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Die Besatzer halten nach wie vor den Atem an - Schattenblick

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MA-Verlag
KUNST / REPORT
Fluchträume und Grenzen politisch, aber frei
Kriterien linker Kunstkritik am
Beispiel der dOCUMENTA (13)
Diskussion am 01.09.2012 in Kassel
Die auf einer Tagung der Marx-Engels-Stiftung in Kassel erörterte Frage, ob die dOCUMENTA (13) insgesamt als Bestandteil des kapitalistischen Kulturbetriebs zu verwerfen
sei oder man den Kunstevent als Forum zumindest einzelner Errungenschaften zeit- und gesellschaftskritischer Art in Anspruch nehmen
sollte, konnte ... (Seite 7)
Elektronische Zeitung Schattenblick
Mittwoch, 14. November 2012
Umwelt / Ticker / Wald
Hambacher Forst - Die Maske fällt
Hambacher Forst ­ 13. November 2012, 18.00 Uhr
Die Besatzer halten nach wie vor den Atem an
POLITIK / REDAKTION
Die USA zwingen Syriens Opposition zur Neugründung
Nach einer Woche erbitterten Postengeschachers in Doha, Hauptstadt
des Emirats Katar, hat sich die syrische Opposition am 11. November
aufdie personelle Zusammensetzung
eines neuen Dachverbands geeinigt
... (Seite 6)
UMWELT / MEINUNGEN
Waldgrenze, Ödfraß und Profit ...
Das Besetzercamp im Hambacher
Forst wird von der Polizei geräumt
Die Polizeipressestelle des RheinErft-Kreises teilt mit: Am frühen
Dienstagmorgen haben mehrere
Hundertschaften begonnen, das
Camp der Waldbesetzer im Hambacher Forst zu räumen ... (Seite 5)
zeichnen ist. Trotz mehrfacher,
dringlicher und mit Megaphonen
deutlich gemachter Warnungen und
Hinweise seitens der Unterstützer,
daß die Polizei, so sie die Baggerarbeiten im Bereich des Küchenhauses
fortsetzen würde, das Leben der direkt darunter in einem Tunnel festgeketteten Menschen unmittelbar
Im Zuge der polizeilichen Räumung gefährden würde, wurden diese exdes von Umweltschutzaktivisten be- trem gefährdenden Aktionen erst
setzt gehaltenen Teils des Hamba- nach geraumer Zeit eingestellt.
cher Forstes ist es im Verlauf des
heutigen Nachmittags zu einer Ent- Von einer generellen Beendigung
spannung der Situation gekommen, oder auch nur Aussetzung der Räudie nicht anders als relativ zu be- mung kann unterdessen nicht die ReBraunkohletagebau Hambach
(bei Köln), 6. August 2006
Foto: Johannes Fasolt, gemeinfrei
http://upload.wikimedia.org/wikipe­
dia/commons/thumb/0/06/Surface_
Mining_Hambach_200800806.jpg/
120px­Surface_Mining_Ham­
bach_200800806.jpg
Elektronische Zeitung Schattenblick
de sein. Informationen über die aktuelle Lage direkt aus dem Wald und
dem dortigen Geschehen zu bekommen, hat sich als allerdings schwierig herausgestellt, weil die Polizei
Pressevertreter daran hindert, sich
frei und uneingeschränkt in dem Einsatzgebiet zu bewegen. Die Repräsentanten der "vierten Gewalt"
können ihren Informationspflichten
nicht nachkommen, da sie nach Angaben der Aktivisten [1] von der Polizei herumgeführt werden und nur
zu sehen bekommen, was sie nach
deren Auffassung sehen sollen.
Ein erster Kletteraktivist soll, nach
Annahme der Unterstützer mit Amtshilfe der Feuerwehr, von einem
Laufsteg in den Bäumen heruntergeholt worden sein. An einem Baumhaus sollen vier Polizisten mit Hilfe
eines Hubwagens dabei sein, dessen
Wände zu entfernen, was ihnen auf
zwei Seiten schon gelungen sein soll.
Wie Untenstehende vermuten, befindet sich in diesem Baumhaus ein Betonblock, an den sich ebenfalls
Aktivisten angekettet haben. Die Polizei verwehrt ihren Bezugspersonen
den Zugang zu ihnen.
"Hambacher Forst", der zudem auf
die durch den Tagebau und die
Kraftwerke freigesetzte Radioaktivität hinwies, die bereits dazu geführt
habe, daß in dieser Region - bis nach
Köln und ins Ruhrgebiet hinein Krebserkrankungen stark angestiegen sind. Da es sich zudem um die
landwirtschaftlich besten Böden
Mitteleuropas handele, die hier ausgebaggert werden sollen, ist der tatkräftige Protest der Waldbesetzer
nicht ausschließlich umweltpolitisch
zu verstehen, sondern gilt gleichermaßen dem Erhalt der Gesundheit
sowie der Ernährung der in der ReAnläßlich der nach wie vor für die gion und darüber hinaus lebenden
Beteiligten akut bedrohlichen Situa- Menschen.
tion wies der "Hambacher Forst"
abermals aufden eigentlichen Zweck
und die Hintergründe dieser Aktion Fußnoten:
hin [1]. Beim Hambacher Forst handelt es sich um den einst größten [1] Quelle: Meldungen vom
Wald dieser Region, der jedoch mehr 13.11.2012, 15.00/16.00 Hambacher
und mehr dem Braunkohleabbau, der Forst E-Mail: hambacherforst@rihier im Tageabbau im großen Stil be- seup.net Internet: http://hambachertrieben wird, zum Opfer fällt. Bereits forst.blogsport.de/kontakt/
1.100 Hektar wurden zerstört, und so
ist das rheinische Braunkohlerevier
zur größten Kohlendioxid-Schleuder UMWELT / TICKER / WALD/003:
http://www.schattenblick.de/
Europas geworden.
Wie der "Hambacher Forst", so der
Name der Website der Aktivistinnen
und Aktivisten, in Pressemitteilungen
bekannt gab, soll die Polizei im Wald
bereits auf einen Beton-Lock-On, wie
die Ankettvorrichtungen, mit denen
sich die Umweltschützer an Betonblöcken festschweißen lassen, um eine polizeiliche Räumung wenn nicht
zu verhindern, so doch erheblich hinauszuzögern, gestoßen sein. An vielen
Stellen des Waldes, selbst dort, wo es
für die bevorstehende Räumung nicht
erforderlich wäre, soll die Polizei
Bäume gefällt haben, um - so die Deutung des "Hambacher Forstes" [1] die seitens des Staates behauptete "Im Revier entsteht mehr Feinstaub
Zerstörungsnotwendigkeit bildlich zu als in der gesamten BRD durch den
Autoverkehr!" [1] heißt es dazu beim
verdeutlichen.
infopool/umwelt/ticker/
utwa0003.html
UMWELT / TICKER / WALD
Hambacher Forst - Um jeden Zentimeter ...
Hambacher Forst ­ 13. November 2012, 20.00 Uhr
Angespannte Situation zwischen Polizei und Waldbesetzern
Am frühen Abend des ersten Räumungstages wird seitens des "Hambacher Forstes", also der
Braunkohlegegner und -gegnerinnen, die durch die Waldbesetzung
im Hambacher Forst ihren Protest
gegen den wegen des Tagebaus bevorstehenden weiteren Kahlschlag
Seite 2
konkret gemacht haben, erste Bilanz gezogen. Die Polizei sei, wie
einer Pressemitteilung zu entnehmen ist, mit den "akribisch vorbereiteten Blockadeaktionen sichtbar
überfordert". Dies gelte insbesondere für den unterirdisch angelegten
Tunnel, in dem sich etliche Aktiviwww.schattenblick.de
sten befinden. Oberirdisch jedoch,
in den Bäumen wie auch direkt am
Boden, sei die Polizei "gut beschäftigt" [1].
Die Polizei habe bereits angekündigt, keine Beamten in den Tunnel
hinein zu schicken. Somit ist zur
Mi. 14. November 2012
Elektronische Zeitung Schattenblick
Zeit unklar, ob und ggf. wie es hier
zu einer Räumung kommen könnte;
offensichtlich, so die Einschätzung
der Kohlegegner, hoffe die Polizei,
daß die im Tunnel befindlichen
Menschen sich selbst "befreien"
würden. Tatsächlich sind die Aktivisten dort jedoch entschlossen, die
Blockade über viele Tage hinweg
aufrechtzuerhalten.
