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Ausgabe 5 / 2010 druck – 15 Jahre gemeinsam - Die BG ETEM

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Ausgabe 5 / 2010
September / Oktober
Brancheninitiative Offset­druck – 15 Jahre gemeinsam erfolgreich / Wie leicht kippt ein Mitgänger­
flurförderzeug? / Haus ohne Hindernisse / Regale regelmäßig prüfen /
­Präventionspreis 2010: Gesünder und schneller durch Eigenentwicklungen
Sicherheit und Gesundheitsschutz rund um Text, Bild, Druck und Papierverarbeitung
tag für tag
2 | tag für tag 05 / 10 | BG berichtet
Inhalt
Mitgänger-Flurförderzeug
kippt zur Seite
tag für tag 5 / 2010
Mitteilungsblatt der BG ETEM –
Branchenverwaltung Druck und Papierverarbeitung
Prävention, Rehabilitation und Entschädigung bei
Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten
4
16
20
18
BG berichtet
2 Inhalt
3 Editorial/Impressum
4 Aktuelles
7 Geprüfte Maschinen und zertifizierte Betriebe
8 Termine zur Aus- und Weiterbildung
10Unfälle
12Brancheninitiative Offsetdruck –
15 Jahre gemeinsam erfolgreich
14BASIS 2010: Neues Gesicht und neue Funktionen
Gesundheit und Sicherheit
16Haus ohne Hindernisse
18Einfache Rückenübungen für den Alltag
20Wie leicht kippt ein Mitgänger-Flurförderzeug?
22Regale regelmäßig prüfen
Aus der Praxis
26 Präventionspreis 2010: Gesünder und schneller
durch Eigententwicklungen
30 Hautschutz optimiert
22
30
BG berichtet | tag für tag 05 / 10 | 3
Editorial
125 Jahre Gesetzliche Unfallversicherung
Am 7. Januar 1885 kamen
in Leipzig die 94 Vertreter von Druckereien zusammen, um die erste Berufsgenossenschaft
in Deutschland zu gründen. Wenig später, am 22. Januar, wurde in Berlin die Papierver­
arbeitungs-BG geründet. Im Jahr zuvor hatte der Reichstag das Unfallversicherungs­gesetz
beschlossen, das die Bildung von Berufsgenossenschaften ermöglichte. Die Buchdruckerund die Papierverarbeitungs-BG nahmen am 1. Oktober 1885 gemeinsam mit 55 anderen
Berufsgenossenschaften ihre Arbeit auf.
Seither sind 125 Jahre vergangen. In dieser Zeit war die gesetzliche Unfallversicherung
immer ein Spiegel der sich wandelnden Arbeitswelt. Sie begleitet die Veränderungen,
versucht neue Gefahren frühzeitig zu erforschen und bestehende Risiken zu verringern.
Ihr Auftrag war und ist es, die Rahmenbedingungen für sichere und gesunde Arbeit zu
verbessern. Der erfolgreichen Arbeit, die Berufsgenossenschaft und Unternehmen gemeinsam auf dem Gebiet der Prävention leisten, ist es zu verdanken, dass die Anzahl der
Arbeits­­unfälle in Deutschland in den vergangenen Jahrzehnten beständig zurückge­
gangen ist.
Kommt es aber doch zu einem Unfall oder einer Berufskrankheit, dann unterstützt
die gesetzliche Unfallversicherung Versicherte und Unternehmen gemäß ihrem gesetz­
lichen Auftrag »mit allen geeigneten Mitteln«. Von der Heilbehandlung bis zur beruflichen
Wiedereingliederung reicht das Angebot. Die berufsgenossenschaftlichen Unfallkliniken
garantieren eine medizinische Versorgung auf höchstem Niveau. Sie verfolgen einen
ganzheit­lichen Behandlungsansatz, der von Anfang an die erfolgreiche Rehabilitation im
Blick hat. Die Versicherten sollen in das Arbeitsleben zurückkehren, selbst wenn gesundheitliche Einschränkungen dies erschweren. Speziell geschulte Rehaberater unterstützen
sie dabei. Bleibt eine Minderung der Erwerbsfähigkeit bestehen, sichert die Berufsge­
nossenschaft den Lebensunterhalt finanziell ab.
Von Beginn an wurde die Arbeit der Berufsgenossenschaft von der Selbstverwaltung
geleitet, die seit 1951 paritätisch mit Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertretern besetzt ist.
Diese Verwurzelung in der Praxis gewährleistet, dass Prävention und Rehabilitation sich
eng an den Bedürfnissen von Versicherten und Unternehmen orientieren. Gerade deshalb
hat die gesetzliche Unfallversicherung bei beiden Gruppen eine hohe Akzeptanz.
Michael Boettcher
Mitglied der Geschäftsführung der BG ETEM
Geschäftsführer der Branchenverwaltung Druck und Papierverarbeitung
Impressum Verantwortlich für den Inhalt: Michael
Boettcher, Mitglied der Geschäftsführung der BG ETEM,
Geschäftsführer der Branchenverwaltung Druck und
Papierverarbeitung / Schrift­leitung Arbeitssicherheit:
Albrecht H. Glöckle, Leiter Aufsicht und Beratung der
BG ETEM, Leiter des Fachbereichs Druck und Papier­
verarbeitung / Redaktion: Holger Pelz / Gestaltung:
Heine/Lenz/Zizka, Frankfurt am Main / Titelfoto: Ulrich
Weinert media contact Köln / Lithografie: City Repro,
Mainz / Druck: Brühlsche Universitätsdruck­erei GmbH
& Co. KG, Gießen / Der Bezugspreis für das Mitteilungsblatt ist durch den Mitgliedsbeitrag abgegolten. Nachdruck nur nach Vereinbarung mit der Branchenverwaltung
Druck und Papierverarbeitung und mit der Quellenan-
gabe: »tag für tag – Zeitschrift der BG ETEM - Branchen­
verwaltung Druck und Papierverarbeitung« erlaubt. /
Erscheinungsweise: zweimonatlich / Verlag: ­BG
ETEM Branchenverwaltung Druck und Papierver­­­ar­beitung, 65173 Wiesbaden, Telefon: 0611-131· 0,
Telefax: 0611-131·100, Internet: www.bgetem.de
4 | tag für tag 05 / 10 | BG berichtet
Aktuelles
Optimales Auftragen eines Haut­
schutzmittels
Fotos: Zapf,
Hamburg
Hautschutzkonzept der
BG wissenschaftlich belegt
Die Berufsgenossenschaft propa­
giert schon seit langem – gestützt
auf Erfahrungen aus der betrieb­
lichen Praxis – ein Hautschutzkon­
zept, welches die Verwendung von
Hautschutzmitteln vor und während
der Arbeit sowie die Benutzung von
Hautpflegemitteln nach der Arbeit
be­inhaltet. Die Universität ErlangenNürnberg konnte nun erstmals im
Rahmen einer groß angelegten, ver­
gleichenden Studie wissenschaft­
lich belegen, dass diese Vorgehensweise anderen Empfehlungen
überlegen ist.
Die Studie untersuchte vier Teil­
nehmergruppen:
Gruppe a): Anwendung von
Hautpflegemitteln
Gruppe b): Anwendung von
Hautschutzmitteln
Gruppe c): Anwendung von
Hautschutz- und Hautpflege­
mitteln
Gruppe d): Kontrollgruppe, ohne
Empfehlung einer Anwendung.
Es zeigte sich, dass bei der Gruppe,
die sowohl Hautschutz- als auch
Hautpflegepräparate nutzte (Gruppe
c), die größte Verbesserung der
Hautbefunde zu beobachten war.
Die alleinige Anwendung von Haut­
schutzmitteln (Gruppe b) erzielte
das zweitbeste Ergebnis. In der
­Kontrollgruppe (Gruppe d) zeigte
sich dagegen eine signifikante Ver­
schlechterung der Hautbefunde.
Auf Grund dieser wissenschaft­
lichen Bestätigung der bisherigen
BG-Empfehlungen ist auch in Zu­
kunft anzustreben, dass Hautschutzund Hautpflegepräparate in den
Betrieben konsequent eingesetzt
werden. Die Berufsgenossenschaft
wird daher die Mitgliedsbetriebe
auch weiterhin bei der Auswahl der
jeweils richtigen Hautmittel und bei
den Unterweisungen der Mitarbeiter
unterstützen.
Die Ergebnisse der Studie sind
ausführlich beschrieben in: »Wel­
chen Einzelbeitrag leisten Haut­
schutz- und Hautpflegepräparate in
der Prävention beruflich verursach­
ter Hauterkrankungen«, Zeitschrift
»Arbeitsmedizin.Sozialmedizin.
Umweltmedizin«, 45.Jahrgang,
Ausgabe 4, Seiten 170 – 177 [ Sl ]
BG berichtet | tag für tag 05 / 10 | 5
Informationen zur Fusion
Die BG ETEM wächst zusammen: Prävention neu
struk­turiert Seit dem 1. Juli 2010
sind die Präventionsbereiche der
fusionierten Berufsgenossenschaf­
ten zu einem neuen Bereich Präven­
tion zusammengeführt. Das ist ein
wichtiger Schritt beim Zusammen­
wachsen der Berufsgenossenschaft
Energie Textil Elektro Medienerzeug­
nisse.
Grundpfeiler der Prävention der
BG ETEM sind die drei Bereiche
»Aufsicht und Beratung«, »Zentrale
Fachdienste« und »Bildung«. Ziel
ist es, auch in Zukunft unsere Mit­
gliedsbetriebe und unsere Versicher­
ten mit hoher fachlicher Kompetenz
zielgruppengerecht zu betreuen.
Bei grundlegenden Themen des
Arbeitsschutzes können jetzt be­
reits erste Synergieeffekte genutzt
werden. So steht z. B. das gesamte
Bildungsangebot der BG ETEM nun
allen Mitgliedsbetrieben offen. Das
Bildungsangebot ist im Internet
unter www.bgdp.de/seminare abruf­
bar. Auch das gesamte Informations­­
material, wie Broschüren, Hand­
lungshilfen usw. kann von allen Mit­
gliedsbetrieben an­gefordert werden,
telefonisch unter 0611-131· 221 oder
per E-Mail an medien@bgdp.de
Der Bereich Aufsicht und Bera­
tung der gesamten BG ETEM wird
von Albrecht H. Glöckle geleitet,
dem Präventionsleiter der früheren
Berufsgenossenschaft Druck und
Papierverarbeitung. Die fachkom­
petente Betreuung der Betriebe wird
u. a. dadurch sichergestellt, dass
auch zukünftig Druckereien und
Papier verarbeitende Betriebe von
den Technischen Aufsichtsbeamten
betreut werden, die für diese Betriebe
fachlich ausgebildet sind. Den Be­
trieben bleiben ihre bisherigen An­
sprechpartner in der Prävention
erhalten.
