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Andrang wie am Hauptbahnhof

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30
MANNHEIMER
MORGEN
Mittwoch
MANNHEIM OST
RN
16. JUNI 2010
Jubiläum: Feudenheim feiert 100 Jahre Eingemeindung nach Mannheim mit einem rauschenden Brunnenfest
Splitter
Dampfstraßenbahn: „Feuriger
Elias“ kommt mit Verspätung
Beliebtes Motiv
Sie war das am meisten fotografierte
Objekt an diesem Tag: die historische Dampfstraßenbahn der Firma
HEAG aus Darmstadt. Zugführer
Horst Schleißmann freute sich über
die Aufmerksamkeit am Straßenrand: „Wenn ich für jedes Bild, das
heute geschossen wird, 10 Cent verlangen würde – das würde für ein gutes Abendessen reichen.“
Über Rampe
aufs Gleis
Er kam mit dreistündiger Verspätung. Die Tieflader der Spedition
Kübler steckten bei Bad Rappenau
im Stau, was die Anlieferung des
„Feurigen Elias“ aus Darmstadt erheblich verzögerte. Doch sowohl die
Mitarbeiter der RNV, die zur Unterstützung extra mit der Diesel-Lok am
Mannheimer Hauptfriedhof vorfuhren, als auch das zehnköpfige Team
um Volker Feick von der ARGE Historische HEAG-Fahrzeuge im Eisenbahnmuseum Darmstadt-Kranichstein behielten die Nerven, als der
19,5 Tonnen schwere „Feurige Elias“
unter Verkehrsüberwachung durch
die Polizei über eine Rampe aufs
Gleis gesetzt wurde. Der in dreijähriger Handarbeit nach historischem
Vorbild aufbereitete historische
Waggon mit original OEG-Fahrwerk
von 1914 folgte nach. Über 20 Fahrzeuge hat die ARGE in ihrem Besitz,
„von 1914 bis 1982 – aus jeder Serie
eines“, verrät Feick. Auf Initiative
von Rolf Götz, Pressluftunternehmer und Feudenheimer Bezirksbeirat, fuhr die alte Dampflok von 1919
erstmals auf Mannheimer Gleisen.
In Darmstadt ist sie noch regelmäßig
auf der Strecke Darmstadt - Griesheim - Eberstadt unterwegs.
dir
Eingemeindungsvertrag: Dieter
Kern als Bürgermeister
Forderungen
an die Stadt
Bekanntes Accessoire
Inge Grohmüller aus Ilvesheim erkannte zwar nicht Ersten Bürgermeister Christian Specht, wohl aber
den historischen Münzapparat, den
er bei sich trug. „So einen habe ich
auch mal gehabt“, erzählte die 83Jährige. Vom 4. November 1944 bis
zum 8. März 1945 war sie Schaffnerin
bei der Stettiner Stadtwerke GmbH,
Abteilung Straßenbahn und Kraftverkehr. Als Angehörige des Reichsarbeitsdienstes trug sie damals den
Dienstgrad „Arbeitsmaid“.
Nachfolger gesucht
Die versammelte Prominenz vor der historischen Dampfstraßenbahn, v.l.: Fred Reibold, Elisabeth Weiß, Wolfgang Liebe, Dr. Birgit Reinemund, Bernd Kupfer, Birgit SandnerBILDER: PROSSWITZ
Schmitt, Claudius Kranz, Christian Specht, Rolf Götz, Michael Heitlinger und Dr. Achim Ding.
Eröffnung: Historische Dampfstraßenbahn lockt viele Neugierige zur Endhaltestelle am Martin-Lutz-Platz
Andrang wie am Hauptbahnhof
Von unserem Redaktionsmitglied
Dirk Jansch
Einen solchen Trubel hat es auf dem
Martin-Lutz-Platz an der Endhaltestelle Feudenheim schon lange nicht
mehr gegeben. Schon morgens um
9 Uhr standen die Leute Schlange,
um eine Fahrt mit der historischen
Dampfstraßenbahn der Firma
HEAG aus Darmstadt machen zu
können. Alt und Jung stiegen ein, um
diese einzigartige Nostalgiefahrt
durch Feudenheims Hauptstraße
und bis hoch zum Hauptfriedhof
miterleben zu können.
