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E-Portfolios an Hochschulen erfolgreich einführen - ja, aber wie?

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E-Portfolios an Hochschulen erfolgreich einführen
- ja, aber wie?
Silke Kleindienst
Fachhochschule St. Pölten GmbH, Österreich
Abstract
Dieser Beitrag stellt Einsatzmöglichkeiten von E-Portfolios an Hochschulen vor.
Dabei wird der Schwerpunkt besonders auf den Prozess der Einführung von
E-Portfolios gelegt, und zwar in Lehrveranstaltungen, Studiengängen und an
Hochschulen. An ausgewählten Beispielen wird verdeutlicht mit welchen Methoden
E-Portfolios eingeführt werden können, um im letzten Schritt eine Empfehlung für die
Gestaltung des Einführungsprozesses zu geben.
♦♦♦♦♦
Einführung
Der Begriff „Portfolio“ kommt in der Finanzwelt, dem Marketing und Controlling, der
Politik, der Kunst und in der Bildung vor. In diesen unterschiedlichen Bereichen hat
der Begriff die gemeinsame Bedeutung einer Sammlung von etwas, zum Beispiel
von Investitionen, von Produkten oder Dienstleistungen, von Artefakten oder von
Dokumenten, die während des lebenslangen Lernprozesses Lernfortschritte
Einzelner belegen.
Im Bildungsbereich wurden Lernportfolios ungefähr ab Mitte der achtziger Jahre im
anglo-amerikanischen Raum hauptsächlich zuerst an Colleges in Schreibkursen als
neue Form der Leistungsbeurteilung eingesetzt. Die Verbreitung der Idee eines
Portfolios ist inzwischen so weit fortgeschritten, dass man sagen kann, jede
„Bildungsstufe“, vom Kindergarten über Schule und Hochschule bis hin zur
beruflichen Weiterbildung, ist bereits in irgendeiner Form mit Portfolios in Berührung
gekommen. In der Literatur werden Portfolios nach unterschiedlichen Aspekten
kategorisiert: nach der Zielgruppe, dem Zweck, dem Inhalt oder der Art der Medien.
E-Portfolios als Innovation tauchen vor über zehn Jahren erstmals im angloamerikanischen Raum auf und halten nun auch seit einigen Jahren Einzug in den
europäischen und deutschen Bildungsraum. Experten sind sich darüber einig, dass
ein E-Portfolio bei weitem die Möglichkeiten eines traditionellen Portfolios übertrifft.
In der Literatur findet man eine Reihe von Einsatzmöglichkeiten für E-Portfolios, die
eine Kategorisierung ermöglichen. Definitionen des Begriffes E-Portfolios weisen
eine Kategorisierung von drei bis sieben unterschiedlichen Typen auf. Diese
teilweise recht unterschiedlichen Typisierungen machen deutlich, dass die Begriffe
Portfolio und E-Portfolio keineswegs über eine einheitliche Definition verfügen. Helen
Barett, die führende ePortfolio Expertin im anglo-amerikanischen Raum, empfiehlt
-2-
deshalb, die Begriffe mit einem qualifizierenden Attribut zu nutzen, um den Zweck
deutlich zu machen.
Die Themen Portfolio und E-Portfolio haben sich zu einem wahren Boom entwickelt,
sodass sich Beteiligte und Beobachter kritisch fragen „What’s behind the hype?“. Das
mag daran liegen, dass die Forschung zu den Themen Portfolio und E-Portfolio
deutlich hinter der Einführung und Anwendung zurück bleibt. Helen Barett nennt als
Grund dafür, dass die Literatur vielfältige Einsatzzwecke für Portfolios nennt, die es
erschweren, mit einiger Genauigkeit zu forschen. Dennoch ist die Community sich
über einige grundlegende Erkenntnisse einig, zum Beispiel was den Mehrwert von EPortfolios anbelangt.
