschaftsprofessor in
Amerika. Nun ist Ali Tarhuni ›Superminister‛
für die Rebellenregierung und stellt die Weichen für die Marktwirtschaft.«
Interviewpartner Clemens Ronnefeldt
ist Referent für Friedensfragen beim
deutschen Zweig des Internationalen
Versöhnungsbundes
Spiritueller Impuls
Dies ist eines der Wörter, die
derzeit Konjunktur haben. Durch
die häufige Verwendung werden
sie aber nicht verdächtig, sondern sind meines Erachtens ein
Signal, Einstellungen und Praktiken zu überprüfen und zu verändern. Nachhaltig – dieses
Wort wird für sehr unterschiedliche Lebensbereiche verwendet: Erneuerbare Energien statt
gewissenloser Ausbeutung begrenzter Ressourcen ist nur eine
Herausforderung. Nach der Finanz- und Wirtschaftskrise
wächst zunehmend das Gespür
für einen ethisch verantwortbaren, gerechten Umgang mit
Geld. Bei Investmentmessen
sind einschlägige Anbieter und
Vermittler derartig kritisch geprüfter Geldanlagen zwar noch
eine kleine Gruppe, sie werden
jedoch wahrgenommen. Nachweislich ist die Rendite bei
ethisch geprüften Anlagen keineswegs geringer, es sei denn,
die Anlegerinnen und Anleger
überlassen einen Teil ihres Gewinns gemeinnützigen Initiativen.
Können wir uns das leisten? Sicher braucht es Mut, der jedoch
nicht mit unkalkulierbarem Risiko gleichzusetzen ist. Es geht um
eine Geisteshaltung und Lebensgestaltung, für die mehr und anderes als materieller Gewinn
zählt. Es braucht kein Zinsverbot, das es zeitweise im frühen
Christentum und im mittelalterlichen Europa gegeben hat. Im
14. und 15. Jahrhundert haben
Franziskaner in Italien mit den
»montes pietatis« dem sozialen
Ausgleich verpflichtete Finanzinstitute gegründet mit dem
Ziel, dass niemand übervorteilt
Pater Claudius Groß
ist seit Juli 2010 Leiter
der Missionszentrale
der Franziskaner in
Bonn und schon seit
Jahrzehnten Mitglied
von Pax Christi
wird und sich nicht wenige auf
Kosten anderer bereichern.
Christlicher Glaube kann helfen,
Einstellung und Lebenspraxis zu
überprüfen und zu verändern.
Im Alten und im Neuen Testament finden sich mehr als nur
Anspielungen auf Gerechtigkeit
und solidarisches Verhalten. Beispielsweise wird die Ursache für
die immensen Verwerfungen
mit persönlichen und gesellschaftlichen Negativkonsequenzen benannt: »Wir haben nichts
in die Welt mitgebracht, und wir
können auch nichts aus ihr mitnehmen. Wenn wir Nahrung
und Kleidung haben, soll uns das
genügen. Wer aber reich werden
will, gerät in Versuchungen und
Schlingen, er verfällt vielen sinnlosen und schädlichen Begierden, die den Menschen ins Verderben und in den Untergang
stürzen. Denn die Wurzel aller
Übel ist die Habsucht.« (1. Timotheus 6,7–10a)
Wer das beherzigt, wird sich
nicht vereinnahmen und blenden lassen von oft nur kurzfristigen Vorteilen, die vielleicht
materielle Sicherheit bedeuten,
einer nachhaltigen Lebensqualität jedoch eher abträglich sind.
Der Kabarettist Hanns Dieter
Hüsch bietet mit dem Text »Passion« mehr als geistreiche Unterhaltung; er weist die Richtung,
wenn er auch skeptisch bleibt.
Wie passioniert sind wir Christinnen und Christen, auch als
Menschen von Pax Christi, wenn
es um nachhaltig wirksame persönliche und gesellschaftliche
Belange geht – in welchen Bereichen auch immer? Es ist wichtig und richtig, dass wir bei gezielten Demonstrationen präsent sind. Es darf jedoch nicht
bei bloßer politischer Aktion für
oder gegen etwas bleiben.
Wichtig sind auch unsere Beweggründe, die wir als Pax
Christi nicht zuletzt aus der biblischen Botschaft gewinnen.
Claudius Groß OFM
© Tamara Murray
Nachhaltig
Passion
Die Erde aber könnte uns allen gehören
Wenn dein Haus auch mein Haus
Mein Geld auch dein Geld
Dein Recht auch mein Recht
Mein Los auch dein Los
Dein Kleid auch mein Kleid
Mein Glück auch dein Glück
Dein Leid auch mein Leid
Wäre.
Teile und herrsche nicht!
Aber wer kann das schon.
Hanns Dieter Hüsch
3
Friedensarbeiter
Friedensarbeit und Globalisierungskritik
Bei meiner letzten Redaktionssitzung wurde ich gebeten, einen
Artikel als Reflexion über meine
Zeit als Friedensarbeiter von Pax
Christi Limburg zu schreiben.
Was war gut, was weniger gut,
welche Bedeutung hatte die
Arbeit für dich persönlich, und
was rätst du deinem Nachfolger?
Ganz schön viele Fragen, wie ich
finde. Aber ich werde versuchen,
sie zu beantworten.
Reflexion
Als Erstes möchte ich denjenigen,
die mich eingestellt haben und
mit denen ich in den letzten beiden Jahren zusammen aktiv war,
danken! Für die Geborgenheit,
die Erfahrungen in der deutschen
Friedensbewegung, die neuen
Themen und für interessante
und herzliche Begegnungen bin
ich sehr dankbar. Diese letzten
zwei Jahre kommen mir eher
doppelt so lang vor, da ich in
nicht eben wenig Aktivitäten involviert war: die jährliche Aktion
Wanderfriedenskerze, die Veranstaltungen der Projektgruppe Zivile Konfliktbearbeitung RheinMain, die Rohstoffausstellung an
fast einem Dutzend Orten, die
beiden Weltfriedenstage in Montabaur und Dillenburg, Finanzanträge, Artikel für die Zeitschrift,
Vorträge und Workshops. Der
Schlussakkord in diesem Jahr war
besonders intensiv: der Start der
Kampagne »Aktion Aufschrei –
Stoppt den Waffenhandel«, die
Organisation des Friedensweges
nach Lindau, die Aktionswoche
»Ethical Fashion« in Mainz und
schließlich der zweiwöchige Besuch einer Gruppe Frieden suchender junger Menschen aus
Srebrenica in Frankfurt.
Die relativ große Autonomie des
Friedensarbeiters, die die Realisierung der einen oder anderen
Idee in Zusammenarbeit mit den
Mitgliedern ermöglicht, habe ich
als wichtig empfunden. Ich hoffe,
dass dieser Aspekt gestärkt wird,
trotz der starken Bindung an die
Aktivitäten der Basisgruppen und
vor allem des Vorstands.
Als Herausforderungen kann ich
den Umgang mit unterschiedlichsten Charakteren innerhalb
der Bewegung nennen. Viel größer ist allerdings die Herausforderung, bei einer nicht geringen Anzahl an Aufgaben und Projekten,
Inhalte intensiv zu reflektieren.
Dafür fehlte leider oft die Zeit.