In den Bäumen wie auch am Boden
haben sich, wie berichtet, Kohlegegner und -gegnerinnen an Betonklötzen angekettet. Die ersten von
ihnen wurden nach mehrstündiger
Arbeit der Polizei bereits wieder
losgemacht. Peter, der sich in einem
Baumhaus hatte festketten lassen,
kommentierte die Blockadeaktion
folgendermaßen: "Sich bei dieser
Kälte festzuketten, stundenlang Polizisten um einen herum zu haben,
um dann in Polizeigewahrsam zu
kommen, ist zwar nicht angenehm,
aber was ist das gegen die globalen
Auswirkungen der Braunkohleverstromung? Immerhin ist der Klimawandel dafür verantwortlich, dass
Menschen ihre Lebensgrundlagen
verlieren." [1]
Unterdessen kommt es im ganzen
Bundesgebiet zu Protesten gegen
den Eigentümer RWE. Baum für
Baum wird durch die Polizei das Interesse des Energiekonzerns an der
Braunkohleverstromung durchgesetzt. Heute wurden über tausendjährige Bäume in dem alten Forst
durch polizeiliche Kettensägen geAktionsplakat: © www.ausgeco2hlt.de
fällt. Svenja, die die Informationen
über die Aktion bzw. die Räumung
koordiniert, erklärte dazu: "Offensichtlich ist ein Kapitalismus ohne
Welt leichter vorstellbar als ein
heit, die Blockaden aufrechtzuer- seup.net Internet: http://hambacherWelt ohne Kapitalismus." [1]
halten, sicherlich noch mehrere forst.blogsport.de/kontakt/
Die Waldbesetzer und -besetzerin- Tage in Anspruch nehmen.
nen und ihre Unterstützer gehen
UMWELT / TICKER
aufgrund der bisherigen ErfahrunFußnote:
WALD/004:
gen nicht davon aus, daß die Polizei
http://www.schattenblick.de/
die Räumung unverrichteterdinge
[1]
Quelle:
Pressemitteilung
vom
infopool/umwelt/ticker/
abbrechen wird. Allerdings, so der
13.11.2012,
20.24
Uhr
Hambacher
utwa0004.html
Tenor unter den Aktivisten, wird
Forst
E-Mail:
hambacherforst@ridies angesichts ihrer EntschlossenMi. 14. November 2012
www.schattenblick.de
Seite 3
Elektronische Zeitung Schattenblick
UMWELT / TICKER / WALD
Hambacher Forst - Wipfel- und Tunnelfronten
Hambacher Forst ­ 13. November 2012, 20.00 Uhr
Nächtliche Kälte
Der Einbruch der Nacht brachte ein
Erliegen der polizeilichen Räumungstätigkeiten mit sich, nachdem
500 Polizeibeamte des Rhein-ErftKreises seit den frühen Morgenstunden im Einsatz gewesen waren. Nach
letzten Informationen der Braunkohlegegner und -gegnerinnen [1] haben
zwei Waldbesetzer noch in den Bäumen übernachtet. Sie wurden noch
nicht - wie alle übrigen - von der Polizei heruntergeholt.
Einer der letzten Meldungen des
"Hambacher Forstes" [2] zufolge
sind der Clown und andere Aktivisten auf der Flucht vor den Polizeibeamten an einer hohen Buch
hochgeklettert, verfolgt von speziellen "Klettercops". Mit einer Hebebühne rückte die Polizei den
Braunkohlegegnern buchstäblich zu
Leibe, wurden doch während der
Verfolgung nach und nach die Äste
abgesägt, so daß die Beamten immer
höher kamen.
In der Nähe des Küchenhauses soll
eine letzte Person noch an einem
Lock-on angekettet gewesen sein;
den Unterstützern zufolge wurde sie
14.11.2012,
14.11.2012,
14.11.2012,
13.11.2012,
13.11.2012,
13.11.2012,
09:45
09:45
01:39
20:05
14:12
14:12
von der Polizei gestern abend ver- halten. Gegen die Festgenommen
sollen unterschiedliche Vorwürfe ermutlich noch losgemacht.
hoben worden sein. AugenzeugenAm Tunnel ist die Situation am spä- berichten zufolge soll, wie beim
ten Abend noch dramatisch gewor- "Hambacher Forst" [1] berichtet, ein
den. Nachdem die Einsatzkräfte 14 Mensch, der sich der ErkennungsStunden lang in der Nähe des Kü- dienstlichen Behandlung verweigern
chenhauses vergeblich den Eingang wollte, zu Boden geworfen worden
gesucht hatten, ist ihnen dies gestern sein. Ihm soll an den Haaren gezoschließlich noch gelungen. Nach In- gen und gedroht worden sein, ihm
formationen der Unterstützer hat die die Finger zu brechen - laut UnterPolizei entgegen der vorherigen stützer "Alltag im Kölner PolizeireWarnungen dann damit begonnen, vier".
mit einem Bagger den Tunnel von
oben auszubaggern. Wie die Aktivisten erläuterten, hält der Tunnel nur Fußnoten:
aufgrund seiner Deckenwölbung, so
daß dessen Stabilität gefährdet wird, [1] Quelle: Meldungen vom
wenn auf einer Seite Gewicht herun- 13.11.2012, 18.00-24.00 Uhr
tergenommen wird. Später wurden Hambacher Forst
die Baggerarbeiten von der Polizei E-Mail: hambacherforst@riseup.net
Internet: http://hambacherwieder eingestellt.
forst.blogsport.de/kontakt/
Den vorliegenden Informationen zufolge befinden sich alle Personen, die
aus den Bäumen geholt und zwiUMWELT / TICKER
schenzeitlich in Polizeigewahrsam
WALD/005:
genommen wurden, wieder auf freihttp://www.schattenblick.de/
em Fuß. Vor der Gewahrsamsstelle
infopool/umwelt/ticker/
haben sich zeitweise bis zu 30 Unterutwa0005.html
stützer und Unterstützerinnen aufge-
SCHATTENBLICK → INFOPOOL → UMWELT → TICKER
WALD/006: Hambacher Forst - Breitgestreut und unnachgiebig (ausgeCO2hlt)
WALD/005: Hambacher Forst - Wipfel- und Tunnelfronten (SB)
WALD/004: Hambacher Forst - Um jeden Zentimeter ... (SB)
WALD/003: Hambacher Forst - Die Maske fällt (SB)
WALD/002: Hambacher Forst - Zum Streit bereit (Hambacher Forst)
WALD/001: Hambacher Forst - S.O.S. (ausgeCO2hlt)
Liste der neuesten und tagesaktuellen Nachrichten ... Kommentare ... Interviews ... Reportagen ...
Textbeiträge ... Dokumente ... Tips und Veranstaltungen ... vom 14. November 2012
http://www.schattenblick.de/infopool/infopool.html
Seite 4
www.schattenblick.de
Mi. 14. November 2012
Elektronische Zeitung Schattenblick
UMWELT / MEINUNGEN / LAIRE
Waldgrenze, Ödfraß und Profit ...
Das Besetzercamp im Hambacher Forst wird von der Polizei geräumt
Die Polizeipressestelle des RheinErft-Kreises teilt mit: Am frühen
Dienstagmorgen haben mehrere
Hundertschaften begonnen, das
Camp der Waldbesetzer im Hambacher Forst zu räumen [1].
Aktivistinnen und Aktivisten in
unbekannter Zahl haben sich auf
diesen seit längerem erwarteten
Tag X mit einer Reihe von Formen
des gewalfreien Widerstands vorbereitet [2]. Einige sind in die
Bäume geklettert, andere in Erdtunnel gekrochen, viele haben sich
an Betonblöcke angekettet. In allen Fällen setzen die Menschen ihre körperliche Unversehrtheit und
ihr Leben dafür ein, daß der mehrere Jahrhunderte alte Wald nicht
abgeholzt wird, nur weil der Energiekonzern RWE die Braunkohle,
die dort in etwa 400 Meter Tiefe
lagert, von der nordrhein-westfälischen Landesregierung geschenkt bekommen hat.
RWE darf den Rohstoff kostenlos
abbauen, mit ihm klimaschädliche
Energie produzieren und kann diese anschließend verkaufen. Man
hat es hier folglich mit einer für
das kapitalistische Wirtschaftssystem typischen Win-win-Situation
zu tun: der Konzern gewinnt doppelt. Rund 1,8 Mrd. Euro Gewinn
hat RWE laut seinem Geschäftsbericht im vergangenen Jahr gemacht [3].
Keine Gewinner ohne Verlierer,
keine Profite ohne Verluste: Die
Restfläche des ursprünglich einmal 5.500 Hektar großen
Mischwaldgebiets wird innerhalb
der nächsten Monate weiter reduziert, damit anschließend die
Räumbagger die Devastierung der
Landschaft vollenden können.
Mi. 14. November 2012
Pflanzen werden vernichtet, Tiere
vertrieben. Auch die Menschen,
die den Wald vorübergehend zu
ihrer Bleibe machten, um ihn zu
schützen, müssen weichen. Vielleicht dauert es ein, zwei Tage, bis
sie geräumt sind, aber am Ende
dürfte die Staatsgewalt obsiegen.
Die Waldbesetzerinnen und -besetzer gehören ebenfalls zu den
Verlierern ...
