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I st es ein Bibbern, Zittern oder Fiebern? Tigert man wie ein

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I st es ein Bibbern, Zittern oder Fiebern? Tigert man wie ein unruhiger Panther in einem Käfig herum?
Wie erlebt ein Regisseur eigentlich die letzten Sekunden, bevor sich der Vorhang zur
Theaterpremiere öffnet? Norbert Schelbert weiss es und wird es heute Abend im Theater Muotathal
zum 11. Mal erleben. «Man denkt eigentlich gar nicht ans Publikum. Meine Sorge ist eher, dass
jemand den Text vergisst oder ein Blackout hat. Oder es könnte eine technische Panne geben.»
Stromausfall an Premiere
Mit seinem Notizblock wird der Muotathaler Regisseur heute Abend hinten in der Ecke im
Theatersaal stehen und auf den grossen Augenblick warten. Gross, nicht nur weil es eine Premiere
ist, sondern auch, weil Schelbert diese Saison zum letzten Mal das Amt als Regisseur wahrnimmt. Er
wolle sich neu orientieren, sagt der 42-Jährige.
Was er darunter versteht, will er noch nicht verraten. Doch eines steht schon jetzt mit grosser
Wahrscheinlichkeit fest: Der Regisseur wird vermutlich auch diese Saison umsonst kalte Hände haben
und nervös sein. Denn fragt man ihm nach einen grossen Flop in seiner Theaterkarriere, weiss er von
keinem zu berichten. Schelbert erwähnt zwar den Stromausfall vor einigen Jahren. Ausgerechnet an
der Premiere und mitten im Theater sei dies passiert. «Das war wirklich schlecht», sagt er. Doch für
Pannen dieser Art hat sich weder der Regisseur noch sonst jemand von den Muotathaler
Theaterleuten zu verantworten.
Albträume
Schelbert selber aber hat die Verantwortung, die er als Regisseur übernehmen muss, nicht immer
spannungsfrei und locker ertragen. «Früher litt ich etwa drei Wochen vor der Premiere an
Albträumen. Letztes Jahr waren an der Premiere meine Augen entzündet und im Moment habe ich
ein wenig Halsweh.» Diese Probleme seien natürlich psychischer Natur. Er sei bei seiner Aufgabe
einem grossen Druck ausgesetzt. «Man will die Erwartungen des Publikums erfüllen und diese
enorme Verantwortung lag mir vielfach auf dem Magen.»
1996 hat Norbert Schelbert im Stück «Dr Sepp» zum ersten Mal Regie geführt. «Damals wusste ich
gar nicht wirklich, auf was ich mich einlasse. Jedes Jahr wurde der Kampf, ein erfolgreiches Theater
zu machen, grösser. Ich wurde immer heikler und oftmals hatte ich Angst, dass ich kein geeignetes
Theaterstück mehr finde.»
Grosse Sprüchesammlung
Bekannt ist das Muotathaler Theater für den trockenen Humor, die «trääfen» Sprüche. Solche hat
Schelbert fleissig gesammelt. Er hat die Witze in den Tageszeitungen gelesen und die besten auf eine
Karte geschrieben. Jetzt besitzt er Tausende davon. «Jedes Jahr habe ich etwa 50 passende Sprüche
ausgesucht und diese ins Theaterstück einfliessen lassen.» Ebenfalls hat er sich schöne Volkslieder
notiert. Und wenn Norbert Schelbert an einem Fest oder öffentlichen Anlass war, hat er die
Menschen beobachtet und geeignete Theaterspieler auf einer Liste notiert. Wenn etwa jemand
besonders lustig oder originell war. So hatte Schelbert nie das Problem, passende Spieler für seine
Theater zu finden.
Beobachtet man den gewissenhaften Regisseur bei seiner Arbeit, fällt einem auf, dass er einen sehr
guten Umgang mit allen Theaterspielern pflegt. «Wichtig war mir immer, dass ich wusste, was ich
wollte. Die Theaterleute wollen klare Anweisungen. Wenn sie spüren, was du erwartest, vertrauen
sie dir.» Auch gesteht Schelbert, dass er harmoniebedürftig sei und es gerne friedlich habe mit
seinem Team.
Sehr viel Geduld
Eines ist klar: Die Muotathaler Theaterleute schätzen Norbert Schelbert. Dies bestätigt Präsidentin
Paula Betschart: «Er hatte sehr viel Geduld und konnte den Spielern jede Rolle vorzeigen. Norbert
hatte das Flair, die passenden Leute für die Bühne zu finden. Er kann auf Menschen zugehen und sie
moralisch unterstützen.» Dass der Regisseur nun die Theaterequipe verlässt, nimmt ihm keiner übel.
«Wir akzeptieren seinen Wunsch und können ihm nur danken, dass er so lange durchgehalten hat.
Das muss ihm zuerst mal jemand nachmachen», sagt die Präsidentin. Vielleicht komme er ja plötzlich
wieder.
Von einem weinenden Auge will Norbert Schelbert nichts wissen. «Ich bin da reingerutscht und habe
diese Position nie gesucht. Für mich war es Arbeit und ich freue mich, dass ich meine Ferien nun
anders planen und freier leben kann.» Doch dem Theater ganz den Rücken zukehren, das will
Norbert Schelbert wohl doch nicht. Er kann sich nämlich durchaus vorstellen, eines Tages das
Publikum im Theatersaal als Zwischenakt-Musikant zu unterhalten. Denn seine oben erwähnte NeuOrientierung besteht darin, die Musikschule zu besuchen und das Spielen auf der Handorgel richtig
zu erlernen. Zehn Tänze beherrscht er schon, für einen Auftritt im Theatersaal fehlt also vermutlich
nicht mehr viel.
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Seele and Geist
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