Bedeutung der Arbeit für mich
persönlich
Ich weiß nicht, ob man dies nach
jeder Arbeitsstelle sagen kann,
aber nach meiner Zeit bei Pax
Christi habe ich definitiv das Gefühl, mich nicht nur inhaltlich,
sondern vor allem auch persönlich weiterentwickelt zu haben.
Diese empfundene Weiterentwicklung hat sicherlich nicht nur,
aber bestimmt auch mit dem Job
zu tun. Zudem bin ich dankbar
für die tief gehenden Einblicke in
Matthias Blöser –
Unser neuer Friedensarbeiter
Friedens-Arbeit ist offensichtlich attraktiv: 83 Bewerbungen für die Nachfolge
von Dominic Kloos lagen unserer vierköpfigen Findungsgruppe vor. Unter vielen
guten Bewerberinnen und Bewerbern
haben wir uns für Matthias Blöser entschieden. Am 1. August tritt er die Friedensarbeiterstelle an – an seinem 30. Geburtstag.
Matthias Blöser stammt aus dem Vogelsberg. Nach dem Abitur in Büdingen hat er
zunächst eine Ausbildung als Bankkaufmann absolviert. Der Afghanistan- und
Irakkrieg haben ihn veranlasst, sich aktiv
in der Friedensbewegung zu engagieren.
Ein weiterer Schwerpunkt seiner politischen Interessen ist die Finanz- und Wirtschaftspolitik. Beides hat ihn dazu motiviert, anschließend in Marburg, Rennes
(Frankreich) und Québec (Kanada) Politikwissenschaft, Volkswirtschaft, Friedensund Konfliktforschung sowie Gender Studies zu studieren.
Auch privat hat er schon einiges von der
Welt gesehen, Vietnam, Thailand, Australien, die USA und einige europäische Staaten, vor allem Frankreich, bereist. Besondere internationale Begegnungen waren
eine Bildungsreise nach Israel und Palästina und ein Einsatz in Kuba. Seit 2007 ist
er aktiv in der politischen Bildungsarbeit
und leitet Seminare in Jugendgruppen
und Schulen (DGB-Jugend Mittelhessen,
ver.di-Jugend, Netzwerk für Demokratie
und Courage).
Matthias Blöser ist evangelisch und hat
sich bereits als Kind und Jugendlicher in
seiner Kirchengemeinde mit Friedensfra-
die Friedensbewegung und in
verschiedene neue Themenfelder
wie Rohstoffgerechtigkeit oder
Rüstungsexporte.
Am wichtigsten scheinen mir
am Ende die Kontakte zu sein,
die ich innerhalb der Bistumsstelle, aber auch darüber hinaus
habe knüpfen können. Dies sehe
ich auch für meine berufliche
Zukunft als wichtig an, um weitere Schnittstellen zwischen
Friedens- und globalisierungskritischer Bewegung zu finden
und die Zusammenarbeit zu
stärken.
Tipps?
Mit Ratschlägen an meinen
Nachfolger werde ich mich zurückhalten. Einen habe ich allerdings – auch wenn dieser implizit an mich selber geht: Es kann
Situationen geben, in denen die
Gefahr besteht, dass man zu viele Aufgaben übernimmt – eine
konsequentere Gewichtung und
der Mut, auch mal »Nein« zu sagen, können dann helfen. Dominic Kloos
© privat
Nach gut zwei Jahren als Friedensarbeiter verlässt uns Dominic Kloos in Richtung des Ökumenischen Netzes Rhein-MoselSaar. An dieser Stelle blickt er
auf seine Arbeit bei Pax Christi
Limburg zurück.
gen und Nächsten- und Feindesliebe auseinandergesetzt.
Für ihn kann und
muss die Friedensbotschaft des Evangeliums ein starkes
Gegengewicht zu Krieg, Hass und Gewalt
in der Welt leisten. Als Friedensarbeiter
für Pax Christi Limburg will er dies gerne
aktiv unterstützen. Dabei möchte er Gemeinsamkeiten und Bündnisse in der Friedensarbeit stärken – zwischen KatholikInnen und ProtestantInnen, den Generationen und allen friedliebenden gesellschaftlichen Kräften.
Herzlich willkommen und auf gute Zusammenarbeit!
Martin Weichlein
© Peter Eisner
Versöhnungsreise
Vom 5. bis 18. Juni waren neun Jugendliche und junge Erwachsene aus Srebrenica in Bosnien und
Herzegowina auf Einladung der Pax-Christi-Bistumsstelle Limburg zu Gast in Frankfurt. Der Besuch ist
das vorläufige Ergebnis der Arbeit einer im Herbst 2009 gegründeten Bosnien AG von Pax Christi, die damit
an einer friedlichen Zukunft des nach wie vor zerrissenen Landes auf dem Balkan mitwirken möchte.
Besuch aus Srebrenica
fliktbearbeitung aus Kroatien. Zudem besuchte die Gruppe Caritas-Einrichtungen, die
Paul-Hindemith-Schule im Frankfurter Gallusviertel, eine bosnisch-muslimische Gemeinde, eine Schreinerei und eine Kindertagesstätte in der Region. Über Pfingsten war
etwas Entspannung angesagt, ein Pfadfindercamp auf dem Hessentag und ein Ausflug
in den Hessenpark brachten willkommene
Abwechslung. In der zweiten Woche lernten
die Gäste die Möglichkeiten des Politischen
Aktionstheaters kennen. Eine fruchtbare
Auswertung und ein schönes Abschlussfest
mit über 60 TeilnehmerInnen rundeten den
Besuch schließlich ab. »Eine bunte Stadt mit
Menschen aus 150 Nationen und zwei Wo© Peter Eisner
Bei einer Begegnungsfahrt nach Srebrenica
im Frühsommer des vergangenen Jahres hatte Pax Christi Kontakt zu drei Nichtregierungsorganisationen aufgenommen, die jeweils eine der großen Bevölkerungsgruppen
des Landes repräsentieren. Die bosnischen
PartnerInnen wünschten sich damals Unterstützung von außen, um die Folgen des Krieges besser überwinden zu können. Die nun
realisierte Reise nach Deutschland, an der
jeweils drei junge Leute aus den Volksgruppen der SerbInnen, BosniakInnen und KroatInnen teilnahmen, sollte den jungen Leuten
die Möglichkeit geben, gemeinsame Erfahrungen zu machen und das multiethnische
und -religiöse Zusammenleben einer Metropole wie Frankfurt kennenzulernen.
Nach einer anstrengenden 24-stündigen Busfahrt kamen die jungen Leute in Frankfurt
an, wo sie nach einem kurzen Empfang vom
Pax-Christi-Diözesanvorstand im Gemeindezentrum der Pfarrei Mariä-Himmelfahrt in
Frankfurt-Griesheim ihren Gasteltern vorgestellt wurden. Die anschließenden elf Tage
waren mit einem abwechslungsreichen Programm gefüllt. Inhaltlicher Höhepunkt war
eine zweitägige Friedenswerkstatt mit Ana
und Otto Raffai, zwei international anerkannten TrainerInnen für gewaltfreie Kon-
chen, die eine einzigartige Erfahrung darstellen« – dies war das Fazit, mit dem alle Teilnehmenden die Heimreise antraten.
Konkrete Ergebnisse der Versöhnungsreise
werden sich hoffentlich in den nächsten
Monaten und Jahren in Bosnien und Herzegowina zeigen, wenn sich dort aus den gesammelten Impulsen möglichst viele Workshops zu Gewaltfreier Kommunikation,
Streitschlichtung, Politischem Aktionstheater sowie handwerkliche Ideen aus den Caritas-Werkstätten für junge Erwachsene auf
Jobsuche ergeben.
