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FINANZMARKTNEWSLETTER 42/2014
Überblick
Wochenvergleich
Trend
Woche Monat 31.12. 1 Jahr
DAX
MDAX
EONIA
Umlaufrendite
Dow Jones
S&P 500
EUR/ USD
Gold in EUR
Öl in EUR
8.788,81
14.988,92
0,00 %
0,73 %
16.544,10
1.906,13
1,2628
968,59
67,96
Stand 13.10.2014 0:10
Finanzmanagement
++Aktuelles++
Ein Unternehmen der Ecclesia Gruppe
Vermögensverwaltung
+ + + USA können türkische Flughäfen für Luftangriffe gegen IS nutzen + + +
Merkel und Putin u. a. zur Ostukraine im Dialog + + + starke Quartalsberichte
der US-Kreditinstitute erwartet + + +
Die wesentlichen Themen des DVAM-Finanzmarkt-Newsletters 42/2014
Zumindest auf der Aktienseite stand die hinter uns liegende Handelswoche
unter dem Ausverkaufsmotto „Alles muss raus“. Schließlich wächst die
Wirtschaft weltweit, aber gerade in Deutschland etwas langsamer als dies
zunächst erwartet wurde. Wie vorsichtig man solche Analysen betrachten
sollte, stellen wir im Allgemeinen Teil dar.
Dies strahlt auch in erheblichem Umfang auf den Aktienmarkt ab. Schließlich
spielt es in einem richtigen Ausverkauf keine Rolle, wenn der deutsche
Softwarekonzern SAP von dem besten Geschäftszeitraum aller Zeiten spricht,
der Premiumhersteller Daimler so viele Autos wie noch nie zuvor verkauft hat
oder die deutschen Stahlunternehmen Klöckner&Co und Salzgitter inzwischen
teilweise mehr Liquidität als Marktkapitalisierung besitzen.
Der „Minicrash“, der sich zum Wochenauftakt zunächst fortsetzen wird, lässt
sich nur durch einen globalen Stillstand der Weltwirtschaft erklären, den
momentan aber niemand wirklich erwartet. Die Stimmung ist schlecht, einige
volkswirtschaftliche Daten, die wir im Bereich Konjunktur in die aus unserer
Sicht richtige Relation setzen, überzeugen auch nicht und damit ist die
Stimmung wieder „zu Tode betrübt“. Tatsächlich finden aktienaffine Investoren
aktuell ein Umfeld mit Kaufkursen vor.
Die gilt fundamental für Staatsanleihen nicht. Bis zur letzten Woche konnte man
sich etwas mit den höheren US-Renditen für dortige Anleihen und der
Währungsphantasie auf einen starken USD stützen. Dies hat die
Veröffentlichung des US-Notenbankprotokolls „vom Tisch gewischt“. Man wird
dort keinen starken USD akzeptieren und hat keine Eile mit Leitzinserhöhungen.
Im Bereich Währung stellen wir dar, weshalb dies viele Anleger, die bei Kursen
von 1,25 erst mit Umschichtungen in USD begonnen haben, auf dem falschen
Fuß erwischt hat, während wir bei Rohstoffe darstellen, warum Gold, aber vor
allem Silber steigen, während Platin und Öl deutlich verlieren.
Vor allem ist aber die Betrachtung im Rentenmarkt interessant, weshalb nicht
nur Staatsanleihen teilweise neue Rekordstände erreichen, sondern auch
Unternehmensanleihen knappes und gefragtes Gut sind.
FINANZMARKTNEWSLETTER
42/2014
Allgemeines
Wirtschaftsinstitute als
Trendfolger
Die Entwicklung an den Aktienmärkten – vor allem in Deutschland – erinnert an den
Werbeslogan der inzwischen insolventen Baumarktkette Praktiker „20 % auf alles“.
