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Eberhard Göpel Wie lebt das Leben? - Lebensmodelle und ihre

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KAPITEL 5
Eberhard Göpel
Wie lebt das Leben? Lebensmodelle und ihre methodischen Konsequenzen für die
Gesundheitsbildung
5.
Wie lebt das Leben?
5.1
Geschichte der Verinnerlichung und Verallgemeinerung
von Lebenszwängen
11
5.1.1
Das Jenseits und die Suche nach dem Sinn
11
5.1.2
Die Natur und die Suche nach der Ordnung
16
5.1.3
Der Körper und die Suche nach der Funktion
22
5.1.4
Das Ich und die Suche nach dem Programm
30
5.2
Systematische Aspekte menschlicher Lebensmodelle
und Grundzüge einer subjektwissenschaftlichen
Gesundheitstheorie
36
5.3
Soziale Konsequenzen reduzierter Gesundheitskonzepte
40
5.3.1
Reduktion von Komplexität durch normative Fixierung
(Gesundheitserziehung)
40
Auflösung des Selbst
42
5.3.2
8
5.3.3
Verabsolutierung des Selbst
44
5.3.4
Totale Prävention
47
Literatur
50
8
5.
"Wie lebt das Leben?"
Lebensmodelle und ihre methodischen Konsequenzen
für die Gesundheitsbildung
Die Frage nach dem "Wesen des Menschen", "Sinn des Lebens" oder der
Möglichkeit von Gesundheit ist oft Ausdruck gesellschaftlicher Verunsicherung. In den Zeiten gesellschaftlicher Stabilisierung ist es die Krankheit,
die als ein je spezifisches Übel einer Minderheit öffentliche Aufmerksamkeit beansprucht und die Mehrheit in ihrer Normalität bestätigt.
Gesundheit und Krankheit sind polare, komplementäre Begriffe, die zur
Charakterisierung von Lebensgefährdungen und Lebenschancen verwendet
werden. Der Begriff der Krankheit bezieht sich dabei auf spezifische
Leidensereignisse, die nach Erklärung und Verständigung drängen und
durch ihre Benennung und Einordnung in den kulturellen Erklärungszusammenhang ihre ängstigende Wirkung verlieren sollen. Der Begriff der Gesundheit charakterisiert dagegen den komplementären Versuch,
aus den Deutungen der Leidens- und Krankheitsverläufe Hinweise für eine
Verbesserung der Lebenschancen der noch nicht Betroffenen zu erhalten.
Die elementare Verunsicherung menschlichen Zusammenlebens durch sich
ausbreitendes Leiden, Schmerzen oder drohenden Tod hat in allen Kulturen
zur Entwicklung von Heilsystemen geführt, durch die das Unerklärliche
eine Erklärung oder Behandlung erfährt und die sich ausbreitende Angst
und Verzweiflung begrenzt wird.
Eine entlastende, kognitive Distanz von dem unmittelbaren Drohungserlebnis kann durch die Tätigkeit von Heilern und Therapeuten geschaffen
werden, deren Funktion darin besteht, zwischen dem verzweifelnden Individuum und seiner sozialen Umgebung zu vermitteln. Ihre Fähigkeit, dort
noch Zuversicht auszustrahlen, wo die Erklärungsmuster der Betroffenen
versagen und sich daher Angst und Verzweiflung ausbreiten, begründet ihre
funktionale Autorität. Diese ist weitgehend abhängig von der realen
Kompetenz zur wirksamen Hilfe und gewinnt ihre Bedeutung allein durch
die Tatsache, daß sie durch eine den Betroffenen überzeugend anmutende
Erklärung und Interpretation neue Hoffnung in die Heilungsbemühungen zu
stiften vermag und durch diese psychologische Funktion unterstützend
wirksam ist.
9
Die Entwicklung eines medizinischen Heilsystems in Ergänzung und später
Abgrenzung zu den ursprünglich religiösen Heilsystemen begann in der
europäischen Tradition mit der Entwicklung einer Naturvorstellung, die
eine Eigengesetzlichkeit biologischer Prozesse unterstellte und die nach
eigenen Regeln und Verfahren beschrieben und behandelt werden konnte.
Krankheit gilt in dieser Sicht als eine Fehlfunktion biologischer
Mechanismen, die als solche erkannt und klassifiziert und durch physikalische oder chemische Einwirkungen korrigiert werden können. Dieses
biomedizinische Modell von Gesundheit und Krankheit, das durch die Sozialversicherung ein öffentliches Monopol zugewiesen bekommen hat, hat
andere Interpretationen menschlichen Leidens in unserer Gesellschaft
weitgehend verdrängt. Unsere Gesellschaft hat den Ärzten das ausschließliche Recht übertragen, festzustellen, was Krankheit ist, wer krank
und wer gesund ist und was mit den Kranken geschehen soll. Die Durchsetzung des bio-medizinischen Modells erlaubte es, die Behandlung menschlicher Leiden den funktionellen Erfordernissen der Industriegesellschaft
anzupassen. Der Ausbau des "medizinisch-industriellen Komplexes" zu
einem der größten Einzelwirtschaftsbereiche in der Gesellschaft mit einem
Anteil vom mehr als 10 % am Bruttosozialprodukt droht jedoch in
mehrfacher Hinsicht "kontraproduktiv" (Illich) zu werden. Die durch diese
Expansion erzeugte Medikalisierung der Gesellschaft über einen kritischen
Grenznutzen hinaus droht inzwischen mehr Schäden als Wohltaten zu
erzeugen.
Die reduktionistische Perspektive des bio-medizinischen Krankheitsmodells
erweist sich zunehmend als unangemessen gegenüber der Globalität der
Lebensrisiken und deren emotionaler Auswirkungen. In die Breschen eines
zerfallenen Definitionsmodells rücken vielfältige neue und verdrängte alte
Erklärungs- und Handlungsmuster für einen angemesseneren Umgang mit
menschlichem Leiden. Am Beginn der Industriegesellschaft war es die
materielle Not, die die Menschen zum sozialen Zusammenschluß und zum
Aufbau eines Systems "sozialer Sicherheit" trieb; in der sich entwickelnden
Risikogesellschaft (U.Beck) werden es gesellschaftlich vermittelte Ängste
sein, die die Menschen zu neuen kollektiven Handlungen führen.
Ein wachsendes Interesse an individueller Gesundheit birgt nicht nur
Chancen für den Absatz neuer Heilswaren oder Dienstleistungen wie sie
etwa durch den Psychomarkt oder die Fitness-Kultur erschlossen werden,
sondern durchaus auch die Gefahr kollektiven Mißbrauchs des Gesund-
10
heitsmotivs, wie er historisch bereits durch den Faschismus durchexerziert
wurde.
Vor diesem Hintergrund wird das Ziel dieser Studieneinheit wie folgt bestimmt:
Klärung konzeptioneller Voraussetzungen, die zu einer Stärkung der
Subjekte für eine demokratische Gestaltung ökologisch förderlicher Umweltbedingungen beitragen können.
In dieser Zielbestimmung sind folgende Elemente enthalten.
a) Primäres Ziel ist die Entfaltung des Lebenspotentials der einzelnen
Menschen als eigenständige Persönlichkeiten.
b) Dies wird durch einen kollektiven sozialen Gestaltungsprozeß angestrebt, der durch eine öffentliche und basisdemokratische Meinungsbildung gestützt wird.
c) Bezugspunkt für den Stoffwechsel Mensch-Natur und die soziale Organisation soll eine ökologische Umgestaltung sein, die einer nicht hegemonialen Entfaltung des biologischen und sozialen Lebenspotentials
förderlich ist.
Die folgenden Fragestellungen sollen in diesem Kapitel behandelt werden:
- Welche geistesgeschichtliche Entwicklung im Umgang mit der Gesundheit, Krankheit und Tod ist in der europäischen Geschichte erkennbar?
- Welche Lebensbezüge werden dabei jeweils als wesentlich zur Erhaltung
von Gesundheit und zur Vermeidung von Krankheit angesehen?
- Mit welchen Leitvorstellungen und Lebensmodellen wird die Dynamik
von Gesundheit, Krankheit und Tod dabei jeweils erklärt?
- Welche Rolle wird jeweils der Aktivität der einzelnen Subjekte
zugemessen?
- Welche Nachteile und Gefahren bergen undialektische Lebensmodelle
und Gesundheitskonzeptionen in sich?
- Welchen Anforderungen müßten emanzipatorische Lebens- und Gesundheitsvorstellungen entsprechen?
11
5.1
Geschichte der Verinnerlichung und Verallgemeinerung von
Lebenszwängen
5.1.1
Das Jenseits und die Suche nach dem Sinn
In fast allen primitiven Gesellschaften bedeutet Kranksein eine tödliche
Bedrohung und einen Angriff von den Seelen der Toten, die auf der Suche
nach Beute und nach Gefährten sind. In der archaischen Bewußtseinsstruktur ist Mensch und Umwelt, Lebendes und Nichtlebendes noch
nicht unterschieden. Die Menschen sehen sich von geheimnisvollen Kräften
umgeben, die über Leben und Tod entscheiden, und um weniger Angst zu
haben versuchen sie, den Dingen einen Sinn zu geben. Alles ist daher nach
Art menschlichen Selbsterlebens beseelt und von Ängsten, Absichten und
Affekten erfüllt: Tiere, Pflanzen, Steine, Berge, Gewässer, Flüsse usw..
Alles was sich bewegt und verändert ist Ausdruck eines unbegreiflichen
Wirkens, das als wahre Wirklichkeit im Unsichtbaren existiert und das
Leben der Lebendigen bestimmt. Sich schwach fühlen und krank werden
bedeutet in diesem Zusammenhang, sich auf den Tod vorbereiten. Die
Ungeteiltheit der Sinneseindrücke, in denen sich Traum, Schein und
Phantasien vermischen, setzt angesichts von Schmerzen, Leiden, Krankheit
und Tod panische Ängste frei, die sich ausbreiten und auch die übrigen
Stammesmitglieder beeinflussen.1 Entlastung schafft in diesen Situationen
eine projektive Distanzierung: Die Benennung des Anderen, des
Gegenübers, des Jenseits, des Unsichtbaren und der Versuch der Kontaktaufnahme, der Versöhnung, der erneuten Vereinigung.
Gelten zunächst in archaisch-animistischen Kulturen sämtliche Naturerscheinungen als potentielle Einflüsse auf das Lebensgeschehen, die es
durch kultische Rituale zu versöhnen gilt, so entwickelt sich in anderen
Kulturen eine zunehmende Personalisierung und Spezifizierung bedrohlicher Einflüsse. Dämonen, Geister und Götter werden mit ihren spezifischen
Interessen, Wünschen und Forderungen anerkannt und können durch die
vermittelnde Tätigkeit von Schamanen, Zauberern und Priestern versöhnt
und beeinflußt werden. In animistischen Vorstellungen gilt die Krankheit
als etwas von außen in den Gesunden Eindringendes. Die Menschen werden
durch böse, unsichtbare Geister überwältigt, die überall auf der Lauer
liegen, um Mensch und Tier zu schaden, Erkrankungen anzuzaubern,
1
Da das Bewußtsein des Einzelnen mit dem der ganzen Gruppe verbunden ist, betrifft auch
die Krankheit des Einzelnen die ganze Gruppe.
12
Fruchtbarkeit zu verhindern, impotent zu machen, oder sogar um den Geist
zu verwirren und Besessenheit zu bewirken. Bis in die heutige Zeit hinein
erhalten sich Vorstellungen vom Schadenzauber übelwollender Geister, die
als Hexen, Vampire, Mär oder teuflische Wesen die Menschen heimsuchen.
In höher entwickelten Kulturen ist die Krankheit meist nicht die Folge
reiner Bosheit, sondern die Götter verfolgen damit ihre höheren Ziele, die
Belohnung der Guten und die Bestrafung der Bösen. Denn als wesentliche
Veranlassung für Krankheit gilt fast überall die Übertretung von Geboten,
Vorschriften und Tabus. In diesem Falle wird Krankheit zur Strafe
beleidigter Götter und Dämonen und eine Demonstration der Macht des
Unsichtbaren. Die Personifizierung des Dämons oder strafenden Gottes
wird dann zur wesentlichen Vorbedingung für das richtige Ritual, in dem
der Dämon angeredet wird, wenn er ausgetrieben oder besänftigt werden
soll.
Die Vorstellungen von Krankheitsvorbeugung und Krankenbehandlung
leiten sich jeweils aus der vorherrschenden animistisch-dämonistischen
Krankheitsauffassung ab. Man kann entweder versuchen, sich der Krankheitstrafe zu entziehen, durch Unterwerfung und durch Bitten um Gnade,
Darbringung von Opfern, wie Speisen, Getränken oder Wertobjekten, durch
die man die gekränkten Geister zu versöhnen sucht. Oder man kann den
Versuch unternehmen, die bösen, krankmachenden Dämonen wegzulocken,
auszutreiben, zu überlisten, zu überwältigen oder zu bannen und zu
beschwören.
