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Kinder fördern – aber wie? Von welchen Grundannahmen gehen

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Institut für Regionale Sozialforschung
Dr. Manfred Schenk
E-Mail: kontakt@foreg.de
www.foreg.de
Kinder fördern – aber wie?
Von welchen Grundannahmen gehen wir aus?
Was brauchen Kinder?
Wie wollen wir unsere Ziele erreichen - Spezialisierung oder
Ganzheitlichkeit? Wahlfreiheit oder staatliches Einheitssystem?
Welche Praxismodelle finden wir vor?
Welche Strukturdefizite lassen sich erkennen?
Welche Lösungsansätze sind denkbar?
Qualitätssicherung: Welche Voraussetzungen sind nötig?
1
Grundannahmen
Entwicklungspsychologische Grundannahmen:
Kinder sind in jedem Alter lernfähig
Gesellschaftspolitische Grundannahmen:
Frauen und Männer sind gleichberechtigt,
Erziehung ist Elternsache und nicht Frauensache,
Frauen und Männer haben gleiche Berufschancen
Arbeitsmarktpolitische Grundannahmen:
Berufliche Tätigkeit und Erziehungstätigkeit sollen
miteinander vereinbar sein
Ökonomische Grundannahmen:
Zunehmend mehr sind Lebensgemeinschaften auf den
Verdienst beider Partner angewiesen
2
Bedarf
Bedarf bestimmt sich durch:
Gesellschaftspolitische Vorgaben: Frauenerwerbsquote, Vereinbarkeit von Beruf und Erziehung, Notwendigkeit der Einkomenssicherung
Entwicklungspsychologische Vorgaben: Lernförderung im frühen Kindesalter
Pädagogische Vorgaben: Kompensation elterlicher Defizite, insbesondere Sprachförderung, Chancengleichheit, Integration
Bildungspolitische Vorgaben: nicht familienergänzende Dienstleistung sondern genuiner Bildungs- und Erziehungsauftrag
Und natürlich durch den Wunsch der Eltern und den impliziten
Familienbildern
3
Luxemburg:
ca. 51%
Vorgabe der EU bis 2010: 60%
Daraus folgen quantitative Bedarfsvorgaben der EU:
bis zum Jahr 2010 eine 90%ige Versorgung mit Betreuungsplätzen ab dem
3. Lebensjahr
sowie eine 33%ige Versorgung für Kinder bis zu 3 Jahren
Luxemburg verfügt zurzeit über 8.000 Betreuungsplätze, bis 2013 werden
rund 30.000 Betreuungsplätze benötigt, d.h. in den nächsten Jahren müssen jährlich ca. 3000 – 4000 neue Plätze geschaffen werden. Hieran sieht
man die gewaltigen konzeptionellen aber auch finanziellen Herausforderungen.
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Bildung
Erziehung
Betreuung
Versorgung
Was brauchen Kinder?
5
Wie wollen wir unsere Ziele erreichen?
Institutionelle Förderung
Spezialisierung
Entspezialisierung
Nach Alter
Nach Funktionen
Nach rechtlicher/administrativer
Zuständigkeit
Nach Trägern
Nach personellem
Qualifikationsprofil
Breite Altersstreuung
Einheit von Bildung & Erziehung
Zuständigkeit eines
Ministeriums
Staatliche Verantwortung
Einheitliches Personal für
Kinder von 0-6 Jahre
Förderungsvielfalt
Förderungsformen
Erziehungsgeld
Externe Tagesmütter
Tagesmutter in der Familie
Institutionelle Erziehung
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Praxismodelle
Einrichtung
Alter der
Kinder
4 – 6 Jahre
obligatorisch ab
4 Jahren
Rechtsanspruch
Öffnungszeiten
Zuständigkeit
Fachpersonal
5 Vormittage 4
Stunden
3 Nachmittage 2
Stunden
Ferienschließzeiten
wie Grundschule
Ministerium für Bildung
Instituteur/institutrice
de l’éducation préscolaire
Foyer de jour
(Kindertagesstätte)
meist mit Krippe
(crèche)
0 – 12 Jahre
Circa 7.30 – 18.30
Uhr
Familien-Ministerium und
private Träger
Garderies
(stundenweise Betreuung von Kindern als
Bestandteil einer Kindertagesstätte oder als
eigenständige Einrichtung)
Foyer de jour porte
ouverte (sog. „offene“
Tagesstätte – Freizeitund Hausaufgabenbetreuung)
2 – 4 Jahre
manchmal auch
ältere Kinder
Flexible Öffnungszeiten
Familien -Ministerium und
private Träger
4 – 12 Jahre
Häufig werden
auch ältere Kinder (bis 16 Jahre) betreut
Flexible Öffnungszeiten
Familien-Ministerium und
private Träger
Schulkantinen
Ganztagsschulen
Foyers scolaires
Schulkinder
Mittagstisch
Schulkinder
Précoce
3 Jahre
Außerhalb der
Schulstunden
stundenweise
Gemeinden
Modellschulen
Stadt Luxemburg
Infirmière en pédiatrie
Éducateur(éducatrice
de jeunes enfants
Éducateur/éducatrice
gradué(e), Assistant(e) social(e)
Infirmière en pédiatrie
Éducateur (éducatrice
de jeunes enfants
Nicht-qualifizierte
und ehrenamtliche
Kräfte
Infirmière en pédiatrie
Éducateur(éducatrice
de jeunes enfants
Éducateur/éducatrice
gradué(e), Assistant(e) social(e)
Hilfspersonal
Lehrer
Maison Relais
0-12 Jahre
Flexible Zeiten
Spillschoul
(Vorschule bzw. Kindergarten).
