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mals zu einem Umzug, in gleicher Weise, wie am Vormittag, nur daß

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mals zu einem Umzug, in gleicher Weise, wie
am Vormittag, nur daß unterdessen noch eine
Masse Volk mehr eingetroffen. Nach dem Umzun folgte die Festlichkeit in der Halle, welche
Herr Pfarrer Dr. Kind mit der folgenden trcfflichen Festrede eröffnete:
Hohe fürstliche Regierung! Verehrteste Ehrengaste! Teure Veteranen! Fahnenweihe des
Militär-Veteranen-Vereins „Fürst Johann I I .
von und zu Liechtenstein!" Ein Veteranenverein
in einem kleinen Lande, das keine Soldaten hat!
Nun, das beweist eben, daß auch da einmal
Soldaten waren. Unser jüngeres Geschlecht hat
allerdings die liechtensteinischen Soldaten nicht
mehr gesehen, wir aber, deren Haare schon etwas
weiß angeflogen sind,können uns noch gar wohl
daran erinnern. ES ist mir eine sehr liebe Erinnerung, wie ich vor jetzt 2 9 Jahren, anno
1866, unsere Soldaten vom italienischen Feldzuge heimkehren sah. I n N e n d e l n machten
sie Halt und wurde ihnen ein Trunk verabreicht.
Herr Landesphysikus v r . K a r l S c h ä d l e r
begrüßte sie mit einer Ansprache. I c h betrachtete
sie in ihrer schmucken Uniform — dunkelblau
mit roter Verbrämung — und hatte meine helle
Freude an ihnen. Besonders fiel mir die dunkle
Gesichtsfarbe auf, die sie oben auf dem Stilfserjoche sich geholt hatten. Mehr a l s alle übrigen
faßte ich die hohe, hagere, wettergebräunte Ge­
stalt des Hauptmanns ins Auge, jenes unvergeßlichen Hauptmann R h e i n b e r g e r , dem
unser Land besonders als vieljährigem Landestechniker, so viel verdankt. Leider weilt er nicht
mehr unter uns. Dafür aber sehen wir, gleichsam als seine Stellvertreterin, seine brave Tochter
Frl. E m m a in unserer Mitte, die FahnenPathin unserer Veteranen-Vereinsfahne. — D a s
war der letzte Auszug unserer Soldaten, ein
würdiger Abschluß unseres vielhundertjährigen
Kriegsdienstes, den wir als Glied des deutschen
Reiches in guten und bösen Tagen geleistet. Der
deutsche Bund wurde, wie bekannt, aufgelöst und
wir so jeder Verpflichtung gegen denselben enthoben.
Wir stellten uns auf eigene Beine, herzhaft
hinein zwischen zwei liebe Nachbarn, Oesterreich
und die Schweiz, von denen wir wegen ihrer
Gerechtigkeitsliebe und ihres Biedersinnes nichts
zu fürchten hatten, und rechneten also: 8 0 Mann
Soldaten haben w i r ; das ist um Krieg zu führen
zu wenig, um Soldaterigs zu spielen, zu viel;
also wollen wir im Interesse unserer ländlichen
Bevölkerung und unserer Landeskasse unser Kontingent auflösen und uns zwischen den beiden
Nachbarn, zwischen welche hinein uns eine gütige
Vorsehung gestellt hat, brav aufführen, daß sie
den kleinen Nachbar recht gerne haben; dann
kann es auch ohne Soldaten nicht fehlen. Der
Landtag beschloß also 1868 die Auflösung des
Kontingents, unser durchlauchtigster Fürst bestätigte
den Beschluß, und bald fand auf dem Schlosse
unter dem Jubel der Bevölkerung die Versteig«ung unserer Militäreffekten statt. Und so stehen
wir denn da als einziges Beispiel im Waffenstarrenden Europa eines S t a a t e s , der keine
Soldaten hat, aber vielleicht auch als einziges Beispiel eines Staates, der keine Staatsschulden hat.