E-Portfolios – Definition
Um den Begriff E-Portfolio für den Leser fassbar zu machen, möchte ich hier eine
Definition versuchen und diese für den weiteren Beitrag zu Grunde legen:
Ein E-Portfolio ist eine über das Web zugängliche Sammlung und Auswahl von
Arbeiten nach einem bestimmten Verwendungszweck, die einen Fortschritt in der
Entwicklung eines Lerners zeigen kann, und zwar für den Lernenden selbst und
andere Beteiligte bzw. Interessierte. Die Entwicklung des E-Portfolio Besitzers als
Lernender wird deutlich durch seine Lernzieldefinition, die Darstellung seines
Lernprozesses, dem Artefakt, der Reflexion des Lernenden zu dem jeweiligen
Artefakt und der Beurteilung durch den Lehrenden bzw. dem Lernbegleiter. Darüber
hinaus ist die Entwicklung eines E-Portfolios eine Methode, die dem Lernenden hilft
sich weiterzuentwickeln, und zwar vom Novizen hin zum Experten im Hinblick auf
das Lernen selbst.
E-Portfolios – Mehrwert
Für die Studierenden
Aus der aktuellen Forschungsliteratur und den Feedbacks zu der Arbeit mit EPortfolios lassen sich der Nutzen für Studierende aus der Gestaltung eines EPortfolios ablesen.
Die Erstellung eines E-Portfolios unterstützt die tiefere Auseinandersetzung des
Studierenden mit dem Lernstoff. Gleichzeitig wird der Studierende dazu angeregt,
mehr Verantwortung für seinen Lernprozess zu übernehmen. Das Sammeln von und
Reflektieren über die erbrachte Leistung ermöglicht die Demonstration einer Vielzahl
von Kompetenzen und unterstützt dabei die Entwicklung des Selbstbewusstseins.
Beide Aspekte, Sammeln und Reflektieren, haben einen positiven Einfluss auf die
persönliche berufliche Entwicklung der E-Portfolio Ersteller.
Für die Lehrenden
Auf Basis der Forschungsliteratur und verschiedener Feedbacks zum Einsatz von EPortfolios lassen sich auch für Lehrende wichtige Vorteile für den Einsatz ablesen.
E-Portfolios
schaffen
eine
Möglichkeit,
Informationsund
Kommunikationstechnologie sinnvoll in die Lehrveranstaltung zu integrieren. Dadurch
wird ein schnellerer Zugang zu und ein Vertrauenszuwachs in die Möglichkeiten der
Informations- und Kommunikationstechnologie erreicht. E-Portfolios ermöglichen den
Lehrenden ein ganzheitliches Bild der Studierenden in Hinblick auf Lernprozess und
2005 © Silke Kleindienst
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Lernzielerreichung zu entwickeln. Darüber hinaus sind sie für die Lehrenden ein
wichtiges Instrument um Kompetenzen der Studierenden zu beurteilen.
Dieser Mehrwert für Lehrende und Studierende hat natürlich seinen Preis, der zum
Einen darin besteht, dass für Wissenskonstruktion und Kompetenzentwicklung
innerhalb der Lehrveranstaltung ausreichend Zeit eingeräumt werden muss. Zum
Anderen muss zum Beispiel in zusätzliche Schulungsmaßnahmen investiert werden,
um die Kompetenzen bei Lehrenden und Studierenden zu entwickeln, die für die
Betreuung der Portfolio-Arbeit und die Entwicklung eines E-Portfolios notwendig sind.
Der Prozess der Einführung von E-Portfolios und die Unterstützung der E-PortfolioErsteller und –Betreuer spielen dabei eine besonders wichtige Rolle.
Beispiele aus der Hochschullandschaft
Die Vorteile und der Mehrwert von E-Portfolios stellen sich nicht von selbst ein. An
ausgewählten Beispielen soll gezeigt werden, wie die Einführung von E-Portfolios
erfolgreich gestaltet werden kann. Die Beispiele wurden so ausgewählt, dass
Lösungen mit unterschiedlich eingesetzter Technologie präsentiert werden können.
New York City College of Technology (USA)
Das New York City College of Technology (NYCCT) bearbeitet seit dem Jahr 2001
gemeinsam mit dem LaGuardia Community College ein 5-Jahres-Projekt mit einem
Volumen von 3,1 Millionen $. Das Projekt wird vom U.S Department of Education
innerhalb des Programms „Hispanic Serving Institutions Program“ gefördert.