0 – 4 Jahre
Erziehungsministerium
Famministerium/Gemeinden
gemischt
7
Vor- und Nachteile der jetzigen Struktur
Spillschoul
Durch die Schulpflicht wird jedes Kind erreicht
Die Konzentration auf die
Sprachförderung fördert die Integration
Ein vorhandenes Rahmenkonzept gibt einen verbindlichen
Lernkanon vor
Die Orientierung des Rahmenkonzepts an Fröbel und Montessorie entspricht den Empfehlungen der Entwicklungspsychologie
Das Personal ist professionell
und speziell ausgebildet
Kleine Gruppen ermöglichen
individuelle Förderung
Hohe Akzeptanz der Einrichtung bei den Eltern als „Bildungseinrichtung“
VORTEILE
Foyer de jour
Maison Relais
Es sind altersgemischte Gruppen möglich
Es ist die Integration der Krippe möglich
Der pädagogische Gestaltungsraum ist groß
Das Personal ist universell ausgebildet
Eher offenes System
Elternbeiträge nach Einkommen
Hohe Flexibilität der
Betreuungszeiten
Beiträge unabhängig von der
Inanspruchnahme
Bedarfsorientierte Elternbeiträge
Für den Zweck geeignete
Häuser und Ausstattung
Individuelle Problemlösungen
Die Zusatzleistungen in der
Verordnung geben einen
weiten Entwicklungsspielraum (Eltern- und Gemeinwesenorientierung)
Kostenfreiheit
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Spillschoul
Wechsel zwischen Bezugspersonen
NACHTEILE
Foyer de jour
Maison Relais
Precoce und Vorschule tragen zur Zerplitterung, Instabilität
der Gruppen und Dequalifizierung bei
Mangelnde Abstimmung mit
den anderen Strukturen
Pädagogische „Verarmung“ des Tagesablaufs und der Angebote
Betreuung nur während der
Schulzeit
Geringerer Stellenwert der Erzieher gegenüber Lehrern
Keine individuellen Lösungen
möglich
Geringe Elterorientierung
Keine Gemeinwesenorientierung
Eher geschlossenes System
Durch Aufteilung der Kinder auf verschiedene Institutionen
Belastung der Erzieher durch Bringen und Holen
Geringe Akzeptanz der Einrichtung bei den Eltern als „Bildungseinrichtung“
Hohe Akzeptanz als Betreuungseinrichtung
Mangelnde Abstimmung mit der Vorschule
Wechselnde Betreuungspersonen
Trennung zwischen Betreuung/Erziehung und Bildung
Fehlender Rahmenplan
Keine Qualitätssicherung
Historisch gewachsene sozialpädagogische Orientierung
Starre Öffnungszeiten
Reduktion auf Schulkantine, Betreuung & Versorgung, auf schulische „Zwischenzeiten“
Absenkung des Qualifikationsprofils
Hohe Elternbeiträge bei
Vollbetreuung
Stundenfinanzierung reduziert die Nachfrage
Hohe Variablität der Maison Relais
Geringe Akzeptanz im sozialen Sektor
Nicht immer geeignetes
Raumangebot und Ausstattung
Geringere Attraktivität für
Fachkräfte aufgrund von
Teilzeitverträgen
Ungenaue gesetzliche Vorgaben
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Zusammenfassung
Die derzeitige Struktur ist über viele Jahrzehnte gewachsen und hat eine vielfältige Gestalt
angenommen. Aus erkannten Problemen wurden darauf bezogene Lösungen entwickelt, z.B.
die Schulplicht ab dem 4. Lebensjahr, um den Kindern angesichts der vielen Ausländer eine
gemeinsame Sprache zu vermitteln.
