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DAS KULTURMAGAZIN DES WESTENS
KUNST–SPECIAL HERBST 2014
MARLENE DUMAS IN AMSTERDAM
ERNST UND ARP IM RHEINLAND
DIE KUNSTSZENE IN NRW, B & NL
Verlagsbeilage
8
4
Kreuzzug mit Puppen:
Wael Shawky in Düsseldorf
Foto: © Kunstsammlung NRW
Zu sehen im Folkwang-Museum:
u. a. der Sämann von Vincent van Gogh
©Foto: SIK Zürich (J.P. Kuhn)
K.WEST KUNST-SPECIAL HERBST 2014
4
JAPAN-FIEBER
Das Folkwang-Museum
widmet sich dem Einfluss
Nippons auf Kunst und
Leben in der Belle Époque
mit der großen Ausstellung: »Monet, Gauguin,
van Gogh …«.
8
AUS DEM LEBEN UND
STERBEN DER MARIONETTEN
Der Künstler und Puppenspieler Wael Shawky zeigt in
der Kunstsammlung NRW
seine Video-Trilogie zu den
Kreuzzügen.
10
DER FILZMANN IM
HOTELBETT
In der städteübergreifenden
Ausstellung »Ruhr Kunst
Szene 2014« geben zehn Museen Einblick in künstlerische
Schöpfungen des Reviers.
12
EIN AFFE IM ORNAT
UND DELACROIX AUF
DEM KÜHLER
In Köln hält die zwölfte
Ausgabe der Art Fair die
Hemmschwellen niedrig
und bietet für jeden etwas.
20
LIEB ODER BÖSE? TOT
ODER LEBENDIG?
Die Werkschau Marlene
Dumas im Amsterdamer
Stedelijk Museum bietet einen
Kosmos von Körpern und
Gesichtern.
14
KUNST STATT KOHLE
Die Contemporary Art Ruhr
holt den Kunstmarkt ins
Revier. Mit Galerien, Institutionen und internationalen Szene-Spezialitäten.
23
SCHAU MAL NACH DRÜBEN
Vorschau auf das Programm
der Museen in Belgien und
den Niederlanden
26
DIRIGENTIN VON LICHT
UND RAUM
In der Reihe 25/25/25 der
Kunststiftung NRW diesmal:
Vera Lutter im Museum
Kunstpalast
28
SCHAU MAL NACH HÜBEN
Vorschau auf das Programm
der Museen in NRW
16
ZWEI DADA-FREUNDE,
EIN GAGA-GEIST
Vor 100 Jahren schlossen
Max Ernst und Hans Arp
Freundschaft fürs Leben. Die
Museen Brühl und Rolandseck lassen die alte Allianz
aufleben.
IMPRESSUM
SONDERAUSGABE K.WEST
KUNST–SPECIAL HERBST 2014
K.WEST
erscheint monatlich
im Verlag K-West GmbH
Heßlerstraße 37
45329 Essen
KONTAKT
Tel.: 0201/86 206-33
Fax: 0201/86 206-22
www.kulturwest.de
REDAKTION
V.i.S.d.P.: U. Deuter,
A. Wilink
TITELFOTO
Tom Schmelzer: homo bulla
or the sacred baboon,
Courtesy Galerie White Trash
Contemporary, Hamburg
MARKETING
MaschMedia, Oberhausen
DRUCK
Lensing Druck, Dortmund
LAYOUT
Herweg , Michalakopoulos,
Pecher
4 | KUNST–SPECIAL
Utagawa Hiroshige: Der Pflaumengarten von Kameido aus der Serie Hundert berühmte Ansichten von Edo, 1857.
Privatsammlung. ©Foto: Museum Folkwang.
TEXT: NICOLE HARTJE-GRAVE
K.WEST 10/2014 | 5
Holzschnitte, Fächer, Wandschirme – Japans Kultur war
im Frankreich des ausgehenden 19. Jahrhunderts en
vogue. Dem Einfluss des fernöstlichen Landes auf Kunst
und Leben in der Belle Époque widmet das Essener
Folkwang Museum nun eine erste große Ausstellung. In
der Schau »Monet, Gauguin, van Gogh … Inspiration
Japan« treten Gemälde, Grafiken und kunstgewerbliche
Objekte aller wichtigen Impressionisten in Dialog
mit japanischen Artefakten verschiedenster Gattungen.
»Japonisme! Attraktion unserer Zeit, planlose Raserei, die
in unserer Kunst alles durchdrungen, alles gesteuert, alles
durcheinandergebracht hat, unsere Moden, unsere Stile,
sogar unseren Verstand.« Zeitgenössische Kulturkritik aus
dem Munde von Adrien Dubouché: Der Mäzen und Keramikliebhaber ließ sich anlässlich der erstmals umfangreichen Präsentation japanischer Kunst auf der Weltausstellung 1878 in Paris über das allgegenwärtige Phänomen der
Japan-Begeisterung im damaligen Frankreich aus.
Japan, das war mehr als der Reiz des Exotischen. Mit friedlichen Mitteln hatte sich die fernöstliche Kultur Europas bemächtigt, und ganz Paris nahm Anschauungsunterricht an
den Objekten, die nun massenweise zur Verfügung standen.
Eine Mode war geboren, wie immer, wenn neuartige Dinge sich verbreiten. Die feine Gesellschaft behängte sich mit
Kimonos, stellte Paravents in ihre Salons und erging sich in
Teezeremonien. Erst im Laufe der Jahre ebbte die Trendwelle
ab und machte einem tieferen Verständnis Platz, für das in
erster Linie Künstler und Sammler verantwortlich waren.
Dem Einfluss der japanischen Kunst auf die französische Kultur des ausgehenden 19. Jahrhunderts, dem »Japonisme«, widmet das Museum Folkwang eine mit annähernd 400 Objekten
großartig bestückte Ausstellung. Der Fokus liegt dabei auf dem
Zeitraum von 1860 bis 1910, der Anfang- und der Hochphase der Japanrezeption in Frankreich, als nahezu alle bedeutenden Impressionisten und ihre Nachfolger – von Manet,
Degas, Cézanne, Monet bis Gauguin, van Gogh, Bonnard und
Vuillard – sich von japanischen Bildmotiven und Stilmitteln
begeistern und inspirieren ließen.
Das Museum Folkwang, das durch seinen Gründer Karl
Ernst Osthaus selbst eine bedeutende Sammlung japanischer
Kunstobjekte besitzt, zeigt nicht nur Gemälde und Arbeiten
auf Papier. Hinzu kommen eine repräsentative Auswahl der
einflussreichen Farbholzschnitte japanischer Meister wie
Hokusai, Hiroshige und Kunisada sowie kunstgewerbliche
Gegenstände, darunter Wandschirme, Gefäße, Masken und
Lackobjekte. Reisefotografien und Plakate runden das Bild
ab, das Europa im 19. Jahrhundert von Japan hatte.
Durch den inneren Druck der Reformer und das massive Auftreten der Kolonialmächte, vor allem in Gestalt des
amerikanischen Marine-Kommandanten Matthew Perry,
war Japan in den 1850er Jahren gezwungen, seine langwährende Isolation aufzugeben. Nach der Proklamation
der Meiji-Regierung 1868 hatten auch westliche Nationen
endlich die Möglichkeit, Handelsbeziehungen mit dem
fernöstlichen Land aufzunehmen und der einsetzenden
Euphorie für japanische Erzeugnisse nachzukommen.
Schon bald strömten immer mehr japanische Kunstwerke
und Alltagsgegenstände, darunter Keramiken, Fächer, Rollbilder und Holzschnitte, in die westlichen Metropolen – wo
sie auf den großen Weltausstellungen jener Jahre, 1862 in
London, 1867 und 1878 in Paris, zu heißbegehrten Preziosen wurden.
Zunächst war es nur eine kleine Gruppe von Malern, darunter Degas und Manet, die künstlerisch nach neuen Wegen suchten und durch die Beschäftigung mit japanischer
Kunst ihre Arbeiten von akademischen Zwängen befreiten.
Ihr Hauptinteresse lag auf der Kunst des japanischen Farbholzschnitts, der mit seinen geschwungenen Linien, den
kontrastierenden Leerflächen, dem schematisierten Aufbau und seiner Zweidimensionalität ihre Suche nach neuen
Ausdruckformen beflügelte.
Die japanische Bild- und Formenwelt spielte in zweierlei Hinsicht eine wichtige Rolle für die Entwicklung der
Moderne: Zum einen war sie eine unerschöpfliche Inspirationsquelle für Sujets und Stilmittel; zum anderen diente
sie als Bestätigung künstlerischer Ansätze, die die jungen
französischen Künstler bereits selbst verfolgten. »Herrlich
IM SKULPTURENPARK WALDFRIEDEN, WUPPERTAL
MITTWOCH, 19. NOVEMBER > 19 UHR > PAVILLON
JARRY SINGLA & EASTERN FLOWERS
> THE MUMBAI PROJEKT <
Hirschstr. 12 • 42285 Wuppertal • 0202 47898120
skulpturenpark-waldfrieden.de/klangart
6 | KUNST–SPECIAL
Paul Gauguin: Frauen aus Arles (Mistral), 1888.
Mr. and Mrs. Lewis Larned Coburn Memorial Collection, 1934.391,
The Art Institute of Chicago. ©Foto: The Art Institute of Chicago.
Vincent van Gogh: Sämann bei Sonnenuntergang, 1888.
Stiftung Sammlung E. G. Bührle, Zürich. ©Foto: SIK Zürich (J.P. Kuhn).
ist die japanische Ausstellung. Hiroshige ist ein prachtvoller
Impressionist. Monet, Rodin und ich sind begeistert. […]
Die Japaner bestärken mich in unserer Sehweise«, schrieb
Camille Pissarro 1893 an seinen Sohn Lucien. Die Auseinandersetzung mit der fremden Kultur setzte bei den französischen Künstlern einen schöpferischen Prozess in Gang,
der nicht nur zu einer Übernahme von Motiven führte, sondern – weit folgenreicher – zu einer Verinnerlichung von
Stilmitteln, aus der heraus sie ihre eigenen Bildsprachen
formulierten.
Im Mittelpunkt der mit ausgezeichneten Exponaten bestückten Ausstellung, die sowohl aus eigenem Bestand als auch
aus internationalen Museen stammen, stehen Spitzenstücke
von Vincent van Gogh. Der Maler gilt heute als Hauptvertreter des »Japonisme«, hatten er und sein Bruder Theo doch
schon früh damit begonnen, »Ukiyo-e«, »Bilder von der alltäglichen Welt«, zu sammeln, auszustellen und zu verkaufen.
Im Herbst 1887 eignete er sich das japanische Bildrepertoire
imitierend an, indem er von seinen eigenen Blättern Kopien anfertigte. Er nahm sich drei Motive der »Ukiyo-e« vor:
zwei Blätter Hiroshiges – die »Brücke im Regen« und den
»Blühenden Pflaumenbaum« – sowie eines von Kesai Eisen,
»Japonaiserie«, das den Titel des Japan-Sonderheftes von
»Paris illustré« zierte.
Als Van Gogh im Frühjahr 1888 in die Provence, in das »Japan des Südens« übersiedelte, waren seine ersten Gemälde
stark von seinen Vorstellungen des Inselstaates beeinflusst.
Die asiatischen Farbholzschnitte halfen ihm, in seiner
Malerei das Wesentliche zu erfassen und zu einer vereinfachten, stark farbigen Palette zu gelangen. »Meine ganze
Arbeit baut sich sozusagen auf den Japanern auf«, schreibt
er im Sommer aus Arles. Außer den »Rhonebarken«, die er
mit »echten Hokusai-Figuren« belebte, hatte van Gogh im
Frühjahr 1888 auch den »Sämann bei Sonnenuntergang«
gemalt, ein Hauptwerk seiner Japan-Begeisterung. Nach
dem Vorbild von Hiroshiges »Pflaumengarten von Kameido» wird das Bild von einem geneigten Baumstumpf beherrscht, der sich wie eine Kalligraphie in den Vordergrund
schiebt. Hinter der Silhouette des Sämanns strömen die
Farben der Landschaft zur riesigen, den Horizont berührenden Sonne. Durch den ungleichmäßigen Bildaufbau,
die fließende Bewegung und den Mut zu leeren Flächen
kam van Gogh der japanischen Kunst hier so nah wie nie
zuvor.