Alle Formen der Krankheitsbekämpfung, die sich gegen Dämonen richten,
gewinnen an Mächtigkeit, wenn sie durch Medizinmänner, Schamanen oder
Priester erfolgen, die ein besonderes Verhältnis zu Geistern, Dämonen und
Göttern besitzen, das durch bestimmte Riten und Ausbildungsformen
vervollkommnet wird. Unter ihrer Anleitung wird mit Hilfe von
Hilfsgeistern, Heilgöttern oder Heiligen und spezieller Zeremonien versucht, die Kraft und Zuversicht der Lebenden zu stärken und die Störungen
und Anfechtungen zu überwinden. Krankheit ist kein isoliertes Geschehen
eines Einzelnen, sondern immer zugleich auch eine Bedrohung des sozialen
Gefüges und des Zusammenlebens. Schamanische Therapie wendet sich
daher in gleicher Weise an die Erkrankten wie an die Gesunden und bemüht
sich um ein neues Gleichgewicht innerhalb der Natur, in den menschlichen
Beziehungen und in den Beziehungen zur unsichtbaren Welt der Geister.
Die Wirksamkeit dieser Strategien gegen das Leiden macht daher eine
13
grundlegende Übereinstimmung erforderlich: Den Glauben des Therapeuten
an seine Techniken, des Patienten an die Macht des Rituals und den
Glauben der Gruppe an den Wert dieser Bemühungen. Als Methode der
Krankheitsvorbeugung und Gesundheitsförderung ist sie an ein
geschlossenes Gemeinschaftsleben gebunden, wie es sich in traditionell
agraischen Lebensstrukturen zum Teil erhalten hat, oder in Sekten und
religiösen Gemeinschaften bewußt angestrebt wird.
Aufgabe 25
Worin besteht jeweils die spezifische symbolische Stärkung der Menschen
durch Rituale wie Osterfeuer, Weihnachtskerzen, Polterabend, Volkstanz,
Orgelmusik und Chorgesang, Weihwasser, Talisman, Hexenverbrennung?
Ein grundlegender Wandel in der Weltanschauung vollzieht sich mit der
Herausbildung monotheistischer Universalreligionen. In den archaischen
Stammesreligionen ist grundsätzlich das Heil in Gestalt einer ungestörten
Beziehung eines Kollektivs zu Göttern/Gott einer kosmischen Ordnung, die
gegebene Ausgangssituation. In den monotheistischen Universalreligionen,
wie sie in den feudalen Hochkulturen des Altertums in China, Indien und
dem vorderen Orient in der Zeit ab 800 v.Chr. entstehen, ändert sich diese
Weltsicht jedoch grundlegend. Die Menschen lebten hier nicht mehr in
einer primär heilen Beziehung zum Unsichtbaren oder Nominosen, der
ihnen in Gestalt eines personalen Gottes oder eines göttlichen Prinzips
gegenübertritt, sondern sind grundsätzlich durch die Erbsünde oder Verblendung (Maja) einer unheilvollen Existenz ausgeliefert, die sie von ihrem
Heil isoliert. In einer derartigen Situation des prinzipiellen Unheils
gewinnen Vorstellungen von "Erlösung" und "Erleuchtung" sowie der
Mythos einer Wiedergeburt in einem besseren Leben oder einer besseren
Gestalt herausragende Bedeutung. Das Verständnis von Gesundheit und
Krankheit ist in einer umfassenden und in sich geschlossenen Lehre vom
göttlichen Prinzip, vom Wesen des Menschen und der Bestimmung der
Menschen in der Welt begründet.
Das Heilziel ist in diesen Lebenskonzeptionen primär religiöser Art und
auch die Heilmittel sind daher zunächst kirchliche, i.d.R. sakramentale
Mittel. Erst an zweiter Stelle werden die Heilmittel der Medizin, die aus der
Natur stammen, zugelassen, aber nur als mögliche Hilfsmittel in Gottes
Plan, gewissermaßen als Hände Gottes. In Gottes Absichten ist die
14
Krankheit kein Zufall und er verfolgt mit ihr seine oft unbeschreiblichen
Ziele. Krankheit hat also einen Sinn im Zusammenhang seiner göttlichen
Ratschlüsse. Krankheit kann gelegentlich Strafe für begangene Sünden sein,
als Folge einer freien sündhaften Entscheidung gegen Gott. Doch kann der
Gott auch andere Absichten mit der Krankheit verfolgen, wie z.B. den
Menschen vor dem Fall in die Sünde zu bewahren. Krankheit kann
weiterhin Ausdruck eines göttlichen Gnadenerweises sein, eine Auszeichnung dessen, den Gott liebt. Er schickt dem Menschen das Leiden zur
Prüfung und Läuterung und gibt ihm besondere Möglichkeiten, Verdienste
für die Zeit nach dem Jüngsten Gericht zu gewinnen. Durch die
Geringschätzung des sterblichen, hinfälligen Leibes gewinnt der Kranke
Verdienste für die Ewigkeit.
In der christlichen Lebenslehre ist der Körper lediglich die sterblich vergängliche Hülle der Seele, die den Leib in seiner Zweckmäßigkeit und
Schönheit bildet. Man wird daher zuerst versuchen müssen, dem Körper
durch Heilung der Seele Gesundheit zu bringen. Krankheit kann nur von
den Absichten Gottes her interpretiert werden, der mit ihr seine Ziele
verfolgt und offenbart. Krankheit hat somit einen Sinn im Heilplan Gottes.
Freisein von Krankheit ist daher keinesfalls ein oberster Wert, denn
Schmerzen können die vorzeitige Abbuße von Schuld ermöglichen. Die
Annahme der Krankheit und die Bereinigung des Verhältnisses zu Gott ist
Voraussetzung jeder Heilung. Die Rettung der Seele hat unter allen
Umständen Vorrang vor der Rettung des Körpers.
Aufgabe 26
Welche Formen psychischer Stärkung der Individuen sind Ihnen aus der
christlich-katholischen Tradition bekannt?
Während in der christlich-katholischen Tradition ein eher passives Verhältnis zum Körper vorherrscht, der lediglich den Charakter einer sterblichen Hülle besitzt, entwickelt sich in der protestantischen Tradition eine
leibfeindliche Ordnung, die auf eine Körperbeherrschung abzielt und bei
der alle sinnlichen Körperregungen sich dem sittlichen Wollen unterzuordnen haben. Die protestantische Ethik mit ihren Kardinaltugenden Fleiß,
Pflichterfüllung, Sparsamkeit und Bedürfnislosigkeit löst sich aus den
Mysterien des Leibes und der Seele und macht den Körper zu einem
Instrument diesseitigen Bemühens um das Seelenheil. Gesundheit des
15
Leibes und der Seele wird dem strebenden Bemühen des Einzelnen zugänglich, sofern die Menschen sich bemühen, durch persönliche Anstrengung ihren Teil zur Erfüllung des Schöpfungsplanes und der sittlichen
Vorgaben zu leisten.
Während die katholische Mission primär auf die Rettung des Seelenheils
ausgerichtet ist, entwickelt sich in der protestantisch-pietistischen Tradition
eine durchaus weltliche Rettungsbewegung, die etwa in der Arbeit der
Heilsarmee neben das Seelenheil auch die Sorge um Suppe, Seife und
Unterkunft stellt. Man war der Auffassung, daß der Einzelne, in den Zeiten
der Gefährdung des Leibes und der Seele auf sich allein gestellt, nicht
imstande ist, mit seiner Anfechtung und Schwachheit fertig zu werden. Er
bedarf dazu der Unterstützung durch einen größeren tragenden Kreis und
einer fördernden sozialen Umgebung.
Aufgabe 27
Welche anderen Formen der sozialen Stärkung der Individuen sind Ihnen
aus der christlichen Tradition bekannt?
Aufgabe 28
Welche Unterschiede im Umgang mit Kranken und Schwachen sind im
Protestantismus im Gegensatz zur katholischen Tradition erkennbar?
Die Ausprägung der religiösen Formen und Inhalte folgt im wesentlichen
den Strukturen der gesellschaftlichen Entwicklung und spiegelt diese wider.
So wurde die Entstehung stabiler Feudalstrukturen durch korrespondierende
kirchlich-religiöse Hierarchien begleitet, andererseits die Entwicklung
bürgerlicher Tausch- und Handelsbeziehungen in der Neuzeit von einer
korrespondierenden protestantischen Ethik unterstützt.
Generell gilt, daß der Bedarf an transzendenter Sinngebung um so größer
ist, je weniger Sinn die Menschen in ihrem unmittelbaren Lebenszusammenhang finden und realisieren können und daß der Vermittlungsbedarf
durch Zwischeninstanzen wie Schamanen, Zauberer, Priester, Seelsorger,
Ärzte, Gurus oder "Gesundheitserzieher" um so größer ist, je weniger die
Menschen an der Gestaltung ihrer Lebenszusammenhänge aktiv und verantwortlich beteiligt sind.
16
5.1.2
Die Natur und die Suche nach der Ordnung
Eine ursprüngliche Form der Ordnung von Naturerscheinungen, um sie
menschlichen Zwecken nutzbar zu machen, bildet die Magie, die auf dem
Versuch beruht, Entsprechungen und Sympathien in den Naturerscheinungen ausfindig zu machen und gezielt einzusetzen. Im magischen Weltbild fühlt sich der Mensch mit allen Erscheinungen seiner Umwelt und
Mitwelt auf eine ihm undurchschaubare Weise verbunden. Die Naturwelt
ist mit seinem persönlichen Dasein unlösbar verknüpft. Im magischen
Weltbild sind die Bezüge zur Welt weniger rational als emotional, affektive
Bezüge wie Sympathie und Antipathie haben eine herausragende Bedeutung für das Verhältnis zwischen Menschen und Dingen. Nach dem
Singularitätsprinzip werden in magischen Heilmittelempfehlungen häufig
ungewöhnliche Tiere, Pflanzen, Früchte, Steine oder Metalle verwendet, in
denen man allein aufgrund ihrer seltsamen Struktur besondere Kräfte und
Wirkungen mutmaßt. Ein anderes Leitmotiv der Magie ist das Simileprinzip, d.h. der Glaube an die Kraft des Gleichen bzw. des Ähnlichen,
die Vermutung einer inneren Verwandtschaft und Sympathie des Ähnlichen
zueinander. Diese Ähnlichkeit haftet in der Regel an der Oberfläche der
Dinge - in der Medizin an der Ähnlichkeit zwischen Krankheitssymptomen
(wie Schwellungen, Verfärbungen, Verformungen und Empfindungen) oder
kranken Organen und ähnlich gestalteten, geformten, gefärbten oder
strukturierten Gebilden der Natur- oder Lebensumwelt des Menschen. Unter
das Simileprinzip fällt also die Empfehlung von Heilmitteln auf Grund ihrer
Übereinstimmung mit dem leidenden Teil oder ihrer Symptomähnlichkeit
nach Farben, Formen, Strukturen usw.
Aufgabe 29
Welche magischen Heilwirkungen sind Ihnen aus der Volksmedizin oder
der modernen Medizin bekannt?
In dem Bemühen, Gesetzmäßigkeiten von Lebenserscheinungen zu entdecken und für die Menschen nutzbar zu machen, hat die Beobachtung des
Sternenhimmels im Hinblick auf seinen Einfluß auf Glück oder Unglück
der Menschen, Hungersnöte oder Seuchen, Krankheit und Tod eine
herausragende Bedeutung gehabt. Der Glaube an die Macht der Sterne hat
im Orient bereits vor mehreren tausend Jahren zu ausgefeilten Systemen der
Astrologie geführt. Der Einfluß der kosmischen Rhythmen auf die Le-
17
benserscheinungen war evident. Schlafen und Wachen aller Lebewesen
folgt dem Gang der Sonne und dem Tag-Nacht-Wechsel. In Abhängigkeit
von Licht und Wärme beginnt das morgendliche Erwachen der Natur.
Geburten häufen sich in den frühen Morgenstunden, ebenso die Todesfälle.
Der Gang des Mondes korrespondiert mit Ebbe und Flut. Die Periode der
Frau erfolgt etwa im Monatsabstand. Auch die Rolle der Jahreszyklen auf
die Lebenserscheinungen war offenkundig. Im Frühjahr lösen sich die
Pflanzen aus der Winterruhe, sie beginnen auszutreiben und blühen in einer
bestimmten Reihenfolge. Die Natur folgt offensichtlich überall den großen
Zeitvorgaben des Kosmos.
Aufgabe 30
Welche weiteren rhythmischen oder zyklischen Lebensprozesse sind Ihnen
beim Menschen bekannt?
Im Zusammenhang mit dem Glauben an die göttliche Vorherbestimmtheit
des Weltenlaufs besitzt der Stand des Sternenhimmels zum Zeitpunkt der
Geburt eine herausragende Bedeutung für das menschliche Schicksal und
ist Grundlage für Horoskope, Wahrsagerei und Prophezeiungen auf der
Basis astronomischer Berechnungen.
Aufgabe 31
Die Annahme einer Vorherbestimmtheit des menschlichen Lebens hat zu
vielfältigen Versuchen geführt, die persönliche Konstellation im Rahmen
einer ewigen Ordnung in Erfahrung zu bringen und damit Einblick in das
eigene Schicksal zu erhalten. Welche Systeme der Weissagung und Horoskopbildung sind Ihnen bekannt und auf welches Ordnungssystem wird
dabei Bezug genommen?
