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Depressionen trieben Robert Enke in den Tod Wie viel Steinzeit

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Wie viel Steinzeit steckt noch im Menschen? / Wissen
A, B, E, F, GR, I, L, NL, P (Cont.), SLO: Q 2,50;
dkr. 19; £ 2,50; kn 23; sfr. 4,50; SK: Q 2,50
(Sk 75,30); YTL 13,25; Ft 620
DEFGH
NEUESTE NACHRICHTEN AUS POLITIK, KULTUR, WIRTSCHAFT UND SPORT
DEUTSCHLAND-AUSGABE
(SZ) Die Außerirdischen sind schon für
den glaubensschwachen Durchschnittsmenschen eine Herausforderung, um wie
viel mehr für den Gläubigen. Obwohl die
Bibel sich zu dem Thema ausschweigt,
wird sie immer wieder auf Belegstellen
hin abgeklopft, und wie nicht anders zu
erwarten, enttäuscht sie auch in dieser
Hinsicht nicht. Wer intelligentes Leben
außerhalb der Erde ablehnt, beruft sich
gern auf das Buch Genesis. Diesem zufolge wurden die Gestirne geschaffen, damit Tag und Nacht unterschieden werden konnten und man auch nachts Licht
hatte, ein Argument, das vor allem daran
krankt, dass nicht einmal ein völlig enthemmter Schöpfer einen so aberwitzigen
Aufwand für das bisschen Licht getrieben hätte. Die Freunde des belebten Alls
verweisen hingegen auf den Propheten
Hesekiel, der am Fluss Kebar von einer
Art Raumschiff besucht wurde. Die vier
Wesen, die dem Gefährt entstiegen, hatten je vier Gesichter und Flügel sowie Hufe wie von Stieren – Aliens, wie sie selbst
in den einschlägigen Filmen nicht alle
Tage vorkommen.
Diese ebenso direkte wie naive Bibelgläubigkeit hat der amerikanische Jesuit
und Astronom Guy Consolmagno einmal
schön konterkariert. In der Bibel, sagte
er, finde sich kein einziger Hinweis darauf, wie der Videorecorder zu programmieren ist, und doch stehe das Gerät herum. Consolmagno arbeitet für den Vatikan, und wenn es in diesem Kleinstkosmos überall so entspannt zugeht, könnte
die astrobiologische Tagung, die dort gerade beendet wurde, ganz fidel gewesen
sein. Andererseits sollte man sich auch
nicht allzu viel davon erwarten. Obwohl
das Christentum über einige von höchster Stelle autorisierte Himmelfahrten verfügt, wovon eine, nämlich die des Propheten Elias, in einer „Feuerwagen“ genannten Rakete stattfand – obwohl also die
Faktenlage sehr günstig ist, ging es den
Experten mehr um die Anfänge des Lebens im Universum als darum, ob Elias
damals die Abkürzung durch ein Wurmloch nahm oder nicht. (Es gibt übrigens
die These, dass das Schriftwort, wonach
„der Himmel sich auftat“, ein verschlüsselter Hinweis auf Wurmlöcher ist.)
Wissenschaftliche Tagungen wären im
Vatikan nur eine halbe Sache, wenn dabei nichts Theologisches abfiele, und so
wurde mit Befriedigung aufgenommen,
was der Chef der Päpstlichen Sternwarte, José Gabriel Funes, zu sagen hatte. Funes äußerte sich am Rande des Symposions zum Thema Erlösung der Außerirdischen dahingehend, dass diese das Heilshandeln Christi möglicherweise überhaupt nicht nötig hätten, sondern dass
einzig und allein die auf Erden sesshafte
Menschheit das aus der Bibel bekannte
verirrte Schaf sein könnte, das der Herr
sucht und rettet. Sollen wir darauf vielleicht auch noch stolz sein? Sagen wir es
so: Auch dafür muss man sich erst einmal
qualifizieren.
Heute in der SZ
Triumph der Freundschaft
Merkel und Sarkozy wagen, was sich
Kohl und Mitterrand nicht trauten.
