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At a glance - Deutsche Messe

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Investmentstrategie
Perspektiven
November 2014
Thema des Monats: Gute Aussichten für europäische Gewerbeimmobilien
Mieten an den meisten Standorten im Aufwärtstrend
Europäischer Gewerbeimmobilienmarkt am Beginn einer längeren Erholungsphase
Niedrigzinspolitik der EZB setzt auch Renditen von Immobilienanlagen unter Druck
EWU-Konjunktur: Winterliche Wachstumsflaute bahnt sich an
Deutsche Konjunkturdaten mit extremen Ausschlägen im Sommer
Stimmungsindikatoren durchwachsen bis schlecht
Inflationsrate mit neuem Verlaufstief
US-Konjunktur: Arbeitsmarkt liefert Fundament für Fortsetzung des Wachstumskurses
Industrie mit durchwachsenem Quartalsausklang
Verbrauchervertrauen so hoch wie lange nicht mehr
Inflation stabilisiert sich unter 2%
Rentenmarkt: EZB beginnt mit dem Ankauf von Covered Bonds
Kauft EZB bald auch Unternehmens- und Staatsanleihen?
Banken-Stresstest: Keine Hinweise auf massive Kapitallücke
Weiterhin positive Marktentwicklung bei Covered Bonds
Renditen bleiben auf kurze Sicht niedrig
Aktienmarkt: Erst auf längere Sicht wieder eindeutig aufwärts
Das Glas war halb leer …
… und nun ist es wieder halb voll
Kurzfristig geht unruhige Fahrt weiter
Investmentstrategie
Seite 1
Perspektiven November 2014
Team Investmentstrategie
Dr. Marco Bargel
Chefinvestmentstratege
marco.bargel@postbank.de
Heinrich Bayer
heinrich.bayer@postbank.de
Thilo Heidrich
thilo.heidrich@postbank.de
Heinz-Gerd Sonnenschein
heinz-gerd.sonnenschein@postbank.de
www.postbank.de
Redaktionsschluss: 29.10.2014
Deutsche Postbank AG
Zentrale
Friedrich-Ebert-Allee 114-126
53113 Bonn
Telefon: (0228)920-0
Disclaimer:
Alle hier veröffentlichten Angaben erfolgen unverbindlich und stellen Informationsmaterial dar, also weder eine Anlageberatung noch eine Aufforderung zum
Kauf oder Verkauf irgendeines Wertpapiers. Die Informationen in diesem Dokument wurden aus Daten erarbeitet, von
deren Richtigkeit ausgegangen wurde;
Postbank Investmentstrategie garantiert
diese jedoch nicht. Die Angaben dienen
ausschließlich zur Information, die dem
Investor eine selbständige Anlageentscheidung erleichtern soll.
Investmentstrategie
Seite 2
Perspektiven November 2014
Gute Aussichten für europäische Gewerbeimmobilien
Mieten an den meisten Standorten im
Aufwärtstrend
Die europäischen Märkte für Gewerbeimmobilien waren im Zuge der Finanz- und
Staatsschuldenkrise und der damit
verbundenen gesamtwirtschaftlichen
Rezession 2008/2009 in einen Abschwung
geraten. Stark sinkende Beschäftigungszahlen haben zu einer verringerten
Nachfrage nach Büroimmobilien geführt.
Gleichzeitig gingen die Einzelhandelsumsätze infolge fallender Einkommen und
damit auch die Nachfrage nach
Einzelhandelsflächen zurück. Je nach
Ausprägung der rezessiven Entwicklung
hat der Abschwung am Gewerbeimmobilienmarkt in einzelnen Ländern
mehr oder weniger lange angehalten. Vor
allem in den Krisenstaaten der Eurozone,
wo es infolge massiver struktureller
Probleme zu einer lang anhaltenden
Rezession kam, dauerte die Marktbereinigung bis zuletzt an. Am aktuellen Rand
sind allerdings auch hier klare Anzeichen
einer Stabilisierung erkennbar. So hat sich
die Miete für erstklassige Büroimmobilien
am Standort Madrid im zweiten Quartal
2014 das erste Mal seit Ende 2008 leicht
erhöht. In Mailand sind vergleichbare
Mieten bereits seit einigen Quartalen nicht
mehr weiter gesunken. Bei Einzelhandelsimmobilien ist die Erholung im Allgemeinen weiter fortgeschritten. Hier liegen die
Spitzenmieten auch in den Krisenstaaten
inzwischen wieder deutlich über dem
Tiefpunkt. Eine Ausnahme bildet Spanien,
wo es in den Krisenjahren infolge massiver
Lohnkürzungen zu einem außerordentlich
starken Einbruch der Einzelhandelsumsätze
kam.
Der Markt für Gewerbeimmobilien in
London nimmt unter den europäischen
Standorten eine Spitzenstellung ein. Nach
einem kurz anhaltenden, aber relativ
heftigen Einbruch in 2008 zeigen sich
bereits seit dem darauffolgenden Jahr
deutliche Erholungstendenzen, die bis an
den aktuellen Rand angehalten haben.
Inzwischen liegen die Mieten für
Investmentstrategie
Entwicklung der Mieten für
erstklassige Büroimmobilien
erstklassige Büroimmobilien in London
bereits wieder fast 40% über dem Ende
2008 erreichten Tiefstand. Bei
Einzelhandelsimmobilien sind die Mieten
vom Tiefpunkt aus sogar um bis zu 70%
gestiegen. Von einer allgemeinen Blase am
Gewerbeimmobilienmarkt kann dennoch
nicht gesprochen werden. So liegen die
von IPD errechneten Werte von
Büroimmobilien in Großbritannien im
Durchschnitt immer noch rund 20% unter
dem Mitte 2007 erreichten Spitzenwert.
Bei Einzelhandelsimmobilien beträgt der
entsprechende Abschlag knapp 30%.
Außerdem ist zu berücksichtigen, dass der
Aufschwung am britischen
Gewerbeimmobilienmarkt von einer
steigenden Beschäftigung, wachsenden
Einzelhandelsumsätzen und anhaltend
niedrigen Zinsen getragen wird. Alleine in
den letzten 3 Jahren ist die Zahl der
Bürobeschäftigten in Großbritannien um
gut 5% gestiegen, so dass der Anstieg der
Mieten und Immobilienwerte von
fundamentaler Seite gut unterstützt wird.
