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Freitag, 15. Januar 2010
Seite 3
HZ - NÜRNBERGER LAND
Wie das Ende der Welt
Laufer Kantor berichtet über die Katastrophe auf Haiti
LAUF/ PORT-AU-PRINCE –Nach
der Erdbebenkatastrophe auf Haiti
ist einer ganz nah dran, der in Lauf
arbeitet: Kantor Jean M. Benoit
stammt von dem karibischen Inselstaat, seine Familie und viele seiner
Freunde leben dort. Der 30-Jährige
geht davon aus, dass einige umgekommen sind, in einem Fall hat er
Gewissheit. Seine beiden Brüder haben überlebt, zu ihnen hat er Kontakt. Seit Tagen telefoniert er pausenlos.
„Es ist für mich sehr schwierig“,
sagt er im Gespräch mit der PegnitzZeitung. Dem sonst fröhlichen Kirchenmusiker ist am Telefon nicht
unmittelbar anzumerken, wie nah
ihm die Katastrophe geht und wie
nah er an ihr dran ist. Das ändert
sich aber, je mehr er erzählt. Beharrlich versucht er, Freunde und Bekannte im Zentrum des Bebens, in
Port-Au-Prince, zu erreichen. Er
will wissen, wie es um die Menschen
steht und er will helfen, so sehr er
nur kann.
„Die Menschen leiden“, sagt er,
alles liegt in Trümmern, die Stadt
samt Präsidentenpalast, Krankenhaus, Polizei und Flughafen ist quasi vom Erdboden verschwunden, die
Hauptstadtbewohner irren umher,
steigen über Schutthalden und stoßen immer wieder auf Tote - „manche sitzen auf der Straße und weinen
nur“. Die Informationen Benoits
stammen direkt aus Port-au-Prince,
mit über 100 Leuten dort hatte der
Kantor bis gestern gesprochen.
Ein Freund habe ihm schließlich
berichtet, dass die beiden Brüder des
30-Jährigen überlebt haben. Mit einem hat er inzwischen gesprochen.
Eine Tante ist vermisst, so wie viele
weitere Bekannte - „ich gehe davon
aus, dass sie umgekommen sind“,
sagt Benoit. Und die Eltern? „Ich habe sie noch nicht erreicht“, sagt er,
aber da sie im entfernten Les Cayes
leben, das weniger betroffen ist, geht
er davon aus, dass es ihnen gut geht.
Anders in der Hauptstadt. Mit sei-
nen Anrufen versucht Benoit auch,
aus der Ferne zu koordinieren. „Die
Leute dort erleben das Ende der
Welt. Sie wissen in der zerstörten
Stadt nicht, wo sie sind. Sie haben
keine Orientierung“, berichtet er.
Der in Bayreuth lebende Laufer
Kantor versucht, Kontakte untereinander herzustellen. Denn es fehlt
nicht nur an Wasser, Essen und Ordnungshütern im Chaos, sondern auch
an Ladestationen für die HandyPrepaid-Karten und damit an überlebenswichtiger Information.
„Ich schaue, was möglich ist“, sagt
Benoit und meint damit seinen kleinen Beitrag, bis die dringend benötigte Hilfe von außen bei den einzelnen Menschen ankommt. „Alle warten darauf“, weiß er. Viele Helfer
seien bereits dort, allen voran aus
den USA. Nicht gerade hilfreich ist
die allgemeine politische Lage im
ärmsten Land der westlichen Welt.
„Die Regierung ist total überfordert“, weiß Benoit. Das bekannte
Flechtwerk der Korruption hat nicht
gerade zu stabilen Verhältnissen
beigetragen. Ein weiteres schwerwiegendes Problem für die gesamte
Halbinsel ist die extreme Ausrichtung auf die Hauptstadt.
Ein typisches Erdbebengebiet ist
Haiti nicht, sagt der Kantor, der die
Insel 2001 gen Deutschland verließ.
Niemand habe dort mit dieser größten Entladung seit über 200 Jahren
gerechnet. Im Blickfeld waren eher
heftige Wirbelstürme, die ebenfalls
katastrophale Zerstörungen anrichteten. Nach dem schweren Hurrikan
im Jahr 2008 war Benoit zuletzt in
seiner Heimat.
Seit 1998 engagiert er sich für die
Hilfsorganisation „MAEH“ (Ministere d’Aide aux Enfants Haitien), die
arme Kinder unterstützt und jetzt
auch speziell vom Erdbeben Betroffene: Konto 100319880 bei der Raiffeisenbank
Hersbruck
(BLZ
76061482), Zweck: „Erdbeben Haiti“. Infos unter www.help-maeh.de.