Leitartikel von Stefan Ulrich .............. 4
Das große Rätsel Müntefering
Niemand in der SPD weiß, mit welcher
Rede sich der Parteichef am Freitag verabschieden wird. ................................... 6
„Wir müssen zu oft Familie ersetzen“
Sprachprobleme und fehlende Selbständigkeit: Eine Erzieherin über ihre Erfahrungen mit anderer Leute Kinder. ...... 9
Wie aus der Pistole geschossen
Was ist politische Kunst? Die Ausstellung „Migropolis“ in Venedig. ........... 11
Atmen der Vulkane
Die schlafenden Feuerberge in Kenia
sind aktiv. ............................................ 18
Von Piraten bis zum Klimawandel
Der ehemalige Seemann Edwin Mast beurteilt für die Versicherung Munich Re
die Risiken in der Schifffahrt. ........... 20
Eilpaket aus Deutschland
Deutsche Bobfahrer starten nach einem
schweren Training auf der kanadischen
Olympiabahn in die Saison. ............... 31
TV- und Radioprogramm .................. 36
München · Bayern ........................ 35, 34
Reise ............................................. V2/1-7
Rätsel .................................................... 18
Familienanzeigen ............................... 34
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München, Donnerstag, 12. November 2009
65. Jahrgang / 46. Woche / Nr. 261 / 1,90 Euro
Zusätzlicher
Impfstoff
Hersteller liefert mehr Serum
gegen Schweinegrippe aus
Gesten der
Versöhnung
Zum ersten Mal nahm
am Mittwoch ein deutscher Regierungschef
an den Feiern zum
Ende des Ersten Weltkrieges in Paris teil.
„Ich verneige mich vor
allen Opfern“, sagte
Kanzlerin Angela Merkel nach einer Kranzniederlegung mit
Frankreichs Präsident
Nicolas Sarkozy am
Triumphbogen. Sarkozy beschwor die enge
Partnerschaft, welche
die ehemaligen Kriegsgegner heute verbindet: „Die deutsch-französische Freundschaft
ist besiegelt durch die
Erinnerung an das
Blut.“ (Seiten 4 und 5)
Foto: Reuters
Ehefrau spricht öffentlich über Gründe für Selbstmord des Nationalspielers
Depressionen trieben Robert Enke in den Tod
Torhüter litt seit Jahren unter starken psychischen Problemen / DFB sagt Testspiel gegen Chile ab
H a n n o v e r – Nationaltorhüter Robert Enke, der sich am Dienstagabend
das Leben genommen hat, litt seit
Jahren unter schweren Depressionen.
Das gaben der Arzt Valentin Markser
und die Witwe bei einer Pressekonferenz in Hannover bekannt. Teresa Enke sagte, ihr Mann habe die Krankheit
aus Angst um seine Karriere und die
Adoptivtochter des Paares verheimlicht. Bundeskanzlerin Angela Merkel
kondolierte Enkes Witwe. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sagte ein für
Samstag in Köln geplantes Testspiel
gegen Chile ab.
Markser, Facharzt für Psychiatrie und
Psychotherapie aus Köln, sagte, Enke sei
2003 wegen Depressionen und Versagensängsten in seine Praxis gekommen. Damals spielte Enke für den FC Barcelona.
Er habe den Torwart zeitweise täglich behandelt, Enke habe sich daraufhin stabilisiert. Der 32-Jährige sei dann vor etwa
E
s ist ein weitreichender Musterprozess, und schon bevor er beginnt,
kämpfen die Kontrahenten mit scharfen
Formulierungen: Es gehe darum, „einen
Wegbereiter der weltweiten Embryo-Industrie aufzuhalten“, erklärt die eine Seite. Der vermeintliche Wegbereiter wiederum erklärt, schlimmer als in seinem
Fall könne „man geistiges Eigentum
nicht mit Füßen treten“.