Ermöglicht wurde die Versöhnungsreise
durch die finanzielle Unterstützung vom Katholischen Fonds, dem Zentrum Ökumene
(Dekadefonds), dem Hessischen Ministerium
der Finanzen, der Abteilung Weltkirche im
Bistum Limburg sowie EinzelspenderInnen
und nicht zuletzt durch die Gasteltern und
die Pfarrei Mariä-Himmelfahrt, die kostenlos
ihr Gemeindezentrum für tägliche Treffen
zur Verfügung gestellt hat. Die Kooperation
mit Srebrenica soll auf jeden Fall weitergehen. Die Bistumsstelle freut sich dabei sehr
über die Mitarbeit des einen oder anderen
Mitglieds in der Arbeitsgruppe! Dominic Kloos
Kontakt: Peter Eisner (siehe Seite 12)
5
Friedenswege 2011
Auf Spurensuche im Elsass
Seit zehn Jahren veranstaltet die Pax-Christi-Bistumsstelle Limburg in Kooperation mit
den Bistumsstellen Fulda und Mainz jährlich eine Fahrradroute. Nachdem es zuletzt durch
die Rhön ging, stand in diesem Jahr eine Spurensuche im Elsass auf dem Programm. Damit
knüpfen die VeranstalterInnen an die Tradition der mehrtägigen internationalen Routen
zur Versöhnung der frühen Pax-Christi-Bewegung an. Die Grundidee besteht darin, als
Christinnen und Christen gemeinsam unterwegs zu sein, sich mit spirituell-biblischen und
politisch-gesellschaftlichen Impulsen auseinanderzusetzen.
Wie schon in den vergangenen Jahren gestaltete Andrea Maschke die spirituellen Impulse. In diesem Jahr beschäftigten wir uns
mit dem Lukasevangelium und dem Gang
nach Emmaus. Welche Fragen haben die Jünger angetrieben, und sind wir nicht auch heute noch mit ähnlichen Fragestellungen unterwegs? Wo ist Gott? Worin zeigt er sich uns?
Unterschiedliche Themen prägen die spirituellen und gesellschaftspolitischen Impulse. Aus dem Leitsatz »Besser – anders – weniger« ergaben sich die Themen und Fragestellungen der letzten Friedenswege, etwa:
Wie können wir unseren Lebensstil ökologischer und nachhaltiger gestalten?
Das Vorbereitungsteam – in diesem Jahr waren es Andrea Maschke, Paul Arthen, Egon
Jöckel, Inga Müller und Winfried Liebetanz –
gestaltete den Tagesablauf in einer wohltuenden Mischung aus körperlicher Anstrengung, aktuellen politischen und regionalen
Informationen und spirituellen Impulsen.
Das gemütliche Radeln durch die landschaftlich und kulturell reizvolle Region bot Zeit
zum Nachdenken und für Gespräche. Natürlich gibt es auch ein Pannen-Team – schon
nach zehn Kilometern war es im Einsatz und
reparierte einen annähernden Totalschaden.
»Das geht ja gut los«, entfuhr es dem leidtragenden Winfried Liebetanz.
In der Gemeinschaft? Wie kann es uns gelingen, mit Gott in Verbindung zu treten?
Sollten wir den Rat von Dorothee Sölle befolgen und das Psalmenessen üben?
Sie schreibt: »Ohne sie [die Psalmen] tritt spirituelle Magersucht ein, die sehr verbreitet
unter uns ist und oft zu einer tödlichen Verarmung des Geistes und des Herzens führt.
Materieller Reichtum und technologisches
Wissen stellen in unserem Teil der Erde die
Bedingungen für den spirituellen Tod der
Überentwickelten dar. Und so möchte ich als
Erstes sagen. Esst die Psalmen.« (In: Texte,
die den Himmel auf Erden suchen, Herder
Spektrum, Freiburg, Basel, Wien 1999).
Herbert Ell aus dem Glottertal, ein regelmäßiger Teilnehmer der Fahrradroute, hatte den Streckenplan ausgearbeitet. Er war
glücklich, dass die Route in diesem Jahr
durch »seine Gegend« führte. Vom Startpunkt in Offenburg ging es nach Kehl, wo
wir in der Jugendherberge übernachteten.
moutier, eine der ältesten und schönsten
romanischen Kirchen, wo wir sogar in den
Genuss eines Orgelkonzertes kamen. Beherzt zupackende Franziskanerinnen ermöglichten uns einen Einblick in ihr Leben
und Wirken im Franziskanerinnenkloster St.
François in Thal-Marmourtier. Am letzten
Tag unserer Tour gingen wir den »Chemin
de la Mémoire«, den Erinnerungspfad, den
Friedensinitiativen nahe der Grenze zwischen Deutschland und Frankreich angelegt
haben. Am Ende stand die Erfahrung, dass
aus all diesen unterschiedlichen Menschen
eine »familiäre« Gemeinschaft wurde, in
der sich einer um den anderen bemüht und
auf ihn achtet.
Sabine Dill-Arthen
Einen ausführlichen Bericht
von Volker Meckle zum Besuch des
»Chemin de la Mémoire« sowie zur
Führung durch den Biblischen Garten
finden Sie unter www.pax-christi.de
© Fotos: Franz Kruske
Für die Fahrradroute der Pax-Christi-Bistumsstellen Limburg, Mainz und Fulda wurde diese Tradition etwas abgewandelt. Etwa
zwanzig bis dreißig Personen unterschiedlichen Alters machen sich gemeinsam auf
den Weg und gestalten Stationen der Begegnung, des Nachdenkens, des Gebets und
der Diskussion.
Meist sprintete Frederik Schäfer, der mit elf
Jahren jüngste Teilnehmer, vorneweg. »Es
war spitze«, befand er anschließend. Weiter
ging es über den Rhein nach Frankreich und
durch Straßburg, wo wir Gelegenheit hatten, den Europarat zu besichtigen, da Alfonso Zardi von Pax Christi Straßburg dort
arbeitet. »Neben der angenehmen Gesellschaft und der Strecke hat mir auch die politische Dimension wie bei der Station im
Europaparlament sehr gefallen«, meinte
Hilde Sack, die zum ersten Mal dabei war.
Entlang des Marnekanals ging es nach Saverne, durch eine malerische Gegend, die
das Herz weit und die Seele heil macht. Dort
besichtigten wir die Abteikirche von Mar-
6
© Fotos: Nicole Weisheit-Zenz
Globalisierung
Modenschau mal anders:
Ehrenamtliche Models
präsentierten sozial,
gerecht und ökologisch
hergestellte Kleidung
(links). Die Projektgruppe
»Global bewegt! RheinMain« organisierte die
Aktionswoche »Ethical
Fashion« in Mainz
(rechts).
Catwalk in der Kirche
Vom 2. bis 6. Mai veranstaltete
die von Pax Christi Limburg federführend initiierte Projektgruppe »Global bewegt! RheinMain« die Aktionswoche »Ethical Fashion – Sozial-ökologische
Standards in der Textilkette«.
Mit gut besuchten Modenschauen, Filmabenden und einer
Podiumsdiskussion in der Katholischen Hochschulgemeinde
der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz wurde die Aktion
ein voller Erfolg.