Mit einem Wochenminus von deutlich über 4 % bei DAX und MDAX, Aktien, die
teilweise mehr als das Doppelte an einem Handelstag verloren haben und
Wertpapieren, die sich ihren Allzeittiefs annähern, scheint man unmittelbar vor einer
Rezession zu stehen. Dies unterstellt aber momentan niemand, sondern man geht
nur von einer Reduzierung des Wachstums aus, wie die Wirtschaftsinstitute in ihren
aktuellen Gutachten darlegen. Dabei hatte man im April 2014 die Prognosen nun
erhöht und senkt sie nun wieder. Eigentlich sollte man von
Wirtschaftsforschungsinstituten erwarten, dass sie durch kleinere Schwankungen
hindurch blicken. Tatsächlich haben sich diese Institute aber auch zu reinen
„Trendfolgern“ entwickelt. Aber dies reicht zusammen mit geopolitischen Krisen aus,
um ein Crash-Szenario an den Märkten darzustellen, dass in der Dynamik an die
weltweite Finanzkrise im Jahr 2008 erinnert. Damals waren dreistellige Punktverluste
bei einzelnen Indices auch eher die Regel als die Ausnahme.
Ebola ist eine
menschliche
Tragödie
Aber eine vergleichbare Situation zeichnet sich nicht ab. Zwar ist die Ausbreitung des
Ebola-Virus eine humanitäre Katastrophe, aber eine wirtschaftliche Beeinträchtigung
zeichnet sich dadurch selbst im globalen Flugverkehr nicht ab.
Terror im
Nahen Osten ist
eine Folge der
Politik der
letzten Jahre
Ähnliches gilt für die Ausbreitung der Terrormiliz IS, die nun an der Grenze zur Türkei
steht und zeigt, dass es eben auf komplexe Fragestellungen keine einfachen
Antworten gibt. Schließlich haben der zunächst weltweit gefeierte sogenannte
„Arabische Frühling“ und die Kriege der USA die Region erst so weit destabilisiert,
dass ein solches Terrorregime möglich ist, von dem ausgehend nun auch mit
Anschläge in Deutschland drohen. Vielleicht muss man überdenken, ob das westliche
Verständnis für Demokratie tatsächlich überall anwendbar ist und der Westen
tatsächlich immer Recht hat.
Sanktionen
gegen Russland
müssen
aufgehoben
werden
Entsprechend liegt die Antwort auf die Abschwächung der Wirtschaftsleistung im
Dialog mit Russland, das dann sicherlich auch eine aktivere Rolle in der Bekämpfung
der Islamisten im Nahen Osten spielen wird. Daher liegt die Lösung zur Entspannung
mehrerer Krisenherde auf der Hand: Die gegen Russland verhängten Sanktionen
müssen aufgehoben werden. Dies gilt umso mehr, da der russische Präsident
Wladimir Putin nicht nur erneut geschickt in der Öffentlichkeit agiert, sondern auch
eine erhebliche Anzahl russischer Soldaten aus dem Westen Russlands abzieht.
Hierauf muss man nun reagieren, wenn man keine wirklich nachhaltige Beschädigung
der Beziehungen zu Russland riskieren will.
Forderung nach
Konjunkturprogramm
erinnert an
Planwirtschaft
Eine solche Lösung ist auch für Deutschland wesentlich leichter umzusetzen als die
Forderungen des Internationalen Währungsfonds und der G20-Staaten, auf den
Beginn der Haushaltskonsolidierung zu verzichten und stattdessen die Konjunktur
durch staatliche Investitionsprogramme zu stützen. Auch hier wird übersehen, dass
wir zumindest in Deutschland nicht auf eine Rezession zusteuern und nicht bei jedem
Windhauch eine staatliche Reaktion erfolgen kann. Dann erleben wir nach dem EZBSozialismus, den der EZB-Präsident Mario Draghi gegen die Vorstellungen des
deutschen Bundesbankpräsidenten Jens Weidmann anstrebt, ein neues Modell der
Planwirtschaft, das man getrost als historisch gescheitert betrachten kann. Vielmehr
muss Europa in die Situation kommen, einen selbsttragenden Aufschwung zu
erreichen. Dies kann nur in einer arbeitsteiligen Gesellschaft und in einer Kooperation
mit China und insbesondere Russland erfolgreich funktionieren.