Die mythische Weltinterpretation geht langsam über zu einer durch systematische Naturbeobachtung und Verstandestätigkeit konstruierten
Wirklichkeit. Das Bild vom Entstehen und vom Lauf des Universums bezieht sich nur noch auf beobachtbare Stoffe und Vorgänge in der Welt und
kommt ohne das Eingreifen von Göttern oder das Walten einer persönlichen
Vorsehung aus. An die Stelle des Glaubens rückt der Gebrauch der
Vernunft, die bestrebt ist, die traditionelle Religion durch methodisches
Denken zu ersetzen. Der Mensch rückt als belebtes Glied des göttlichen
18
Kosmos in den Mittelpunkt und sollte in die Lage versetzt werden, die
Vernunft als Instrument zur Regelung seiner Beziehungen zu anderen
Menschen und zur Natur zu gebrauchen, da die Vernunft als geistige Macht
jedem Menschen innewohnt. Für die Beantwortung der grundlegenden
Menschheitsfragen
- Was ist der Mensch?
- Wie ist er in seiner Vielschichtigkeit aufgebaut?
- In welcher Wechselwirkung steht er zum Ganzen des Kosmos?
- Welchen Gesetzen und Prinzipien unterliegen die Funktionszusammenhänge im gesunden und kranken Menschen?
kommt daher der systematischen Beobachtung der Natur, ihrer Gesetzmäßigkeiten und Ordnungsprinzipien grundlegende Bedeutung zu. Im
Gegensatz zu menschlichen Vorstellungen, die irren können, erscheinen die
Gesetze der Natur als fester Bezugspunkt und unumstößlich.
In dem Bemühen, eine symbolische Repräsentation grundlegender Lebenszusammenhänge zu entwickeln, in dem einzelne Menschen Entscheidungskriterien und vernunftmäßige Orientierung vermitteln könnten, sind
folgende Grundmuster deutlich voneinander zu unterscheiden.
A. Die Suche nach Symmetrien und Äquivalenzen
Diese antike Vorstellung baut auf der Annahme auf, daß Mensch und Natur
Teil einer kosmischen Harmonie sind, die durch und durch von göttlichem
Leben durchdrungen ist und daher eine regelhafte Ordnung in sich birgt, die
der menschlichen Erkenntnis zugänglich ist. Die Frage nach der Natur der
Dinge bildet daher seit der griechischen Antike einen zentralen
Bezugspunkt für den Umgang mit Gesundheit und Krankheit. Die
Heilkunde fußt auf praktischer Erfahrung mit den natürlichen und kosmischen Gesetzmäßigkeiten und wird zu einer Dienerin der Natur und zur
Mittlerin der Gesundheit, indem sie zu einer Wiederherstellung gestörter
Harmonien anleitet. Der Arzt ist dabei lediglich Helfer der Naturkraft, jenes
umfassenden Wirkungsprinzips, das immer nur auf Ausgleich der
Mißstände und Harmonisierung der Mißstimmigkeiten ausgerichtet ist.
Elemente, Säfte, Temperamente sind Erscheinungsformen der natürlichen
Harmonie, deren Gleichgewicht ständig bedroht ist und durch eine bewußte
Lebensführung (Diätetik) korrigiert werden muß. Der Arzt, der sich in
diesen Gesetzmäßigkeiten auskennt, wird dabei zu einem Begleiter und
Berater des Kranken und zu einem philosophisch geschulten Fachmann für
19
alle Phasen und Krisen der Lebensführung. Auf der Basis dieser
Weltanschauung hat sich in vielfältigen Differenzierungen das sog. Elementen-Schema entwickelt.
Dieses Schema geht von der Vorstellung aus, daß die Grundstrukturen der
kosmischen Ordnung durch das Wechselspiel der Grundelemente Erde,
Wasser, Luft und Feuer gebildet werden und daß diese auch im Menschen
und in allen Lebewesen wirksam sind.
Handelt es sich zunächst um allgemeine philosophische Prinzipien zur
Annäherung an die konkrete Lebenswirklichkeit der Menschen, so hat in
späteren Zeiten dieses Schema innerhalb der Medizin häufig den Charakter
einer Rezeptologie erhalten. Nach dieser Theorie verfolgte die Behandlung
dann das Ziel, das erforderliche Gleichgewicht der Elemente wieder
herzustellen, und zwar mit Hilfe der beiden entgegengesetzten und die
Elemente bestimmenden Qualitätspaare heiß und kalt, feucht und trocken.
Insbesondere durch Galen hat dieses Konzept in der europäischen Medizin
bis zur Neuzeit eine erhebliche Verbreitung gefunden.
In der Tradition der Galenschen Medizin verkam die ursprünglich philosophisch begründete Lebensordnungslehre der Antike zunehmend zu einer
dogmatischen Rezeptologie und einer geschlossenen ärztlichen Doktrin, die
bis in die Neuzeit für das medizinische Denken bestimmend war.
Aufgabe 32
Welche Aspekte der menschlichen Lebensgestaltung werden durch diese
Weltanschauung hervorgehoben?
Aufgabe 33
Welche Stärkung erfahren die Individuen in dieser Weltanschauung im
Hinblick auf eine bewußte Gestaltung ihrer Lebenszusammenhänge?
B. Hierarchische Regelsysteme
Die Vorstellung einer hierarchischen Gliederung der Natur findet sich bereits bei Aristoteles in einer ausgearbeiteten Form und ist in der christlichen
Tradition weitgehend übernommen worden. In der Naturvorstellung des
Aristoteles strebt alles nach größtmöglicher Vollkommenheit, allerdings
20
wird dieses Ziel in unterschiedlichem Ausmaß erreicht. Hieraus ergibt sich
eine Stufenleiter der Natur, die von den Mineralien über die Pflanzen und
die immer vollkommeneren Tiere schließlich zum Menschen als höchster
Sprosse dieser Stufenleiter führt. Vollkommenheit wird als das Höhere und
Unveränderliche aufgefaßt. Lebewesen sind körperlich und vergänglich,
über ihnen stehen die körperlichen und unvergänglichen Himmelskörper.
Noch höher steht die rationale Seele, die unkörperlich und unvergänglich
ist. Am höchsten steht Gott, die unveränderlichste und damit die wirklichste
aller Substanzen, die ihre Möglichkeit am vollständigsten realisiert. Streben
und Liebe können nur nach oben im Hinblick auf das Vollkommenere
ausgerichtet
sein.
Die
Vorstellung
von
den
verschiedenen
Vollkommenheitsgraden gründet die natürliche Ordnung der sozialen
Beziehungen: So ist der Sklave auf seinen Herrn, die Frau auf ihren Gatten
und der Mensch auf Gott ausgerichtet. In diesem theozentrischen Weltbild
ist der Wert der Menschen aus ihrer relativen Nähe zu Gott gegeben. Das
neuplatonische Kosmosbild2 ist ein typisches Beispiel für die Adaption
verschiedener Weltanschauungselemente im Rahmen der christlichen
Tradition.
Durch die Gliederung der Welt in eine elementarische, himmlische und geistige Sphäre, bei der immer die niedrigere von der höheren regiert wird und
den Einfluß ihrer Kräfte aufnimmt, kommt es wesentlich darauf an, eine der
Schöpfungen Gottes gemäße ursprüngliche Ordnung durch einen geeigneten
Kräfteausgleich zu erreichen. Da der Mensch Mitte und Ziel der Schöpfung
ist, teilt Gott für ihn über die himmlischen Mächte, die Steine, Kräuter,
Metalle usw. besondere Kräfte und Gestalten mit. Die Notwendigkeit der
Wirkungen beruht daher auf dem Zusammenhang aller Dinge mit der ersten
Ursache und auf der Beziehung zu jenen göttlichen Vorbildern und ewigen
Ideen. Jede Sache hat ihre bestimmte Stelle in der ursprünglichen Ordnung,
von wo sie Ursprung und Leben empfängt und jede Kraft der Kräuter,
Steine, Metalle, Tiere, Worte, Gebete, kurz alles, was existiert, ist eine
Gabe Gottes. Gott wirkt durch die kosmischen Kräfte auf unserer Welt.
2
Vgl. K.E. Rothschuh, Konzepte der Medizin in Vergangenheit und Gegenwart, Stuttgart,
1978
21
Aufgabe 34
Welche Aspekte der menschlichen Lebensgestaltung werden durch diese
Weltanschauung hervorgehoben?
C. Rhythmische Entwicklung
Vor allem im Bereich der chinesischen Tradition hat sich eine Gliederung
der Natur entwickelt, in der das Entstehen und Vergehen von Lebenserscheinungen im Mittelpunkt des Interesses steht. Entsprechend werden
überwiegend zyklische, rhythmische oder spiralförmige Beschreibungsformen verwendet. Ein Modell aus der asiatischen Tradition bildet die
nachstehende Lebensspirale.
Die Lebensspirale
(aus: Michio Kushi, 1979, S.37)
Die Menschheit wird dabei als am Endpunkt einer riesigen Lebensspirale
gedacht, die im Ozean der einen Unendlichkeit entstand. Das Tierreich,
innerhalb dessen die Menschheit die letzte Erscheinungsform ist, befindet
sich innerhalb des Pflanzenreiches, von welchem es entweder direkt oder
22
indirekt hinsichtlich Leben und Ernährung abhängt. Es gibt keine klaren
Grenzlinien zwischen diesen beiden Welten, da das Pflanzenreich sich
fortwährend ins Tierreich transformiert oder verändert. So leitet also eine
fortlaufende Umdrehung der Spirale zunächst innerhalb ihrer selbst über.
Die Lebensspirale des Universums ist in eine siebenteilige Entwicklung der
Einwärtsbewegung gegliedert.3 Innerhalb dieser Entwicklungsstufen bilden
die Menschen in ihrer psychischen und geistigen Ausprägung die am
intensivsten organisierte Lebensform. Mit der Entstehung der Menschen
und anderer hochentwickelter Tierarten erreicht der zentripetale Prozeß der
Lebensspirale seinen Höhepunkt. Der nach innen gerichtete Prozeß der
physikalischen und materiellen Manifestation erreicht in der
Menschwerdung seinen Höhepunkt und beginnt im Zentrum der Lebensspirale sich in die entgegengesetzte Richtung zu drehen und wieder zu den
vorhergehenden Manifestationen zurückzukehren. Durch eine sich ausdehnende Spirale der Auflösung und Vergeistigung, die persönliche und
individuelle Identitäten wieder einschmiltz, löst sich der Lebensprozeß in
der einen Unendlichkeit, dem Ursprung von allem, wieder auf.
Aufgabe 35
Welche Aspekte der menschlichen Lebensgestaltung werden durch diese
Weltanschauung hervorgehoben?
5.1.3
Der Körper und die Suche nach der Funktion
In der Renaissance erhält die physische Wirklichkeit für den Menschen
neue Erlebnisqualitäten. Das technische Können, die Frage, wie man z.B.
ein handwerkliches Problem am zweckmäßigsten anpackt, wird zum theoretischen Wissen über die Natur selbst und ihre Art der Beschaffenheit.
Durch den gegenseitigen Erfahrungsaustausch zwischen Technikern,
Künstlern, Handwerkern und Theoretikern setzte sich im Übergang zum 17.
Jahrhundert deutlich die Überzeugung durch, daß die künstlerischhandwerkliche Beschäftigung kein Überlisten der Natur darstellt, sondern
ein Handeln gemäß der Natur. Die Einführung einer mathematischen
Proportionslehre und die Anwendung der Geometrie auf technische Probleme richtete sich auch auf die Untersuchung des menschlichen Körpers.
3
Siehe Schaubild
23
Leonardo da Vinci (1452-1519) will z.B. Mensch und Natur nicht nur in
ästhetisch befriedigender Weise darstellen, sondern auch technisch konkret
konstruieren.
Der Anspruch auf vorbehaltlose Untersuchung der Natur richtete sich auch
auf die Untersuchung des menschlichen Körpers, bei der in zum Teil
provokativer Weise Anspruch auf rückhaltlose Erkenntnis der eigenen
Körperstruktur zum Ausdruck gebracht wurde. Diese Erkenntnishaltung
bedeutete einen radikalen Bruch mit der mittelalterlichen Weltsicht.
Der Mensch erscheint nicht mehr als ein Teil der Natur, die als eine
geistlose, passive Mechanik der Freiheit und der Zweckbestimmung des
menschlichen Geistes wesensfremd ist. Der menschliche Geist kann mit
experimentellen Mitteln Zugang erlangen zu jenem Standpunkt, von dem
aus auch Gott die Welt betrachtet, zu jenem göttlichen Plan, dessen sinnlich
erfahrbarer Ausdruck diese Welt ist. Je mehr die Natur herabgesetzt wird,
um so strahlender erscheint alles, was nicht zu ihr gehört: Gott und der
Mensch. Mit der Gleichsetzung Mensch - Gott zerschnitt der Mensch seine
organischen Bindungen zur Natur, er erhob sich über sie und trennte sich
von ihr in strikter Subjekt - Objekttrennung. Mit der Abnabelung von der
Natur konnte jetzt der Mensch die Natur beschädigen, vergewaltigen,
ausbeuten, ohne Schmerz oder Scham dabei zu empfinden, denn er beschädigte ja ein außer sich seiendes Objekt, nicht mehr ein mit ihm verbundenes Subjekt.
