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Dem Leben gewappnet sein: wie lernen Sie psychische

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Resilienz
Die eigenen Einstellung zum Leben und ein
zuversichtlicher Blick in die Zukunft voller
Gelassenheit und Selbstsicherheit scheint
die Seele wie eine Hornhaut vor den Anforderungen der Umwelt zu schützen und stark
zu machen.
DANIELA
BAUMGARTEN
Dem Leben gewappnet sein: wie lernen Sie psychische Widerstandskraft?
In unserem Jahrhundert ist
das Leben hart geworden.
Wir leben im Wohlstand
und doch fühlen sich die
meistens Menschen ständig
unter Druck. Welche Lebenseinstellung benötigen
wir, um zuversichtlich in die
Zukunft zu schauen und die
Anforderungen des modernen Lebens zu meistern?
Gibt es sie, diese Menschen, die trotz
all den Anforderungen, die ihre Umwelt in
Sachen Beziehung, Familie und Beruf an sie
stellt, gelassen durch‘s Leben gehen und
einen zuversichtlichen Blick in die Zukunft
richten? Manchmal fallen sie uns als die
Kollegen auf, die sich nicht aufopfernd in
ihren Job stürzen und über die wir uns freitags mittags aufregen, wenn sie pünktlich zu
ihrer Familie nach Hause aufbrechen und wir
verantwortungsvoll unsere Arbeit zu Ende
machen. Oder jene, die am Samstag Mittag
chillend in der Sonne liegen, statt wie alle
ihre Nachbarn noch schnell die Straße zu
fegen oder den Rasen zu mähen. Es sind
jene, die lieber mit ihren Freunden an den
See fahren und mit ihren Kindern herumtollen, statt sich auf den nächsten Schritt auf
der Karriereleiter vorzubereiten.
Christina Berndt hat sich diesem Phänomen angenommen und schreibt in ihrem
Bestseller „Resilienz“ über jene Menschen,
die es schaffen, im Zeitalter von ständig
wechselnden Anforderungen, gestiegener
Geschwindigkeit und Wirtschaftskrisen den
Überblick zu behalten. Sie konzentriert sich
dabei auf jene Menschen, die scheinbar ein
Rüstzeug haben, das sie vor den ständigen
Spitzen im fordernden Berufsleben und den
häufig nur selten zu bewältigenden Anforderungen des Alltags schützt. Es scheint eine
Lebenseinstellung zu sein, die ihren Blick
zuversichtlich nach vorne lenkt, statt in den
Misserfolgen der Vergangenheit zu verharren. Eine Selbstsicherheit, die Kritik einfach
abprallen lässt und die sich genau jene
Rückmeldungen herausfiltert, die für sie
konstruktiv und sinnstiftend verwertbar ist.
Ja, es gibt sie, diese Menschen, die
genau jene Eigenschaften haben.
Sie wirken wie ein Fels in der Brandung, den kaum etwas erschüttern kann.
Psychologen nennen diese Eigenschaft „Resilienz“ - eine geheimnisvolle Kraft, Widerstand gegen die Zumutungen dieser Zeit zu
leisten oder trotz eines Schicksalsschlag
wieder vollständig ins Lebens zurückzukehren.
Doch was zeichnet diese Menschen
aus? Was ist ihre geheimnisvolle Stärke und
was können wir von ihnen lernen? Und vor
allem: können wir diese Widerstandskraft
lernen?
Was zeichnet die Widerstandsfähigen im Alltag
aus?
Kennen Sie die Geschichte von Bill
Clinton? Er wuchs als William in einem kleinen Dorf in Arkansas bei einer alleinerziehenden Mutter und einem gewalttätigen und
alkoholerkrankten Stiefvater auf. Immer
wieder musst er seine Mutter vor den Angriffen ihres neuen Ehemanns schützen - einmal
schoss dieser sogar auf die beiden. Trotz
jener Erfahrungen nahm William, den alle
Billy nannten, als Jugendlicher den Nachnamen seines Stiefvaters an und ging als Bill
Clinton in die Geschichte Amerikas ein.