Inflation
Nur so lassen sich die Risiken einer Deflation wirksam bekämpfen, in die die
Eurozone in diesem Monat abrutschen wird. Zum einen werden die niedrigen
Energiepreise die Geldentwertung weiter verlangsamen, zum anderen sorgen die
russischen Sanktionen im Lebensmittelbereich für sinkende Preise. Dies macht sich
in Deutschland mit Preissenkungen für einzelne Produkte bei Discountanbietern im
Finanzmanagement
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Vermögensverwaltung
FINANZMARKTNEWSLETTER
42/2014
zweistelligen Prozentbereich bemerkbar. Durch die Nachholeffekte einer Beendigung
der wechselseitigen Sanktionen würde sich die Deflationsgefahr moderat reduzieren.
Impulse kommen hier auch aus den USA, wo die Erzeugerpreise zwar etwas
langsamer sinken als erwartet, die US-Notenbank aber fürchtet, dass ein zu starker
USD eher zu einer importiert niedrigen Inflationsrate führt, weshalb man zumindest
die Leitzinsen weiter niedrig halten wird, um die eigene Währung nicht zu stark
werden zu lassen.
Konjunktur
Unstrittig ist ein nachlassendes Wirtschaftswachstum in Deutschland, das auf die
Eurozone und die globale Wirtschaft abstrahlt. Deswegen ist eine Rücknahme der
Konjunkturprognose sicherlich richtig. Wünschenswert wäre allerdings von Seiten der
Forschungsinstitute eine größere Weitsicht. Die Effekte sind aber bei weitem nicht
stark, wie dies an den Kapitalmärkten wahrgenommen wird. Zwar waren die
deutschen Exporte und die Investitionen im August 2014 extrem schlecht, was aber z.
T. auf den starken Vormonat und den späten Beginn der Sommerferien in
Deutschland zurückzuführen war. Seitens der Unternehmen zeigen sich an keiner
Stelle so schwache Ergebnisse, die die starke Reaktion an den Aktienmärkten
rechtfertigen könnte. Völlig unbeachtet bleibt beispielsweise auch die erwartete
Rückkehr Frankreichs in ein moderates Wachstum von 0,2 % im 3. Quartal 2014.
Geldmarkt
Das Geldmarktniveau hat leicht nach oben korrigiert. Daher ist der Tagesgeldsatz
EONIA nur noch knapp im negativen Bereich. Dennoch mehren sich die Stimmen bei
großen institutionellen Investoren, die sich mit Strafzinsen bei der kurzfristigen
Geldanlage konfrontiert sehen. In der Schweiz ist dies bei noch etwas niedrigerem
Zinsniveau auch schon Realität für Privatanleger. Aber gerade dort zeigt sich, dass
unabhängige Expertise Alternativen ermöglicht.
Rentenmarkt
Seit Beginn der EUR-Schuldenkrise, die lediglich mit Liquidität der EZB zugedeckt
wurde, hat man viel über Haushaltskonsolidierung und Schuldenabbau gesprochen.
Selbst Deutschland ist dies trotz guter wirtschaftlicher Entwicklung, hoher
Steuereinnahmen und historisch niedriger Zinsen nicht gelungen. Lediglich der
Schuldenanstieg hat sich etwas verlangsamt. Die fehlende Dynamik im
schuldenabbau ist sicherlich auf eine in Teilen verfehlte Wirtschaftspolitik
zurückzuführen. In den letzten Wochen machen sich zudem die Sanktionen gegen
Russland negativ bemerkbar, weshalb der Druck, neue Konjunkturprogramme
anzustoßen steigt. Dabei lohnt sich die Betrachtung auf die globale
Verschuldungsentwicklung. Die weltweiten Schulden betrugen im Jahr 2007 knapp 75
Billionen EUR, was damals dem zweifachen der globalen Wirtschaftsleistung
entsprach. Nun sind insbesondere China und weitere Schwellenstaaten in den letzten
Jahren weiter gewachsen und haben zu einem Anstieg der globalen Wirtschaftskraft
beigetragen. Zusätzlich gab es die Appelle, Verbindlichkeiten abzubauen, was zu
dem beeindruckenden Ergebnis eines Anstiegs der Verbindlichkeiten auf rund 120
Billionen geführt hat. Aber auch in Relation zur gestiegenen Wirtschaftsleistung hat
sich die Verschuldung erhöht. Sie beträgt nun das 2,5-fache. Noch extremer ist die
Situation, wenn man auf einzelne Staaten blickt. Frankreich hat in den letzten 25
Jahren die Staatsschulden versechsfacht. Dies zeigt, dass Konjunkturstimulation
immer teurer erkauft werden muss.