In der aristotelisch-scholastischen Feudalzeit war der Mensch noch organischer Bestandteil der Natur, als deren Teil er sich fühlte und die er durch
Betrachtung zu erkennen versuchte. In der Neuzeit trat der Mensch als
Subjekt der Natur als Objekt gegenüber und versuchte durch geeignete
Experimente mittels Meßinstrumenten deren Gesetzmäßigkeiten zu erkennen und konstruierte dabei eine von der ursprünglichen Natur abgetrennte, abstrahierte Naturwissenschaft. Die Naturgesetze, die hinter dem
Phänomen liegenden und diese prägenden Gesetze konnten nur deshalb
erkannt werden, weil die Natur zum Objekt gemacht wurde.
Für die naturwissenschaftliche Untersuchung menschlicher Krankheitsverläufe hatte diese neue Sichtweise zur Folge, daß man sich dabei auf
immer engere Ausschnitte menschlicher Lebensprozesse beschränkte, um
sich so dem Ideal einer physikalisch-mathematischen Beschreibung der
Lebensprozesse zu nähern (vgl. Abbildung).
24
(aus: P.Feyerabend, 1983, S.242)
Die radikale Trennung zwischen einem erkennenden Subjekt und einem
sich passiv enthüllenden Objekt der Erkenntnis wurde vor allem durch die
Philosophie Descartes begründet. Für eine Erneuerung der Lehre von der
Natur und den Bewegungen der Naturkörper entwarf Descartes zunächst
eine neue Substanzenlehre, die das aristotelische Miteinander vom Körperlichen und Spirituellen durch einen radikalen Dualismus von Körperwelt
und Seele ersetzte. Der Körper als res extensa (das "ausgedehnte Ding") ist
danach von der Seele als res cogitans (das "denkende Ding") substantiell so
verschieden, daß eine Einwirkung vom Seelisch-Spirituellen auf
Körperliches und umgekehrt undenkbar wird.
Für Descartes war die Existenz Gottes noch ein wesentlicher Bestandteil
seiner wissenschaftlichen Philosophie. In späteren Jahrhunderten jedoch
vermieden die Wissenschaftler jede Bezugnahme auf Gott und entwikkelten
ihre Theorien entsprechend der kartesianischen Trennung. Die
Geisteswissenschaften konzentrierten sich auf die res cogitans und die
Naturwissenschaften auf die res extensa. Die strikte Trennung zwischen
einem seelischen Bereich des Subjektiven und dem eines natürlichen Bereiches des Objektiven bildet bis heute die Grundlage der europäischen
Wissenschaftstradition und verhinderte z.B. in der Medizin eine einheitliche Beschreibungsform menschlicher Lebensäußerungen. In dem Bemühen,
eine perfekte Naturwissenschaft zu schaffen, dehnte Descartes seine
mechanistische Anschauung von der Materie auch auf lebende Organismen
25
aus. Pflanzen und Tiere waren Maschinen für ihn. Die Menschen wurden
von einer vernunftbegabten Seele bewohnt, die mit dem Körper über die
Zirbeldrüse im Zentrum des Gehirns verbunden war. Der Körper des
Menschen jedoch war auch nur eine animalische Maschine. Um zu
beweisen, daß lebende Organismen nichts als Automaten seien, beschrieb
Descartes ausführlich, wie die Bewegungen und verschiedenen
biologischen Funktionen des Körpers auf mechanische Vorgänge reduziert
werden könnten. Diese Anschauung vom lebenden Organismus hat die
Entwicklung der Wissenschaft vom Leben entscheidend beeinflußt. Die
sorgfältige Beschreibung der Mechanismen, die zusammengefügt lebende
Organismen ergeben, wurde zur dominierenden Arbeitsweise in der
Biologie und der Medizin. Die Kartesianische Methode war vor allem in
der Biologie erfolgreich, hat jedoch die Richtung der wissenschaftlichen
Forschung sehr eingeengt. Das Problem dabei ist, daß die erfolgreiche
Behandlung lebender Organismen als Maschinen die Wissenschaftler
schließlich glauben ließ, sie seien nichts als Maschinen.
Aufgabe 36
Welche therapeutischen Prinzipien sind einer mechanisch-materialistischen
Krankheitstheorie angemessen?
Neben dem Versuch der mechanisch-materialistischen Weltanschauung,
Lebenserscheinungen aus dem Bereich der äußeren, materiellen, sinnlich
beobachtbaren Erfahrungswelt zu erklären, hat sich in der Tradition der
Biologie und Medizin jedoch auch der korrespondierende Versuch erhalten,
ein Verständnis der Lebenserscheinungen aus dem Bereich der inneren,
nicht sinnlich zugänglichen, aber im bewußt-seelischen Erleben, als Wille,
Vorstellung, Wahrnehmung oder Affekt unmittelbar gegebenen
Erfahrungswelt (Seele, Psyche) zu gewinnen. Diesen "vitalistischen" Vorstellungen liegt in der Regel die Überzeugung zugrunde, daß nicht allein
mechanisch wirkende Faktoren das Lebensgeschehen bestimmen, sondern
daß in jedem Lebewesen darüber hinausgehende Faktoren wirksam sind,
"Kräfte", die nicht weiter physikalisch-chemischen Gesetzmäßigkeiten
untergeordnet werden können. Solche Erklärungen durch nicht materielle
und nicht sinnlich gegebene, also nur erschlossene "verborgene" Kräfte
kann man auch als dynamistische Erklärungen bezeichnen. In derartigen
psychodynamischen Modellen des Lebendigen hat man sich das Verhältnis
der seelenanalogen Kräfte zum materiellen körperlichen Substrat vielfach
26
so vorgestellt, daß diese das aktivierende, lenkende, tätige - der materielle
Stoffe dagegen das passiv gelenkte Substrat darstellt.
Psychodynamische Konzepte der Medizin haben seit Ende des 19. Jahrhunderts erneut einen stärkeren Einfluß gewonnen. In ihnen wird versucht,
die organischen Körperkrankheiten und ebenso alle Seelenstörungen aus
seelischen Zusammenhängen und Einflüssen verständlich zu machen und
die Therapie bzw. die Theorie der Heilung darauf abzustellen. Dabei kann
entweder der Körper als Hauptschauplatz eines psychodynamischen
Krankheitsgeschehens betrachtet werden (Psychosomatik) oder die
Psychodynamik macht sich vorwiegend auf der Bühne des seelischen
Erlebens als Seelenkrankheit oder "Geisteszerrüttung" bemerkbar.
Grundsätzlich muß diesen Modellen zufolge dem "seelischen" die maßgebliche Rolle für Erkrankung und Heilung zuerkannt werden, und zwar für
alle Körper- und Seelen-(Geistes)krankheiten.
Aufgabe 37
Welche therapeutischen Prinzipien sind einer psychodynamischen Krankheitstheorie angemessen?
Welche Formen der Gesundheitsförderung entsprechen dieser Weltanschauung?
In Abgrenzung zur animistischen Seelenmetaphysik einerseits und der
schlichten Mechanik andererseits gewannen im 18. Jahrhundert biodynamistische Konzepte in der Medizin eine größere Bedeutung. Der Glaube an
unsichtbare "Kräfte" war durch die nachweisbare Gravitationskraft, ferner
die Kräfte des Magneten und die seltsamen Anziehungs- und Abstoßungskräfte elektrischer Körper angeregt worden. Die im 18. Jahrhundert
entstehenden Lebenskraftlehren grenzten sich daher nach zwei Seiten hin
ab. Sie entwickelten sich im Zuge der Erkenntnis, daß einerseits die
Maschinentheorie des Organischen der spezifischen Phänomene des
Organischen (Fortpflanzung, Wachstum, Ernährung, Regulationsleistungen,
Selbstbewegung usw.) nicht ausreichen, andererseits jedoch ein Rückgriff
auf die Seelenmetaphysik dem naturwissenschaftlichen Erkenntnisideal
jener Zeit nicht angemessen war. Im allgemeinen waren die
Lebenkraftlehren um die Probleme der Gestaltung bzw. Entwicklung und
Organisation der Lebewesen zentriert und stellten den hypothetischen
Rahmen dar für mechanistisch nicht hinreichend erklärte und also noch zu
27
klärende Phänomene (wie z.B. das Phänomen der Reizbarkeit und Erregbarkeit von Muskelfasern). Die Lebenskraft gilt dabei als eine erhaltende
Kraft, welche in allen Lebensvorgängen dauernd tätig ist und als plastische
Kraft auch den Organismus bildet. Die Lebenskraft ist das größte
Erhaltungsmittel des Körpers, sie schützt vor Destruktion und Verfall, sie
ist auch in der Krankheit bildend, regenerierend tätig, besonders bei
Entzündungsprozessen. Durch die Lebenskraft erhält der Organismus in
allen Teilen seine Fähigkeit, auf Reize zu reagieren. Der Tod ist schließlich
der Verlust der Lebenskraft. Krankheit ist nichts anderes als die Reaktion
der lebenden Kräfte gegen den Krankheitsreiz. Eine Krankheit dauert daher
so lange, bis entweder die Lebenskraft die Ursache, oder bis die Ursache
die Lebenskraft überwunden hat. Für die Ausbildung des Krankheitsbildes
ist daher wichtig: der Zustand der Lebenskraft, ihre Stärke oder Schwäche,
die Qualität der Lebenskraft, ihre Verteilung auf Organe und Gewebe, ihre
Abhängigkeit von der Konstitution, der Lebensweise, von Ernährung, Licht,
Luft und Seelenverfassung und der Zustand der Lebenskraft bestimmt die
Reizfähigkeit, die Reaktion auf krankmachende Momente. Die Annahme
einer Lebenskraft oder Lebensenergie als gestaltendem Wirkprinzip
biologischer Organismen hat in der Geschichte der Biologie und Medizin
vielfältige Ausprägungen erfahren.4
Aufgabe 38
Welche allgemeinen therapeutischen Prinzipien sind den biodynamistischen
Krankheitskonzepten angemessen?
Welche Formen der Gesundheitsförderung entsprechend dieser Weltanschauung?
In der Geschichte der neuzeitlichen Philosophie und Naturwissenschaft sind
vitalistische Konzeptionen wiederholt als Reaktionen auf einen dominierenden mechanistischen Lebensbegriff aufgetreten. Da die mechanistische Erklärung des Lebens als unzureichend empfunden wurde, kam es
zu der Überzeugung, Leben könne nur unter zu Hilfenahme eines eigenständigen Lebensfaktors erklärt und verstanden werden. Die Kontroverse
4
Beispielhaft sei hier hingewiesen auf Paracelsus' Iatrochemie, Messmers Magnettherapie,
Abrahams Radionik, Steiners Ätherlehre, Hanemanns Homöopathie und Reichs Organtheorie.
28
um Vitalismus und Mechanismus oder Idealismus und Materialismus ist
grundlegend für die europäische Geschichte der Philosophie, Biologie und
Medizin geworden. Der Annahme "höherer Prinzipien" der Vitalisten
stellten die Mechanisten "tieferliegende Prinzipien" entgegen. Die Suche
nach den tieferliegenden Prinzipien verlagert sich dabei immer weiter in
den Körper hinein. An die Stelle der Organpathologie des Morgagni, in der
jeweils ein Organ in seiner Gesamtheit für eine Krankheit verantwortlich
gemacht wurde, rückte mit Bichat die Gewebepathologie, bei der Störungen
in der Funktion eines Gewebes zwangsläufig zu fehlerhaften Funktionen
eines Organs führen. Einen weiteren Schritt in der Lokalisierung
krankhafter Vorgänge ging dann um die Mitte des vorigen Jahrhunderts
Rudolf Virchow mit seiner Zellularpathologie. Er wies nach, daß nicht
Organe, nicht Gewebe, sondern letztlich immer einzelne Zellen Träger der
krankhaften Veränderungen sind. Alle Krankheiten lösen sich zuletzt auf in
aktive oder passive Störungen der Körperzellen, deren Leistungsfähigkeit je
nach dem Zustand ihrer molekularen Zusammensetzung sich ändert, die
durch zytopathologische Untersuchungen erkannt werden können. An die
Stelle der klassischen Humoralpathologie, die die Bedeutung der
Körperflüssigkeiten in den Vordergrund gestellt hatte, rückt nun ein
umfassendes System der Solidarpathologie, eine umfassende Lokalisationslehre der einzelnen Krankheiten. Der Lokalismus, der von der
Virchowschen Lehre ausging, bildete die Grundlage der modernen Chirurgie, da es erst auf der Basis der Solidarpathologie sinnvoll erschien, ein
erkranktes Organ zu entfernen bzw. in seine Funktion operativ einzugreifen.
Mit der Zellularpathologie, die in neuester Zeit mit der Entwicklung einer
Molekularpathologie und Gentechnologie eine weitere Steigerung erfährt,
wurde in der modernen Medizin ein Weg beschritten, auf dem der
menschliche Körper immer weniger als Ganzes gesehen wurde und sich
auflöste in Organe, Gewebe, Zellen und Molekülstrukturen. Die damit
zwangsläufig einhergehende Spezialisierung der Ärzte hat diesen Prozeß
noch beschleunigt. Für das Körperkonzept der Ärzte hatte die
Zellularpathologie weitreichende Folgen: Wenn es keinen kranken Körper
mehr gibt, sondern nur noch kranke Zellen, dann ist auch jede
Allgemeintherapie sinnlos. Einer Lokalpathologie entspricht zwangslos eine
Lokaltherapie. Der Rest des Körpers und des Menschen gerät lediglich als
materieller Träger der jeweiligen Krankheit ins Blickfeld.