Die vier Säulen der Widerstandskraft
Wenn ein Kind in die Welt geboren
wird, dann wünschen ihm alle ein gesundes,
glückliches und zufriedenes Leben. Doch die
wenigsten wachsen wirklich in einem sorgenfreien, vor allen negativen Umwelteinflüssen
geschützten Umfeld auf. Wer sich die Geschichte von Bill Clinton anschaut, der ist
dazu geneigt, die Gründe für die große
Widerstandskraft des kleinen Billys in seinen
Persönlichkeitsmerkmalen zu suchen. Es ist
kein Geheimnis, dass viele Stehaufmännchen
wie Bill Clinton viele Eigenschaften gemeinsam haben, die ihnen Stärke verleihen. Denn
wer nach einem schweren Schicksal wieder
aufsteht, kann allemal mit Frust konstruktiv
umgehen. Weiterhin sind Intelligenz und
Beziehungsfähigkeit hilfreiche Merkmale.
Wer in der Lage ist, sich in einer als schwierig und tragisch erlebten Situation ein Netzwerk an unterstützenden Beziehungen aufzubauen oder darauf zurück zu greifen,
wird viel konstruktiver mit Veränderungen
umgehen und sich darauf einlassen. Er erlebt
sich dann häufig nicht als Opfer einer ausweglosen Situation, sondern kann diese aktiv
mitgestalten.
Resilienz ist nicht nur eine Eigenschaft,
ein ganz bestimmtes Wesensmerkmal oder
die Summe von verschiedenen Charakterzügen. Auch das Umfeld, in dem wir uns bewegen, trägt maßgeblich dazu bei, ob wir
psychische Widerstandskraft ausbilden können.
1. Bindungsfähigkeit
„Der allergrößte Schutz im Leben ist
Bindung.“ So fasst Friedrich Lösel seine Studie über die Kinder der hawaianischen Insel
Kauai zusammen. Und es lässt sich auf unsere Gesellschaft übertragen: wer trotz widriger Lebensumstände und einem Aufwachsen
in Suff, Arbeitslosigkeit und Gewalt zumindest eine enge Bezugsperson in seinem Leben hat, die sich liebevoll um sie kümmert
und auf die Bedürfnisse eingeht, Grenzen
setzt und Orientierung bietet, hat viel höhere
Chancen, sich nicht an den elterlichen Vorbildern zu orientieren. Denn schon eine
einzige enge Bindung kann sich so förderlich
auf die eigenen Entwicklung auswirken und
viele negative Faktoren ausgleichen.
Auch Bill Clinton hatte in seiner Großmutter diese enge Bezugsperson und trotz
der Schwächen seiner Mutter wusste er, dass
er auch in ihr eine Vertrauensperson hatte.
Folglich kann man Resilienz als die
Fähigkeit benennen, förderliche Beziehungen einzugehen und sich Unterstützung bei
Personen oder Institutionen zu suchen. In
Krisensituationen haben resiliente Menschen
ein verlässliche Umfeld, in dem sie Hilfe und
Unterstützung finden und das sie dabei unterstützt, Probleme konstruktiv zu lösen.
2. Fruststrationstoleranz
Neben der Fähigkeit, Bindungen einzugehen und sich ein entwicklungsförderliches
Umfeld zu schaffen, fanden Wissenschaftler,
die sich mit dem Thema Resilienzforschung
befassten, ebenso heraus, dass ein flexibleres und weniger impulsives Temperament mit
einer emotionalen Ausgeglichenheit , maßgeblich dazu beiträgt, mit einer großen
Herausforderung konstruktiv umzugehen.
Emotional stabilen Menschen fällt es viel
leichter, aus einer unschönen Situation das
Beste herauszuholen. Übermäßig viel Aggression, Wut und Trauer versperren häufig
den Blick dafür, sich neue zu orientieren,
sein Leben umzukrempeln oder neue Wege
zu gehen.
Dieses Maß an Frustrationstoleranz
lässt starke Persönlichkeiten nicht an ihrem
Schicksal nagen, sondern unterstützt diese
dabei, ihre Situation und die damit verbundenen unangenehmen Gefühle zu akzeptieren, in der jeweiligen Situation selbstständig
Verantwortung zu übernehmen und ihre
Probleme aktiv zu lösen.
