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Der Renner sind nach wie vor Pokergeräte - AutomatenMarkt

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AutomatenMARKT | IMA 1998 | Märkte
ENADA in Rom
Der Renner sind nach wie vor Pokergeräte
Obwohl diese Automaten seit langem in Italien verboten sind, beherrschten
sie die Messe. Dr. Ludwig Möhlmann von Nova Games berichtet.
Die diesjährige 26ste italienische Automatenmesse
ENADA fand bei 22 Grad Celsius und drückender
Sonne in den drei Hallen des Messegeländes in Rom
statt. Die Besucher aus den nördlichen Ländern
Europas und aus Übersee mit dunklen BusinessAnzügen, Schlips und Kragen, wurden von den
Italienern süffisant belächelt: Spätestens nach einer
Stunde hatte niemand mehr ein Jackett an.
Die italienische Automatenmesse ist mittlerweile
eindeutig zu den wichtigsten Messen in Europa
avanciert. Noch im März diesen Jahres wurde die
italienische Frühjahrsmesse in Rimini für wichtiger
als die Herbstmesse in Rom gehalten. In den
vergangenen Jahren war letztere immer ein
Stiefkind, doch das hat sich völlig gewandelt.
Dr. Ludwig Möhlmann, Nova
Games (links) und Josef
Öhlinger, Funworld tauschen
auf der Messe ihre
Touchscreen-Erfahrungen
aus.
Auf einer um 30 Prozent erweiterten
Ausstellungsfläche von mittlerweile 14000
Quadratmetern erwarteten den Besucher in jetzt drei
Hallen (vorher zwei) 150 Stände mit rund 140
Ausstellern nationaler und internationaler Herkunft.
Die Messe wurde von Pokermaschinen in den verschiedensten Varianten beherrscht.
Noch vor einem Jahr steckte diese Gambling-Variante in den Kinderschuhen. Wenn
man nur in dem Padiglione 22, der Traditionshalle der Automatenausstellung war,
konnte man noch den Eindruck haben, die traditionelle Angebotsstruktur nationaler
und internationaler Hersteller und Distributoren hätte sich kaum verändert. Hier
dominierten TV-Komplettgeräte, Fungames, Touchscreens, Flipper und ähnliche
Geräte.
Das Gesamtbild der Ausstellung war jedoch eindeutig anders: „Pokermania Italia“.
Im wahrsten Sinne des Wortes ist in Italien die Pokermanie ausgebrochen. In gut
informierten Kreisen wird von etwa 200000 Pokermaschinen ausgegangen, die allein
in den letzten zwölf Monaten aufgestellt wurden.
Ein größerer italienischer Automatenhersteller berichtete von der Einmaligkeit in der
Geschichte seines Unternehmens: Bisher war seine Fabrik in den vergangenen
Jahrzehnten grundsätzlich von Mitte Juli bis Ende August geschlossen. In der
Sommerpause spielt sich in Italien nichts ab. Jetzt aber habe er erstmalig nicht nur
durcharbeiten müssen, sondern in drei Schichten 22 Stunden pro Tag, inklusive
Wochenende, produziert. 560 Geräte pro Woche werden allein in seiner Fabrik
hergestellt, die bei weitem nicht zu den größten zähle. Es ist überflüssig, nach dem
Produkt zu fragen – natürlich Pokergeräte.
Segas Unterwasser-Schießspiel Ocean
Hunter begeistert die Besucher der
ENADA.
Touchscreen).
Die wichtigsten sind Pool 10, 10 Ball,
Les Fiches. Etwa zehn verschiedene
Platinen bestimmen den Markt. Die
Krönung ist Super Poker. Der Renner
im Süden Italiens Champion Poker. Bis
zu 40000 Mark im Monat werden mit
diesen Geräten umgesetzt. Die Kosten
dafür sind kaum nennenswert: 60
Dollar (rund 100 Mark) die asiatische
Platine – natürlich kopiert. Vor einem
Jahr kostete diese noch 150 Dollar
(rund 250 Mark). Die Kosten für das
Gehäuse belaufen sich auf 1000 Mark.
Zusätzlich Ticket Dispenser und Bill
Acceptor kommt man auf insgesamt
etwa 1500 bis 2000 Mark je nach
Ausführung (mittlerweile nicht nur
Tasten/ Joystick, sondern auch
Um die 3000 Mark muss der Aufsteller bezahlen. Diese Investition hat sich nach
einer Woche bezahlt gemacht. Wen wundert es, dass sich der Aufsteller keinerlei
Sorgen macht, wenn ein Teil seiner Geräte konfisziert wird. Allein in der letzten
Woche wurden durch Polizeiaktionen 940 Geräte in verschiedenen Orten abgeräumt.
Spätestens in der nächsten Woche sind die Plätze wieder mit gleichartigen
Pokermaschinen besetzt.
Poker ist schon seit langem in Italien verboten, doch was nützen derartige Gesetze,
wenn nicht ausreichend Kontrollorgane geschaffen werden? Aus Kreisen der
italienischen Verbände ist zu hören, dass man mit ein bis zwei Jahren rechnen
müsse, bis die Pokermanie gestoppt werden könne.