Schulden
steigen
dynamisch
dennoch neue
Höchststände
bei
Staatsanleihen
Obwohl dies nun zum Großteil auf Staatsschulden zurückgeht, sind dort die Renditen
in der hinter uns liegenden Handelswoche wieder teilweise deutlich gefallen.
Südeuropa und Deutschland haben neue Rekordtiefs erreicht. Deutschland konnte
sich für fünf Jahre zu 0,34 % p. a. refinanzieren und die EZB hat unter dem
„Ankündigungspräsidenten“ Mario Draghi noch gar nicht begonnen, Pfandbriefe oder
ABS-Strukturen zu kaufen. Gleichzeitig deutet er immer stärker an, auch
Staatsanleihen aufkaufen zu wollen. Die Wirkung – hier hat der Bundesbankpräsident
Jens Weidmann uneingeschränkt Recht – wird niemals das Risiko rechtfertigen. Nach
Finanzmanagement
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Vermögensverwaltung
FINANZMARKTNEWSLETTER
42/2014
unserer Einschätzung bleiben diese Maßnahmen sogar völlig wirkungslos.
Tauschhandel
im EZBSozialismus
Schließlich hat die Eurozone kein Zinsproblem (mehr). Diesen marktwirtschaftlichen
Mechanismus hat Mario Draghi außer Kraft gesetzt und steht nun sozusagen vor den
Geistern, die er damit rief. Der Druck, durch Reformen Vertrauen am Kapitalmarkt
herzustellen, wurde von den Staaten genommen. Entsprechend blieben die Reformen
aus und die Kreditinstitute verlagerten ihr Geschäftsmodell in den neuen EZBSozialismus hinein. Statt sich mit Kreditanalysen für Unternehmen in den schwachen
Volkswirtschaften der Eurozone zu beschäftigen, gingen sie zum Tauschhandel über.
Sie tauschten billiges Notenbankgeld in sichere Staatsanleihen, die durch die EZB
faktisch garantiert werden und mussten nur noch das Zinsänderungsrisiko managen.
Dies funktioniert erfolgreich und man muss nun keine Kredite mehr vergeben. Dies
kann man nur lösen, indem Kreditinstitute kurzfristig Staatsanleihenkäufe mit
Eigenkapital unterlegen müssen. Dann kommt aber sehr schnell die EURSchuldenkrise zurück.
Kredite sind
kein Problem
Außerdem brauchen immer weniger Unternehmen Kredite. Sie können sich
problemlos über den Kapitalmarkt refinanzieren, weil dort auch von erstklassigen
Unternehmen nur noch niedrige Zinsen zu bezahlen sind. Deswegen reagierten – mit
Ausnahme von einigen Bankanleihen – die Unternehmensanleihen kaum auf die
starken Kursverluste an den Aktienmärkten. Durch das Überangebot an Liquidität
werden die Zinsen vorerst weiter niedrig bleiben.
immer weniger
Anlagen
Noch extremer ist allerdings das geringe Angebot an Neuemissionen. Mit Ausnahme
eines attraktiven Papiers des österreichischen Baukonzerns Voestalpine hat sich kein
Unternehmen mit für Anleger attraktiven Neuemissionen an den Markt gewagt.
Deswegen ist stark auf eine Beruhigung der Aktienmärkte zu hoffen, damit neue
Emissionen auf der Zinsseite weitere Diversifikationsmöglichkeiten eröffnen.