M ICHAEL S CHOLZ
Jean M. Benoit, derzeit Kantor in Lauf, stammt von dem karibischen Inselstaat Haiti, seine Familie und viele seiner Freunde leben dort. Ein Porträt über den Musiker erschien in der HZ vom 2. Januar.
Foto: M. Scholz
Haiti: Die Hilfe der HZ-Leser ist gefragt
Die HZ erreichten gestern folgende Spendenaufrufe:
zialwirtschaft,
BLZ
37020500,
Stichwort: Erdbeben Haiti.
Awo-Landesvorsitzender Thomas
Beyer aus Henfenfeld erinnert daran, dass 80 Prozent der Haitianer
zum Leben weniger als zwei USDollar am Tag, die Hälfte sogar weniger als einen US-Dollar haben.
Spendenkonto 102030, Bank für So-
Auch die Caritas-Nothilfe über
Caritas Haiti läuft an, die auf der Insel 200 Krankenhäuser und Ambulanzen unterhält. Ein Nothilfe-Team
ist unterwegs, um Hilfsgüter ins
Land zu bringen. Das eigene Auslandshilfswerk stellt 100 000 Euro
als Soforthilfe zur Verfügung. Spendenkonto 9003002 des Caritasverbandes für die Erzdiözese Bamberg
bei der LIGA Bamberg (BLZ
75090300), Stichwort „Haiti“.
Weitere Spendenkonten sowie Berichte über das Erdbeben in Haiti
und seine Folgen im Hauptteil dieser
Zeitung.
Veränderung ist dringend erwünschtKrankenhaus abgehakt
Bernd Wagner zeigt ein Holzobjekt zum Anfassen im „Rentersgärtla“
HERSBRUCK – In einer kleinen
Serie präsentiert die Hersbrucker
Zeitung die einzelnen Werke und
Künstler der aktuellen Ausstellung
„Im Graben was Neues“ des Kunstmuseums Hersbruck. Heute: Bernd
Wagner.
Der Kreis hat hier seine Altschulden abgetragen
NÜRNBERGER LAND (tic) – Viel
Positives
hatte
Kreiskämmerer
Bernd Hölzel bei der Vorstellung des
Haushaltsentwurfes 2010 für den
Landkreis Nürnberger Land ja nicht
zu vermelden (wir berichteten). Eine
erfreuliche Nachricht gab es dann
aber doch: Der Landkreis kann 2010
seine restlichen Schulden tilgen, die
aus den Verlusten seiner Krankenhäuser aufgelaufen waren.
Im „Rentnersgärtla“ steht eine hohe Holzspirale, aufgeschichtet aus
38 beweglichen Lärchenholz-Dielen.
Mal sieht das Objekt tatsächlich aus
wie eine in sich gedrehte Spirale,
mal erscheint es aber auch als gerade Fläche und manchmal weisen die
Einzelteile ungeordnet in alle Himmelsrichtungen.
Bernd
Wagner
nennt sein Kunstwerk „Veränderung“. Und genau das soll damit geschehen. „Jeder darf daran drehen
und selbst Hand anlegen“, sagt er.
16,3 Millionen Euro Verlust - so
sah die Bilanz für die Krankenhäuser des Landkreises Nürnberger
Land im Jahr 2005 aus. Damals entschloss sich der Kreis, seine drei
Krankenhäuser in Lauf, Hersbruck
und Altdorf zu verkaufen, und fand
im Klinikum Nürnberg einen Abnehmer.
Dreht und arbeitet der Künstler
selbst mit gekonnten Griffen an den
vielen Balken, sieht das Objekt am
Ende aus wie eine DNA-Doppelhelix
– wohlgeformt, ganz regelmäßig
und so, als wäre eine Verlängerung
dieser Form ins Unendliche möglich.
Majestätisch steht das über zwei Meter hohe Gebilde auf einer Wiesenfläche und strahlt Spannung aus.
Die Kreisräte entschieden, sofort
mit der kontinuierlichen Tilgung der
Schulden zu beginnen. Und so wurde jedes Jahr ein Pauschalbetrag von
drei Millionen Euro in den Haushalt
eingestellt. 2010 ist nun die letzte
Tilgung fällig - ein Restbetrag von
1,3 Millionen Euro. Ab 2011 ist der
Landkreis in Bezug auf die Krankenhäuser schuldenfrei.