Ziel des Projektes ist es
“[to] enable[.] students to create professional websites that will contain a
number of their academic examples and learning experiences [and to] support
the integration of technology in the curriculum”.
Um dieses Ziel zu erreichen, werden momentan in sieben Fachbereichen des
Colleges innerhalb einzelner Kurse E-Portfolios als Bestandteil des Curriculums
angeboten. Die technische Realisierung der E-Portfolios wird mit der Software
Dreamweaver und einem von dem College zur Verfügung gestellten Template
erreicht, das in der unten stehenden Abbildung zu sehen ist.
Abbildung 1: NYCCT - Template E-Portfolio (Quelle: http://eportfolio.citytech.cuny.edu/)
2005 © Silke Kleindienst
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Als Informationsplattform für Studierende und Lehrende steht eine Website zum
Thema E-Portfolio zur Verfügung. Hier finden sich sowohl Details zum Projekt, weit
reichende Informationen darüber, welche Hilfestellung das College bietet, als auch
FAQs und Tutorials.
Abbildung 2: Website E-Portfolios des NYCCT (Quelle: http://eportfolio.citytech.cuny.edu/)
Für die Einführung und Realisierung der E-Portfolios stehen den Lehrenden und
Lernenden zahlreiche Möglichkeiten der Hilfestellung zur Verfügung. Lehrende, die
E-Portfolios in ihren Kursen einsetzen möchten, werden zum Beispiel in summer
courses in die Arbeit mit E-Portfolios eingeführt.
Die organisationale Unterstützung der Studierenden umfasst fast ausschließlich
technische Aspekte. Hier ist das Angebot aber umfassend und wirkt professionell. In
einem mit neuester Technik ausgestatteten ePORTFOLIO Lab steht Lehrenden und
Studierenden alle nötige Technik für die Gestaltung eines E-Portfolios zur Verfügung.
Neben der Technik stehen den Anwendern erfahrene Tutoren zur Verfügung, die
konkrete Hilfestellung leisten. Darüber hinaus werden regelmäßig offene und
geschlossene Workshops zu Themen rund um die technische Realisierung des EPortfolios angeboten.
Zusätzlich zu der technischen Unterstützung wird den Studierenden die Möglichkeit
gegeben, das eTutor Program zu nutzen. eTutor ist eine Dienstleistung, die den
Schreibprozess innerhalb der Gestaltung des E-Portfolios unterstützt. Studierende
haben hier die Möglichkeit, über eine Webschnittstelle ihre Texte für ein Review
einzureichen und Feedback einzuholen.
Online Master of Distance Education (OMDE)
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg &
University of Maryland University College (UMUC) USA
Innerhalb des Berufs begleitenden Online Master of Distance Education, der
gemeinsam von der Universität Oldenburg, Deutschland und der Universität
Maryland, USA angeboten wird, kommen E-Portfolios kursübergreifend in
Verbindung mit Lerntagebüchern zum Einsatz. Der OMDE ist ein international
ausgerichteter Master, das heißt sowohl Studierende als auch Lernende sind
geographisch verteilt. Die Kurssprache ist Englisch.
2005 © Silke Kleindienst
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Ziel des Einsatzes von E-Portfolios ist es
„to demonstrate your (students) qualifications gained in the field and to provide
evidence of your competencies and skills in a variety of disciplines/roles. It is
our hope that this Portfolio would end up being your passport to the
professional world.”
Das E-Portfolio soll als Website erstellt werden, dabei ist den Studierenden frei
gestellt, mit welchen Tools sie die Aufgabe bewältigen.