Seite 3
Perspektiven November 2014
Zahl der Bürobeschäftigten
Einzelhandelsumsätze
Der deutsche Gewerbeimmobilienmarkt
zeichnet sich durch ein hohes Maß an
Stabilität aus. Auch in der Krise kam es hier
- wenn überhaupt - eher zu einem
moderaten Rückgang der Mieten. In
Frankfurt hat sich die Miete für erstklassige
Büroimmobilien seit 2008 praktisch kaum
verändert, während an anderen deutschen
Standorten in den vergangenen Jahren
überwiegend moderate Zuwächse zu
verzeichnen waren. Vor allem der in
Deutschland vergleichsweise starke Anstieg
der Beschäftigtenzahl wirkt sich
stabilisierend auf die Nachfrage nach
Büroimmobilien aus. Selbst während der
Finanzkrise und der darauffolgenden
Rezession kam es hierzulande im
Unterschied zu anderen Ländern zu
keinem nennenswerten Einbruch der
Beschäftigung. Bei Einzelhandelsimmobilien sind an wichtigen deutschen
Standorten schon seit ein paar Jahren
Mietsteigerungen zu verzeichnen. In Berlin
und Hamburg ist die Spitzenmiete
inzwischen bereits um insgesamt rund
40% gestiegen, geringere Zuwächse
weisen Düsseldorf und Frankfurt (jeweils
knapp 30%) sowie München und Köln
(jeweils rund 20%) auf.
um rund 11% zugelegt, das ist deutlich
weniger als in den anderen westeuropäischen Metropolen. Die verhaltene
Entwicklung am Büroimmobilienmarkt ist
eine Folge der stagnierenden Volkswirtschaft. Mangels nennenswerter Strukturreformen ist es bisher nicht gelungen, die
Wirtschaft in Frankreich wieder auf einen
nachhaltigen Wachstumspfad zu führen
und damit die Beschäftigung anzukurbeln.
Deutlich besser, aber auch differenzierter
stellt sich die Situation am französischen
Markt für Einzelhandelsimmobilien dar.
Hier belegt Paris mit einem Zuwachs der
Mieten um kumuliert 80% unter
westeuropäischen Metropolen einen der
Spitzenplätze. Der Markt dürfte hierbei
von kontinuierlich steigenden Einzelhandelsumsätzen profitiert haben. Auf der
anderen Seite gibt es in Frankreich aber
auch Standorte wie Marseille, an denen die
Mieten für Einzelhandelsflächen seit
einigen Jahren stagnieren.
Bei französischen Büromieten lässt sich
seit einiger Zeit keine klare Tendenz
beobachten. Sie befinden sich nach
zwischenzeitlich moderaten Schwankungen aktuell wieder in etwa auf dem Niveau
von Anfang 2009. Seit Erreichen des
Tiefpunkts Ende 2009 hat die Miete für
erstklassige Büroimmobilien in Paris nur
Investmentstrategie
Europäischer Gewerbeimmobilienmarkt am Beginn einer längeren
Erholungsphase
Die positive Grundtendenz an den
europäischen Gewerbeimmobilienmärkten
dürfte vor dem Hintergrund einer
moderaten konjunkturellen Belebung im
Euroraum in den kommenden Jahren
anhalten. Der Tiefpunkt am Arbeitsmarkt
ist durchschritten, in den meisten Ländern
der Eurozone dürften Beschäftigung und
Seite 4
Perspektiven November 2014
Wertentwicklung britischer
Gewerbeimmobilien
Einkommen im Trend steigen. Für positive
Impulse am Immobilienmarkt sorgen
darüber hinaus das anhaltend niedrige
Zinsniveau und eine sehr moderate
Inflation im Euroraum. Der daraus
resultierende Zuwachs bei den
Realeinkommen sollte über einen
steigenden privaten Konsum letztendlich
dem Markt für Einzelhandelsimmobilien zu
Gute kommen. Für eine positive
Mietentwicklung bei gewerblich genutzten
Immobilien sprechen darüber hinaus
angebotsseitige Faktoren. So hat sich das
Volumen der Investitionen in Nichtwohnbauten in Deutschland, Frankreich und
Großbritannien seit Ausbruch der
Finanzkrise nicht wesentlich verändert, in
Italien und Spanien liegen die Investitionen
aktuell sogar 35% bzw. 45% unter dem
Niveau von Anfang 2008. Der geringe
Flächenzuwachs hat an vielen Standorten
bereits zu einem Rückgang der Leerstandsquoten bei Büroimmobilien beigetragen.
Mit einem BIP-Wachstum von 1,5% bleibt
Deutschland 2015 das konjunkturelle
Zugpferd der Eurozone. Dementsprechend
dürfte sich der positive Beschäftigungstrend fortsetzen, wenn auch mit
verminderter Dynamik. Dennoch ist mit
weiterhin kräftigen Lohnzuwächsen zu
rechnen, die sich letztendlich in einem
höheren privaten Konsum und steigenden
Einzelhandelsumsätzen niederschlagen
sollten. Somit spricht in Deutschland
einiges für eine Fortsetzung des
Aufwärtstrends am Gewerbeimmobilienmarkt. In Großbritannien ist noch kein
Ende des Konjunkturaufschwungs in Sicht.
Investmentstrategie
Das BIP-Wachstum bleibt mit 2,5% auch
2015 überdurchschnittlich hoch.
Beschäftigung und Einkommen dürften
weiter kräftig steigen und damit eine gute
Basis für Mietzuwächse bei Gewerbeimmobilien bilden.
In Frankreich und Italien ist der konjunkturelle Ausblick dagegen noch verhalten.
Immerhin dürfte aber die jüngste EuroAbwertung der französischen und
italienischen Wirtschaft konjunkturelle
Impulse verleihen und für eine moderate
Verbesserung der wirtschaftlichen
Rahmenbedingungen sorgen. Dennoch
dürfte das BIP-Wachstum in Frankreich mit
0,9% in 2015 noch knapp unterhalb des
Euroraum-Durchschnitts liegen, während
die italienische Wirtschaft in einer
Stagnation verharren sollte (+0,4%).
Große Mietzuwächse bei Büroimmobilien
sind wegen des verhaltenen Beschäftigungsausblicks dabei nicht zu erwarten.
Allerdings halten wir auch einen Rückschlag am Büroimmobilienmarkt in
Frankreich und Italien, zumindest an den
wichtigsten Standorten, für wenig
wahrscheinlich. In Frankreich sprechen die
kontinuierlichen Zuwächse bei den
Einzelhandelsumsätzen für weiter
steigende Mieten bei Einzelhandelsflächen.
Spanien dürfte die Rezession nachhaltig
überwunden haben, wenngleich das BIPWachstum 2015 mit 1,9% auch dort noch
unterdurchschnittlich bleiben dürfte. Dies
sollte aber ausreichen, um positive Impulse
für die Beschäftigung zu generieren und
für signifikante Einkommenszuwächse zu
sorgen. Hiervon dürfte die Nachfrage nach
Büro- und Einzelhandelsimmobilien
profitieren. Wir gehen daher davon aus,
dass die Spitzenmieten für Gewerbeimmobilien in Spanien in den kommenden
Jahren steigen werden.
Seite 5
Perspektiven November 2014
Nettoanfangsrendite für erstklassige
Büroimmobilien
Bei erstklassigen Büroimmobilien in
Frankfurt liegt die Nettoanfangsrendite
knapp 4 Prozent-punkte höher als die
Rendite 10-jähriger Staatsanleihen. Der
Renditevorteil von Immobilienanlagen
befindet sich damit aktuell auf einem im
historischen Vergleich sehr hohen Niveau.
