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Gebäude aus den «Fünfzigern» – wie weiter?

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Aktuell
Ornamentale Fassade, geschwungene Wendeltreppe: Markenzeichen der Architektur der fünfziger Jahre. Im Bild: Berufsschule Martinsberg, Baden,
vormals Gemeinschaftshaus BBC. Fotos: SHS
Gebäude aus den «Fünfzigern» – wie weiter?
Die Berufsschule am Martinsberg in Baden als Beispiel
(mm) Nach Meinung des Schweizer Heimatschutzes (SHS) verfügt die Schweiz über
herausragende Architektur aus den fünfziger
Jahren, der zu wenig Beachtung geschenkt
werde. Um dies zu ändern, ist die Kampagne «Aufschwung – die Architektur der
50er-Jahre» lanciert worden. Ziel der Kampagne ist eine bessere Wahrnehmung der
Architektur dieser Epoche durch die Öffentlichkeit. An einer in die Kampagne eingebetteten SHS-Fachtagung in Neuhausen SH
wurde der Frage nachgegangen, welcher
Umgang Baudenkmäler aus den fünfziger
und sechziger Jahre verdienen.
Architektonische Spitzenleistungen
Bernhard Furrer, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Denkmalpflege, ver-
tritt die Meinung, die so genannte neue Architektur, die in den Jahrzehnten nach dem
Zweiten Weltkrieg entstanden ist, habe Spitzenleistungen in allen Regionen der Schweiz
hervorgebracht. Dass dies in der Öffentlichkeit nicht entsprechend wahrgenommen
werde, sei unter anderem Folge einer ungenügenden Inventarisierung der Bauten
aus dieser Zeit.
Zu den herausragenden Gebäuden der
Epoche gehören die Eidg. Oberzolldirektion in Bern, die Rundhofhalle der Schweizer Mustermesse in Basel, das Hotel Rigi
Kulm, das Kunsthaus Glarus, das ehemalige Gemeinschaftshaus BBC, heute Berufsschule am Martinsberg in Baden, das Kurtheater in Baden sowie das Kino Cinévox
mit angebautem Wohnhaus in Neuhausen
am Rheinfall, dem Ort, an dem die SHSTagung stattfand.
Liebe zum Detail
Das Kino Cinévox in Neuhausen ist das
vierte Bauprojekt von Max Bill. Die Architektin Maya Orbann, Schaffhausen, wusste zu berichten, dass sich der spätere StarArchitekt nicht zu schade war, sich über die
Abläufe des Kinobetriebes genauestens zu
informieren und Fragen der Funktionalität
stark in den Vordergrund rückte. Unter anderem wurden Kinosessel mit einer speziellen Verankerung installiert, die eine rasche Reinigung des Kinobodens zwischen
den Vorstellungen ermöglichte.
Wohnwirtschaft HEV Aargau 3-2008
Aktuell
Das Kino Cinévox wurde im Jahr 2001 geschlossen. Seit 2004 steht es unter Denkmalschutz und dient heute einer Tanzgruppe als Übungsraum.
Gemäss SHS zeichnet sich die Architektur
der fünfziger und sechziger Jahre durch
die Vorliebe für einheimische Materialien
und handwerkliche Details aus. Anstelle
von glatten Betonmauern tritt das Spiel
mit verschiedenen Materialien und Musterungen. Rasterfassaden und geschwungene Wendeltreppen sind Gestaltungsmerkmale. Freistehende oder zusammengefügte
Teilbauten ersetzten vorher übliche Einzelbauten. Bauhaus-Anhängern und Fans von
reduktionistischen Beton-Kuben ist die oft
verschnörkelte Architektur der fünfziger
Jahre ein Greuel.
Energie sparen vs. Eleganz
Sanierungen und Umbauten solcher Objekte
sind in der Regel sehr anspruchsvoll.
Insbesondere der stärker auftretende
Wunsch nach energiesparenden Sanierungen steht oft im Widerspruch zum Willen nach Erhaltung der ursprünglichen Bausubstanz. Gut gedämmte Fassaden können
einst Material sparend errichtete, elegante
Bauten geradezu verunstalten.
Interesse verdient die Sanierung des früheren
Gemeinschaftshauses BBC am Martinsberg
in Baden: Anfang der fünfziger Jahre beauftragte die damalige Brown Boveri und
Co den Architekten Armin Meili, den späteren Direktor der Landesausstellung 1939
und Erbauer des ersten Hochhauses in
Mailand, dem Centro Svizzero (1952), mit
dem Bau eines Wohlfahrtsgebäudes am
Martinsberg in Baden.
Grüne Symmetrie: Park Villa Boveri, Baden.
den Zuschlag, weil das von der Bauherrschaft vorgeschlagene, umfangreiche Programm ohne zusätzliche Anbauten im bestehenden Bauvolumen untergebracht werden
konnte.
Verzicht auf Minergie
Vorgaben wie Minergiestandard, Erdbebenertüchtigung, geänderte Erschliessung
(Brandschutz) und ein schulspezifisches
Raumprogramm verunmöglichten eine integrale Erhaltung des geschützten Gebäudes.
Es wurde entschieden, alle Fassaden möglichst nahe an den Originalzustand heranzuführen, spätere Anbauten zu entfernen und
die ursprüngliche Farbigkeit wiederherzustellen. Die ornamentale Fassade wurde mit
speziell gezogenen Alu-Profilen detailgetreu
nachgebaut, der Sonnenschutz rekonstruiert. Ein Teilstück des Sonnenschutzes wurde im ursprünglichen Zustand erhalten. Das
Prinzip der Erhaltung von «Zeugen» wurde auch bei den übrigen Fassaden angewendet. Die ursprünglichen Materialien und
Konstruktionen sollten zumindest teilweise
bewahrt werden. Die Anforderung Minergie wurde zugunsten eines – wie Rüegg
es nannte – differenzierten energetischen
Konzepts aufgegeben. Dies ermöglichte
den Erhalt grosser Teile der ursprünglichen
Befensterung.
Ein Spaziergang zum Martinsberg in Baden
führt uns spezielle Architektur und eine bemerkenswerte Sanierung in einem aufstrebenden Quartier Badens vor Augen. ■
Im Zuge der strukturellen Veränderungen
in Baden Nord wurde das verspielte Gebäude mit seiner ornamentalen Fassade
und der frei stehenden Wendeltreppe durch
das Architekturbüro Burkard Meyer, Baden, saniert.
Wie Antti Rüegg, (Burkard Meyer, Architekten, Baden) erklärte, erhielt «sein» Büro
Wohnwirtschaft HEV Aargau 3-2008
Fast ein Wahrzeichen Basels: Rundhofhalle Mustermesse Basel.
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