Der Maler konnte nicht verstehen, warum die Parallelen,
die er zwischen Japan und der Provence entdeckt hatte, andere Künstler nicht motivierten, sich ihm anzuschließen:
»Sieh mal: die japanische Malerei ist hochbeliebt, man lässt
sich davon beeinflussen, das ist allen Impressionisten gemein, und da sollte man nicht nach Japan gehen, […] sondern in den Süden.« Dass es seinen Zeitgenossen dennoch
gelang, das Potenzial der japanischen Kunst auszuschöpfen,
zeigen die Werke von Anquetin, Bernard und vor allem von
Paul Gauguin. Während Bernard nur sehr selektiv von der
japanischen Kunst profitierte, etwa die kräftigen Umrisslinien und die scharfen Diagonalen übernahm, war Gauguin
1888 regelrecht im Japan-Fieber. Er, der seine Ateliers mit
»Ukiyo-e« schmückte, gestaltete einen japanischen Fächer,
belebte seine Stillleben mit japanischen Objekten und fand
durch das Studium der asiatischen Bildästhetik endlich zu
einer Lösung seiner maltechnischen Probleme. Von nun an
arbeitete er mit großen, häufig geschwungenen und schwarz
umrandeten Flächen und ließ damit den Impressionismus
endgültig hinter sich.
Allmählich entwickelte sich in Paris ein florierender Markt
für japanische Farbholzschnitte. Neben der 1862 von
Madame Desoye eröffneten Galerie »La Jonque Chinoise«
K.WEST 10/2014 | 7
Der
entfesselte
Blick
in der Rue de Rivoli wurde nach 1878 das Geschäft des aus
Hamburg stammenden Keramikfabrikanten Siegfried Bing
zum Hauptumschlagplatz für fernöstliche Töpferkunst und
Holzschnitte. Mit seiner von 1888 an herausgegebenen Monatszeitschrift »Le Japon Artistique« und einer sensationellen Ausstellung japanischer Holzschnitte in der »Ecole des
Beaux-Arts« wurde er zur Schlüsselfigur des französischen
Japan-Kults. Rund um die Pariser Galerien bildete sich ein
lockerer Kreis von Japonisten, zu denen auch Claude Monet
gehörte.
Anders als seine Zeitgenossen war Monet fasziniert von
der japanischen Flora, sowohl von den damals noch unbekannten Pfingstrosen, Azaleen, Schwertlilien, fernöstlichem
Mohn und Chrysanthemen als auch von deren poetischer
Darstellung. Bei der Betrachtung des Holzschnitts »Päonie
und Schmetterling« schwärmte er: »Hokusai … Wie kraftvoll
seine Bilder sind! Schauen Sie sich nur den Schmetterling
an, wie er gegen den Wind kämpft.« Zur Vollendung seines
Traumes vom Fernen Osten ließ er 1893 in Giverny einen
von japanischen Pflanzen gerahmten Seerosenteich anlegen,
den eine von Hiroshige inspirierte Brücke überspannte. Die
zahlreichen Bilder seines Gartens mit ihren im Licht aufgelösten Seerosen muten noch heute wie moderne Visionen
des Japonismus an.
Um den »Japonisme« mit all seinen Facetten zu vermitteln,
zeigt die Essener Ausstellung auch Erzeugnisse der angewandten Kunst, schlichte Keramiken, schillernde Lackobjekte und Fächer sowie leuchtend-transparente Wandschirme,
die nicht nur Künstler wie Gallé, Rousseau und Carriès, sondern auch Degas, Bonnard, Denis und Vallotton inspirierten.
Die japanischen Objekte stammen dabei überwiegend aus
der Sammlung Osthaus, der seine Artefakte – wie die ausgestellten Künstler selbst – bei Siegfried Bing und beim Kunstkritiker Philippe Burty erworben hatte. Wie zuletzt in einer
Ausstellung vor 25 Jahren treten sie hier erstmals wieder in
einen inspirierenden Dialog mit Gemälden, Druckgrafiken
und Objekten der französischen Moderne. Erst die Auseinandersetzung mit japanischer Bild- und Farbästhetik ließ die
Maler ihre Meisterwerke schaffen.
Die Brüder Rasch und
ihre Impulse für die
moderne Architektur
25. Oktober 2014
bis 1. Februar 2015
INFO
Museum Folkwang, Essen
Bis 18. Januar 2015
Tel.: 0201 / 8845 000
www.museum-folkwang.de
Fon +49.5221.994430-0
www.marta-herford.de
gefördert durch die
Ausstellungssponsor
8 | KUNST–SPECIAL
KUNST
Wael Shawky, Cabaret Crusades: The Path to Cairo, 2012, HD Video, Farbe, Sound, ca. 61 Min., Videoausschnitt, Courtesy the artist and Sfeier-Semler Gallery,
Beirut / Hamburg, Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, erworben 2012. © Künstler, Foto: © Kunstsammlung NRW
AUS DEM LEBEN UND
STERBEN DER MARIONETTEN
TEXT: ANDREAS WILINK
Der ägyptische Künstler und Puppenspieler Wael Shawky
zeigt und produziert in der Kunstsammlung NRW seine
Videofilm-Trilogie zu den mittelalterlichen Kreuzzügen:
»Cabaret Crusades«.
Der Titel passt vorn und hinten nicht zusammen: »Cabaret« und »Crusades«. Der eine Begriff begegnet den Dingen mit Humor, ätzendem Witz
und vielleicht auch Lust an der Travestie, der andere ist ein Kampfbegriff. Wael Shawky findet eine unmögliche Symbiose. Die Kreuzzüge der
europäischen Ritter mit Christgottes Hilfe waren womöglich im Mittelalter das, was derzeit die IS-Verbände sind, die mit Feuer und Schwert
– stilisiert wie zu Zeiten des Propheten, indes mit Attributen der Videospiel-Ästhetik – das Kalifat errichten und die Ungläubigen massakrieren. Die Welt ist aus den Fugen, lautet die akute Diagnose mit Blick auf
die Konflikte, zumal denen im Nahen und Mittleren Osten.
Während der Westen die Kreuzzüge am ehesten noch aus dem Kino
oder, wenn es hoch kommt, aus Lessings Dramen-Parabel »Nathan der
Weise« kennt, ist dieser tausend Jahre alte Übergriff für das muslimische
Morgenland nicht im Legendären abgelegt, sondern eine Art »Urkatastrophe« und »Clash of the Civilizations«, womöglich sogar Legitimation
für die auch von Al-Qaida ausgesprochene Kriegserklärung.
Der 1971 in Alexandria geborene Ägypter Wael Shawky, der dort und
in Philadelphia Kunst studierte, hat als Filmemacher einen historischen,
therapeutischen und poetologischen Ansatz. Er spielt Geschichtsstoff
nach, genannt: re-enactment, und verknüpft unauflöslich die Fäden von
Kunst und Politik – im Screen-Marionettentheater. 2010 begann er mit
seiner Trilogie »Cabaret Crusades», deren insgesamt neunzigminütige
zwei Teile (»The Horror Show File«, 1095 bis 1099 und »The Path to
Cairo«, 1099 bis 1146) in Düsseldorf gezeigt und der dritte aktuell von
der Kunstsammlung NRW mitproduziert und im Atelier des SchmelaHauses vorbereitet wird. Einblick in die Filmwerkstatt Shawky gewinnt
man im Vorraum zu der Filmkabine, wo sich hinter Glas das Making-of
mit Protagonisten, Requisiten und Materialien ausbreitet.
Als Vorlage dient Shawky »Der Heilige Krieg der Barbaren« von Amin
Maalouf, ein Sachbuch aus den achtziger Jahren, das auf Quellen beruht,
die die arabische Sicht dokumentieren und das für die Invasion zur Befreiung Jerusalems nach der Synode von Clermont und dem Segen von
K.WEST 10/2014 | 9
Papst Urban II. weniger religiöse Motive, als ökonomische und naturgemäß machtpolitische Interessen unterstellt. Parallel zu den fränkischen
Heeren machte sich ein Volkskreuzzug mit Bauern, Frauen und Kindern
auf den Weg – zur Befreiung auch von den eigenen Sünden.
Sultan Saladins Aufforderung: »Schaut euch die Franken an! Seht, mit
welchem Eifer sie sich für ihre Religion schlagen, während wir Muslime
keinerlei Begeisterung für den Heiligen Krieg zeigen«, hat Wirkung gezeigt. Die Verhältnisse haben sich total verkehrt.
Die Filme in Shawkys Video-Installation, schon auf der Documenta 13
und in der Galerie KunstWerke Berlin zu sehen und überhaupt vom westlichen Kunstbetrieb nahezu postkolonial vereinnahmt, sehen weder aus
wie ein Indiana Jones-Abenteuer noch wie Ridley Scotts monumentales
»Königsreich der Himmel«. Wer an seine Kindheit und die »Augsburger Puppenkiste« denkt, hat nicht die falschen Assoziationen. Aber die
Puppen, die real an Fäden und im übertragenen Sinn an Strippen hängen
oder diese ziehen, die mit den Häuptern wackeln und ihre großen Augen
auf- und zuklappen, haben es in sich. Als Material Girls and Men sind
sie grundverschieden: historische Holzpuppen aus einer Turiner Sammlung in Teil I, Keramik-Marionetten aus dem südfranzösischen Aubagne in Teil II; während nun, in »The Secrets of Karbala«, dessen Titel sich
auf jene Schlacht im siebten Jahrhundert im Zentralirak bezieht, die zur
Trennung von Schiiten und Sunniten führte, filigrane Marionetten aus
Murano-Glas auftreten. Sie wurden von Shawky afrikanischen Skulpturen nachempfunden.
Der erste (kürzere) Teil ist filmischer, farbiger, vitaler, räumlicher, auch
lustiger (die alarmistische Brand-Rede von Papst Urban II. auf Arabisch
zu hören, statt in gesetztem Lateinisch) und deutlich fantasievoller, was
auch an der Vielfalt der prägnanten, geschnitzten Puppen-Physiognomien liegt, während die ziegenbärtigen Wiederkäuer-Gesichter aus Teil
II dann doch nur begrenzte Wirkung haben. Die in ihrem Ausdruck
zwischen Sanftmut und Tücke changierenden Halb- und Fabelwesen aus
Mensch und Tier – häufig langhalsige, maulige Kamel- oder dickköpfige
Katzen-Zwitter – sind deutlich als Artefakte definiert.
Natürlich haben sie auch die Rolle von Transformers, V-Effektlern und
Garanten der Fiktionalisierung. Die gemalte Szenerie von Teil II sieht
aus wie von Friedrich Hundertwasser entworfen oder, in ihren kubischen Häuser-Reihen, wie aufgeschnappt auf Macks Tunisreise oder importiert von Paul Klees »Roten und Weißen Kuppeln« oder seinem von
Dresden entliehenen »Sonnengold«-Bild, die ein paar Schritte weiter in
der Ausstellung über Max Slevogts und Klees ägyptische Reisen hängen;
indes wurden sie, laut Shawky, historischen Stadtplänen nachempfunden. Die Dialoge, Rezitativ und Chorpassagen, stammen aus Epen wie
dem Rolandslied, singsangend vorgetragen etwa von der Prinzessin Alice, Tochter des Balduin von Jerusalem, die gegen ihren Vater opponiert
und von ihm gefangen gesetzt wird.
Es ist überhaupt eine nach Nummernfolge gereihte, von trommelnden Rhythmen begleitete, nur scheinbar naiv nachgestellte Chronik
der Gewalttaten, tobender Aufstände, Brudermorde, Attentate, Intrigen, wechselnden Koalitionen und komplizierten Bündnisse und des
Verrats. Viele Nächte der langen Messer. Viel böses Blut, das wallt und
fließt zwischen Konstantinopel und Kairo, Mossul und Mekka, Damaskus und Bagdad, Aleppo und Jerusalem. Anders als das Gemetzel und
kannibalische Massaker von Antiochia 1098 und von Jerusalem 1099
durch die Kreuzfahrer, lässt Zengi, Sieger der Schlacht von Edessa 1144,
die Zivilbevölkerung am Leben. Was seine Ermordung nicht verhindert.