Aber sollte beim neuen glücklichen Zustande
auch die Erinnerung an die Thaten, die Kämpfe
und Leiden und auch die Freuden unseres Militärs verwischt werden? Sollten jene, die anno
1849 draußen im B a d i s c h e n und 1866 auf
dem S t i l f s e r j o c h e neben einander im Felde
gestanden, ihre einstige Waffenbrüderschaft nicht
bis zum Tode fortsetzen? D a s wäre nicht recht
gewesen. S o mußte sichder Gedanke nahelegen,
einen Veteranenverein zu gründen, und vor zwei
Jahren ward derselbe zur Thatsache; man wollte
sich nahe bleiben im Leben und im Tode nach
militärischem Brauche sich ein ehrenvolles Ge«
leite geben, ja über das Grab hinüber als treue
Kameraden sich helfen.
Dieser Veteranenverein feiert heute seine Fahnenweihe. Die Fahne gehört zu einem Vereine, vor
allem zu einem Vereine mit militärischem Charakter. Gehet zurück in der Geschichte bis zu den
alten Völkern: ihr findet die Fahne als militärischen Mittelpunkt, allerdings in den verschiedensten Formen und Gestalten. Die Soldaten des
alten Rom, welche die halbe Welt sichunterthan
machten, sammelten sich um einen goldenen Adler,
der auf einer Stange befestiget war. Unter dem
Adler war häufig ein kleines Fähnchen angebracht mit der Nummer der Legion d. h. des
Regimentes, wie wir jetzt sagen, oder dem besondere Namen derselben, z. B . „Blitzlegion",
„Hinwegraffende Legion" u. dgl. Die untergeordneren Abteilungen trugen kleine Fähnchen auf
Stangen, ohne den Adler, die Stangen oft verziert durch allerhand tellerförmige oder eckige
Medaillons. Z u Fähnrichen wurden nur die
tapfersten Soldaten ausersehen, die überdies durch
ihre Kleidung aus den übrigen hervorstachen:
sie hingen Tierfelle über ihren Helm und
Rücken herab. Wer die Fahne durch sein Verschulden verlor, wurde mit dem Tode bestraft.
Dem Römer galt die Fahne als etwas Heiliges;
bei ihr schwur er den Soldateneid; sie ward,
wenn sie nicht im Kampf voranzutragen war, in
einem kleinen Heiligtum aufbewahrt, das als
heilig und unverletzlich galt und sogar das Asylrecht genoß, d . h . das Recht, daß ein verfolgter
Verbrecher, der in dieses Heiligtum sich flüchtete,
aus demselben nicht durfte herausgerissen werden.
Kaiser Konstantin der Große war der erste,
welcher die Kriegsfahne mit christlich-religiöser
Weihe umgab. Nach der bekannten Erscheinung,
bei welcher er — damals noch Heide — und
seinen Soldaten das Zeichen unserer Erlösung,
das Kreuz, a m Himmel erstrahlen sah und dabei
die Worte: „in diesem sollst du siegen",eine
Erscheinung, die Konstantin selbst dem SchriftstellerEusebius berichtete, ließ derselbe für das
Heer eine Fahne anfertigen, die ziemlich genau
unsern Kirchenfahnen entspricht: an einer Querstange, die mit der Fahnenstange die Form des
Kreuzes bildet, ließ er ein von Gold und Edelsteinen schimmerndes viereckiges Tuch befestigen,
auf der Höhe des Schaftes aber die Anfangsbuchstaben des Namens C h r i s t i anbringen. S o
Zeichen geworden,
war die Fahne ein christliches
und der erste Erfolg dieser christlichen
Fahne
war der Sieg des Christentumes über d a s
Heidentum, das drei Jahrhunderte hindurch d a s
Christentum im Blute zu ersticken gesucht hatte.
