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Kapitel 8: Außenhandel und Umwelt Einführung: Wieso handeln

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OL SOWI für NAWI
Kapitel 8: Außenhandel und Umwelt
Karl Steininger
Univ.Ass. Mag. Dr. Ursula Liebhart
Einführung: Wieso handeln Länder?
David Ricardo (1817): Theorie der komparativen Kostenvorteile
ƒ durch Handel steigt die Wohlfahrt der Güter austauschenden
Länder (ermöglicht mehr Konsum)
ƒ Handelsrestriktionen (Importbeschränkungen, Zölle) reduzieren
die Wohlfahrt
ƒ Jedes Land spezialisiert sich auf die Produktion jener Güter, die
es relativ zu anderen Ländern billiger produzieren kann
(gemessen als Opportunitätskosten)
= Theorie der komparativen Kostenvorteile
ƒ Umsetzung des Freihandels im GATT (General Agreement of
Tariffs and Trade) und der WTO (World Trade Organization)
Steininger: OL SOWI für NAWI
1
Einführung: Wieso handeln Länder?
ƒ Umfang und Vernetzung des Handels nehmen zu
ƒ Handel steigert das Wirtschaftswachstum
ƒ Negative Umweltwirkungen des Handels aufgrund
ƒ
ƒ
des gesteigertem Wirtschaftswachstums: mehr Output
ƒ
Warentransport
Spezialisierung zwischen den Ländern (verschmutzungsintensive –
verschmutzungsextensive Sektoren)
ƒ aber auch positive Wirkungen auf die Umwelt möglich: steigendes
Umweltbewusstsein, Technologietransfer etc.
ƒ Umweltschutz durch Handelspolitik?
Steininger: OL SOWI für NAWI
Einführung: Wieso handeln Länder?
Steininger: OL SOWI für NAWI
2
Komparative Kostenvorteile
ƒ 2 Länder (UK, USA) produzieren Nahrung und Bekleidung mit dem
Input Arbeit
ƒ
UK benötigt 5 Eh Arbeit für die Produktion einer Eh Nahrung, und 2 Eh
Arbeit für 1 Eh Bekleidung
ƒ
USA benötigt 6 Eh Arbeit für die Produktion einer Eh Nahrung, und 12
Eh Arbeit für 1 Eh Bekleidung
ƒ UK hat daher einen absoluten Kostenvorteil: es kann beide Güter
billiger produzieren
ƒ Dennoch ist es sinnvoll, dass sich beide Länder auf die Produktion
eines Gutes spezialisieren: auf jenes, das sie relativ zum anderen
Land billiger produzieren können
Steininger: OL SOWI für NAWI
Komparative Kostenvorteile
Berechnung der Opportunitätskosten: wie hoch sind die Opportunitätskosten
1 EH Arbeit in der Produktion von Nahrung bzw. Bekleidung?
Steininger: OL SOWI für NAWI
3
Komparative Kostenvorteile
Vergleich der Opportunitätskosten zwischen UK und USA
für Ernährung:
für Bekleidung:
Steininger: OL SOWI für NAWI
Komparative Kostenvorteile
ƒ beide Länder haben 120 EH Arbeit zur Verfügung
ƒ Autarkie (=ohne Handel):
ƒ
USA produziert und konsumiert 7 EH Nahrungsmittel, 6.5 EH
Bekleidung
ƒ
UK produziert und konsumiert 13 EH Nahrungsmittel, 27.5 EH
Bekleidung
ƒ Freihandel, z.B. bei einem Austauschverhältnis von P=1:
ƒ
vollkommene Spezialisierung
ƒ
USA produziert 20 EH Nahrungsmittel, und konsumiert 7 EH
Nahrungsmittel, 13 EH Bekleidung
ƒ
UK produziert 60 EH Bekleidung, und konsumiert 13 EH
Nahrungsmittel, 47 EH Bekleidung
Steininger: OL SOWI für NAWI
4
Komparative Kostenvorteile
Steininger: OL SOWI für NAWI
Umwelt und komparative Kostenvorteile
ƒ
Erweiterung um (nationale) Umwelteffekte
ƒ Annahme: Emissionen aus Bekleidungsindustrie in UK erhöht
notwendigen Arbeitseinsatz auf 3 EH Arbeit für 1 EH
Bekleidung (= Umweltkosten)
ƒ Auswirkungen einer Umweltsteuer:
ƒ
ƒ
Reduktion der Produktion in UK
Reduktion der Vorteile des Handels (veränderte Struktur des
komparativen Vorteils)
ƒ Bei Handelspolitik (z.B. Importquoten auf das verschmutzende
Gut) noch stärkere Reduktion der Vorteile des Handels