Shawky schafft mit einem Kunstgriff neue Bilder eines alten Krieges,
dessen Eigenschaften sich auch projizieren lassen auf Konflikte der
Gegenwart: »Was ist das für ein Gott, der für sich muß kämpfen lassen?«, heißt es im »Nathan«. Das hat Methode. In »Telematch Sadat«
(2007) etwa ließ der Ägypter Kinder in der für sie typischen anarchischen Tollerei wie aus der Rappelkiste heraus die Militärparade in Kairo
nachspielen, bei der Präsident Anwar as-Sadat 1981 vom Al-Dschihad
ermordet wurde, und inszeniert ebenso sein Begräbnis.
Shawkys Gesamtkunstwerke, in denen er Idee und Regie, Bühnenbild,
Musik und Licht verantwortet, unternehmen Zeitreisen zurück in die
Zukunft. Schamanismus, magisches Denken, moderne Technologie,
ideologiekritisches Bewusstsein und artifizielle Verspieltheit mischen
sich darin.
INFO
»Cabaret Crusades« bis 4. Januar 2015
Kunstsammlung NRW, Grabbeplatz
www.kunstsammlung.de
10 | KUNST–SPECIAL
DER FILZMANN IM HOTELBETT
TEXT: KATJA BEHRENS
Denise Winter: W_Grafik2014i02, 2014. Kunstmsueum Gelsenkirchen.
In der städteübergreifenden Ausstellung »Ruhr Kunst
Szene 2014« geben zehn Museen Einblick in künstlerische Schöpfungen des Reviers. Newcomer stehen
neben prominenten Künstlern, deren Entwicklung in
der Region begann.
Hellgrau, dunkelgrau, schmutziges Weiß. Eine klobige, triste Betonwelt.
Charlotte Moth hat sie eingefangen in »The story of a different thought«
– einer filmischen Collage aus Fotos und allerlei anderem Material. Impressionen aus dem Marl der 60er Jahre, als das Zentrum der Ruhrgebietsstadt auf eine vermeintlich hoffnungsvolle Zukunft hin gebaut wurde. Geblieben ist nur die Erinnerung an jene Hoffnungen. Sie wird nun
in einer Einzelausstellung wachgerufen, die das Skulpturenmuseum
Glaskasten Marl der britischen Video-Künstlerin widmet.
Die Moth-Präsentation ist Teil des Projekts »Ruhr Kunst Szene 2014«
Zehn Museen in neun Städten unternehmen einen Rundumblick und
betrachten 50 Positionen aktueller Kunst, die in irgendeiner Weise für
die Region bedeutsam waren und sind.
K.WEST 10/2014 | 11
Dabei ergibt sich eine interessante Mischung: Neben eher unbekannten
gehören auch prominente Ruhrgebiets-Künstler dazu wie Christoph
Schlingensief, Martin Kippenberger, Timm Rautert. Oder der Grafikdesigner Anton Stankowski, von dem das Kunstmuseum Gelsenkirchen
in der Ausstellung »Fotoaugen« weitgehend unbekannte Arbeiten präsentiert – Fotografien, die der 1906 geborene Künstler in den 1920er
und 30er Jahren im Ruhrgebiet gemacht hat.
Die Aufnahmen mögen mit ihrer gewagten Aufsicht, den dramatischen
Schatten und den beiläufigen Motiven an die älteren Fotografen-Kollegen wie Moholy-Nagy oder Umbo erinnern, ihre stilbildende Ästhetik
indes lässt sich nicht leugnen.
Neben Stankowski sind in Gelsenkirchen Arbeiten dreier heute tätiger
Fotografen aus der Region zu sehen: Luftaufnahmen von Hans Blossey,
experimentelle Fotografie vom Gelsenkirchener Peter Buchwald sowie
fotografische und installative Arbeiten der Dortmunderin Denise Winter, die räumliche Strukturen untersucht.
Ebenfalls eine Gruppenausstellung bietet das Kunstmuseum Bochum
und fragt unter dem Titel »Neue Heimat Ruhrgebiet« nach den »vielfältigen künstlerischen Identitäten« dort. Es geht um die Impulse der aus
dem Ausland stammenden Künstler, die in der Region eine neue Heimat
gefunden haben.
Das Duisburger Museum DKM versammelt in den »Duisburger Perspektiven« so unterschiedliche Künstler wie die Lyrikerin und Multimediaexpertin Barbara Köhler, die Bildhauerin Yevgeniya Safronova oder den
Fotografen Timm Rautert. Der reiste vor 40 Jahren in die USA zu den
Glaubensgemeinschaften der Amish und der Hutterer, um mehr über
deren strenges Leben nach den Zehn Geboten und das Bilderverbot der
Bibel zu lernen – und das ein oder andere Doku-Bild dafür zu finden.
Um Andersartigkeit kümmert sich auch das Kunstmuseum Mülheim an
der Ruhr, genauer um den »subversiven Geist«. So heißt die Ausstellung
mit Fotografien, Filmen, Aktionen und Installationen, in denen bestehende Ordnungssysteme und die medialen Grenzen der Kunst fröhlich
ignoriert und lustvoll ausgereizt werden. Dieser Geist inszeniert und verwandelt sich gern und ist mitunter sogar höchst trivial.
Der in Dortmund geborene Alexander Braun etwa zeigt in Mülheim Fotografien und Videotakes aus »Endymion« – ein auf Lebenszeit angelegtes Serien-Projekt, in dem sich der Multimedia-Künstler als vermummter Filzmann im Bett eines jeden Hotels inszeniert, das er auf seinen
Reisen um die Welt besucht. Inzwischen ist er bei Szene 134 angelangt.
Die »Ruhr Kunst Szene 2014« ist ein weiteres gelungenes Kapitel in jener
Kooperation, die im Jahr 2010 begann: Als mit dem Ruhrgebiet eine
ganze Region zur Kulturhauptstadt Europas erklärt wurde, haben sich
20 Museen der Kulturmetropole Ruhr zusammengeschlossen, um ihre
herausragenden Sammlungen moderner und zeitgenössischer, europäischer und außereuropäischer, freier und angewandter Kunst stärker
zu vernetzen. Der Startschuss für eine ambitionierte Zusammenarbeit.
Seither ist einiges gelaufen zwischen Hamm und Duisburg, Bochum, Hagen und Marl, zwischen Dortmund und Oberhausen, Essen und Bottrop.
Zu den gemeinsamen Unternehmungen zählt auch »Public Art Ruhr«.
Das Projekt kümmert sich um die Sichtbarmachung der (allerorts vorhandenen) Kunst im öffentlichen Raum. Kürzlich erst wurde die große
Stahlskulptur »Terminal« von Richard Serra am Bochumer Hauptbahnhof restauriert und wieder zugänglich gemacht. Ebenso Johannes Brus’
»Nashorn-Tempel« in Essen oder Wolf Vostells große Raumskulptur
»La Tortuga« in Marl. Nur weiter so!
Thomas Schweigert: ruhrnatur., 2014. © Thomas Schweigert.
Ludwig Galerie Schloss Oberhausen.
INFO
www.ruhrkunstmuseen.com/ruhr-kunst-szene
JIM DINE —
MY TOOLS
19.9.2014 — 8.2.2015
DIE PHOTOGRAPHISCHE SAMMLUNG
Photo: Jim Dine: Red Morandi, 2010 © Jim Dine; VG Bild-Kunst, Bonn, 2014
SK Stiftung Kultur
Im Mediapark 7, 50670 Köln, Tel. 0221888 95-300 · www.sk-kultur.de
täglich außer Mittwoch, 14 bis 19 Uhr, Montag freier Eintritt
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21.07.14 15:15
12 | KUNST–SPECIAL
EIN AFFE IM ORNAT
UND DELACROIX
AUF DEM KÜHLER
Tom Schmelzer: homo bulla or the sacred baboon, Installationsansicht. Courtesy Galerie White Trash Contemporary, Hamburg
In Köln hält die zwölfte Ausgabe der Art Fair die
Hemmschwellen niedrig und bietet für jeden etwas.
Da schreitet er einher – ehrenvoll auf dem roten Teppich. Einen Brokatmantel hat er dabei, die Mitra sitzt ordentlich auf seinem Kopf, und das
Kreuz an der Kette hängt vor der Brust. Aber die ist voller Haare, und es
ist auch kein Bischof, der da Einzug hält in die Kölner Messehallen. Sondern ein präparierter Pavian. Tom Schmelzer hat das Tier so artfremd
herausgeputzt für den großen Auftritt bei der Art Fair, deren zwölfte
Ausgabe Ende Oktober erstmals in den Hallen 1 und 2 mit rund hundert
Ausstellern über die Bühne geht.
Einen witzigen Anblick bietet Schmelzers Pavian, etwas respektlos,
vielleicht ein wenig aufdringlich. Aber ist das wirklich alles, was er zu
bieten hat? Nein, mit Schmunzeln ist es nicht getan. Denn der Künstler befrachtet seine Installation namens »Homo Bulla« mit allerhand
Bedeutung: Als er den Affen ins Ornat steckte, dachte er an den Erzbischof von Canterbury, der erst 2008 die Lehren von Charles Darwin
anerkannte. Und als er dem Tier dann noch eine Seifenblasenmaschine
in die Hand drückte, schwebte ihm die vor allem im Barock als VanitasSymbol verbreitete Kristall-Kugel vor.
Ohne Zweifel eignet sich das künstlerische Ergebnis am Stand der Hamburger Galerie White Trash Contemporary gut, um Aufmerksamkeit zu
wecken im Getümmel der Art Fair, die sich nach mehr als zehn Jahren
fest etabliert hat als munterer Mitspieler neben den gesetzteren großen
Schwestern in Köln – Art Cologne und Cologne Fine Art. Mit einem
Konzept, das viel Wert darauf legt, Hemmschwellen zu senken und
wirklich für jeden etwas zu bieten. Von besserem Kunst Klimbim, über
den verkleideten Pavian reicht das Angebot bis zur zeitgenössischen
Prominenz, die sich etwa mit Größen wie Otto Piene, Georg Baselitz
oder Sigmar Polke am Stand der Münchner Galerie Terminus einfindet.
Gut ins gemischte Programm fügt sich Andreas Klöpsch, der bei Ponyhof
Artclub seine Malerei-Zitate auf alten Motorhauben präsentiert: Eugène
Delacroix’ »La Liberté« lässt der Künstler da etwa auf dem Blech der Marke Mercedes in ganz neuem Licht erstrahlen. Oder auch Carole Feuerman,
deren hyperrealistische Skulpturen im Aufgebot von Hübner & Hübner
aus Frankfurt irritieren könnten. Setzt die amerikanische Künstlerin doch
einigen Ehrgeiz daran, ihre meist weiblichen und oft knapp bekleideten
Figuren möglichst lebensecht ausschauen zu lassen: Perfektion spricht
hier aus allen Poren und aus jeder Faser. Egal ob die Figuren mit beiden
Beinen auf dem Boden stehen, ob sie als Büste auf dem Sockel thronen
oder mit unterschiedlichen Körperteilen aus der Wand ragen.
Ein konstruktives Gegengewicht finden die Büsten und Bäuche in
Skulpturen und Wandarbeiten, die Borchardt mit nach Köln bringt. Die
Hamburger Galerie hat sich mit ihrem Programm auf dem Grenzgebiet
zwischen Kunst und Architektur eingerichtet und setzt bei ihrem Art FairAuftritt ganz auf Heiko Zahlmann. In der Graffiti-Szene groß geworden,
hat der Hamburger sich vor allem mit Arbeiten im öffentlichen Raum seiner Heimatstadt hervorgetan: 1999 schaffte er es mit seinem Wandbild
an einem Kirchturm in Hamburg Lohbrügge gar ins »Guinness-Buch der
Rekorde« – für das mit 38 Metern höchste Graffito.
Zwei Jahre später gestaltete Zahlmann die 2.000 Quadratmeter großen
Docks der Werft Blohm & Voss im Hamburger Hafen. Inzwischen ist er
vom grellbunten Nebel aus der Dose auf oft monochrome Abstraktionen
umgeschwenkt. Bei der Art Fair gestaltet er nicht nur die Koje, sondern
noch dazu die Wände des Restaurants.
Pavian mit Mitra, täuschend echte Damen, Delacroix auf der Motorhaube – wem das alles nicht reicht, wer tatsächlich noch mehr Abwechslung
sucht, der mag sich in der Messe-Sektion »Blooom« auf dem weiten Feld
der kreativen Randbereiche umtun und zwischen Mode, Straßenkunst,
Computerspielen noch mehr Entdeckungen machen.
