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Kurze Selbstdarstellung des Theaters: Wie der Name

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Kurze Selbstdarstellung des Theaters:
Wie der Name theaterperipherie es nahe legt, steht im Zentrum unserer
Theaterarbeit die Peripherie. Ziel ist es in der künstlerischen Auseinandersetzung die
gesellschaftlichen ‚Ränder’ in den Mittelpunkt der (öffentlichen) Aufmerksamkeit zu
rücken. Dabei verfolgen wir dieses Ziel zum einen auf der Ebene der Inhalte der
Theaterarbeit, was die Stoffauswahl und die Interpretationsansätze betrifft, und zum
anderen auf der Ebene der Zusammensetzung unserer Ensembles.
theaterperipherie beschäftigte sich - seit seiner Gründung durch Alexander Brill in
2008 - in den Stücken und Theaterprojekten auf ganz unterschiedliche Art und Weise
mit Migration und Integration1 und wurde dafür mehrfach ausgezeichnet.2
Mit einem neuen Konzept im Sommer 2011 beschlossen wir jedoch unseren
Blickwinkel zu verändern und stellen unsere Arbeit seitdem unter das Motto:
Teilhabe!3 Streitpunkte, wie die wachsende Schere von Arm und Reich, soziale
Ausgrenzung, der Wunsch nach Partizipation, sind Inhalte, die unsere Produktionen
in der Spielzeit 11/12 prägten.4
1. Premiere Jan. 2008: Ehrensache von Lutz Hübner, Regie: Alexander Brill
2. Premiere Okt. 2008: leyla&medschnun, Regie: Alexander Brill
3. Premiere Sep 2009: Blutsbande, Regie: Alexander Brill
4. Premiere Sep 2010: Maria Magdalena von Hebbel, Regie: Alexander Brill
5. Premiere Okt 2010: Warten auf Godot von Beckett, Regie: Peter Eckert
6. Premiere Okt 2010: Die im Dunkeln – Ein Projekt über Menschen ohne Papiere,
Regie: Ute Bansemir
7. Premiere Mai 2010: Die Gerechten von Camus, Regie: Ute Bansemir
8. Premiere Mai 2010: Die Stunde der Wahrheit von und mit Hadi Khanjanpour
1
2 u.a. mit dem Hessischen und dem Frankfurter Integrationspreis; die komplette Auflistung der Preise
finden Sie weiter unten in diesem Schreiben
3
Verändertes Konzept: siehe als Anlage zu diesem Schreiben
9. Premiere Okt 2011: Woyzeck und Marie von Georg Büchner
10. Premiere: Friede den Hütten! Krieg den Palästen!, einem Projekt aus „Der Hessische Landbote“
und „Dantons“ Tod von Georg Büchner
4
In der aktuellen Spielzeit arbeiteten wir an diesen Gedanken weiter und veränderten
vor allem auch ästhetisch unsere Erzählweisen.
6 Stücke stehen in der Spielzeit 2012/2013 auf dem Spielplan:
Premieren in der Spielzeit 2012/2013
•
Frühlings Erwachen nach Frank Wedekind, Regie: Ute Bansemir
Premiere 1.9.20125
• radikalextrem² von Alexander Brill
Premiere 24.11.2012
Wiederaufnahmen in der Spielzeit 2012/2013
•
Ehrensache von Lutz Hübner
Premiere 26.1.2008
• Die im Dunkeln von Ute Bansemir
Premiere 24.10.2010
• Die Stunde der Wahrheit von und mit Hadi Khanjanpour
Premiere 6.5.2011
• Woyzeck und Marie von Georg Büchner
Premiere 24.10.2011
Ensemble:
57 DarstellerInnen haben seit unserem Beginn am 26.1.2008 unser Theater geprägt.
Sie haben ihre Wurzeln in Äthiopien, Afghanistan, Angola, Argentinien, Brasilien,
Bulgarien, Deutschland, Eritrea, Griechenland, Irak, Iran, Italien, Kenia, Kirgisien,
Libanon, Litauen, Marokko, Moldawien, Spanien, Pakistan, Polen, Türkei, Serbien,
Ukraine, USA.