Im Bereich Zentrale Fachdienste
wurde u. a. der Fachbereich Druck
und Papierverarbeitung eingerich­
tet. In diesem Fachbereich ist neben
den zentralen Referaten Sicherheits­
technik, Messtechnik und Arbeits­
prozesse auch die Prüfstelle Druck
und Papierverarbeitung integriert.
So finden die Mitgliedsbetriebe und
Hersteller auch hier ihre gewohnten
Ansprechpartner wieder. Sitz des
Präventionsstandortes Druck und
Papierverarbeitung ist weiterhin
Wiesbaden. Alle bisherigen Telefon­
nummern und E-Mail-Adressen
gelten zunächst weiter und stellen
die Erreichbarkeit sowohl der zu­
ständigen Technischen Aufsichts­
beamten als auch der Mitarbeiter
in Wiesbaden sicher.
Glöckle fasst zusammen: »Bei der
Betreuung unserer Mitgliedsunter­
nehmen fließen wie bisher Praxis­
orientierung und fachliche Kompe­
tenz zusammen. So können wir die
Menschen in den Unternehmen opti­
mal in der Prävention unterstützen.«
Albrecht H. Glöckle,
Leiter Bereich Auf­
sicht und Beratung,
Leiter Fachbereich
Druck und Papier­
verarbeitung
Foto: Frey, Egling
6 | tag für tag 05 / 10 | BG berichtet
Aktuelles
Erste-Hilfe-Aus­
hang: Hier kann
der Durchgangs­
arzt eingetragen
werden
Arbeitsunfall – Was ist zu
tun? Leistungen der Berufsgenossenschaft Ein Verletzter
sollte möglichst schnell zu einem so
genannten Durchgangsarzt ge­
bracht werden. Bei schweren Verlet­
zungen ist natürlich der Rettungs­
wagen zu rufen. Die Durchgangs­
ärzte haben gegenüber den Berufs­
genossenschaften ihre besondere
Schichtarbeit: Entlastung
durch richtige Beleuchtung? Schichtarbeit belastet, z. B.
Foto:
Frey, Egling
können Schlafmangel oder Schlaf­
störungen die Folgen sein. Aber auch
erhöhte Risiken für Herz-KreislaufErkrankungen, Stoffwechselerkran­
kungen und Magen-Darm-Beschwer­
den sind mögliche Begleiterschei­
nungen. Schichtarbeiter leiden
Qualifikation für die Behandlung von
Unfällen nachgewiesen und sind
zum Teil auch in Kliniken tätig.
Nach dem Rettungsdienst ist der
Durchgangsarzt erster medizinischer
Ansprechpartner. Die Adresse eines
erreichbaren Durchgangsarztes
muss im Betrieb bekannt sein (siehe
Erste-Hilfe-Aushang, rechts im Bild).
»Sehr wichtig ist auch die Unfall­
anzeige«, erklärt Frank Drescher, der
bei der Branchenverwaltung Druck
und Papierverarbeitung der BG ETEM
für Fragen des Unfallrechts zustän­
dig ist. Der Arbeitgeber meldet Un­
fälle, wenn der Verletzte mehr als
drei Tage arbeitsunfähig ist. Das
Formular der Unfallanzeige gibt es
bei verschiedenen Verlagen oder zum
Herunterladen bei uns im Internet.
Bei tödlichen oder sehr schweren
Unfällen sollte die Berufsgenossen­
schaft zusätzlich telefonisch infor­
miert werden.
Die Berufsgenossenschaft orga­
nisiert dann die medizinische Heil­
behandlung und trägt die Kosten
dafür. Hinzu kommen bei schweren
Verletzungen auch Hilfen für die
berufliche und für die soziale Wieder­
eingliederung des Betroffenen.
Wenn es notwendig ist, kümmern
sich besonders erfahrene BG-Mit­
arbeiter vor Ort um den Betroffenen.
Sie besuchen ihn bereits im Kranken­
haus und sorgen später z. B. für einen
behinderten­gerechten Umbau der
Wohnung. Während der Arbeits­
unfähigkeit sorgt die BG auch für die
finanzielle Absicherung der Verlet­z­
ten. Bleiben nach Abschluss der
medizinischen Rehabilitation gravie­
rende Gesundheitsschäden zurück,
erhält der Versicherte eine Rente.
Durchgangsärzte können im
Internet unter www.bgdp.de/pages/
versicherungsleistungen/d-arztsuche.htm abgerufen oder bei der
zuständigen Bezirksverwaltung
(www.bgdp.de/pages/ansprech­
partner/bezirksverwaltungen.htm)
angefragt werden. Die Unfallan­zeige ist unter www.bgdp.de/­
unfallversicherung abrufbar. [ Sp ]
unter dem ständigen Wechsel ihres
Schlaf-­Wach-Rhythmus.
Mittlerweile ist erwiesen, dass
dieser Schlaf-Wach-Rhythmus durch
Licht beeinflusst wird. Um heraus­
zufinden, ob und wie man diese Er­
kenntnis dazu nutzen kann, die Be­
lastung durch Schichtarbeit zu min­
dern, hat das Institut für Arbeit und
Gesundheit der Deutschen Gesetz­
lichen Unfallversicherung (IAG) ge­
meinsam mit Fach­leuten verschiede­
ner Unfallversicherungsträger das
Forschungs­pro­jekt »Optimale Be­
leuchtung bei Schichtarbeit« ge­
startet. Im ersten Schritt wurden die
­internationalen Publikationen der
vergangenen zehn Jahre zu diesem
Thema ausgewertet. Die Literatur­
studie leitete Professor Christoph
Schierz von der Technischen Uni­
versität Ilmenau, Fachgebiet Licht­
technik. Die Literaturstudie zeigt,
dass durch eine gezielt geplante
Be­­leuchtung positive Effekte für
Schicht­arbeiter erreicht werden
­können: die Umstellung auf den
neuen Schlaf-Wach-Rhythmus ­
wird erleichtert, Konzentration und
Ak­tivität während der Nachtschicht
werden erhöht, der Schlaf am Tag
nach der Schicht wird gesünder.
Allgemeingültige Empfehlungen
für die Beleuchtung bei Schichtar­
beit können aber noch nicht ab­ge­­-­
lei­tet werden. Es gibt zwar schon
Konzepte für die Lichtplanung ein­
zelner Schichtsysteme, diese müs­
sen aber noch auf ihre Richtigkeit
geprüft werden. Um diese und weite­
re offene Fragen zu klären, sind Fol­
geprojekte erforderlich.
Die ausführlichen Ergebnisse ­
der Literaturstudie enthält der
BGAG-Report 2/2009: www.dguv.de,
Webcode: d13378.
BG berichtet | tag für tag 05 / 10 | 7
Geprüfte Maschinen und zertifizierte Betriebe
Prüf- und Zertifizierungsstelle Druck und Papierverarbeitung
Für folgende Maschinen wurden im Mai/Juni 2010 die Zertifikate für das BG-/GS-/ET-Zeichen ausgestellt:
Unternehmen
Maschinenart
Maschinentyp
Prüfnr.
Zertifikat
Polywest Kunststofftechnik
Sleeve
Onyx, Onyx-Umarbeitung
DP 10051
BG
Müller Martini
Druckverarbeitungs-Systeme AG
Rotationsschneider 0440.0400, 0440.0401
Compacto
DP 10052
ET
Müller Martini
Druckverarbeitungs-Systeme AG
Stangenstapelzange 0277.0401
DP 10053
ET
Wohlenberg Buchbindesysteme AG
Zusammentragmaschine
Streamer
DP 10054
ET
Gerhard Busch GmbH
Stapelwender
SWH
DP 10055
GS
Gerhard Busch GmbH
Stapelwender
SE 90, SE 90 RLA, SE 125, SE 125 RLA, SE 125 (175)
DP 10057 GS
Heidelberger Druckmaschinen AG
Faltschachtelklebemaschine
Diana X 115
DP 10058
GS
Heidelberger Druckmaschinen AG
Faltschachtelklebemaschine
Diana X 115
DP 10059
ET
Glasbau Hahn GmbH & Co.KG
Reinluft- und Konstantfeuchtegerät
RK-2
DP 10060
GS
Heidelberger Druckmaschinen AG
Bogenoffsetdruckmaschine
XL 75
DP 10061
GS
Müller Martini
Stangenausleger Vivo Druckverarbeitungs-Systeme AG
0447.0403, 0447.0402
DP 10062
ET
Wohlenberg Buchbindesysteme AG
Zusammentragmaschine
Streamer
DP 10063
GS
Esselte Leitz GmbH & Co. KG
Locher
5115
DP 10064
GS
Müller Martini
Kreuzleger Listo
0454
DP 10065
Druckverarbeitungs-Systeme AG
ET
Heidelberger Druckmaschinen AG
Bogenoffsetmaschine
GTO 52
DP 10066
GS
Heidelberger Druckmaschinen AG
Bogenoffsetmaschine
GTO 52
DP 10067
ET
Esselte Leitz GmbH & Co. KG
Ordner
1003, 1004
(mit neuer 180° Mechanik)
DP 10068
GS
Heidelberger Druckmaschinen AG
Flachbettstanzautomat
Dymatrix 145 CSB
DP 10069
GS
technotrans AG
Bypass Filtersystem
Beta.f
DP 10070
GS
Für folgende Firma wurde von Mai 2010 bis Juni 2010 das AMS-Zertifikat vergeben:
Unternehmen
Prüfnr.
Zertifikat
Fripa Papierfabrik
Albert Friedrich KG
DP 10056
AMS-Zertifikat
GS: Geprüfte Sicherheit, BG: BG-Prüfzert-Sicherheitszeichen, AMS: Arbeitsschutzmanagementsystem, ET: Euro Test-Zeichen.