Zwischenzeitlich hat man nach italienischer Manier erst mal mit einem neuen Gesetz
reagiert. Es wurde am 3. August 1998 erlassen. Hiermit erhält die Regierung die
Möglichkeit, fiskalische Regeln festzulegen, vor allem die Anpassung der Steuern.
Der Staat muss und will natürlich mitverdienen.
Selbstverständlich gab es außer Poker auch noch anderes zu sehen: Beim Flipper
wurde Lost in Space von Sega und Monster Bash von Williams gezeigt. Aufgrund
sehr guter Kassenergebnisse bei Monster Bash wird bei diesem Modell von
verstärktem Absatz ausgegangen. Bespielt wurden die Geräte ständig.
Nova Games war wieder mit einem
eigenen Stand in Rom vertreten. Auf
einer um 30 Prozent vergrößerten
Ausstellungsfläche wurde neben
Flippern, Darts, Hyper Drive und Bingo
auch Megatouch gezeigt. Neben
Megatouch XL 5000, der demnächst
mit dem neuen Programm XL 6000
aufgerüstet werden kann, sorgte der
neue Megatouch Millenium für Furore:
Neues Gehäuse, neue Technik und vor
allem neue Spiele, wie zum Beispiel
Tennis Ace und Golf, zogen die
Besucher an.
Der Stand von Nova Games bietet in
diesem Jahr 30 Prozent mehr
Ausstellungsfläche.
Erstmalig wurde auch eine Reihe von
Geräten aus der adp-Schmiede
gezeigt. Funnyland, Fun City und
Cashliner kamen gut an. Vor allem aber wurde BIack Jack umlagert. Der Erfolg
dieses Gerätes in Deutschland scheint sich in Italien fortzusetzen. Die
Ausstellungsgeräte waren bereits am ersten Tag verkauft.
Bei Touchscreen waren alle namhaften Hersteller vertreten. Mittlerweile hat sich die
Zahl der Touchscreen-Anbieter auf etwa 20 erhöht. Den Markt bestimmen aber die
bewährten Produkte wie beispielsweise Concorde, Megatouch, Photo Play, Silverball.
Obwohl es in den jetzigen Pokerzeiten in Italien für alle Beteiligten schwierig
geworden ist.
Die Vertreter von Megatouch, Photo Play und Silverball besuchten sich gegenseitig,
um Erfahrungen auszutauschen. Für Photo Play wurde das neue Update 99
vorgestellt: rund zehn neue Spiele, unter anderem das Mordillo-Quiz Amore, Amore.
Auf dem Photo Play-Stand wurde auch das neue Touchscreen für Kinder präsentiert:
Funny’s Lern- und Spielhaus.
Bei TV-Komplettgeräten war in dem traditionell
guten Markt Italien natürlich alles vertreten, was
schon auf der JAMMA in Japan und der AMOA in USA
zu sehen war: Von Sega Ocean Hunter Super Deluxe
(Unterwasser-Schießspiel), Dirt Devils Twin
(Fahrsimulator), Spike Out (Kampfspiel) und
Daytona 2 Deluxe.
Von Atari Area 51 Site 4 (Schießspiel), Gauntlet
Legends (Fantasy-Kampfspiel) sowie Vapor TRX.
Touchscreen-Geräte werden
mittlerweile von rund 20
Herstellern angeboten.
Namco zeigte Race On, Gunmen Wars und Panic
Park, ein lustiges Unterhaltungsschießspiel, in der
Kategorie wie damals Point Blank. Panic Park war ein
Renner: ausverkauft und erst im Januar wieder
lieferbar.
Gaelco stellte Radikal Bikers und Bang, ein
Geschicklichkeitsschießspiel, vor.
Konami war mit Racing Jam 2 und Handle Champ
vertreten.
Italien ist nicht nur der große Markt für neue TVGeräte, sondern vor allem für Gebrauchtgeräte.
Darüber hinaus sind zumindest 50 Prozent des
Marktvolumens Parallelimporte, vor allem direkt aus
Japan und sonstigen asiatischen Mittlerfirmen. Der größte Teil dieser Geräte hat
natürlich kein CE-Zeichen. Falls dennoch jemand dieses Zeichen haben will, hat der
Zwischenhändler keine Probleme, es nachträglich aufzukleben.
Mancher Direkteinkäufer aus Deutschland und anderen europäischen Ländern lässt
sich von diesen um bis zu 30 Prozent günstigeren Einkaufspreisen bei TVKomplettgeräten blenden. Aber das dicke Ende kommt bestimmt. Hier besteht noch
erheblicher Aufklärungsbedarf.
Pokermania Italia: Eine Wortschöpfung in vielerlei Hinsicht, auch in der Politik: Nach
der 50sten Regierung wird es Prodi wohl wieder schaffen. Wer in Italien darauf
hinweist, dass die deutschen Grünen mit den italienischen Kommunisten nicht
verglichen werden könnten, bekommt den alten Witz von Giulio An-dreotti zu hören:
„Die Grünen sind wie Wassermelonen, außen grün und innen rot.“
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Seele and Geist
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