Da auf absehbare Zeit nicht mit einer
substanziellen Trendwende der Geldpolitik
im Euroraum zu rechnen ist, dürfte der
Abwärtsdruck auf die Renditen am
Gewerbeimmobilienmarkt in den
kommenden Jahren anhalten.
Dr. Marco Bargel
Niedrigzinspolitik der EZB setzt auch
Renditen von Immobilienanlagen unter
Druck
Die jahrelange Niedrigzinspolitik und der
massive Ankauf von Anleihen durch die
Notenbank haben in den vergangenen
Jahren zu einem globalen Rückgang der
Renditen geführt. Dabei ist die Rendite 10jähriger deutscher Staatsanleihen zeitweise
auf einen neuen historischen Tiefstand von
unter 1% gefallen. Der allgemeine
Renditeverfall ist auch am Markt für
Gewerbeimmobilien nicht spurlos
vorübergegangen. Der stärkste
Renditerückgang war dabei in Paris zu
beobachten, wo die Nettoanfangsrendite
bei Investitionen in erstklassige Büroimmobilien seit Anfang 2009 um 2¼
Prozentpunkte auf zuletzt 4 Prozent
zurückgegangen ist. In London und Madrid
hat sich die entsprechende Rendite um
einen Prozentpunkt, in Frankfurt nur um
einen ¾ Prozentpunkt verringert. Aber
auch nach dem Rückgang weisen
Investitionen in Gewerbeimmobilien immer
noch ein vergleichsweise attraktives
Renditeprofil auf.
Investmentstrategie
Seite 6
Perspektiven November 2014
EWU-Konjunktur: Winterliche Wachstumsflaute bahnt sich an
Investmentstrategie
15
40
10
30
20
5
10
0
0
%-Saldo
Die Daten aus der deutschen Industrie für
August sorgten zuletzt für große Verunsicherung und zunehmende Sorgen vor
einer gesamtwirtschaftlichen Rezession. So
gaben die Auftragseingänge gegenüber
dem Vormonat um 5,7% nach. Die Industrieproduktion fiel um 4,0%. Es handelte
sich jeweils um die stärksten monatlichen
Rückgänge seit der großen Rezession
2008/09. Bei näherer Betrachtung erweist
sich dieser Vergleich aber als unangemessen. In beiden Fällen waren nämlich im Juli
kräftige Anstieg vorausgegangen. Die
extremen Schwankungen resultierten denn
auch im wesentlichen aus einem Sondereffekt. So hatten einige Automobilhersteller ihre Werksferien vom Juli in den August
verschoben, was vor allem die Produktion
im Juli begünstigte und dann im August im
Zusammenspiel mit Modellwechseln
belastete. So gab die KFZ-Herstellung im
August um rund 25% nach. Hierbei
handelte es sich eindeutig um einen
Ausreißer nach unten, dem im September
ein positiver Rückpralleffekt folgen sollte.
Von extremen Schwankungen waren auch
die deutschen Außenhandelsdaten
geprägt. So brachen die Exporte im August
um 5,8% ein und der Handelsbilanzüberschuss ermäßigte sich um 4,7 Mrd. €.
Jedoch sind auch diese Daten vor dem
Hintergrund eines außergewöhnlich starken Vormonats zu bewerten. Im Juli waren
nämlich die Exporte um 4,8% gestiegen
und der Handelsbilanzüberschuss hatte
einen neuen historischen Höchstwert
erreicht, und dies sogar mit deutlichem
Abstand. Auch hier waren offensichtlich
verzerrende Effekte am Werk. Fasst man
beide Monate zusammen, wodurch sich
die Verzerrungen weitgehend kompensieren, bleiben sowohl eine positive Entwicklung der Exporte als auch ein beträchtlicher
Anstieg des Handelsbilanzsaldos übrig.
Dies deutet darauf hin, dass der Außenhandel im 3. Quartal einen ordentlichen
Beitrag zum BIP-Wachstum geleistet haben
ifo-Umfrage signalisiert Abwärtspotenzial für Auftragseingänge
% gg. 6 Mo.
Deutsche Konjunkturdaten mit
extremen Ausschlägen im Sommer
-10
-5
-20
-10
-30
10
11
12
13
14
Aufträge Ver. Gewerbe, 2-M.-Gl. (li. S.)
ifo-Auftragsbeurteilung Ver. Gew. (re. S.)
Quelle: Reuters Ecowin
sollte, weshalb wir an unserer Prognose
eines Wachstums von 0,4% in Q3 festhalten. Allerdings bergen die starken Schwankungen bei wichtigen Konjunkturindikatoren ein erhebliches Unsicherheitspotenzial.
Stimmungsindikatoren durchwachsen
bis schlecht
Die Stimmungsindikatoren aus dem Unternehmenssektor für den Euroraum und
Deutschland entwickelten sich zuletzt
uneinheitlich, deuten aber in der Summe
auf eine schwache Konjunktur in den kommenden Monaten hin. Zwar überraschten
die vorläufigen EWU-PMIs für Oktober
zuletzt positiv. Der Index für das Verarbeitende Gewerbe verbesserte sich von 50,3
auf 50,7 Punkte, während der Serviceindex
bei 52,4 Punkten stagnierte. Die in der
Summe leichte Verbesserung ist aber nicht
geeignet, die Einschätzung der konjunkturellen Aussichten zu verändern. Die Erholung im Euroraum bleibt schwach, anfällig
und unstet. Wir gehen denn auch für das
4. Quartal weiterhin von einem Miniwachstum von 0,1% in der EWU aus und erwarten auch für das 1. Quartal 2015 nur eine
ganz leichte Belebung.
Der Anstieg des EWU-PMIs für das Verarbeitende Gewerbe war vor allem der
Entwicklung in Deutschland zu verdanken.
Seite 7
Perspektiven November 2014
Aufgrund der sich abzeichnenden winterlichen Konjunkturflaute senken wir unsere
EWU-BIP-Prognosen für 2014 auf 0,7%
und für 2015 auf 1,0%. Für Deutschland
rechnen wir für das laufende Jahr weiterhin mit einem Wachstum von 1,5%, dessen Erreichen aber vor allem von der tatsächlich für das 3. Quartal ausgewiesenen
Wachstumsrate abhängig sein wird. Für
2015 reduzieren wir unsere BIP-Prognose
auf 1,5%. Dies setzt aber voraus, dass die
internationalen Konflikte, die die
Wirtschaft derzeit belasten, deutlich an
Einfluss verlieren und die Wirtschaft ab
dem Frühjahr wieder kräftig an Schwung
gewinnt. Das Risiko für diese Prognose
liegt weiterhin klar auf der Unterseite.
3,5
3,0
3,0
2,5
2,5
2,0
2,0
1,5
1,5
1,0
1,0
0,5
00
02
04
06
08
10
12
14
Entlohnung je Arbeitnehmer (li. Skala)
EWU-Kerninflationsrate (re. Skala)
Quelle: Reuters EcoWin
Inflationsrate mit neuem Verlaufstief
Die EWU-Inflationsrate ist im September
weiter auf 0,3% gefallen. Dabei verstärkte
sich der Abwärtsdruck seitens der Energiepreise, die um 2,3% unter Vorjahr lagen.