Die aktuelle Liste finden Sie im Internet unter www.bgdp.de/Maschinenliste
8 | tag für tag 05 / 10 | BG berichtet
Aus- und Weiterbildung
Termine
Die Branchenverwaltung Druck und Papierverarbeitung führt zu folgenden Terminen Aus- und Weiterbildungs­veranstaltungen durch:
Lehrgänge für Fachkräfte
für Arbeitssicherheit
20 / 09 – 24 / 09 / 10
03 / 01 – 07 / 01 / 11
1. Präsenz – 1. Teil
65817 Eppstein
11 / 10 – 15 / 10 / 10
24 / 01 – 28 / 01 / 11
1. Präsenz – 2. Teil
65817 Eppstein
18 / 10 – 22 / 10 / 10
21 / 02 – 25 / 02 / 11
2. Präsenz
65817 Eppstein
3. Präsenz
65307 Bad Schwalbach
65817 Eppstein
08 / 11 – 19 / 11 / 10
28 / 03 – 08 / 04 / 11
04 / 10 – 08 / 10 / 10
13 / 12 – 17 / 12 / 10
16 / 05 – 20 / 05 / 11
65307 Bad Schwalbach
65307 Bad Schwalbach
65817 Eppstein
Seminare für Meister
und andere Vorgesetzte
25 / 10 – 29 / 10 / 10
Grundseminar
65817 Eppstein
06 / 12 – 08 / 12 / 10
Aufbauseminar 65817 Eppstein
Seminare für Betriebsräte
01 / 12 – 03 / 12 / 10
Aufbauseminar
65817 Eppstein
»Arbeitsschutz als Chance«
für Betriebsräte
25 / 10 – 27 / 10 / 10
Weiterbildung
30559 Hannover
Lehrgänge für Brandschutzbeauftragte
01 / 11 – 05 / 11 / 10
2. Teil
65817 Eppstein
29 / 11 – 01 / 12 / 10
Weiterbildung
65817 Eppstein
4. Präsenz
Seminar »Arbeits- und Gesundheitsschutz«
für Azubis und junge Mitarbeiter
10 / 11 / 10
33689 Bielefeld
Lehrgänge für Staplerfahrer
22 / 11 – 26 / 11 / 10
Ausbildung 89257 Illertissen
Seminare für Ausbilder
von Staplerfahrern
27 / 09 – 01 / 10 / 10
Ausbildung
89257 Illertissen
20 / 10 – 22 / 10 / 10
Weiterbildung
08547 Jößnitz
Seminare zum alternativen Betreuungsmodell
Termine für regionale Seminare auf Anfrage
Seminar »Gesundheits­
manager im Betrieb« Unternehmerischer Erfolg braucht gesunde, motivierte und leistungsfähige
Mitarbeiter. Immer mehr Betriebe
er­kennen diesen Zusammenhang
und investieren in die Sicherheit und
­Gesundheit ihrer Belegschaft. Erfolgreiche betriebliche Gesundheitsarbeit muss, das hat die Praxis gezeigt, in seinen Maßnahmen ganzheitlich geplant, koordiniert, umgesetzt
und evaluiert werden.
Das Seminar »Gesundheits­ma­nager im Betrieb« vermittelt
Kenntnisse zur erfolgreichen
Um­setzung eines betrieblichen
Gesund­heits­­managements. Die
Veranstaltung bietet grundlegende
Informa­tionen für ein effizientes
und evaluierfähiges betriebliches
Gesundheitsmanagement. Ein Trans­
fer in die Praxis ist sofort möglich.
Das Seminar wendet sich an
­Personalverantwortliche, Betriebs­
räte und Führungskräfte, die im Rahmen ihrer Verantwortung mit den
nach­genannten Themen betraut
sind und an ausgebildete Fachkräfte
für Arbeitssicherheit.
BG berichtet | tag für tag 05 / 10 | 9
Aus- und Weiterbildung
Fachseminare
Diese Seminare sind gedacht für alle Mitarbeiter unserer Mit­glieds­betriebe, soweit sie ent­­sprechend eingesetzt
und mit dem Fachgebiet betraut sind.
»Gefahrstoffe, REACH und GHS« 05 / 10 – 07 / 10 / 10 41564 Kaarst
»Bogenoffset« 27 / 10 – 28 / 10 / 10 59457 Werl
»Lärm und Lärmschutz«
09 / 11 – 10 / 11 / 10
36037 Fulda
»Luftbefeuchtung und Hygiene«
10 / 11 – 11 / 11 / 10
65817 Eppstein
»Gesundheitsmanager«
15 / 11 – 17 / 11 / 10
65817 Eppstein
»Etikettendruck«
30 / 11 – 02 / 12 / 10
71546 Kleinanspach
»Krisen- und Notfallmanagement«
22 / 11 – 24 / 11 / 10
65307 Bad Schwalbach
Führung und Persönlichkeit
Diese Seminare sind gedacht für alle Führungskräfte unserer Mitgliedsbetriebe, die ihre rhetorischen Fähigkeiten
und ihr methodisches Geschick in Führungssituationen der täg­lichen Praxis weiter verbessern wollen.
»Überzeugen im Gespräch« »Moderierte Unterweisung von Teams« 20 / 09 – 21 / 09 / 10
76137 Karlsruhe
06 / 12 – 07 / 12 / 10
74072 Heilbronn
»Mit Rhetorik zum Erfolg«
06 / 10 – 07 / 10 / 10
16831 Linow
»Seminare für Führungskräfte« 18 / 10 – 19 / 10 / 10
75223 Pforzheim
18 / 09 / 2010
18 / 09 / 2010
18 / 09 / 2010
19 / 09 / 2010
19 / 09 / 2010
25 / 09 / 2010
26 / 09 / 2010
09 / 10 / 2010
10 / 10 / 2010
16 / 10 / 2010
17 / 10 / 2010
23 / 10 / 2010
30 / 10 / 2010
31 / 10 / 2010
06 / 11 / 2010
06 / 11 / 2010
06 / 11 / 2010
13 / 11 / 2010
14 / 11 / 2010
11 / 12 / 2010
01998 Klettwitz-Lausitzring
16831 Linow
69124 Heidelberg
79206 Breisach
55126 Mainz-Finthen
70794 Filderstadt
16356 Werneuchen
90765 Fürth
39120 Magdeburg
87437 Kempten
86169 Augsburg
70794 Filderstadt
33106 Paderborn
27356 Rotenburg
55126 Mainz-Finthen
30880 Laatzen
09353 Oberlungwitz-Sachsenring
41564 Kaarst
53332 Bornheim
09353 Oberlungwitz-Sachsenring
Verkehrssicherheit »BG-Fahrsicherheitstrainings für PKW-Fahrer«
Ausbildungslehrgänge für22 / 11 – 24 / 11 / 10
Sachkundige der Ladungssicherung
06 / 12 – 08 / 12 / 10
37431
Bad Lauterberg
63872 Heimbuchtal
Die laufend aktualisierten Termine sowie Informationen über noch verfügbare Plätze sind im Internet (www.bgdp.de/Seminare) abrufbar.
Detaillierte Angaben zum gesamten Aus- und Weiterbildungsangebot können unter der Fax Nummer 0611-131·167 oder unter aw.dp@bgetem.de
angefordert werden.
10 | tag für tag 05 / 10 | BG berichtet
Unfälle
Schwere Armverletzung bei
Wartungsarbeiten Ein Betriebs­
schlosser eines Druckbetriebes war ge­
meinsam mit seinem Vorgesetzten dabei,
eine Palettenförderanlage zu warten.
Die Ketten der Aufzugsanlage sollten
geschmiert werden. Dazu musste der
Betriebsschlosser den Gefahren­bereich
der Anlage betreten, der mit einer Umzäu­
nung gesichert ist, und fettete einen Teil
der Kette im Stillstand. Der Vorgesetzte
stand am Bedienpult der Anlage außer­
halb des gesicherten Bereiches. War das
im Stillstand der Anlage erreichbare
Kettenstück geschmiert, so trat der Be­
triebsschlosser von der Palettenförder­
anlage zurück und die Anlage wurde im
Tipp­betrieb ein Stück vorgerückt. Auf
diese Weise konnte die gesamte Kette
geschmiert werden.
Nach Abschluss der Arbeiten gab der
Betriebsschlosser seinem Vorgesetzten
Bescheid, dass die Arbeit fertig sei und
die Anlage wieder in Automatikbetrieb
umgeschaltet werden könne. Der Vorge­
setzte nahm daraufhin die Förderanlage
wieder in Betrieb.
Vor Verlassen des gesicherten Berei­
ches wollte der Schlosser noch etwas
Sprühfett auf die sich bewegende Kette
geben. Dazu beugte er sich nach vorne
in Richtung der Förderkette und streckte
seinen Arm mit der Spraydose in Rich­
tung der Kette. Das sich nach oben bewe­
gende Gegengewicht der Anlage erfasste
seinen Arm und quetschte ihn zwischen
Gegengewicht (im Bild gelb) und einer
Quertraverse ein. Schwerste Quetsch­
verletzungen des Armes waren die Folgen.
Der Betriebsschlosser wurde vom Erst­
helfer und einem Notarzt betreut, bis die
Feuerwehr ihn befreien konnte.
Beide an diesem Unfall beteiligten
Mitarbeiter haben sich falsch verhalten.
Der Schlosser hätte sich im Automatik­
betrieb der Förderanlage nicht im Gefahr­
bereich aufhalten dürfen. Der Vorgesetzte
hätte die Anlage nicht in den Automatik­
betrieb umschalten dürfen, während sich
sein Mitarbeiter noch innerhalb des Ge­
fahrenbereiches aufhielt.
Unabhängig davon hätte der Hersteller
geeignete Maßnahmen vorsehen müssen,
damit die Kette sicher geschmiert werden
kann. Denn für Wartungsarbeiten ist es
notwendig, dass sich Personen in diesem
Gefahrbereich aufhalten. [ Ww ]
BG berichtet | tag für tag 05 / 10 | 11
Schwere Armverletzung an der
Aufrollung einer Rollendruck­
maschine An der Rollendruckmaschine
einer Dekordruckerei kann das Papier
automatisch auf eine neue Rolle aufge­
wickelt werden, wenn die alte Rolle einen
gewissen Umfang erreicht hat. Während
des Rollenwechsels könnten Personen
durch den Rollenwechsler schwer verletzt
werden. Deshalb ist dieser Bereich einge­
zäunt. Öffnet man eine der Zugangstüren,
stoppt der Wechselvorgang bzw. er wird
erst gar nicht in Gang gesetzt.