In der Mitte des vorigen Jahrhunderts entstand ein neues, dominierendes
Organismusbild nach naturwissenschaftlichem Muster und eine neue Vor-
29
stellung über die Art und Weise, wie eine neue Medizin nach Art von Naturwissenschaft und Technik aussehen müßte. Durch die Monopolisierung
der ärztlichen Ausbildung an den akademischen Kliniken erlangte das
iatrotechnische Konzept der Medizin5 den Status der offiziellen "Schulmedizin" und wurde zur alleingültigen Grundlage der staatlich geförderten
medizinischen Forschung und Lehre erklärt.
Damals hat sich in der europäischen Tradition aus der Vielfalt der Gesundheitsexpertinnen und -experten ein Monopol der akademisch gebildeten Ärzteschaft durchgesetzt, und die Träger der medizinischen Wissenschaft fungieren seit dieser Zeit als einzig legitime, öffentlich beauftragte
"Sachwalter der Gesundheit", ausgestattet mit dem Recht, Direktiven für
das Verhalten des Einzelnen zu erteilen und Normen aufzustellen, die
mittelbar oder unmittelbar für die Gesamtgesellschaft verbindlich werden
können.
Für den "Laien" - und zwar für den eigentlichen Patienten ebenso wie für
den Teilhaber an einem nach Orientierung suchenden öffentlichen Bewußtsein - bringt die Konzentration der Wissens- und Entscheidungskopmpetenz auf die akademische Medizin einen erheblichen Vorteil mit
sich: Die Entlastung von der eigenen Wahl bei gleichzeitiger, mit Gewissheitscharakter ausgestatteten Überzeugung, daß die akzeptierte und
nachvollzogene Entscheidung die bestmögliche sei, die nach dem modernen
Kriterium der Rationalität überhaupt gefunden werden könnte. Auf diese
Weise wird die Entscheidung über zu wählendes Verhalten den Fachleuten
überlassen und die Laienschaft nimmt diese freiwillige Abhängigkeit auf
sich, weil sie als frei gewählte und vernunftbegründete Abhängigkeit
erscheint.
Eine öffentliche Diskussion über die Eigeninteressen des medizinischen
Klerus und die Grenzen des biomedizinischen Glaubensmodells konfrontiert die verunsicherten Bürger jedoch mit der brüchigen Vertrauensbasis
der ständischen Expertenherrschaft. Mit dem Verfall des öffentlichen
Definitionsmonopols der medizinischen Expertokratie öffnet sich der
"Markt der Möglichkeiten" erneut und neben dem vertrauensheischenden
Rückgriff auf ältere oder weniger brüchig erscheinende Heilkulturen und
5
Vgl. dazu die Grundsätze dieses neuen iatrotechnischen Konzeptes in K.E.Rothschuh,
a.a.O., S.417f.
30
andere, vertrauenerweckendere Experten rückt die Suche nach dem Eigeninteresse und Eigenvermögen, dem Ich oder Selbst in den Mittelpunkt.
5.1.4
Das Ich und die Suche nach dem Programm
Die Formulierung der klassischen Naturgesetze der Mechanik durch
Newton hatte erheblichen Einfluß auf das Weltbild der bürgerlichen Gesellschaft. John Locke, Philosoph und Staatstheoretiker aus der Zeit
Newtons, argumentierte z.B., daß man alle Probleme der Menschen in der
Gesellschaft lösen könne, wenn man nur die Naturgesetze der Mechanik
anwende. Er legte seiner Philosophie eine "atomistische" Struktur der
Gesellschaft zugrunde: Jeder Mensch ist vom anderen isoliert in dem Sinn,
daß er keine "organische" Beziehung mit ihm hat; alle Menschen in der
Gesellschaft sind Individuen, gleichsam Massepunkte, deren Beziehungen
sich regeln zwischen ihnen herrschenden Kräften und Gegenkräften. Die
politische Macht hat dafür zu sorgen, daß diese Kräfte und Gegenkräfte sich
ausbalancieren, daß sich ein Gleichgewicht bildet und dieses Gleichgewicht
stabil bleibt.
Während im feudalistischen System die Gesellschaft als ein Organismus
gesehen wurde, in dem jeder und jedes seinen festgefügten Platz mit vorgeschriebener Funktion hatte, sind im bürgerlichen Gesellschaftssystem
Menschen freie Individuen.
So wie im Feudalsystem die herrschende Klasse ihr Herrschaftssystem mit
dem Aristotelismus legitimierte, legitimiert jetzt die bürgerliche Gesellschaft ihr spezifisches Herrschaftssystem mit der neuen Naturwissenschaft,
mit der Mechanik. Das System des Individualismus, das so bestimmte
Verhältnis der Gesellschaft, wird dann auch auf die Naturwissenschaft und
die Medizin selbst wieder übertragen: Beide behandeln wieder einzelne
"individuelle" Fakten, Theorien und Prinzipien, Krankheiten und
Symptome als isolierte Einzeldinge und Einzeltatsachen und alle übergreifenden Ideen werden in den Bereich der Metaphysik verbannt.
Die zergliedernde Erkenntnismethode der Naturwissenschaften, die die
Gegenstandsbereiche menschlicher Kenntnis zunehmend zerstückelte,
wurde durch die Entwicklung der Philosophie kompensiert, die unter
Rückgriff auf antike Vorstellungen schrittweise die Aufgabe der Religion
übernahm, den erkennenden Weltbezug in einen einheitlichen Zusammenhang zu stellen.
31
Durch die Entwicklung einer Psycho-Logie als Spezialisierung der Philosophie und Physiologie wurde seit Mitte des 19. Jahrhunderts versucht, den
subjektiven Faktor "Mensch" für den Prozeß einer rapiden Industrialisierung sozialtechnisch kalkulierbar zu machen, indem das Verhalten als
subjektive Äußerungsform der isolierten Individuen zum Gegenstand experimenteller Messung und Kontrollversuche gemacht wurde. Psychologie
als Kontrollwissenschaft war in diesem Kontext eine Verhaltensforschung,
die das Individuum für rationalisierte Abläufe disziplinieren, nicht aber als
Teil gesellschaftlicher Subjektivität begreifen wollte.
In einer Untersuchung über in der Psychologie und Medizin häufig verwendete Modellvorstellungen (Maschinenmodell, Organismus-Modell, SelbstModell) wird deutlich, in welch elementarer Form metaphorische Modelle
aus außermedizinischen oder psychologischen Zusammenhängen die
Wahrnehmung und Konstitution von Wirklichkeit prägen.
A. Das Maschinenmodell
Das Grundmuster dieses Modells ist die maschinelle Metapher: Der Mensch
wird gesehen, als ob er eine Maschine wäre, wobei sich die konkrete
Formulierung mit dem technologischen Wandel weiter entwickelte.
Übertragen auf das Feld der Psychologie proklamiert das Maschinenmodell
einen passiven Menschen, der sich ausschließlich reaktiv verhalten kann.
Der Mensch ist ein Apparat, der von Kräften aktiviert und gesteuert wird,
die außerhalb seiner Kontrolle liegen. Die Passivität der Maschine, ihre
Abhängigkeit von einer externen Aktivierung und das Fehlen einer
autonomen Instanz der Selbststeuerung implizieren im weiteren einen
Menschen ohne selbst gesetzte Ziele oder Zwecke. Vielmehr werden dem
Menschen im Rahmen des Maschinenmodells alle Ziele von außen vorgegeben. Wenn der Mensch in seiner Existenz von der Umwelt abhängt, so
heißt das, daß der Mensch entsprechend einer Maschine gemacht werden
muß, damit er überhaupt leben und sich verhalten kann. Die Machbarkeit
des Menschen ist daher eine zentrale Implikation des Maschinenmodells.
Wenn das menschliche Verhalten als durch spezifische genetische Faktoren
determiniert angesehen wird, so erscheint ein unmittelbarer Eingriff in die
bestimmende genetische Struktur im Sinne gentechnologischer Maßnahmen
als angemessene Vorgehensweise zur Behebung von Verhaltenstörungen.
Ein anderer Ansatzpunkt bildet die soziale Konditionierung von menschlichem Verhalten wie sie etwa im Rahmen des Behaviourismus entwickelt
32
wurde. Wird sowohl der Natur wie der sozialen Umwelt ein determinierter
Einfluß auf das menschliche Verhalten zugestanden, so kann auch das
Zusammenwirken dieser beiden Faktoren mechanistisch auf eine rein
additive Konzeption des Einflusses von genetischer Ausstattung und sozialer Beeinflussung reduziert werden, wie es z.B. im Rahmen der Psychobiologie der Fall ist.
Die Annäherung zwischen Maschine und Lebendigem erfolgte von zwei
grundsätzlich verschiedenen Seiten her. Einmal wurden Maschinen konstruiert und gebaut, die lebendige Prozesse mehr oder weniger genau simulieren können. Diese Maschinen erwecken den Anschein, sich wie lebende Wesen zu verhalten, obwohl sie nach völlig anderen Funktionsprinzipien konstruiert und gebaut werden. Hier wird ein menschliches
Handlungsvermögen noch einmal in völlig neuer Weise geschaffen: Als
Maschine. Zwar haben diese Produkte menschliche Fähigkeiten zum
Vorbild, aufgrund der ihnen zugrundeliegenden völlig anderen Prinzipien
decken sie sich mit menschlichen Fähigkeiten jedoch nie völlig. Im
Gegensatz zu diesen Versuchen, die Natur quasi ein zweites Mal und
diesmal unter menschlicher Regie zu schaffen, besteht der zweite Ansatz
darin, die Struktur des schon vorhandenen Lebendigen selbst in den Griff zu
bekommen; biologische Prozesse nach menschlichem Willen und unter
menschlicher Kontrolle ablaufen zu lassen. Das begann im Bereich der
Landwirtschaft, im Ackerbau und der Viehzucht und endet gegenwärtig bei
den Versuchen, Gene zu manipulieren oder Leben künstlich zu erzeugen.
Maschine und Mensch, Kunstprodukt und lebendiges Wesen, scheinen sich
also aufeinander zuzubewegen. Das Künstliche erhält immer mehr
Eigenschaften, die bis vor wenigen Jahrzehnten den Menschen vorbehalten
schienen. Insbesondere die Computerentwicklung ermöglicht den neuen
Maschinen weitgehend autonomes Handeln und flexibles Reagieren und
verleiht ihnen die Fähigkeit zum abstrakten Denken. Auf der anderen Seite
wurden spektakuläre Erfolge bei der Maschinisierung des Lebendigen
erzielt, insbesondere in der Medizin, der Biologie und in der Biotechnik.
Konstruktionen aus biologischem und totem Material scheint die Zukunft
zu gehören: Ersatzteile für Menschen, Bioprothesen, Biocomputer usw..
Die Grenzen zwischen Maschinen und Lebewesen scheinen zu
verschwimmen.
Die Hoffnung oder Befürchtung, daß die künstlichen Körper sich die Eigenschaft des Lebendigen aneignen, vielleicht sogar eine Symbiose mit
33
dem Lebendigen eingehen könnten und Zwitterwesen zwischen Mensch
und Maschine entstehen, ist grundlos, denn die Maschine folgt einer anderen Logik als das Lebendige. Selbst wenn sich zwei so verschiedene Systeme vermischen, bleibt der Verbindung äußerlich6, denn die Annäherung
von Mensch und Maschine wird immer auf der körperlichen Ebene gesucht.
Dies hat zwei Gründe: Da Geist und Körper in der europäischen
Denktradition als getrennt wahrgenommen werden, wird die "Identität" des
nach dem bürgerlichen Ideal mit sich selbst identischen Menschen in
seinem Geist gesucht.7
Dieser Gedankengang wird folgerichtig verlängert: Wenn man lebendige
und künstliche Maschinen miteinander vergleicht, als Maschinen, schneidet
die künstliche Maschinen in vielen Punkten besser ab. Sie ist in vielem
"perfekter". Die Maschine wird damit zunehmend zu einem Vorbild, das
vom Menschen erst eingeholt werden muß. Die Identität zwischen Mensch
und Maschine liegt nicht auf der körperlichen Ebene, sonder auf der
geistigen. Sie wird durch eine bestimmte Denkweise, die radikale Abstraktion vom konkret-sinnlichen lebendigen Körper des Menschen geschaffen.
B. Das Organismus-Modell
Das Organismus-Modell impliziert eine ganzheitliche Auffassung des
Menschen. Der Organismus ist eine organisierte Totalität, ein "System", das
sich in einem aktiven Gestaltungsprozeß mit seiner Umwelt entwikkelt. Die
Teile des Organismus finden ihre Bedeutung oder ihren "Sinn" nicht aus
sich selbst, sondern in Bezug auf das organismische Ganze. Auf der Ebene
der Psychologie bedeutet dies z.B., daß ein Verhalten seine Bedeutung erst
aus dem jeweiligen Kontext erhält, in dem es eine konstitutive Funktion hat
und eine isolierte Beschreibung von Verhalten daher "un-sinnig" ist.