3. Der Einfluss von Persönlichkeit und Umwelt
Neben der Bindungsfähigkeit und einer
gehörigen Portion Frusttrationstoleranz stärkt
auch das Zugehörigkeitsgefühl zu einer
Gemeinschaft, das Vertrauen in die eigene
Person als auch ein bisschen Spiritualität und
unterstützt dabei, sich zu einem emotional
stabilen Menschen zu entwickeln. der tief
verankerte Glaube daran, dass alles wieder
gut werden wird, lässt Menschen aus einer
misslichen Situation gestärkt hervortreten.
Diese Menschen glauben an sich und an ihre
Möglichkeiten, den Ausgang der Situation
auch kontrollieren zu können.
Auch hilft es, wenn man schlau genug
ist, die eigene Lage realistisch einschätzen,
Alternativen zu entwickeln und diese dann
auch umzusetzen.
Wer sich, seine Umwelt und sein eigenes Leben nicht immer allzu ernst nimmt und
dem Leben mit einer Portion Humor begegnet, der hadert nicht so schnell mit seinem
Schicksal.
Auch wenn einige Psychologen der
Einsicht sind, dass die Persönlichkeit das
Hauptmerkmal ist, um sich als emotional
stabile Person einem Schicksal zu stellen,
sollte die Umweltkomponente nicht außer
Acht gelassen werden. Denn neben solchen
Charaktereigenschaften wie Humor, Fruststrationstoleranz, Selbstwirksamkeit und
kognitive Begabung spielen solche Umweltfaktoren wie das Klima in der Erziehung, die
Übertragung von Verantwortung und die
Vermittlung eines Zugehörigkeitsgefühls eine
große Rolle. Dabei sind Persönlichkeit und
Umwelt sehr eng miteinander verbunden:
denn wie sich ein Mensch entwickelt hängt
nicht immer nur mit seiner Persönlichkeit
zusammen, sondern wird auch sehr stark
von dem geprägt, was er in seinen Vorbildern findet.
4. Selbstvertrauen
Wer emotional sehr Stark ist, der kennt
sich meist selbst ganz besonders gut. Diese
Menschen haben statt Hilflosigkeit schon
früh in ihrem Leben gelernt, dass sie den
Ausgang einer Situation aktiv mitgestalten
können und immer Handlungsalternativen
zur Verfügung haben. Sie leben mit der
Überzeugung, gezielt Einfluss auf die Welt
nehmen zu können. Sie haben früh gelernt,
Verantwortung zu übernehmen und wurden
dadurch besonders widerstandsfähig.
Die Selbstwirksamkeit bietet den Nährboden für Selbstvertrauen, das für die Ausbildung einer widerstandsfähigen Persönlichkeit unerlässlich ist. Um eine Herausforderung aktiv anzugehen bedarf sehr viel
Mut und Selbstvertrauen. Resiliente Menschen sind in der Lage, Situationen realistisch einzuschätzen, aber auch ein bisschen
träumen zu können. Denn wie Menschen
Stress wahrnehmen, hängt in erster Linie von
ihrer ganz eigenen - subjektiven - Wahrnehmung ab.
Ich HABE, ich BIN, ich KANN - so fasst
die schottische Professorin für Sozialarbeit
Brigid Daniel die Grundsteine der Resilienzforschung zusammen: Ich HABE enge Vertraute in meinem Umfeld, ich BIN respektvoll
mir und anderen gegenüber und liebe mich
selbst und ich KANN alternative Wege finden, meine Probleme zu lösen.
Daniela Baumgarten arbeitet als Familientherapeutin und Systemische Beraterin in
ihrer eigenen Praxis „Bechtel & Baumgarten“ in Siegen. In ihrem Haushalt leben zwei
Pflegekinder.
Lesen Sie in unserer nächsten Ausgabe:
„Wie man Kinder stark
macht. Was wir den Kleinsten unserer Gesellschaft
mitgeben können.“
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Seele and Geist
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