Neueste Produktionen auf diesem Gebiet kürt alljährlich der »BloomAward«. Diesmal haben immerhin 1200 junge Kreative ihre Arbeiten
eingereicht. Die zehn besten sind im Rahmen einer Sonderausstellung
auf der »Bloom« zu bewundern. | stst
INFO
24. bis 27. Oktober 2014.Koelnmesse Halle 1 & 2.
www.art-fair.de
Unter den Linden 13/15
10117 Berlin
Täglich 10 – 20 Uhr
Montags Eintritt frei
deutsche-bank-kunsthalle.de
In
Kooperation
mit
Meschac
Gaba
Meschac Gaba
Architecture Room (Detail), aus
Museum of Contemporary African Art
1997– 2002
Installationsaufnahme Tate Modern,
3. Juli – 22. September 2013
© VG Bild-Kunst, Bonn 2014
14 | KUNST–SPECIAL
KUNST
STATT
KOHLE
Seit 2006 holt die Contemporary Art Ruhr den Kunstmarkt ins Revier. Mit allem drum und dran: Galerien,
Institutionen, ausgewählten Talenten und internationalen Szene-Spezialitäten.
Alle reden von Köln und Düsseldorf. Doch hat auch das Ruhrgebiet seinen Kunstmarkt: Zwischen Duisburg und Dortmund finden sich nicht
wenige Galerien. Und seit 2006 gibt es auch eine Messe, die unter dem
Label Contemporary Art Ruhr, kurz C.A.R., mit gleich zwei Veranstaltungen im Jahr auf die Zeche Zollverein nach Essen lockt. Im Sommer
konzentriert sich das Programm dort ganz auf Medienkunst, im Herbst
werden dann alle Bereiche der zeitgenössischen Kunst bedient – so auch
diesen Oktober. Stark sind die Galerien und Institutionen der Umgebung vertreten, hinzu kommen überregionale Aussteller, und aufgelockert wird das Ganze durch internationale Akzente.
So holt sich die C.A.R. wie schon beim letzten Mal rumänische Verstärkung ins Haus. Um die vierzig Teilnehmer machen bekannt mit einer
Kunstszene, von der man hierzulande bisher wenig gehört und gesehen
hat. Doch gibt es auch Aussteller, die von noch weiter her anreisen: Ein
ganze Hand voll kommt aus Seoul, um Zeitgenössisches made in Südkorea unters Kunst-Volk im Revier zu bringen. Für internationale Abwechslung sorgen außerdem die Wiesbadener Galerie Wang Hohmann
mit ihrem Schwerpunkt ebenfalls auf Ostasiatischem oder auch die
Galerie Smart Art Company aus Durbach im Schwarzwald, die aktuelle
Positionen aus Indien präsentiert.
Spannung verspricht auch das Messeaufgebot der Hamburger Galerie
Hoeppner. Da begegnet man dem 1959 in China geborenen und seit
dreißig Jahren in Deutschland lebenden Shan Fan und einer Kunst, in
die beides einfließt: Chinesische Tradition und europäische Moderne.
Die klassische Bambusmalerei, die Shan Fan in seiner Heimat studiert
hatte, erscheint hier mit Öl ins europäische Großformat übersetzt.
Bestimmt nicht weniger beeindrucken dürften die Aufnahmen von Olaf
Otto Becker in Hoeppners Angebot. Ist der Münchner Fotograf doch
bekannt für seine atemberaubenden Landschaftsbilder. Aufgenommen
mit einer schweren, absolut unhandlichen Plattenkamera auf teils abenteuerlichen Touren zum Beispiel über die Eismeere Grönlands oder auf
Wanderungen quer durch die raue Welt Islands. Dabei will Beckers fotografischer Blick auf die Natur nicht allein deren Schönheit enthüllen.
Immer wieder nimmt der Fotograf auch die vom Menschen herbeigeführten, oft erschreckenden Veränderungen ins Visier.
Wem das zu viel der Besinnlichkeit ist, der mag zur Abwechslung am Stand
der Galerie Art-Eck aus Solingen vorbeischauen, wo der Kölner Thomas
Baumgärtel sein gelbes Unwesen treibt – besser bekannt wohl als »Bananensprayer«. An 4000 Kunstorten im In- und Ausland hat er sein gebogenes
Markenzeichen in den vergangenen Jahren hinterlassen. Zu den jüngeren,
Olaf Otto Becker: Melville Bay,2009. Galerie Hoeppner, Hamburg
ziemlich umstrittenen Früchtchen aus Baumgärtels Zucht zählte die mit
Kreidespray an den Kölner Dom gesprühte »Friedensbanane«.
Am Rande des kommerziellen Treibens kommen auf Zollverein junge
Künstler zum Zuge. Wie jedes Jahr sind es drei ausgewählte Positionen,
denen im Rahmen des »Künstlerprogramms Ruhr« der Karrierestart erleichtert werden soll. Janina Simone Kulcsar, in Essen zu Hause, präsentiert sich auf der »Förderfläche« mit zwei neueren Werkgruppen. Ihre
dreiteilige Arbeit »Feldpost« geht fotografisch und verfremdend mit den
Briefen im Zweiten Weltkrieg gefallener Soldaten um. Und in der fotografische Serie »entgeistert« beschreibt Kulcsar ganz fremde Wesen,
geisterhafte Gestalten, die sich in nebelhafte Landschaften eingeschlichen haben. Dabei verzichtet sie auf digitale Manipulationen, alles ist
analog konstruiert.
Etwas rätselhaft wirken auch die Fotografien des in Dortmund lebenden
Koreaners Youngwoong Yoon, die ach so Vertrautes in ungewohnte Zusammenhänge bringen. Das Lattenrost etwa: Ohne Bettrahmen und Matratze
hängt es einfach so an Schnüren zwischen den Schlafzimmer-Wänden.
Noch hat es Kulcsar und Yoon nicht in die weite Kunstwelt gezogen. Noch
leben und arbeiten sie im Revier. Doch wie lange noch? Die Veranstalter
der C.A.R. wollen jedenfalls der grassierenden Abwanderung von Künstlern und Kreativen entgegenwirken und starten deshalb in diesem Jahr ein
neues Projekt, das die »Kreativwirtschaft in der Ruhr-Region« vernetzen
soll. Ob das hilft? Ob künftig nicht mehr alle bloß von Köln und Düsseldorf reden werden, wenn es um Kunstmarkt und -szene in NRW geht?
Sondern vielleicht auch einmal von Essen, Dortmund, Bochum, Duisburg, Oberhausen? Man wird sehen. | stst
INFO
24. bis 26. Oktober. Welterbe Zollverein, Essen.
www.contemporaryartruhr.de
27. Aug - 2. Nov 2014
KZ- KAMPF - KUNST
BORIS LURIE: No!Art
Provozierend, verstörend, kämpferisch
Die Kunst eines Überlebenden der Shoah
Die erste große Gesamtschau zu Luries Werk
www.nsdok.de
Eine Ausstellung des NS-Dokumentationszentrums der Stadt Köln
und der BORIS LURIE ART FOUNDATION im
EL-DE-Haus | Appellhofplatz 23-25 | 50667 Köln
16 | KUNST–SPECIAL
ZWEI DADA-FREUNDE,
EIN GAGA-GEIST
TEXT: STEFANIE STADEL
Hans Arp mit »Ptolemäus I«, Venedig, Juni 1954. Arp Fondazione Marguerite Arp, Locarno. Max Ernst mit seiner Bronze »The King playing
with the Queen«, Venedig, Juni 1954. © akg-images / Archivio Cameraphoto Epoche, Fotos: Dino Jarach.
Vor hundert Jahren schlossen Max Ernst und Hans Arp ihren Freundschaftspakt fürs Leben.
Brühl und Rolandseck lassen die alte Allianz nun aufleben in einer Doppelausstellung, die
allerhand zusammenbringt: Fotos, Dokumente, Kunstwerke von jedem Einzelnen, aber
auch von beiden zusammen. So werden etliche Gemeinsamkeiten sichtbar, aber ebenso
entscheidende Unterschiede im Schaffen der Künstlergrößen.
Er bewunderte das schöne, geistvolle Gesicht des Fremden und seine
höflichen Manieren. Damals, 1914 in der Kunstgalerie von Otto Feldmann, zwischen Gemälden von Cézanne, Derain, Braque, Picasso, begegnete Max Ernst diesem Mann zum ersten Mal. Und beobachtete,
wie er »mit der Sanftmut eines Franziskaners« versuchte, einem »alten
Schwachkopf« die Schönheit der modernen Malerei zu erklären. Wer
Ernst so auffiel, war der Kollege Hans Arp, der – aus Zürich nach Köln
gekommen – ihn schon bei diesem ersten zufälligen Aufeinandertreffen
durch sein Wesen und noch mehr wohl durch seine Worte faszinierte.
Während der »Schwachkopf«, vor Wut schäumend, die Ausstellung bei
Feldmann bald verließ, nahmen Ernst, damals 23 Jahre jung, und der
fünf Jahre ältere Arp sich an der Hand und schlossen einen »Freundschaftspakt« – dermaßen fest und stark, dass er viele Jahrzehnte überdauerte. So zumindest überliefert Ernst die schöne Geschichte in seinen
»Rheinischen Erinnerungen«. Hundert Jahre liegt der erste Händedruck
zwischen den beiden nun zurück. Brühl und sein Max Ernst-Museum
nehmen das runde Jubiläum zum Anlass, die alte Künstler-Allianz mit
viel wissenschaftlichem Elan unter die Lupe zu nehmen, und finden dabei 40 Kilometer flussaufwärts einen idealen Partner im Arp-Museum
auf den Rheinhöhen bei Remagen.
Was schweißte die zwei Dada-Pioniere zusammen? Wo kreuzten sich die
Lebenswege? Wie dachte man über den Kollegen? Und, ganz wichtig, wie
K.WEST 10/2014 | 17
gestaltete sich der kreative Output dieses Künstlerpakts? Außerdem: Was
stellten die Freunde sonst noch gemeinsam an? Und welche Kunstwerke besaß der eine vom anderen? Alle möglichen Stränge werden in der
Doppelausstellung verfolgt, über die spannenden Anfänge in der DadaZeit hinaus bis zum großen Erfolg der beiden Künstler bei der Biennale
in Venedig 1954 und noch weiter. Dabei kommt in Brühl Arp groß heraus, umgekehrt Ernst in Rolandseck. Und der dicke gemeinsame Katalog
kümmert sich um die wissenschaftlichen Grundlagen. Zum Beispiel in
der eigens für diesen Anlass erarbeiteten Doppelbiografie, die ein stabiles
Fakten-Gerüst liefert.
Für das Jahr 1914 erfährt man da von einigen Treffen unmittelbar nach
der denkwürdigen Begegnung bei Otto Feldmann. Arp habe bei diesen
Gelegenheiten seine ersten Gedichte vorgelesen und Ernst damit mächtig beeindruckt: »Es war großartig, es war der Surrealismus in Vorankündigung«. Mit dem nahenden Weltkrieg trennten sich dann aber die
Lebenswege. Arp stieg in den letzten Zug nach Paris, entging so der Mobilisierung. Und Ernst bereute noch lange, dass er es ihm nicht gleich
getan hatte. Zunächst herrschte nun Funkstille. Erst als der Freund 1920
zu einem längeren Aufenthalt in Köln eintraf, hörte man Ernst wieder
frohlocken: »Der Arp ist da!«.
Es beginnt nun eine Phase fruchtbarer Zusammenarbeit. Ihren Niederschlag findet sie etwa in den wunderbaren Text-Bild-Konglomeraten der
»Fatagagas«. Im visuellen Teil fügt Ernst fotografische Fundstücke in fantastischen Traumlandschaften zueinander. Da sieht man kopflose Männer,
die dem Wasser entsteigen und gen Himmel streben. Schwebende Fische
und ein Schiff, dessen Bauch dem Querschnitt durch einen Käfer gleicht.
Ein fotografisches Porträt zeigt den jungen Ernst, wie er seinen Arm sanft
um eine elegant gekleidete Figur mit hautlosem Haupt legt.
Im Umfeld der beiden Künstler finden diese Arbeiten kaum ihresgleichen.