Die Form, welche Konstantin den Fahnen gegeben hatte, wurde später für die Kriegsfahnen
aufgegeben und es kam die Form der an den
Tragschaft unmittelbar angesetzten Fahnen auf,
während für kirchliche Zwecke die von Konstantin
gewählte F o r m bis auf unsere Tage geblieben
ist; die religiöse Weihe der Fahnen aber wurde
allgemeiner christlicher
Gebrauch nicht nur für
die Kirchenfahnen, sondern ebensogut für die
Kriegsfahnen. D a s Christentum hatte eben alle
Verhältnisse des menschlichen Lebens durchdrungen, alles in seinen heiligen Bann hineingezogen,
und so galt dem Christen nichts mehr als wahrHaft heilig und ehrwürdig, worauf nicht der Segen
der Kirche gekommen. E r war auch überzeugt,
daß alles, w a s die Kirche gesegnet, ihm beim
Gebrauch für Leib und Seele heilsamer, vor
. Unheil und Gefahren besser bewahrt sei.
Wie aber Kirche und Staat ihrem Volke die
Fahne, die unter religiösen Gebeten und Zeremonien geweihte Fahne, vorantragen ließen, so
wollten auch kleinere Gesellschaften, Vereine, um
ein solches gemeinsames Banner, als ihren geheiligten Mittelpunkt sichscharen. Und mit vollem
Rechte. Die Fahne ist nämlich vor allem das
Zeichen d e r E i n i g u n g u n d Eintracht.
Wollten die alten Römer in ihrer Kriegssprache
ausdrücken, daß die Truppen sich sammelten, so
nannten sie d a s : die Fahnen zusammentragen.
Will im Kriege der Soldat wissen, wo er sich
hinzustellen habe, so sucht er seine Fahne zu
erspähen; denn um diese herum, weiß er, ist
sein und seiner Kameraden Platz. Ganz so verhält es sichmit den Vereinen.
> Die Mitglieder scharen sich um die Fahne:
die ruft ihnen die Notwendigkeit geschlossener
Einigung, das Bewußtsein zielbewußter Eintracht
fortwährend ins Gedächtnis. Darum ist auch
der Bestand eines Vereines, welcher eine Fahne
führt, gesicherter: ein solcher Verein löst sich
nicht so schnell auf, die Fahne ruft zum Zusammenbleiben, Zusammenhalten, Zusammenarbeiten.
Wenn ich so von der Einigung und Eintracht
spreche, deren Zeichen, ja Beförderungsmittel die
Fahne ist, dann muß ich unserem Veteranenverein
von Herzen gratulieren. Denn die Einigung und
Eintracht, von welcher seine Fahne spricht, vollzieht sichnicht nur in löblichster Weise innerhalb
des Vereines selbst, sie hat eine Seite von sehr
großer Bedeutung, die über den Kreis des V?reines hinausschaut. Der Verein setzt sich nicht
aus Mitgliedern irgend einer einzelnen Gemeinde
zusammen; er umfaßt vielmehr Männer a u s
allen unsern Gemeinden. S o sind sich denn a u s
allen Gemeinden des Fürstentums eine Anzahl
der achtbarsten Männer einander besonders nahe
gerückt; sie fühlen ihre Zusammengehörigkeit in
Freud und Leid und bilden so ein einigendes
Band, welches das ganze Fürstentum umschließt.
Wie sehr dieses bereits jetzt der Fall ist, zeigt
die Entstehung dieser Fahne, zeigt auch das
heutige Fest ihrer Weihe. Den Kriegern standen
die Frauen und Jungfrauen Liechtensteins an die
Seite, um in dankbarer Erinnerung an den Schutz
der hohen Güter, für welchen sie dereinst die
Waffen getragen, ihre Beiträge zur Beschaffung
eines möglichst prächtigen Banners zusammenzulegen. Und innerhalb der Grenzen des Fürstentums selbst, so wollte es der wackere Verein,
sollte diese Fahne. gestickt werden: man sollte
nicht sagen dürfen, daß irgend eine Firma in
Wien dem Verein sein geheiligtes Palladium in
die Hand gedrückt habe, oder daß man über die
Grenzen des Fürstentums habe hinaus müssen,
um etwas rechtes zu bekommen.