Bereits zum Beginn des Online-Studiengangs wird den Studierenden die Idee der
Arbeit mit E-Portfolios und Lerntagebuch vorgestellt. Erwartet wird von den
Studierenden, dass sie ihr E-Portfolio in Eigenregie erstellen. Als Unterstützung in
dem Erstellungsprozess steht ein Tutorial, unter anderem mit den Themen
„Portfolios“, „Lerntagebuch“ und „Werkzeuge,“ zur Verfügung. Für offene Fragen,
Diskussion und den Erfahrungstausch haben die Studierenden die Möglichkeit im
MDE Klub in einem geschützten Raum zu kommunizieren. Die Vorlage des EPortfolio Entwurfs ist Voraussetzung für die Zulassung zum Schlusskurs, in dem
durch die Bearbeitung eines Projektes die fachliche Kompetenz im Bereich Distance
Education nachgewiesen werden soll. Innerhalb dieses Kurses soll auch die Arbeit
an dem E-Portfolio vervollständigt. Werden.
Hauptsächlich finden die Studierenden Unterstützung durch das Tutorial. Neben
allgemeinen Informationen finden die Studierenden hier ausführliches Material zu
den Themen „Portfolios“, „Lerntagebuch“. Es wird ein theoretischer Hintergrund
vermittelt, praktische Beispiele aufgezeigt und das Doing erklärt. Ein ausführlicher
Teil „Werkzeuge“ stellt technische Möglichkeiten vor, ein E-Portfolio zu realisieren.
Abbildung 3: Tutorial "Net-Based Portfolios" der Uni Oldenburg (Quelle: http://www.unioldenburg.de/zef/christinewalti/tutorial/)
2005 © Silke Kleindienst
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„History 200“ an der University of Waterloo (Canada)
Die University of Waterloo (UW) forscht gemeinsam mit zwei weiteren Universitäten
und der Carnegie Foundation zum Thema E-Portfolio. Im Jahr 2004 startete die
Universität mehrere E-Portfolio Pilotprojekte in einzelnen Kursen.
Ziel der Initiative ist die Gestaltung
„of integrale E-Portfolios with particular subject areas in order to help students
demontrate and document their competencies within an given domain (i.e.
history)“.
Da es keine hochschulweite Stragie für E-Portfolios an der UW gibt, liegt das
Engagement in diesem Bereich hauptsächlich bei den einzelnen Lehrenden.
Momentan arbeiten vier Kurse an der UW mit E-Portfolios. Anhand eines Beispiels,
dem Kurs „History 200“ von Tracy Penny Light wird die Einführung von E-Portfolios
deutlich gemacht. In diesem Kurs wird das KEEP Toolkit für die Erstellung des EPortfolios verwendet.
E-Portfolios sind ein wesentlicher Bestandteil des Kurses „History 200“. Sie dienen
nicht nur zur Sammlung der im Kurs entstehenden Arbeiten, sondern bieten darüber
hinaus die Gelegenheit zu reflektieren und das Feedback der Lehrenden einzuholen.
Das E-Portfolio hat in diesem Kurs das Ziel die Kompetenz critical thinking im
Kontext History nachzuweisen.
Der Kurs startet mit einer Demonstration des teaching portfolio der Lehrenden, eine
gute Gelegenheit das Format und den Nutzen eines E-Portfolios zu zeigen. Das
teaching portfolio als entstehendes E-Portfolio macht in einer sehr realitätsnahen Art
den Nutzen und den Sinn eines E-Portfolios deutlich.
Abbildung 4: Teaching Portfolio von T. P. Light (Quelle:
http://cases.carnegiefoundation.org/kml/KEEP/snapshots/waterloo_5.html9
Wichtiger Teil des Kurses „History 200“ ist die Auseinandersetzung der Studierenden
mit der Frage „what do you think „doing history“ is?“. Eine schriftliche Antwort darauf
wird zum Start, zur Mitte und zum Ende des Kurses gefordert und ist ein wichtiger
Bestandteil des E-Portfolios.
Filme und Texte als Primär- und Sekundärquellen sind die wichtigsten Objekte
innerhalb von History 200. Anhand bestimmter Fragestellungen wird die Diskussion
darüber angeregt, hierbei haben die Studierenden die Möglichkeit, das Bild von
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„doing history“ für sich zu malen, zu revidieren, zu vervollständigen. Auch diese
Antworten sammeln die Studierenden in ihren E-Portfolio.
Weitergehende Aufgabenstellungen, wie zum Beispiel „interpretive exercise“ oder die
Entwicklung eines Entwurfs für eine Forschungsarbeit bis hin zur finalen Version
eines Projektes vervollständigen das Konzept.