Zumindest ist das die Rolle, die ihnen von den Exekutivorganen zugedacht wird. Bei der Polizei
lägen nahezu 100 Strafanzeigen
vor, von denen viele einen Bezug
zum Waldbesetzercamp beziehungsweise deren Bewohner haben, heißt es in der Pressemitteilung. Sollen die Leserinnen
und Leser etwa den Eindruck gewinnen, daß die bloße Menge an
Strafanzeigen bereits eine Schuldaussage zuläßt? Sollen so gesellschaftliche Außenseiter geschaffen werden?
Es gibt gute Gründe, weswegen
die geräumten Menschen die Rolle der Verlierer nicht anzunehmen
brauchen. Sie haben sich für etwas
eingesetzt, das sich zwar konkret
am Hambacher Forst festmachen
läßt, das aber als Absicht, Idee
oder Standpunkt nicht beseitigt
werden kann. Der Hambacher
Forst wird für immer vom Erdboden verschwunden sein - wohingegen die Utopie einer Lebensweise,
in der die Fesseln der gesellschaftlich angepaßten Existenz als energiebedürftiger Konsument in
Angriff genommen werden, erhalten bleibt. Das Bemühen der Besetzerinnen und Besetzer, etwas
anderes zu machen, entzöge sich
somit von vornherein jedwedem
Versuch einer Räumung.
www.schattenblick.de
Fußnoten:
[1] "Waldbesetzer müssen ihre
Baumhäuser und Zelte verlassen Kerpen", Polizeipressestelle RheinErft-Kreis, 13. November 2012,
07:55 Uhr http://www.presseportal.de/polizeipresse/pm/
10374/2362118/pol-rek-waldbesetzer-muessen-ihre-baumhaeuser-und-zelte-verlassen-kerpen
[2] Näheres dazu unter: LAIRE/208:
"Land Grabbing" in Deutschland Energiekonzern vernichtet uralten
Wald (SB), 23. Oktober 2012 http://schattenblick.com/infopool/umwelt/meinunge/umme-208.html
[3] Geschäftsbericht 2011, RWE
Power, abgerufen am 13.11.2012
http://www.rwe.com/web/cms/mediablob/de/1299142/data/634422/7/rwe/investor-relations/b
erichte/2011/RWE-Geschaeftsbericht-2011.pdf
UMWELT / MEINUNGEN
LAIRE/209:
http://www.schattenblick.de/
infopool/umwelt/meinunge/
umme­209.html
KALENDERBLATT
Kurzweiliges für Mittwoch,
den 14. November 2012
Liegen
In den Wäldern sind Dinge,
über die nachzudenken
man jahrelang im Moos liegen könnte.
(Franz Kafka)
Gilt das nicht für jeden Ort,
an dem man liegen kann?
HB
Seite 5
Elektronische Zeitung Schattenblick
POLITIK / REDAKTION / NAHOST
Die USA zwingen Syriens Opposition zur Neugründung
Die NATO bereitet erste Maßnahmen direkter Militärintervention vor
Nach einer Woche erbitterten Postengeschachers in Doha, Hauptstadt des
Emirats Katar, hat sich die syrische
Opposition am 11. November auf die
personelle Zusammensetzung eines
neuen Dachverbands geeinigt. An der
Stelle des von der Moslembruderschaft dominierten Syrischen Nationalrates (Syrian National Council SNC) tritt nun die Syrische Nationalkoalition der Opposition und Revolutionskräfte. Erforderlich wurde die
Reorganisation nach der plötzlichen
Aberkennung des SNC durch dessen
bis dahin wichtigste Förderin, USAußenministerin Hillary Clinton. Bei
einem Besuch in der kroatischen
Hauptstadt Zagreb hatte sich Barack
Obamas Chefdiplomatin am 31. Oktober gänzlich unzufrieden mit den
bisherigen Leistungen des SNC gezeigt und eine neue Vereinigung der
syrischen Oppositionskräfte gefordert, in der weniger Exilpolitiker und
dafür mehr die in Syrien gegen die
Truppen Baschar Al Assads kämpfenden Gruppen das Sagen haben sollten.
Kaum hatte die ehemalige First Lady,
die derzeit in den USA als potentielle
Nachfolgerin Obamas gehandelt wird,
ihr Machtwort gesprochen, da trafen
Syriens Oppositionelle, die finanziell
und waffentechnisch vom Wohlwollen des Westens abhängen, in Doha
zum großen Powwow zusammen.
nisation wurde Moaz Al Khatib, der in
religiösen Fragen als gemäßigt geltende, sunnitische Imam der UmayyadMoschee in Damaskus, der Syrien im
Juli aufgrund von Repressalien verließ,
gekürt. Stellvertreterposten gingen an
den Geschäftsmann und ehemaligen
Parlamentsabgeordneten Riad Seif und
an die säkulare Politikaktivistin Suhair
Al Atassi. Einen ersten Erfolg erzielte
das neue Gremium, als der Golfkooperationsrat, bestehend aus Saudi-Arabien, Katar, Bahrain, den Vereinigten
Arabischen Emiraten, Oman und Kuwait die Vereinigung am Vormittag des
12. November zum einzigen Sprachrohr des syrischen Volkes erklärte. Wenige Stunden später ernannte die
Arabische Liga die neue Koalition,
wegen Bedenken des Iraks und Algeriens, zumindest zu ihrem Hauptansprechspartner.
Die Besetzung der wichtigsten Posten
des SNC und der Syrischen Nationalkoalition mit säkularen und religiösgemäßigten Persönlichkeiten steht im
gewissen Widerspruch zu den Kräfteverhältnissen innerhalb der militanten
Opposition in Syrien selbst. Dort sind
es offenbar fanatische Salafisten, die
den Kampf gegen die staatlichen
Streitkräfte anführen. Jene al-kaidanahen Milizen scheinen über die meisten und schwersten Waffen sowie
über einen niemals versiegenden Zustrom an ausländischen Freiwilligen
zu verfügen. Pressemeldungen zufolge bekommen die radikalen Gruppen
Waffen und Munition hauptsächlich
aus Saudi-Arabien und Katar, doch
man kann davon ausgehen, daß ihnen
auch die NATO unter die Arme greift.
Viele Operationen der Aufständischen
tragen die deutliche Handschrift westlicher Spezialstreitkräfte.
In der Syrischen Nationalkoalition erhielt der SNC, der in Doha George Sabra, einen kommunistischen Christen,
der wegen Dissidententums von 1987
bis 1995 in einem syrischen Gefängnis
saß, zum neuen Vorsitzenden wählte,
22 der 60 zu vergebenden Sitze und
blieb damit stärkste Einzelfraktion.
Die restlichen Sitze gingen an die Freie
Syrische Armee (FSA) und diverse andere militärische und politische Gruppierungen. Zum Chef und Die Umbesetzung der syrischen OpAushängeschild der neuen Dachorga- positionsspitze scheint zudem mit eiSeite 6
www.schattenblick.de
ner von der NATO geplanten,
bevorstehenden Eskalation des Krieges in Syrien zusammenzuhängen.
Nach 18 Monaten vergeblichen Bemühens, das Assad-"Regime" zu stürzen, sieht es aus, als wollten Ankara,
Berlin, London, Paris und Washington
eine Entscheidung herbeiführen. Jetzt,
wo in den USA der Präsidentenwahlkampf endlich vorbei ist, steht einer
Militärintervention nichts mehr im
Weg. Gerade ein Tag nach der offiziellen Verkündung der Wiederwahl
Obamas als US-Präsident schlug der
britische Premierminister David Cameron am 8. November vor, die NATO sollte die Aufständischen in
Syrien offen mit Waffen beliefern
(statt wie bisher verdeckt, versteht
sich). Bekanntlich spielte Cameron
letztes Jahr eine führende Rolle bei
der Entscheidung der NATO, die libyschen Rebellen beim Aufstand gegen
Muammar Gaddhafi zu unterstützen.
Der britische Generalstabschef Sir
David Richards gab am 11. November im BBC-Fernsehen ein erstaunliches Interview, in dem er für einen
Militäreinsatz der NATO im Nahen
Osten eintrat, um "eine Ausweitung
der Krise in Syrien" auf die Nachbarländer zu verhindern. Laut Richards finden derzeit auf höchster
NATO-Ebene entsprechende Planungen statt. Dabei will man offenbar Hunderttausende syrische
Flüchtlinge in der Türkei, im Libanon und in Jordanien als Vorwand für
eine militärische Intervention nutzen. Man bereite sich auf eine "Katastrophe" vor; die geplante
Operation sollte "begrenzt" sein,
werde jedoch womöglich eine "enorme Anstrengung" darstellen, so Richard. Fast zeitgleich mit dem
Auftritt des obersten britischen Militärs bei der BBC lieferten sich die
Streitkräfte Israels und Syrien an der
Grenze zu den Golanhöhen das erste
Artillerieduell seit dem Sechstagekrieg 1967. Weitere Grenzzwischenfälle wie dieser, die ein Eingreifen
der NATO als "Ordnungsmacht"
über kurz oder lang erforderlich machen, sind vorprogrammiert.