Seit zwei Jahrzehnten sind die
oft skandalösen Umstände bekannt, unter denen unsere Kleidung hergestellt wird: Frauen,
die sich für einen Hungerlohn
abschuften, Umweltverschmutzungen oder Gewalt gegen gewerkschaftliche Organisationen
sind in der langen, weltumspannenden Herstellungskette von
Bekleidung noch immer traurige
Realität. Höchste Zeit also, sich
stärker für Veränderungen bei
der Produktion unserer Kleidung
einzusetzen. Die Aktionswoche
»Ethical Fashion – Sozial-ökologische Standards in der Textilkette« hat sich genau das zum
Ziel gesetzt.
Die Ausstellung »Made In –
Made By« wurde mit einer Modenschau in der Kirche St. Albertus der Katholischen Hochschulgemeinde in Mainz eröffnet. Die
»ehrenamtlichen« Models – alles
Engagierte zweier Mainzer Weltläden – präsentierten größtenteils sozial gerecht und ökologisch hergestellte Bekleidungsstücke. Die Ausstellungsvernissage mit 100 Gästen sowie alle
weiteren Veranstaltungen der
Aktionswoche waren gut besucht. Auch zur Podiumsdiskussion, die mit einigen führenden
ExpertInnen aus Deutschland
besetzt war, kamen 65 Interessierte. Zum Filmabend erschienen 40 Gäste, die Ausstellung
sahen an vier Tagen etwa 250
Besucherinnen und Besucher.
Auch das Presseecho war ein großer Erfolg: Allgemeine Zeitung,
die Bistumszeitungen »Glaube
und Leben« und »Der Sonntag«
sowie »Der Mainzer« berichteten zum Teil ganzseitig.
Christiane Schnura von der
Kampagne für Saubere Kleidung, die an der Podiumsdiskussion teilnahm, wertete diese
als »sehr gelungene Veranstaltung«. Auch Alois Bauer von Pax
Christi Mainz war nach der Aktionswoche, die gerade junge
Menschen ansprechen sollte,
sehr zufrieden mit der Resonanz. Gemeinsam mit der KHGVertreterin Christine Schardt
möchte er deshalb das Konzept
der Veranstaltung auf andere
Universitätsstandorte übertragen.
Das bunte Bündnis aus kirchlichen und kirchenfernen Grup-
pen möchte mehr Menschen im
Rhein-Main-Gebiet für das Thema Saubere Kleidung sensibilisieren und sie dazu bewegen,
sich für globalisierungskritische
oder umwelt- und friedenspolitische Themen zu engagieren.
Aktionsformen wie Flashmobs
oder Aktionstheater sollen bei
der nächsten Aktionswoche umgesetzt werden.
Vom 28. November bis 2. Dezember 2011 soll es auch zum Thema
sozial-ökologische Bekleidung
eine ganz ähnliche Aktionswoche
an der Frankfurter Universität geben.
Weitere Informationen und
Fotos auf www.pax-christi.de
Dominic Kloos
Meldung
Jugendarbeit
Arbeitsgruppe »Gewaltfreiheit und Firmkatechese«
Pax Christi Limburg möchte die
Jugend in den Gemeinden des
Bistums ansprechen. Auf der Diözesankonferenz im Juni 2010
hatte sich eine Arbeitsgruppe
mit dem Ziel gegründet, das
Thema Gewaltfreiheit verstärkt
in die Firmkatechese zu integrieren. Nachdem im Mai vier pastorale Mitarbeitende des Bis-
tums zu den bisherigen AG-Mitgliedern hinzugestoßen sind,
hat das Projekt deutlich an Fahrt
gewonnen. Die Arbeit ist in vollem Gange, 2012 soll eine praxisorientierte Arbeitshilfe vorliegen, die speziell pastoralen MitarbeiterInnen für eine alternative Firmkatechese dienen und
auch allgemein in der Jugend-
arbeit eingesetzt werden kann.
Das nächste Treffen der AG, zu
der weitere praxiserprobte pastorale Mitarbeitende gerne hinzustoßen können, findet am
18. Oktober 2011 von 15.00 bis
18.00 Uhr in Eschborn (Gemeinde Christkönig) statt.
Kontakt: Thomas Wagner,
Tel.: 0 61 26 22 93 09.
7
Das Ende jeder Scham
Dieser Eindruck drängt sich geradezu auf,
liest, hört und sieht man die Nachrichten
der letzten Wochen über deutsche Rüstungsexporte nach Saudi-Arabien, Algerien, Angola, Abu Dhabi … Waren frühere
Regierungen bei Rüstungslieferungen an
solch diktatorische Regime zumindest
verbal zurückhaltend (wenn auch meist
nicht real), so scheint beispielsweise die
Kanzlerin sich mittlerweile durchaus
auch als Lobbyistin deutscher Rüstungsfirmen zu verstehen, wie sie nicht zuletzt
in Angola bewies.
Sollten noch Zweifel über die Notwendigkeit und den richtigen Zeitpunkt einer
Kampagne gegen Rüstungsexport bestanden haben, so belegen die jüngsten
Ereignisse, dass es höchste Zeit ist, sich
diesen Geschäften in den Weg zu stellen.
Erfreulich ist, dass im Falle Saudi-Arabiens nicht nur Friedens- und Menschenrechtsgruppen sowie die Oppositionsparteien lautstark protestierten und die
Medien gut und breit berichteten, sondern dass zahlreiche KirchenvertreterInnen und auch einzelne UnionspolitikerInnen deutlich Kritik übten.
Für die Kampagne, die zunächst bis zu
den Bundestagswahlen 2013 geplant ist,
kommt es jetzt darauf an, die weitverbreitete Empörung über solche Geschäfte in eine politisch wirkungsvolle
Kampagne zu transformieren. Hilfreich
hierfür ist sicher die aktuell recht gute
Kooperation mit recherchierenden Journalisten, um beabsichtigte Rüstungsexporte im Vorfeld öffentlich zu machen. Vielleicht finden sich ja auch Mitarbeitende in rüstungsproduzierenden
Unternehmen und in Genehmigungsbehörden, die aus Gewissensgründen über
solche Geschäfte mit dem Tod nicht
schweigen wollen.
Eine für die öffentliche Wahrnehmung
der Kampagne sicherlich wichtige Nachricht ist es, dass sich vor ein paar Wochen
Margot Käßmann bereit erklärt hat, die
Schirmherrschaft über die Kampagne
gegen Rüstungsexport zu übernehmen,
und sich hierfür auch öffentlich engagieren möchte.
Es wäre sehr schön, wenn möglichst viele Pax-Christi-Mitglieder sich aktiv in die
Kampagne einbringen würden. Die
nächste praktische Gelegenheit dazu ist
die Teilnahme an Studientag und Mitgliederversammlung der Pax-Christi-Bistumsstelle Limburg am 26./27. August in
Hofheim!
