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*Es klingt wie das Drehbuch zu einer schlechten - Blockhausfilm

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Mein
Kleines
kaltes
Brasilien
~
TEXT & Fotos
*Es klingt wie das Drehbuch zu einer schlechten Soap: Der arme,
surfbegeisterte Brasilianer Gil, dem in seiner teils verwahrlosten
Heimat die Frau seines Lebens begegnet, folgt dem Ruf seines
Herzens und seiner blonden Geliebten ins wohlhabende Norwegen.
Dort beginnen die zwei ein ganz neues Leben – und Gil avanciert
sogar zum Surfprofi. Scripted Reality? Quatsch! Gil Ferreira hat
all das tatsächlich erlebt und auf den Lofoten sein ganz eigenes
Brasilien gefunden. Die beiden Filmemacher Philipp Achterberg und
Malte Blockhaus haben ihn auf seinem weiten Weg begleitet.*
Philipp Achterberg & Malte Blockhaus
Von Eisbär, Elch
und dem
Weihnachtsmann
keine Spur
"the girls you know"
D
ie Sonne brennt vom Himmel auf den hellen
Sandstrand und das kristallklare Wasser.
Der Duft von Sonnencreme liegt in der Luft.
Aus großen Lautsprecherboxen wummern
Hip-Hop Beats und laute Bässe. Die vielen Menschen, die
sich am Strand versammelt haben, tragen Shorts, T-Shirt
und Sonnenbrille. Die Wellen sind gut. Nur noch wenige
Minuten bis zum Finale des Surfwettbewerbs. Der
25-jährige Brasilianer Gil dehnt sich ein letztes Mal, bevor er sich 30 Minuten lang mit den anderen Finalisten
messen wird. All das wäre nicht überraschend, befände
man sich in Gils Heimat, in Natal, Brasilien. Doch wir sind
auf den Lofoten, einer Inselgruppe in Nordnorwegen –
200 km nördlich des Polarkreises. Von Eisbär, Elch und
dem Weihnachtsmann keine Spur. Dafür tummelt sich in
diesen letzten Septembertagen des Jahres 2010 eine
ganz andere, in Neoprenanzüge gekleidete Spezies auf
den eisigen Inseln: Surfer. Anlass für ihre Reise ins Eis
sind die Lofoten Masters – ein arktisches Surfevent, das
im überschaubaren Ort Unstad ausgetragen wird. Der
Contest, ursprünglich ins Leben gerufen zum Erhalt und
zur Förderung der Surfkultur auf den Lofoten, avancierte
durch zunehmend internationale Teilnehmer innerhalb
weniger Jahre zum wichtigsten Surfereignis der Inseln.
Mit den charmanten Worten „Moment, Moment – ihr
habt doch bestimmt was zu verzollen! Alkohol? Tabak?“
begann unsere Reise vier Wochen zuvor im norwegischen Oslo, an der Anlegerampe der Colorline. 3000 km
weiter, tausende Kronen ärmer und mit sehr viel dünneren Nerven als zu Beginn, sind die Lofoten Masters der
Höhepunkt und gleichzeitig der Abschluss unserer Dokumentarfilm-Reise. Einen ganzen Monat lang begleiteten,
fotografierten und filmten wir ihn: den kleinen, drahtigen
Surfer aus Brasilien - Gil Ferreira. Er kam aus dem warmen und wellenreichen Brasilien ins kalte, teure Norwegen. Auf die Frage warum, antwortet er nachvollziehbar:
„The girls, you know.“
*Ungeduscht zur Hochzeit* Unsere Sakkos
haben wir in weiser Voraussicht nicht nur luftdicht verpackt, sondern auch scheinbar sehr gut im völlig überfüllten VW-Bus versteckt. Irgendwo unter den Unmengen
an Foto- und Filmgerätschaften, Surfbrettern, Neos, Lebensmitteln und schmutzigen Socken kramen wir sie
schließlich hervor. Doch weder die frischen Klamotten,
die morgendliche Katzenwäsche im eiskalten Fjord noch
der übermäßige Gebrauch von Deodorant können vertuschen, dass wir stinken! Nichts zu machen – keine Zeit.