Mi. 14. November 2012
Elektronische Zeitung Schattenblick
KUNST / REPORT / BERICHT
Fluchträume und Grenzen - politisch, aber frei
Kriterien linker Kunstkritik am Beispiel der dOCUMENTA (13)
Diskussion am 1. September 2012 in Kassel
dOCUMENTA (13) beschränkt, sondern versuchte darüberhinaus herauszufinden, wie sich eine nurmehr marginale Linke auf diesem Terrain
positionieren kann, um Kunst und
Die auf einer Tagung der Marx-En- Kultur für emanzipatorische Zwecke
gels-Stiftung [1] in Kassel erörterte nutzen zu können.
Frage, ob die dOCUMENTA (13) insgesamt als Bestandteil des kapitalisti- Nachdem die geladenen Referentinschen Kulturbetriebs zu verwerfen sei nen und Referenten Werner Seppoder man den Kunstevent als Forum
zumindest einzelner Errungenschaften zeit- und gesellschaftskritischer
Art in Anspruch nehmen sollte, konnte natürlich nicht zu einem Schluß geführt werden, der alle an dem Treffen
im Veranstaltungszentrum Café BuchOase Beteiligten befriedigt hätte. Sie
war jedoch dazu geeignet, dem widersprüchlichen Charakter einer Kunst
schärfere Kontur zu geben, die beansprucht, eine inhaltliche und ästhetische Auseinandersetzung mit
menschenbewegenden Problemen
und Herausfor- derungen zu führen,
während sie zutiefst in diese verstrickt
ist. Dabei blieb die Debatte nicht auf
die Anfang September noch laufende
Klaus Stein, Thomas Metscher,
Werner Seppmann,
Thomas J. Richter, Heike Friauf
Foto: © 2012 by Schattenblick
Mi. 14. November 2012
www.schattenblick.de
mann, Thomas Metscher, Heike
Friauf und Thomas J. Richter in den
vorherigen Stunden bereits das Feld
der Debatte abgesteckt hatten und
Klaus Stein mit seinen Interventionen zugunsten einer zumindest begrenzten Inanspruchnahme dieser
Reger Gesprächsbedarf im Publikum
Foto: © 2012 by Schattenblick
Seite 7
Elektronische Zeitung Schattenblick
alle fünf Jahre stattfindenden Kunstshow zu ihrem kontroversen Verlauf
beitrug, mischten sich nun auch Zuhörerinnen und Zuhörer mit eigenen Beiträgen ein.
So wurde dafür plädiert, den eher soziologischen Begriff des künstlerischen Feldes nach Pierre Bourdieu zu
nutzen, um die ästhetischen Erfahrungen des Auges ins Verhältnis intersubjektiver Erfahrung zu setzen. Niemand
schaue Kunst unberührt von jeglichem
Kontext an, niemand bewege sich außerhalb von Machtzusammenhängen,
die gerade auch in Großausstellungen
aktiv würden, wo über die Frage, wer
ausgestellt werde und wer nicht, mit
hohem Einsatz befunden werde. Wie
Kriterien im ästhetischen Feld zu entwickeln seien, habe Thomas Metscher
bereits erklärt, doch sei dabei auch an
Georg Lukács und Leo Kofler zu denken. Zwar sei die Linke nicht in der
Lage, mit Kunst gesellschaftliche Verhältnisse zu verändern, doch ginge es
darum, die Kunst aus ihrer Sicht zu
thematisieren und das Verhältnis der
kapitalistischen Gesellschaft zu ihr genau zu analysieren.
Thomas Metscher bestätigte, daß es
sich um ein vergebliches Unterfangen
handle, anhand irgendeiner Kunstausstellung die Totalität von Gesellschaft
erfassen zu wollen. Die Aufgabe linker Kunstkritik könne darin bestehen,
das ästhetische Feld, in dem ein
Kunstevent wie die Documenta verortet sei, im historischen Wandel und
der sozialen Bedeutung dort verlaufender Kunstprozesse zu untersuchen,
wie auch die künstlerische Leistungsfähigkeit einzelner Werke daraufhin
zu überprüfen, was sie an Wissen,
Dispositionen, Haltungen und Emotionen ästhetisch vermitteln können.
So könne ein kritischer Diskurs auch
an einzelnen Exponaten wie etwa den
Wandteppichen der norwegischen
Künstlerin Hannah Ryggen, die mehrfach anerkennend gewürdigt wurden,
ansetzen.
Documenta treu. Der späte Imperialismus zerstöre die Natur, die Kulturleistungen und die sozialen
Errungenschaften der Arbeiterklasse.
Da der Imperialismus objektiv die
Kunst abschaffe, handle es sich bei
der Documenta nicht mehr um eine
Kunstausstellung. Auch wenn die
dort präsentierten, großflächig angelegten Bastelarbeiten mit künstlerischen Mitteln erstellt wurden, mache
das noch lange kein Kunstwerk aus
ihnen.
Streitbare Stellungnahme
Foto: © 2012 by Schattenblick
Ihn interessiere die Maschine und
der Massenzirkus namens Documenta. Zu den Bewegungsformen des
späten Imperialismus gehöre der
Krieg ebenso wie der Event, daher
sei die Documenta für ihn eine große
Gehirnwaschmaschine, die die Menschen im Zustand erwartungsfroher
Ratlosigkeit gleichschaltet und von
den wesentlichen Problemen, die sie
angehen, ablenkt. Der Imperialismus
raube ihre Lebenszeit und lösche ihr
Gedächtnis aus, um sie zu Konsumenten zuzurichten. Bei der Documenta, die ein Meilenstein bei der
Abschaffung der Kunst sei, gehe es
nicht um freie PersönlichkeitsentfalThomas Richter blieb seiner zuvor tung. Das Publikum werde nicht als
geäußerten Fundamentalkritik an der Subjekt, sondern Objekt aus ihr entSeite 8
www.schattenblick.de
lassen. Er wolle die politische und
gesellschaftliche Funktion der Documenta untersuchen, um dieser
Angstgesellschaft entgegenzutreten.
Dazu sei es auch erforderlich, die
Angst in sich selbst zu erkennen und
sich nicht zur Marionette machen zu
lassen, endete der mit Applaus bedachte zornige Beitrag Richters.
Werner Seppmann antwortete auf
einen Einwand zu seiner Kritik an
abstrakter Malerei, ihm ginge es dar-
um herauszustellen, daß diese Stilform absolut gesetzt und alles andere
weggewischt worden wäre. Dies stehe im Gegensatz zum Anspruch der
Documenta, auf plurale Weise das
globale Kunstschaffen zu dokumentieren. Dabei habe die marxistische
Kunstkritik abstrakte Malerei sehr
differenziert untersucht, allerdings
änderte das nichts an dem Problem,
daß man ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr anders malen durfte, um ein Minimum an existentieller
Sicherheit zu bewahren.
Ihn interessiere, was auf der Documenta mit systematischem Nachdruck nicht gezeigt werde. An der
Ausstellung etwas zu retten, indem
man nach einzelnen Beispielen fortschrittlicher und hochwertiger Kunst
suche, liefe darauf hinaus, die tägMi. 14. November 2012
Elektronische Zeitung Schattenblick
Eloquent und raumgreifend
Foto: © 2012 by Schattenblick
liche Lektüre der Bild-Zeitung damit
zu rechtfertigen, daß die Leute immerhin lesen könnten. Seppmann
untermauerte seine grundsätzliche
Kritik an dieser Art von Kunstbetrieb
mit dem Verweis darauf, daß dem
künstlerischen Nachwuchs die handwerkliche Ausbildung regelrecht
verweigert werde. An den meisten
Hochschulen werde kein Zeichnen
mehr gelernt, und wer dies dennoch
tun wolle, werde verlacht, so der Soziologe unter Verweis auf einschlägige Literatur zu dieser Entwicklung.
Auf den Jahresausstellungen der
Kunstakademien könne man sehen,
daß sich die Kunst in einer regressiven Spirale nach unten befinde und
nichts geringeres als ihre Zerstörung
betrieben werde. Dies erfolge vor
dem Hintergrund weltweiter Verarmung, die dann auch noch mit geradezu zynischen Beiträgen garniert
werde. Als Beispiel führte er in Kassel von einer englischen Künstlergruppe angebotene Hubschrauberflügen über der Documenta an, deren
150 Euros teure Tickets angeblich
aus sozialen Gründen verlost wurden.