Vor dem Bundesgerichtshof (BGH)
treffen an diesem Donnerstag alte Bekannte aufeinander: Der Bonner Stammzellenforscher Oliver Brüstle und die Umweltschutzorganisation
Greenpeace
streiten um die Frage, ob Zellen, die aus
menschlichen embryonalen Stammzellen gewonnen werden, patentiert werden
dürfen. 1999 war Brüstle dies genehmigt
worden. Seitdem hat er ein Patent auf die
Gewinnung und Nutzung von Nervenzellen, die aus humanen Stammzellen erzeugt wurden. Damit hofft er, eines Tages Krankheiten wie Multiple Sklerose
oder Parkinson heilbar zu machen.
sechs Wochen wieder zu ihm gekommen,
weil „er spätestens seit dem Sommer wieder in eine Krise geraten war, die eine
Trainingsunterbrechung nach sich zog“.
Enke hatte sich eine Infektionskrankheit
zugezogen, deren Diagnose unklar war.
Markser sagte weiter, Enke habe sehr kooperativ an der „intensiven ambulanten
und psychiatrischen Behandlung“ mitgearbeitet, aber eine stationäre Einweisung noch am Dienstag abgelehnt.
Laut dem Arzt gab es keine Hinweise
auf akute Selbstmordgedanken Enkes
und zu keiner Zeit einen Anlass für eine
Zwangseinweisung. Enke habe sich in
seinem Abschiedsbrief bei seinen Angehörigen und seinem Arzt dafür entschuldigt, dass er sie in den vergangenen Tagen bewusst über seinen seelischen Zustand getäuscht habe, um seinen Selbstmord-Plan verwirklichen zu können. Teresa Enke fügte hinzu, ihr Mann habe die
Krankheit geheim gehalten „aus Angst,
seinen Sport, unser Privatleben und alles
zu verlieren“. Das Paar hatte im Mai ein
Mädchen adoptiert, Enke fürchtete Probleme mit dem Jugendamt.
Offenbar wussten weder sein Verein
Hannover 96 noch der DFB von Enkes
Krankheit. Teammanager Oliver Bierhoff sagte: „Keiner, aber wirklich keiner,
hat irgendeinen Anlass gehabt, zu glauben, dass Robert Enke an dieser Krankheit leidet.“ DFB-Präsident Theo Zwanziger sagte in Bonn: „Wir brauchen Zeit,
um das alles aufzuarbeiten und nicht nur
oberflächlich damit umzugehen.“ Die
Absage des Länderspiels gegen Chile sei
„alternativlos“ gewesen. Der DFB-Präsident berichtete von einem Gespräch zwischen der sportlichen Leitung der Nationalmannschaft um Bundestrainer Joachim Löw und dem Spielerrat um Kapitän Michael Ballack. Er habe Spieler erlebt, „die ehrliche Trauer zeigen und die
zeigen, dass sie dafür Zeit brauchen“.
Die Mannschaft verließ am Nachmittag
ihr Quartier in Bonn und soll sich nach
Fluch oder Fortschritt
Bundesgerichtshof entscheidet über Patente auf Stammzellen
Greenpeace sieht darin einen gefährlichen Präzedenzfall – die Organisation befürchtet eine „Monopolisierung“ des
menschlichen Körpers. „Dass Herr Brüstle ein Recht auf Forschung hat, bestreiten wir nicht“, sagt Christoph Then, Patentexperte bei Greenpeace; es müsse
aber verhindert werden, dass Experimente mit menschlichen Stammzellen kommerzialisiert würden. Schlimmstenfalls,
malt Then aus, könnte sonst „jemand einen schwunghaften Handel mit Embryos
in Afrika aufbauen, um in Deutschland
sein Monopol zu bedienen“.
Wenn auch weniger drastisch, so
schloss sich das Bundespatentgericht
2006 doch der Greenpeace-Argumentation an: Zwar erklärte es Brüstles Patent
nicht ganz für nichtig; es erteilte aber ein
Verbot für den Fall, dass er mit Zellen ar-
beite, für die zuvor menschliche Embryonen vernichtet worden seien. Dieses Verbot gelte auch für aus dem Ausland eingeführte Stammzellen, stellten die Richter
klar. Dagegen legte Brüstle Berufung
ein. Schließlich würde er selber keine Embryonen zerstören, sondern nur legal mit
importierten Stammzellen arbeiten.