6
Das in den menschlichen Körper hineintransplantierte künstliche Herz bleibt eine mechanische Pumpe und der übrige menschliche Körper folgt weiterhin seiner eigenen lebendigen Funktionsweise.
7
Das Herz z.B. kann daher ruhig ausgetauscht werden, denn es betrifft lediglich den Körper,
die geistige Identität wird hiervon nicht berührt. Wenn die menschliche Identität in seinem
Geist zu suchen ist, kann der Körper folgerichtig nicht viel mehr als eine Versorgungsmaschine sein, die den Geist am Leben erhält. Damit unterscheidet er sich auch
nicht mehr prinzipiell von der künstlichen Maschine. Das lebendige Herz kann durch ein
künstliches ersetzt werden.
34
Ausgehend von der Beobachtung, daß es in der Biologie keine von Prozessen abhängigen beharrenden Formen gibt, wird im Organismus-Modell
die Trennung von Struktur und Funktion aufgegeben zugunsten eines
Funktionsprozesses. Der Prozeß ist das Grundprinzip, die Ordnungsstruktur
des Organismus und die Prozesse sind funktional zu verstehen, d.h., sie sind
letztlich orientiert am Ziel der Aufrechterhaltung der organismischen
Struktur.
Ein zentraler Begriff des organismischen Modells ist daher die Adaption,
die aktive Anpassung an Umweltbedingungen als eine permanente Funktion
des Organismus. Das organismische Modell enthält eine Entwicklungskonzeption, insofern dem Organismus die Notwendigkeit zugeschrieben wird, den Zustand seines optimalen Funktionierens erst noch
erreichen zu müssen. Im Gegensatz zu früheren metaphysischen Vorstellungen einer determinierten Vorherbestimmtheit des Lebens wird im Organismus-Modell Entwicklung nicht als eine programmierte Funktion externer oder interner Kausalfaktoren gewertet.
Da Organismus und seine Umwelt als eine Einheit gewertet werden müssen, kann seine Veränderung und Entwicklung nicht als etwas verstanden
werden, was von außen her auf ihn einwirkt oder ihn von innen vorherbestimmt, sondern die wechselseitige Veränderung ist ein definierender
Aspekt des Organismus-Modells. Da der Organismus selbst aktiv ist, kann
Erfahrung kein ausschließlich determinierender Faktor von Entwicklung
sein; Erfahrung oder Lernen kann Entwicklung beeinflussen, nicht aber
bewirken, denn der Organismus wird nicht erst durch Umwelteinwirkungen
aufgebaut, sondern er hat von Anfang an eine Struktur, die seinen
Austausch mit der Umwelt regelt. Erfahrung und Lernen ist daher als eine
konstruktive Tätigkeit des Organismus zu bewerten.
C. Das Selbst-Modell
Im Gegensatz zum Maschinen-Modell, das einen passiven Menschen unterstellt, impliziert das Selbst-Modell in seinem Handlungsbegriff einen
aktiven Menschen, der aber im Gegensatz zum Organismus-Modell nicht
unwillkürlich und unbewußt, sondern zielgerichtet absichtlich entsprechend
seiner subjektiven Sinngebung handelt. Die Verantwortlichkeit für das
eigene Handeln gründet in der Annahme, daß die Menschen in der Lage
sind, ihre Motive, Interessen und Absichten zu erkennen und zu
35
kontrollieren, wobei in der Bewertung einer Handlung mindestens vier
Aspekte zu unterscheiden sind:
- eine Motivkomponente
- eine Glaubens- oder Informationskomponente
- eine Fähigkeitskomponente und
- eine Situationskomponente
Zum Verständnis menschlichen Handelns reicht nicht die Untersuchung
äußerer Ereignisursachen aus, sondern es ist vielmehr notwendig, die
subjektiven Gründe auf der Basis der oben genannten Handlungskomponenten nachzuvollziehen. In einer umfassenden Weise erschließt sich der
"Sinn" eines Handelns und die Intention des Handelnden daher nur durch
den Versuch eines nachvollziehenden (hermeneutischen) Verstehens.
Formulieren wir auf diese Weise die Gründe einer Handlung, so rationalisieren wir die Handlung, d.h., wir erklären sie als vernünftig.
Das Modell des "Homo-Oeconomicus" geht davon aus, daß die Menschen
allein von ihren Eigeninteressen und dem zu erwartenden höchsten Nutzen
geleitet werden. Im Zusammenhang mit der Annahme biologisch bestimmter Grundbedürfnisse und "Triebe" wie Essen, Trinken, Schlafen,
Sexualität, Aggression u.ä. wird es für die Menschen dann notwendig, einen
rationalen Tagesablauf als Grundlage einer angemessenen "Triebökonomie"
zu planen. In dieser erweiterten Lebensökonomie, deren Inbegriff das
bürgerliche Gesundheitsideal mit dem Ziel einer ordentlichen
Lebensführung darstellt, handeln diejenigen irrational, die diese Ordnung
und Grundbedürfnisse umkehren oder sich überhaupt nicht danach richten.
Da sich die persönlichen Eigenarten im sozialen Umgang häufig als störend
erweisen, erscheint es individuell sinnvoll, sich im öffentlichen Austausch
auf die Erwartungen der bedeutungsvollen sozialen Umwelt einzustellen
und eine korrespondierende Rolle zu spielen. Dieser Aspekt ist vor allem in
der Rollentheorie zu Begründung menschlichen Handelns herangezogen
worden. Die Gesellschaft erscheint dabei als Zwang, als etwas Mächtiges
und Unangenehmes, dem die Einzelnen sich unterzuordnen haben. Der
"eigentliche" Mensch befindet sich in der Rollentheorie "hinter" der
Gesellschaft , im Privaten, bei sich zu Hause.
36
5.2
Systematische Aspekte menschlicher Lebensmodelle und
Grundzüge einer subjektwissenschaftlichen
Gesundheitstheorie
Im ersten Teil dieses Kapitels wurde versucht, wesentliche Aspekte zu
skizzieren, die auch für unser heutiges Verständnis von Gesundheit und
Krankheit von Bedeutung bleiben.
Aus dem bisher Beschriebenen lassen sich folgende Schlußfolgerungen
ziehen:
a) Der historische Wandel der Lebensvorstellungen verdeutlicht, daß die
zur Typisierung von Lebenserscheinungen getroffenen Unterscheidungen nicht in der Natur "an sich" verankert, sondern Produkt menschlicher Verfügungsinteressen über die Bedingungen menschlichen
Lebens sind. Allgemeine Aussagen über "das Wesen des Menschen"
beschreiben daher lediglich Möglichkeitsformen individueller Existenz.
Angesichts dieser Tatsache hat auch die bisherige Suche nach genetisch
fixierten anthropologischen Konstanten bisher wenig überzeugende
Verallgemeinerungen hervorgebracht.
b) Entsprechend ist es nicht verwunderlich, daß auch für die Interpretation
menschlicher Erkrankungen gilt, daß die Zuschreibung wesentlicher
Einflüsse in hohem Maße von der konkreten gesellschaftlichen
Bedingungsverfügung geprägt wird und ebenfalls einem entsprechenden historischen Wandel unterliegt.
c) Es entspricht der Logik einer Industriekultur, menschliche Erkrankungen als dingliche Erscheinungen zu fassen, in Form von abgrenzbaren
definierten Einheiten einer Warenform anzunähern und in die soziale
Maschinenordnung einzufügen. Das biomedizinische Modell von
Krankheit, das in der gegenwärtigen Institutionalisierung der Medizin
verfestigt ist, ist konsequenter Ausdruck dieser extremen
Bedeutungsverkürzung und Abstraktion von den konkreten Lebensbezügen der jeweiligen Menschen. Diese Tendenz ist allerdings nicht nur
auf die Medizin beschränkt, sondern ein konstituierendes Merkmal der
gegenwärtigen Industriekultur und in allen Sozialwissenschaften und
deren Anwendung auf soziale Gestaltungsprozesse erkennbar.
Sie entspricht einem sozialen Verfügungsinteresse von Menschen über
Menschen und ist von dem gleichen Subjekt-Objekt-Verhältnis geprägt,
das der Beherrschung der Natur durch die Naturwissenschaften
zugrunde liegt. Analog der historischen Aufspaltung des Menschen in
Körper und Geist im Rahmen der europäischen Tradition vollzieht sich
37
die Einbindung der Menschen in die Maschinenordnung über zwei
Ansätze, die sich komplementär zueinander verhalten: Die Kontrolle
der inneren Ordnung durch Züchtung oder genetische Manipulation und
die Kontrolle der äußeren Ordnung durch Erziehung und
Konditionierung.
d) Als Relikte und zum Teil Reaktion sind jedoch kulturell auch weiterhin
andere und frühere Interpretationen, die eine differenziertere Beschreibung menschlicher Wirklichkeit enthalten, verbreitet und wirksam.
Die schematische Trennung von Körper und Geist, die sich auch in der
Konstituierung der Wissenschaft und der Medizin verfestigt hat, erweist
sich jedoch zunehmend als empirisch unangemessen und hinderlich und
stimuliert erneut die Suche nach einer "ganzheitlichen" Sicht des Menschen.
e) Für die Rekonstruktion eines "ganzheitlichen" Lebensverhältnisses sind
zumindest die folgenden Aspekte bedeutsam:
1. Der klassische Gegensatz der europäischen Denktradition von Geist
und Materie, der die Grundlage der Vorstellungen von Vitalismus
und Mechanismus bildet, kann in einem holistischen Paradigma
aufgehoben werden. Nach dem holistischen Paradigma ist das
ganze Universum vernetzt und hierarchisch organisiert. Materie
und Energie, Lebendes und Nichtlebendes, Verstand, Körper und
Geist - sie alle verweisen auf unterschiedliche Ebenen desselben
einheitlichen Systems. Wir wissen um dieses universale System
durch unsere Interaktion mit ihm. Ungewißheit ist ein inhärenter
Teil unserer Beziehung zu dem System, weil dieses ein Prozeß ist
und wir ein Teil des Prozesses sind, den wir zu erkennen versuchen. In dem Maße, in dem wir unsere Ungewißheit verringern
können, erzeugen wir Informationen über den Weltprozeß. Wissen
existiert also mehr als Relation, denn in einer "objektiven" Welt
oder in einer "subjektiven" Erfahrung. Die Welt ist nicht auf
klassische Weise in einfach linearer Ursache-Wirkung-Manier
determiniert; vielmehr wirkt jede Ebene des universalen Systems
auf jede andere ein. Geschehnisse werden demnach teilweise von
"oben" (den komplexeren und umfassenderen Ebenen) und von
"unten" (weniger komplexen und umfassenden Ebenen) sowie von
derselben Ebene der Komplexität bestimmt. Daher können wir
niemals die absolute Ursache von etwas wissen und auch nicht, ob
ein Geschehen ganz und gar determiniert ist.
38
Subjekt - Objekt
Subjekt - Objekt
Beobachten
Fest-Stellen
Gegen-Stand
Sachwissen
Ursachen-Zusammenhang
Fall-Bedingungen
Einstellungen
Erleben
Um-Gehen
Gegen-Über
Über-Ein-Stimmung
Sinn-Gefüge
Lage-Bedingungen
Messen
Erkennen
Erfahren
Erklären
Untersuchen
Verfahren
Ver-Ant-Wortung
An-Erkennen
Erleben
Nachvollziehen
gestaltendes Wahrnehmen
Distanz
Beziehungen
Identität
Auseinder-Setzung
Ineinander-Verschränkung
Gegen-Satz
Be-Gegnung
Technisch-organisatorisch
Personal
Andersheit
Gegen-Seitigkeit
Objektivität
Solidarität
Sach-logisch
Beurteilung
Dialektisch
Sach-gerecht
Problem-gerecht
Methoden-gerecht
Patienten-gerecht
Hinunter-Fragen
Hinauf-Fragen
Reduktionistisch-negativ
Phänomenologisch
Begreifen
Verstehen
Ent-Sagen
Entsprechung
Allgemein
Besonders
Hetero-Logie
Ana-Logie
Wahrheit
Ziele
Gewißheit
Richtigkeit
Gültigkeit
Behandeln
Folgen
Zusammenarbeit
Beherrschen
Dienen
Ebenen der Dialektik von Subjekt-Objekt-Bezeihungen zu Subjekt-Subjekt-Beziehungen
39
(aus: F. Hartmann, 1984)
2. Leben ist Ausdruck der Dynamik der Materie und die Theorie der
"Autopoiese" (Selbstproduktion oder Selbsterneuerung) biologischer Systeme, wie sie von Varela, Maturana, Jantsch, Prigogine und anderen entwickelt wurden, liefert einen angemessenen
Rahmen zum Verständnis der biologischen Evolution.
3. Als methodische Anleitung für eine subjektwissenschaftliche
Perspektive der Erforschung menschlichen Handelns können die
Arbeiten von A.N. Leontjew und K. Holzkamp dienen. Welche
Auswirkungen der Übergang von einer Subjekt-Objekt-Beziehung
auf eine Subjekt-Objekt-Interaktion hat, wird aus dem Schema von
F. Hartmann deutlich.
4. Die Förderung von Gesundheit kann nur als gesellschaftlich-kooperativer Prozeß erfolgreich sein und fordert einen kollektiven
Verständigungsprozeß über die Grundlagen menschlicher Lebensentwicklung.
