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Alter Kornspeicher wird wie neu - Geschichte Vlotho

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6
30. März 2013
Lokales
Twitter @Vlotho_Online
VA-THEMA: Der alte Kornspeicher
Der alte Kornspeicher in der oberen
Innenstadt hat eine (im wahrsten Sinne)
wechselvolle Vergangenheit. Wie die aussah,
hat Günter Schölzel für seine Internetseite
www.geschichtevlotho.de und den Vlothoer
Anzeiger aufgearbeitet. Aktuell sorgt der
Von 1952 bis 1966 wurde der rechte Teil im Getreidehaus an Hugo Lorenz vermietet, der dort seine Wohnräume errichtete und
gleichzeitig in diesem Haus die „Neue Apotheke“ eröffnete, die später vom Apotheker Walter Laise geleitet wurde.
Vlothoer Jürgen Meier dafür, dass das Gebäude
nicht nur eine Vergangenheit, sondern auch
eine Zukunft hat.
Das „Vorgängergebäude“, Erbauungszeit zwischen 1695 und
1705, brannte nieder.
Fotos: Archiv Schölzel
Alter Kornspeicher wird wie neu
Aus der Geschichte eines berühmten Vlothoer Gebäudes / Karl Wehage war ein ehrgeiziger Geschäftsmann
Von Oliver Plöger
Vlotho (va). Am alten Kornspeicher wird gerade kräftig
gewerkelt – Jürgen Meier,
Ex-Chef von Fernseh-Meier
und längst im (Un-)Ruhestand, hat das Objekt ins
Herz geschlossen und will für
eine glanzvolle Zukunft sorgen.
Über den Leerstand hatte sich
der ehemalige Geschäftsmann
seit Monaten geärgert, zumal
die Fassade mit Graffiti „verziert“ worden war. „Mein Anliegen ist es, das Gebäude aus
dem Dornröschenschlaf zu holen“, sagte er zum Vlothoer
Anzeiger. Demnächst wird
hier Uwe Schmidt mit seinem
Weinhandel einziehen, mit
weiteren potenziellen Mietern
ist Meier im Gespräch. Doch
wie sieht es mit der Geschichte
dieses Hauses aus?
Das ist eine Frage, mit der
sich Günter Schölzel intensiv
auseinandersetzt Er betreibt
seine Internetseite über die
Geschichte Vlothos neuerdings unter der Adresse geschichtevlotho.de und informiert auch über das Haus Wehage.
Früher Standort der
Vlothoer Sparkasse
Zunächst stand an dieser
Stelle nämlich ein großes
Fachwerkhaus, dessen Erbauungszeit zwischen 1695 und
1705 gelegen haben muss. Fest
stehe, so Schölzel, dass es der
zweite Sitz der Vlothoer Sparkasse war. Leiter des Geldinstituts in diesem Hause war der
Kaufmann Heinrich Heitmann, der auch seine Wohnung dort hatte. Als die Sparkasse das Gebäude 1910 verließ und an die Weserstraße 16
zog, blieb Heitmanns Wohnsitz hier erhalten. Später wechselte er seinen Beruf und wurde Vertreter für Landmaschinen, die zum Teil in diesem
„Ich will den alten
Kornspeicher aus dem
Dornröschenschlaf
wecken.“
Jürgen Meier
Haus untergestellt waren.
Heitmann wohnte noch bis
1929/30 in dem Fachwerkhaus, bis es durch einen Brand,
der tagsüber tobte, vernichtet
wurde. „Wegen der hohen
Brandgefahr der Nachbarhäuser mussten die Bürger in ihre
Häuser verlassen. Kinder wurden zur Sicherheit in die Klinik Blass gebracht“, berichtete
der Vlothoer Mediziner Dr. Ulrich Malz.
Etwa sechs Jahre nach dem
Brand erwarb der Kaufmann
Karl Wehage, geboren 1896 in
Eisbergen, das Grundstück.
Seine Frau Ilse, die 1903 in
Hamburg geboren wurde, bekam drei Kinder: Sigrid geboren 1928, Ruth, geboren 1932
und Gisela, geboren 1934.
Günter Schölzel: „Tochter
Sigrid dürfte wohl für die Vlothoer Bürger die bekannteste
sein, denn sie heiratete später
den Arzt Dr. med. Siegfried
Scheidewig und zog mit ihm
an die Burgstraße Nummer.
31.“
Fest steht: 1936 errichtete
Karl Wehage auf dem Grundstück Lange Straße Nummer
144 ein großes Lagerhaus für
Getreide und sonstige landwirtschaftliche
Erzeugnisse.