Während etwa die Berliner Dadaisten die Fotografie und ihre Montage gezielt dazu nutzten, ihrer Kunst einen aktuellen Anstrich zu geben, führen
Ernst und Arp mit ihren »Fatagagas« aus dem Hier und Jetzt hinaus in
Traumwelten. Noch dazu verschleiern sie die Kennzeichen der gewöhnlichen Klebebilder. Nicht als originale Fotomontage oder Collage sollten
diese Bilder betrachtet werden, sondern in reproduzierter, quasi entmaterialisierter, unendlich multiplizierbarer Form – auf Fotos, Postkarten,
in Druckerzeugnissen. Untrennbar verbunden mit den nicht weniger
verrückten »Fatagaga«-Texten, die Arp beisteuerte. Beides zusammen bil-
Hans Arp: Idole (Idol), 1950. Museum moderner Kunst, Stiftung Ludwig, Wien.
© VG Bild-Kunst, Bonn 2014.
18 | KUNST–SPECIAL
Max Ernst: Ils sont restés trop longtemps dans la forêt (Sie haben
zu lange im Walde geschlafen), um 1926. Stiftung Saarländischer
Kulturbesitz, Saarlandmuseum Saarbrücken. Foto: Carsten Clüsserath
det eine Einheit und gleichzeitig ein Novum in der Kunst. Weil es alte
Kategorien wie Stil, Handschrift, Autorschaft aus dem Weg räumt. Weil es
Gattungsgrenzen sprengt und das kostbare »Original« vom Sockel stößt.
Bald nach dem Ersten Weltkrieg kam auch der internationale Austausch
zu avantgardistisch gesinnten Zeitgenossen wieder in Gang. Und um
sich einen Namen zu machen in der Pariser Szene, betrieben Arp und
Ernst gegenseitig Publicity in eigener Sache: In eigener Manier wortreich verworren formuliert Arp etwa seine Hommage auf den »Dadamax«: »Schon von kindesbeinen an steigen aus seinem mund riesengroße köpfe aus bunter luft«, so heißt es da unter anderem. Und weiter:
»im leeren verbinden sie sich mit dünnen fäden und netzen untereinander. aus ihnen sinkt das menschliche großherz humorvoll durch einen
schlauch...«. Ernst indes charakterisiert den Kollegen im pseudowissenschaftlichen grafischen Querschnitt mit dem Maßstab 1 zu 25.000.
Der eine dem Wort zugetan, der andere mehr aufs Bebildern aus – bei
diesen Vorlieben wird es bleiben. Auch wenn die beiden Mitte der
1920er Jahre ihre eigene fabelhafte »Histoire Naturelle« erfinden, ist
Ernst für den bildkünstlerischen Part zuständig, während Arp das verzwickte Vorwort liefert. Wie schon bei den »Fatagagas« gehört beides
untrennbar zusammen. Ernst verglich es mit einer Collage und beschrieb den Vorgang als »Verschmelzung der Gedanken von zwei oder
mehr Autoren in einem einzigen Werk«.
Ernst und Arp landeten mit dieser etwas anderen Naturgeschichte einen Volltreffer in Pariser Surrealisten-Kreisen. Vor allem die künstlerische Technik der Frottage wurde dort als adäquate bildkünstlerische
Antwort auf die von André Breton und Konsorten propagierte und bis
dahin vor allem in der Dichtung realisierte Idee des Automatismus erkannt. Ernst überträgt dabei unterschiedliche Oberflächenstrukturen
– von Holzbrettern etwa, von Strohgeflechten, Drahtgittern oder verputzten Wänden – aufs Blatt Papier, indem er sie mit Bleistift durchreibt.
Die Ergebnisse provozieren dann Visionen, die Ernst ausgedeutet und
fixiert. Aus der Maserung der Zaunlatte schält sich beispielsweise ein
fantastisches Vogelwesen, und in der Struktur genarbten Leders kommt
eine Art Nashorn zum Vorschein.
Die Doppelausstellung breitet all das jetzt aus – in Brühl wie in Rolandseck. Grafiken, Bücher, Briefe, Fotos erzählen von gemeinsamen Interessen, Freunden, Projekten, vom Arbeiten Hand in Hand. Sie belegen etliche
Parallelen und Kreuzungspunkte im Leben, Denken, Schaffen der beiden.
Doch schärft das Miteinander auch den Blick für entscheidende Unterschiede: Arps Werk scheint von einer gewissen Naturmystik geprägt, vom
Streben, zum Kern des Lebens vorzudringen. Und während er in seinen organischen Gebilden versucht, Natur, Wachstum, Metamorphose zu fassen,
reicht Ernsts bildnerischer Kosmos viel weiter – bis in entlegenste Traumsphären, die er mit immer neuen künstlerischen Techniken erobert.
Hier der unerschöpfliche Fantasiequell Ernst, dort Arp, der Sprachschwall sondergleichen. Auch wenn der Dialog zwischen beiden über
Jahre zum Erliegen kommt – die gegenseitige Hochachtung bleibt. Und
findet etwa 1944 ihren Ausdruck in Ernsts Vorwort im Katalog zu Arps
Ausstellung bei Peggy Guggenheim in New York. Da bejubelt der Autor
und Freund den »Jahrhundertkünstler«: »Arps weiche halborganische
Formen, seine amöbenhaften Anspielungen auf Schnurrbärte, Handschuhe, Vorhemden, Nabel-Flaschen ….« Denn sie seien, so Ernst, »viel
zwingender, viel aufschlussreicher als reale Schnurrbärte, Handschuhe
und so weiter. Für uns haben sie eine viel vertrautere, viel betörendere
Sprache. Sie führen uns in das verlorene Paradies zurück. Sie lehren uns,
eben die Sprache zu verstehen, die das Universum spricht.«
In weiten Teilen gestaltet sich das vielschichte Freundschafts-Puzzle in
Brühl und Rolandseck mit Grafik, Fotos, Dokumenten recht kleinteilig.
Kapitale Stücke lassen sich mit Blick zur Biennale nach Venedig einbringen, wo beide 1954 einen Großen Preis entgegennehmen – Ernst
für Malerei und Arp für Skulptur. Die begleitenden Auftritte der Künstler im Palazzo Centrale werden in den Ausstellungen so gut es geht rekonstruiert. Bei Ernst ist das nicht leicht, weil er in Venedig eine ganze
Reihe kapitaler Gemälde aufgefahren hatte, die heute schwer zu entleihen sind. Ziemlich gut funktioniert es aber bei Arp, dessen BiennalePräsentation in Brühl beinahe lückenlos auflebt – ein Höhepunkt der
Schau dort. Rolandseck kann dagegen mit vielen Ernst-Werken punkten, die sich in der Sammlung des Freundes befanden.
Das rheinische Doppel ist keine echte Premiere. Bereits 1960 hatten
Hein und Eva Stüncke in ihrer Kölner Galerie »Der Spiegel« ein kleines Tête-à-Tête der Künstler arrangiert. Gern hätten die alten Freunde
sich dort getroffen. Doch Arp war erkrankt. Und Ernst bekundete seine
Enttäuschung auf einer Postkarte nach Locarno, dem Domizil des Weggefährten: »Wo ist der Arp? Der Arp ist nicht da. Oje! Der Arp ist nicht
da! Wo bleibt der Arp?«
INFO
Max Ernst-Museum, Brühl. 27. September 2014 bis 22. Februar 2015.
Tel.: 02232 / 57930, www.maxernstmuseum.lvr.de
Arp-Museum, Remagen. 28. September 2014 bis 22. Februar 2015.
Tel.: 02228 / 94250, www.arpmuseum.org
Rijks museum
Modern Times
20th century photography
Exhibition sponsor
John Gutmann, Class, Olympic High Diving Champion, san Francisco, 1936 | Acquisition with the support of Baker & Mckenzie
1 November 2014–11 January 2015
20 | KUNST–SPECIAL
LIEB ODER BÖSE? TOT ODER LEBENDIG?
TEXT: STEFANIE STADEL
Ihre Kunst hat viele Gesichter. Zu bewundern
sind sie jetzt in Marlene Dumas’ großer Werkschau. Das Stedelijk Museum in Amsterdam
vereint rund 200 Zeichnungen und Gemälde,
sie überblicken dort das Schaffen seit den
1970er Jahren. Man trifft auf Babys und malende
Mädchen, Witwen und weinende Filmstars,
Supermodels, Geisteskranke, Lebende und Tote.
Schön und schaurig zugleich. Es ist ein Kosmos von Körpern und Gesichtern, der tausend
Rätsel aufgibt.
Marlene Dumas: The Painter, 1994. The Museum of Modern Art, New York. Fractional and
promised gift of Martin and Rebecca Eisenberg, 2005. © Marlene Dumas. Foto: Peter Cox.
Das kleine Mädchen schaut finster drein. Ist es misstrauisch, unsicher? Hat es Angst? Vor wem? Warum klebt Blut
an seiner Hand? Hat es am Ende selbst etwas Schlimmes angestellt? Ein rundherum ungutes Gefühl stellt sich ein mit
Blick auf das Kind mit dem merkwürdig fahlen Teint. Man
ahnt Böses, beginnt zu rätseln – wie so oft, wenn man sich
einem von Marlene Dumas’ Menschenbildern gegenüber
sieht. Diesmal mag der unverfängliche Titel das Unbehagen lindern: »The Painter« steht auf dem Schildchen neben
dem überlebensgroßen Gemälde von 1994, »Der Maler«.
Ach so! Die Kleine hat gemalt, deshalb sind ihre Händchen
violett-schwarz und blutrot verschmiert. Sicher macht es sie
wütend, dass man ungefragt die Kamera auf sie richtet, so
nackt und so schmutzig wie sie ist.
Es war ein Schnappschuss der eigenen Tochter, den Marlene
Dumas zum Anlass nahm für jene ganz persönliche Allegorie eines Malers. Helena hatte sich beim Baden selbst angemalt. Ein denkbar harmloser Hintergrund – bei genauerem
Hinsehen ändert er aber kaum etwas an der Ambivalenz
und Vieldeutigkeit dieser malerischen Umsetzung.
Gerade deshalb macht sich das Bild wohl so gut auf dem Katalog zu Marlene Dumas’ großer Retrospektive, die Amsterdams Stedelijk Museum der 61-Jährigen jetzt widmet – endlich, möchte man hinzufügen. Denn sie war überfällig. Seit
mehr als 20 Jahren hatte Dumas keine Einzelausstellung in
den Niederlanden, obwohl die gebürtige Südafrikanerin vor
langer Zeit schon ihre Wahlheimat hier fand. Und seither
eine ansehnliche Karriere hingelegt hat: Zwei Teilnahmen an
der Documenta kann sie verbuchen, 1995 vertrat sie Holland
auf der Biennale in Venedig. Und zur Zeit ist sie auf der Manifesta in Sankt Petersburg präsent mit einer kleinen Galerie
homosexueller Berühmtheiten. Von Peter Tschaikowski bis
zum Computer-Erfinder Alan Turing – unüberhörbar spricht
aus diesen Porträts Dumas’ Kritik an der russischen Regierung und ihren homophoben Gesetzen.
Nun kommt sie also auch in ihrer Heimat groß heraus,
ganz groß – mit der europaweit bisher umfassendsten
Werkschau. Rund 200 Gemälde und Zeichnungen über-
K.WEST 10/2014 | 21
blicken im Stedelijk Museum Dumas’ Schaffen seit den
70ern, als die Künstlerin nach Amsterdam kam und blieb
– zunächst um ihr Studium fortzusetzen und Werke europäischer und amerikanischer Zeitgenossen im Original
kennen zu lernen. Aus jener Zeit stammt eine ganze Reihe
von Zeichnungen, die sich manchmal Menschen, aber damals auch noch allerhand anderen Sujets widmen. Topfpflanzen zum Beispiel: Die Bleistiftskizze einer stattlichen
Sansevieria mit dem Titel »I Won’t Have a Potplant« ist
sicher als Antwort auf die in den Niederlanden verbreitete
Fensterbankbegrünung zu verstehen.
Es dauerte jedoch nicht lang, bis die junge Künstlerin ihr ureigenes Erfolgs-Thema gefunden hatte, die »Potplants« beiseite
schob und sich in unterschiedlichen künstlerischen Techniken
dem Menschen näherte – seinem Gesicht und seinem Körper,
seinen Ängsten und Abgründen, seiner Verletzlichkeit. In Bildern, die mit ihrer Präsenz oft verstörend wirken.