Und wer bekam den ehrenvollen Auftrag, ein
solches Werk zu liefern? Die frommen und bescheidenen Nonnen im stillen Klösterlein auf dem
Schellenberge, die ihre Arbeit durch Gebet und
gute Meinung heiligen, siewoben mit kunstfertiger
entsetzliche Entdeckung, die ihr bevorstand. „Gräme
Dich nicht um mich. D u bist gerettet, dies ist
mein höchstes Glück. Und meinem Freunde Herbert
oder Morgan, wie ich ihn jetzt nennen muß,
wünsche ich den besten Ersolg, denn sein vortrefflicher Charakter, sein edles, gefühlvolles Benehmen machen ihn meiner tugendhaften Schwester
vollkommen würdig."
Während alle diese Vorgänge sichim Gesangnis abspielten, setzte Overdale seiner Heuchelei
und Herzlosigkeit die Krone auf.
Um ohne Aufsehen zu erregen, jeden Berkehr
mit Heywood zu vermeiden, hatte der elende Ver­
brecher unter dem Vorgeben von Krankheit seit
dem Verhör sein Zimmer nicht mehr verlassen.
Die durch Martin überbrachte Bittschrift seines
armen Opfers hatte ihn anfänglich etwas in Verlegenheit gebracht, aus der er sich aber mit rasfinierter Bosheit rasch zu befreien wußte. E r ließ
Lady Overdale auf sein Zimmer bitten und sagte
mit erheuchelter Betrübnis: „Hier habe ich ein
Schreiben von dem unglücklichen Heywood, Margarethe; ich hoffe. D u wirst das Vorgefallene vergössen und mir helfen, eine Pflicht der Menschlich-
keit zu erfüllen. Der Arme! E r ist ganz resigniert und sendet uns seine Abschiedsgrüße."
„Hat er gestanden?" fragte die Dame rasch.
, Jedermann fühlt Teilnahme für sein, wie man
allgemein sagt, unverdientes Geschick. E s ist unleidlich anzuhören; man sollte fast denken, alle
Beweise wären wertlos."
„Und doch waren sie erdrückend,^ versetzte der
Schurke; aber Richter und Geschworene sind nicht
unfehlbar. Auch ich kann noch nicht an seine
Schuld glauben und um seines Andenkens willen
hoffe ich, dieses Gefühl werde bleiben."
„Torheit! William. I c h bin überzeugt und
begreife Deine Schwachheit nicht, da doch gerade
D u seine ränkevolle Bosheit kennen lerntest. Denke
an Deine Schwester und laß' diese Kindereien.
Also er hat nichts eingestanden?"
„Nichts," versetzte der listige Schurke. „Aber
schuldig oder unschuldig, Margarethe, wir dürfen
nicht grausam sein. Der Arme fleht uns an,
unsern Einfluß anzuwenden, damit seine Leiche an
die Familie ausgeliefert werde. Eine bescheidene
Bitte, die man uns nicht abschlagen wird. I c h
möchte heute schon die nötigen Schritte thun, denn
es ist keine Zeit zu verlieren."
„Doch ich fühle mich durchaus nicht geneigt,
mich zu Gunsten Heywoods bei meinem Onkel
zu verwenden," sagte Lady Overdale. „Wenn
es D i r recht ist, will ich dem Gefangenen ein
Bittet schreiben mit der Mitteilung, daß wir seine
Bitte erfüllen würden, sobald er geständig wäre."
„Und wenn er nun wirklich unschuldig wäre,"
versetzte Lord Overdale, heimlich erfreut über
seiner Gattin Vorschlag, aber die tiefste Melancholie zur Schau tragend; „wenn er keinen Anteil an dem Morde hätte, welcher Schlag von
Seiten eines Freundes! Nein Margarethe, lieber
will ich mein seitheriges Schweigen beibehalten,
ich kann Heywoods Richter nicht sein."
„Gut, wie D u willst, William. M i r widerstrebt
es, in irgend einer Weise mit der Familiein Berührung zu kommen, besonders seit dem insolenten
Betragen des anmaßenden Sohnes. Schlägt meine
Gabe aus und erteilt mir guten Rat! William,
wir sollten uns glücklich schätzen, auf diese Weise
eine Verbindung Ellens mit dem vorlauten Buben
verhindern zu können."
(Schluß folgt.)
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