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Blättlingsbefall – und wie man damit umgeht - Deutscher Holz- und

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Fachbereiche
Holzschutz
Blättlingsbefall – und
wie man damit umgeht
Bild 3: Deutlich sichtbarer,
aber von Laien nicht
ernst genommener
Blättlingsfruchtkörper.
Der Tannen- oder Zaunblättling (seltener der Balkenblättling)
sind Begleiter des vorrangig im Freien verbauten Holzes. Auch
innerhalb von Gebäuden sind diese Holz zerstörenden Pilze nicht
unbekannt.
Insbesondere werden dort Holzbalkendecken unter undichten Sanitäranlagen (z. B. Duschtassen,
Waschbecken, Toiletten) sowie Konstruktionshölzer unter defekten (Papp-)Dacheindeckungen befallen. Die infolge der Leckagen lang anhaltende
Bauteilfeuchte ermöglicht den Pilzen optimale
Entwicklungsbedingungen.
Nun habe ich in der Vergangenheit (ivm1 Heft
3/99 und S&E Heft 3/2005) ausführlich über diese
Gruppe der Pilze berichtet. Es scheint mir jedoch
sinnvoll, nochmals auf die Brisanz dieser Organismen hinzuweisen. Letzten Endes gab eine kleine
Randnotiz von Georg Brückner (Fachbereichsleiter
Sachverständigenwesen im DHBV) im Heft 4/2008
auf Seite 21 den Ausschlag dafür.
In dieser Randnotiz bittet er den fachkundigen Leser seine Meinung zur Sanierung zweier
13 m langer Brückenträger aus Lärchenrundholz
mitzuteilen. An diesem Brückenträger sind, wie
in der o. g. Randnotiz gezeigt sowie auf dem Bild
1 dargestellt, zahlreiche Fruchtkörper des Tannen- oder Zaunblättlings vorhanden. Von Herrn
Brückner habe ich erfahren, dass es bezüglich
einer Sanierung dieser Brückenträger teilweise seltsame Vorstellungen gibt. Bevor ich mich
dazu äußere, möchte ich die Eigenarten sowie
das Zerstörungspotential dieser Pilzgruppe aus
praktischer Erfahrung darstellen.
Tannenblättling
[Gloeophyllum abietinum]
Seine Fruchtkörper erscheinen meist als
konsolartige Gebilde und wachsen aus Rissen
sowie Spalten von Holzbauteilen. Neben Türen
und Fenstern können alle anderen frei bewitterten Holzbauteile aus Nadelholz befallen werden. Die Unterscheidung zwischen Tannen- oder
Zaunblättling ist aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten von untergeordneter Bedeutung. Beide
Pilzarten erreichen im Splint- bzw. Kernholz von
Nadelholz ähnliche Abbauraten. So beträgt die
Abbaurate beim Tannenblättling an Kiefernsplintholz 25–68 % und bei Kiefernkernholz ca. 3 %2
innerhalb von 3 Monaten.[1]
Werden klassische Konsolfruchtkörper gebildet, so erkennt man den Tannenblättling am
sichersten an Hand des Lamellen- bzw. Leistenabstandes am Fruchtkörperrand. Pro Zentimeter werden 8..10..12 Lamellen ausgebildet. Der
Tannenblättling bildet im Vergleich zu den anderen Blättlingsarten am ehesten durchgehende Lamellen aus.
Erscheinen Fruchtkörper an der Bauteiloberfläche, so kann man davon ausgehen, dass das
Holz im Umfeld durch eine intensive Braunfäule
im Inneren zerstört wurde. Dieses Wissen haben
in aller Regel nur Fachleute. Laien erkennen diese Fruchtkörper oftmals nicht als ernst zu nehmende Gefahr.
In fast jedem größeren Baumarkt werden
Holzschaukeln für Kinder angeboten (Bild 2).
Wird chemisch ungeschütztes Holz verwendet,
so können sich innerhalb weniger Jahre Fruchtkörper des Tannenblättlings entwickeln. Auch
wenn diese Fruchtkörper unmittelbar neben der
Schaukelverankerung wachsen (Bild 3), erfasst
in vielen Fällen der Laie nicht die Folgen dieses
Pilzwachstums. Erst nachdem auf meine Anweisung diese Kinderschaukel zersägt wurde, erkannte auch der Laie die Gefahr. Das Holzinnere war
Bild 1: Zahlreiche Fruchtkörper eines Blättlings
deuten auf eine Innenfäule hin.
Bild 2: Baumarkt-Kinderschaukeln, die es zu
tausenden in Deutschland gibt.
