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Medizingeräte wie neu - Siemens

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ELEMENTE DES LEBENS
■ Abwasserreinigung
Wasser gebraucht wird, etwa in der Landwirtschaft oder bei Golfplätzen“, sagt Jordan. Die
Anlagen sind an einen Abwasserkanal angeschlossen und bestehen nur aus Belebungsbecken, Membran-Tank und einer Desinfektionsvorrichtung. Die abgeschiedenen Feststoffe kommen in den Kanal und werden zur
zentralen Kläranlage gespült. Die Anlagen laufen weitgehend automatisch, sie müssen nur
ein- bis zweimal pro Woche überprüft werden.
Da sie keine unangenehmen Gerüche abson-
schungsprojekts Mewaprev (Metal Waste Prevention) eine Lösung entwickelt. Beim Galvanisieren wird eine dünne Metallschicht auf Metall- oder Kunststoffoberflächen aufgebracht,
um Fahrzeugteile, Handyschalen, Bad-Armaturen oder Schmuck zu veredeln. „Im Abwasser
der Betriebe sind vor allem Kupfer-, Nickelund Chromsalze enthalten, aber auch Edelmetalle“, berichtet Walachowicz. Die Metallkonzentration im Abwasser erreicht teilweise
die von Erzlagerstätten; Recycling lohnte sich
variiert. Die Flüssigkeit lässt nur die Metallionen durch die Poren nach innen wandern,
Wasser bleibt dagegen draußen. So erhöht
sich sukzessive die Metallkonzentration in der
Strip-Flüssigkeit. „Obwohl sie zum Schluss um
den Faktor tausend höher ist als die des Abwassers, bleiben die Metalle wegen des niedrigen pH-Wertes in der Lösung“, erklärt
Walachowicz. Sie können anschließend erneut zum Galvanisieren eingesetzt werden.
In Berlin steht eine Pilotanlage, die 50 Liter Abwasser pro Stunde reinigen kann – was
für Galvanikbetriebe zu wenig ist. „Aber technisch ist es kein Problem, die Anlage zu ver-
ELEMENTE DES LEBENS
■ Ressourcenschonung
Intelligente Wiederverwendung: Ingenieure von Siemens
Medical Solutions bringen
gebrauchte Computertomographen auf den neuesten
Stand und vermarkten sie mit
Qualitätssiegel neu.
Der Trend geht zu kleinen, dezentralisierten
Kläranlagen, die dort aufgestellt werden,
wo sauberes Wasser gebraucht wird.
gereinigtes Wasser
Medizingeräte
wie neu
Luft
Abwasser
Fänger für Schadstoffe: Der MemJetProzess von Siemens verhindert, dass
die Filter bei der Reinigung des Abwassers verstopfen (Schema links).
Die Mewaprev-Anlage (rechts) kann
Abwässer aus Galvanikbetrieben von
Metall-Ionen befreien. Mit Hilfe eines
Analysechips (Mitte) soll das Verfahren
künftig vollautomatisch ablaufen.
dern, kann man sie sogar in dicht besiedelten
Gebieten aufstellen, wie Jordan berichtet. Auch
ästhetisch stören die kleinen Tanks kaum: Meist
sind sie gar nicht als Kläranlage zu erkennen.
Membranen eignen sich auch zur Reinigung von Industrieabwässern, die häufig
Stoffe enthalten, mit denen eine gewöhnliche
Kläranlage nicht fertig wird, etwa Mineralöle,
Salze oder Schwermetalle. Solche Abwässer
werden daher oft in einer betriebseigenen
Anlage vorgeklärt. Speziell für Galvanikbetriebe hat ein Team um Frank Walachowicz
von Siemens Corporate Technology (CT) in
Berlin im Rahmen des EU-geförderten For-
aber bislang nicht. „Der Aufwand für die Rückgewinnung war einfach zu hoch“, sagt Walachowicz. Deshalb landeten die wertvollen
Galvanikschlämme meist beim Sondermüll.
Edelmetall aus Abwasser. Mit dem SiemensVerfahren lassen sich nun die Metallionen
kostengünstig extrahieren. Kernstück ist ein
Hohlfasermodul. Außen an den Fasern fließt
der Abwasserstrom, im Inneren eine „Strip“Flüssigkeit – im wesentlichen Schwefelsäure.
In den Wänden der Fasern sind Poren, die mit
einer kerosinähnlichen Flüssigkeit gefüllt
sind, deren Zusammensetzung je nach Metall
größern“, sagt Walachowicz. Die Kosten belaufen sich bei der Pilotanlage auf etwa 80 Euro
pro Kubikmeter Abwasser. Die bisherige, wenig umweltfreundliche Abwasserbehandlung
kostet Galvanikbetriebe dagegen etwa 100
Euro pro Kubikmeter – plus den Kosten für die
Entsorgung des Galvanikschlamms.
Zurzeit arbeiten die Siemens-Forscher an
einer vollautomatischen Steuerung für die
Anlage – mit einem speziellen Analysechip
für Echtzeitmessungen, den ein CT-Team um
Dr. Frank Arndt entwickelt hat. Im Chip sind
mikroskopisch kleine Kanäle integriert. Der
Metallgehalt in winzigen Abwassertröpfchen
kann direkt auf dem Chip über die elektrische
Leitfähigkeit bestimmt werden. „Die Dosierung sowie die Trennung der verschiedenen Metallionen und der Nachweis – alles
läuft elektrisch auf dem Chip ab, ohne Pumpen oder andere mechanische Hilfsmittel“,
berichtet Arndt. Noch in diesem Jahr wollen
Arndt und Walachowicz den Chip in die Pilotanlage integrieren.
