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Gabriele Sadowski „Wie verhalten sich Stoffe in Mischungen - DFG

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Gabriele Sadowski
„Wie verhalten sich Stoffe in Mischungen? Dieser Frage gehe ich mithilfe der
Thermodynamik auf den Grund.“
Meine sehr geehrten Damen und Herren,
mit ihrem Interesse für stoffliche Verbindungen befindet sich die Chemieingenieurin Gabriele
Sadowski in bester Gesellschaft.
Damit meine ich ausnahmsweise nicht nur diejenige ihrer außerordentlich gut organisierten und
kontaktfreudigen Arbeitsgruppe, sondern zum Beispiel auch die von Johann Wolfgang von Goethe.
Er übertrug bekanntlich in seinem Roman „Die Wahlverwandtschaften“ von 1809 Eigenschaften
und Affinitäten von Elementen auf menschliche Verbindungen – nicht ohne naturwissenschaftliche
Hintergründe, versteht sich. Ich vermute, er hätte Gabriele Sadowski gern kennengelernt. Und
einiges mit ihr zu besprechen gehabt.
Denn Gabriele Sadowski, geboren 1964 in Kleinmachnow, beschäftigt sich in ihrer Forschung mit
der Messung und Berechnung der physikalischen Eigenschaften von Stoffgemischen.
Diese zu kennen ist von Belang in der gesamten chemischen Industrie, in der Medizin, in der
Biotechnologie und in der Produktion von beispielsweise Kosmetika, Arzneien und Kunststoffen.
Der Praxisbezug ihrer Forschung schlägt sich in ihren vielen Kooperationen und einigen Patenten
nieder, an denen sie beteiligt ist. Der DuPont Young Faculty Award, den sie 2002 erhielt, ist
Ausdruck des hohen Ansehens, das sie sich damit auf Seiten ihrer industriellen Partner erworben
hat.
Gabriele Sadowski hat an der Technischen Hochschule Leuna-Merseburg Chemie studiert und
wurde dort mit einer Arbeit zum Thema „Hochdruckphasengleichgewichte in komplexen
Vielstoffsystemen“ promoviert. Damit erschloss sie sich schon recht früh eine Schnittstelle von
Ingenieur- und Naturwissenschaften, die sie auch weiterhin besetzt.
Ihre Habilitation „Thermodynamik der Polymerlösungen“ erfolgte 2000 an der Technischen
Universität Berlin. Vor genau zehn Jahren und einem Tag, nämlich am 15. März 2001, wurde sie
an die Technische Universität Dortmund berufen.
Gabriele Sadowski ist in ihrer Biografie einige Male die Erste gewesen: Die erste Frau auf einem
C4-Lehrstuhl für Thermodynamik in Deutschland zum Beispiel. Inzwischen sind ihr und ihrem
Erfolg übrigens zwei Frauen auf Lehrstühle gefolgt, die zuvor in ihrem weiteren Umfeld tätig waren.
Gabriele Sadowski war auch die erste Frau, die im April 2009 in die Klasse der
Ingenieurwissenschaften der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der
Künste berufen worden ist.
Die Entwicklung und die Erweiterungen der molekularen PC-SAFTFundamentalzustandsgleichung, die der Vorausberechnung der thermodynamischen
Eigenschaften komplexer Fluide dient, die assoziierende oder längere Moleküle enthalten, sind
bahnbrechende Leistungen.
Sie ermöglichen in der Prozesstechnik die schnelle und sichere Berechnung der freien Energie
und daraus aller thermodynamischen Daten, besonders auch die Phasengleichgewichte.
Die Zustandsgleichung PC-SAFT ist inzwischen Standard in der Industrie und ihr Potenzial im
umgebenden Fachgebiet noch lange nicht ausgeschöpft, denn erstens erstreckt es sich heute
bereits von der Energietechnik über die klassische Verfahrenstechnik bis hin zur Biotechnik und
zweitens wird diese Reichweite in Zukunft sicher noch Expansion erfahren, etwa in der
Chromatografie oder für Energiewandlungsverfahren.
Gabriele Sadowski gilt mit ihren Arbeiten als eine der herausragenden Persönlichkeiten in der
verfahrenstechnischen Forschung.
Dafür ist sie bereits 1999 mit der bedeutendsten Auszeichnung für
Nachwuchswissenschaftlerinnen und Nachwuchswissenschaftler in der Verfahrenstechnik in
Deutschland, dem Arnold-Eucken-Preis der VDl-Gesellschaft für Verfahrenstechnik und
Chemieingenieurwissenschaften, ausgezeichnet worden.
Die Biothermodynamik wiederum gilt als ein vielversprechendes Forschungsfeld der Zukunft
innerhalb der Thermodynamik.
Da passt es ganz ausgezeichnet, dass Gabriele Sadowski Arbeiten in diesem Gebiet
aufgenommen hat, die schon, weil sie systematisch die Entwicklung von Experiment und Theorie
parallelisieren, nachhaltige Relevanz und Wirkung versprechen.
Es wäre vermutlich eine kleine Sensation für Goethe, dass das Hinzutreten eines weiteren
Elementes – zum Beispiel eines verwandten Fachgebietes – nicht unbedingt zur Auflösung der
ursprünglichen Verbindung, in diesem Fall zur Loslösung von der heimischen Ur-Disziplin führt.
Gabriele Sadowski weiß Ergänzung und Erweiterung – anders als die Herrschaften in den
„Wahlverwandtschaften“ – für alle Seiten gewinnbringend anzulegen.
Man hört, dass Sie bei all Ihrer Forschungsaktivität viel Spaß an der Lehre haben und vor allem
große Vorlesungen als Herausforderung schätzen, die Sie – ganz Experimentiergeist – dafür
nutzen, unterschiedliche Techniken auszuprobieren, die Aufmerksamkeit Ihrer Studierenden zu
binden. Unsere Aufmerksamkeit ist Ihnen weiterhin auch ganz ohne Tricks gewiss – wir freuen uns
auf Ihre nächsten Forschungen!
Liebe Frau Sadowski, ich gratuliere Ihnen von Herzen zum Leibniz-Preis 2011!
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Seele and Geist
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