Umso mehr könnte einen wundern, dass Dumas bei der
Arbeit das Auge-in-Auge mit ihren Modellen meidet. Auch
wenn es so scheinen mag – ihre Menschenbilder sind keine Porträts im herkömmlichen Sinne. Sie entstehen nie
vor dem Modell im Atelier, sondern sind allesamt durch
Fotos inspiriert. Sie brauche diese Distanz, so die Malerin.
Dumas muss allein sein, wenn sie in fremden Gesichtern,
The Image as Burden, 1993. Privatsammlung Belgien. © Marlene Dumas. Foto: Peter Cox.
1. BIS 9. NovemB er 2014
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Sie ist die älteste Kunst-messe Deutschlands und findet unter der ideellen trägerschaft des KD
(Kunsthändlerverband Deutschland) statt. Die renommierten Aussteller der 59. Kunst-messe münchen
präsentieren ein erstklassiges Angebot aller klassischen Sammelgebiete von der Antike bis zur Kunst der
gegenwart. ein Besuch dieser internationalen messe ist für den kundigen Sammler musealer Kunst ebenso
lohnend wie für Neueinsteiger.
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22 | KUNST–SPECIAL
Marlene Dumas: The Image as Burden, Installationsansicht. Foto: Gert-Jan van Rooij.
in Körper-Posen oder -Konstellationen den Ausdruck von
Stimmungen, Gefühlen, seelischen oder emotionalen Situationen verdichtet.
Das funktioniert mit dem Kinderbild aus dem Familienalbum ebenso gut wie mit dem Pressefoto einer toten Terroristin, der Dumas ins bleiche, blutbeschmutzte MädchenGesicht schaut. Dabei ganz dicht herantritt – näher geht
nicht. Das gilt auch für die hundert »Model«-Bilder, die auf
ganz unterschiedliche Quellen zurückgehen. Fotos von Psychiatrie-Patientinnen etwa, die, als eine Art Typologie der
weiblichen Geisteskrankheit, ein Fachbuch aus dem 19. Jahrhundert illustrieren. Oder androgyne »Models« – von der
französischen Fotografin Bettina Rheims in Serie abgelichtet.
Altmeisterliche Porträts wie Vermeers »Frau mit dem Perlenohrring« und Rembrandts »Batseba« kommen als Quellen
hinzu und begegnen in Dumas’ Serie der Sexy-Weiblichkeit
des 20. Jahrhunderts: von Brigitte Bardot bis Claudia Schiffer.
Wahrscheinlich ließen sie alle sich irgendwo ausfindig machen in jenen Blättern, die das Amsterdamer Stedelijk Museum in langen Reihen über und untereinander anordnet.
Doch die Suche scheint müßig. Viel lieber vertieft man
sich in das durchscheinende Grau, das verwischte Schwarz,
schaut in traurig verschattete Augen, folgt einem glasklaren Blick. Erkennt Züge von Misstrauen, Skepsis, Trauer,
Selbstvergessenheit. Bemerkt Spuren der Versehrtheit in
ausgefransten Lippen, weggekratzten Augen, in dunklen
Striemen, die das Gesicht vergittern. In Mündern oder Nasen, die – als seien sie ins Schwimmen geraten – ihren angestammten Platz verlassen haben. Ein Kosmos von Gesichtern, jedes einzelne charakteristisch – aber nicht abbildhaft.
Eher gleicht Dumas’ malerische Sicht einem Blick unter die
Haut. Oder durch sie hindurch, denn mitunter wird wässerig aufgetragene Farbe selbst wie eine Membran.
Man meint in diesen Bildern viel mehr zu erkennen, viel
mehr zu erfahren. Egal ob ihre Menschen mit verwässerter
Tinte und Kreide rasch aufs Papier gebracht sind, oder ob
sie – in kräftigen Ölfarben angelegt – metergroße Leinwände füllen, wie Supermodel »Naomi«, deren Lider so bunt
und dick geschminkt sind, dass sie viel zu schwer auf den
halbgeschlossenen Augen lasten.
Die Amsterdamer Schau präsentiert das ganze Repertoire.
Und ordnet das Material dabei nicht streng chronologisch,
sondern nach Themen: Es gibt Lebende und Tote, Babys
und Witwen, wie Pauline Lumumba, deren Foto Dumas in
einer alten Zeitschrift fand. Umgeben von Menschen steht
sie da mit entblößtem Oberkörper als Zeichen der Trauer
über den Tod ihres Mannes. Patrice Lumumba, erster Ministerpräsident der Republik Kongo, war 1961 gefoltert und
ermordet worden. Welche Rolle dabei die ehemalige Kolonialmacht Belgien gespielt hat, ist bis heute nicht klar.
Es gibt pornografische Szenen, für die Dumas in entsprechenden Magazinen schmökerte, und weinende Frauen,
denen sich die Künstlerin unmittelbar nach dem Tod ihrer
Mutter widmete – frei nach Filmstills setzte sie etwa die
verheulten Ingrid Bergman und Romy Schneider in Szene.
Hierher passt auch jenes total verweinte Mädchengesicht, in
dem sich alles aufzulösen und wegzuschwimmen scheint,
nur die »Waterproof Mascara« nicht.
Auch Magdalena ist ein Kapitel gewidmet. Dumas hatte die
Serie überlebensgroßer Akte vor dunklem Grund 1995 für
den holländischen Pavillon der Venedig-Biennale geschaffen und dabei nicht nur die biblische Büßerin vor Augen. In
ihren Magdalenen schwingt ebenso das Gehabe zeitgenössischer Mode-Ikonen mit. »Es ist nicht die gefallene Frau
oder die Verführerin, auf die ich aus bin. Es sind nicht die
Babydolls oder Amazonen, die ich will«, so die Künstlerin.
»Es ist eine Mischung aus allem.« Jede Eindeutigkeit liegt
Dumas fern, und nicht zuletzt das ist es, was ihre Kunst so
spannend macht.
INFO
Bis 4. Januar 2015
Stedelijk Museum, Amsterdam, Tel.: 0031 20 / 5732 911
stedelijk.nl
K.WEST 10/2014 | 23
SCHAU MAL
NACH DRÜBEN
Ausstellungen in Belgien und den
Niederlanden – eine Auswahl
AMSTERDAM
STEDELIJK MUSEUM
6.9.2014 – 4.1.2015
»MARLENE DUMAS: THE IMAGE AS BURDEN« Marlene Dumas gilt als eine der wichtigsten und einflussreichsten zeitgenössischen Künstlerinnen. Die Retrospektive der in Amsterdam lebenden Künstlerin (geboren 1953
in Kapstadt, Südafrika) versammelt über 200 Gemälde und
Zeichnungen, die seit den späten 1970er Jahren entstanden
sind. (Wir berichten in diesem Heft, Seite 44 bis 46)
www.stedelijk.nl
DEN HAAG
GEMEENTEMUSEUM
20.9.2014 – 18.1.2015
MARK ROTHKO Mark Rothkowitz (1903-1970) ist als Junge mit seiner Familie
aus Russland in die USA emigriert. Dort wurde er zu einem
der wegweisenden Künstler des Abstrakten Expressionismus
und der Farbfeldmalerei. Mark Rothko, wie er sich ab 1940
nannte, ist bekannt für seine großformatigen, intensiven und
sinnlichen Ölgemälde mit übereinander liegenden, ineinander verschwimmenden, monochromen Farbflächen, die heute für Rekordsummen gehandelt werden. Die Übersichtsausstellung beleuchtet vor allem die Entwicklung des Malers von
der figurativen zur gegenstandslosen Kunst.
www.gemeentemuseum.nl
Mark Rothko: Untitled (man and two women in a pastoral setting), 1940.
National Gallery Washington. Ausstellung im Gemeentemuseum, Den Haag.
EINDHOVEN
VAN ABBEMUSEUM
22.11.2014 – 22.2.2015
»CONFESSIONS OF THE IMPERFECT 1848 – 1989 – TODAY« Die Ausstellung unternimmt den Versuch, die Revolutionen 1848 und 1989 und ihre Relevanz für unsere heutige
Welt zu beschreiben. Die These: Heute ist die Welt – wie
einst – an einem Scheideweg. Mit verschiedenen zeitgenössischen Künstlern fordert die Ausstellung den Betrachter auf, über die eigene Rolle in der Welt nachzudenken.
www.vanabbemuseum.nl
Josef Albers Museum . Quadrat Bottrop
Fred Sandback. Zeichnungen
Skulpturen
24.8.
9.11. 2014
www.quadrat-bottrop.de
Förderer der Ausstellung
24 | KUNST–SPECIAL
OTTERLO
KRÖLLER MÜLLER MUSEUM
11.10.2014 – 22.3.2015
»SUFFICIENT FORCE« New York in den 60ern – die Kunstszene brodelt. Minimal Art, Conceptual Art, Land Art brechen sich Bahn.
Das Kröller Müller Museum macht dies alles nun wieder
lebendig. Mit Werken vieler Größen jener Jahre: Ad Reinhardt, Tony Smith, Donald Judd und Carl Andre etwa, außerdem Dan Flavin, Sol LeWitt, Richard Serra und Bruce
Nauman.
www.kmm.nl
TILBURG
MUSEUM DE PONT
20.9.2014 – 18.1. 2015
»WILLIE DOHERTY. UNSEEN« Der irische Fotograf und Videokünstler Willie Doherty
dokumentiert seit 1985 die Entwicklung und die Veränderungen in seiner Geburtsstadt Derry und ihrem
Umland, die dem anhaltenden Konflikt in Nordirland
geschuldet sind. Beinah unsichtbar fotografiert er auf
seinen Gängen durch die Stadt und schafft ein Werk, das
behutsam die feine Grenze zwischen Fiktion und Wirklichkeit auslotet.
www.depont.nl
ANTWERPEN
MUHKA 3.10. 2014 – 22.2. 2015
»PANAMARENKO UNIVERSUM« Das in einem alten Getreidespeicher am Hafen in Antwerpen untergebrachte Museum für moderne und zeitgenössische Kunst macht Panamarenko zum Thema – am besten
bekannt als Erfinder und Erbauer fantastischer Flugobjekte.
Das MuHKA widmet seinem Werk eine einzigartige Retrospektive. Der enggeführte Blick auf die Arbeiten des Antwerpeners, auf sein Denken und seine Aktionen lassen erahnen, warum Panamarenko ab den 1960ern zu einer Ikone
der europäischen Nachkriegs-Avantgarde wurde.
www.muhka.be
EXTRA CITY KUNSTHAL | 20.9.2014 – 7.12.2014
»ALLEGORY OFT HE CAVE PAINTING« Die originelle Gruppenausstellung befasst sich mit dem
Bakterien- und Pilzbefall prähistorischer Höhlenmalerei
in der Bradshaw-Höhle in der australischen Region Kimberley. Durch die chemischen Reaktionen fressen sich die
gemalten Bilder immer tiefer in den Stein. Mikroorganismen als Künstler und Bewahrer von Kunst? So kommt ein
Nachdenken in Gang – über »lebende Pigmente« und ihren
Einfluss auf die Erzählungen von Geburt und Fortleben,
über Kontamination und Kolonisation, über die Schwelle
zwischen dem Bild und seiner Verkörperung.
www.extracitykunsthal.org
BRÜSSEL
PALAIS DES BEAUX-ARTS (BOZAR)
25.9. 2014 – 4.1. 2015
»SENSATION UND SINNLICHKEIT. RUBENS UND SEIN VERMÄCHTNIS« Peter Paul Rubens, »der Quentin Tarantino seiner Zeit«, machte die Region Flandern zur allerersten Adresse für Malerei. Sein
kräftiger Stil, seine Bildsprache und Motive, wollüstig und gewalttätig, leidenschaftlich und hingebungsvoll, haben Künstler
weltweit inspiriert. In Kooperation mit dem Musée des BeauxArts Antwerpen und der Royal Academy of Arts London hat
das BOZAR in dieser Schau das kulturelle Vermächtnis des
barocken Malerfürsten um Werke seiner Erben wie van Dyck,
Watteau, Delacroix, Manet, Kokoschka und Picasso erweitert.
www.bozar.be
Panamarenko: Prova Car, courtesy collection MuHKA. Ausstellung im MuHKA, Antwerpen.