Schließlich sind Gewinnmitnahmen bei Anleihen von Lufthansa oder Toyota, die mit
sieben Jahren Laufzeit unter 1 % p. a. rentieren, sinnvoll, aber die so zur Verfügung
stehende, kurzfristige Liquidität muss wieder angelegt werden. Teilweise bietet dort
der Aktienmarkt – entsprechende Risikobereitschaft vorausgesetzt – aktuell
interessante Ergänzungen.
Aktienmarkt
Vom Jahreshoch 2014 hat der deutsche Leitindex DAX nach einem Wochenverlust
von 4,6 % rund 12 % korrigiert und insbesondere der Teil der Charttechniker, die vor
einigen Wochen noch von mindestens 11.000 Punkten sprachen, gehen nun
bestenfalls von 8.000 Punkten beim DAX aus. Wenn man sich in Erinnerung ruft,
dass der Index – anders als beispielsweise der Dow Jones – ein Performanceindex
ist, der Dividenden berücksichtigt, liegt man fast 30 % unter dem Allzeithoch, während
der US-Leitindex nicht einmal 6 % tiefer notiert.
DAX 30 % unter
Allzeithoch
Aktien unter
Barreserve bzw.
Eigenkapital
Deswegen darf es nicht verwundern, wenn sich einzelne Aktien in den letzten Tagen
sogar ihren jeweiligen Allzeittiefs annähern. Dazu gehören insbesondere die
Stahlaktien der deutschen Konzerne Klöckner&Co und Salzgitter. Dabei machen die
beiden Unternehmen nicht nur Gewinne, sondern inzwischen notiert deren
Marktkapitalisierung unter der vorhandenen Liquidität bzw. unterhalb des
Eigenkapitals. Vereinfacht formuliert, könnte der Vorstand der Salzgitter AG das
Geschäft vollständig schließen und alle Aktionäre mit einem Aufschlag von rund 30 %
auf den aktuellen Kurs auszahlen. Man kann sicher sein, dass – wenn es nicht der
international unbeliebte Stahlsektor wäre – käme schon lange ein Finanzinvestor und
würde das Geschäft so ähnlich abwickeln. Dies erfolgt nur nicht aus der Furcht, dass
man einzelne Geschäftsfelder nicht verkaufen kann. Spätestens die Anfang
November 2014 bei Klöckner&Co zu erwartenden Quartalszahlen werden nach
unserer Einschätzung ein anderes Bild zeichnen.
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Vermögensverwaltung
FINANZMARKTNEWSLETTER
42/2014
international
anderes Bild
International wird die Situation deutlich weniger kritisch gesehen, da internationale
Eisenerzproduzenten wie BHP Billiton oder Rio Tinto ihre Förderaktivitäten ausweiten
wollen. Diese Pläne kamen an den Börsen teilweise positiv an. Zudem herrscht
Konsens, dass der globale Stahlmarkt auch in den kommenden Jahren wachsen wird.
Dieses Wachstum fällt mit voraussichtlich 2 % zwar niedriger als erwartet aus, aber
gerade die mittelständisch geprägten, deutschen Konzerne sind hier inzwischen si
wettbewerbsfähig, dass sie international Marktanteile hinzugewinnen können.
Gleichzeitig hat Alcoa als erstes Unternehmen traditionell die Berichtssaison eröffnet
und konnte mit guten Umsatz- und Ergebniszahlen auf der ganzen Linie überzeugen.
Dies spielte aber keine Rolle, da die Konjunktur nach Einschätzung von
Wirtschaftsforschungsinstituten, die sich zunehmend zu Trendfolgern entwickelt
haben, schwächer wird und die sogenannten Kapitalmarktexperten daraus einen
Stillstand der Weltwirtschaft ableiten. Anders sind diese Kursentwicklungen nicht zu
erklären.
SAP in der
erfolgreichsten
Zeit des
Unternehmens
Dieser Eindruck verstärkt sich noch, wenn man einzelne Unternehmensnachrichten
betrachtet. So sorgte die Ankündigung eines Einstellungsstopps bei dem deutschen
Softwarekonzern SAP für einen Kursrückgang von 5 %. Es ist ein auf sechs Monate
befristetes und bei SAP nicht unübliches Instrument, um Kostendisziplin
sicherzustellen. Die Anmerkung des SAP-Vorstandschefs, das Geschäft entwickele
sich so gut wie noch nie in der Unternehmensgeschichte, verhallte weitgehend
ungehört.