Die Tagesstätten und die Krippen sind am historischen sozialpädagogischen Auftrag verhaftet
geblieben, die Vorschule hat sich an einem modernen Bildungsauftrag orientiert und die
Ganzheitlichkeit von Erziehung und Bildung betont. Fortschrittlich ist der Gedanke der Precoce, schon mit dem 3. Lebensjahr Bildung und damit kognitive Frühförderung zu fokussieren.
Doch haben sich die Institutionen nebeneinander entwickelt. Damit ist das Hauptproblem der
jetzigen Struktur – gemessen an den entwicklungspsychologischen und pädagogischen Notwendigkeiten – in der hohen Spezialisierung zu sehen. Tagesabläufe werden dadurch weniger
durch pädagogische Anforderungen bestimmt. Der Organisationsaufwand ist erheblich für Eltern und Einrichtungen. Von den Kindern wird schon sehr früh ein großer Umstellungs- und
Anpassungsaufwand verlangt.
Die Antworten der einzelnen Einrichtungen beziehen sich auf Teilprobleme. Es genügt also
nicht, für eines dieser Teilprobleme eine neue Institutionsform zu schaffen. Die Aufgabe der
Zukunft ist in einer umfassenden Reform des vorschulischen und außerschulischen Sektors
der Kinder bis zum 12. Lebensjahr zu sehen. Die Entscheidung für eine Ganztagesschule wird
nochmals völlig neue Lösungen erfordern.
Ökonomisch betrachtet, sind die Folgen der Zersplitterung auch der Aufbau und Unterhalt
von jeweils Teilausgelasteten Infrastrukturen.
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Ein Haus für Kinder:
Alles unter einem Dach! Alles aus einer Hand!
Integration von Institution, Funktion und Qualifikation
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Qualitätsmanagement
Eine Qualitätssicherung ist derzeit in der Tagesbetreuung nicht erkennbar. Doch muß vorher
erst bestimmt werden, was Qualität in der Tagesbetreuung bedeutet.
Struktur oder Kontextqualität
(Rahmenbedingungen
und Voraussetzungen)
Gesellschaftliche Ebene
Bildungsziele
Bildungspläne
Nationaler Kriterienkatalog
gesellschaftliche Erwartungen
Prozessqualität
(Kern und Unterstützungsprozesse)
Leitbild, Ziele, Konzeption
Führung und Management
Kommunikation, Beziehungsgestaltung
Kooperation,Übergänge in
andere Instutionen
Einrichtungsklima, -kultur
Einrichtungsebene
Organisatorische Einbindung
Finanzierung
materielle Ausstattung/ Gebäude
Personal
Standort (sozial/regional/wirtschaftl
ich)
Bildungsprozesse
Spielen und Lernen
Bildung, Erziehung,
Betreuung
Fördern individueller
Entwicklung
Wirkungs- oder Ergebnisqualität
personale Dimension
soziale Dimension
kulturelle und sachliche
Dimension
Zufriedenheit
Anschlussfähigkeit
Gesellschaftliche Teilhabe
Instrumente
Selbstevaluation
durch strukturierte
Selbsteinschätzung
Elternzufriedenheit
Trägerzufriedenheit
Lehrerrückmeldung
Externe Evaluation
Beobachtung, Dokumentation, Beratung
Weiterentwicklung,
Innovation
Voraussetzung einer Qualitätssicherung ist das Vorhandensein eines für den Sektor verbindlichen Rahmenplans und einer Rahmenkonzeption für die einzelnen Einrichtungen.
Auf Einrichtungsebene besteht durchaus die Möglichkeit einer Profilbildung in Abhängigkeit
von den lokalen Gegebenheiten. Dies wird umso bedeutungsvoller, je stärker künftig die Gemeinden in die Verantwortung eingebunden werden. Gleichzeitig ist bei dieser Entwicklung
die Definition von Qualitätsstandards gemeindeübergreifend notwendig.
National gültige Rahmenpläne sind in Luxemburg vorhanden für die Precoce und für die Vorschule, nicht jedoch für die Tagesstätten und Maison Relais. Die Caritas hat für ihre Maison
Relais durch eigene Initiative diese Lücke gefüllt.
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Bildung
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