Eine umfassende subjektwissenschaftliche Gesundheitstheorie steht gegenwärtig noch nicht nur Verfügung. Für diejenigen jedoch, die Gesundheit fördern wollen, ist es notwendig, nicht hinter den Diskussionsstand
zurückzufallen, der durch das "Lebensweise"-Konzept der Weltgesundheitsorganisation als Rahmenkonzept für eine "Ökologie des Körpers" erreicht wurde, dessen Grundelemente von E. Wenzel wie folgt
zusammengefaßt wurden:
"Aus der Sicht einer Ökologie des Körpers wird Gesundheit als genetischer Begriff eingeführt, in dem persönliche und gesellschaftliche Entwicklungen mitgedacht werden müssen. Er bezieht
sich auf die subjektiven Befindlichkeiten des Individuums, die wiederum ontogenetisch und gesellschaftlich bedingt sind.
Damit durchzieht Gesundheit die Lebenstätigkeit der Menschen,
indem sie die Kraft und Energie umschreibt, die notwendig sind, um
das Leben in enger Kooperation mit anderen Menschen sowie die
damit verknüpfte natürliche und soziale Umwelt zu gestalten.
Gesundheit besitzt eine subjektiv und gesellschaftlich entwickelte
Raum-Zeit-Dimension. Sowohl das Subjekt selbst als auch seine Lebensumwelt stellen die sozialkulturell entwickelten Orte dar, in
denen Gesundheit angesiedelt ist. Sowohl in der subjektiven Befindlichkeit als auch der Lebensumwelt muß Gesundheit identifizierbar sein und erfahren bzw. erlebt werden können.
Wenn dieser Zusammenhang nicht hergestellt wird oder nicht hergestellt werden kann, weil er auf der einen und anderen Seite nicht
40
erfahren wird, läßt sich davon sprechen, daß die Gesundheit des
Subjektes gefährdet ist."1
Aufgabe 39
Bitte bearbeiten Sie in der Bibliothek als zusammenfassende Überblickarbeit die Kapitel "Das Systembild des Lebens" und "Ganzheit und Gesundheit" in Fritjof Capras "Wendezeit. Bausteine für ein neues Weltbild"
sowie "Die Ökologie des Körpers. Konzeptionelle Überlegungen zur Gesundheitsförderung" in: E. Wenzel und entwickeln Sie eine Zeichnung ihres
eigenen Systembildes des Lebens auf einem großen Blatt Papier.
5.3
Soziale Konsequenzen reduzierter Gesundheitskonzepte
Die folgenden Beispiele sollen dazu dienen, den Blick für die sozialen
Auswirkungen einer einseitigen Interpretation von Gesundheit zu schärfen.
Die dabei verwendeten Beispiele beziehen sich auf typische Verzerrungen,
die zu einer besseren Praxis anregen sollen.
5.3.1
Reduktion von Komplexität durch normative Fixierung
(Gesundheitserziehung)
Auf die historische Tradition der Gesundheitserziehung wurde in Kapitel 4
bereits eingegangen. Ausgangspunkt für gesundheitserzieherische
Bemühungen ist der autoritative Versuch, für andere Menschen verbindliche Lebensregeln zu entwickeln, die vor Gesundheitsschädigungen schützen sollen. Dem liegt die Annahme zugrunde, daß unter den jeweils gegebenen gesellschaftlichen Verhältnissen und Entwicklungen sich vor allem
im individuellen Erleben, Verarbeiten und Handeln vielfältige Risikokonstellationen bilden, die zu einer unnötigen gesundheitlichen Gefährdung der
Menschen führen können und daß es deshalb nötig sei, die Menschen dazu
zu bringen, daß sie solche Gefährdungen subjektiv bewältigen bzw. ihnen
von vornherein ausweichen können. Um dieser Aufgabe gerecht werden zu
können, müssen den Menschen geeignete Informationen zur Verfügung
gestellt werden, wie sie ihr Individualverhalten so einrichten, daß sie ihre
Gesundheit möglichst nicht gefährden.
8
E. Wenzel, 1986, S.69
41
Durch geschickte werbepsychologische Aufmachung oder pädagogische
Anstrengungen soll versucht werden, die entsprechenden Verhaltsmaßnahmen im Bewußtsein und Handeln der Individuen zu verankern. Dabei
werden die folgenden Strategien für die Motivbildung genutzt:
a) Gewohnheitsbildung
Hierbei wird versucht, geeignete Verhaltensmuster so früh wie möglich zu
konditionieren. Die Bedeutung der Familie und der Volksschule für die
Einübung von gesundheitsgemäßen Verhaltensweisen wird dabei besonders
betont.
b) Angstappell
Dieser Ansatz geht davon aus, daß Menschen zu prophylaktischem Verhalten dadurch motiviert werden können, daß ihnen mögliche Konsequenzen mangelnder Vorsorge abschreckend bewußt gemacht werden.
Durch Darstellung möglicher Krankheits- oder Unfallfolgen sollen verschiedene Ängste ausgenutzt werden, um zu entsprechendem Vorsorgeverhalten aufzufordern.
c) Verantwortungsappell
Dieser Ansatz nimmt auf die Annahme Bezug, daß Gesundheit ein Gut sei,
für deren Erhaltung jeder Mensch selbst verantwortlich ist. In diesem
Zusammenhang werden häufig Überlegungen zu angemessenen Sanktionsmöglichkeiten für gesundheitsgefährdendes Verhalten - etwa in Form
erhöhter Krankenkassenbeiträge - angestellt.
d) Werbung
Dieser Ansatz geht davon aus, daß das Gesundheitsmotiv neben einer Reihe
andere konkurrierender Handlungsmotive steht und daß daher gesundheitspositives Verhalten nur erreicht werden kann, wenn es mit anderen
sozialen Idealbildern assoziiert werden kann.
Während in früheren Jahren Gesundheitsnormen weitgehend frei und
losgelöst von jeder empirischen Begründung formuliert werden konnten,
hat sich mit einer zunehmend aufgeklärten Bevölkerung die Anforderung an
eine wissenschaftliche Begründung der propagierten Verhaltensnormen
erhöht. Im Mittelpunkt des Interesses steht gegenwärtig die Möglichkeit
einer Verhinderung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen durch ge-
42
sundheitsgerechtes Verhalten. Angesichts der Tatsache, daß etwa 50 % aller
Todesfälle gegenwärtig dem Versagen des Herz-Kreislauf-Systems
zugerechnet werden, hätte die Isolierung spezifisch wirksamer Verhaltensmaßnahmen eine erhebliche gesundheitspolitische Bedeutung.
Es ist deutlich geworden, daß es sich beim Versagen des Herz-KreislaufSystems um komplexe Zusammenhänge städtisch-industrieller Lebensformen handelt und daß somit eine Reduktion auf die individuellen Verhaltensgewohnheiten wie Rauchen, Bewegungsmangel oder unausgewogene Ernährung als herausragende Risikofaktoren dem Geschehen nur
bedingt gerecht wird, da diese selbst wiederum symptomatischer Ausdruck
eines allgemeineren Bedingungsgefüges sind.
Die systematische Ausblendung dieser Zusammenhänge im Rahmen isolierter Verhaltensänderungsprogramme führt daher mit hoher Wahrscheinlichkeit lediglich zu einer Verschiebung der Problemlage.
Aufgabe 40
Tragen Sie weitere Beispiele zusammen, in denen eine einseitige Hervorhebung einzelner Aspekte menschlichen Lebens zu einer unangemessenen
Gewichtung in Hinblick auf eine ganzheitliche Gesundheitssicht führt.
5.3.2
Auflösung des Selbst
Die Tatsache, daß die Gesundheitsnormen in ihrer Angemessenheit nur
durch das Nicht-Eintreten denkbarer schlechterer Verläufe für den einzelnen Menschen empirisch nachvollziehbar sind, macht sie für manipulativen Mißbrauch anfällig.
Die Geschichte der Gesundheitspropaganda enthält viele Beispiele dafür,
wie versucht wurde, durch Manipulation spezifischer Ängste und Verfälschung der Risikowahrscheinlichkeit in der öffentlichen Darstellung die
soziale Handlungsbereitschaft zu beeinflussen. Dies kann sowohl im Sinne
einer bewußten Dramatisierung (hierfür sind die medizinischen Begründungen des Onanieverbots im 19. Jahrhundert ein illustres Beispiel) oder
einer bewußten Entdramatisierung geschehen (Beispiele hierfür sind die
offiziellen Stellungnahmen zu den Risiken radioaktiver Strahlung). Auch in
der Produktwerbung für den Verkauf von Gütern und Waren wird der
Aspekt der Gesundheitsförderung häufig in völlig unrealistischer Form
43
verwendet. Wenn als angemessene Lösung zudem noch der Kauf geeigneter
Waren und Güter von Gesundheitsratgebern bis Bio-feed-back-Geräten
nahegelegt wird, erweist sich dieser Ansatz als mächtiger
Wachstumsimpuls für die Gesundheitsgüterindustrie. Ein Prozeß, der von J.
Attali wie folgt kommentiert wurde:
"Die Beschwörung des Bösen wird also ökonomisch immer einträglicher: Angst wird zum Motiv des wachsenden Konsums. Die
Apparate der Selbstüberwachung akkumulieren sich, man konsumiert psychoanalytische Gesprächsprogramme und immer höhere
Dosen halluzinogener Mittel. Um einen Blick in die Zukunft zu
werfen braucht man tatsächlich nur die Marktforschung der pharmazeutischen Industrie zu verfolgen: Angst, Nervosität, Schönheitsbewußtsein, Sorge, Schuld, Depression, Halluzination, Erinnerung, Kontrolle neurologischer Störungen - das sind die Projekte, auf
die sich die Laboratorien in Zukunft werfen werden. Man kann
unschwer voraussehen, in welchen Bereichen dieses Geräte als erste
in das diagnostische Instrumentatium eingehen werden. Die am
leichtesten zugänglichen Märkte sind ohne Zweifel die der Diätetik,
der Sexualität, der körperlichen und geistigen Fitneß, weil in diesen
Bereichen die Selbstüberwachungsgeräte nicht eingepflanzt zu
werden brauchen. Während ihre Verwendung zunächst noch auf die
Praxis des Hausarztes oder das Hospital eingeschränkt ist, werden sie
später von Ärzten oder Geschäftsleuten allen Verbrauchern
empfohlen. An diesem Markt orientieren sich die wichtigsten
Elektronik- und Pharmaunternehmen schon heute und arbeiten an
tragbaren Elektrokardiographen zur Kontrolle beim Jogging und an
Elektroenzephalographen zur Überwachung der geistigen Ruhe. Die
Selbstüberwachung organisiert also die Überwindung der
ökonomischen Krise der Maschine. Anfangs wird sie vielleicht dazu
führen, daß Ärzte und Krankenhäuser häufiger konsultiert werden:
Die Apparate der Selbstüberwachung wecken Angst vor Anomalität
und enthüllen unbekannte Formen des Übels. Doch ist diese
Zunahme der Ausgaben nicht von Dauer, wenn man sich daran
erinnert, daß gerade der Verlust der Glaubwürdigkeit der Ärzte zur
Entwicklung der quantifizierten Symptomalanalyse führt und den
Weg zur Selbstüberwachung eröffnet hat. Im Laufe der Zeit tritt ein
kommerzielles Netz, in dem jeder Diagnosen produziert und
konsumiert, dem einzelnen Arzt, dem bürokratischen Krankenhaus
und dem Staat der Maschinen zur Seite. Das bedeutet eine
Umwälzung fast der gesamten Lebensordnung: Die Konsumtion des
Übels erhält einen anderen Sinn. Da die Selbstüberwachung es
gestattet, Diagnosen zu stellen und zu konsumieren, zeigt sich in
dieser "Selbsterkenntnis" ein radikal neuer Abstand zwischen dem
Menschen und seinem Körper: Von nun an kann man dem
Funktionieren seiner Organe, seiner Verdauung, den Schlägen des
44
eigenen Herzens als Zuschauer beiwohnen; man kann die
Reaktionen seiner Schleimhäute auf Zigarettenrauch kennenlernen,
den Weg eines Tropfen Alkohols bis in die eigene Leber nachgehen
und die Auswirkungen körperlicher oder geistiger Tätigkeit auf
Blutdruck, Herzrhythmus oder Nervensystem ständig verfolgen.
Stückweise wird der Körper zu einem der Akteure im dargebotenen
Schauspiel, bevor er selber stückweise zum Konsumgegenstand, zum
Ersatz für das Schauspiel selbst wird."2
Aufgabe 41
Stellen Sie eine Liste von Waren zusammen, deren Gebrauch der Abwehr
von Gesundheitsgefährdungen dienlich sein soll. Welcher Typus von Gefährdung wird dabei jeweils angesprochen und welche alternativen Lösungen sind jeweils denkbar?
Neben der Angst vor Krankheit kann auch der Wunsch nach Erhöhung des
sozialen Verkehrswertes des eigenen Körpers diesen zum Konsumgegenstand machen und zur Auflösung des Selbst beitragen.