Die Kerninflationsrate ohne Energie und
Nahrungsmittel ging zwar von 0,9% auf
0,8% zurück, bewegt sich damit aber seit
fünf Monaten nahezu seitwärts. Aufgrund
der sehr niedrigen Raten in den letzten
Monaten und der zunächst schwachen
Wachstumsaussichten reduzieren wir
unsere Inflationsprognose für 2014 auf
0,5%. Für 2015 rechnen wir nur noch mit
einer leichten Beschleunigung auf 1,1%.
Prognosen Postbank
Heinrich Bayer
Deutschland
Euroraum
2013
2014e
2015e
2013
2014e
2015e
0,1
1,5
1,5
-0,4
0,7
1,0
Privater Verbrauch
0,8
1,0
1,5
-0,7
0,7
0,7
Bruttoanlageinvestitionen
Staatsverbrauch
Exporte
-0,7
0,7
1,6
3,3
0,8
3,6
1,5
0,5
6,0
-2,9
0,1
1,4
1,4
0,6
2,6
1,6
-0,4
4,1
3,3
Reales BIP (% ggü. Vj.)
% gg. Vj.
Sehr geringes Lohnwachstum spricht
für anhaltend niedrige Kerninflation
% gg. Vj.
Der entsprechende deutsche Index kletterte von 50,0 auf 51,8 Punkte, während der
deutsche Serviceindex zwar um 0,9 auf
54,8 Punkte nachgab, damit aber ein recht
hohes Niveau verteidigte. Für sich genommen wären die PMIs geeignet, die Befürchtungen vor einem sehr schwachen Winterhalbjahr in Deutschland zu verringern.
Dem steht aber der ifo-Geschäftsklimaindex entgegen, der im Oktober bereits zum
sechsten Mal in Folge nachgab und vor
allem auch durch seine Abwärtsdynamik
sehr deutlich auf erhebliche konjunkturelle
Risiken hinweist.
Importe
3,1
4,7
7,1
0,4
2,8
Außenbeitrag*
-0,5
-0,2
-0,1
0,5
0,0
0,5
Lagerinvestitionen*
0,2
0,3
0,4
0,0
0,1
-0,1
Arbeitslosenquote (in %)
6,9
6,7
6,7
11,9
11,6
11,5
Inflation (in %)
1,5
1,1
1,6
1,4
0,5
1,1
Staatl. Finanzierungssaldo
(in % des BIP)
0,0
0,2
0,0
-3,0
-2,6
-2,5
* Wachstumsbeiträge in % des BIP
Investmentstrategie
Seite 8
Perspektiven November 2014
US-Konjunktur: Arbeitsmarkt liefert Fundament für
Fortsetzung des Wachstumskurses
Allerdings gab es auch einige Datenpunkte, die Zweifel an der Dynamik in der Industrie aufwarfen. So trübte sich die Stimmung, gemessen am ISM-Index, im September ein. Er gab um 2,4 auf 56,6 Punkte
nach. Verantwortlich hierfür waren die
Auftrags- sowie die Beschäftigungskomponente, während sich der Produktionsindex
auf sehr hohem Niveau halten konnte.
Allerdings relativiert sich der Rückgang des
ISM-Indexes dadurch, dass im August der
höchste Wert seit drei Jahren erreicht wurde und derart hohe Niveaus in der Vergangenheit selten über einen längeren Zeitraum gehalten werden konnten. Auf dem
aktuellen Niveau signalisiert der Indikator
immer noch eine robuste Expansionsdynamik.
Die schwache ISM-Auftragskomponente
schlug sich auch in harten Daten nieder.
Die Aufträge für langlebige Güter enttäuschten im September mit einem Rückgang um 1,3% im Monatsvergleich. Verantwortlich hierfür waren primär die zivilen
Flugzeugbestellungen. Aber auch ohne
den Transportsektor gaben die Aufträge im
September nach (-0,2%), ebenso wie die
Kernkapitalgüteraufträge (-1,7%).
Investmentstrategie
250
100
300
90
350
80
400
70
450
60
500
Index
Die Daten zum Industriesektor konnten
zuletzt nicht auf ganzer Linie überzeugen.
Positiv überraschte die Industrieproduktion
im September. Demnach wurde die Produktion um 1,0% gegenüber dem Vormonat ausgeweitet. Zwar war ein Großteil des
Anstiegs auf die Versorger (3,9%) sowie
den Bergbau (1,8%) zurückzuführen, doch
auch im Verarbeitenden Gewerbe stand
mit 0,5% ein Anstieg zu Buche. Damit
wurde der Rückgang aus dem Vormonat
wieder ausgeglichen und die Produktion
beendete das 3. Quartal mit einigem
Schwung. Denn das Produktionsniveau im
September übertraf den Quartalsdurchschnitt um 0,6%.
Arbeitsmarktentwicklung sorgt für
gute Stimmung unter Konsumenten
in Tsd.
Industrie mit durchwachsenem
Quartalsausklang
50
550
600
40
650
30
700
20
2008
2009
2010
2011
2012
2013 2014
Erstanträge AL-Hilfe, gl. Durchschn., invers (li. Skala)
Verbrauchervertrauen (re. Skala)
Quelle: Reuters EcoWin
Verbrauchervertrauen so hoch wie
lange nicht mehr
Auch an anderer Stelle hielten sich positive
und negative Überraschungen weitestgehend die Waage. So endete eine lange
Anstiegsserie bei den Einzelhandelsumsätzen im September. Sie gaben um 0,3%
gegenüber dem Vormonat nach und waren damit erstmals seit Januar rückläufig.
Dass diese lange Serie ein Ende gefunden
hat, ist allerdings noch kein Grund zur
Sorge. Dies wird beim Blick auf die Veränderungsraten zum Vorjahresmonat deutlich. Saisonbereinigt stiegen die Umsätze
um 4,3% gegenüber September 2013,
ohne die KFZ-Komponente waren es
immerhin noch 3,1%. Dies sind im historischen Kontext sehr solide Werte.
Darüber hinaus spricht die jüngste Entwicklung des Verbrauchervertrauens gegen
ein Abflauen des privaten Konsums. Im
Oktober erreichten sowohl der Uni Michigan Index als auch der Indikator des Conference Board zur Stimmung der Verbraucher mehrjährige Höchstwerte. Letztmals
wurden Mitte/Ende 2007 derartige Werte
verzeichnet.
Ein wesentlicher Grund für das sich im
Aufwind befindende Verbrauchervertrauen
ist die anhaltende Verbesserung auf dem
Seite 9
Perspektiven November 2014
Wir bleiben bei einem optimistischen Konjunkturbild für die USA und erwarten solide Wachstumsraten in den nächsten Quartalen. Die Impulse dürften vor allem vom
privaten Verbrauch sowie von den Investitionen kommen. Dies gilt sowohl für die
Ausrüstungs- als auch für die Bauinvestitionen. Denn der Immobilienmarkt sollte besonders von der anhaltenden Verbesserung
auf dem Arbeitsmarkt profitieren. Wir
haben unsere Wachstumsprognose für
dieses und nächstes Jahr jeweils leicht auf
2,4% bzw. 3,6% angehoben.