Ein- bis zweimal die Stunde muss aller­
dings geprüft werden, ob sich bei der
Aufrollung der Papierrolle Falten bilden.
Dazu muss ein Drucker den Gefahrbe­
reich betreten. Nachdem der Drucker ­die
Faltenbildung kontrolliert hatte, stolperte
er an einer Stufe. Instinktiv stützte er sich
an der laufenden Papierrolle ab. Dabei
wurde er von der Einzugstelle zwischen
Papierrolle und Anpresswalze eingezogen.
Der Anpressdruck beträgt nur ca. 4 bar, so
dass die Anpresswalze nachgab und es
zu keinen Hautablederungen oder schwe­
ren Quetschungen kam. Allerdings wurde
der Arm um die Papierrolle gebogen und
entlang des Abschlagmessers gezogen.
Knochenbrüche und Schnittverletzungen
waren die Folge.
Der Unfall zeigt: Auch in Bereichen,
die nur gelegentlich zur Beobachtung ­
des Produktionsprozesses begangen
werden, müssen die Gefahrstellen gesichert werden. [ Hr ]
12 | tag für tag 05 / 10 | BG berichtet
Brancheninitiative Offsetdruck – 15 Jahre gemeinsam erfolgreich Unter diesem Motto stand das diesjährige
Jahrestreffen der Brancheninitiative zur Verminderung der
Lösemittelemissionen im Offsetdruck. Alle Beteiligten trafen
sich am 11. Mai 2010 in Mainz, um Bilanz zu ziehen und aktuelle Herausforderungen zu diskutieren.
Erfolgsbilanz der Brancheninitiative
Seit 1995 stieg der Marktanteil schwerer flüchtiger Lösemittel auf über 80%!
Anteil in %
90
80
70
60
50
40
Reinigungs­­mittel mit einem
Flammpunkt über 30
55°C: Anstieg
von 39% auf 84%
20
Quelle: Bundes­
verband Druck
und Medien e.V.
(bvdm), Wies­baden
10
0
1995
1997
lammpunkt 55°C-100°C
F
Hochsiedende Reinigungsmittel,
Flammpunkt über 100°C
1999
2001
2003
ochsiedende Reinigungsmittel
H
auf der Basis von Pflanzenölen,
Flammpunkt über 100°C
2004
2005
2007
2009
BG berichtet | tag für tag 05 / 10 | 13
Seit 15 Jahren leistet die Initiative einen wichtigen Beitrag für bessere Luft im Drucksaal, was nicht nur dem
Gesundheitsschutz der Beschäftigten, sondern auch
dem Schutz der Umwelt dient. 1995 von der Berufs­ge­
nossenschaft Druck und Papierverarbeitung (heute ­
BG ETEM), den führenden Druckmaschinenherstellern,
der FOGRA, dem bvdm und der IG Medien (heute ver.di)
ins Leben gerufen, hat die Brancheninitiative seitdem
nicht an Bedeutung verloren. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, u. a. auch die bei der Reinigung von Druckplatten
und Gummitüchern anfallenden VOC-Emissionen (volatile organic compounds = flüchtige organische Verbindungen) deutlich zu reduzieren und somit die Belastung
der Atemluft im Drucksaal zu verringern.
In diesen 15 Jahren ist es gelungen, den Anteil an
leichtflüchtigen Reinigungsmitteln in Offsetdruckereien
um mehr als zwei Drittel zu reduzieren, dafür stieg der
Gesamtverbrauch an hochsiedenden Reinigungsmitteln
auf ein konstant hohes Niveau von über 80%. Dieser
Erfolg beruht auf der guten Zusammenarbeit zwischen
den Druckereien, den Wasch- und Reinigungsmittel­
herstellern sowie den Druckmaschinenherstellern mit
der BG ETEM und den Sozialpartnern.
Aktuelle Themen der Brancheninitiativen
In Zeiten des Klimawandels stellt die Thematik Umweltschutz eine der großen Herausforderungen für die
Druckindustrie dar. Ein Schwerpunkt des Jahrestreffens
wurde daher auf das Thema »Umweltorientiertes Dru­
cken« gelegt. Ralf Lokay, Geschäftsführer der Druckerei
Lokay in Reinheim bei Darmstadt, erklärte dabei die Anforderungen an moderne Betriebs- und Hilfsstoffe im Off­
setdruck aus Sicht einer umweltorientierten Druckerei.
Sachgerechte Arbeitsweise sowie die Auswahl geeigneter alternativer, emissionsarmer Arbeitsmittel, z. B. ­die
Wasch- und Reinigungsmittel der Brancheninitiative,
führten nicht nur zu gesundheitlichen und ökologischen
Vorteilen, sondern es resultierten auch niedrigere Kos­
ten, so Torben Thorn vom Bundesverband Druck und
Medien (bvdm). Hier setzt auch ergänzend die Klima­
initiative der Druck- und Medien­verbände an, in der die
Energieeffizienz eine zentrale Rolle spielt.
Ein weiterer Schwerpunkt war die europäische Che­
mikalienpolitik. Sehr intensiv wurden dabei die Auswirk­
ungen der so genannten REACH-Verordnung auf die
Druckindustrie besprochen. Die Anpassung der Brancheninitiative an die GHS-Verordnung und weiterer
Entwicklungen im Bereich der Gesetzgebung standen
ebenfalls zur Diskussion.
Wie geht es weiter? Dieses Treffen hat gezeigt, wie
aktuell das Thema »Brancheninitiative Offsetdruck«
auch nach 15 Jahren immer noch ist. Alle Beteiligten der
Brancheninitiative werden weiterhin daran arbeiten, den
Anteil an leichtflüchtigen Lösemitteln zu senken. Ganz
im Sinne des nachhaltigen und ressourcenschonenden
Druckens. So stellen immer mehr Betriebe heute schon
in der Praxis unter Beweis, dass man vollständig auf den
Feuchtmittelzusatz Isopropanol (IPA) verzichten kann.
Der Fokus der Brancheninitiative liegt daher auch zukünftig auf einer verbesserten Unterstützung für Druck­e­
reien zum Ersatz dieses gesundheitsschädlichen und
umweltbelastenden Feuchtmittelzusatzes.
Erfolgsmodell Brancheninitiative Offsetdruck
Bereits vor 15 Jahren hat die Druckindustrie Eigenini­tia­
tive gezeigt und die Verantwortung für Gesundheits- und
Umweltprobleme übernommen. Durch Koopera­tio­nen
konnten praxistaugliche Lösungen entwickelt werden.
Dies ist nach wie vor beispielhaft und lässt sich, nicht
zuletzt auch durch die Fusion der Berufsgenossenschaft Druck und Papierverarbeitung mit der Berufs­
genossenschaft Energie Textil Elektro, noch auf viele
weitere Gebiete ausdehnen.
Weitere Informationen zur Brancheninitiative zur
Verminderung der Lösemittelemissionen im Offset­druck wie auch die einzelnen Folienpräsentationen des
Jahres­treffens finden sich auf den Internetseiten der
Branchenverwaltung Druck und Papierverarbeitung:
www.bgetem.de [ My ]
Brancheninitiative
Offsetdruck –
15 Jahre gemeinsam erfolgreich
Foto: Enderlein,
Ingelheim
14 | tag für tag 05 / 10 | BG berichtet
BASIS 2010: Neues Gesicht und neue Funktionen
Seit seiner Einführung 2003 erfreut sich das Branchen- und
Arbeitsschutz-Informations-System, kurz BASIS, großen und
vor allem anhaltenden Zuspruchs. Seit Juli 2010 präsentiert
sich BASIS mit einem neuen Auftritt. Eine neue Benutzer­
oberfläche, ein neues Navigationskonzept und eine Fülle
neuer Funktionen erleichtern die Bedienung.
[ 1 ]
[ 2 ]
Durchschnittlich 1.000 Anwender recherchieren Monat
für Monat mit BASIS die individuell passenden Schutzhandschuhe, Hautschutz-, Hautreinigungs- und Hautpflegemittel oder informieren sich mit Informations­
blättern, Broschüren und Studien über den richtigen
Hand- und Hautschutz.
Neue Benutzeroberfläche und Navigation
Navigation, Anordnung der Bedienelemente und Menüstruktur wurden den Quasi-Standards angeglichen, die
sich mittlerweile im Internet durchgesetzt haben. Die
Neuordnung der Navigation verbessert die Übersicht,
erleichtert das Erfassen von Zusammenhängen und das
rasche Identifizieren von Bedienelementen. Benutzer­
oberfläche und Navigation von BASIS 2010 sind so optimiert, dass sich die Bedienung intuitiv erschließt. Deshalb kommt BASIS 2010 ohne jede Hilfe-Funktion aus.
Verbesserte Recherche von Schutzhandschuhen,
Hautschutz-, Hautreinigungs- und Hautpflegemitteln Beim Hand- und Hautschutz-Modul kann die
Recherche nach Schutzprodukten wie gewohnt immer
weiter verfeinert werden. Ausgangspunkt ist dabei ein
Arbeitsplatz, eine Tätigkeit oder ein Gefahrstoff, mit
BG berichtet | tag für tag 05 / 10 | 15
[ 4 ]
[ 3 ]
dem umgegangen wird. Hierbei können die gesuchten
Informationen leicht per »Reiter-Navigation« im zentralen Bereich aufgefunden werden. Zusätzlich kann zwischen der Listenansicht von Schutzprodukten und einer
Detailansicht für jedes Produkt gewechselt werden.
Der Suchpfad »Gefahrstoffe« ermöglicht die Recherche
der Schutzhandschuhe und Hautschutzmittel, die bei
Verwendung der jeweiligen Chemikalie oder Chemika­
lien-Gruppe bei bestimmten Tätigkeiten an bestimmten
Arbeitsplätzen eingesetzt werden können. Hierbei lassen
sich bei Schutzhandschuhen auch die Durchbruch­
zeiten gegenüber dem Gefahrstoff abfragen.
