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High Noon (SB-Versicherung) - D&O - Rechner

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Wann überhaupt greift der SB-Abzug?
Spätestens ab 01.07.2010 greifen die Vorgaben des VorstAG (Gesetz zur Angemessenheit der
Vorstandsvergütung) zum Pflicht-Selbstbehalt in der D&O-Versicherung auch für Altverträge. Das
heißt, dass Unternehmen verpflichtet sind, in ihren D&O-Verträgen Selbstbehalte zu integrieren.
Die Konsequenz: Manager müssen ihr Zusatzrisiko umgehend selbst absichern, wenn sie keine
Deckungslücke in Kauf nehmen wollen. Die Komplexität der Thematik sowie die Fülle der
angebotenen Modelle machen es Kunden und Vermittlern nicht leicht, sich für ein passendes
Konzept zu entscheiden.
Von Martin Schiel, Leitender Handlungsbevollmächtigter
und Produktmanager D&O der R+V Allgemeine Versicherung AG
April 2010
Vorgabe – zwischen Unternehmen und Manager vereinbart worden sein, etwa im Anstellungsvertrag. Im
D&O-Vertrag sollte deshalb besser vom Abzug des
„gesetzlichen oder individual-vertraglich vereinbarten
Selbstbehalts“ die Rede sein. Dann wären nämlich
auch Selbstbehalte versicherbar, die ein Unternehmen
unabhängig von § 93 AktG mit dem Versicherer frei
vereinbart hat.
Ein Manager, der seinen Selbstbehalt (SB) privat
absichern möchte, wünscht sich eine risikoadäquate
und transparente Lösung. Ihm und seinem Vermittler
bietet sich ein breites Spektrum an Konzepten: die klassische Haftpflichtdeckung (mit/ohne Abwehrschutz);
die Regressdeckung, bei der der Versicherer erst nach
Vorleistung eines anderen zahlt (mit/ohne Unterwerfungsklausel); das Anrechnungsmodell, bei dem für die
Abdeckung des unternehmerischen Risikos und den
Selbstbehalt ein gemeinsamer „Topf“ zur Verfügung
steht, oder eine Selbstbehaltsversicherung mit eigener
Versicherungssumme. Einige Versicherer bieten die
Selbstbehaltsversicherung als so genannte Stand-aloneLösung, also unabhängig von einem D&O-Vertrag an,
andere nur in Verbindung mit der D&O-Police. Da die
Prämien je nach Modell im Einzelfall bis zu 40.000 Euro
im Jahr betragen, lohnt sich eine genaue Prüfung.
Zu kurz gesprungen?
Auf wen ist die neue Regelung in § 93 Abs. 2 Satz 3
AktG zum Pflicht-Selbstbehalt anzuwenden? Neben
Vorständen sind dies Aufsichtsräte und GmbHGeschäftsführer. Betroffen sind Manager in Aktiengesellschaften, aber auch in anderen Unternehmen wie
der KGaA, der VVaG, der europäischen SE und sogar
der GmbH, sofern der Bund an ihr beteiligt ist. Das
ergibt sich teils aus anderen Gesetzen, die auf die neue
Regelung im Aktiengesetz Bezug nehmen, teils aber
auch aus den Kodizes zu guter und verantwortungsvoller Unternehmensführung DCGK (Deutscher Corporate Governance Kodex) und PCGK (Public Corporate Governance Kodex). Dem sollten die Versicherungsbedingungen Rechnung tragen.
Nahezu alle Konzepte greifen den Gesetzeswortlaut
auf und begrenzen die Höhe der Entschädigung auf
das gesetzliche Mindesterfordernis: 10% des Schadens,
maximal das 1,5-fache Jahresfestgehalt. Der SB kann
indes auch höher oder – unabhängig von der gesetzlichen
Keinesfalls darf der SB stets von der Ersatzleistung des
D&O-Versicherers abgezogen werden. Das hängt von
verschiedenen Faktoren ab. Grundsätzlich bezieht sich
der SB immer auf den verursachten, nicht auf den versicherten Schaden. Entsprechend will auch das VorstAG
„nur“ eine private Beteiligung an dem verursachten
Schaden sicherstellen. Ist der Schaden höher als
Versicherungssumme und SB zusammen, leistet der
D&O-Versicherer in voller Höhe. Ist dagegen der
Schaden geringer als die Versicherungssumme und der
D&O-Versicherer leistet nicht vor, wird der SB von der
Ersatzleistung abgezogen. Die Höhe von Versicherungssumme und Schaden und die Wahl des Modells zur SBAbsicherung haben also maßgeblichen Einfluss auf die
Schadensregulierung über den D&O-Vertrag. Heute
herrscht Einigkeit, dass der Selbstbehalt sich nicht auf
die Abwehrkosten bezieht – das war in der D&OVersicherung schon vor dem VorstAG üblich. Der SBVertrag muss daher hierfür auch keinen Schutz bieten.