Prognosen Postbank
USA
% ggü. Vj.
2013
Reales BIP
2,2
2,4
3,6
Privater Verbrauch
2,4
2,4
2,7
Bruttoanlageinvestitionen
Staatsverbrauch
Exporte
4,7
-2,0
3,0
6,0
-0,1
3,6
7,9
2,6
5,9
Importe
Außenbeitrag*
1,1
0,2
4,6
-0,2
6,3
-0,2
Lagerinvestitionen*
0,0
0,0
-0,1
Inflation
1,5
1,8
2,2
* Wachstumsbeiträge in % des BIP
Investmentstrategie
2014e 2015e
Anhaltende Diskrepanz zwischen
Waren- und Dienstleistungspreisen
% gg. Vj.
Arbeitsmarkt. Der September-Bericht
überraschte positiv. Die Beschäftigung
außerhalb des Agrarsektors stieg um 248
Tsd. gegenüber dem Vormonat und die
Daten der beiden Vormonate wurden um
insgesamt 69 Tsd. nach oben korrigiert.
Erfreulich war neben der Höhe des jüngsten Stellenaufbaus auch dessen Zusammensetzung. So wurde im Privatsektor ein
Plus von 236 Tsd. neuen Arbeitsplätzen
verzeichnet. Im öffentlichen Sektor setzte
sich die seit einigen Monaten zu beobachtende steigende Arbeitskräftenachfrage
ebenfalls fort, hier wurden 12 Tsd. neue
Arbeitsplätze registriert. Die Arbeitslosenquote gab im September von 6,1% auf
5,9% nach und erreichte damit den niedrigsten Stand seit der tiefen Rezession
2008/2009. Der gute Arbeitsmarktbericht
wurde ergänzt durch die Erstanträge auf
Arbeitslosenhilfe, die zeitweise auf den
niedrigsten Wert seit Jahrzehnten gesunken waren.
6
6
5
5
4
4
3
3
2
2
1
1
0
0
-1
-1
-2
-2
2008
2009
2010
2011
2012
2013
2014
Gesamte Verbraucherpreise
Warenpreise ohne Energie u. Nahrungsmittel
Dienstleistungspreise ohne Energie
Quelle: Reuters EcoWin
Inflation stabilisiert sich unter 2%
Die Inflationsrate verharrte im September
bei 1,7% und beendete damit ihren dreimonatigen Abwärtstrend. Im Vormonatsvergleich stiegen die Verbraucherpreise um
0,1%. Gedämpft wurde der Preisanstieg
durch die Energiepreise. Diese fielen gegenüber August um 0,7%. Dagegen zogen
die Nahrungsmittelpreise recht deutlich um
0,3% an. Die Dienstleistungspreise (ohne
Energie) setzten ihren Aufwärtstrend fort.
Im Vormonatsvergleich ergab sich ein Plus
von 0,2%, im Vorjahresvergleich eine Steigerung um 2,4%. In diesem Sektor, der
vor allem von hausgemachten Faktoren abhängig ist, ist von disinflationären Tendenzen nichts zu erkennen. Anders sieht dies
weiterhin bei den Warenpreisen (ohne
Energie und Nahrungsmittel) aus. Diese
gaben gegenüber August um 0,2% und
gegenüber September 2013 um 0,3%
nach. In diesem Sektor spielen internationale Preistendenzen eine größere Rolle.
Zudem dürfte sich hier inzwischen ein
Bremseffekt infolge des Aufwärtstrends
des US-Dollars bemerkbar machen.
Die Inflationsrate fiel zuletzt geringer aus
als erwartet. Wir senken unsere Prognose
für 2014 daher von 2,0% auf 1,8%. Durch
das sich abzeichnende niedrigere Niveau
um den näher rückenden Jahreswechsel
senken wir auch unsere Schätzung für
2015. Statt mit 2,4% rechnen wir nun mit
einer Beschleunigung der Teuerung auf
2,2%.
Thilo Heidrich
Seite 10
Perspektiven November 2014
Rentenmarkt: EZB beginnt mit dem Ankauf von
Covered Bonds
Kauft EZB bald auch Unternehmensund Staatsanleihen?
Die EZB hat auf ihrer Sitzung Anfang Oktober wie erwartet die Leitzinsen unverändert gelassen und auch darüber hinaus
keine neuen geldpolitischen Maßnahmen
ergriffen oder angekündigt. Sie zeigt sich
weiterhin besorgt über die niedrige Inflationsrate und schwache Wachstumsdynamik im Euroraum, rechnet für das kommende Jahr diesbezüglich aber mit einer
tendenziellen Besserung. Wie angekündigt,
gab die EZB nach der Sitzung die Details
zum Ankaufprogramm für Covered Bonds
und Asset Backed Securities (ABS) bekannt.
Danach werden beide Programme eine
Laufzeit von mindestens 2 Jahren haben.
Die Notenbank wird Wertpapiere am
Primär- und am Sekundärmarkt erwerben.
Anleihen müssen die üblichen Besicherungsanforderungen der EZB erfüllen und
derzeit ein Rating von mindestens BBBaufweisen. Für ABS und Covered Bonds
aus Griechenland
Investmentstrategie
Renditen von Bundesanleihen bleiben
nahe am historischen Tief
Prozent
Die europäischen Rentenmärkte vollführten in den vergangenen Wochen eine
Berg- und Talfahrt. Im Anschluss an die
expansiven Beschlüsse der EZB auf ihrer
September-Sitzung zog die Rendite 10jähriger Bundesanleihen von ihrem vorherigen historischen Tief von 0,88% zunächst
um rund 20 Bp an. Konjunktursorgen
sowie eine wachsende Erwartung, die Fed
könnte die bislang für das 1. Halbjahr 2015
erwartete Leitzinsanhebung ins Jahr 2016
verschieben, hatten die Renditen von
Staatsanleihen der führenden Industrieländer dann bis Mitte Oktober auf Talfahrt
geschickt. Die Rendite der 10-jährigen USTreasury fiel dabei bis auf 2,14%, ihr
niedrigstes Niveau seit Juni 2013. 10jährige Bunds markierten mit 0,76% sogar
ein neues historisches Tief. Nachfolgend
trat dann, nicht zuletzt infolge neuer USKonjunkturdaten, die in der Summe eher
positiv aufgenommen wurden, eine leichte
Gegenbewegung ein. Die Treasury-Rendite
zog zuletzt bis auf 2,32% an und die
Bund-Rendite auf 0,90%.
2,0
2,0
1,5
1,5
1,0
1,0
0,5
0,5
0,0
0,0
-0,5
-0,5
2012
2013
2014
2015
2-j. Bundrendite
10-j. Bundrendite
Quelle: Reuters EcoWin; Prognosen Postbank
und Zypern, welche die Ratinganforderungen nicht erfüllen, wird es klar
definierte Ausnahmeregelungen geben.