Tatsächlich ist es in Deutschland lediglich verboten, embryonale Stammzellen
herzustellen. Die Einfuhr von Zellen aus
dem Ausland aber ist unter Auflagen erlaubt: Forscher müssen nachweisen, dass
diese nicht nach dem 1. Mai 2007 gewonnen wurden und dass sie von Embryos
stammen, die bei einer künstlichen Befruchtung übrig geblieben sind und sonst
im Klinikabfall gelandet wären. So soll
verhindert werden, dass Embryonen zu
Forschungszwecken produziert werden.
der geplanten Trauerfeier für Enke am
Sonntag auf das Länderspiel am kommenden Mittwoch in Gelsenkirchen gegen die Elfenbeinküste vorbereiten.
In zahlreichen Reaktionen auf Enkes
Tod äußerten sich Politiker, Sportler und
Sportfunktionäre – auch aus dem Ausland – bestürzt und fassungslos. Der für
den Sport zuständige Bundesinnenminister Thomas de Maizière sagte, er wünsche der Familie Trost, Kraft und Gottes
Segen. „Und das soll uns Mahnung sein,
dieser tragische Tod, dass äußerer Erfolg
und Glanz nicht alles ist im Leben,
manchmal vielleicht einen Druck auslöst, der übermenschlich ist.“
Enke hat acht Mal für die Nationalmannschaft gespielt, ihm wurde in Aussicht gestellt, für die Weltmeisterschaft
2010 in Südafrika nominiert zu werden,
auch wenn er dem Kader zuletzt nicht angehörte. Enke hatte sich am Dienstagabend nahe Hannover vor einen Zug geworfen. (Seiten 2, 3 und Sport)
SZ
Deren Stammzellen sind für Forscher
so interessant, weil sie sich in jeden Zelltyp des Körper verwandeln können. Man
hofft, mit ihnen künftig eine Vielzahl von
Krankheiten behandeln zu können. Doch
die dazu nötigen Verfahren sind teuer.
„Die können sich Universitäten nicht
leisten, dazu braucht es Unternehmen“,
argumentiert Brüstle. „Aber kein Unternehmen wird eine teure Entwicklung aufgreifen, die es gegenüber Konkurrenten
nicht patentrechtlich schützen kann.“
Ihm zufolge wandern deshalb immer
mehr Forscher ins Ausland ab, etwa nach
Großbritannien, Schweden und in die
USA. Dort werden Patente zu Stammzellen großzügig vergeben.
Zahlreiche Experten, etwa Joseph
Straus vom Max Planck Institut für Geistiges Eigentum, legen deshalb große Hoffnung in die Entscheidung des BGH: „Ich
wünsche, dass der Fall letztlich dem Europäischen Gerichtshof vorgelegt wird“,
sagt Straus. Eine EU-weite Klarstellung
sei überfällig.
Charlotte Frank
Streit um Schulden lähmt EU
„Motiv war Ausländerhass“
Frankreich und Deutschland uneins über Defizit-Abbau
Lebenslange Haft für Mord an Ägypterin in Dresden
Von Cerstin Gammelin
Brüssel – Frankreich und Deutschland
streiten über den richtigen Weg aus der
Wirtschaftskrise. Deutschland will sparen, Frankreich dagegen nicht. Der
Streit der größten Volkswirtschaften
Europas macht die Union ausgerechnet
in der Krise praktisch handlungsunfähig. „Wenn beide Länder nicht die gleiche Wirtschaftspolitik betreiben, können wir nichts mehr koordinieren“, sagte
Wirtschaftskommissar Joaquin Almunia
am Mittwoch in Brüssel. Er gab 14 krisenbedingt überschuldeten EU-Ländern
strikte Sparziele vor.