Vorleistung – Anrechnung und Regress
Ziel des Manager-Selbstbehalts war es nicht, den Unternehmen ein womöglich unkalkulierbares Ausfallrisiko
für den Fall aufzubürden, dass die Manager für ihren SB
nicht selbst aufkommen. Das lässt sich freilich vermeiden, wenn der D&O-Versicherer für den SB in
Vorleistung tritt und diesen entweder auf die
D&O-Summe anrechnet (Anrechnungsmodell) oder
aber anschließend zurückfordert. Er nimmt hierfür entweder den SB-Versicherer in Regress oder den Manager
persönlich, wenn dieser seinen SB nicht abgesichert hat.
Damit wird das Ausfallrisiko für das geschädigte Unternehmen vermieden oder zumindest minimiert.
Versicherungssumme
Durch die Einführung des Pflicht-Selbstbehalts hat
sich das Versicherungsbedürfnis der Manager
erhöht. Der Versicherungsbedarf des Unternehmens
hat sich nicht geändert. Hauptsache ist nach wie vor,
dass das unternehmerische Risiko ausreichend
abgesichert ist. Diesem Gesichtspunkt trägt das
Anrechnungsmodell Rechnung. Ein Blick in den
Versicherungsschein des D&O-Vertrages zeigt,
welche Kapazitäten im Schadensfall zur Verfügung
stehen. Kompliziert wird dies, wenn mehrere betroffene Manager ihren Selbstbehalt isoliert abgesichert
haben – bei unterschiedlichen Versicherern, über
verschiedene Vermittler und mit jeweils anderen
Summen und Bedingungen.
Wichtig: Da auch die fixen Vergütungsbestandteile Veränderungen unterliegen, ist es schwierig konkrete
Versicherungssummen zu definieren, will man spätere
Deckungslücken vermeiden. Das gilt besonders, wenn
Selbstbehalte mehrerer Jahre kumuliert werden, der SBVertrag aber nicht auf dem Verstoß-Prinzip basiert.
Assekuranz
High Noon in der D&O-Versicherung:
Pflicht-Selbstbehalt versichern – Aber wie?
Verstoßjahr versus „claims made“
Der SB bezieht sich auf den verursachten Schaden und
die Höhe der Vergütung im Verstoßjahr, also nicht auf
den Zeitpunkt der Inanspruchnahme. Wird der SBVertrag jedoch davon abweichend (analog der
D&O-Versicherung) als „claims made“-Deckung ausgestaltet, ist nicht das Jahr des Verstoßes entscheidend,
sondern das der Inanspruchnahme. Wegen der möglichen Kumulation von Selbstbehalten aus verschiedenen
Verstoßjahren oder Veränderungen in der Vergütung
steigen die Herausforderungen für Versicherer und Vermittler. Hier gilt es, Verwerfungen durch unterschiedliche Versicherungsperioden, Serienschadenklauseln und
Nachmeldefristen zu vermeiden. Was tun, wenn z. B.
der ausgeschiedene Vorstand über den D&O-Vertrag
(noch) versichert ist, der SB-Vertrag aber bereits geendet
und dessen Nachmeldefrist abgelaufen ist?
Prämien
Die große Spanne bei den Beitragssätzen der SBVersicherungen ergibt sich aus den jeweiligen Konzepten.
Wo beispielsweise keine zusätzlichen Kapazitäten,
sprich Versicherungssumme, zur Verfügung stehen, da
die SB-Versicherung auf den D&O-Vertrag angerechnet
wird, ist ein SB-Vertrag naturgemäß deutlich günstiger
als mit eigener Versicherungssumme. In allen anderen
Fällen gilt es, ein angemessenes Verhältnis zwischen
D&O-Prämie und (kumulierten) SB-Prämien zu finden.
Weitere Fallstricke
Der Teufel steckt im Detail. Abschließend daher noch
einige Aspekte, die der Vermittler beachten sollte:
■ Bietet die SB-Deckung Abwehrschutz, kann es zu
Divergenzen zwischen D&O- und SB-Versicherer
kommen: Der eine reguliert bereits, während der
andere noch den Anspruch abwehrt.
■ Konditionendifferenzdeckungen (d. h. je nachdem,
welche Konditionen den Kunden besser stellen,
gelten die Bedingungen des D&O- oder des SBVertrages) können dort eine Hilfe sein, wo nicht
mehrere Versicherer involviert sind. Andernfalls sind
die unterschiedlichen und sich teilweise widersprechenden Bedingungen für die Beteiligten kaum
noch zu handeln.
■ Ungemach droht auch, wenn sich der SB-Versicherer
nicht vollständig der Entscheidung des D&OVersicherers unterwirft, will man vermeiden, dass der
eine zahlt, der andere aber nicht.
W
April 2010
Assekuranz
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