Denn kurz darauf heißt es schon wieder: Aufnahme,
Schwenk und nur nicht wackeln. Im Sucher befindet sich
die schneeweiße Braut gefolgt von einer Schar aufgetakelter Mädels in sehr knappen Kleidern. Bei dem Anblick
wird selbst mein vom Fjordbad noch immer unterkühlter
Körper endlich wärmer. Zu brasilianischen Klängen
schleift die Braut rhythmisch ihre Schleppe über den
sandigen Weg, weiter auf den roten Teppich und geradewegs in Richtung Bräutigam. Der ertrinkt bereits in Freudentränen. Wenige Augenblicke später heißt es „Ich will“
und “Ich will“. Ringe werden getauscht. Die Aufnahme ist
im Kasten. „Jetzt, wo dieser Ring an meinem Finger ist,
bin ich ein Mann und mein neues Leben kann endlich beginnen“, lässt Gil stolz verlauten. Ein neues Leben in
Norwegen mit einer echten Norwegerin an seiner Seite
- Desirée. Es war ein weiter Weg für Gil.
*Surfen – die perfekte Ablenkung vom
Überlebenskampf im Viertel* Aus armen Verhältnissen stammend, muss Gil früh lernen, was Verantwortung bedeutet. Sein Vater verließ eines Tages plötzlich
die Familie. Seitdem muss Gil dafür sorgen, dass etwas
zu Essen auf den Tisch der Ferreiras kam. „Ich musste so
viel arbeiten, für die Schule war keine Zeit mehr“ so Gil.
Weil er noch zu jung ist, um in Bars und Restaurants zu
kellnern, versorgt er zunächst täglich Touristen mit Kokosnüssen am Strand. „Dabei sah ich das erste Mal,
dass dort Jungs surfen gingen.“ Es dauert nicht lange, da
funktionierte der damals Zwölfjährige den Deckel seiner
Kokosnussbox zum Bodyboard um. „Eigentlich wollte ich
wie die anderen im Stehen surfen. Natürlich wusste ich,
dass dafür kein Geld da war, aber ich wollte es unbedingt“, so Gil. Sein erstes eigenes Surfboard hat eine
gebrochene Nase, eine kaputte Finne und viele Dellen,
aber Gil „war nur wichtig, endlich richtig surfen zu können.“ Für ihn ist das Wellenreiten die perfekte Ablenkung
vom Überlebenskampf in seinem Viertel und den familiären Problemen. „Das tägliche Surfen hat mich vor allem
von Drogen, Diebstählen und Straßenkämpfen fern gehalten“, erinnert sich Gil. Zusammen mit Freunden, darunter Jadson Andre, der mittlerweile in der World Tour
surft, trainiert er täglich im brasilianischen Wasser. Gil
hat Talent. In wenigen Jahren wird er zu einem der be-
„Ich fühle mich als würde ich fliegen,
genauso als würde ich einen fetten
Air über einen Wellenkamm ziehen“
Wir fahren auf die
Lofoten zum Surfen!
sten Surfer seiner Stadt. Das Ziel, einen Sponsor zu finden, bleibt jedoch sein größter Traum.