Über die ausgesprochen solide
Bauweise freute sich der neue
Besitzer außerordentlich: „Die
Räume sind auch heute noch
in einem sehr guten Zustand“,
sagt Jürgen Meier. „Die oberen
Ebenen wurden in den vergangenen Jahren nicht mehr genutzt und sind regelrecht konserviert.“
Doch zurück zur Geschichte: Grund für den Neubau war
das bestehende Lagerhaus in
Eisbergen. Das genügte den
Ansprüchen nicht mehr, war
für Wehages Zwecke viel zu
klein. Nachdem der Neubau in
Vlotho fertig war, gab er das
Lager in Eisbergen auf. Karl
Wehage, so Günter Schölzel,
war ein ehrgeiziger Geschäftsmann und steigerte von Jahr zu
Jahr seine Umsätze. In der besten Zeit beschäftigte er sechs
Arbeiter und erhielt sogar einen Gleisanschluss der Herforder Kleinbahn. Zudem besaß er noch zwei Lastkraftwagen. Günter Schölzel: „Das gut
gehende Geschäft bezog auch
seine Töchter ein. Da er keine
männlichen
Nachkommen
hatte, mussten die Töchter, wie
es früher üblich war, im elterlichen Betrieb mithelfen. Um
die Getreidetrockenanlage, die
mit Koks geheizt wurde, auch
nachts durchlaufen zu lassen,
kam es vor, dass die Kinder im
Heizungskeller übernachteten,
um bei Bedarf den Ofen mit
Koks nachfüllen zu können.
Ferner mussten sie tagsüber in
ihrer Freizeit Säcke füllen und
andere anstehende Arbeiten
verrichten. So war es halt damals.“
Nach dem Zweiten Weltkrieg und während der Besatzungszeit mussten sie ihr
Wohnhaus an der Burgstraße
31 für die britischen Besatzer
räumen. In dieser Zeit war das
Getreidelager auch die Wohnung für die ganze Familie. Als
die Briten das Haus wieder
freigaben, zog zunächst das
Rote Kreuz ein. Erst später
konnte die Familie Wehage
wieder in ihr Heim zurückkehren.
Von 1952 bis 1966 wurde
der rechte Teil im Getreidehaus an Hugo Lorenz vermietet, der dort seine Wohnräume
errichtete und gleichzeitig in
diesem Haus die „Neue Apotheke“ eröffnete, die später
vom Apotheker Walter Laise
geleitet wurde. Um 1968 gab
Karl Wehage aus persönlichen
Gründen den Landhandel auf,
wobei das Gebäude in seinem
Besitz und damit dem Besitz
der Familie blieb.
Hier gehen die Lichter wieder an: der Alte Kornspeicher in Vlotho.
VA-Foto: Oliver Plöger
ZUM THEMA
Die neuere
Geschichte des Hauses
�
1970 wurde die Erdgeschoss-Etage umgebaut
und renoviert, da die
Räume verpachtet wurden.
�
Als Pächter fungierte zunächst die „Coop Gesellschaft“, es folgten die
AVA und der EdekaKonzern mit mehreren
Unterbezeichnungen ihrer Filialen. So wurde
1973 aus Coop „Basar“.
Im Januar 1975 wurde die
Geschäftsbezeichnung
AVA verwendet. Aber
auch der Name Edeka
trat auf, bis schließlich
Lebensmittel und Haushaltswaren ab 26. Januar
1990 unter dem Namen
„allfrisch“ gehandelt wurden.
�
Am 31. Juli 2004 gab „allfrisch“ die Filiale auf.
Fast vier Jahre standen
die Räume leer, bis Klaus
Döhr am 25. August 2008
sein Holtruper „SparSo“Geschäft an die Lange
Straße 144 in Vlotho verlegte. Nach knapp zwei
Jahren zog er in kleinere
Räumlichkeiten um und
dann aus Vlotho fort.
�
Abdullah Dangir pachtete das Erdgeschoss vom
1. Juni 2010 bis 31. Mai
2011 für sein Lebensmittelgeschäft „Anatolia“.
Ihn traf dasselbe Schicksal wie seinen Vorgänger.
Leider konnte auch er
niemals so hohe Einnahmen erzielen, dass die
laufenden Kosten, die das
Gebäude verursacht, gedeckt wurden. Er wechselte noch in die Geschäftsräume an der Langen Straße 135. Mittlerweile steht aber auch dieses Geschäft leer.
�
Ende 2012 hat Jürgen
Meier das Gebäude gekauft. (plö)
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Seele and Geist
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