Thomas Meinhardt
8
Deutsche Rüstungsexporte
nach Saudi-Arabien
Die deutschen Rüstungsexporte nach SaudiArabien sind in den letzten fünf Jahren drastisch angestiegen. Dabei regiert König Abdullah Bin Abdul Aziz al-Saud in Saudi-Arabien seit 2005 mit harter Hand. Als Premierminister und militärischer Oberbefehlshaber
in Person lässt der König keine Opposition
zu. »Die Behörden unterdrückten weiterhin
das Recht auf freie Meinungsäußerung und
andere Grundrechte«, bilanziert die Menschenrechtsorganisation Amnesty International in ihrem aktuellen »Report 2010«. Tausende Personen, festgenommen »aus Sicherheitsgründen«, befinden sich in Haft, darunter gewaltlose politische Gefangene. Die
Haftbedingungen sind katastrophal: Misshandlungen und Folter werden systematisch
eingesetzt. Frauen leiden »unter schwerer
Diskriminierung«. Auch wird die Todesstrafe
weiterhin angewendet. Laut Amnesty International wurden 2009 mindestens 69 Menschen hingerichtet – darunter selbst Jugendliche. König Abdullah gewährt nicht nur dem
am 14. Januar 2011 aus Tunesien geflohenen
Diktator Ben Ali Asyl, dem Herrscher von
Bahrain kam er gleich mit einer Militärintervention zur Hilfe.
Früher galt das sunnitische Königreich als
heikler Empfänger deutscher Waffenexporte, denn Saudi-Arabien wurde als ein potenzieller Kriegsgegner Israels betrachtet. Diese
Zurückhaltung ist mit breiter politischer Rückendeckung längst aufgegeben worden. So
durften im Jahr 2007 ganz legal 5.135 Gewehre im Wert von 7,3 Millionen Euro nach SaudiArabien exportiert werden. Insgesamt betrug die Summe der Ausfuhren kommerzieller Kriegswaffen (Sturmgewehre und Ma-
schinenpistolen) nach Riad allein in diesem
Jahr 10,1 Millionen Euro. Auch der direkte Export modernster deutscher Rüstungsgüter
ist kein Tabu mehr, wie der Verkauf von bis
zu 1.400 Luftkampfraketen deutlich macht.
Selbst der Export modernster Groß-Waffensysteme mit deutschen Komponenten ist
mittlerweile möglich. Der Verkauf des Eurofighters oder die geplante Lieferung von 200
Leopard 2 Panzern dokumentieren einmal
mehr diesen Wandel.
So umfasste der Transfer von Waffen und
Rüstungsgütern aus Deutschland nach SaudiArabien 2009 bereits einen Genehmigungswert von 167,9 Millionen Euro (zum Vergleich:
Die Exporte nach Libyen betrugen im gleichen Jahr 53,1 Millionen Euro). Damit rangiert
das diktatorische Königshaus in Saudi-Arabien offiziell bereits auf Platz 6 der deutschen
Empfängerländer – Tendenz steigend. Aber
der reale Wert der Waffentransfers an die
Saudis ist de facto noch höher, denn ein Teil
der Exporte wird über Drittstaaten abgerechnet. So erfolgt beispielsweise der Verkauf der
Kampfflugzeuge vom Typ Eurofighter (EF), in
seiner Exportversion »Typhoon« genannt, offiziell auf britische Rechnung.
Eine Auswahl deutscher Rüstungsexporte
nach Saudi-Arabien: Lkw von Daimler Benz
…; Sturmgewehr G36 von Heckler & Koch …;
Leopard 2 Kampfpanzer von KMW und Rheinmetall …; Jagdbomber Eurofighter Typhoon
von EADS …; Tankflugzeuge A330MRTT von
EADS …; Rettungshubschrauber vom Typ Panther von Eurocopter …; Luftkampfrakete IRIS-T
von Diehl BGT …; Grenzsicherungssystem von
EADS …
Gerhard Piper/Niels Dubrow
Den vollständigen Beitrag mit genauerer Beschreibung der einzelnen Rüstungsgeschäfte
finden Sie auf unserer Website www.pax-christi.de unter dem Menüpunkt »Aktivitäten« –
Kampagne gegen Rüstungsexport.
Rüstungsexport
Kampagne gegen Rüstungsexport in der Rhein-Main-Region
Aktuelle Aktionen und Veranstaltungen
Die Pax-Christi-Bistumsstelle Limburg als
eine der Hauptinitiatorinnen der regionalen
Aktivitäten der Kampagne gegen Rüstungsexport lädt alle Mitglieder und SympathisantInnen ganz herzlich ein, sich zu informieren und sich an den Aktivitäten gegen
die »Geschäfte mit dem Tod« zu beteiligen.
18. 8., 11.00–17.00 Uhr, Frankfurt: Fachtagung: Klarstellung eines Rüstungsexportverbotes im Grundgesetz
26. 8., 18.00 Uhr, Hofheim: Studientag zur
Kampagne gegen Rüstungsexport mit einem
Einstiegsreferat von Andreas Zumach
1. 9., 19.00 Uhr, Frankfurt-Griesheim: Eröffnungsgottesdienst der Aktion Wanderfriedenskerze 2011
8. 9., 19.30 Uhr, Idstein: Diskussionsveranstaltung »Deutschland: Europameister beim
Rüstungsexport …« (Arbeitstitel) mit Andreas
Zumach
17. 9., 10.00–14.00 Uhr, Frankfurt: Gestaltung einer Kreuzwegstation für die Opfer
deutscher Waffenexporte
Infos zum Mitmachen: Winfried Dieser,
w.dieser@t-online.de
4. 11., 16.00–20.00 Uhr, Eschborn: Regionales
Netzwerk Rhein-Main der Kampagne gegen
Rüstungsexport
7.–20. 11.: »Zeugenreise« des angolanischen
Journalisten und Menschenrechtsaktivisten
Emanuel Matondo über die Auswirkungen
deutscher Rüstungsexporte im südlichen Afrika.
Informationsflyer, Unterschriftenlisten,
Eindruckplakate etc. zur Kampagne können
im Friedensarbeiterbüro in Bad Homburg
bestellt werden. Weitere Informationen
(siehe auch Seite 12) und Kontakte auf
www.pax-christi.de und
www.aufschrei-waffenhandel.de
Stoppt den
Waffenhandel!
Stoppt den Waffenhandel
Ein Déjà-vu in Eschborn
Lang ist’s her: Im Jahr 1984 trafen sich FriedensaktivistInnen in Eschborn, um die Kampagne »Produzieren für das Leben – Rüstungsexporte stoppen!« in Deutschland zu initiieren. Fast genau 27 Jahre später kamen nun
erneut friedensbewegte Menschen im Gemeindezentrum der katholischen Pfarrei
Christkönig zusammen. Wieder sind die mörderischen Auswirkungen deutscher Rüstungsexporte der Anlass, um gemeinsame Aktionen im Rahmen der Anfang Mai gestarteten
Kampagne »Aktion Aufschrei: Stoppt den
Waffenhandel! – Den Opfern Stimme, den
Tätern Name und Gesicht!« zu koordinieren.
Unter den rund 40 Aktiven aus kirchlichen
und gesellschaftlichen Gruppierungen waren
manche schon 1984 dabei, aber auch ein halbes Dutzend thematischer »Frischlinge« war
gekommen. Sie hatten viele Fragen an den
Referenten des Eingangsvortrags mitgebracht, die Thomas Meinhardt von Pax Christi Limburg – auch er war an der ersten Kampagne maßgeblich beteiligt – gerne beantwortete.