ƒ daher: bei nationalen Umweltproblemen ist nationale
Umweltpolitik einer Handelspolitik vorzuziehen
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5
Umwelt und komparative Kostenvorteile
Steininger: OL SOWI für NAWI
Handel und Umweltpolitik
ƒ Abnahme der Wettbewerbsfähigkeit durch Umweltpolitik
ƒ
Nationale Umweltpolitik reduziert die Produktion (aufgrund steigender
Produktionskosten)
ƒ
daher sinkt das Handelsvolumen des Gutes, in dem ein Land einen
komparativen Vorteil hat
ƒ
empirisch kaum haltbar, weil Kosten aufgrund strengerer
Umweltgesetze vernachlässigbar, v.a. für Wahl des
Produktionsstandorts auf Firmenebene
ƒ Porter-Hypothese
strengere Umweltgesetze motivieren die Firmen zu Innovationen,
die mittelfristig die Wettbewerbsfähigkeit eines Sektors erhöhen
und so die höheren Produktionskosten wettmachen
Steininger: OL SOWI für NAWI
6
Handel und Umweltpolitik
ƒ
„Pollution Haven“ Hypothese
ƒ wenn Produktionsfaktoren zwischen den Ländern mobil sind,
wird verschmutzende Produktion in Länder ohne
Umweltgesetze verlagert = Verschmutzungshafen
ƒ Produktion in Ländern mit strikteren Umweltgesetzen können
nicht mithalten, werden vom Markt verdrängt; verstärkt den
Effekt
ƒ v.a. problematisch bei globalen Umweltproblemen
ƒ Schlussfolgerung für Umweltpolitik: internationale Koordination
notwendig, notfalls auch über Handelspolitik
Steininger: OL SOWI für NAWI
Internationale Handelsabkommen
ƒ
General Agreement on Tariffs and Trade (GATT)
ƒ Gegründet bei der Bretton Woods Konferenz 1944
ƒ Ziel: Verhinderung von Protektionismus wie in den 1930er
Jahren
ƒ 1995 durch die WTO (World Trade Organization) ersetzt
ƒ Drei Prinzipien
ƒ
Nicht-Diskriminierung (Most favoured nation clause): alle
Importländer werden gleich behandelt
ƒ
Reziprozität: wenn ein Land gegenüber einem anderen Land
einen Zoll reduziert, sollte dies das andere Land ebenfalls tun
ƒ
Transparenz: Umwandlung von Mengenbeschränkungen
(Importquoten) in Zölle (weil nachvollziehbarer für Exporteure und
KonsumentInnen)
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7
Internationale Handelsabkommen
ƒ
GATT und Umwelt
ƒ Erst kürzlich explizite Berücksichtigung von Umweltschutz:
Unterausschuss „Trade and Environment“
ƒ Umweltpolitik, die sich an Produktstandards orientiert, nicht im
Widerspruch zu GATT-Prinzipien
ƒ Nationale Umweltpolitik darf in der Regel nur dann auf Importe
angewandt werden, wenn nicht direkter Bezug zum Produkt
ƒ Ausnahmen zu den GATT-Prinzipien allerdings nach Art XX
möglich „…where necessary to protect human, animal or plant
life or health“
z.B. Delfin-Thunfisch-Konflikt zwischen USA und Mexiko
ƒ Generell: häufig Schutz der heimischen Industrie (verbotener
Protektionismus) mit Umweltschutz „gerechtfertigt“
Steininger: OL SOWI für NAWI
Internationale Umweltabkommen mit Handelsbezug
ƒ Multilaterale Abkommen der United Nations
→ Beispiele für Handelspolitik, weil nationale Lösungen nur
unzureichend oder gar nicht möglich sind
ƒ
Convention on International Trade in Endangered Species of Wild
Fauna (CITES), 1973 ratifiziert, verbietet Handel mit gefährdeten Arten
oder deren Produkten
ƒ
Montreal-Protokoll, 1987: Verbot der FCKW-Verwendung in
unterzeichnenden Ländern, Verbot des Imports FCKW-hältiger
Produkte
ƒ
Basel Convention on the Control of Transboundary Movements of
Hazardous Waste and their Disposal, Verpflichtung zu nationalen
Lösungen der Entsorgung von gefährlichem Abfall
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8
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