Schlange standen aber auch etliche Hobby-Fotografen, die diesen
historischen Moment anlässlich des
100-jährigen Eingemeindungsjubiläums mit ihrer Kamera festhalten
wollten. „Ich freue mich ganz besonders, dass dies gelungen ist“, würdigte Erster Bürgermeister Christian
Specht die Initiative von Rolf Götz,
der auch gleich die Sparkasse RheinNeckar-Nord als Hauptsponsoren
mit ins Boot geholt hatte. „So etwas
wäre nicht möglich, wenn es nicht
Bürger gäbe, die nicht nur Ideen haben, sondern diese auch in die Tat
umsetzen. „Das zeigt auch, wie lebendig dieser Stadtteil ist.“ Spechts
Dank ging auch an die RNV, die
sämtliche erforderlichen Genehmigungen eingeholt hatte.
Der Andrang an der Endhaltestelle war enorm. Fahrkartenverkäufer
Ludwig Dintelmann verwies die
Fahrgäste sogar auf die Haltestelle
Aubuckel, sonst wären gar nicht alle
mitgekommen, und auch Leo Klassen, der im historischen „Kurpfalz“Oldtimer-Bus den Rücktransport
übernahm, war im Dauereinsatz.
Schon um die Mittagszeit waren die
„Feudenheimer Frikadellen“ vom
„Neckartal“ ausverkauft, ging das
Bier, das die Eichbaum-Privatbrauerei für 1 Euro je 0,3 Liter verkaufte,
allmählich zur Neige. Freuen werden sich die Kindergärten, denn alle
Einnahmen aus dieser Aktion kommen ihnen zugute.
Viele fleißige Helfer
Platzkonzert an der Endhaltestelle: Das
Polizeimusikkorps war zu Gast.
Historisches Rathaus-Duo: Teutonia-Chef
Dieter Kern (r.) und Robert Stotz.
„Angesichts unserer Notsituation
waren wir gezwungen, der Eingemeindung zuzustimmen“. So ganz
freiwillig haben die Feudenheimer
vor 100 Jahren ihre Unabhängigkeit
wohl nicht hergegeben, will man
Dieter Kern glauben, der als historischer Bürgermeister verkleidet aus
dem Eingemeindungsvertrag von
1909 zitierte. Der Teutonia-Vorsitzende war prädestiniert für diese
Rolle, war einer seiner Urahnen 1650
doch selbst Bürgermeister in Feudenheim. Aber so ganz umsonst
wollten die Feudenheimer sich damals von Mannheim doch nicht einverleiben lassen. Ihr Forderungskatalog an die Stadt enthielt einige Eckpunkte: Versorgung mit Strom, Gas
und Wasser, Kanalisation und Müllentsorgung, Elektrifizierung der
Dampfeisenbahn und unbefristete
Nutzung der Neckarfähre, da eine
Brücke abgelehnt wurde. Außerdem
einen Schulneubau und die Gewähr,
dass Feudenheims Charakter als gesunder Vorort erhalten bleibt. dir
Die ehemalige Bürgerdienstleiterin
Patricia Munterde ist gerne gesehener Gast in Feudenheim – und wird
schmerzlich vermisst. „Kommen Sie
doch einfach wieder zu uns zurück“,
schlug Toni Weinlein, die Geschäftsführerin der Kulturhalle vor. Bezirksbeirat Rolf Götz scherzte: „Sie sind,
wie eine Ehefrau, von der man sich
getrennt hat. Erst wenn sie weg ist,
merkt man, was man wirklich an ihr
hatte.“ In den nächsten Wochen
wird sich Munterdes Nachfolge entscheiden. 45 Bewerbungen liegen
vor. „Ich will jemanden, der neue
Ideen hat“, hat Munterde schon
ganz konkrete Vorstellungen.
Ob Freiwillige Feuerwehr, Polizei
oder Vereine – sie alle packten kräftig
mit an, damit das erste Brunnenfest
zu einer runden Sache wurde. Aber
auch der Vorstand der Bürgergemeinschaft legte nicht die Hände in
den Schoß. Während Dr. Achim
Ding gleich drei Begrüßungen vornahm, wirbelte der 1. Vorsitzende
Karlheinz Steiner im Hintergrund.