1
2
ivm – interne Verbandsmitteilung des DHBV e.V., Vorgängerzeitschrift der S & E.
Werte wurden im Labor bei 20° C ermittelt. Bei optimalen Temperaturen (um 30° C) kann ein mehrfaches der
Abbauraten erreicht werden.
Schützen & Erhalten · März 2009 · Seite 7
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Holzschutz
fast vollständig zerstört. Eine sichere Verankerung des Schaukelhakens war nicht mehr gegeben (Bild 4). Auch Schellen, die um das Bauteil
gespannt werden, verhindern nicht den Bruch
des Rundholzes. Die Holzstruktur wird durch den
Zelluloseabbau so weit verändert, dass das Holz
jahrringweise zerfällt (Bild 5).
Auch öffentliche Spielplatzbauten, Hochseilgärten, Brücken- und Tribünenkonstruktionen
sind nicht immun gegenüber einem Pilzbefall.
Bild 4: Schnittfläche unmittelbar neben
dem Holzhaken.
Bild 5: Für einen Blättlingsbefall typische
Holzzerstörung.
Bild 6: Oberflächenmyzel an einer
Sparrenkopfflanke in einem Pappdach.
Bild 7: Durch eine intakte obere und untere Holzschicht ist die Zerstörung nicht zu erkennen.
Zaunblättling
[Gloeophyllum sepiarium]
Auch diese Fruchtkörper zeigen am frei bewitterten Holz konsol- bzw. leistenförmige Ausbildungen. Die Farb- und Zonierungsvariation an
den Konsoloberseiten ist groß. Das Farbspektrum
(Rotbraun, Braun, Dunkelbraun, Grau) ist vom
Alter und den Klimabedingungen abhängig. Der
Zaunblättling neigt eher als der Tannenblättling
dazu, diese Farbvariation auszubilden. Eine sichere Differenzierung ist anhand der Leistenabstände am Konsolrand möglich. Hier werden
innerhalb eines Zentimeters 14..18..24 Leisten
gezählt. In der Regel sind die Leisten des Zaunblättlings fleischiger bzw. wulstiger ausgebildet
und es sind Poren darin integriert.
Von den drei an baulichen Anlagen vorkommenden Blättlingsarten ist eine Differenzierung
der Myzele makroskopisch kaum möglich, da sie
ähnlich ausgebildet werden. Diese
kann in Verbindung mit Fruchtkörpern oder mikroskopisch
erfolgen. Typischerweise
werden von den drei Arten
helleres Untermyzel und
dunkleres Deckmyzel gebildet (Bild 6).
Wird Blättlingsbefall in
einem Dachstuhl festgestellt
und zeigen sich Myzele auf
der Holzoberseite (wie im Bild 6
zu erkennen ist), so ist die eigentliche
zerstörte Holzsubstanz kaum zu erkennen. Erst
durch mechanische Bearbeitung kann die oftmals
dünne, noch intakte Holzschicht abgenommen
werden, um das gesamte Schadausmaß zu beurteilen. Besonders deutlich wird dies an einem
Schalungsbrett, welches vom Tannenblättling
zerstört wurde (Bild 7).
Alle Blättlinge bilden unter bestimmten Bedingungen abnorme, geweih-, strauch-, knollenoder keulenartige Strukturen aus. Die Oberfläche
dieser Gebilde kann filzig bis glatt sein. Solche
Gebilde sind als Dunkelfruchtformen in der Literatur beschrieben.
In Gebäuden ist diese Erscheinung, insbesondere in Decken- und Dachhohlräumen, nicht
selten (Bilder 8 und 9). Werden solche Erscheinungen gefunden, kann man davon ausgehen,
dass das Innere des Holzes, auch über den äußeren sichtbaren Befallsbereich hinaus, geschädigt wurde.
Bild 8: Strauch- oder geweihartige
Dunkelfruchtformen des Zaunblättlings.
Bild 9: Knollenartige Dunkelfruchtformen
an einem Deckenbalken.
Bild 10: Balkenblättling an einem bewitterten
(südwestseite) Brettschichtbinder.
Bild 11: Oberflächenmyzel ohne äußerlich sichtbare
Holzzerstörung.
Bild 12: Horizontale Trockenrisse an einem Balkongeländer werden bei jedem Regen mit Wasser gefüllt,
welches nicht ablaufen kann.
Bild 13: Eine Hängewerkskonstruktion (Brücke) wird
durch (Opfer-)Bretter mit Abtropfkanten wirksam
geschützt.