Daimler mit beeindruckenden
Absatzrekorden
Noch extremer stellt sich diese Situation bei dem Premiumhersteller Daimler dar, der
im August 2014 so viele Autos wie nie zuvor in der Unternehmensgeschichte verkauft
hat und im 3. Quartal 2014 eine Absatzsteigerung von 12 % vermelden kann, die
damit auch das erfolgreichste Quartal der Unternehmensgeschichte markiert. Man
darf sich nicht ausmalen, was erst bei einem intakten Osteuropageschäft möglich
gewesen wäre. Die Aktie reagiert mit dem tiefsten Stand seit weit über einem Jahr
und einem Rückgang vom Jahreshoch von mehr als 30 %, obwohl man das Geschäft
mit China weiter intensivieren wird und die Nachfrage aus den USA ebenfalls hoch ist.
Lufthansa
fundamental
stark
Aber auch die Aktie der deutschen Fluggesellschaft Lufthansa gehört zu den großen
Verlierern, obwohl man trotz der Streiks, die zumindest im Frachtbereich inzwischen
wirkungslos sind, die Auslastung im September 2014 deutlich steigern konnte.
Unberücksichtigt in diesem Zusammenhang bleiben die sinkenden Treibstoffkosten
und die Währungsvorteile, die sich insbesondere im 3. Quartal 2014 positiv
bemerkbar gemacht haben dürften. Zudem müsste die Aktie von der Schwäche Air
Berlins profitieren, die sich durch dem Verbot gemeinsamer Streckennutzung mit dem
Großaktionär Etihad zunehmend auf die Zahlungsunfähigkeit zusteuern. Hier wird
neben der Abschwächung der globalen Wirtschaft sehr stark die Gefahr der weiteren
Ausbreitung des Ebola-Virus berücksichtigt, das natürlich in einem Extremszenario zu
internationalen Flugeinschränkungen führen könnte. Dies ist aber extrem
unwahrscheinlich. Daher ist die aktuelle Kursentwicklung der Aktie der LufthansaAktie kritisch zu sehen.
Südzucker wird
von „shorties“
gejagt – ist das
noch
Kapitalmarkt?
Ähnliches gilt auch für den Zuckerproduzenten Südzucker, der – ähnlich wie im
letzten Jahr K+S – Angriffen von Hedgefonds ausgesetzt ist. Bei einem frei
verfügbaren Aktienvolumen von rund 30 % bestehen 11 % sogenannte shortPositionen, die auf weiter fallende Kurse spekulieren. Wenn dann irgendwann die
Eindeckungen erfolgen, geht es ebenso schnell wieder aufwärts wie es jetzt abwärts
gegangen ist. Es zeigt aber auch, wie wenig der Aktienmarkt noch von seiner
ursprünglichen Funktion behalten hat. Die bankunabhängige Kapitalbeschaffung über
Kapitalbeteiligungen an Unternehmen, die der Aktienkauf darstellt, ist in solchen
Fällen wie Südzucker oder im letzten Jahr K+S, bei dem ein gesundes Unternehmen
fast an den Rand der Insolvenz getrieben wurde, zu einem Spekulationsfeld
verkommen, das dringend strenger reguliert werden müsste. Das einzige wirksame
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Vermögensverwaltung
FINANZMARKTNEWSLETTER
42/2014
Instrument, das Südzucker nun zur Verfügung steht, ist einen Aktienrückkauf
anzukündigen. Dann wird es für die Spekulanten extrem schwierig, sich weiter gegen
das Unternehmen zu positionieren.