Was den von ihm angestellten und
ebenfalls aus dem Publikum heraus
kritisierten Vergleich der Documenta mit faschistischer Kunstpolitik betraf, so verwies Seppmann darauf,
daß so gut wie keiner der Maler, der
Mi. 14. November 2012
von den Faschisten als entartet denunziert wurde, auf der Documenta
gezeigt worden wäre. Die gleichen
Leute, die die Ausstellung Entartete
Kunst organisiert hätten, wären im
kulturindustriellen Komplex der
Bundesrepublik - nicht anders als in
ihrem Staatsapparat - wieder aktiv
gewesen.
Vorschlag zur praktischen Analyse
Foto: © 2012 by Schattenblick
tionelle Techniken der Kunst kaum
noch vermittelt. Statt dessen habe
sich etabliert, daß man sich selber
managen muß. Kunstmanagement
werde als Teil der Fachausbildung
für Kunststudenten angeboten, und
wer dies nicht belege, brauche gar
Klaus Stein schlug zur Untersuchung nicht erst anzutreten.
der Documenta vor, Maßstäbe für ästhetische Wirkungen zu bilden, die Eine Zuhörerin stellte ein Zitat aus
als Frühwarnsysteme fungierten. So einem Interview der taz mit der vielseien ihm bei der letzten Fünfjahres- fach für ihren "erweiterten Kunstbeausstellung in Dresden 1987 die vie- griff", ihre demonstrative Konzeplen Täuschungsmetaphern wie Mas- tionslosigkeit und die damit einherken und Clowns aufgefallen. Sie hät- gehende Beliebigkeit im Umgang
ten ihm dazu gedient, einen Maßstab mit politischen und ästhetischen Krifür die ästhetische Wahrnehmung der terien kritisierte künstlerische LeiteWirklichkeit in der DDR zu ent- rin der dOCUMENTA (13), Carolyn
wickeln. Dies könne man auch bei Christov-Bakargiev, zur Diskussion:
der Documenta tun, um gesellschaftliche Widersprüche aufzuzeigen, an- "Aber der Verzicht auf ein theorestatt immer nur das Fortschrittliche tisch ausgefeiltes Konzept ist bei mir
mehr eine Form des Widerstands gezu suchen.
gen den Wissenskapitalismus. Der
Heike Friauf griff einen Beitrag aus genau damit arbeitet. Eine Form des
dem Publikum zu den materiellen Widerstands gegen die Art und WeiBedingungen der Kunstproduktion se, in der in unserer digitalen Welt
auf, indem sie darauf verwies, daß Macht durch die Beherrschung des
Ausstellungen im Frauenkunstbe- Wissens ausgeübt wird.
reich immer auch unter Kuratel der
Sponsoren ständen. Die Kuratorin- Was meinen Sie damit?
nen müßten sich fragen, was sie zeigen dürften, um ihrer Karriere nicht Die Produkte kognitiver Arbeit, ob
zu schaden. Sie bestätigte zudem Sie nun Genetiker sind und DNA­
Seppmanns Kritik an den Ausbil- Codes kodieren, ob Sie Mathemati­
dungsbedingungen an den Kunst- ker sind und für eine Softwarefirma
hochschulen, würden doch konven- arbeiten oder ob Sie Künstler sind,
www.schattenblick.de
Seite 9
Elektronische Zeitung Schattenblick
chen Produktivkraft des Systems der
imperialistischer Reproduktion,
weshalb man daraus nicht den
Schluß ziehen könne, keine Kritik
der politischen Ökonomie des Imperialismus mehr zu entwickeln, weil
das ja eine Theorie sei. Konzeptionslosigkeit als Antwort darauf, daß der
Gegner Wissen und Konzepte verwendet, sei eine Fehlleistung. Man
könne darauf nur mit einem Wissen
antworten, das dem entgegensteht,
und dies betreffe nicht nur Kreativität, sondern Wissen selbst. Andernfalls ende man bei der KonzeptionsFür Werner Seppmann handelte es losigkeit des Anything Goes.
sich bei diesen Worten keineswegs
um eine kritische Gegenposition zur
herrschenden Wissens- und Kulturproduktion. Seiner Ansicht nach setze die Kuratorin gegen deren
Imperative nicht die Wiederaneignung des Wissens, sondern dessen
Zerstörung. Dahinter stehe eine Philosophie, die schon der Künstler
Günther Uecker vor 40 Jahren vertreten habe, als er ein Seil auf dem
Boden in der Kunstsammlung NRW
als Manifestation gegen die Herrschaft der Rationalität zu erklären
versuchte. Diese Art der postmoder- Plädoyer gegen die
nistischen Rationalitätskritik reiche Konzeptionslosigkeit
zurück bis zur faschistischen Ideolo- Foto: © 2012 by Schattenblick
gie und habe dort ihre Wurzeln,
meinte der Soziologe mit der ihm ei- Als Beleg dafür, daß es auch im bürgenen kategorischen Schärfe. Es ge- gerlichen Feuilleton anders gehe,
be durchaus alternative Formen der verlas Metscher ein Zitat aus einem
rationalen Weltaneignung, auch Artikel der Kunstkritikerin der Südwenn sie unter jetzigen Bedingungen
von der bürgerlichen Gesellschaft
absorbiert würden. Im Bereich des
Ästhetischen gebe es keine anderen
Widerstandsmomente als Kreativität
in einem progressiven Sinne zu entfalten, was das Gegenteil dessen sei,
was Christov-Bakargiev praktiziere.
Sie zerstöre die Mittel, die zu ergreifen gegen diese kapitalistische Instrumentalisierung notwendig seien.
werden oft genug sofort in ein System
der Macht kooptiert. Diese Über­
nahme findet in allen Bereich der so­
genannten Kreativität statt. Das ist
die Basis von Macht und Profit im
21. Jahrhundert. Fragen wie die des
Intellektuellen­Streiks, den die italie­
nischen Operaisten bis hin zu Negri
und Hardt dann entwickelt haben,
also so etwas wie Wissensverweige­
rung, das war zu Jan Hoets Zeiten
noch kein Thema. Deshalb hat er den
Satz: 'Ich habe kein Konzept' aus an­
deren Gründen gesagt." [1]
deutschen Zeitung, Kia Vahland,
vom 26. Juli 2012:
"Früher war in Kassel jeder Mensch
ein Künstler. Heute ist es jedes Tier
und jede Tomate. Sollte wirklich dies
der bleibende durchschlagende Gedanke dieser Documenta werden, dann
bliebe dem nächsten Kurator nur noch
ein Back to the roots. Die Ausstellung
2017 müßte wieder eine Bundesgartenschau sein wie die Veranstaltung,
aus der die erste Documenta hervorgegangen war. Damit hätte sich die Kunst
aus dem gesellschaftlichen Diskurs
verabschiedet und auch aus dem
emanzipatorischen Anspruch, den Betrachtern zu neuem Denk- und Freiraum zu verhelfen. Kunst wäre so nur
noch das kurzlebige Zeug, das es in
Galerien und aufAuktionen zu kaufen
gibt. Ein Heros des Marktes, JeffKoons, hätte dann die Zeichen der Zeit
bereits erkannt. Nicht die Kunst tradiere sich ewig, bekundet er in Interviews,
sondern das menschliche Erbgut. Was
zählt, ist Biologie. Den Rest machen
wir gleich zu Geld. Wer die Kunst als
freie Disziplin für austauschbar erklärt,
arbeitet auf lange Sicht an ihrer Abschaffung."
Metscher nahm diesen erfrischenden
Beitrag zum Anlaß, zur UntersuModerator Hermann Kopp (rechts)
führt durch die Veranstaltung
Foto: © 2012 by Schattenblick
Metscher attestierte der Kuratorin
Scheinrationalität und verwies auf
die eminente Bedeutung des Wissens
für die hochtechnologische Produktionsweise des Kapitalismus. Wissen
erfülle die Aufgabe einer wesentliSeite 10
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Mi. 14. November 2012
Elektronische Zeitung Schattenblick
chung der inneren Widersprüche in
den Institutionen der herrschenden
Klasse zu ermutigen, so daß Linke
sich auf eine Weise positionieren
können, die sich nicht den Maßgaben
und Normen des imperialistischen
Kunstbetriebs unterwirft. Thomas
Richter erinnerte daran, daß die bürgerliche Klasse mit dem Unwohlsein
am Kapitalismus auf eine Weise umgehen müsse, die das Ausbrechen sozialer Unruhen verhindert. Die
antikapitalistisch anmutenden Äußerungen Christov-Bakargievs seien
demagogische Taschenspielertischs,
auf die sie sich allerdings bestens
verstehe.