Wie in früheren Versionen des Hand- und Hautschutzmoduls ist die Recherche auch in BASIS 2010 in
zwei Richtungen möglich, das heißt nicht nur ausgehend
von Arbeitsplätzen, Tätigkeiten und Gefahrstoffen, sondern auch in umgekehrter Richtung, direkt beginnend
mit Schutzprodukten, z. B. Schutzhandschuhen. Dabei
lassen sich u. a. unmittelbar Produkteigenschaften oder
Einsatzmöglichkeiten des Produktes ermitteln.
Alle Lieferanten der in BASIS 2010 erwähnten Produkte können über einen eigenen Suchpfad recherchiert
werden. Im Metamenü finden sich neben Angaben zur
BG ETEM bzw. zur Branchenverwaltung Druck und Papierverarbeitung die ebenfalls neu gestalteten Informa­
tionsbereiche »Grundwissen«, »Fachbegriffe« sowie
»Literatur & Links«. In diesen Informationsbereichen
werden BG Broschüren, Infoblätter, Grundlagentexte
und weiterführende Literatur als PDF-Dokumente zur
Verfügung gestellt. Die im Modul verwendeten Termini
können nachgeschlagen werden, eine Liste mit Links
ermöglicht den direkten Zugriff auf weiterführende Informationen und Internetseiten.
Web 2.0-Funktionen Die rechte Spalte ist für Funktionen reserviert, auf die der Nutzer jederzeit zugreifen
kann. Mit der Volltextsuchfunktion kann u. a. nach einem
oder mehreren Ausdrücken gesucht werden.
Neu hinzugekommen ist die Möglichkeit, eine Liste
von Seiten anzulegen, die man sich als Nutzer merken
möchte. Die Merkliste kann als PDF-Dokument angezeigt, auf dem eigenen Rechner gespeichert oder aus­
gedruckt und sogar als E-Mail verschickt werden.
Mit den neuen »Social Networking«-Funktionen
kann die erwähnte Merkliste elektronisch versendet,
jede einzelne Seite per E-Mail empfohlen oder z. B. über
»Facebook« oder »Twitter« weiterverbreitet werden.
Neue Web-Adresse BASIS 2010 wird über eine
Webadresse gestartet: www.basis-dp.de
[ My ]
[ 1 ] BASISModul »Handund Hautschutz«
[ 2 ] Suche nach
Schutzprodukten
für eine spezielle
Tätigkeit
[ 3 ] Ausgehend
von einem Gefahrstoff kann z. B. der
richtige Schutzhandschuh er­­mit­
telt werden.
[ 4 ] Fachbegriffe
können nachgeschlagen werden
16 | tag für tag 05 / 10 | Gesundheit und Sicherheit
Haus ohne Hindernisse Lars Herweg sitzt seit einem
Autounfall im Frühjahr 2002 im Rollstuhl. Wie er sein Schicksal meistert, hat er »tag für tag« bereits vor fünf Jahren in
einem Interview erzählt. Inzwischen wohnt er mit seiner Frau
im eigenen Haus – ein Anlass, den 37-Jährigen erneut zu
besuchen.
Das Wohnzimmer wirkt hell und großzügig. An den
hohen weißen Wänden hängt ein großformatiges Gemälde, der Raum reicht bis unters Dach. Gegenüber der
Essecke führt eine Treppe in die obere Etage, vom Lift
für den Rollstuhl ist auf den ersten Blick nichts zu sehen. »Ich wollte nicht, dass man ins Haus hereinkommt
und denkt, man ist in der Reha-Klinik«, sagt der Hausherr Lars Herweg. Vor vier Jahren haben er und seine
Frau Jeannine sich in der Nähe von Stuttgart ein barrierefreies Haus gebaut: drei Zimmer auf 200 Quadratmetern,
mit Dachterrasse und kleinem Garten.
Eigentlich hätten sie gar nicht vorgehabt, ein Haus ­
zu bauen, erzählt Herweg. Seine Ein-Zimmer-Wohnung
war zu klein, um nach der Hochzeit 2004 dort auf Dauer
zu zweit zu leben. »Doch eine rollstuhlgerechte Miet-
wohnung zu finden, ist nahezu unmöglich.« Sein Rehaberater Bernd Kirschenheuter vermittelte ihnen den
Kontakt zur Frankfurter Architektin Ursula Fuß, die dieser
von einem Weiterbildungsseminar kannte.
Die Architektin weiß aus eigener Erfahrung, worauf
es für Rollstuhlfahrer ankommt – nämlich die Fähigkeiten des Einzelnen zu unterstützen, wie sie sagt. Ursula
Fuß ist seit einem Unfall selbst querschnittsgelähmt
und plädiert für so wenig Hilfsmittel wie möglich. Lieber
gebe sie über die architektonische Gestaltung den Betroffenen die Möglichkeit, sich zu entwickeln. »Gerade
bei frisch Verletzten wirkt sich das psychologisch immer negativ aus, wenn sie überall an ihre Verletzung erinnert werden. Sie ergeben sich dann ihrem Schicksal.«
Gesundheit und Sicherheit | tag für tag 05 / 10 | 17
Anfangs habe auch er gedacht, er brauche alle möglichen
technischen Hilfsmittel, sagt Herweg, doch Ursula Fuß
habe ihn überzeugt. Wenn er irgendwo unterwegs sei,
gebe es schließlich auch nicht überall einen Haltegriff
und er müsse zusehen, wie er zurecht komme. »Man
muss, wenn man rollstuhlgerecht baut, nicht alles mit
elektrischen Helferlein machen«, weiß er heute.
Darum gibt es an seiner Badewanne nun statt eines
Lifters eine gemauerte Sitzfläche, über die er in die
Wanne steigt. Und falls er später doch einmal Halte­
griffe benötigt, lassen die sich problemlos nachträglich
anbringen. Die Wände hat die Architektin statisch bereits dafür ausgelegt. »Die Bewohner müssen lebenslang mit ihrem Haus klar kommen«, sagt sie. Darum
­entwickele und plane sie alle ihre barrierefreien Bauten
ganz individuell.
Auch Herweg, früher Bereichscontroller für alle regionalen Tageszeitungen der Verlagsgruppe Georg von
Holtzbrinck in Deutschland, hat sich intensiv mit der
Planung des Hauses beschäftigt. Die Mehrkosten durch
das barrierefreie Bauen fielen gar nicht so schlimm aus,
stellte er fest. Die Berufsgenossenschaft Energie Textil
Elektro Medienerzeugnisse zahlte außerdem einen Zuschuss. »Das war völlig unkompliziert, das Geld kam ­
in drei Raten«, lobt Herweg. Ein Architekt aus der Gegend übernahm die Bauleitung, nach einem Jahr Bauzeit zogen die Herwegs im Mai 2006 in ihr neues Heim.
Da seine Frau Jeannine ganztags als Kranken­schwes­
ter arbeitet, macht Lars Herweg die Gartenarbeit und
schmeißt auch größtenteils den Haushalt. »Nur das
Staubsaugen und Wischen ist im Rollstuhl nervig«,
sagt er, »man ist so behäbig in den Dingern.« Diese Arbeiten erledige daher sie, erzählt die 36-Jährige.
Dass es in der Küche mit Rücksicht auf ihren Mann
­keine Oberschränke gibt, findet sie ganz praktisch. ­Sie
selbst sei ohnehin nicht so groß. Die Küche kauften sie
auf Anraten der Architektin sogar »von der Stange«,
­ergänzt Herweg.
Seit dem Hausbau hat das Ehepaar keinen richtigen
Urlaub mehr gemacht, für November planen sie eine
Kreuzfahrt von Antalya bis Dubai. Hund Enzo zieht derweil ins Hundehotel. ­Mit dem zweijährigen Neufund­
länder ist Herweg viel ­unterwegs, alle drei Monate muss
er seinen Rollstuhl neu bereifen lassen. Die Kosten
dafür übernehme die Berufsgenossenschaft gern, sagt
sein Rehaberater Bernd Kirschenheuter. »Wenn wir
sehen, einer braucht oft neue Reifen, wissen wir wenigstens, dass er sich viel bewegt und aktiv ist.«
Lars Herweg überlegt, sich künftig sozial zu enga­
gieren. »Ich habe viel Glück gehabt«, findet er. »Die
­Berufsgenossenschaft hat mein Leben auf so gesunde
Füße gestellt, dass ich entspannt sein und ehrenamtlich
etwas zurückgeben kann.« [ miu ]
18 | tag für tag 05 / 10 | Gesundheit und Sicherheit
Einfache Rückenübungen für den Alltag Schwere
Gewichte heben, Lasten falsch heben oder zu viel sitzen –
das alles kann zu Rückenbeschwerden oder ernst­haften
Schäden an der Wirbelsäule führen. Die Experten raten:
mehr bewegen und den Rücken durch angemessene Belas­
tungen stärken.
Übung 2
Um Rückenschmerzen vorzubeugen und bereits bestehende Beschwerden zu lindern, ist ein Mix aus Dehn-,
Kräftigungs- und Koordinationsübungen sinnvoll. Die
Aktion Gesunder Rücken e.V (AGR) hat gemeinsam mit
der Konföderation der deutschen Rückenschule (KddR)
einfache Übungen zusammengestellt, die problemlos
und ohne viel Aufwand in den Alltag integriert werden
können. Einige davon können auch in den Arbeitspausen
im Betrieb durchgeführt werden. Eine Auswahl haben
wir hier zusammengestellt. Weitere Übungen, z. B. mit
einem Gymnastikball oder einer Gymnastikmatte, finden
Sie zum Download auf der AGR-Internetseite unter
www.agr-ev.de/uebungen
1
2
Dehnübungen
Zum Einstieg und Aufwärmen sind einfache Dehnübungen gut geeignet. Sie entspannen die Muskeln und halten
diese beweglich.
Übung 1
Dehnt die Schultern Umfassen Sie mit der einen Hand
das Handgelenk der anderen Hand und ziehen den Arm
über den Kopf zur Gegenseite. Halten Sie die Spannung
ca. 10 Sekunden und wiederholen die Übung mit dem
anderen Arm.
Dehnt die Oberarmmuskeln Strecken Sie einen Arm
senkrecht nach oben und beugen den Ellbogen so weit
wie möglich hinter den Kopf. Anschließend mit der anderen Hand den Ellbogen in Richtung der gegenüber­
liegenden Schulter ziehen. Spannung ca. 10 Sekunden
halten und dann den Arm wechseln.
Übungen mit dem Turnstab
Der Turnstab kann besonders gut zur Kräftigung und
Dehnung der Schultermuskulatur eingesetzt werden.