erst weiter
abwärts
Bei Verlusten von 4,6 % im DAX bzw. 4,9 % im MDAX mutet der Rückgang beim Dow
Jones mit 2,7 % noch fast bescheiden an. Allerdings steht der US-Leitindex nun auf
Jahressicht auch im Verlust und dort war die Schwäche in den letzten
Handelsstunden am Freitag besonders ausgeprägt. Daher ist mit einem schwachen
Handelsauftakt zu rechnen, der sich durch einen von uns extrem schwach erwarteten
ZEW-Index noch beschleunigen wird, bevor sich dann die Märkte wieder beruhigen
und Kurssteigerungen möglich sind. Interessant ist die relative Stärke der
chinesischen Märkte in den letzten Tagen, die nach unserer Einschätzung eine
deutlich realistischere Wahrnehmung der Gesamtsituation zeigt, die insbesondere in
Deutschland stark negativ überzeichnet wird.
Währung
Seit Wochen entwickeln sich die deutschen Aktienmärkte schlechter als viele USIndices. Gleichzeitig ist das Zinsniveau in den USA bei vergleichbaren Anleihen
teilweise dreifach so hoch. Zudem sah man dort ein eher steigendes Leitzinsniveau,
so dass es eigentlich logisch war, dass der USD nach seinem Tiefstkurs von knapp
1,40 kontinuierlich stieg. Analog zu unserem DVAM-Finanzmarktausblick 2014 halten
wir weiterhin ein Niveau von 1,28 für angemessen. Viele andere Marktteilnehmer sind
aber erst aktuell auf den Zug aufgesprungen und stellten Theorien auf, nach denen
der USD in den nächsten zwei Jahren auf ein nochmals deutlich höheres Niveau
steigen würde. Allerdings übersehen diese Analysen zwei wesentliche Faktoren. Zum
einen verteuert dies US-Exporte weltweit, weil der USD eben die weltweite
Orientierung darstellt, zum anderen importieren die USA so sinkende Preise, was
wiederum die Inflation auf ein gefährliches Niveau dämpft, da durch die stärkere
eigene Energieversorgung in den USA die Geldentwertung hinter den üblichen Raten
zurückbleibt. Beides wird die US-Notenbank nicht akzeptieren, was auch bei der
aktuellen Veröffentlichung des Sitzungsprotokolls der US-Notenbank aus September
2014 deutlich wurde. Dort wurde sehr klar auf diese Risiken abgehoben, was zu einer
starken Korrektur des USD geführt hat. Die Gegenbewegung fällt so heftig aus, dass
erste Stimmen vor einem Währungskrieg zwischen den USA und Europa warnen.
Währungstheoretisch wäre dies sicherlich spannend zu beobachten, weil sich dort
zwei überschuldete Regionen gegenüberstehen, ökonomisch wäre dies aber eine
Katastrophe. Deswegen wird sich der USD vorerst vermutlich auf dem aktuellen
Niveau einpendeln. Daher werden die Anleger, die dem angeblich sicheren Trend
eines steigenden USD gefolgt sind, zumindest in den nächsten Wochen keine
weiteren Währungsgewinne machen werden, sondern – je nach einstiegszeitpunkt –
bis zu einem Jahr „Zinsvorteil“ benötigen, um den überstürzten Einstieg wieder zu
relativieren. Umgekehrt wird dies auch wieder die europäischen Aktienmärkte stützen,
da Fremdwährungsanleger nicht fürchten müssen, ihre Kursgewinne bei teilweise
extrem niedrig bewerteten Aktien durch einen starken USD wieder zu verlieren.
USD-Stärke ist
keine
Einbahnstraße
RUB wird
wieder steigen
Wirkliches Potenzial für Währungsgewinne hat der RUB, da – wie im allgemeinen Teil
beschrieben – alles andere als eine zügige Rücknahme der gegen Russland
bestehenden Sanktionen wirtschaftspolitisch bestenfalls als „grober Unfug“ zu
bezeichnen wäre und Russland trotz aller Bemühungen des Westens, den Staat
signifikant zu schwächen, in diesem Jahr lediglich 10 % der bestehenden
Devisenreserven verloren hat. Russland kann die Sanktionspolitik also mindestens
noch fünf Jahre aushalten, während die europäische Wirtschaft gerade aufgrund der
Ukraine-Krise ins Wanken geraten ist. Hier muss sich die europäische Politik dringend
umorientieren. Deswegen können extrem offensiv agierende Anleger sicherlich kleine
Tranchen in russischen Anleihen beimischen. Aber auch hier gilt: noch ist nicht
abzusehen, wann es zu einer Beruhigung der Lage kommt.