Nach diesem ersten regionalen Treffen in der
Rhein-Main-Region steht fest, dass alle Beteiligten sich aktiv für das Ziel eines grundsätzlichen Rüstungsexportverbots und einer
Klarstellung des Grundgesetzes zu diesem
Punkt einsetzen werden. Es wird Informa-
tionsveranstaltungen mit verschiedenen ReferentInnen zum Thema, kreative Protestformen wie Mahnwachen, Aktionstheater,
Ideenwerkstatt und Lobbyarbeit in der Region
geben. Jede und jeder ist herzlich eingeladen,
sich je nach Interessen daran zu beteiligen.
Die vielen auf dem Treffen besprochenen
Ideen werden nach und nach umgesetzt. Alle
feststehenden Veranstaltungen werden möglichst breit gestreut, wozu einerseits elektronische Hilfsmittel und andererseits die bereits
fertiggestellten Materialien der Kampagne
wie Flyer, Plakate und Unterschriftenlisten
verwendet werden können. Diese können auf
der Kampagnen-Website www.aufschreiwaffenhandel.de bestellt werden. Informationen zur Kampagne gibt es auch auf www.
pax-christi.de und beim Friedensarbeiter (Adresse siehe Seite 12).
Ein weiteres Treffen dieses regionalen Netzwerkes Rhein-Main, zu dem erneut alle friedensbewegten Menschen in der Region eingeladen sind, findet am 4. November von
16.00 bis 20.00 Uhr am selben Ort statt. Zur
Vorbereitung dieser Treffen und weiterer Planungen hat sich eine Steuerungsgruppe aus
DGB-Bezirk Frankfurt, DFG-VK Hessen, Pax
Christi Limburg und Mainz sowie dem Zentrum Ökumene der EKHN gegründet.
Dominic Kloos
Auf dem Kreuzfest in Frankfurt
Die Kampagne gegen Rüstungsexport »Aktion Aufschrei – Stoppt den Waffenhandel!« beteiligt sich mit einigen Pax-Christi-Mitgliedern im Rahmen des diözesanen Kreuzfestes am 17. September 2011 am »Frankfurter Kreuzweg«. Zwischen 10.00 und 14.00 Uhr werden in der Fußgängerzone vom Römerberg bis zur Zeil die 14 traditionellen Kreuzwegstationen in verschiedener Weise aktualisiert. So wird beispielsweise die 11. Station, »Jesus wird ans Kreuz genagelt«, zu »Waffen aus deutscher Produktion nageln Menschen heute ans Kreuz«.
Wer sich an dieser Aktion beteiligen kann, wendet sich bitte an: Winfried Dieser, w.dieser@t-online.de
9
© Kerstin Meinhardt
Meldungen
Friedenswege 2011
Genussfahrt nach
Lindau am Bodensee
Mahnwachen für die Opfer in Japan
Auf den Tag genau einen Monat nach dem
verheerenden Erdbeben, das Japan und die
ganze Welt veränderte, hielten in Idstein rund
80 Menschen vor dem Rathaus inne. Das Gedenken an die Opfer von Erdbeben, Tsunami
und Reaktorkatastrophe führte sie von da an
an jedem Montagabend bis Mitte Juni zusammen. Christa Werb von der Pax-Christi-Gruppe lässt Ereignisse der vergangenen Woche
Revue passieren: hessischer Energiegipfel,
Nachbeben in Japan, Fernsehberichte zur
Kernschmelze unter freiem Himmel. Positives
berichtet Ute Schäfer: In Tokyo sind binnen
einer Woche zehnmal mehr Menschen gegen
Atomkraft auf die Straße gegangen – auch für
Idstein ein Ansporn. Bewegend für die Menschen im Schweigekreis waren die Worte, die
der Franziskaner Manfred Friedrich aus Hokkaido in seinem Osterbrief nach Deutschland
übermittelte: Nach dem Beben fand eine Familie bei den Franziskanern Zuflucht, der Vater wurde jedoch bald an seine alte Arbeit,
nach Fukushima, zurückgerufen. Überraschend aber, dass er sich immer wieder telefonisch bei seiner Familie nach genauen Informationen aus den Medien erkundigt, denn
offenbar wissen die Arbeiter selbst nur wenig
über die wirkliche Situation.
10 Jahre Aktion Wanderfriedenskerze
Am Donnerstag, 1. September feiert die ökumenische Aktion Wanderfriedenskerze ihr
zehnjähriges Jubiläum. An diesem Tag wird
die diesjährige Aktion um 19.00 Uhr mit
einem Gedenkgottesdienst für die Opfer
deutscher Rüstungsexporte in der Pfarrkirche Mariä-Himmelfahrt in Frankfurt-Griesheim eröffnet. Das Motto in diesem Jahr:
»Brot und Wasser denen, die fliehen vor dem
Schwert« (Jes 21) – Deutsche Waffen als
Fluchtursache!
Auch im letzten Jahr waren die deutschen
Rüstungsexporte Thema der Aktion Wanderfriedenskerze. Wie gewohnt werden die drei
selbst gestalteten Friedenskerzen zu Friedensgebeten, Seminaren und anderen Veranstaltungen in der Rhein-Main-Region wandern
und den Opfern von Rüstungsexporten eine
Stimme geben. Die Kerzen können ab sofort
bei Pax Christi Limburg gebucht werden.
Die dieser Zeitschrift beiliegende Gebetshilfe, die in das Thema einführt, bietet nicht
nur die Möglichkeit, der Opfer zu gedenken
und für sie zu beten, sondern auch politisch
aktiv zu werden. Die kürzlich gestartete bundesweite Kampagne »Aktion Aufschrei –
Stoppt den Waffenhandel!«, die auch von
Pax Christi Limburg mitgetragen wird, bietet
hierfür verschiedene Möglichkeiten (siehe
Seite 9).
Den Abschluss der Aktion Wanderfriedenskerze bildet wie im letzten Jahr das Gebet
für Frankfurt am 18. November 2011 in der
Katharinenkirche an der Hauptwache.
Aufstand in Arabien: Das Idsteiner
Friedensbündnis, zu dem auch Pax
Christi gehört, hatte am 26. Mai zu einem Vortrag
des Rundfunk- und Fernsehjournalisten Ali
Sadrzadeh (rechts) eingeladen. Der Experte für den
arabischen Raum referierte an den Beispielen
Tunesien und Ägypten über Ursachen und
Erfolgsaussichten der Aufstände und forderte
Veränderungen in der Ausrichtung der
Entwicklungspolitik.
© Alfred Strauß
Deutsche Waffen als Fluchtursache!
15 Mitglieder von Pax Christi aus den Bistümern Limburg und Fulda trafen sich Ende
Mai in Frankfurt, um gemeinsam nach Lindau am Bodensee zu fahren und den dortigen Friedensweg und die Friedensräume in
der Villa Lindenhof zu erkunden. Das Ehepaar Stoller aus Lindau, ehrenamtlich aktiv
in den Friedensräumen, erklärte anschaulich
die verschiedenen Stationen dieses Weges
und damit die Geschichte der Stadt Lindau.
Vom Frieden zwischen den Religionen zum
Ort des Protests gegen den NATO-Doppelbeschluss in den 1980er Jahren bis hinaus
zu den Friedensräumen führte der Weg zu
zehn besonderen Friedensplätzen. Durch
das Friedensmuseum führte Christian Artner-Schedler, Friedensarbeiter von Pax
Christi Augsburg. Am Abend stand das Lindauer Marionettentheater mit der Zauberflöte auf dem Programm. Das friedvolle,
sonnige Wochenende endete mit einer
Schifffahrt auf dem Bodensee und – ganz
genussvoll – mit einem typisch schwäbischen Essen.