Darüber hinaus eignet er sich zur Eigenwahrnehmung
der Körperhaltung. Halten Sie mit beiden Händen den
Stab senkrecht auf Ihren Rücken. Berühren der Hinterkopf, die Brustwirbelsäule und das Becken den Stab?
Wenn ja, dann ist Ihre Wirbel­säule auf jeden Fall gerade.
3
Übung 3
Kräftigt Schulter- und Rückenmuskulatur Setzen Sie
sich aufrecht auf einen Stuhl, kippen das Becken leicht
nach vorne und heben das Brustbein an. Fassen Sie nun
mit beiden Händen den Turnstab und strecken die Arme
senkrecht über den Kopf. Neigen Sie nun den Oberkörper nach vorn und drehen ihn abwechselnd mit kleinen,
relativ schnellen Bewegungen von rechts nach links.
4
Gesundheit und Sicherheit | tag für tag 05 / 10 | 19
Übung 4
Übungen mit Hanteln
Dehnt die Schultermuskeln Nehmen Sie wieder die aufrechte Sitzhaltung ein und greifen den Stab an je einem
Ende. Führen Sie diesen senkrecht hinter den Rücken
und versuchen Sie die Hände am Stab so weit wie möglich zusammenzuführen. Halten Sie die Position ca. ­
10 Sekunden und wechseln Sie dann die Arme. Führen
Sie die Übung ca. 30 Sekunden lang durch und achten
Sie darauf, dass der Rücken dabei gerade bleibt.
Gerade Kurzhanteln sind durch ihre Handlichkeit ein geeignetes Trainingsgerät, um die Kraftausdauer effektiv
zu verbessern. Wählen Sie das Gewicht der Hanteln so,
dass Sie die Übungen ohne Schulterverspannungen
ausführen können.
5
6
Übungen mit dem Theraband
Auch das Theraband ist zur individuellen Kräftigung
der Muskulatur geeignet. Die Bänder gibt es in verschiedenen Stärken. Wählen Sie für die folgenden Übungen
die Stärke so aus, dass Sie rund 10 Wiederholungen der
Übungen schaffen.
Übung 5
Kräftigung der Schultern Setzen Sie sich aufrecht hin
und achten Sie darauf, den Rücken gerade zu halten.
Fassen Sie das Theraband mit beiden Händen in einem
Abstand von rund 30 cm, die Hand­flächen zeigen dabei
nach oben. Lassen Sie die Schultern locker hängen und
ziehen das Band mit beiden Händen auseinander. Anschließend die Spannung langsam lösen. Wiederholen
Sie die Übung ca. 10 Mal.
Übung 6
Stärkt den Rücken Setzen Sie den rechten Fuß auf das
Theraband und nehmen das andere Ende in die linke
Hand. Führen Sie anschließend gegen den Widerstand
des Bandes den linken Arm diagonal nach links oben.
Lösen Sie die Spannung und senken den Arm so weit
ab, bis Sie immer noch eine Spannung in der Schulter
spüren. Wiederholen Sie die Übung ca. 10 Mal und
wechseln im Anschluss den Arm.
7
Übung 7
Kräftigt die tiefe Rückenmuskulatur und stabilisiert
die Wirbelsäule Setzen Sie sich aufrecht auf einen Stuhl
und strecken die Arme senkrecht nach oben. Neigen Sie
Ihren Oberkörper nach vorn. Heben und senken Sie nun
beide Arme ca. 30 Sekunden lang in kurzen, schnellen
Hackbewegungen. Strecken Sie dabei Ihre Wirbelsäule.
Übung 8
Stärkt die Schulter- und Brustmuskeln Heben Sie
­ eide Arme seitlich mit angewinkelten Ellenbogen nach
b
oben. Anschließend die Hanteln und Ellenbogen vor
dem Kopf aufeinander zu führen. Die Bewegung ca. ­
10 Mal ausführen.
Weitere Informationen
ww.agr-ev.de
w
www.kddr.de
8
Fotos: AGR,
Selsingen
20 | tag für tag 05 / 10 | Gesundheit und Sicherheit
Wie leicht kippt ein Mitgänger-Flurförderzeug?
Mitgänger-Flurförderzeuge sind wesentlich langsamer als
Gabelstapler, sie können aber genau wie ein Gabelstapler kippen, insbesondere wenn sie ein Hubgerüst haben. Wer einige
einfache Grundregeln beachtet, kann dies sicher verhindern.
MitgängerFlur­förder­zeug
kippt zur Seite
Gesundheit und Sicherheit | tag für tag 05 / 10 | 21
[ 1 ] Schmales Standviereck eines MGFs
[ 2 ] Breites
Standviereck eines
Gabelstaplers
[ 1 ]
Die Kurvenlage und Standfestigkeit eines Fahrzeuges
ist umso besser, je breiter der Radstand ist und je tiefer
der Schwerpunkt liegt. Gabelstapler und MitgängerFlurförderzeuge (MGF) sind relativ schmal gebaut, wobei das Standviereck eines MGFs noch schmaler ist, als
das Standviereck eines Gabelstaplers. Aufgrund des
schmalen Standvierecks können MGFs besonders leicht
zur Seite kippen.
So kann ein Mitgängerflurförderzeug kippen
Mit eingeschlagenen Rädern und angehobener Last
reicht eine Bodenunebenheit, ein Anfahren an ein Regal
oder eine un­kontrollierte Fahrbewegung; das MGF kippt
zur Seite und die schwere Last stürzt unkontrolliert ab.
Wer z. B. den Anfahrschutzschalter an der Deichsel
unbeabsichtigt nachhaltig drückt, bringt ein MGF zum
»Zurückspringen« und ggf. zum Kippen. [ Pl ]
Weitergehende Information
U
nterweisungsunterlage Mitgänger-Flurförderzeuge
der BG ETEM Branchenverwaltung Druck und Papierverarbeitung, Bestellnummer 233-21
L
ehrfilm »Mitgänger-Flurförderzeuge – die kleinen
Brüder der Gabelstapler« unter www.bghw.de
[ 2 ]
[ 3 ]
[ 3 ] Lastaufnahme
beim MGF: Dicht
am Gabel­rücken
und mittig zur Längsachse
Tipps
ie Last so aufnehmen, dass sie auf den Gabelzinken
D
symmetrisch zur Mittelachse des MGFs verteilt ist und
am Gabelrücken anliegt.
MGF nur mit abgesenkter Last verfahren.
Beim Ein- und Auslagern an höher gelegenen Plätzen,
also mit angehobener Last, keine Kurven fahren.
Wichtig ist es, den sicheren Umgang mit einem MGF
bei der Unterweisung praktisch einzuüben, da z. B.
verschiedene MGF unterschiedlich reagieren.
22 | tag für tag 05 / 10 | Gesundheit und Sicherheit
Regale regelmäßig prüfen Regale können bei einer
Beschädigung ihre Tragfähigkeit verlieren und unvorherseh­bar
zusammenstürzen. Abgesehen von den Schäden an dem ge­­la­gerten Material besteht Lebensgefahr für alle, die sich in der
Nähe des Regals aufhalten. Jeder größere Schaden muss
daher unverzüglich behoben werden. Um dies zu gewährleisten,
müssen Regale sorgfältig überwacht und gewartet werden.
Gesundheit und Sicherheit | tag für tag 05 / 10 | 23
Die Betriebssicherheitsverordnung und die europäische
Norm DIN EN 15635 fordern von Lagerbetreibern, dass
ihre Regale regelmäßig geprüft werden. Alle Lagereinrich­
tungen wie Regale, Palettenregale, Hochregallager usw.
sollten systematisch und regelmäßig geprüft werden.
Verantwortlichen für Lagereinrichtungen be­
nennen Jeder Betrieb, der Regale betreibt, muss einen
Mitarbeiter benennen, der sich um die Sicherheit der
Regale und sonstiger Lagereinrichtungen kümmert.
Zu seinen Aufgaben gehört, dass er
P
rüffristen festlegt
P
rüfungen veranlasst
d
ie durchgeführten Prüfungen dokumentiert
o
rganisiert, dass er über Schäden an einem Regal
sofort informiert wird.
Der Verantwortliche für Lagereinrichtungen muss nicht
selbst prüfen.
Welche Prüfungen müssen durchgeführt werden?
Die EN 15635 unterscheidet sofortige Meldungen, regelmäßige Sichtkontrollen und Experteninspektionen.
Die Häufigkeit und der Umfang der Prüfungen hängen
vom jeweiligen Regal und seinen Betriebsbedingungen
ab und sind vom Verantwortlichen für Lagereinrichtungen
zu bestimmen. Die Sichtkontrollen sollen mindes­tens
wöchentlich durchgeführt werden, die Experteninspektionen in einem Abstand von längstens 12 Monaten.
Werden bei einer Sichtkontrolle keine neuen Beschädigungen gemeldet, kann die Prüffrist verlängert werden.
Das setzt voraus, dass alle Beschädigungen dokumentiert werden.
Festgestellte Mängel sofort melden Wird ein
Sicherheitsproblem oder Schaden festgestellt, muss
der Verantwortliche für das Regallager sofort informiert
werden. Alle Mitarbeiter müssen dazu eine formale
Anweisung erhalten.
Sichtkontrolle Die Kontrolle wird üblicherweise vom
Boden aus durchgeführt, denn im Bodenbereich treten
auch die meisten Beschädigungen auf. Falls eine Prüfung
in höher liegenden Bereichen erforderlich wird, muss
ein sicherer Zugang gewährleistet sein. Die wichtigsten
statischen Aspekte der Prüfung sind:
S
chäden durch Stoßeinwirkung an einem beliebigen
Teil der Konstruktion, speziell Beschädigung von
Stützen und Trägern (vgl. Abbildung »Messverfahren«)
L
otrechte Regalstützen
Zustand und Grad der Wirksamkeit sämtlicher
Bau­teile, insbesondere Fußplatten und Träger-/
Stützen-Sicherungen
Risse in Schweißnähten oder im Grundmaterial
Zustand des Gebäudebodens
Lage der Lasten auf der Palette
Position des Ladehilfsmittels, z. B. Paletten oder
Gitterbox auf dem Regal und auf dem Boden
Regal ist nach der Montageanleitung gebaut.