Schützen & Erhalten · März 2009 · Seite 8
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Holzschutz
Balkenblättling
[Gloeophyllum
trabeum]
Die Fruchtkörper des Balkenblättlings können anhand der Strukturdichte des Hymeniums (sporenbildende Fruchtschicht) gegenüber
den anderen Blättlingen unterschieden werden. Pro Zentimeter werden etwa 20 bis 40 Poren gezählt.
Die Fruchtschicht besteht nämlich
hauptsächlich aus Poren (Bild 10).
Leisten bzw. Lamellen werden sehr
selten gebildet.
Oberflächenmyzel vom Balkenblättling wird in der Praxis kaum
gefunden. Man kann jedoch davon
ausgehen, dass sich das Farbspektrum vom Weiß bis zum Hellbraun
erstreckt. Die Funde in der Praxis zeigen, dass zwischen Unterund Oberflächenmyzel eine deutliche Differenzierung vorhanden ist
(Bild 11).
Grundsätzlich können Blättlinge
am Holz nur gedeihen, wenn entsprechend hohe Holzfeuchten vorliegen. Das Optimum beginnt, je
nach Pilzart, bei 35 bis 40 %. Diese
Feuchtigkeitswerte werden an frei
bewittertem und ungeschütztem
Holz mehrmals im Jahr erreicht.
Mit Wasser gefüllte Trockenrisse in
horizontal verlaufenden Bauteilen
sind dafür ideale Voraussetzungen
(Bild 12). An senkrecht verlaufenden
Bauteilen (Stiele, Stützen) bzw. an
abgedeckten Konstruktionen wird
diese Gefahr einer intensiven Befeuchtung entscheidend minimiert
oder gar beseitigt. So bieten Regenschutzmaßnahmen ausreichende
Sicherheit, durch die auch eine chemische Schutzbehandlung entbehrlich werden kann (Bild 13).
Kommt es zur Vernachlässigung
von konstruktiven und/oder chemischen Schutzmaßnahmen, so werden
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Dipl.-Ing.
Ekkehard Flohr
Fachbereichsleiter Holzschutz
An der Hohen Lache 6
06846 Dessau
Telefon: (03 40) 6 61 18 84
Telefax: (03 40) 6 61 18 85
E-Mail: flohr@dhbv.de
Rißbewegungen
messen mit Protokoll
rende Pilze und der Zelluloseabbau
führt zu einem gravierenden Festigkeitsverlust.
Am eingangs erwähnten Beispiel von Georg Brückner ist genau
dieses eingetreten. Ich habe bei
der Beschreibung der Gruppe der
Blättlinge ihre Eigenarten sowie deren Gefährdungspotential erläutert.
Daraus resultierend kann es meiner
Meinung nach nur eine vernünftige Entscheidung bei der Sanierung
dieser Brückenkonstruktion geben
– Rückbau!
Demgegenüber steht jedoch
die Meinung eines hinzugezogenen
Sachverständigen, der genau diese
Trägerkonstruktion erhalten möchte. An dieser Stelle darf ich an eine
Textpassage in der Landesbauordnung § 13 erinnern: „(1) Bauliche
Anlagen müssen so angeordnet,
beschaffen und gebrauchstauglich
sein, dass durch Wasser, Feuchtigkeit, pflanzliche und tierische
Schädlinge sowie andere chemische,
physikalische oder biologische Einflüsse Gefahren oder unzumutbare
Belästigungen nicht entstehen.“
Eine Gebrauchstauglichkeit
ist gegeben, wenn eine uneingeschränkte Nutzung für den vorgesehenen Zweck gewährleistet ist.
Der vorgesehene Zweck beinhaltet
auch, dass viele Personen gleichzeitig diese Brücke betreten. Dies
wird in Form der Verkehrslast rechnerisch berücksichtigt. Dadurch
eintretende Spannungen sind u.a.
in Abhängigkeit der Bauteilgeometrie (Querschnitt) zu bewerten.
Nun hat der Pilz, insbesondere die
Bohrhyphen des Substratmyzels, begonnen, die Zellwände im Holz zu
durchdringen und ihre Bestandteile
zu verwerten. Es gibt weltweit keine
praktikable Messmethode, unter Berücksichtigung dieser Erscheinung,
den Restquerschnitt und damit die
Gebrauchstauglichkeit der Brücke
zu ermitteln.
Denjenigen, die sich für den
Erhalt der Brückenträger einsetzen,
wünsche ich, nur im Interesse der
Brückennutzer, ein erfolgreiches
Schätzen.
[1]
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Schützen & Erhalten · März 2009 · Seite 9
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