GENT
S.M.A.K. | 3.9. 2014 – 15.3. 2015
»COLLECTION STUDY III: ART IN EUROPE AFTER 1968« Die Ausstellung versteht sich als Fortsetzung einer vielbeachteten Schau, die der kürzlich verstorbene Jan Hoet 1980 im
von ihm gegründeten S.M.A.K. initiiert hatte: »Art in Europe
after 1968«. Damals gezeigt Werke kombiniert mit Archivobjekten und dokumentarischen Fotografien machen diese
Rekonstruktion zu einer Hommage an den unvergessenen
Ausstellungsmacher.
K.WEST 10/2014 | 25
GENT
S.M.A.K. | 13.9. 2014 – 11.1. 2015
»SCHWIND FOUNDATION / JEAN SCHWIND RETROSPECTIVE« Jean Schwind, eigentlich Jean Warie (1935-1985), war eine
der berühmtesten und schillerndsten Figuren der belgischen Kunstszene der 70er Jahre, der mit den Remakes von
Kunstwerken aus einer von ihm selbst erfundenen Schwind
Foundation und Pseudo-Ausstellungen die Szene in Atem
hielt. Irgendwann wurden seine Arbeiten aber doch konzeptueller, seine Karriere indes endete 1976 mit der von ihm
selbst lancierten fiktiven Meldung seines Todes. Die Schau
zeichnet das Bild einer Karriere im ständigen Konflikt mit
den ungeschriebenen Regel der Kunstwelt und den Konzepten von Autorenschaft und Original.
S.M.A.K. | 18.10.2014 – 14.2.2015
»BERLINDE DE BRUYCKERE / SCULPTURES & DRAWINGS 2000–2014» Eine große Überblicksschau der belgischen Künstlerin, die
mit ihren Skulpturen aus Stoff und Pferdefell international berühmt wurde. Die Installation »Kreupelhout – Cripplewood«,
De Bruyckeres Beitrag für den belgischen Pavillon der Biennale
von Venedig 2013, wird vollständig rekonstruiert.
www.smak.be
Peter Paul Rubens: Venus Frigida, 1614. © Lukas - Art in Flanders VZW / Royal Museum
of Fine Arts Antwerp. Foto: Hugo Maertens. Ausstellung im BOZAR, Brüssel.
24. bis 26. Oktober 2014
Fair. Minimalistisch. Pulsierend. Innovative Galerien, Kunstprojekte, C.A.R. Talente nehmen teil.
Special: Zeitgenössische Kunst aus Rumänien. Mit Sonderausstellungen, dem Künstlerprogramm
Ruhr, der C.A.R.-Video-Lounge und CAMP Innovatives Marktforum für die Kreativwirtschaft.
Eröffnung & Vernissage: Fr, 24.10., V.I.P.-Preview, 18 Uhr, Eröffnung für geladene Gäste,
20 Uhr (Karten an den Kassen erhältlich). Sa, 25.10., 12 Uhr bis 20 Uhr, So, 26.10.,
11 Uhr bis 19 Uhr. Eintritt / Tageskarte: 12 Euro, ermäßigt 10 Euro
www.contemporaryartruhr.de, mail@contemporaryartruhr.de
ALFRED UND CLÄRE POTT-
ACPS
STIFTUNG
26 | KUNST-SPECIAL
DIRIGENTIN
VON LICHT
UND RAUM
TEXT: ALEXANDRA WACH
Die Kunststiftung NRW feiert
runden Geburtstag, und statt auf
Geschenke zu warten, teilt sie selbst
welche aus: 25 Kunstwerke, eigens
geschaffen von 25 ausgewählten
Künstlern für 25 städtische
Museen in Nordrhein-Westfalen.
K.WEST schaut zu, was sich die
internationale Künstlerschar alles
einfallen lässt zu den Sammlungen
im Lande. Zu den von einer Jury
ausgewählten Häusern gehört
auch das Museum Kunstpalast in
Düsseldorf. Im Oktober gerät das
Haus am Ehrenhof in den Fokus der
in Deutschland gebürtigen und in
New York lebenden Vera Lutter.
Vera Lutter: Kunstpalast, Düsseldorf: June 18, 2014.
Unikater Silbergelantineabzug. Maße: 14 x 28 inches (35,6 x 71,1 cm).
© Vera Lutter, courtesy of the artist
Ihre menschenleeren Negative irritieren. Oder handelt
es sich bei den seitenverkehrten Ortserkundungen doch
um digitale Fotospielereien? Zumindest die gespenstische
Atmosphäre, die sich von den Pyramiden über einen Hangar auf dem Frankfurter Flughafen bis zum Fähranleger
im New Yorker Stadtteil Brooklyn ausbreitet, ist eindeutig
spürbar.
Vera Lutter, die seit den 1990er Jahren mit der alten Technik der Camera obscura entmaterialisierte Architekturszenerien erschafft, pflegt einen Stil, der sich kompromisslos
zur reduzierten Form bekennt. Um sie zu erreichen, muss
sie allerdings mitunter begehbare Gehäuse bauen und sie
mit einem Loch ausstatten, durch das ein Lichtstrahl fallen
kann.
Dank des so simplen wie langwierigen Verfahrens entsteht
eine auf dem Kopf stehende Projektion der Außenwelt.
Nicht der Moment steht im Mittelpunkt, sondern gleich
ein ganzer Zeitraum. Denn der Prozess, ein lichtsensibles
Papier zu bescheinen, kann Tage bis zu Wochen in Anspruch
nehmen. Die hat sich Vera Lutter im Juni auch für das Museum Kunstpalast genommen. Fündig wurde die 54-Jährige
im Ehrenhof der historischen Anlage. Sie nahm das ganze
monumentale Ensemble von Gebäuden ins Visier ihrer melancholischen »Kamera«, die den Objekten ihres Begehrens
stets eine magische Aura der Vergänglichkeit verpasst.
Mit öffentlichen Plätzen wie dem belebten Raum vor dem
Museum kennt sie sich aus. Der Markusplatz in Venedig
gehörte immerhin bereits zu ihren Motiven. In der zeitintensiven Langzeitbelichtung verwandelte er sich dank kaum
sichtbar umherschwirrender Menschen fast in einen lebenden Organismus, den es jenseits der Finsternis nach einer
flüchtigen Bewegung drängt. So wie diese Jahrhunderte alte Stadt mit ihren Kulturspuren
vergangener Epochen birgt auch ein Museum einen Wissensschatz, der sich über einen langen Zeitraum angesammelt hat. Lutter arbeitete vor Ort mit zwei Camerae obscurae
K.WEST 10/2014 | 27
in der Größe eines Koffers. Durch ein Loch in der Rückwand
gelang das vertikal und horizontal gespiegelte Bild der Anlage in den jeweiligen Zauberkasten. Auch das Entwicklungslabor für die Schwarz-Weiß-Fotos hatte die Künstlerin mitgebracht. Das Ergebnis dürfte nicht so großformatig wie manch eines
ihrer Unikate geraten sein. Aber sicherlich nicht weniger entfremdet, präzise und verwunschen. »Unter den vielen Kräften, die an der Entstehung eines Bildes beteiligt sind«, so Lutter, »ist es das Licht, das sich fortbewegt. Das Bild selbst steht
still, und das Licht ist der Vermittler zwischen dem lichtempfindlichen Material und dem Objekt außerhalb der Kamera.
Ich habe gelernt – und lerne es immer noch – wie diese Kräfte, Bewegung, Raum und Licht, am besten orchestriert werden können, um das gewünschte Resultat zu erzielen.«
NOCH MEHR NEUIGKEITEN
VOM PROJEKT 25/25/25
In der Städtischen Galerie Lüdenscheid eröffnet am 2. Oktober
die Präsentation »Farben dieses Meeres« von Katinka Bock.
Dazu hat die Künstlerin Zweige in Bronze gegossen und allerlei
Fundstücke von Pariser Straßen auf dem Fußboden des Ausstellungsraumes zusammengeballt. Ein Künstlergespräch findet im
Anschluss an die Eröffnung um 20 Uhr statt.
Die Ausstellung ist bis zum 16.11.2014 zu sehen.
Das Werk von Ken Okiishi für Köln wird ab dem 22. Oktober
im Museum Ludwig zu sehen sein. Auf vier LED-Monitoren, die
an unterschiedlichen Stellen des Hauses platziert sind, will der
Künstler mit filmischen Reproduktionen einzelner Werke spielen.
Die Eröffnung findet am 21.10.2014 statt, und die Präsentation
läuft bis zum 1.2.2015.
Foto: Hannes Woidich
In ihrer Arbeit für das Museum Kurhaus Kleve geht Tara
Mahapatra mit Skizzenbüchern von Joseph Beuys um.
Mahapatras filmische Arbeit und eine umfangreiche Serie von
Zeichnungen befassen sich, wie schon Beuys’ Zeichnungen,
mit dem Phänomen der Metamorphose und übertragen es
von der Welt der Pflanzen auf die des Geistes, der Gedanken
und Sinneseindrücke.
Die Ausstellung eröffnet am 26.10.2014. An diesem Tag
findet auch ein Künstlergespräch zwischen Tara Mahapatra
und Katharina Sieverding statt. Am 25.1.2015 geht die
Schau zu Ende.
kh-do.de
AUSSTELLUNGEN HERBST 2014
Utopisten & Weltenbauer
Das Mögliche hat seine Spur im Sein!
INFO
www.kunststiftungnrw.de
Finissage: SO, 5.10., 16 h /// Laufzeit: bis 5.10.14
31KILO
Türkisch-Deutsche Doppelausstellung
Eröffnung: FR, 31.10., 20 h /// Laufzeit: 1.11.– 21.12.14
28 | KUNST-SPECIAL
SCHAU MAL
NACH HÜBEN
Wichtige Ausstellungen in NRW
AACHEN
LUDWIG FORUM | 16.11.2014 – 22.2.2015
»OSTWÄRTS – FREIHEIT, GRENZEN, PROJEKTIONEN« 25 Jahre nach dem Mauerfall richtet diese Ausstellung den Blick gen Osten. Auf die Kunst der 1970er und 1980er Jahre in der ehemaligen Sowjetunion. Dabei geraten Vertreter des Sozialistischen Realismus, der Soz
Art und des Russischen Nonkonformismus in den Blick.
www.ludwigforum.de
BEDBURG-HAU
MUSEUM SCHLOSS MOYLAND | 28 7.9.2014 – 30.11.2014
»WEGE ZU GABRIELE MÜNTER UND KÄTHE KOLLWITZ« Münter und Kollwitz haben es geschafft, sie sind als Künstlerinnen nach
wie vor präsent. Die meisten ihrer Zeitgenossinnen sind heute dagegen
weithin unbekannt. Die Ausstellung will das ändern und versammelt
dazu 170 Holzschnitte jener vergessenen Künstlerinnen des Jugendstils
und des Expressionismus.
www.moyland.de
BIELEFELD
KUNSTHALLE BIELEFELD | 12.12.2014 – 15.3.2015
»SOPHIE TAEUBER-ARP. HEUTE IST MORGEN« Es ist die seit langem erste umfassende Retrospektive auf das Werk der
1889 geborenen Künstlerin. Mühelos setzte sie sich über KunstgattungsGrenzen hinweg, brachte Malerei und Tanz, Architektur und Design in
ihrem Schaffen zusammen. Zweifellos ist Taeuber-Arp, die mit nur 53
Jahren bei einem tragischen Unfall starb, eine der wichtigsten Künstlerinnen der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
www.kunsthalle-bielefeld.de
BONN
AUGUST MACKE HAUS | 26.9.2014 – 25.1.2015
»DAS (VERLORENE) PARADIES« Aus Anlass des 100. Todestages von August Macke will sich die Ausstellung erstmals mit den vielfältigen Vorstellungen vom Paradies und
dessen Verlust beschäftigen, die in der expressionistischen Kunst und
Literatur um den Ersten Weltkrieg herum entwickelt wurden. Neben
Mackes Werken werden Arbeiten von Künstlern wie Campendonk und
Kirchner, Kokoschka oder Pechstein gezeigt.
www.august-macke-haus.de
KUNSTMUSEUM | 9.10.2014 – 18.1.2015
»ANDREAS SCHULZE – NEBEL IM WOHNZIMMER« Systematisch setzte sich das Bonner Museum in den vergangenen Jahren
mit verschiedenen Formen der Malerei auseinander. Nun holt es sich dazu
den 1955 geborenen und seit 2008 an der Akademie in Düsseldorf lehrenden Andreas Schulze ins Haus. Mit Bildern, die teils naiv anmuten, teils
von einer magischen Gegenständlichkeit geprägt scheinen.