■ Ute Kehse
Siemens berücksichtigt bereits
bei der Produktplanung, wie
Maschinen und Anlagen für
einen weiteren Lebenszyklus
instandgesetzt werden können. Siemens Medical Solutions etwa verkauft medizintechnische Gebrauchtgeräte
mit Qualitätssiegel.
U
mweltverträglichkeit wird bei uns regelrecht in die Produkte eingebaut“, sagt Dr.
Ferdinand Quella, Leiter des produktbezogenen
Umweltschutzes bei Siemens Corporate Technology. „Hierfür sorgt eine firmeninterne Norm
zur umweltverträglichen Produktgestaltung
über alle Lebensphasen.“ Integrierte Produktpolitik, also den gesamten Produktlebenszyklus
bereits bei der Planung zu berücksichtigen, be-
treibt Siemens seit über zehn Jahren. Ein Fokus
liegt dabei auf der recyclinggerechten Gestaltung neuer Produkte. Die interne Norm fordert
weniger und einfach demontierbare Bauteile sowie sortenreine leicht trennbare Materialien.
Den Umweltschutz verbessern soll auch
die Europäische WEEE-Richtlinie (Waste Electrical and Electronic Equipment): Ab August
2005 müssen Hersteller elektrische und elektronische Geräte und Anlagen nach Gebrauch
zurücknehmen, fachgerecht verwerten oder
entsorgen. Besonders bei medizintechnischen
Geräten ist das eine große Herausforderung:
So bringen Kernspintomographen bis zu zehn
Tonnen auf die Waage, und Röntgensysteme
bestehen zu etwa 30 Prozent aus hochwertigen Elektronikkomponenten. Bei Siemens
Medical Solutions wird mittlerweile eine Recyclingquote von bis zu 95 Prozent erreicht.
Genaue Demontageanleitungen machen es
leicht, kritische Stoffe zu identifizieren und
auszusondern. Insgesamt sanken die Entsorgungskosten in den vergangenen Jahren um
ein Fünftel. Beispiel Röntgensystem AXIOM
Iconos R200: Das seit 2003 vertriebene Gerät
wurde konsequent auf sparsamen Ressourceneinsatz ausgerichtet. Im Vergleich zum Vorgänger-Modell konnten die Bauteile um 70
Prozent reduziert werden. Dazu verringerten
die Siemens-Experten die Röntgenstrahlung um
bis zu 93 Prozent, was zugleich die Lebensdauer der Röntgenröhre verlängerte. Auch der
Stromverbrauch ist sehr gering – mit 28 Kilowattstunden pro Tag entspricht er etwa dem
von zwei OP-Leuchten.
Bereits seit einigen Jahren bietet Siemens
auch die Rücknahme von Altgeräten an: So
nimmt das Geschäftsgebiet Refurbished Systems
(RS) gebrauchte Medizinsysteme aus aller Welt
zurück und vermarktet sie nach einer Generalüberholung mit Qualitätssiegel wieder. Im August 2004 wurde dazu in Forchheim ein neues
Werk in Betrieb genommen. In Chicago setzt
RS zudem Computertomographen und Gammakameras für die Nuklearmedizin instand.
Damit alle Diagnosesysteme wieder in TopZustand verkauft werden können, schuf Siemens eine lückenlose Prozesskette: Die Geräte
werden noch beim Kunden nach Kriterien wie
Alter, Zustand, Leistung und Funktionsfähigkeit geprüft, danach bauen sie Spezialisten ab.
In Forchheim werden sie in ihre Bestandteile
zerlegt. Bei einem Röntgendiagnosesystem
etwa zeigen die einzelnen Module teils sehr
unterschiedliche Verschleißerscheinungen
und Erneuerungspotenziale. Sie werden gründlich gereinigt, desinfiziert und dann lackiert.
Die Siemens-Experten ersetzen Verschleißteile durch Originalersatzteile und bringen
Soft- und Hardware auf den neuesten Stand.
Danach testen sie das gesamte System auf
Herz und Nieren. Sind alle Qualitäts-Checks bestanden, erhält die überholte Anlage das
Qualitätssiegel „Proven Excellence“ inklusive
einer zwölfmonatigen Sachmängelhaftung.
Das „neue alte Gerät“ wird zum Kunden transportiert, installiert und in Betrieb genommen.
Derartige Geräte sind erheblich günstiger
als Neuprodukte. Der Kunde spart etwa 30
Prozent, mitunter sogar mehr. Die überholten
Systeme werden etwa zu gleichen Teilen an
Kliniken und Arztpraxen in Industrie- wie
auch in Schwellenländern verkauft. Rund die
Hälfte des Umsatzes erzielt Siemens dabei in
Europa und im Nahen Osten, ungefähr ein
Drittel in den USA. „Unser Wachstum ist zweistellig“, sagt RS-Leiter Hans-Peter Seubert.
Das Gesamtvolumen des Marktes schätzt er
weltweit auf mindestens 1,3 Milliarden Euro
pro Jahr. „Vor allem Osteuropa und Asien
bieten ein enormes Wachstumspotenzial“.
■ Sylvia Trage
Pictures of the Future | Frühjahr 2005
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