Mezzanine ABS-Tranchen wird die EZB
ankaufen, wenn sie über eine Garantie
verfügen. Details hierzu will sie zu einem
späteren Zeitpunkt bekanntgeben.
Die EZB hat Mitte Oktober bereits damit
begonnen, Covered Bonds anzukaufen.
Insgesamt erwarb sie nach eigenem Bekunden Wertpapiere über 1,7 Mrd. Euro.
Nach wie vor ist fraglich, ob es der EZB
gelingen wird, im Rahmen der bisher beschlossenen Maßnahmen das selbst verkündete Ziel einer Bilanzausweitung von
einer Billion Euro zu erreichen. Für viel
Aufregung sorgte daher kürzlich eine
Reuters-Meldung über mögliche Ankäufe
von Unternehmensanleihen durch die EZB.
Die Notenbank dementierte die Meldung
zwar postwendend. Unseres Erachtens ist
die baldige Verkündung eines Ankaufprogramms für Unternehmensanleihen aber
nicht unwahrscheinlich. Auf diesem Wege
würde die EZB ihre Möglichkeiten für eine
Bilanzausweitung vergrößern. Das für
einen Ankauf in Frage kommende Volumen von Unternehmensanleihen dürfte
sich auf etwa 580 Mrd. Euro belaufen. Als
Instrument zur Ankurbelung der Kreditvergabe an kleine und mittlere Unternehmen
in den Peripheriestaaten der Eurozone ist
der Ankauf von Unternehmensanleihen
allerdings nicht geeignet.
Seite 11
Perspektiven November 2014
Banken-Stresstest: Keine Hinweise auf
massive Kapitallücke
Am 26.10. veröffentlichte die EZB die
Ergebnisse ihrer Bilanzanalyse (Asset
Quality Review – AQR) sowie des
Stresstests. Analysiert wurden dabei die
130 größten Banken der Eurozone, deren
Anteil 82% an den gesamten Bankaktiva
ausmacht und über die die EZB im
November die Aufsicht übernehmen wird.
Es wurde eine Kapitallücke bei insgesamt
25 Banken in Höhe von 24,6 Mrd. Euro
festgestellt, zum Stichtag 31.12.2013. Da
in der Zwischenzeit etliche Banken
Kapitalerhöhungen durchgeführt haben,
beträgt der Netto-Kapitalbedarf jedoch nur
9,5 Mrd. Euro bei 13 Banken. Diese Werte
lagen im Rahmen der Markterwartungen.
Die errechnete Kapitallücke dürfte keine
negativen Folgen für die Wirtschaft der
Eurozone haben, da sie z.B. gemessen am
gesamten Tier-1-Eigenkapital in der
Eurozone oder dem EWU-BIP sehr gering
ist. Auch im Verhältnis zu den seit der
Finanzkrise durchgeführten Kapitalerhöhungen durch Banken (ca. 200 Mrd.
Euro bis Ende 2013) fällt der Kapitalbedarf
nicht stark ins Gewicht.
Die für die gesamte Eurozone ermittelte
Kapitallücke von 24,6 Mrd. Euro (brutto)
entfällt zu großen Teilen auf Italien,
Griechenland, Portugal, Österreich und
Irland, deren Banken allein für 21,3 Mrd.
Euro des Kapitalbedarfs verantwortlich
zeichnen. In der Netto-Betrachtung sind es
8,9 der 9,5 Mrd. Euro. Mit Blick auf das
Bankensystem förderte der Stresstest
zutage, dass vor allem in Slowenien,
Griechenland und Portugal ein großer Teil
Investmentstrategie
des Bankensystems von einer Kapitallücke
betroffen ist. Auch Belgien und Italien
weisen hier relativ hohe Werte auf. Laut
EZB zeigen AQR und Stresstest aber, dass
keine Einschränkungen der Kreditvergabe
auf der Angebotsseite vorliegen. Somit
gibt es keine Hinweise auf eine allgemeine
Kreditklemme im Euroraum. Ob die
jüngsten Maßnahmen der EZB aber tatsächlich die Kreditvergabe im Euroraum
ankurbeln werden, bleibt fraglich. Denn
geopolitische Entwicklungen (z.B. Russland/Ukraine) und der verhaltene Konjunkturausblickdürften die Kreditnachfrage im
Euroraum auf absehbare Zeit dämpfen.
Weiterhin positive Marktentwicklung
bei Covered Bonds
Der Markt für Covered Bonds in der
Eurozone zählt zu den Profiteuren der
jüngsten EZB-Maßnahmen. Bereits nach
Verkündung des Ankaufprogramms
Anfang September reduzierten sich die
Risikoaufschläge für Covered Bonds, vor
allem aus den Peripheriestaaten der
Eurozone. Auch die Programmdetails, die
am 2.10. verkündet wurden, nahm der
Markt positiv zur Kenntnis. Am stärksten
profitierten dabei Covered Bonds aus
Spanien, Italien und Portugal. Sehr auffällig
ist zudem, dass der Covered Bond-Markt
die deutliche Ausweitung der Asset-SwapSpreads von EWU-Staatsanleihen, die seit
Mitte Oktober zu beobachten war und im
Zusammenhang mit den schwachen
Wirtschaftsdaten der Eurozone steht, nicht
einmal ansatzweise
Covered Bond-Markt profitiert von
EZB-Maßnahmen
Asset Swap Spread in Basispunkten
Denn üblicherweise nutzen vor allem
größere Unternehmen aus den Kernländern der Eurozone Anleihen als Finanzierungsweg. Das im Vergleich wirksamste
Instrument zur Ausweitung der Bilanzsumme bleibt ein Ankauf von Staatsanleihen
durch die EZB. Da hier die politischen und
rechtlichen Hürden aber vergleichsweise
hoch hängen, dürfte der Ankauf von Unternehmensanleihen aus EZB-Sicht weiterhin eine Option bleiben.
900
900
800
800
700
700
600
600
500
500
400
400
300
300
200
200
100
100
0
Jan
0
Mai Sep
2012
Italien
Jan
Mai Sep
2013
Portugal
Jan
Mai Sep
2014
Spanien
Quelle: Reuters EcoWin
Seite 12
Perspektiven November 2014
nachvollzogen hat. Vor dem Hintergrund
weiterer Ankäufe durch die EZB dürften
sich die Risikoprämien insbesondere bei
Covered Bonds aus den Peripheriestaaten
der Eurozone weiter einengen. Für eine
positive Marktentwicklung sprechen auch
andere fundamentale Faktoren, wie das
geringe Neuemissionsvolumen und die
Stabilisierung der Immobilienmärkte in
einigen Euro-Staaten. Außerdem gibt es
einen Trend zu einer weiteren
Verschärfung der gesetzlichen bzw.
regulatorischen Anforderungen für
Covered Bonds auf EU-/nationaler Ebene.