www.kunstmuseum-bonn.de
BRÜHL
MAX ERNST MUSEUM | 28.9.2014 – 22.2.2015
»DER ARP IST DA« Vor hundert Jahren schlossen Max Ernst und Hans Arp in Köln Freundschaft. In einer Doppelausstellung lassen das Max Ernst Museum und
das Arp Museum in Remagen die alte Freundschaft nun aufleben. (Wir
berichten in diesem Heft, Seite 40 bis 42)
www.maxernstmuseum.lvr.de
DORTMUND
HMKV | 27.9.2014 – 8.3.2015
»BÖSE CLOWNS« Die Ausstellung begibt sich auf die Suche nach der beunruhigenden
Figur des bösen Clowns und entdeckt sie an ganz unterschiedlichen
Stellen – in Fernsehserien, Horror- und Hollywoodfilmen, in Popmusik, im politischen Aktivismus und auch in der zeitgenössischen
Kunst.
www.hmkv.de
DÜSSELDORF
KUNSTSAMMLUNG NRW, K20 | 6.9.2014 – 4.1.2015
»WAEL SHAWKY: CABARET CRUSADES« In seiner ersten großen Museumsausstellung in Deutschland zeigt
der 1971 geborene Ägypter seine als Filmtrilogie angelegten »Cabaret
Crusades«. Wael Shawky lässt hier Marionetten die Geschichte der mittelalterlichen Kreuzzüge als Kabarett aufführen. (Wir berichten in diesem Heft, Seite 32 bis 33)
www.kunstsammlung.de
KUNSTSAMMLUG NRW, K20 | 6.9.2014 – 4.1.2015
»ÄGYPTEN! DIE REISEN VON MAX SLEVOGT UND PAUL KLEE« 15 Jahre liegen zwischen den Ägyptenreisen des Impressionisten Max
Slevogt und des Malers Paul Klee. Während Slevogt 1914 seine Eindrücke des Orients unmittelbar festhielt, sind die Motive Klees aus
den späten 1920er Jahren ganz einer modernen Bildauffassung verpflichtet. Die Ausstellung stellt die Reisebilder der beiden erstmals gegenüber und macht so auch den Übergang vom Impressionismus zur
Klassischen Moderne nachvollziehbar.
www.kunstsammlung.de
KUNSTHALLE DÜSSELDORF | 20.9.2014 – 11.1.2015
»THOMAS RUFF. LICHTEN« Er gehört zur Prominenz der Düsseldorfer Fotoschule. Die Kunsthalle
präsentiert den 1958 geborenen Thomas Ruff nun mit Arbeiten aus 35
Jahre, darunter sind auch ein paar ganz neue Produktionen. (Wir berichten in diesem Heft, Seite 60 bis 62)
www.kunsthalle-duesseldorf.de
KUNSTVEREIN DÜSSELDORF | 20.9.2014 – 11.1.2015
»TIM BERRESHEIM. AUGE UND WELT« Seine Kunst kommt aus dem Computer – dabei kostet Tim Berresheim
alle Stärken der digitalen Technik aus. Im Kunstverein installiert der
39-jährige Aachener einen eigens erdachten Bildkosmos. (Wir berichteten im Septemberheft von K.WEST, Seite 56 bis 57)
www.kunstverein-duesseldorf.de
K.WEST 10/2014 | 29
MUSEUM KUNSTPALAST | 30.9.2014 – 1.2.2015
»KATHARINA GROSSE. INSIDE THE SPEAKER« Seit Mitte der 1990er Jahre erobert Grosses Malerei den Raum. Im
Museum Kunstpalast will die 1961 geborene, an der Düsseldorfer
Akademie lehrende Künstlerin den Ausstellungssaal mit Unmengen
von Farbe, Erde und Stoffbahnen erweitert, überdecken und überlagern.
www.smkp.de
DUISBURG | 14.6.2014 – 18.1.2015
»EINE GROSSE IDEE – 50 JAHRE LEHMBRUCK MUSEUM« Als eine der bedeutendsten Museumsarchitekturen der Moderne wurde das Lehmbruck Museum 1964 vollendet. Zur Neueröffnung des sanierten Lehmbruck-Traktes sind die Werke des Hausherrn dort jetzt
genau wie damals zu erleben – eine beeindruckende Symbiose von
Architektur und Skulptur.
www.lehmbruckmuseum.de
ESSEN
MUSEUM FOLKWANG | 27.9.2014 – 18.1.2015
»MONET – VAN GOGH – GAUGUIN. INSPIRATION JAPAN« Japans Kultur war im Frankreich des ausgehenden 19. Jahrhunderts
groß in Mode. Dem beachtlichen Einfluss des fernöstlichen Landes auf
Kunst und Leben jener Zeit widmet sich diese hochkarätig bestückte
Schau. (Wir berichten in diesem Heft, Seite 28 bis 31)
www.museum-folkwang.de
HAGEN
EMIL SCHUMACHER MUSEUM | 31.8.2014 – 25.1.2015
TOULOUSE LAUTREC – DER MEISTER DER LINIE Wer kennt sie nicht, die Kokotten und ihre Freier, die Beine schwingenden Can-Can-Tänzerinnen und die griesgrämigen Varieté-Direktoren? Henri de Toulouse-Lautrecs Bilder prägen bis heute die Vorstellung der Belle Èpoque in Paris. Das Schumacher Museum kann in
dieser Ausstellung nun das gesamte druckgrafische Werk des Franzosen vereinen.
www.esmh.de
KÖLN
MUSEUM LUDWIG | 2.10.2014 – 11.1.2015
»LUDWIG GOES POP« Peter und Irene Ludwig waren unter den ersten und eifrigsten Pop-ArtSammlern. Ihre Schätze finden sich heute in Köln, Wien, Aachen, Budapest, St. Petersburg und Peking. Die Ausstellung führt nun etwa 130
zentrale Werke der Pop-Art-Protagonisten zusammen.
www.museenkoeln.de
MUSEUM SCHNÜTGEN | 25.10.2014 – 25.1.2015
»DIE HEILIGEN DREI KÖNIGE – MYTHOS, KUNST UND KULT« Vor 850 Jahren, im Sommer 1164, gelangten die Gebeine der Heiligen
Drei Könige nach Köln und machten die Stadt bald zu einem der wichtigsten Pilgerzentren des Mittelalters. Mit Skulpturen, Tafelbildern, Elfenbeinschnitzereien, Handschriften und Werken der Schatzkunst entfalten die Schau das Thema in alle möglichen Richtungen.
www.museenkoeln.de
Mel Ramos: Hippopotamus, 1967. Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen.
© VG Bild-Kunst, Bonn 2014. Foto: Ludwig Forum für Internationale Kunst, Aachen /
Anne Gold. Ausstellung im Museum Ludwig, Köln.
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KUNST, BÜHNE, MUSIK, DESIGN, FILM, LITERATUR
K.WEST – DAS KULTURMAGAZIN DES WESTENS
30 | KUNST-SPECIAL
SK STIFTUNG KULTUR | 19.9.2014 – 8.2.2015
»JIM DINE – MY TOOLS« Die Eltern hatten ein Eisenwarengeschäft, deshalb waren Werkzeuge im
Leben des 1935 geborenen Künstlers allenthalben präsent. Und irgendwann wurden sie auch zu einem wesentlichen Motiv für Dine. Rund 80
zwischen 2001 und 2013 entstandene, erstaunlich großformatige Werkzeugfotografien des US-Künstlers vereint diese Schau.
www.sk-kultur.de
WALLRAF RICHARTZ MUSEUM | 26.9.2014 – 18.1.2015
»DIE KATHEDRALE. ROMANTIK – IMPRESSIONISMUS – MODERNE« Die Ausstellung verfolgt das Motiv der Kathedrale in der Bildenden
Kunst – von Caspar David Friedrich über Impressionisten, Expressionisten, Feininger und Picasso zu Warhol, Christo, Gursky. (Wir berichten
in diesem Heft, Seite 57 bis 59)
www.museenkoeln.de
KREFELD
MUSEUM HAUS ESTERS | 14.9.2014 – 15.2.2015
»ROSSELLA BISCOTTI: 10 x 10« Die 1978 geborene Italienerin erhielt das 15. Mies van der Rohe Stipendium der Stadt Krefeld und entwickelte in diesem Rahmen eine Installation
für Haus Esters. Dabei setzte sie sich mit der Geschichte der Krefelder
Textilindustrie auseinander und gleichzeitig mit den von Mies van der Rohes für die Seidenfabrikanten Lange und Esters entworfenen Villen.
www.kunstmuseenkrefeld.de
LEVERKUSEN
MUSEUM MORSBROICH | 21.9.2014 – 11.1.2015
»JÄGER UND SAMMLER IN DER ZEITGENÖSSISCHEN KUNST« Die Zeiten der »Jäger und Sammler« scheinen längst vorbei. Doch wieviel von ihnen steckt noch in uns? Aus ganz unterschiedlichen Perspektiven will die Ausstellung das Thema angehen und vereint dazu um die
20 Zeitgenossen mit ihren ungewöhnlichen oder anrührenden, scharfsichtigen oder auch kritischen Bildern vom Jagen und Sammeln.
www.museum-morsbroich.de
MÜNSTER
LWL-MUSEUM FÜR KUNST UND KULTUR | 8.11.2014 – 22.2.2015
»DAS NACKTE LEBEN – MALEREI IN LONDON 1950 BIS 1980« Die erste große Ausstellung im wieder eröffneten Museum widmet
sich der figurativen Malerei in London mit rund 100 Arbeiten von
Francis Bacon, Lucian Freud, Frank Auerbach, Leon Kossoff, David
Hockney und Richard Hamilton.
www.lwl.org
WUPPERTAL
VON DER HEYDT-MUSEUM | 14.10.2014 – 22.2.2015
»PISSARRO DER VATER DES IMPRESSIONISMUS« Nach Ausstellungen zur Schule von Barbizon, zu Renoir, Monet und Sisley
stellt das Von der Heydt-Museum jetzt Camille Pissarro in den Mittelpunkt einer großen Schau. Mit etwa 130 Werken will sie den Lebensweg
und die künstlerische Entwicklung des Malers nachzeichnen – von seinen
ersten Werken, die noch in Südamerika entstanden, bis zu den letzten Bildern, die Pissarro in Paris und an der Küste der Normandie malte.
www.von-der-heydt-museum.de
DIE AUSSTELLUNG
FÜR DIE
GANZE FAMILIE
7. Nov. - 25. Feb.
BOCHUM
Hermannshöhe 42, Nähe HBF
Tickets unter www.KOERPERWELTENderTiere.de
Camille Pissarro: Zwei Frauen am Meer in ein Gespräch vertieft,
St. Thomas, 1856 © National Gallery of Art, Washington. Ausstellung im
von der Heydt-Museum, Wuppertal.
Ulrich Moskopp
Dammar
4. September 2014
bis 11. Januar 2015
Eine Einrichtung der
BASF Coatings GmbH
Windthorststraße 26
48143 Münster
Telefon ( 0251 ) 41851 - 0
www.museum-fuer-lackkunst.de
VISIT
Artist in
Residence
Programm
der RWE
Stiftung
Mit VISIT fördert die RWE Stiftung junge Künstler.
Auf Einladung des Unternehmens entwickeln sie
in rund sechs Monaten ihr Projekt. Je nach Thema
geschieht dies an den deutschen oder auch internationalen Standorten des Unternehmens. Ein
Bezug der entstehenden künstlerischen Arbeiten
zum Themenfeld Energie und seiner gesellschaftlichen Relevanz ist dabei ausdrücklich gewünscht.
Die Künstler erhalten dazu ein Stipendium in
Höhe von 1.000 € pro Monat zuzüglich der
Produktionskosten sowie eine Ausstellung mit
Katalog.
Eine Jury sichtet die eingegangenen Bewerbungen
und wählt zwei Stipendiaten pro Jahr aus. Sie
bestand 2014 aus Prof. Tobia Bezzola (Museum
Folkwang, Essen), Prof. Mischa Kuball (Kunsthochschule für Medien, Köln), Dr. Andreas Beitin (ZKM)
sowie ein Unternehmensvertreter.
Bewerbungsschluss ist der 16. März 2015.
www.rwestiftung.com/visit &
www.facebook.com/rwestiftung
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