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Ludesch Räbaschwänz Wie die Bewohner von Übersaxen und die

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Ludesch
Räbaschwänz
Wie die Bewohner von Übersaxen und die von Lech wurden und werden auch die
Ludescher »Räbaschwänz« genannt. Die örtliche Fasnatzunft brauchte also wohl nicht
lange zu überlegen, mit welchem Ruf sie in den närrischen Tagen auf sich aufmerksam
machen wollte, mit »Jöri, Jöri, Räbaschwänz!« natürlich.
Die Nachbarn mochten dabei wahrscheinlich an eher kümmerlich geratene RübenExemplare denken, doch die Ludescher nahmen es wohl seit jeher gelassen, wussten
sie doch gut genug, dass sich neben Kartoffeln, Kraut, Kohl, Bohnen, Erbsen, Rettich,
Zwiebel, Spinat usw. auch ihre »Räba«, ob weiße oder rote, sehen lassen konnten. Wie
auch sonst wäre ihr Gebiet zum ehrenvollen Beinamen »Salatschüssel Vorarlbergs«
gekommen? Schon ab den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts gingen mindestens
sieben Ludescher Bauern regelmäßig auf den Bludenzer Wochenmarkt, um ihre
gefragten landwirtschaftlichen Erzeugnisse an den Mann bzw. an die Frau zu bringen.
Schon frühmorgens fuhren sie dabei mit schwer beladenen Handkarren oder
Pferdefuhrwerken los. Auch Feldkirch wurde versorgt, und da hieß es dann die
mehrstündige Fahrt bereits um halb drei Uhr früh antreten.
Eine nahe liegende Möglichkeit der Namenserklärung wäre natürlich die Tatsache, dass
etliche Ludescher mit ihrer Ware auch hausieren gingen. Wer von Haus zu Haus zog,
hatte in vielen Fällen mit Spott zu rechnen, gelegentlich sogar auch von denen, die das
Angebot der »Fahrenden« gern in Anspruch nahmen. Bei diesen Verkaufstouren
wurden beachtliche Wegstrecken zurückgelegt. Dass sich als Absatzgebiet besonders
das Große Walsertal anbot, ist verständlich, liegt es ja in unmittelbarer Nähe, doch auch
im weiter entfernten Klostertal wurde bis nach Stuben hinauf Gemüse verkauft, und
sogar das Montafon bekam regelmäßig bis nach Partenen Nachschub aus der
offensichtlich stets vollen »Salatschüssel«. Dafür strengte man sich hier in Ludesch
aber auch entsprechend an: Da wurden so genannte »Anzuchthäuser« (kleine
Glashäuser) errichtet, da wurde eine Bewässerungsanlage gebaut, da nahm man die
erste mechanische Topfmaschine und ebenso die erste Bodenfräse in Betrieb usw.
Nichts also von »Räbaschwänzler«! Auch dann nicht, wenn der Name möglicherweise
davon herrührt, dass die Ludescher Gemüse-Pioniere in früherer Zeit Zuckerrüben
angebaut und diese bekanntermaßen besonders langschwänzige Rübensorte an eine
Zuckerfabrik in Innerösterreich verkauft haben.
Es wäre auch in diesem Falle um eine Arbeit gegangen, die sich lohnte. So hat es auch
die Ludescherin Anneliese Zerlauth gesehen, wenn sie über »d’ Gartaarbat« schreibt:
A Zit volla Fröd, a Zit volla Hoffa, a Zit volla Planga ...
Wenn des alls klappat ohni Riefa, ohni Usschüßa,
ohni Verfuhla, ohni Verhagla - denn homer a guats Johr kho!
Dann konnte auch das eintreten, was der bekannte »Seeger an der Lutz« in einem
seiner »Gsätzle« schreibt:
Secha wie, Trinele, mach en Salot,
aß em vor Liebe der Hunger vergot.
Gabriel Ludwig Seeger ist zwar 1831 in Thüringen geboren, doch seine Vorfahren
stammten aus Ludesch. Hier verlebte er seine Kindheit, besuchte die Schule, und hier
eröffnete er auch seine erste Arztpraxis, bevor er schließlich nach Wien ging und dort
mit seinen »Gsätzle und Gsängle« zu einem der besten Dialektdichter Vorarlbergs
wurde, von dem auch »Uf da Bärga ischt mi Läba«, die heimliche Hymne unseres
Landes, stammt.
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