Almunia geht damit auf Konfrontationskurs zur französischen Regierung.
Trotz massiver Proteste aus Paris soll das
Land das Haushaltsdefizit ebenso wie
Deutschland bis 2013 wieder unter die
vom EU-Stabilitäts- und Wachstumspakt erlaubte Drei-Prozent-Grenze brin-
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gen. Bundesfinanzminister Wolfgang
Schäuble (CDU) will die Vorgabe einhalten. Der Minister habe „eine eindeutige
Zusage“ gegeben, sagte Almunia. Er vertraue darauf, dass Schäuble einen Weg
finde, das Regierungsprogramm mit dem
Abbau der Schulden zu vereinbaren.
Frankreich fordert mehr Zeit. Präsident Nicolas Sarkozy will die Wirtschaft
beleben und dafür „einen großen Kredit“
aufnehmen. Dazu sagte Almunia: „Ein
Kredit erhöht die Schulden.“ Zugleich
befürchtet die Kommission, dass dies
auch andere Defizitsünder vom Sparen
abhalten und den aufgeweichten Pakt
weiter verwässern könnte. Schäuble hatte die Franzosen bereits auf dem EU-Finanzministertreffen am Dienstag gewarnt. Er habe den Kollegen die „besonderen deutschen Erwartungen an den
Stabilitätspakt erklärt.“ Almunias Sparziele müssen im Dezember von den Ministern bestätigt werden. (Wirtschaft)
Dresden – Der Russlanddeutsche Alex
Wiens ist am Mittwoch wegen Mordes an
der Ägypterin Marwa el-Sherbini zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt worden. Das Landgericht Dresden
stellte zugleich die besondere Schwere
der Schuld fest. Damit ist eine vorzeitige
Haftentlassung nach 15 Jahren praktisch ausgeschlossen. Der 28-Jährige
war wegen Mordes, versuchten Mordes
und gefährlicher Körperverletzung angeklagt. Die Staatsanwaltschaft hatte ihm
vorgeworfen, aus Fremdenhass die
schwangere Marwa el-Sherbini am 1. Juli im Dresdner Landgericht erstochen
und ihren Mann schwer verletzt zu haben. Der Ehemann wurde danach irrtümlich von einem zu Hilfe eilenden Bundespolizisten angeschossen.
Die Tat spielte sich vor den Augen des
dreijährigen Sohnes des Paares ab und
hatte in der arabischen Welt Bestürzung
und heftige Proteste ausgelöst. Der ägyp-
tische Botschafter in Deutschland, Ramzy Ezzeldin Ramzy, äußerte sich sehr zufrieden über das Urteil. Man habe die
Höchststrafe gefordert und die Höchststrafe bekommen, sagte er in Dresden
nach der Urteilsverkündung.
Wiens, der seit 2003 in Deutschland
lebt, hatte in einer Erklärung seines Anwalts die Tat gestanden, das Motiv Fremdenhass aber bestritten. Das Dresdner
Landgericht folgte mit dem Urteil den
Plädoyers der Staatsanwaltschaft und
der Nebenkläger. Die Verteidigung hatte
auf Totschlag und versuchten Totschlag
im Affekt plädiert. Der Angeklagte
nahm das Urteil regungslos zur Kenntnis. Die Richterin Birgit Wiegand sagte
in der Urteilsbegründung, Wiens Motiv
sei „Ausländerhass“ gewesen, der sich
„wie ein roter Faden durch den Aufenthalt des Angeklagten in Deutschland
zog“. In erster Linie habe er Muslime verachtet. (Seite 4, Panorama)
dpa
Berlin – Angesichts der grassierenden
Schweinegrippe sollen bis Ende des Jahres 20 Millionen Dosen des Impfstoffs
Pandemrix ausgeliefert werden. Das habe der Hersteller Glaxo Smith Kline den
Gesundheitsministern von Bund und
Ländern zugesichert, sagte Bundesminister Philipp Rösler (FDP) in Berlin. „Diese Zahlen machen schon deutlich, dass
nicht jeder geimpft werden kann“, stellte
Rösler zugleich klar. „Wichtig ist, dass
jetzt nicht jeder sofort zu den Impfstellen
rennt.“ Maßgeblich seien die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission, sagte Rösler. Zunächst würden Sicherheitsund Gesundheitspersonal geimpft. Dann
folgten Menschen mit chronischen
Krankheiten. Im Dezember sollten zusätzlich 150 000 Impfdosen ohne Wirkverstärker für Schwangere zur Verfügung stehen, sagte Thüringens Gesundheitsministerin Heike Taubert (SPD). Insgesamt dürfe keine Hysterie aufkommen, mahnte Taubert. (Seiten 4 und 5)SZ
Stärkere Belastung
für die Rentner
Würzburg – Mit der geplanten Reform
der Krankenversicherung kommen auf
die Rentner weitere Lasten zu. Die Rentenversicherung erwartet, dass mit dem
Arbeitgeberanteil künftig auch ihr Zuschuss zum Kassenbeitrag der Rentner
festgeschrieben wird, wie Präsident Herbert Rische in Würzburg sagte. Damit
sparen zwar die Rentenkassen Geld.