In einem weiteren Beitrag aus dem
Publikum wurde auf die Praxis der Situationisten verwiesen, die destruiert
hätten, was sie am Kunstbetrieb für
wertlos erachteten, um damit der Auffassung entgegenzutreten, mit den
Mitteln der Kunst keine gesellschaftliche Veränderung vollziehen zu könne. Es gebe eine Vielzahl neuer
ästhetischer Formen, doch sei die
Form-Ausdruck-Sprache letztendlich
durchdekliniert, so daß es sich bei vielen Formen, die technisch möglich
und machbar wurden, eher um illusorische Konstrukte handle. Zwar diene
die Kenntnis dieser Mechanismen
Künstlern dazu, sich dieser Formsprache zu bedienen, um Inhalte zu transportieren, doch versetze sie sie nicht
in die Lage, die generelle gesellschaftliche Begrenztheit der Kunst zu
überschreiten. Um so wichtiger sei es,
sich dieser Einschränkungen kompromißlos klar zu werden. Man laboriere
in der Hoffnung, Bewußtsein durch
ästhetische Interventionen zu verändern, werde aber zurückgeworfen auf
das soziale Netz, in das man eingebunden sei. Daher gelte es, sehr sorgfältig analytischen Kriterien zur
Beurteilung der Kunstproduktion zu
entwickeln, sich einer positiven Bestimmung des Kunstbegriffs zu nähern und produktive positive
Alternativen zu entwickeln.
Thomas Richter schränkte diese Aufforderung dahingehend ein, daß LinMi. 14. November 2012
ke nicht jeden einzelnen Versuch
verstehen müßten, ein Kunstwerk zu
schaffen. Dies sei nicht unbedingt
mit dem üblichen Tempo gesellschaftlicher Produktivität kompatibel. Er rede lieber von Menschen
statt von Künstlern, für die sich die
Frage stelle, wie sie dazu zu gewinnen seien, ihre künstlerischen Fähigkeiten und einen Teil ihrer
Arbeitskraft für den antikapitalistischen Kampf fruchtbar zu machen.
halt und Form erklärte er mit dem
Apriori der formalen Gestaltung. Sie
sei immer das erste in der Kunst,
führte Metscher am Beispiel der
Vorarbeiten zum bildnerischen Antikriegsepos "Guernica" aus. Pablo Picasso habe im langwierigen
Entstehungsprozeß des Gemäldes
Inhalte zum Teil so verändert, daß sie
am Ende auf gegenteilige Weise in
Erscheinung traten. So hatte der Stier
in den Vorstudien des Bildes anfänglich die Rolle des Aggressors inne,
während er schließlich zur unzerstörbaren Kraft des Volkes geworden
wäre. Der Künstler gehe mit Inhalten formal um, um einen bestimmten
Zweck zu erfüllen. Bertolt Brecht sei
ein Meister darin gewesen, mit simplen Mitteln hochkomplexe Inhalte
zu transportieren, so daß umfassende Erfahrungszusammenhänge am
Ende mit großer Einfachheit in Erscheinung traten.
Klaus Stein schilderte an einem Beispiel aus der eigenen politischen Praxis als Kreisvorsitzender der DKP in
Köln den Prozeß der Erarbeitung ästhetischer Kriterien. Er sei mit Thomas Richter insofern einer Meinung,
als daß es nicht nur darum gehe,
Lücken und Widersprüche auszumachen, sondern auch Alternativen zu
organisieren, indem man die Bereitschaft zur kollektiven Bewußtseinsbildung fördert und sich selber
Kontextunabhängigkeit sei ein Kriteästhetisch weiterbildet.
rium qualitativ hochwertiger Werke,
Darauf warf Werner Seppmann die die auch außerhalb des Umfeldes, in
Frage auf, wie man denn mit der ei- dem sie entstanden sind, auf begenen verfahrenen Situation umge- stimmte Weise rezipier- und erfahrbar
he. Er spreche sich durchaus seien. So habe William Shakespeare
selbstkritisch dafür aus, Bestandssi- Stücke geschaffen, die große Zeiträucherung zu leisten und damit auch zu me überbrücken und in andere histopropagieren, was an erwägenswerter rische Situationen übersetzt werden
Kunst heute geschaffen werde. Es könnten. Wenn man versuche, Werke
gebe noch viel mehr Gründe, einen aus anderen Epochen unmittelbar zu
Angriff auf die kulturelle Identität zu verstehen, um dann die Vielfalt ihrer
diagnostizieren, als er bisher genannt Bedeutungen in ihrer historischen
habe, daher sei die Konzentration auf Kontextualisierung zu erschließen,
die Documenta kontraproduktiv. verschaffe dies größte Reichweite an
Dort werde nicht gezeigt, was es historischer Geltung.
weltweit wie in Deutschland an bedeutender Kunst gebe. Es gehe viel Mit der Ankündigung des 4. Kulturmehr darum, so etwas ähnliches zu politischen Forums der DKP am 16.
schaffen wie eine Arche Noah des und 17. November in Hannover [2]
kulturellen Gedächtnisses. Zwar ging eine Veranstaltung zu Ende, die
wurde Noah beim Bau der Arche ihren Sinn und Zweck weniger als
verlacht, doch sollte man sich immer Begleitveranstaltung zur dOCUdaran erinnern, daß seinen Zeitge- MENTA (13) denn als eigenständinossen das Lachen ganz schlecht be- ges Treffen zur gesellschaftskritischen Auseinandersetzung mit Kunst
kommen ist.
und Kultur erfüllte. Die unerläßliche
Anstelle eines Schlußwortes beant- Positionierung Linker zu diesem
wortete Thomas Metscher einige Komplex kapitalistischer VergesellFragen zu den Kriterien der Kunst. schaftung gewinnt an Wirksamkeit
Die dialektische Beziehung von In- und Schlagkraft nicht dadurch, daß
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Das Gespräch geht weiter ...
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auf den bürgerlichen Kulturbetrieb
reagiert, sondern die eigene Schaffenskraft zu einer Waffe der Kritik
und der Parteinahme für die Ausgebeuteten und Unterdrückten entwickelt wird. In diesem Sinne sei das
dem vermeintlich abflauenden Charakter des eigenen Kampfes ohne
Not Raum gebende Motto des DKPForums "Immer noch gegen den
Wind" in das Bemühen darum verkehrt, den Wind wider alle Erwartung und Wahrscheinlichkeit in die
eigenen Segel zu lenken, also das
Unmögliche zu wagen, ohne das kein
künstlerischer Mut bestehen kann.
Kunstproduktion im Widerschein
kapitalistischer Herrschaft
Im Grund genommen kann die Frage des Umgangs mit kulturellen Megaevents unter Menschen, die die
revolutionäre Überwindung herrschender Verhältnisse für unabdinglich halten, da der Kapitalismus
zugunsten einer von humanistischen
und egalitären Idealen bestimmten
Zukunft niemals zu retten war und es
immer offensichtlicher nicht sein
wird, keinen großen Dissens erzeugen. Der bürgerliche Kulturbetrieb
war stets ein Legitimationsvehikel
bourgeoiser Herrschaft, und die Brüche und Risse, die sich in seiner beschwichtigenden und gefälligen
Oberfläche auftaten, wiesen über die
Steigbügelhalterdienste auch fortschrittlich erscheinender Kunstproduktion nur hinaus, wenn diese
Instrumentalisierung radikal aufgedeckt wurde.
Im postfordistischen Kapitalismus
hat sich die sogenannte Kultur- und
Kreativwirtschaft zudem zu einem
veritablen Wirtschafts- und Standortfaktor entwickelt. Die Bruttowertschöpfung von 36 Milliarden Euro
2007 allein in der Bundesrepublik
wird zu einem Gutteil auf dem
Regressive Spirale im Verhältnis
von Kunst und Kapitalismus
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Rücken eines Prekariats aus Kulturschaffenden erwirtschaftet, das die
erhoffte Ungebundenheit und Vielfalt
dieses Bereichs gesellschaftlicher
Produktivität mit harten Zugeständnissen an sein physisches Wohlergehen erkauft. Unterhalb der vom
Marketingjargon professioneller Motivationsingenieure zum Ausbund individueller Freiheit verklärten
Jobkultur einer "digitalen Boheme"
bestimmen materielle Not und permanenter Akquisitionszwang das Leben
vieler Künstlerinnen und Künstler. Ihre Arbeitskraft durch hochgradige
Flexibilisierung und scharfe Konkurrenz zu kostengünstigen Bedingungen
verfügbar zu machen gelingt desto
besser, wenn die Mittel, die für die
Kuratierung einer Ausstellung, das
Stipendium an der Kunsthochschule,
die Produktion eines Theaterstücks
oder den Erwerb bildender Kunst freigesetzt werden, der selektiven Effizienz der dadurch vermittelten
Interessen unterworfen werden.