Pax Christi Osnabrück
Wir trauern um
Clemens Schrader
Clemens Schrader
(*1963) war Sekretär der Pax-Christi-Regionalstelle
Osnabrück/Hamburg und einer
der Motoren und
Impulsgeber der
Pax-Christi-Arbeit
in Deutschland.
Der engagierte
Arbeiter für den
Frieden starb in
der Nacht auf den 10. Juni. Zahlreiche Mitglieder der Bistumsstelle Limburg haben
seit Jahrzehnten mit ihm zusammen gewirkt und ihn sehr geschätzt. Pax Christi
und seine Familie verabschiedeten sich
in einem eindrucksvollen Auferstehungsgottesdienst am 17. Juni in Osnabrück von
Clemens.
© privat
Atomkraft
Zivile Konfliktbearbeitung
Die Soldaten gehen –
Wer baut das neue Afghanistan?
»20 Millionen mehr vom Militär«
forderten Mitte April rund 50 Idsteiner
BürgerInnen bei einer Kundgebung am
Hexenturm von der Regierung. Die Aktion bildete
den Auftakt der vom Forum Ziviler Friedensdienst
initiierten Kampagne, die den Ausbau von
Mitteln für zivile Konfliktlösungen fordert.
Ähnliche Proteste fanden zeitgleich in mehreren
deutschen Städten statt.
schaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und Otmar Steinbicker vom
Aachener Friedensforum, der im Auftrag von
Naqibullah Shorish, einem afghanischen
Stammesfürsten und leitenden Mitglied der
Nationalen Friedens-Jirga in Afghanistan,
über konkrete Verhandlungsperspektiven
berichtete.
Einen ausführlichen Bericht über dieses
äußerst spannende Treffen der Projektgruppe ZKB finden Sie auf www.pax-christi.de
und auf der Homepage der Projektgruppe,
www.gewalt-loest-keine-konflikte.de
© Kerstin Meinhardt
Im Rahmen ihrer diesjährigen Veranstaltungsreihe zu konkreten Ansätzen ziviler
Konfliktlösungen stellte die Projektgruppe
Zivile Konfliktbearbeitung Rhein-Main, der
unter anderen Pax Christi Limburg angehört,
am 27. Mai alternative Konzepte für den Militäreinsatz in Afghanistan vor. Wie schafft
man Frieden in Afghanistan, der mehr ist als
lediglich die Abwesenheit von Gewalt und
Krieg? Dieser brisanten Frage stellten sich
zwei ausgewiesene ExpertInnen: Karin Kortmann, ehemalige Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für wirt-
Ziviler
Friedensdienst
Bundeswehr
Pax Christi Eschborn
Arabischer Frühling und Nahostkonflikt
Pax Christi Limburg, die Pax-Christi-Basisgruppe Eschborn und die Katholische Erwachsenenbildung hatten am 14. Mai zu
einem Informationsabend eingeladen, der
die Auswirkungen der Aufstände in einigen
arabischen Staaten auf den Nahostkonflikt
beleuchtete. Gastredner war Clemens Ronnefeldt, Pax-Christi-Mitglied und Referent
für Friedensfragen beim deutschen Zweig
des Internationalen Versöhnungsbundes.
Der versierte Kenner des Nahen Ostens kam
direkt von einer Reise aus Ägypten und hat-
Kommentar
© privat
Meldungen
te für die zahlreichen interessierten BesucherInnen aktuellste Einschätzungen und beeindruckende Bilder im Gepäck. Er berichtete
vom großen Selbstbewusstsein der Menschen in Ägypten und Tunesien, die die Geschicke ihres Landes mit großem Mut und
gewaltlos selbst in die Hände nehmen. Es
gebe auch kleine Zeichen der Hoffnung, dass
sich Menschen in Israel und Palästina von
den Umstürzen in Tunesien und Ägypten ermutigen lassen und mit neuem Bewusstsein
nach Veränderungen streben.
Thomas Schmidt
Priester und Betriebsrat
in Frankfurt,
Pax-Christi-Mitglied
Wachstum, Wachstum, Wachstum
Das ist in Deutschland die Überzeugung
einer ganz großen Koalition: Arbeitgeber
und Gewerkschaften, ParlamentarierInnen
und MinisterInnen, WirtschaftswissenschaftlerInnen und PraktikerInnen der
Arbeitsverwaltung. Als Betriebsrat freut
man sich, wenn der Umsatz steigt. So gibt
es keine Entlassungen, und vielleicht sind
auch noch Verbesserungen und betriebliche
Zulagen drin. Die Regierung Merkel hat
einst die drei Ziele ihrer Regierung mit
Wachstum, Wachstum, Wachstum umschrieben. Der Kapitalismus ist geprägt
durch einen Wachstumszwang. Unser Ökonomieprofessor in Brasilien hat ihn mit
einem Fahrrad verglichen. Es läuft stabil bei
einer gewissen Geschwindigkeit, wird es
langsamer oder bleibt es gar stehen, wird
es umfallen. Und wer will schon umfallen?
Der Chor der KritikerInnen ist kleiner und
vielstimmig. Gerade hat Attac in Berlin
einen Kongress »Jenseits des Wachstums«
veranstaltet. Es gibt international die NoGrowth-Bewegung und auch verschiedene
Formen von Slow-Bewegungen.
Grenzenloses Wachstum in einer endlichen
Welt. Dies ist ein Widerspruch in sich. Kann
er aufgelöst werden durch Effizienzsteigerung, durch Entkopplung von Wachstum
und Ressourcenverbrauch, durch Neudefinition der Kriterien, mit denen wir Wachstum messen? Auch hier liegen verschiedene
Vorschläge auf dem Tisch.
Die Debatte wird nicht zuletzt dadurch
schwieriger, dass sich zu Recht Gruppen von
Menschen melden, die reales Wachstum
brauchen: Mindestens all die Verarmten, die
mit weniger als zwei US-Dollar am Tag auskommen müssen und, warum nicht, auch
die NiedriglohnempfängerInnen und prekär
Beschäftigten in den Metropolen, die schon
heute kaum ein Auskommen mit ihrem Einkommen haben.
Wo stehen (friedensbewegte) ChristInnen
in diesen Konflikten? Verschiedentlich
spricht die Bibel vom Wachstum des Gottesreiches. Berühmt ist das Senfkorn, das als
das kleinste Korn zu einem großen Baum
wird. Zwar nisten darin die Vögel des Himmels, in den Himmel wächst der Baum aber
trotzdem nicht. Sein starkes Wachstum
bleibt zum Schluss begrenzt. Könnte man
das wirtschaftspolitisch übersetzen?
11
Termine
Zu allen Terminen finden Sie weitere Informationen
auf www.pax-christi.de
unter dem Menüpunkt »Kalender«
August 2011
18. 8., 11.00–17.00 Uhr, Frankfurt/
Main
Fachtagung der Kampagne
gegen Rüstungsexport:
Klarstellung eines Rüstungs­
exportverbotes im Grund­
gesetz – Chancen und Grenzen
der Forderung« mit RA Holger
Rothbauer, Tübingen. Ort:
DFG-VK-Bundesgeschäftsstelle
im Ökohaus, Kasseler Straße 1A,
60486 Frankfurt. Nähere Infos:
www.pax-christi.de und www.
aufschrei-waffenhandel.de.