Aufgabe 42
Stellen Sie eine Liste von Gebrauchsgegenständen zusammen, die Sie für
Ihren Haushalt beschafft haben, um die Funktion oder das Aussehen Ihres
Körpers zu verbessern. Welche erscheinen Ihnen entbehrlich?
5.3.3
Verabsolutierung des Selbst
Als Reaktion auf den "Konsumterror" und das "Rollentheater" des öffentlichen Lebens haben seit den 60er Jahren Strategien der "Selbstverwirklichung" eine größere Bedeutung erlangt. Die Vorstellung, daß der Mensch
eine Fassade gesellschaftlicher Konventionen aufgebaut habe, die
niedergerissen werden müsse, damit die echten Gefühle und das wahre
Selbst zum Vorschein kommen könnten, wurden zunächst vor allem im
Rahmen der Humanistischen Psychologie verbreitet, haben aber inzwischen
auch in die Konzepte der Gesundheitsbildung Eingang gefunden. Dabei
sind zwei Tendenzen der Absolutierung des Selbst erkennbar: Die radikale
9
J. Attali, 1981
45
Abgrenzung des isolierten "Single" und die transzendierende
Selbstverwirklichung durch Auflösung von kosmischen Beziehungen. Die
Grundzüge dieser Entwicklung wurden von J. Willi folgendermaßen beschrieben:
"Mit der Entfaltung des wahren Selbst wird mehr Einheitlichkeit,
Echtheit, Selbstgewißheit und Selbstbestimmung angestrebt, mehr
Ganzheit der Persönlichkeit. Das Selbst wird verstanden als Wesenskern, als Urgrund und Quellpunkt der Person, als autonom gesteuerter, innerseelischer Prozeß. Was das eigene Selbst ist, kann
einem niemand sagen. Jeder kann es nur selbst erfahren. Um diese
Erfahrung zu fördern, wird auch außerhalb des therapeutischen
Rahmens das geeignete Mittel in frei zusammengestellten Gruppen
gesucht, deren Teilnehmer sich für einige Tage aus den äußeren
Beziehungsrealitäten lösen, um sich in ihrer Entwicklung und
Selbstwahrnehmung zu fördern durch Austausch von Erfahrungen.
Eine wichtige Rolle spielt dabei das feed back, die Rückmeldung der
Gefühle und Eindrücke der Gruppenmitglieder. Die Wege zum
Selbst, zur Erfahrung des eigenen Wesenskerns werden ferner im
kreativen Schaffen, im Betrachten der eigenen Träume, in der Meditation und im Hinhorchen auf die Botschaften des Körpers gesucht.
Dem Body kommt oftmals die Bedeutung einer göttlichen Stimme
zu, denn - so wird angenommen - der Körper kann nicht lügen, er
erteilt uns die Weisungen für ein selbstgemäßes Leben. In breiten
Kreisen wurde die Selbstentfaltung zum eigentlichen Lebensziel und
Lebenssinn."3
Aufgabe 43
Unter welchen Bedingungen kann der Versuch abgrenzender Selbstverwirklichung zu einer Stärkung der Individuen beitragen?
In welchen Situationen wird dagegen eher eine Schwächung eintreten?
"(..) Hatte die humanistische Psychologie der 60er und frühen 70er
Jahre den Menschen beigebracht, die zwei Zauberwörtchen "Ich"
und "Nein" auszusprechen, so kamen in den späten 70er Jahren zwei
neue dazu: "Ganz" und "Trans". Die zuvor einseitige Konzentration
auf die Realisierung der eigenen Persönlichkeit wird jetzt auch
ergänzt durch ganzheitliche, holistische, kosmische und universelle
Perspektiven, durch transzendente Meditation, durch transpersonale
Psychologie, durch transkulturelle Erfahrungen usw..
10
J. Willi, 1985, S.39ff.
46
Beim Übergang von der abgrenzenden zur transzendierenden
Selbstverwirklichung hat sich folgendes verändert:
- Während mit dem sich definierenden Selbst Abgrenzung angestrebt wird, ist mit dem transzendierenden Selbst die Auflösung
aller Begrenzungen gemeint;
- Während das sich definierende Selbst als einmalig, andersartig
und verschieden von seiner Umwelt gesehen werden will, soll das
transzendierende Selbst als Teil eines universellen Bewußtseins
erfahren werden. Die transzendierende Selbstverwirklichung
möchte jede zeitliche, räumliche oder körperliche Begrenzung des
Selbst aufheben. Es kommt zu grenzüberschreitenden Erfahrungen
in der Zeit: zu vorgeburtlichen Erfahrungen, aber auch zur Aufhebung der Begrenzung durch den Tod. Es kommt zu einem verstärkten Interesse an außersinnlichen Wahrnehmungen, an Parapsychologie, Telepathie, Präkognition, Telekinese, spiritueller Erfahrungen usw., aber auch zu einer Renaissance der Astrologie als
Ausdruck der Korrespondenz des Selbst mit den Gestirnen.
In der neuen Bewegung drückt sich das Streben nach Wiedervereinigung mit allem Leben aus, mit dem Kosmos als Ganzem, mit der
Menschheit als planetarischer Familie. Das Selbst ist in dieser Sicht
nicht begrenzbar, es ist unendlich. Es kann lediglich in seiner Bewußtheit enger oder weiter sein. Es ist ein Strom unendlichen Bewußtseins, der sich in den verschiedenen Selbst ausformuliert."4
Aufgabe 44
a) Unter welchen Bedingungen kann diese Sichtweise zur Stärkung der
Individuen beitragen?
b) Welche Risken sind für die Individuen mit dieser Form der Selbstverwirklichung verbunden?
c) Welche Aspekte sollte ein ökologisches Konzept der Selbstverwirklichung berücksichtigen?
11
J. Willi, 1985, S. 53ff.
47
5.3.4
Totale Prävention
Traditionsgeleitete Gesellschaften existieren in relativ enger Einpassung in
ihren externen und internen Grenzen. Die psychosoziale Identität der
Gesellschaftmitglieder entspricht dem weitgehend. Sie besitzt nicht die
Differenzierung in Richtung auf Individualisierung, wie sie für Industriegesellschaften kennzeichnend ist, sondern ist sehr viel stärker von der
Struktur der Gruppe geprägt. Dies nicht nur, weil sich das Leben des Einzelnen fast vollständig im Wirkungsbereich seiner Gruppe abspielt, sondern
auch, weil die Gruppenstruktur von persönlichen Kontakten, die zusätzlich
sachliche Funktionen tragen, geprägt ist. Der enge gesellschaftliche
Spielraum und die Homogenität von individueller und Gruppen-Identität
bedingen einen Entwicklungsprozeß, der vergleichsweise statisch ist. Dies
ändert sich im Übergang zur Industriegesellschaft grundsätzlich. In dem
Maße wie sich der produktive und der reproduktive Prozeß der Gesellschaft
ausdifferenziert und sich von der engen Bindung an Naturrhythmen löst,
wandelt sich auch die subjektive Identität der Gesellschaftsmitglieder. Die
Erweiterung des sozialen Raumes durch Kommunikation und Mobilität
lockert die Bindung an die soziale oder regionale Gruppe. Die Welt wird
für den Einzelnen weiter und komplexer. Der Lebensentwurf des Einzelnen
bedarf nun intensiverer Bestimmung, weil es eine größere Vielfalt an
Möglichkeiten gibt. Die Eigendynamik der Gesellschaft hat auch eine
stärkere Individualisierung von subjektiver Identität zur Folge. Sie kann
stärker vom Individuum selbst und seiner Primärgruppe beeinflußt werden.
Mit
dieser
Vergrößerung
des
sozialen
und
subjektiven
Möglichkeitshorizonts
und
den
entsprechenden
interaktiven
Voraussetzungen ist nun ein erheblich gesteigerter Präventionsbedarf
verbunden. Die Lösung von Naturrhythmen setzt neue Zeitperspektiven; die
gesellschaftliche und subjektive Zukunft weitet sich erheblich aus.
Gleichzeitig kompliziert sich Zukunft dadurch, daß sie nun sehr viel offener
und weniger auf der Basis von Traditionen und Erfahrungen allein
antizipierbar ist. Außerdem erfordert die Aufrechterhaltung und Weiterentwicklung der technisch-sozialen Grundlagen der Industriegesellschaft
sehr viel mehr Vorsorge, weil sie nur unter ständiger Absicherung gegen
Störungen bzw. Bereitstellung von spezifischen Bedingungen existieren
kann. Die Folge ist eine zunehmende Abhängigkeit der Gesellschaften und
ihrer Mitglieder von der Verfügung über Prävention; naturwüchsige
Regulationen werden zu riskant. Zur Dialektik von Prävention gehört es,
daß sie immer auch einen repressiven Charakter hat. Indem sie eine
48
bestimmte Zukunft produziert, unterdrückt sie mögliche Zustände, die
anderen Interessen dienlichen gewesen wären. Prävention ist aus diesem
Grund ein normativer Prozeß, denn mit der Option für eine bestimmte
Zukunft werden zugleich Werturteile über die Gegenwart und die Zukunft
gefällt, die Entscheidungen für und gegen deren Zustand bzw. deren
Interpretation einschließen. Damit sind zwangsläufig Konflikte verbunden.
Da diese Konflikte ebenfalls durch Macht entschieden werden, setzten sich
normalerweise die Präventionsinteressen der Machtzentren durch. Eine
Gesundheitsbildung, die zur Stärkung der Individuen beitragen will, wird
sich daher notwendigerweise häufiger im Konflikt mit gesellschaftlichen
Machtgruppen befinden.
Im Rahmen gesundheitspräventiver Strategien gilt, daß Maßnahmen einer
spezifischen gesellschaftlichen Expositionsprophylaxe5, wie z.B. der Ausstieg aus der Atomenergie oder die Senkung des Schadstoffgehaltes in der
Luft und im Trinkwasser, am stärksten mit den gesellschaftlich Machtzentren in Kollision geraten und nur durch eine massive gesellschaftliche
Mobilisierung eine Chance zur Realisierung erreichen. Umgekehrt können
gesellschaftliche Machtkartelle erhebliche Ressourcen mobilisieren, um
individuelle Maßnahmen einer spezifischen Dispositionsprophylaxe als
notwendige und sozial verpflichtende Aktion zu propagieren und von den
Ursachen abzulenken. Es entspricht der ökonomischen Rationalität der
Industriegesellschaft, daß diejenigen Maßnahmen favorisiert werden, die
zur Beseitigung des Übels einen zusätzlichen Güter- oder Warenkauf voraussetzen.
Als Lehrbeispiel für diese Ablenkungsstrategie, bei der aus der Beseitigung
des Übels noch Profit geschlagen wird, kann die Fluoridkampagne von
Zahnärzteschaft,
Süßwarenindustrie,
Zahnputzmittelindustrie
und
Pharamaindustrie gelten. Sie alle profitieren davon, wenn die Ursachen der
Zahnkaries verdeckt bleiben und Präventionsanstrengungen sich auf
symptomatische und symbolische Aktionen des privaten Konsums beschränken. Folgerichtig haben sich diese Organisationen in einem "Informationskreis Mundhygiene und Ernährung" zusammengeschlossen und eine
ihren Interessen entsprechende Präventionsempfehlung lanciert, die seit
einigen Jahren auch die Praxis des öffentlichen Gesundheitsdienstes und der
12
Expositonsprophylaxe bezieht sich auf den Versuch, die äußeren Einwirkungen auf das
Individuum zu kontrollieren, während Dispositionsprophylaxe seinen Ansatzpunkt in den
Individuen sucht.
49
Krankenkassen bestimmt. Im Vordergrund steht dementsprechend die
Empfehlung zur ständigen Einnahme von Fluoridtabletten, durch die die
Interessen der Pharmaindustrie gewahrt werden, da auf diesem Weg bereits
Kleinkinder dazu konditioniert werden, regelmäßig Medikamente
einzunehmen. Wenn die Karies trotzdem nicht deutlich zurückgeht, so liegt
das in der Logik dieser Präventionsempfehlung dann daran, daß die
Individuen nicht genügend Zähne putzen und damit die Interessen der
Zahnputzmittelindustrie erfüllen oder zu selten zum Zahnarzt gehen und
ihren Krankenschein dort abliefern. Die allgemeine Empfehlung, die
Ernährung umzustellen, kann dann so unspezifisch bleiben, daß die
Interessen der Süßwarenindustrie nicht ernsthaft gefährdet werden, denn
gemessen an dem Schutzversprechen der Tablette bleibt die
Verzichtalternative wirkungslos.
In der Entwicklung der Präventionsdiskussion ist ein deutlicher Trend zu
erkennen, die gesellschaftlichen Probleme zu individualisieren und die
Gesundheitsbildung als ideologisches Vehikel zu benutzen, um die Individuen darauf vorzubereiten, daß sie die gesellschaftlich vermittelten Lebensrisiken als Teil ihrer privaten Lebensführung zu lösen haben.
Aufgabe 45
a) Stellen Sie eine Liste von wesentlichen Gesundheitsgefährdungen zusammen und entwickeln Sie Ansatzpunkte für eine ursachenorientierte
Prävention, die zur Stärkung der Individuen beitragen kann.
50
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Seele and Geist
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