Zuschauer:
Aber auch auf einer ganz anderen Ebene ist der Name theaterperipherie Programm:
die ZuschauerInnen unterscheiden sich stark von denen eines Stadttheaters. So hat
fast die Hälfte unserer ZuschauerInnen einen sogenannten Migrationshintergrund
und über die Hälfte sind Jugendliche bzw. junge Erwachsene. Wir kooperieren u.a.
mit dem Verein Kultur für Alle e.V., der sich dafür einsetzt, dass Menschen ohne
5
In einer beiliegenden Anlage finden Sie Pressestimmen zur der ersten Premiere der aktuellen Spielzeit von
theaterperipherie. Pressestimmen und weitere Materialien zu den anderen Stücken finden Sie unter:
www.theaterperipherie.de
hohes Einkommen der Zugang zu Kultur nicht aus finanziellen Gründen verwehrt
bleibt.
Gastspiele:
Wir haben jede Spielzeit sehr viele Gastspiele, beispielsweise am Badischen
Staatstheater Karlsruhe, am Theater Duisburg, am Theater Leverkusen, etc. Immer
wieder spielen wir unsere Inszenierungen jedoch auch in Kontexten, die zunächst
nicht ‚kunsteigen’ sind: Beispielsweise zeigten wir das Theaterprojekt Die im Dunkeln
auf einer Demonstration gegen Abschiebungen am Frankfurter Flughafen und im
Rahmen der Innenministerkonferenz im Dezember 2011, so dass diese Produktion
inzwischen über 30x (davon über die Hälfte als Gastspiel) gezeigt wurde. Mit unserer
ersten Inszenierung Ehrensache unternahmen wir in 2012 eine große Gastspieltour
durch NRW und zeigten sie im Oktober 2012 das letzte Mal, so dass das Stück auf
Grund der großen Nachfrage 5 Jahre lang auf unserem Spielplan stand.
Auszeichnungen:
2009
„Nachwuchspreis für die beste darstellerische Leistung“ bei den Hessischen
Theatertagen
2010
„Günther Rühle Preis“ bei der Woche junger Schauspieler in Bensheim
Hessischer Integrationspreis
Integrationspreis der Stadt Frankfurt
2011
Ausgewählter Ort 2011 der Initiative „Deutschland - Land der Ideen“ in Kooperation
mit der Deutschen Bank
2012
theaterperipherie erhielt am 13. März 2012 für die Inszenierung "Ehrensache" im
Rahmen der Verleihung des Karfunkelpreises 2012 einen Sonderpreis von der Stadt
Frankfurt.
2013
Das Stück „Die Stunde der Wahrheit“ wurde zu der Woche junger Schauspieler 2013
nach Bensheim eingeladen.
theaterperipherie wurde seit seiner Gründung unterstützt von:
Amt für multikulturelle Angelegenheiten - Frankfurt, Crespo Foundation, Dezernat
für Soziales, Senioren, Jugend und Recht - Frankfurt, FES, Fonds darstellende
Künste - Berlin, Fraport, Frauenreferat - Frankfurt, Hessisches Ministerium für
Wissenschaft und Kunst, Kulturdezernat - Frankfurt, Mainova AG, Metzler Stiftung,
Polytechnische Gesellschaft, Schauspiel Frankfurt, Sebastian Cobler – Stiftung,
Stadtschulamt Frankfurt, Stiftung Citoyen
theaterperipherie kooperiert mit Schauspiel Frankfurt
Leitung theaterperipherie:
Seit Oktober 2011 wird theaterperipherie von Alexander Brill in Gemeinschaft mit
Ute Bansemir geleitet.
Kontakt:
Ute Bansemir
Bleichstr. 42
63065 Offenbach
0163/8755475
ute.bansemir@theaterperipherie.de
Alexander Brill
Bärenstr. 12
60316 Frankfurt
0179/2414651
info@theaterperipherie.de
KONZEPT von theaterperipherie, Frankfurt, Juli 2011
Im Mittelpunkt der Arbeit von theaterperipherie standen in den letzten Jahren die Themen
Integration und Lebenswelten von Migranten. Als zentrales Motiv tauchte in allen
Inszenierungen immer wieder die Gewalt auf - strukturell und real physisch. Wir haben die
Ursachen dafür nicht im Islam oder der Kultur gesucht und gefunden, sondern dort, wo das
Patriarchat sich weiterhin ungebrochenen in Köpfen und Fäusten auslebt. Diese
Auseinandersetzung war wichtig und gut. Denn sie hat den jungen DarstellerInnen und
unserem migrantischen Publikum die Möglichkeit gegeben, sich selbst, ihr Handeln und ihre
Einstellungen spielerisch zu untersuchen und neue Haltungen und Strategien zu entdecken.