Der Bedarf an sinnstiftender, die Totalität kapitalistischer Verwertungslogik bunt bemäntelnder Kultur
steigt in dem Maße an, in dem die
Substanz der industriellen Wertschöpfung zerstört wird und immer
größere Brachen des sozialen Elends
und der gesellschaftlichen Ausgrenzung hinterläßt. Wo sich angesichts
des unterstellten Primats der Märkte
zeigt, daß die politischen Funktionseliten als bloße Staffage der Kapitalmacht fungieren und reale
Handlungsspielräume kaum mehr
vorhanden sind, bieten sich Kunst
und Kultur zur Inszenierung sinnstiftender Erlebnisse und Identifikationsangebote in besonderer Weise
an. Insbesondere im Rahmen postmoderner Stadtpolitik schmücken
sich Politiker gerne mit den Spektakeln der Event- und Unterhaltungskultur, der ihrerseits maßgebliche
Bedeutung bei der Aufwertung urbaner Räume zu attraktiven Investitionszielen zukommt.
Wie auch die dOCUMENTA (13)
zeigte, bedienen sich Industrie- und
Mi. 14. November 2012
Elektronische Zeitung Schattenblick
Finanzkapital des Kultursponsorings
zur Pflege des eigenen Markenimages und zur Simulation einer gesellschaftlichen Verantwortung, der sie
im Bereich harter Wirtschaftsfaktoren wie dem Preis der Arbeit und der
Erzwingung einer kapitalfreundlichen Standortpolitik desto weniger
nachkommen müssen. Die Entkoppelung von künstlerischer Kreativität und materiellen Gewaltverhältnissen ist gewissermaßen Programm
einer Kunst- und Kulturförderung,
deren Sachwalter die Dialektik revolutionärer Widerspruchsentwicklung
zur reaktionären Adaption symbolpolitisch inszenierter Sinnaggregate
auf den Kopf stellen.
te. Zäumt man die Frage nach der
notwendigen Kritik eines Kunstevents wie dem der dOCUMENTA
(13) von der Seite ihres Nutzens für
die Schlagkraft des kulturindustriellen Legitimationsapparats auf, dann
kommt man an den den konstitutiven
Bedingungen künstlerischer Arbeit
nicht vorbei. Die der herrschenden
Eigentumsordnung geschuldete Not
individueller Reproduktion setzt
dem Streben nach autonomem
Kunstschaffen eherne Grenzen, die
nicht wahrhaben, eingestehen und
überwinden zu wagen den vermeintlichen Ausweg in Fluchträume eröffnet, wo der bloße Schein freier
Bewegung in der Dauerrotation aufgeregter Betriebsamkeit und dem
zwanghaften Streben nach konsensorientierter Vergewisserung das Vergessen dessen bewirkt, was den
Menschen erst zum Schritt über den
Tellerrand des Naturzwangs veranlaßt hat.
Fußnoten:
[1] http://www.taz.de/!94461/
[2] http://www.dkp-online.de/kulturforum/
[3] BERICHT/009: Gefesselte Kunst
- Im Schatten des Schattenstaates
(SB) http://www.schattenblick.de/infopool/kunst/report/kurb0009.html
[4] BERICHT/024: Gefesselte Kunst
- Über die Kommodifizierung hinausdenken ... (SB) http://www.schattenblick.de/infopool/kunst/report/ku
rb0024.html
KUNST / REPORT
BERICHT/033:
http://www.schattenblick.de/
infopool/kunst/report/
kurb0033.html
Wie hochentwickelt die Strategie ist,
die von Richard Florida als Surrogat
neoliberaler Expansionsstrategien
Kasseler Horizonte
beworbene "kreative Klasse" als
Blick auf den Auepark von oben
Subjekt gesellschaftlicher WiderFoto: © 2012 by Schattenblick
spruchsregulation einzusetzen, zeigt
auch die in den USA geübte Kritik
am destruktiven Einfluß der "NonProfit-Industrie" [3] auf sozial fortschrittliche Initiativen und Bewegungen. Die im Bereich sogenannter
Nichtregierungsorganisationen verbreitete Professionalisierung und
Neutralisierung anfänglich von idealistischen Gründen bewegter Aktivistinnen und Aktivisten findet auch
im Kunst- und Kulturbereich statt.
Staatliche Institutionen, gemeinnützige Organisationen und finanzkräftige Stiftungen alimentieren den
Kulturbetrieb nicht, um die unbestechliche Freiheit der Kunst zu garantieren, sondern nehmen Einfluß
auf die dort verhandelten Inhalte
schon dann, wenn nur die MöglichSchattenblick → INFOPOOL → KUNST → REPORT
keit im Raum steht, die künstlerische
Artikulation streitbarer Anliegen
könnte zum Entzug der finanziellen BERICHT/033: Fluchträume und Grenzen - politisch, aber frei (SB)
BERICHT/031: Fluchträume und Grenzen - zum Beispiel Kunst und Frau (SB)
Bemittelung führen.
So ist die materielle Basis künstlerischer Produktivität auch in den Institutionen der Kulturförderung zu
einem Thema von vordringlicher Bedeutung geworden, wie etwa die
diesjährige Konferenz "radius of art"
der Heinrich-Böll-Stiftung [4] belegMi. 14. November 2012
BERICHT/030: Fluchträume und Grenzen - dOCUMENTA (13) (SB)
BERICHT/028: Fluchträume und Grenzen - Krise als Signatur der Epoche (SB)
BERICHT/027: Fluchträume und Grenzen - dOCUMENTA (13) kritisch reflektiert
INTERVIEW/020: Fluchträume und Grenzen - Streiten, denken, Sprachkultur (SB)
INTERVIEW/019: Fluchträume und Grenzen - Die Frauheit, die ich meine (SB)
INTERVIEW/017: Fluchträume und Grenzen - Seife, Schaum und abgewaschen (SB)
INTERVIEW/016: Fluchträume und Grenzen - Kritik der verlorenen Werte (SB)
INTERVIEW/015: Fluchträume und Grenzen - Westsahara-Kolonialkonflikt auf der
dOCUMENTA (13)
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SPORT / BOXEN / MELDUNG
Prüfstein für Tyson Fury - In Belfast gegen Kevin Johnson
Britischer Schwergewichtler braucht inzwischen namhafte Gegner
Der in 19 Profikämpfen ungeschlagene britische Schwergewichtler Tyson Fury steigt am 1. Dezember in
Belfast mit einem namhaften Gegner
in den Ring. Nach der Absage des
Russen Denis Boitsow von der Hamburger Universum Box-Promotion,
für den dieser Kampf angesichts seines aktuellen Trainingsstands offenbar zu früh gekommen wäre, hat
Promoter Mick Hennessy den USAmerikaner Kevin Johnson verpflichtet, für den 28 Siege, zwei Niederlagen und ein Unentschieden zu
Buche stehen. Das größte Pfund, mit
dem der 33jährige Johnson wuchern
kann, ist sein Gang über volle zwölf
Runden mit WBC-Weltmeister Vitali Klitschko im Dezember 2009. Der
US-Amerikaner begnügte sich damals weitgehend mit der Flucht, so
daß er unmöglich gewinnen konnte,
aber auch nicht entscheidend getroffen wurde und nach einer recht öden
Darbietung klar nach Punkten unterlag.
Diese Strategie sollte der 1,91 m
große Amerikaner mit der bemerkenswerten Reichweite von 2,08 m
gegen Tyson Fury eigentlich nicht
nötig haben, so daß ein attraktiverer
Auftritt als jener mit Klitschko zu erwarten ist. Nach der Niederlage gegen den Ukrainer setzte sich Johnson
mit einem beachtlichen Sieg über
Alex Leapai in Australien erfolgreich in Szene, doch unterlag er im
Finale des Prizefighter-Turniers unerwartet Tor Hamer.
Mick Hennessy stellt Kevin Johnsons Licht nicht unter den Scheffel
und charakterisiert ihn als einen Boxer, der schon alles erlebt habe, einen
erneuten Titelkampf anstrebe und
sich mit einem Sieg gegen Fury als
ernstzunehmender Anwärter empfehlen wolle. Der Amerikaner habe
Seite 14
mehrfach angefragt und das Angebot
sofort angenommen. Seine Erfahrung mache ihn zu einem gefährlichen Gegner, zumal er noch nie
vorzeitig verloren habe. Auch verfüge er über enorme Schlagwirkung,
weshalb Fury auf der Hut sein müsse. Sein Schützling sei jedoch der beste Schwergewichtler der Welt und
werde das erneut unter Beweis stellen, wenn er mit Johnson im Ring
stehe, überzeichnet Hennessy die
Qualitäten Tyson Furys, da lautes
Klappern nun einmal zum Geschäft
eines Promoters gehört.
Fury selbst, der bereits laut darüber
nachgedacht hat, daß man ihm womöglich Fallobst vorsetzen werde,
zeigt sich sehr zufrieden mit der
Wahl dieses Gegners. Johnson sei
genau das, was er in der aktuellen
Phase seines Aufstiegs brauche: "Wir
wollten einen Weltklasse-Fighter,
und jetzt haben wir ihn." Er werde
den Amerikaner auseinandernehmen
und die Welt aufhorchen lassen. Im
Unterschied zu anderen britischen
Schwergewichtlern hole er sich seine Gegner nicht vom Friedhof und
kämpfe nicht gegen Leute, die ihre
beste Zeit schon lange hinter sich haben. Er messe sich mit Kevin Johnson, der im Kampf um die
Weltmeisterschaft mit Vitali Klitschko über zwölf Runden gegangen sei,
was nur wenige von sich sagen können. Indem er Johnson vorführen und
aufdie Bretter schicken werde, rücke
er mit diesem klaren Signal einem
Kampf gegen die Klitschkos näher.