Dies stärkt die Bonität der Anleihen und
unterstützt den Trend zu engeren Spreads.
Renditen bleiben auf kurze Sicht
niedrig
Bei den Renditen von Bundesanleihen
zeichnet sich angesichts konstanter
Leitzinsen und einer unischeren Konjunktursituation im Euroraum noch keine
nachhaltige Trendwende ab. Angesichts
des bereits historisch niedrigen Zinsniveaus
ist aber auch der Spielraum nach unten
eng begrenzt. Selbst bei einem Rückfall in
eine Rezession und negativen Inflationsraten sollte die Rendite 10-jähriger
Bundesanleihen nicht signifikant unter das
aktuelle Niveau fallen, da Investoren für
das Halten längerfristiger Anleihen immer
eine gewisse Liquiditäts-/Risikoprämie
fordern. Ein weiterer deutlicher Rückgang
der 10-Jahresrendite würde somit einen
entsprechenden Rückgang der kurzfristigen Renditen voraussetzen, was
angesichts der erwarteten unveränderten
Leitzinsen im Euroraum unwahrscheinlich
ist. Auf 12-Monatssicht rechnen wir wegen
der prognostizierten Konjunkturerholung
und steigender Inflationsraten mit einem
Anstieg der 10-Jahresrendite von Bundesanleihen auf 1,5%. Die Rendite 2-jähriger
Bundesanleihen dürfte - weitgehend
unverändert - leicht im negativen Bereich
verharren.
Dr. Marco Bargel
Prognosen Postbank
29.10.
Leitzinsen
Euroraum
%
USA
%
Japan
%
Großbritannien
%
Renditen 10 Jahre
Bundesanleihen
%
US-Treasuries
%
Japanische JGB's %
Britisc he Gilts
%
Spreads ggü. Bunds
10j. Swap
Bp
EWU-Corporates Bp
Investmentstrategie
in 3 M in 12 M
0,05
0,05
0-0,25 0-0,25
0-0,10 0-0,10
0,50
0,50
0,05
0,75
0-0,10
1,00
0,90
2,32
0,47
2,26
1,00
2,40
0,60
2,70
1,50
2,70
0,70
3,30
22
67
20
70
20
65
Seite 13
Perspektiven November 2014
Aktienmarkt: Erst auf längere Sicht wieder eindeutig aufwärts
Starke Kurserholung nach
Schwächeattacke eingeleitet
Angst-Indizes mit deutlichen
Ausschlägen
110
105
105
100
100
95
95
90
90
85
85
Volatilitätsindizes
indexiert, 31.12.13 = 100
110
55
55
50
50
45
45
40
40
35
35
30
30
25
25
20
20
15
15
10
Jan
Mrz
Mai
Jul
Sep
2011
2014
DAX
Euro Stoxx 50
10
Nov
S&P 500
Topix
Quelle: Reuters EcoWin
Das Glas war halb leer …
Nach einer scharfen Korrektur, die Mitte
September einsetzte und in der Spitze zu
Kursrückgängen von 12,5% (DAX), 12,2%
(Euro Stoxx), 12,6% (Topix) bzw. 7,4%
(S&P 500) führte, setzten die Kurse zu
einer raschen Gegenbewegung an. Inzwischen ist der S&P 500 schon wieder bis auf
1,4% an sein Allzeithoch vom 18. September dieses Jahres herangerückt. So schnell
wie die dunklen Wolken über dem Parkett
aufgezogen waren, scheinen sie nun wieder vom Winde verweht worden zu sein.
2012
Deutschland
2013
2014
Euroland
USA
Quelle: Reuters EcoWin
Mal in diesem Zyklus die Leitzinsen
erhöhen könnte. Steigende (Leit-)Zinsen
sind selten mit steigenden Aktienkursen in
Einklang zu bringen. Besonders vor dem
ersten Zinsschritt der wichtigen Notenbanken der Welt - vor allem der Fed - agieren
die Aktienmärkte meist sehr nervös. Dieser
Cocktail schlug vielen Investoren erheblich
auf den Magen und die Reaktionen sind an
der Kursentwicklung der Leitindizes sowie
der entsprechenden Volatilitätsindizes
deutlich abzulesen.
… und nun ist es wieder halb voll
Für die Abwärtsbewegung waren zwei
Faktoren verantwortlich. Zum einen Konjunktursorgen und zum anderen die Unsicherheit über die weitere Vorgehensweise
der US-Notenbank (Fed). Schwache Konjunkturdaten aus Europa, speziell von der
Lokomotive Deutschland, sowie aus China
trübten die Stimmung deutlich. Viele
Investoren fragten sich in diesem Zusammenhang, ob die gegenseitigen Sanktionen zwischen Europa und den USA auf der
einen und Russland auf der anderen Seite
vielleicht erheblich stärkere negative Auswirkungen auf die Wirtschaftentwicklung
in Europa haben könnten, als zunächst
angenommen. Oder wie waren die Rückgänge des ifo-Geschäftsklimaindex sonst
zu interpretieren? Von der Fed kamen
zudem widersprüchliche Signale über den
möglichen Zeitpunkt, wann sie das erste
Investmentstrategie
Beruhigende Worte von Mitgliedern des
US-Notenbankausschusses, die besagten,
dass die Fed es doch nicht so eilig mit der
ersten Leitzinserhöhung haben könnte,
linderten die Sorgen vieler Marktteilnehmer. Der endgültige und bis heute anhaltende Stimmungs- und Kursumschwung
wurde nach unserer Einschätzung von der
Berichtssaison der Unternehmen zu ihrem
Geschäftserfolg im 3. Kalenderquartal
initiiert. Das Überraschende an diesem Fakt
ist, dass nicht nur die Firmen der Neuen
Welt sondern auch ihre Pendants der Alten
Welt überzeugen können. Gerade letztere
hatten zuletzt doch Quartal für Quartal
wenig Substanzielles abgeliefert.
Sowohl mit ihren Umsätzen als auch den
Gewinnen je Aktie (EPS) übertreffen euro-
Seite 14
Perspektiven November 2014
Europäische Firmen übertreffen
reihenweise die Konsensprognosen
90
90
80
80
70
70
60
60
50
50
40
40
30
30
20
20
70
60
Anteil in %
in %
Vier von fünf Unternehmen steigern
den EPS im Vorjahresvergleich
50
40
30
20
2006
1995
2000
2005
2010
2012
2014
Stoxx 600: Firmen übertreffen Gewinnerwartung
Mittelwert
Quelle: Postbank
S&P 500: Firmen mit Gewinnsteigerung ggü. Vj.
Quelle: Bloomberg
päische Unternehmen reihenweise die
Konsensprognosen der Analysten. Nachdem gut 80 der im Stoxx 600 gelisteten
Firmen ihre Quartalsbilanzen vorgelegt
haben, liegen die Erfolgsquoten in beiden
Abgrenzungen bei mehr als 60%. Beide
Quoten übersteigen die Medianwerte der
letzten fünf Jahre deutlich. Für den EPS ist
es die höchste Quote seit dem 1. Quartal
2011 und für den Umsatz seit dem 2.