Anmeldung bitte bis 10. 8. 2011
an: office@dfg-vk.de, Tel.: 0 69
27 29 82 31, Fax: 0 69 27 29 82 32.
28. 8., 17.30 Uhr, Idstein
Pax-Christi-Gottesdienst mit
anschließendem kleinem Imbiss
in der Gemeinde St. Martin,
Idstein, Wiesbadener Straße 21.
September 2011
1. 9., 19.00 Uhr, FrankfurtGriesheim
Eröffnungsgottesdienst der
Aktion Wanderfriedenskerze
2011 unter dem Motto »Brot und
Wasser denen, die fliehen vor
dem Schwert« (Jes 21) –
Deutsche Waffen als Flucht­
ursache. Pfarrkirche MariäHimmelfahrt, Auf der Beun,
Frankfurt-Griesheim.
26. 8., 18.00 Uhr–27.8., 13.00 Uhr,
8. 9., 19.30 Uhr, Idstein
Hofheim
Diskussionsveranstaltung zum
Studientag der Pax-ChristiThema: »Deutschland: EuropaBistumsstellen Limburg und
meister beim Rüstungs­
Mainz zur Kampagne gegen
export …« (Arbeitstitel) mit
Rüstungsexport (siehe Kasten
Andreas Zumach, UN-Korresunten). Am Samstag, den 27. 8.
pondent, Genf, im Evangelischen
um 14.00 Uhr schließt sich der
Gemeindehaus, Albert-Schweitoffizielle Teil der Diözesan­
zer-Straße 4 in Idstein. Veranstalkonferenz (Mitglieder­versam­m­
ter sind das Idsteiner Friedenslung) der Pax-Christi-Bistums­
bündnis, Pax Christi und die
stelle Limburg an, zu der alle
Katholische ErwachsenenbilMitglieder herzlich will­kommen
dung Unter­taunus. Informatiosind. Ort: Exerzitienhaus der
nen: www.friedensbuendnis.de
Franziskaner in Hofheim,
Kreuzweg 23
9. 9., 16.00–19.00 Uhr, Frankfurt/
Main
Projektgruppe »Zivile
Konfliktbearbeitung RheinMain« (offen für Interessierte) in
den Räumen der Hessischen
Stiftung Friedens- und
Konfliktforschung, Baseler
Straße 27–31, 60329 Frankfurt.
Thema: »Gewaltfreie Aufstände
in Ägypten und Tunesien«
(Arbeitstitel) mit Andreas
Zumach, Nahost-Experte und
UN-Korrespondent, Genf.
Informationen: www.gewaltloest-keine-konflikte.de und
www.pax-christi.de
17. 9., 10.00–14.00 Uhr, Frankfurt/
Main
Im Rahmen des Kreuzfestes für
das Bistum Limburg beteiligt
sich Pax Christi an einem von der
Kampagne gegen Rüstungs­
export »Aktion Aufschrei –
Stoppt den Waffenhandel!«
mitgestalteten Kreuzweg in der
Fußgängerzone zwischen Römer­
berg und Zeil. Infos zum Mit­
machen: Winfried Dieser,
w.dieser@t-online.de
25. 9., 17.30 Uhr, Idstein
Pax-Christi-Gottesdienst mit
anschließendem kleinem Imbiss
in der Gemeinde St. Martin,
Idstein, Wiesbadener Straße 21.
Oktober 2011
Pax-Christi-Mitgliederversammlung
Die diesjährige Diözesankonferenz der Pax-Christi-Bistumsstelle findet erneut im Exerzitienhaus der Franziskaner in Hofheim,
Kreuzweg 23, statt. Zum Auftakt am Freitagabend, 26. August
hält Andreas Zumach, Journalist, Autor und UN-Korrespondent
aus Genf, ein Einstiegsreferat zu den deutschen Waffenexporten in alle Welt. Am Samstagvormittag finden Arbeitsgruppen
mit Fachleuten statt. Zum Studientag sind alle Interessierten
herzlich eingeladen.
Am Samstagnachmittag ab 14.00 Uhr folgt der offizielle Teil
der Pax-Christi-Diözesankonferenz mit dem Bericht des Vorstandes, dem Haushaltsbericht, Anträgen und Planungen für
das kommende Jahr.
Anmeldung bis 15. August 2011 und weitere Informationen:
Pax-Christi-Geschäftsstelle in Bad Homburg (siehe Impressum).
30. 10., 17.30 Uhr, Idstein
Pax-Christi-Gottesdienst mit
anschließendem kleinem Imbiss
in der Gemeinde St. Martin,
Idstein, Wiesbadener Straße 21.
November 2011
4. 11., ab 18.00 Uhr, Greifenstein/
Westerwald
Friedensmeditation zu Franz
von Assisi im Haus der Stille,
Waldhof Elgershausen in 35753
Greifenstein/Westerwald.
Anmeldung: Pax-ChristiGeschäftsstelle in Bad Homburg
(siehe Impressum).
Impressum und Kontakt
Herausgeberin
Pax Christi
Bistumsstelle Limburg (s. Geschäftsstelle)
Bankverbindung
Bank für Orden und Mission
Konto Nr. 80 15 56 03
BLZ 510 917 11
Gesamtherstellung
Verlag und Agentur
E-Mail: t.meinhardt@meinhardt.info
www.meinhardt.info
Redaktion
Rüdiger Grölz, Dominic Kloos, Ilse Liebetanz,
André Madaus, Thomas Meinhardt,
Birgit Wehner
Redaktionsanschrift
Rüdiger Grölz, Vorderstraße 19
61 462 Königstein, Tel.: 0 61 73 21 35
zeitschrift@pax-christi.de
Wichtige Adressen
Geschäftsstelle
Pax Christi-Büro der Bistumsstelle Limburg,
Dorotheenstraße 11, 61 348 Bad Homburg,
Tel./ Fax: 0 61 72 92 86 79,
friedensarbeiter@pax-christi.de,
www.pax-christi.de,
Mobil: 01 77 2 80 48 78 (Friedensarbeiter)
Vorstand
Birgit Wehner (Sprecherin)
Auf der Warte 24, 61 184 Karben,
0 60 39 4 33 45, 0 69 8 00 87 18-471 (dienstl.),
b.e.wehner@t-online.de
Pax Christi-Gruppen und Projektgruppen
Eschborn
Ilse Liebetanz, Im Wingert 82,
65 760 Eschborn, Tel.: 0 61 96 4 13 88,
iwLiebetanz@online.de
Frankfurt
Margret Koschel
Rossertstraße 38, 61 449 Steinbach,
Tel.: 0 61 71 7 19 76,
margretkoschel@web.de
Idstein
Ute Schäfer, Limburger Straße 23,
65 510 Idstein, Tel.: 0 61 26 5 74 22,
ute.schaef@gmx.de
Lahnstein
Pater Wolfgang Jungheim,
Johannesstraße 40, 56 112 Lahnstein,
Tel.: 0 26 21 96 88 41,
wolfgang.jungheim@sscc.de
Montabaur
Claudia Kobold, Niederelberter Straße 7,
56 412 Holler, Tel.: 0 26 02 1 77 19,
claudia.kobold@gmx.de
Gottesdienstvorbereitung
Ute Schäfer (s. Idstein)
Förderverein
Peter Eisner, Hügelstraße 8,
61 352 Bad Homburg, Tel.: 0 61 72 4 24 39,
peter_eisner@gmx.de
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