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2014_03_24 Wie ist es, auf der Flucht zu sein - drs.de

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Nürtinger Zeitung: Wie ist es, auf der Flucht zu sein?
http://www.ntz.de/nachrichten/region/artikel/wie-ist-es-auf-der-flu...
REGION
Wie ist es, auf der Flucht zu sein?
24.03.2014, VON JÜRGEN GERRMANN —
Der Missio‐Truck bietet einen beeindruckenden Selbstversuch an – Ab heute vor der Philipp‐
Matthäus‐Hahn‐Schule
Die Ausstellung ist hochaktuell. Aber so war es eigentlich nicht geplant: Als man sich dazu entschloss, den
Missio‐Truck nach Nürtingen zu holen, konnte noch keiner ahnen, dass Nürtingen mit so vielen Flüchtlingen,
die in der Bundesrepublik Schutz suchen, konfrontiert werden würde. Aber umso eindrucksvoller ist der Gang
durch diesen Lastwagen der besonderen Art.
Sie finden den Missio-Truck einfach toll: Ragini Wahl vom Netzwerk
NFANT, Pfarrer Martin Schwer, Marion Nau und Renate Winter-Hoss (beide NFANT), Wolf-Gero Reichert von Missio (links von
unten nach oben), Helmut Püschel von NFANT sowie die MissioMitarbeiterinnen Barbara Groß und Ann-Christin Verholen (rechts
von unten). jg
NÜRTINGEN. Dabei kann man nämlich erleben, wie es ist und was es heißt, auf der Flucht zu sein. Die meisten
Zeitgenossen von heute können sich das, was auch die Kriegsgeneration in Deutschland durchmachen musste,
nämlich gar nicht so recht vorstellen.
„Ich darf nur drei Dinge mitnehmen – aber was nur?“: Mit dieser Frage sieht man sich als ϐiktiver Flüchtling
gleich zu Beginn konfrontiert. Man muss sich schnell entscheiden – der eine oder andere tut es auch falsch. Und
dabei lernt man: Pass, Zeugnisse und ein Adressbuch, mit dem man Freunde kontaktieren kann, sind drei ganz
wichtige Dinge, um sich durchzuschlagen.
„Gerade mal drei Prozent schaffen es nach Europa – und bei uns tun manche so, als müsste
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24.03.2014 09:08
Nürtinger Zeitung: Wie ist es, auf der Flucht zu sein?
http://www.ntz.de/nachrichten/region/artikel/wie-ist-es-auf-der-flu...
Deutschland die halbe Welt aufnehmen“
Helmut Püschel, Flüchtlingshilfe‐Netzwerk
Und das schaffen gar nicht so viele, wie Helmut Püschel von NFANT, wie sich das Nürtinger Flüchtlingshilfe‐
Netzwerk nennt, sagt: „Gerade mal drei Prozent erreichen überhaupt Europa. Und bei uns tun manche so, als
müsse Deutschland die halbe Welt aufnehmen!“
Die meisten, die auf dem Globus umherirren, sind laut Ann‐Christin Verholen vom katholischen Hilfswerk
Missio, die den Truck mit betreut, ohnehin Binnen‐Vertriebe oder ‐Flüchtlinge: von der UNO geschätzte 28 von
43 Millionen Menschen.
Als Beispiel‐Region wurde der Osten des Kongo ausgewählt, wie Wolf‐Gero Reichert erklärt, der in der Diözese
Rottenburg das Projekt betreut. Die Partner von Missio, die dort Traumazentren für Menschen betreuen, deren
Seelen durch den Krieg geschunden werden, möchten, dass „dieser langjährige blutige Bürgerkrieg
ausgetrocknet wird“. Und das gelinge nur, wenn die Rebellen nicht mehr Zinn und vor allem Coltan (eines der
seltensten Rohstoffe überhaupt, das wichtig für die Handy‐Produktion ist) verkaufen könnten. Ein Boykott ist
aus Verholens Sicht freilich auch keine Lösung: „Wir wollen dafür sorgen, dass Coltan legal und unter fairen
Bedingungen abgebaut wird.“ Die Rebellen zwängen die Menschen im Ost‐Kongo nämlich oft dazu, diesen
Rohstoff mit bloßen Händen und ohne Schutzkleidung abzubauen.
Ein „sauberes“ (also unter fairen Bedingungen abgebautes) Coltan wäre aus Sicht von Reichert daher „eine
riesige Entwicklungschance, um das Problem von Krieg und Flucht in den Griff zu bekommen“.
Die Ausstellung ist vom Thema „Flucht“ her hochaktuell, aber was die Nationalitäten der Flüchtlinge
anbelangt, hinkt sie doch etwas hinterher: „In der ersten Hälfte der 90er‐Jahre hatten wir sehr viele aus dem
Kongo“, sagt Ragini Wahl von NFANT: „Aber mittlerweile hat sich der Proporz verschoben. Die Flüchtlinge von
dort sind sehr gut integriert, jetzt stammt das größte Kontingent aus Gambia. Aber die Fluchtmuster in Afrika
sind ja relativ ähnlich.“
Dass die nun auch jungen Leuten in Nürtingen nahegebracht werden – darum hat sich Nürtingens katholischer
Pfarrer Martin Schwer (wie um die gesamte Ausstellung) verdient gemacht. Nachdem es (laut Ragini Wahl) mit
der Stadtverwaltung nicht so recht vorangegangen sei, nahm er sich des Themas an und knüpfte Verbindungen
zur Philipp‐Matthäus‐Hahn‐Schule, die selbst schon jahrelang mit Engagement ein Kongo‐Projekt vorantreibt –
und in deren Nachbarschaft ja die Nürtinger Flüchtlingsunterkünfte stehen. Daher steht der Truck nun seit
heute dort, und der Geistliche ist begeistert, wie sehr diese Bildungseinrichtung mitzieht: „Fast die gesamte
Schule wird da durchgeschleust!“
Was für die anderen Nürtinger die Folge hat, dass sie nur noch zwei Stunden Zeit haben, durch die Ausstellung
zu gehen.
Die letzte Möglichkeit, den Missio-Truck vor der Philipp-Matthäus-Hahn-Schule zu besuchen, besteht
morgen, Dienstag, von 12 bis 14.30 Uhr.
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