Wir werden diese konzeptionelle Linie ab 2011/2012 verlassen, das hat mehrere Gründe.
In Europa ist das Andere, das man braucht, um sich selbst zu definieren, beinahe
ausschließlich der Islam geworden. Politiker und Medien sind dabei, Deutschland in ein WIR
und die MUSLIME zu zerlegen. Diese Spaltung führt in eine Sackgasse. Sie beruft sich auf
einen überholten National- und Kulturbegriff, der von einer homogenen deutschen
Gesellschaft ausgeht. Diese Deutung ist genauso überholt, wie die einer homogenen
migrantischen Zuwanderungsgesellschaft. Diese Gegenüberstellung hat aber immer den
deutschen Geigerzähler im Gepäck, der in DEN MUSLIMEN das NOCH NICHT oder SCHON
aufspüren soll, und lässt gleichzeitig die Frage unbeantwortet, was der Indikator für NOCH
NICHT oder SCHON ist. Gleichzeitig repetiert sie unverdrossen dieselben defizitären
Schubladen, in denen Migranten seit Jahrzehnten stecken, und will nicht zur Kenntnis
nehmen, dass die meisten der real vorhandenen Probleme nicht Ausdruck von Herkunft,
Kultur oder Religion sind, sondern von Schichten und Milieus, zu denen „Deutsche“ und
„Ausländer“ gleichermaßen gehören.
Wir sehen - auch nach dem von Sarazzin angestoßenen geistigen Offenbarungseid in
Deutschland - keinen Sinn mehr darin, migrantisches Leben zu problematisieren. Denn allzu
schnell spiegeln und reproduzieren selbst die bestgemeinten Stücke und Projekte über und
mit jungen MigrantInnen nur eine defizitäre Sicht, Vorurteile und bestehende Klischees.
Diese Bedenken haben wir in den zahlreichen Publikumsgesprächen gerade von jungen
Muslimen immer wieder gehört. Sie bestätigten zwar, dass es Gewalt und die sie
rechtfertigenden Strukturen gibt, aber gleichzeitig fühlten sie sich stigmatisiert und von
Neuem ausgegrenzt durch ein Theater, das eigentlich ihr Forum sein möchte. Sie sahen sich
wieder mal als die Anderen, die Fremden.
Der Begriff der INTEGRATION wird in Zukunft in unseren Überlegungen keine Rolle mehr
spielen. Wir werden unsere Aufmerksamkeit stattdessen auf TEILHABE richten. Wer an
ökonomischen und gesellschaftlichen Prozessen unserer Gesellschaft teilhat, wird sich mit
ihr identifizieren, sich in ihr beheimatet fühlen und sie produktiv gestalten wollen. Wer ohne
Teilhabe ist, wird sich nicht gewollt, nicht gebraucht und ausgeschlossen fühlen. Das gilt für
alle BürgerInnen unseres Landes, egal ob sie der deutschen Aufnahmegesellschaft angehören,
oder aus anderen Ländern gekommen sind. Das bedeutet, dass wir uns den sozialen Fragen
unserer Gesellschaft zuwenden, nicht mehr den kulturellen oder ethnischen.
Unsere Aufführungen sind keine bürgerlichen Kunstübungen und Repetitionen von
Deutungen, sondern theatrale Bekundungen des Lebens, Denkens und Fühlens junger
Menschen auf hohem ästhetischem Niveau. Unsere Erfolge beruhen, wie immer wieder
betont wird, auf dem Konzept des Theaters und seiner authentischen Umsetzung auf der
Bühne. Dabei verstehen wir unter Authentizität nicht den platten Transfer von der Straße auf
die Bühne: den Rapper, den Break Dancer, den Sozialbericht aus dem Kiez. Diese
Authentizität finden wir voyeuristisch, und sie ist mittlerweile zum Klischee verkommen. Wir
möchten mit unseren Darstellern Theaterstücke, Stoffe der Literatur oder eigene Projekten
erarbeiten, die bei Produzenten und Rezipienten Phantasie, Leidenschaft, Wagnis, Empathie
und Erkennen freisetzen.
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Seele and Geist
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