*Brasilianischer Samba zu norwegischer
Party* Eines Tages, vor gut drei Jahren, lernt er beim
Kellnern Desirée kennen. „Ich war wegen des Studiums
für einige Monate in Natal und Gils Lebensfreude, sein
Wesen und sein Stil haben mich sofort begeistert“, gesteht Desirée heute. Das damalige Auslandssemester
der angehenden Juristin war jedoch begrenzt. Zurück in
Norwegen merkt Desirée, dass ihr nicht nur die sorgenlosen Tage bei dreißig Grad im Schatten und der Reggae
fehlen. Fortan fliegt sie so oft sie es sich leisten kann auf
die andere Seite der Welt. Die Fluggesellschaften Norwegens und Brasiliens machen in dieser Zeit guten Umsatz mit den beiden Verliebten. „Für uns konnte das nicht
ewig so weiter gehen“, erinnert sich Desirée. Das weiß
auch Gil und überrascht sie 2009 mit dem alles verändernden Hochzeitsantrag. „Er war so romantisch und hat
sogar bei meiner Mutter um meine Hand angehalten“
schwärmt Desirée. Trotz der starken Liebe ist es kein
leichter Schritt für Gil. Was wird aus seiner Mutter und
den zwei Schwestern, wenn er gemeinsam mit Desirée
weit weg in Norwegen ein neues Leben beginnt? „Die
Aussicht, an einem Tag so viel verdienen zu können wie
sonst in einem Monat, gab mir Hoffnung und half mir bei
meiner Entscheidung“, erklärt Gil. Es ist Nacht geworden. Mittlerweile befinden wir uns auf einer ganz und gar
untypischen norwegischen Hochzeitsparty. Zu Sambaklängen zeichnet ein Projektor Urlaubsfotos aus Brasilien auf eine große Wand und taucht den überheizten
Saal des Kulturhuset in exotische Farben. Die Gäste des
frisch gebackenen Paares tanzen wild um die geschmückten Tische. Ich frage Desirée, wie sie auf die
Idee dieser schrill bunten Party gekommen ist. „Das Thema der Hochzeit ist Surfen“, antwortet Desirée strahlend:
„Das sind einfach wir.“ Mit dem Mikrofon bewaffnet suche ich Gil im Gewusel. Ich bitte ihn, mir für die Kamera
zu erzählen, wie er sich fühlt und wie es in den kommenden Tagen weitergeht. Ohne zu überlegen schießt er los:
„Ich fühle mich als würde ich fliegen, genauso als würde
ich einen fetten Air über einen Wellenkamm ziehen“. Sein
darauffolgendes breites Grinsen entblößt seine leicht
schiefen Zähne. Er klopft mir auf die Schulter und sagt:
„Mann, du weißt ganz genau, was wir machen: Wir fahren auf die Lofoten zum Surfen!“
*Paris des Nordens* Ein Filmprojekt ist immer
eine arbeitsintensive Angelegenheit. Bis irgendwann die
Dreharbeiten beginnen, ist so manches zu tun: Von Recherche, Themenfindung und Exposé über Förderungsanträge, Kalkulationen und Equipmentbeschaffung, bis
hin zu Versicherung, Presse, Transport und Drehplan –
Am Ende will man nur noch, dass es endlich losgeht.
Schlägt sich schließlich der in die Jahre gekommene
VW-Bus wacker und man reist seinem Protagonisten
erfolgreich hinterher, findet man sich schließlich allabendlich völlig geschafft und oftmals desillusioniert in
irgendeiner abgeranzten norwegischen Bar wieder. Kaffee, 20 norwegische Kronen. Bitte – danke. Die Eintrittskarte in unser behelfsmäßiges Travel-Office ist gelöst.
Dort angekommen wollen in mehrstündiger Arbeit Unmengen von Film- und Fotomaterial gesichtet, gesichert
und sicherheitshalber erneut gesichert werden. Man
weiß ja nie. Sitzt man allerdings am nächsten Morgen bei
frostiger Luft aber strahlend blauem Himmel auf dem
sonnendurchfluteten Balkon von Gil und Desirée und bekommt einen frisch gebrühten original brasilianischen
Kaffee kredenzt, ist man schlagartig mit der Welt wieder
versöhnt. Hier in Tromsø startet Gils neues Leben. Zusammen mit seiner Frau in der eigenen Wohnung. Dekoriert mit vielen gemeinsamen Erinnerungen aus Nord
und Süd. „Tromsø ist der beste Platz für den Neuanfang.