Seinerseits nicht mundfaul, wenn es
der Werbung in eigener Sache dient,
kündigt Johnson ein Duell des besten
amerikanischen gegen den besten
britischen Schwergewichtler an. Er
ziehe den Hut vor Fury, daß dieser
der Gefahr nicht aus dem Weg gehe.
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Er freue sich darauf, im wichtigsten
Kampf seit der Begegnung mit Vitali Klitschko den Zuschauern eine explosive und aufregende Darbietung
garantieren zu können. Tyson sei
zwar ein ausgezeichneter Kämpfer,
doch habe er noch nie einen Boxer
wie ihn aus der Nähe gesehen. Kevin
Johnson sei nicht Dereck Chisora
oder Neven Pajkic, sondern auf der
Mission, den Schwergewichtstitel zu
holen, und Tyson stehe ihm dabei im
Weg. Wie verhängnisvoll das ist,
werde der Brite bald am eigenen
Leib erfahren.
Mariusz Wachs Standfestigkeit
erstaunt Johnathon Banks
Mariusz Wach war weitgehend
chancenlos gegen Wladimir Klitschko und hat den Titelkampf in Hamburg klar nach Punkten verloren,
doch überraschte er durch eine bemerkenswerte Standfestigkeit. Auch
der Interimstrainer des Weltmeisters,
Johnathon Banks, mochte kaum
glauben, daß der Herausforderer
selbst die härtesten Treffer wegstecken konnte und kaum Schlagwirkung erkennen ließ. Wie Banks
berichtet, habe er aus nächster Nähe
gesehen, daß Wladimir seinen Gegner mehrfach voll getroffen habe,
ohne daß der Pole zu Boden gegangen sei.
Zwar habe Wach zuvor angekündigt,
daß er bestens vorbereitet sei und
zwölf Runden mit dem Champion
durchstehen werde, doch habe keiner
damit gerechnet, daß er derart
schwere Treffer überstehen könne.
Sollte Wach weiterhin mit derselben
Zielstrebigkeit kämpfen, werde man
in Zukunft noch viel von ihm hören.
Gefährlich geworden sei er KlitschMi. 14. November 2012
Elektronische Zeitung Schattenblick
ko auch mit seinem einzigen Wirkungstreffer in der fünften Runde
nicht. Der Weltmeister habe den gesamten Kampf unter Kontrolle und
keinerlei Probleme gehabt.
stehen wird, ist vorerst ungewiß. Am thon Banks im Falle eines Erfolgs ein
17. November steigt der US-Ameri- Interessenkonflikt ins Haus.
kaner selbst in den Ring, um einen
SPORT / BOXEN
Ausscheidungskampf des WBC geMELDUNG/941:
gen seinen Landsmann Seth Mitchell
http://www.schattenblick.de/
zu bestreiten. Da dem Sieger ein
Wie lange der 30 Jahre alte Banks Kampf gegen WBC-Weltmeister Viinfopool/sport/boxen/
noch in Wladimir Klitschkos Ecke tali Klitschko winkt, stünde Johnasbxm0941.html
SCHACH UND SPIELE / SCHACH / SCHACH-SPHINX
KINDERBLICK
Am Pranger der Perfektion
SPIELE / WÜRFEL
Wenn eine Partie die Sinne fesselt
und dem sonst stets mürrisch abwägenden Verstand ein Kopfnicken abtrotzt, wenn also kein Makel den
Spiegel der Bewunderung verzerrt,
dann sagt man, die Partie habe den
Charme der Perfektion. Die kritische
Stellung wandert in die Fachbücher
und der siegreiche Spieler wird mit
Lob überhäuft. Allein der arme
Wicht, dessen Konterfei nirgends
auftaucht, der jedoch einen nicht unwesentlichen Part in dieser "Perfektion" gespielt hatte, den übergeht die
Aufmerksamkeit der Menge. Nur die
Kritiker fallen wie bluthungrige
Wölfe über ihn her, bemängeln bald
diesen Zug, empfehlen bald jene
Fortsetzung. Unwillkürlich stutzt
man und beginnt sich ernsthaft zu
fragen, worin denn nun im Kern die
so himmelhoch gehobene Perfektion
besteht. Gute Partien sind bekanntlich das Werk von Künstlern, aber
nur der letzte Pinselstrich verrät, wer
mit seinem Namen signiert hat. Gewiß, der Einfall der Kombination
entspringt nur einem Kopf. Was aber,
wenn der andere, der wie ein Missetäter an den Pranger gestellt wird,
sich schlecht verteidigt hätte? Wäre
der Sieger auch dann noch wie ein
Genie von allen Seiten verehrt worden? Auch das Perfekte kommt ohne
Schatten nicht aus. Im heutigen Rätsel fand Meister Reinhardt mit den
schwarzen Steinen eine grandiose
Siegeskombination, hervorgerufen
allerdings durch den makabren Witz
eines positionswidrigen Zuges von
Meister Mues, der zuletzt 1.a2-a3
gespielt hatte. Wir wollen beides genießen, Wanderer, Lust und Wehe im
unzerreißbaren Band.
Fünf für den Papst
und Zwei für den Nachbarn
1 Würfel,
3 Streichhölzer pro Mitspieler
Mues - Reinhardt
Fernpartie 1934
Auflösung letztes Sphinx­Rätsel:
Meister Lundin bestach als Rosenkavalier und nicht minder verführerisch war sein Lächeln in dieser
Partie. Sein Kontrahent Euwe war
jedenfalls nach 1...Sc6-e5! ganz verzaubert, denn nun verbot sich
2.Sf3xe5 wegen 2...Tf7xf2!, so daß
die Dame einen weiteren Zug verschenken mußte. Nach 2.Dd3-c2
kam es dann zum großen Finale:
2...Tf7xf3! 3.Le2xf3 Se5xf3+
4.g2xf3 Df8xf3 5.Sc3-d5 Df3-g4+
6.Kg1-h1 e6xd5 7.f2-f3 d5xc4 und
Weiß gab auf.
SCHACH UND SPIELE / SCHACH / SCHACH­SPHINX/04562:
http://www.schattenblick.de/infopool/ schach/schach/sph04562.html
Mi. 14. November 2012
PAPST UND NACHBAR
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Jeder Mitspieler erhält drei
Streichhölzer, die er möglichst
schnell wieder loswerden will.
Gewürfelt wird reihum. Bei einer
2 erhält der linke Nachbar ein
Streichholz, bei einer 5 erhält der
"Papst" - die Tischmitte - ein
Streichholz. Alle Spieler bleiben
bis zum Schluß im Spiel, auch
wenn sie keine Streichhölzer
mehr besitzen. Es könnte ja sein,
daß die Spieler von ihrem Nachbarn wieder ein Hölzchen erhalten. Wer als letzter noch ein
Streichholz hat, hat verloren.
KINDERBLICK / SPIELE
WÜRFEL/076:
http://www.schattenblick.de/infopool/
kind/spiele/kswu0076.html
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Elektronische Zeitung Schattenblick
______I n h a l t_________________________________Ausgabe 551 / Mittwoch, den 14. November 2012______
UMWELT - TICKER
UMWELT - TICKER
UMWELT - TICKER
UMWELT - MEINUNGEN
KALENDERBLATT
POLITIK - REDAKTION
KUNST - REPORT
SPORT - BOXEN
SCHACH-SPHINX
KINDERBLICK - SPIELE
DIENSTE - WETTER
Hambacher Forst - Die Maske fällt
Hambacher Forst - Um jeden Zentimeter ...
Hambacher Forst - Wipfel- und Tunnelfronten
Waldgrenze, Ödfraß und Profit ...
Kurzweiliges für den 14.11.2012 - Liegen
Die USA zwingen Syriens Opposition zur Neugründung
Fluchträume und Grenzen - politisch, aber frei
Prüfstein für Tyson Fury - In Belfast gegen Kevin Johnson
Am Pranger der Perfektion
Fünf für den Papst und Zwei für den Nachbarn
Aussichten ... Und morgen, den 14. November 2012
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DIENSTE / WETTER / AUSSICHTEN
Und morgen, den 14. November 2012
+++ Vorhersage für den 14.11.2012 bis zum 15.11.2012 +++
An der Böschung suchen,
traumverloren in den Tag,
über Schimmel fluchen,
ist, was Jean-Luc gerne mag.
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Seite 16
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Mi. 14. November 2012
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Seele and Geist
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