Bernd Wagner lebt und arbeitet in
seinem „Atelier an der Pegnitz“ in
Lauf. Ursprünglich war er Versicherungskaufmann, bevor ihn ein Brunnenwettbewerb
zur
Kunst
„schwemmte“, wie er es scherzhaft
nennt. Seit 15 Jahren ist er Bildhauer. Mit Holz arbeitet er gerne und
viel, normalerweise ist eines seiner
Hauptthemen das menschliche Antlitz. Zur Hersbrucker Freiluftausstellung steuerte er Kunst der ande-
„Genau zum richtigen Zeitpunkt“,
findet Kämmerer Hölzel. Jetzt, da
der Landkreis mit den Sanierungen
seiner Schulen und des Landratsamtes die größten Investitionen seiner Geschichte tätigt. Andere Landkreise in Bayern stehen durch ihre
Krankenhausverluste vor riesigen
Schuldenbergen, wie Hölzel bei einer bayernweiten Kämmerertagung
erfahren hat. Der damalige Kreistag
Nürnberger Land habe hier „gut ge-
Das Werk „Veränderung“ steht im „Rentnersgärtla“. Im Hintergrund ist der
Künstler Bernd Wagner noch zu erkennen.
Foto: J. Brennhäußer
ren Art bei. Verleitet hat ihn dazu eine Holzleiste, mit der er experimentierte. Die Spirale ist eine der spannendsten Formen, findet er. „Sie
symbolisiert Entwicklung, Wachstum in auf- und absteigender Form.“
len, dass Form, Fläche und Spannung präsent sind. Wagner stellt
sich beim Fototermin hinter die
Holzspirale – er will, dass die Form
wirkt. Sich selbst will er lieber im
Hintergrund wissen.
Völlig ungeordnet und wirr sollen
die Dielen darum nicht herausragen.
„Das wäre dann symptomatisch für
den Verursacher“, sagt er. Möglichkeiten, das Objekt zu verändern,
gibt es unzählige. Der „Veränderer“
soll die Balken aber doch so einstel-
Den Platz im „Rentnersgärtla“ hat
er sorgfältig ausgewählt: An jener
Stelle wurde kurz zuvor ein abgestorbener Baum gefällt. Nun ist dort
Veränderung möglich.
J OHANNA B RENNHÄUßER
plant und vorausschauend gehandelt“, findet auch Landrat Armin
Kroder.
Trotzdem sind die Krankenhäuser
für den Kreis natürlich nicht völlig
kostenfrei. Der Landkreis Nürnberger Land ist zwar nicht mehr der
Träger der Einrichtungen, aber seine
Bürger profitieren natürlich trotzdem davon. Deshalb erhebt der Freistaat jährlich von allen Landkreisen
und kreisfreien Städten in Bayern
eine sogenannte Krankenhausumlage, die sich aus der Umlagekraft der
Landkreise und deren Einwohnerzahl errechnet. 2010 muss das Nürnberger Land rund drei Millionen Euro bezahlen.
Der Freistaat sammelt diese Einnahmen aus ganz Bayern und legt
denselben Betrag noch einmal selbst
drauf. 2010 ergeben sich so 500 Millionen Euro. Diese verteilt der Freistaat an seine Bezirke, die es wiederum nach Bedarf an die einzelnen
Krankenhäuser weitergeben.
Dabei hat das Nürnberger Land
noch Glück, denn mit drei über den
gesamten Kreis verteilten Krankenhäusern ist die Versorgung hier ausgezeichnet. Andere Kreise, wie beispielsweise der recht kleine Landkreis Fürth, „haben eben Pech gehabt“, erklärt Kämmerer Hölzel.
Dort gibt es kein einziges Krankenhaus vor Ort. Die Bürger müssen in
die Stadt Fürth oder in andere Einrichtungen ausweichen. „Die Umlage müssen sie aber trotzdem bezahlen“, so Hölzel.
Tai Chi oder Pilates
HERSBRUCK — Für alle, die in
den nächsten Wochen loslegen, nach
den süßen Verlockungen der Advents- und Weihnachtszeit ein paar
Pfunde verlieren, den Stress über
Bord werfen oder mit dem Laufen
anfangen möchten, hat die AOK wieder ein umfangreiches Kursprogramm zusammengestellt. „Es ist
wichtig am Ball zu bleiben, am besten regelmäßig - egal, ob zusammen
mit Ihren Kindern, dem Partner oder
der besten Freundin. Feste Termine
in der Woche und das Training in der
Gruppe helfen beim Durchhalten“,
motiviert Gerhard Ruder, Teamleiter der AOK in Hersbruck.
Wer die Wirbelsäule stärken und
Beschwerden vorbeugen möchte, ist
in den Rückenprogrammen genau
richtig. Oder man spielt mit dem Gedanken, die Trends Autogenes Training, Tai Chi oder Pilates auszuprobieren. Die neue Broschüre ist in jeder AOK-Geschäftsstelle erhältlich.
Information und Anmeldung bei der
AOK in Hersbruck unter Telefon
09151 819122 oder im Internet unter
www.aok-gesundheitskurse.de.
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