Finanzmanagement
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42/2014
Rohstoffe
so niedriger
Ölpreis ist eine
Gefahr
kein klares Bild
bei
Edelmetallen
Zwar ist Europa aktuell in einer wesentlich schwierigeren Lage durch die bestehenden
Sanktionen als dies eingeräumt wird, aber Russland sieht sich auch einer
wesentlichen Gefahr gegenüber. Das moderate Abschmelzen der bestehenden
Devisenreserven ist in eine Phase gefallen, in der der Ölpreis noch teilweise über 100
USD lag und nur moderat verloren hat. In der hinter uns liegenden Handelswoche ist
der Preis für diesen Energieträger mit einem Minus von über 6 % faktisch
eingebrochen und notiert deutlich unter 100 USD. Währungsbereinigt sieht die
Situation nicht wesentlich besser als. Der Ölpreis hat damit das niedrigste Niveau seit
3 Jahren erreicht. Würde sich ein solcher Abwärtstrend fortsetzen, entstünde in
Russland sehr schnell ein deutliches Haushaltsdefizit, das sich zumindest mittelfristig
nicht kompensieren ließe. Aber auch in Europa stellt der starke Rückgang auf der
Energiepreisseite ein Problem dar. Man sollte sich auf das dadurch bedingte
Abrutschen des gemeinsamen Währungsraums in die Deflation im Oktober 2014
einstellen. Entsprechend stark wird die Reaktion der EZB bei ihrer turnusmäßigen
Sitzung im November 2014 ausfallen müssen.
Dies hilft wiederum den Edelmetallpreisen, was sich nur teilweise rational begründen
lässt, wie auch die Entwicklung in der Vorwoche gezeigt hat. Von den drei
Edelmetallen mit signifikanten Handelsvolumina sind Gold und Silber deutlich
gestiegen, während Platin deutlich gefallen ist. Zwar sehen wir durch die besonders
starke Wertentwicklung bei Silber unsere Markteinschätzung bestätigt, sie passt aber
nicht zu der Preisentwicklung bei Platin, das teilweise ebenfalls industriell genutzt
wird. Die Begründung, die Schmucknachfrage könne durch die schwache
Wirtschaftsentwicklung nachlassen, wird aber durch den Anstieg beim Goldpreis
relativiert. Dies als Angstreaktion auf weiter niedrige Zinsen zu deuten, erscheint auch
nicht überzeugend. Schließlich würde sich in einem deflationären Umfeld der
Goldpreis faktisch auch ermäßigen und von einem wirklichen Preisanstieg sind
nahezu alle bedeutenden Volkswirtschaften weit entfernt.
Entsprechend vorsichtig sollte man – ähnlich wie bei Währungen – auch im
Rohstoffbereich agieren. Interessant bleibt der Blick auf Silber, das man nun auch
durch Platin substituieren könnte, während offensiv agierende Anleger auf eine
Gegenbewegung beim Ölpreis setzen können.
Disclaimer
Der DVAM-FINANZMARKT-NEWSLETTER ist für die Information der Ecclesia-Unternehmensgruppe und deren Kunden
vorgesehen. Die DVAM Deutsche Vorsorge Asset Management GmbH hat diese Veröffentlichung auf Basis von
Informationen und Auswertungen vorgenommen, die als verlässlich eingeschätzt werden. Eine Haftung für die Richtigkeit der
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Die im DVAM FINANZMARKT-NEWSLETTER enthaltene Analyse genügt nicht allen gespeicherten Anforderungen zur
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Verantwortlich für den DVAM FINANZMARKT-NEWSLETTER ist Markus Schön, Geschäftsführer der
DVAM Deutsche Vorsorge Asset Management GmbH. Die zuständige Aufsichtsbehörde der DVAM Deutsche Vorsorge Asset
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