Weitere zu kontrollierende Sicherheitsaspekte
Sind Belastungs- und Informationshinweise vor­
handen und aktuell?
Sind keine Lagerplätze zu schwer beladen?
Sind die Ladeeinheiten ausreichend stabil?
Ragen die Ladeeinheiten nicht zu weit aus den
Regalen heraus?
Die Sichtkontrollen kann und soll ein eigener Mit­ar­­beiter durchführen. >>
24 | tag für tag 05 / 10 | Gesundheit und Sicherheit
Palettenregalträger
Palettenregalträger
Messlänge
3 mm
5 mm
10 mm
Hälfte der
Messlänge in 1.000 mm
10 mm
GRÜNE GEFAHRENSTUFE
Grenzwerte werden
nicht überschritten
ORANGE GEFAHRENSTUFE
Grenzwerte werden um einen
Faktor < 2 überschritten
ROTE GEFAHRENSTUFE
Grenzwerte werden um einen
Faktor > 2 überschritten
Bedeutung
Die grüne Gefahrenstufe bedeutet: Keine
­Verminderung der auf dem Belastungsschild
angegebenen Tragfähigkeit. Es ist keine
­sofortige Reparatur erforderlich.
Die Beschädigung ist gravierend genug, um ­
sie beheben zu müssen, sie ist aber nicht so
schwerwiegend, dass sie ein umgehendes
­Entladen des Regals erfordert.
Dies Beschädigung ist kritisch. Die Zone
des Regals ist sofort zu entladen und ­
für eine weitere Benutzung zu sperren,
bis eine Reparatur ausgeführt worden ist.
Maßnahmen
10 mm
Die Bauteile sind geeignet für den weite­ren
Einsatz. Die Beschädigung ist zu protokollieren.
Sie sind deutlich für eine erneute Überprüfung
und Beurteilung bei künftigen Prüfungen zu
kennzeichnen.
Wenn ein beschädigtes Bauteil entlastet
­worden ist, darf es nicht wieder belastet werden, bevor Reparaturen durchgeführt worden
sind. Die Regale der orangen Gefahren­
stufe sollen, falls sie nicht innerhalb von vier
Wochen nach der ersten Kennzeichnung
repariert worden sind, als rote Gefahren­
stufe neu gekennzeichnet werden.
Die Teile müssen normalerweise aus­
getauscht werden. Die Zonen müssen
abgesperrt werden. Es ist sicherzustellen,
dass sie vor der Reparatur nicht wieder
benutzt werden können. Zum Beispiel
könnte ein bestimmtes Feld im Beisein
des Kontrolleurs ent­laden und mit einem
Seil abgesperrt werden.
Ist eine Stütze so beschädigt worden, dass gleichzeitig eine Knickung sowohl in Gang­querrichtung als auch Ganglängsrichtung besteht, wird
die Verformung separat gemessen und die entsprechenden Grenzwerte von 5 mm und 3 mm müssen dabei beachtet werden. Bei einer
­Knickung der Aussteifungselemente in der einen oder anderen Ebene darf der Zwischenraum zwischen Lineal und Aussteifungselement nicht
größer als 10 mm sein, gemessen über eine Messlänge von 1 m oder verhältnisgleich, wenn eine Messlänge von 1 m nicht ausführbar ist.
Gesundheit und Sicherheit | tag für tag 05 / 10 | 25
Experteninspektion Für eine Experteninspektion sind
umfassende Kenntnisse über Regale erforderlich. Prüfen
darf, wer auf Grund seiner fachlichen Ausbildung und
Erfahrung ausreichende Kenntnisse über das Regal besitzt
und mit den einschlägigen staatlichen Arbeitsschutz­­vor­
schriften, Unfallverhütungsvorschriften und allgemein
anerkannten Regeln der Technik soweit vertraut ist, dass
er den arbeitssicheren Zustand des Arbeitsmittels be­ur­
teilen kann. Diese Anforderungen erfüllen z. B. die spe­
ziell ausgebildeten Monteure der Regalhersteller und
Wartungsfirmen sowie entsprechend ausgebildete Mitarbeiter des Betriebes.
Der Prüfer muss einen schriftlichen Bericht über
Beobachtungen und Vorschläge zu erforderlichen Maßnahmen erstellen.
Kritische Beschädigungen unverzüglich besei­
tigen (rote Gefahrenstufe) Werden kritische Beschädigungen festgestellt, müssen diese unverzüglich
beseitigt werden. Bei Schäden an dem Regal selbst,
z. B. Risse in Schweiß­nähten, sollte der Betrieb eine
Fachfirma, etwa den Regal­hersteller beauftragen, den
Schaden zu begut­achten und zu beseitigen.
Prüfung dokumentieren Der Verantwortliche für
das Regal muss alle gemeldeten Mängel und alle durchgeführten Prüfungen dokumentieren.
Beurteilung von Beschädigungen an Paletten­
regalträgern Unter normalen Umständen und Belas­
tungsbedingungen biegen sich Träger bis zur maximal
zulässigen Grenze durch. Diese ist eine elastische Durch­
biegung, die bei Entlastung der Träger verschwinden
sollte. Bleibende Verformungen entstehen z. B. durch
Überlastungen des Regals.
Wurde ein Palettenregalträger überlastet oder durch
einen Stoß beschädigt, ist dies zu erkennen an:
b
leibenden vertikalen Verformungen
b
leibenden horizontalen Verformungen
e
iner deutlich erkennbaren Verformung der Träger­
anschlusslaschen. Diese müssen entlastet werden
und fachmännischer Rat vom Lieferanten der Einrichtung eingeholt werden.
R
isse an Schweißungen zwischen dem Trägerprofil
und der Anschlusslasche.
Fotos: Otto Kind AG
Träger bzw. Laschen, die Anzeichen von Rissen auf­
weisen oder zu stark verformt sind, müssen entlastet
werden: Diese Träger müssen in Stand gesetzt oder
ausgetauscht werden. Dazu sollte fachmännischer
Rat vom Lieferanten des Regals eingeholt werden.
[ Nl ]
Weitere Informationen
DIN EN 15635 »Ortsfeste Regalsysteme aus Stahl –
Anwendung und Wartung von Lagereinrichtungen«
vom August 2009 BGR 234 »Lagereinrichtungen und
Geräte«
26 | tag für tag 05 / 10 | Aus der Praxis
Gesünder und schneller durch Eigenentwicklungen
Am 15. Juni 2010 hat die Berufsgenossenschaft zum zweiten
Mal ihren Präventionspreis für die Branchen Druck und Papierverarbeitung verliehen. Neun gute Lösungen aus der Praxis ­für
die Praxis wurden ausgezeichnet. Diese nach­ahmenswerten
Projekte werden in dieser und den kommenden Ausgaben der
»tag für tag« vorgestellt. Den ersten Preis für die Branche Druck
und Papierverarbeitung erhielt die Transfertex GmbH & Co.
Thermodruck KG aus Kleinostheim.
Aus der Praxis | tag für tag 05 / 10 | 27
[ 1 ]
[ 2 ]
[ 3 ]
[ 4 ]
[ 5 ]
[ 6 ]
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automatisch
gewechselt
Das Unternehmen hat mit Hilfe zweier Entwicklungen
nicht nur die körper­lichen Belastungen ihrer Mitarbeiter,
sondern auch durch Kosteneinsparungen das Betriebsergebnis verbessern können.
Die Firma Transfertex GmbH & Co. Thermodruck KG
ist auf den Transferdruck für die Textil- und Kunststoffindustrie sowie auf Dekorfolien für die Holzverarbeitungsindustrie spezialisiert. Produziert wird auf insgesamt acht Tiefdruckmaschinen. Die Firma hat ihren Sitz
in Kleinostheim bei Aschaffenburg und beschäftigt
ca. 180 Mitarbeiter.
Zylinderwechsel: früher unergonomisch und
langwierig Für den Wechsel der 150 bis 400 kg schweren Druckzylinder an den Tiefdruckmaschinen wurden
früher zwei Mitarbeiter benötigt. Zunächst wurde ein
leerer Wagen zwischen die Druckwerke gefahren. Um
ein Verkanten zu vermeiden, mussten dann die beiden
Mitarbeiter gemeinsam den Zylinder von den Lager­
schalen des Druckwerks auf den Zylinderwagen rollen.
Der Zylinderwagen wurde herausgefahren und gegen
den bereitstehenden Wagen mit dem neuen Druckzylinder gewechselt. Der Druckzylinder wurde dann wieder
zu zweit in de Lagerschalen des Druckwerks gerollt.
Diese Arbeit erfolgte in einer äußerst ungünstigen Körperhaltung: seitlich verdreht, neben dem Zylinderwagen
stehend. Das ist sehr beschwerlich für die Mitarbeiter
und kann auf Dauer zu Rückenbeschwerden und bandscheibenbedingten Erkrankungen führen. Solche Erkrankungen bedeuten auch häufig lange Ausfallzeiten.
Automatischer Zylinderwechsel: heute schnell
und ergonomisch Um an den neuen Tiefdruckmaschinen auch kleinere Auflagen realisieren zu können,
sollte der Wechsel der Druckzylinder beschleunigt
werden und gleichzeitig so ablaufen, dass die Mitarbeiter entlastet werden. Deshalb entwickelte Transfertex
einen Zylinderwagen, mit dem der Zylinderwechsel an
den Tiefdruckmaschinen automatisch abläuft.
Zunächst wird der Zylinderwagen mit dem Druck­
zylinder für den nächsten Auftrag vor das Druckwerk
gefahren. Der Druckzylinder in der Maschine wird vom
Bediener entriegelt. Per Schaltbefehl des Bedieners wird
der Druckzylinder freigegeben und rollt nach vorne auf
die untere Führung der C-förmigen Wechselrahmen des
Zylinderwagens.
>>
28 | tag für tag 05 / 10 | Aus der Praxis
[ 1 ]
[ 2 ]
[ 4 ]
[ 5 ]
[ 1 – 6 ] Wechsel
einer Materialrolle
Durch das Gewicht des Druckzylinders senken sich
die Wechselrahmen so weit ab, dass der neue Druck­
zylinder über die oberen Wangen der Wechselrahmen
in die Lagerschalen des Druckwerks rollen kann. Anschließend verriegelt der Bediener das Druckwerk und
kann den Zylinderwagen herausfahren. Insgesamt ­sind
30 solcher Wagen für den Wechsel der Tiefdruckzylinder bei Transfertex im Einsatz.