Das offene Meer ist zwar ein paar Stunden entfernt aber
die Stadt ist toll. Lebendig und pulsierend. Nicht umsonst
wird Tromsø ‚Paris des Nordens’ genannt“, versucht Gil
seine neue Lebenslage zu begreifen. Eine Fahrt mit der
Kabelbahn auf den Tromsøer Hausberg „Storsteinen“ ist
für jeden Touristen ein Muss. Klar, dass Gil es sich nicht
nehmen lässt, uns dieses Stück seiner neuen Heimat zu
zeigen. An der Talstation treffen wir einen kräftigen,
langhaarigen, ebenfalls südamerikanisch aussehenden
Mann, der uns lässig in die Kabine bittet. „Hey, my name
is Dudu – Dudu Melao from Brazil“. Dass er und Gil sich
"Die Lofoten
sind mein neues
kleines kaltes
Brasilien"
„Die Wellen sind
manchmal
besser als an
meinem Homespot
Punta Negra in
Brasilien“
kennen, wundert uns wenig, sind sie doch die einzigen
brasilianischen Surfer in der Stadt. Auch Dudu ist nur aus
einem Grund im kalten Norwegen. „Auf Bali lernte ich
meine Freundin kennen - eine Norwegerin. Was willst du
machen? Das ist jetzt schon zehn Jahre her“. Auf das
Surfen will auch er hier nicht verzichten. „Die Lofoten
haben wirklich guten Surf. So oft ich kann bin ich dort –
ach ja, wir werden uns übrigens dort sehen. Unter die
besten fünf will ich es beim Lofoten Masters dieses Jahr
schaffen“. Schon steigen die nächsten Gäste ein und wir
aus der Kabine aus. Der Blick über die Stadt vom 420
Meter hohen „Storsteinen“ ist gigantisch. Viel Zeit, die
Szenerie zu bewundern, haben wir leider nicht, weil vor
Sonnenuntergang noch eine Paddel-Session im Hafen
ansteht. Der Wettkampf rückt immer näher. „Morgen
geht’s auf die Lofoten!“ grinst Gil. Und das nicht zum ersten Mal an diesem Tag. Ein außergewöhnlicher surfabhängiger Typ, denke ich mir, während wir gemeinsam
hinab auf das geschäftige Treiben von Tromsø und zum
Horizont blicken. Irgendwo dort hinten liegt der Atlantik.
*Kaltes Paradies* Es ist drei Uhr nachts. Die
Straßen sind leer. Im Minutentakt schicke ich sorgsam
formulierte Stoßgebete gen Motorraum des altersschwachen VW. Möge mein und Werkstatts Liebling
durchhalten, wenigstens bis zu den Lofoten. Danach darf
er machen, was er will. Nach zahllosen Tunneln und
endlosen 60er-Zonen fahren wir in ein saftig grünes Tal
ein. Darin eingebettet: der gemütliche und bunte Ort Unstad. Unweit des malerischen Sandstrandes mit den perfekten norwegischen Wellen liegt Unstad eingerahmt von
imposanten Berghängen – so hat man es mir beschrieben. Bisher sehe ich jedoch nichts als graue Umrisse.
Einzig ein geheimnisvolles grünes Flackern und Wabern
am Sternenhimmel begrüßt die Neuankömmlinge. Es ist
das vielgepriesene Polarlicht, das uns schon seit Wochen
begleitet. Wie die Spitzen von riesigen steinernen Eisbergen ragen die Lofoten aus dem Nordatlantik. Schroffe
Klippen, dazwischen sanfte Täler und als ob in diesen
Breiten der Anblick von Sandstränden nicht schon absurd
genug wäre – oft rollen einwandfreie Wellen in die Buchten. „Die sind manchmal besser als an meinem
Homespot Punta Negra in Brasilien“, meint Gil erstaunt.
„Ein Paradies hier, na gut sagen wir – ein kaltes Paradies“. Die nächsten Tage sehen wir Gil nur noch durch die
Kameralinse: beim Anziehen seines Neoprenanzugs,
beim Wachsen oder Reparieren seines Boards, beim Essen und Trinken – aber vor allem beim Surfen. Bis zu
acht Stunden täglich verbringt er im elf Grad kalten Wasser und rippt die durch den anrückenden Swell immer
größer werdenden Wasserhügel. Und mit was für einem
Elan: explosives Anpaddeln, ein Lehrbuch-Take-Off gefolgt von geschmeidigen, katzenartigen Turns, unzähligen langen Floatern und zum Abschluss jeder Welle folgt
gewöhnlich ein Aerial. Der 360er sitzt, doch der Flip will
nicht immer gelingen. “Ich hoffe, dass ich es bald schaffen werde, einen Rodeoflip zu ziehen.“ Ehe man sich versieht, sitzt Gil schon wieder im Line-up. Was für eine
Power. Nachdem er vor einem halben Jahr hier auf den
Lofoten den Arctic Soulwave und damit eine Wildcard für
das Lofoten Masters Finale gewann, ist er heiß. Er will
gewinnen. Einer der Mitbegründer der Lofoten Masters
ist Tommy Olsen. Gil kennt ihn mittlerweile gut und stellt
uns den blonden Mittvierziger vor. „Angefangen hat das
alles vor gut 20 Jahren“, beginnt Tommy zu erzählen.