Doch müssten die Rentner die Mehrkosten alleine zahlen. (Seite 5)
SZ
Mehr Kinderkrippen
in Deutschland
München – Der Ausbau der Kinderkrippen kommt voran. Im März 2009 besuchte jedes fünfte Kind unter drei Jahren eine Kinderkrippe. In West- und Ostdeutschland sind damit die Betreuungsquoten erneut gestiegen. Hält der Trend
der vergangenen Jahre an, würde Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen
(CDU) ihre Ausbauziele nur knapp verfehlen. (Seite 6)
fex
Palästinenser gedenken
Jassir Arafats
Ramallah – Zum fünften Todestag von
Jassir Arafat haben am Mittwoch in Ramallah Zehntausende an den ehemaligen
Palästinenserpräsidenten erinnert. Die
Demonstranten schwenkten im Zentrum
der Stadt im Westjordanland palästinensische Flaggen und trugen Bilder Arafats. Sie riefen Palästinenserpräsident
Mahmud Abbas auf, bei den nächsten
Wahlen entgegen seiner Ankündigung erneut zu kandidieren. (Seite 8)
SZ
Kampfabstimmung
über EU-Präsidenten
Brüssel – Der schwedische Ministerpräsident und EU-Ratsvorsitzende Fredrik
Reinfeldt schließt eine Kampfabstimmung über den künftigen Ratspräsidenten nicht aus. „Die Entscheidung kann
mit einer qualifizierten Mehrheit getroffen werden, wenn nötig“, sagte er. „Ich
habe mehr Namen als Posten.“ Die Entscheidung über die Besetzung des Amtes
soll spätestens bei einem EU-Gipfel am
19. November fallen. (Seiten 4 und 7) SZ
München macht Weg
für Olympia 2018 frei
München – Der Münchner Stadtrat hat
die Voraussetzungen für die Olympia-Bewerbung 2018 geschaffen und weitreichende Finanzgarantien gegeben. Mit
großer Mehrheit stimmten die Fraktionen dem Bewerbungsplan zu, der Ausgaben von drei Milliarden Euro vorsieht.
Die teuersten Sportstätten des Plans
sind zwei Eishockeyhallen mit Kosten
bis zu 180 Millionen Euro. (München) SZ
Dax i
Dow i
Euro k
Xetra 17 Uhr
5650 Punkte
N.Y. 17 Uhr
10 280 Punkte
17 Uhr
1,4982 US-$
+ 0,60 %
+ 0,32 %
+ 0,0007
Das Wetter
München – Nach anfänglicher Nebelauflösung zeitweise Sonnenschein. Im Nordosten dagegen trüb mit Sprühregen. Von
Südwesten her im Tagesverlauf dichte
Wolken mit Schauern. Temperaturen
von zwei bis elf Grad. (Seite 35)
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