Durch den automatischen Zylinderwechsel entfallen
für die Mitarbeiter die körperliche Belastung sowie die
Quetschgefahr beim Ein- und Ausbau der Zylinder.
Die Rüstzeit gegenüber dem Zylinderwechsel von Hand
wurde nahezu halbiert. Eine Person reicht aus, um den
Zylinderwechsel durchzuführen.
Ergonomische Entnahme von Materialrollen
Auch der Ausbau fertig bedruckter Rollen aus den
Aufwickeleinrichtungen der Tiefdruckmaschinen war
umständlich und belastete die Mitarbeiter. Die Mitar­
beiter von Transfertex haben sich daher auch überlegt,
wie diese Belastungen reduziert werden können.
Es wurde ein Rollenausbauwagen mit integrierter
Sackkarre entwickelt. Der Rollenausbauwagen ist so
­ ebaut, dass er auf der integrierten Sackkarre zwei
g
­Materialrollen aufnehmen kann. Außerdem ist der
­Rollenausbauwagen mit Papphülsen und zugehörigen
Abdeckkappen bestückt.
Der Rollenausbauwagen wird zunächst vor die
­Auf­wicklung bzw. das Drehkreuz gefahren. Über das
Drehkreuz der Aufwicklung wird die Ma­terialrolle automatisch in die Entnahmeposition auf der Bedienerseite
geschwenkt. Der Beschäftigte führt dann vorbereitende
Arbeiten zur Entnahme der Rolle aus. Der Wagen wird
im Folgenden vom Bediener mit der Aufnahmestation
unter der Rolle positioniert. Das Drehkreuz verfährt
­daraufhin weiter, bis die Rolle in der Aufnahmestation
aufliegt. Der Wagen wird zurück­gefahren. Die Materialrolle wird seitlich in die Transportstellung geschoben
und eine neue Papphülse wird in der Aufnahmestation
bereit gelegt. Die Pneumatikwelle aus Aluminium wird
aus der Materialrolle entnommen und in die Papphülse
eingeführt. Die Papphülse mit Pneumatikwelle wird von
Hand in die Wellenauf­nahme des Drehkreuzes eingespannt. Im nächsten Schritt werden die Hülsenöffnungen
der abzutransportierenden Materialrollen mit Abdeckkappen verschlossen.
Aus der Praxis | tag für tag 05 / 10 | 29
»In Verbindung mit einem effizienten und
kostenoptimierten Produktionsablauf nennen
wir das einen echten Geschäftserfolg.«
[ 3 ]
Martin Müller, Produktionsleiter bei Transfertex
[ 6 ]
Die Sackkarre, auf der die beiden Materialrollen auf­
liegen wird ausgeklinkt und nach unten gekippt.
Die Materialrollen können jetzt mittels Sackkarre zur
Verpackungsstraße transportiert werden.
An jeder Aufwicklung der acht Tiefdruckmaschinen
kommt ein solcher Rollenausbauwagen zum Einsatz.
Fazit Durch beide Einrichtungen, die von der Pro­­duk­
tionsleitung, der Werkstatt und einem Ingenieur ent­
wickelt wurden, konnte Transfertex die körperlichen
Belastungen und die Unfallgefahren für die Mitarbeiter
an den Tiefdruckmaschinen deutlich reduzieren. Für
Martin Müller, Produktionsleiter bei Transfertex, haben
diese Maßnahmen auch Rationalisierungseffekte. [ Eu ]
Weitere Informationen Die hier dargestellte Lösung
ist in einem Video ausführlich dargestellt: www.bgdp.de
(Präventionspreis, Preisträger 2010).
Fotos: Ulrich Weinert
media contact Köln
30 | tag für tag 05 / 10 | Aus der Praxis
Optimiertes­
Gefahrstoffver­
zeichnis und
Handschuhplan
Hautschutz optimiert Als sich bei einem Offsetdrucker
der Beginn einer Hauterkrankung zeigte, reagierten die Ver­
antwortlichen von GEWA Etiketten in Bingen am Rhein um­­
gehend. Der Drucker wurde vorübergehend an einen anderen
Arbeitsplatz versetzt und der vorhandene Handschuhplan
wurde mit Hilfe der Berufsgenossenschaft optimiert. Dadurch
konnte der Betrieb vermeiden, dass aus der beginnenden
Hauterkrankung ein ernsthaftes Hautproblem wird.
GEWA Etiketten stellt an zwei Standorten Nassleimund Haftetiketten für die Wein-, Spirituosen- und Sekt­
industrie her. Gedruckt wird je nach Kundenanforderung
im Offsetdruck, Flexodruck oder Siebdruck. Auch UVFarben werden eingesetzt. Die Etiketten können z. B. mit
unterschiedlichen Prägeverfahren veredelt werden.
Sofortmaßnahme: Innerbetriebliche Umsetzung
Nachdem die Hauterkrankung vom behandelnden Arzt
bei der Branchenverwaltung Druck und Papierverarbei­
tung der BG ETEM (BG) gemeldet wurde, hat die BG den
Betrieb angesprochen, um zu prüfen, ob eine berufliche
Verursachung vorliegt, und um den Betrieb zu beraten.
Dabei stellte sich heraus, dass der Offsetdrucker zumin­
dest vorübergehend bereits in eine andere Abteilung
versetzt worden war. Damit konnte der Betrieb vermeiden,
dass der Drucker weiter mit Arbeitsstoffen in Berührung
kam, die seine Haut schädigen. Dies war möglich, weil
alternative Arbeitsplätze vorhanden sind und der Mitar­
beiter auch die entsprechende Qualifikation mitbrachte.
Aus der Praxis | tag für tag 05 / 10 | 31
Zusammenarbeit mit der BG »Wir haben in unse­
rem Betrieb seit Jahren einen Hautschutzplan und wa­
ren daher der Meinung, Hautprobleme seien bei uns ­
kein Thema«, so der Geschäftsführer Uwe Refflinghaus.
»Bei der Auswahl der Chemikalienschutzhandschuhe
haben wir natürlich auch darauf geachtet, dass mit den
eingesetzten Handschuhen alle bei uns eingesetzten
Arbeitsstoffe abgedeckt sind«, erinnert sich Horst
­Podewils, Fachkraft für Arbeitssicherheit.
Die BG hat vom Betrieb die Sicherheitsdatenblätter
von allen Arbeitsstoffen erhalten, mit denen der Offset­
drucker in Berührung gekommen war, und hat sich die
Situation vor Ort angesehen. Dabei zeigte sich, dass
die verwendeten Schutzhandschuhe nicht für alle Fälle
optimal waren. Um den Hautschutz zu vereinfachen,
wurde eine möglichst überschaubare Zahl an verschie­
denen Handschuhtypen eingesetzt. Dies ist grundsätz­
lich zu befürworten. Bei einigen Arbeiten stellte sich
jedoch heraus, dass der Tragekomfort bzw. das ge­
wünschte Fingerspitzengefühl fehlte. Dies führte letzten
Endes dazu, dass die Schutzhandschuhe nicht von allen
hundertprozentig akzeptiert wurden. Die Mitarbeiter
verzichteten bei einigen Arbeiten auf die Handschuhe.
Gefahrstoffe minimieren Bei GEWA wird, auch
­ edingt durch die verschiedenen Druckverfahren, eine
b
größere Zahl an Arbeitsstoffen eingesetzt. In einem
­ers­ten Schritt wurde daher geprüft, ob alle vorhandenen
Arbeitsstoffe notwendig sind oder ggf. durch vorhande­
ne bzw. weniger gefährliche Arbeitsstoffe ersetzt wer­
den können. Zunächst wurden das Gefahrstoffverzeich­
nis aktualisiert und einige Arbeitsstoffe ersetzt.
spezielle Anforderungen, z. B. Fingerspitzengefühl, Tra­
gekomfort und Schwitzen, berücksichtigt. Ergebnis die­
ser Analyse war eine Liste der BG mit empfehlenswer­
ten Schutzhandschuhen für alle Tätigkeiten des Off­set­
dru­ckers. Auf Grundlage dieser Empfehlungsliste hat
der Betrieb mit einem Lieferanten für Schutzhandschuhe
­einen neuen Handschuhplan erstellt. In diesem Hand­
schuhplan wurden alle Tätigkeiten im Betrieb berück­
sichtigt, nicht nur die des Offsetdruckers.
Hauterkrankung im Griff Die medizinischen Unter­
suchungen des Offsetdruckers ergaben, dass er auf
die Acrylate in den UV-Farben eine Allergie entwickelt
hatte. Um den Hautkontakt mit diesen Farben zu vermei­
den, wurde der Offsetdrucker ein weiteres Mal versetzt.
Er ar­beitet jetzt an Offsetdruckmaschinen, die ohne
diese UV-Farben drucken. Die Hautsymptome sind
verschwun­den.
Fazit Der Betrieb hat durch die Sofortmaßnahme, den
Offsetdrucker an einen anderen Arbeitsplatz zu verset­
zen, dazu beigetragen, eine Verschlimmerung der Haut­
erkrankung zu vermeiden. Vorbildlich war auch, dass
der Handschuhplan nicht nur für den betroffenen Off­
setdru­cker, sondern für alle Mitarbeiter optimiert wurde.
»Nach­dem uns bekannt war, dass unsere Schutzhand­
schuhe nicht hundertprozentig akzeptiert werden, ha­
ben wir den Handschuhplan gleich für alle Arbeitsplätze
erneuert. Vergleichbare Hautprobleme könnten sonst
auch bei anderen Mitarbeitern auftreten«, so Firmenchef
Matthias Walter. Als nächstes soll jetzt die gesamte
Gefährdungs­beurteilung überarbeitet werden.
[ 1 ] Matthias
­Walter (links) ­
im Gespräch mit
Uwe Refflinghaus
(Mitte) und
Horst Podewils
[ 2 ] Der Off­setdrucksaal
Optimierung des Hautschutzplans Gemeinsam
mit der BG wurden dann alle Arbeitsabläufe des Off­set­
dru­ckers noch einmal analysiert. Dabei wurden auch
Fotos: Frey, Egling
[ 2 ]
[ 1 ]
Plakat: Best.-Nr.145.16 (Format DIN A1 oder DIN A2 angeben)
Wo sich Masse bewegt, kann es schnell eng werden.
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