Quartal 2012. Besonders stark präsentieren sich bisher die Technologieunternehmen. Sechs von sieben Firmen übertrafen
die Konsensprognose für den EPS. Hier
wird nach unserer Ansicht klar sichtbar,
dass die Analysten im laufenden Jahr ihre
Prognosen von EPS und Umsatz zu stark
reduziert haben. Schon ab dem 4. Quartal
dürften viele Firmen der Eurozone einen
positiven Effekt durch den zum US-Dollar
und auch handelsgewichtet abwertenden
Euro verzeichnen. Mit diesem Rückenwind
und einer voranschreitenden konjunkturellen Erholung Europas, wenn auch langsamer als erhofft, stehen die Chancen gut,
dass die Unternehmen der Alten Welt
mittelfristig mit prozentual zweistelligen
Gewinnsteigerungen im Vorjahresvergleich
aufwarten können.
In der Neuen Welt haben inzwischen mehr
als die Hälfte der im S&P 500 gelisteten
Firmen ihre Bilanzen präsentiert. Sie
schließen nahtlos an die guten Resultate
des Vorquartals an. Mehr als 70% von
ihnen haben die Konsensprognosen für
den EPS geschlagen. Beim Umsatz sind es
gut 50%. Den EPS steigerten ggü. dem
Investmentstrategie
2008
2010
entsprechenden Vorjahreswert fast 80%
von ihnen. Beim Umsatz erreichten dies
drei von vier. In allen vier Abgrenzungen
lassen die US-Firmen die langfristigen
Mittelwerte deutlich hinter sich. Die aktuelle Berichtssaison zeigt, dass US-Unternehmen getragen vom positiven konjunkturellen Umfeld auch weiterhin mit moderaten Umsatz- und Gewinnsteigerungen
aufwarten sollten.
Kurzfristig geht unruhige Fahrt weiter
In Anbetracht der geopolitischen Krisen
und der weiterhin vorhandenen Unsicherheit über den Zeitpunkt des ersten Zinsschritts durch die Fed dürfte kurzfristig das
Auf und Ab an den Börsen weitergehen.
Eine deutliche Abwärtsbewegung erwarten
wir in Anbetracht der insgesamt moderaten Bewertung gemessen an den KursGewinn-Verhältnissen nicht. Mit der auch
in der Alten Welt voranschreitenden konjunkturellen Erholung und dem daraus resultierenden Potenzial steigender Umsätze
und Gewinne erwarten wir alle vier von
uns analysierten Indizes auf Sicht von 12
Monaten deutlich über den aktuellen
Niveaus.
Heinz-Gerd Sonnenschein
Prognosen Postbank
29.10.
in 3 M
in 12 M
DAX
9.083
9300-9500
9900-10100
Euro Stoxx 50
S&P 500
3.022
1.982
3025-3225
2000-2100
3200-3400
2075-2175
Topix
1.271
1275-1375
1275-1375
Seite 15
Perspektiven November 2014
Marktprognosen November 2014
Zinsen in %
29.10.14
in 3 Monaten
in 6 Monaten
in 9 Monaten
in 12 Monaten
0,05
0,09
0,05
0,10
0,05
0,10
0,05
0,10
0,05
0,10
-0,04
0,90
-0,10
1,00
-0,10
1,10
-0,10
1,30
-0,10
1,50
0-0,25
0,23
0,48
0-0,25
0,35
0,70
0-0,25
0,50
0,80
0,50
0,75
0,90
0,75
1,00
1,00
2,32
2,40
2,50
2,60
2,70
-14
-142
-25
-140
-40
-140
-65
-130
-90
-120
Japan
Overnight Call Rate
10-j. Staatsanleihen (JGB’s)
0-0,10
0,47
0-0,10
0,60
0-0,10
0,60
0-0,10
0,70
0-0,10
0,70
UK
Base Rate
10-j. Staatsanleihen (Gilts)
0,50
2,26
0,50
2,70
0,75
3,10
0,75
3,20
1,00
3,30
22
-9
67
358
in 3 Monaten
20
0
70
340
in 6 Monaten
20
0
70
320
in 9 Monaten
20
0
65
310
in 12 Monaten
20
0
65
300
1,2734
137,70
in 3 Monaten
1,25
140
in 6 Monaten
1,22
139
in 9 Monaten
1,20
139
in 12 Monaten
1,18
139
0,7905
1,2058
0,77
1,22
0,76
1,23
0,75
1,24
0,74
1,25
85,66
in 3 Monaten
87
in 6 Monaten
88
in 9 Monaten
89
in 12 Monaten
89
1.212
1200
1175
1175
1150
Aktien
KGV
KGV
Kursziel
Kursziel
DAX
9.083
2014e
12,8
2015e
11,5
in 3 Monaten
9300-9500
in 12 Monaten
9900-10100
Euro Stoxx 50
Standard & Poors 500 *
3.022
1.982
13,6
16,8
12,1
16,1
3025-3225
2000-2100
3200-3400
2075-2175
Topix
1.271
14,4
12,7
1275-1375
1275-1375
Euroraum
Refisatz
3-Monats-Euribor
2-j. Bunds
10-j. Bunds
USA
Fed Funds Rate
3-Monats-Libor
2-j. Treasuries
10-j. Treasuries
EUR/USD-Spreads in Basispunkten
3-M-Geld: Euribor ./. USD-Libor
10 J.: Bunds ./. Treasuries
Swap/Credit Spreads in Basispunkten
10-j. Swaps ./. Bunds
5-j. Pfandbriefe ./. Swaps
EWU Corporates A-Rated ./. Bunds
US Corporates B-BB-Rated ./. Treasuries
Wechselkurse
US-Dollar (EUR/USD)
Japanischer Yen (EUR/YEN)
Britisches Pfund (EUR/GBP)
Schweizer Franken (EUR/CHF)
Commodities
Rohöl Brent Spot ($/Barrel)
Gold Spot ($/Feinunze)
* KGV mit operativen Gewinnen gerechnet
Konjunkturprognosen November 2014
2014
BIP
in % YoY
2015
BIP, real
in % QoQ, sa
Q1
Q2
Q3e
Q4e
Q1e
Q2e
Q3e
Q4e
Deutschland
0,7
-0,2
0,4
0,2
0,2
0,4
0,5
Euroraum
USA
Japan
0,2
-0,5
1,5
0,0
1,0
-1,8
0,2
1,0
0,6
0,1
1,1
1,1
0,2
0,8
0,3
0,4
0,8
0,4
0,4
0,8
0,5
Investmentstrategie
Inflation
in % YoY
2013
2014e
2015e
2013
2014e
2015e
0,4
0,1
1,5
1,5
1,5
1,1
1,6
0,4
0,8
-0,7
-0,4
2,2
1,5
0,7
2,4
1,0
1,0
3,6
1,3
1,4
1,5
0,4
0,5
1,8
2,9
1,1
2,2
1,7
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Seele and Geist
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