„Eigentlich sind wir hier richtige Spätzünder. Damals
wurde schon fast überall in Europa gesurft. Aber sich an
unbekannten Spots ohne Wissen über Strömungen in die
kalten Wellen zu stürzen - nicht ganz ohne sag ich euch“.
Heute ist Tommy ruhiger geworden. Mit seiner Frau und
den Kindern betreibt er neben einem Campingplatz im
Sommer auch die Surfschule in Unstad. „Auf den Lofoten
haben wir sicher nicht die besten Surfer Norwegens,
aber definitiv die besten Wellen. So ist das Surfniveau
beim Contest auch nicht ‚pro’, aber da tut sich was. Dieses Jahr haben sich neben den beiden Brasilianern Gil
und Dudu auch der Fatum Team Rider Joao Durao und
der Hawaiianer Keala Kekaulike Naluai angekündigt.“
*Man kann nicht alles haben – Oder
doch?* Über 20 Teilnehmer sind am letzten warmen
Tag des Jahres nach Unstad gekommen und haben auf
den knapp Drei-Fuß-Wellen um die Gunst der Judges
gesurft. Nach vielen Contest-Stunden stehen die Finalisten fest: Per Arne Zahl (Norwegen), Joao Durao (Portugal), Alex Grilo (Portugal) sowie Dudu und Gil aus Brasilien.Der Geruch vom Barbeque liegt in der Luft und mein
Magen knurrt. Da hupt lautstark die Tröte über den
Strand und die Fahne links neben mir wechselt von rot
auf grün. Mit ihren dicken Neoprenanzügen rennen die
Finalisten über den kalten Sand. Jeder will der Erste
sein. Synchron klatschen sie zusammen mit ihren Surfbrettern auf das Wasser. Die Spannung erreicht ihren
Höhepunkt. Durch die Kamera blickend, feuere ich
stumm unseren Protagonisten an. 30 Minuten später ist
der Contest vorbei. In den Stunden bis zur Siegerehrung
am Abend wird heiß diskutiert. Gil scheint ganz weit vorne dabei zu sein. Die Stimmung brodelt. Wir hüpfen in
den heißen Pool des Campingareals. Ein kühles Bier in
der Hand. Die Zeit vergeht wie im Flug. Viel zu schnell
steht fest: Für Gil hat es trotz einer tollen Performance
mit gestandenem Aerial nicht gereicht. Der Portugiese
Alex Grilo gewinnt mit nur einem Punkt Unterschied vor
Gil das Lofoten Masters 2010. „Ich liebe diesen Contest
und den Vibe hier am Strand“, so der glückliche Sieger.
„Im nächsten Jahr möchte ich wieder kommen und hoffe
dann auf große Wellen.“ Gil kann es nicht fassen „Als der
Heat vorbei war, dachte ich, ich hätte gewonnen.“ Der
große Traum vom Sieg ist geplatzt. Doch für Gil geht an
diesem Abend ein ganz anderer Traum in Erfüllung: Er
bekommt endlich einen Sponsor. In Zukunft wird er die
norwegische Marke BoraBora und Unstad Camping repräsentieren. Flug-, Contest- und Klamottenkosten sollten Gil von nun an keine Sorgen mehr bereiten.
*„Die Lofoten sind mein kleines kaltes
Brasilien.“* Wochenlang haben wir Gil mit der Kamera begleitet, fast durchgehend gefilmt, manchmal mit zu
vielen Fragen genervt und ihn immer bewundert. Der
außergewöhnliche kleine Mann aus Brasilien hat in kurzer Zeit sein Leben komplett auf den Kopf gestellt. Aus
einem armen und gefährlichen Stadtviertel Brasiliens in
das reiche sichere Norwegen. An seiner Seite die Frau,
die er über alles liebt. Gil hat es geschafft: „Auch wenn
ich meine alten Freunde, meinen Strand und die brasilianischen Wellen sehr vermisse – meine Heimat ist jetzt
hier. Die Lofoten sind mein neues kleines kaltes
Brasilien.“~
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