Professor Light begleitet sowohl die Forschungsarbeit der Studierenden als auch den
Entwicklungsprozess des „critical thinking“ mit formativem wie auch sachlichem
Feedback. Zusätzlich gibt es dazu ein peer-review Verfahren, um den Lernprozess in
Auseinandersetzung mit anderen Arbeiten anzustoßen.
Alle Studierenden sind dazu aufgefordert, sowohl ihre Arbeiten als auch das dazu
gehörige Feedback sorgfältig zu sammeln und in einem letzten Schritt ihre beste
Arbeit zur Beurteilung an die Lehrende zu übermitteln.
Resümee
Aus den oben beschriebenen Beispielen wird deutlich, dass es sehr unterschiedliche
Ansätze der Einführung von E-Portfolios gibt. Wir haben ein Beispiel gesehen, dass
hauptsächlich auf Unterstützung im Prozess der technischen Erstellung eines EPortfolios setzt. Ein anderes Beispiel sah Eigenverantwortlichkeit als Ziel der
Kompetenzentwicklung und hat deshalb den Prozess der E-Portfolio Erstellung
gänzlich selbst organisiert gestaltet. Folgerichtig wurde nur wenig Unterstützung in
diesem Beispiel angeboten. Das letzte Beispiel, das vorgestellt wurde, setzte auf den
Faktor „Vorbild“, Unterstützung durch „passende“ Aufgabenstellungen und intensives
Feedback in Verbindung mit einem sehr einfach zu handhabenden Tool.
Wichtige Aspekte in der Einführungsphase des E-Portfolio Gedankens sind aus
meiner Sicht das Ziel, das mit der Erstellung des E-Portfolios erreicht werden soll,
die Aufgabenstellungen inklusive der Reflexion dazu, die in dem E-Portfolio
dokumentiert werden soll, die Dokumentation des Lernfortschritts innerhalb des
E-Portfolios und das Werkzeug, mit dem das E-Portfolio erstellt werden soll. Wichtig
erscheint mir auch, dass es ein Vorbild gibt, das bereits erfolgreich mit E-Portfolios
arbeitet.
Das Ziel beschreibt unter anderem, welche Kompetenzen mit der E-Portfolio
Erstellung entwickelt und dokumentiert werden sollen. Aus der Kompetenzfestlegung
müssen sich zwingend die Unterstützungsmaßnahmen ableiten lassen und
angeboten werden. In unserem Beispiel NYCCT war das Ziel der Einführung von EPortfolios die Kompetenzentwicklung im Bereich Web-Design. Ganz richtig legte das
College deshalb den Schwerpunkt der Unterstützungsmaßnahmen auf Workshops
und Beratung im Bereich Web-Design und dem Umgang mit der angebotenen
Software.
Die Aufgabenstellungen, deren Ergebnisse im E-Portfolio dokumentiert und
reflektiert werden sollen, müssen so gewählt sein, dass die Studierenden innerhalb
dieser Aufgabenstellungen die zu erreichende Kompetenz einüben können. Die
Aufgaben müssen zwingend den Aspekt der Reflexion erlauben und sinnvoll
machen. Aufgaben, die also lediglich „gepauktes“ Wissen abfragen, sind für die EPortfolio Arbeit nicht geeignet.
Die Dokumentation des Lernfortschrittes ist einer der wichtigsten Punkte in der
Arbeit mit E-Portfolios. Innerhalb des Einführungsprozesses muss den Studierenden
anhand von Beispielen und Fragestellungen erläutert werden, wie ein Lernfortschritt
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sichtbar gemacht werden kann, welche Unterstützung sie dabei erwarten und
welchen persönlichen Nutzen sie daraus schöpfen können. Besonders wichtig
erscheint hier die Begleitung durch die Rolle eines Mentors, die der Lehrende oder
eine andere Person einnehmen kann. Aufgabe des Mentors sollte Feedback und
Unterstützung bei Fragen bezüglich des E-Portfolios aber auch zum Thema „Lernen“
sein. Ein Szenario angelehnt an die Idee der Schreibwerkstatt als E-Portfolio
Werkstatt ist gut denkbar.