So trieb er die 40 Stühle für das Polizeimusikkorps im Fundus der „Goggelrobber“ auf. Die Schirme am Rathausplatz organisierte er trotz „Public Viewing“-Engpass bei Eichbaum. Für Strom sorgte Thomas
Hiemenz, die Wasserversorgung
stellte Frank Willmsdorf sicher.
Mitleid mit dem Kämmerer
Die „Twirlings“ vom DJB Steuben
wirbelten auf der Bühne.
Fruchtiges Dessert: Bei den Landfrauen
gab’s Erdbeeren mit Schlagsahne.
CDU-Fraktionsvorsitzender Claudius Kranz hatte Mitleid mit dem armen Stadtkämmerer und steckte
Christian Specht, der in historischer
Schaffneruniform unterwegs war,
ein paar Groschen zu. Die Stadträte
Bernd Kupfer und Wolfgang Raufelder amüsierten sich.
dir
Historisches im Kulturtreff
Sie setzte sich für einen Gedenkstein ein, der an die Bunkerkatastrophe
im Zweiten Weltkrieg erinnert, sie organisiert das Oster-Brunnen-Fest,
und natürlich hatte Bezirksbeirätin Elisabeth Weiß auch zum Eingemeindungsjubiläum ihre Ideen. In den Räumen des Kulturtreffs im Alten Rathaus stellte sie historische Gegenstände aus, die an das dörfliche und ländlich geprägte Alltagsleben in Feudenheim vor 100 Jahren
erinnerten. Da war auch das Buch „Es war einmal in Feudenheim“,
kürzlich erschienen im Wellhöfer-Verlag, bestens untergebracht. dir
An den Tischgarnituren am Rathausplatz war nicht ein Sitzplatz mehr frei. Die Bürger
genossen den gemütlichen Hock unter schattigen Bäumen bei bester Unterhaltung.
Claudius Kranz steckt Bürgermeister
Christian Specht ein paar Münzen zu.
Ausstellung: Künstlergruppe „FaFo5“ nutzt Rathausrummel für erste gemeinsame Präsentation
Feurige Farben im Rathaus
Horst Schleißmann tankt die Lok auf: Bis
zu 700 Liter passen in den Tank.
Sie hatten sich vorher nicht gekannt,
und doch schafften es fünf Feudenheimer Künstler, eine gemeinsame
Ausstellung im Rathaus zu organisieren. Initiator Wolfgang Schiestl
freute sich: „ Es kommen keine gelangweilten Leute hier rein“. Am
Rande des Brunnenfestes war der
Kunstgenuss für viele Besucher willkommene Abwechslung und sei es
nur, um dem Festrummel für ein
paar ruhige Augenblicke zu entkommen, zumal Sängerin Silvia Braun
und Gitarrist Fritz Ziegler dem Ganzen eine angenehm bluesgetränkte
Wohlfühlatmosphäre verliehen.
Kräftige, feurige Farben dominierten im Rathausfoyer: ob nun die
eruptiven Farbkompositionen von
Heide Schermer (Farbklang), der
leuchtend orange-gelbe bis ins Blutrot flammende „Horizont“ von
Wolfgang Schiestl oder Dietmar
Schromms scheinbar von innen herausleuchtende Gebäude und gelbstichigen Feudenheim-Ansichten,
die als komprimiertes Panorama in
Mischtechnik zum Teil mit Sand
oder zerknittertem Papier entstanden sind. Der Kunsterzieher passt
seine Bilder gerne der jeweiligen
Oberflächenstruktur an.
Während die meisten Künstler –
auch die Ergotherapeutin Barbara
Schmidt – abstrakt malen, stechen
die Personenporträts von Christine
Straßner hervor. Sie hat an der Freien Kunstschule Mannheim und an
der Akademie der bildenden Künste
Karlsruhe studiert und zeigt hier Bilder von Kindern oder auch eine Mutter mit Kind, die eine faszinierende
innere Ruhe und Gelassenheit ausstrahlen. Es wird garantiert nicht die
letzte Ausstellung der Künstlergruppe gewesen sein. An einem gemeinsamen Internetauftritt arbeitet man
auch schon.
dir
Einsteigen bitte! An den beide Haltestellen Martin-Lutz-Platz und Aubuckel herrschte
großer Andrang. Alle wollten mit der historischen Dampfstraßenbahn fahren.
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Seele and Geist
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