Das Werkzeug, mit dem E-Portfolios erstellt werden sollen, sollte so einfach wie
möglich sein. Wünschenswert wäre, dass so gut wie kein spezielles technisches
Wissen dafür notwendig ist. Als Ausnahmefall wäre ein E-Portfolio zu nennen, bei
dem das Ziel der Nachweis von Kompetenzen im Bereich Web-Technologien ist. Das
Werkzeug sollte darüber hinaus die Möglichkeit bieten, dem Betrachter eines EPortfolios auf den ersten Blick bereits ein ganzheitliches Bild des E-Portfolio
Erstellers zu vermitteln. Systeme, die bei dem Betrachter des E-Portfolios ein großes
Maß an Verständnis für das System selbst voraus setzen, scheinen nicht vorteilhaft
zu sein.
Das Vorbild sollte nicht verwechselt werden mit Beispielen für ein E-Portfolio. Ein
Vorbild geht weit darüber hinaus. Es bietet den Studierenden die Möglichkeit, quasi
ein E-Portfolio im Entstehen, aber schon mit Inhalten vielfältigster Art zu erleben. Je
mehr Lehrende selbst ein E-Portfolio einsetzen, um ihre Kompetenzen und den
Prozess des lebenslangen Lernens zu dokumentieren, umso selbstverständlicher
wird es für die Studierenden werden.
Wird der Einführungsprozess der E-Portfolio Arbeit unter den oben beschriebenen
Aspekten gestaltet, sollte der Prozess für alle daran Beteiligten, das sind Lehrende,
Studierende und Mentoren, befriedigend und als Gewinn in unterschiedlicher
Hinsicht verlaufen.
2005 © Silke Kleindienst
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Referenzen
Barett, Helen: The Research on Portfolios in Education: http://helenbarrett.com/ALI/research.html;
(letzter Zugriff am 08.04.2005)
Batson, Trent: The electronic portfolio boom: What’s all about it?; Campus Technology, Syllabus:
http://www.campus-technology.com/article.asp?id=6984; (letzter Zugriff am 18.05.2005)
Carney,
Joanne:
What
kind
of
electronic
portfolio
research
do
http://it.wce.wwu.edu/carney/Presentations/SITE05/ResearchWeNeed.pdf;
(letzter
03.05.2005)
we
need?:
Zugriff
am
Light, Penny Tracy: Making Connections: Documenting competencies with ePortfolio.
http://www.carnegiefoundation.org/master/sub.asp?key=38&subkey=801;
(letzter
Zugriff
am
04.12.2005)
Walti, Christine: Implementing Web-Based Portfolios and Learning Journals as Learner Support Tools:
An Illustration. http://www.uni-oldenburg.de/zef/christinewalti/tutorial/texts/Walti.pdf (letzter Zugriff am
04.12.2005)
Walz, Phil: What’s behind the hype. http://istpub.berkeley.edu:4201/bcc/Spring2004/eportfolio.html;
(letzter Zugriff am 18.05.2005)
Autorin
Silke Kleindienst ist Diplom-Informationswirtin (FH) und Expertin für Neue Lerntechnologien. Seit
mehreren Jahren beschäftigt sie sich aktiv mit dem Thema "Integration von E-Learning an
Hochschulen". An der Fachhochschule St. Pölten GmbH in Österreichc ist sie als Projektleiterin für die
hochschulweite Einführung von E-Learning Elementen und innovativen Lehr- und Lernszenarien in
den Bachelor- und Master-Studiengängen verantwortlich. Das Thema E-Portfolio ist Gegenstand ihrer
laufenden Dissertation, auch hier liegt ihr Schwerpunkt auf dem Umfeld der Hochschulen.
Kontakt:
Silke Kleindienst
Projektleiterin E-Learning
Fachhochschule St. Pölten GmbH
Herzogenburger Str. 68, A-3100 St. Pölten
T: +43/2742/313 228 – 280
E: silke.kleindienst@fh-stpoelten.ac.at
I: www.fh-stpoelten.ac.at
2005 © Silke Kleindienst
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