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Erziehungsstile Erziehungsstile werden im populären Diskurs - FSF

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tv diskurs 48
Was ist Bildung?
Pädagogische Medientheorie
Erziehungsstile
Der Grazer Soziologe setzt sich
Medienpädagogik und -bildung
Erziehungsstile werden im
in seinem „zeitdiagnostischen
liegen im Trend. Sie haben sich
populären Diskurs häufig mit
Essay“ mit den populären Vor-
in den vergangenen Jahren
Gegensätzen wie autoritär und
stellungen von Bildung ausein-
zunehmend etabliert und dabei
antiautoritär belegt. Die gesell-
ander und zeigt, wie diese oft
zugleich ausdifferenziert. Aller-
schaftlichen Veränderungen in
einseitigen Konzepte zu Bil-
dings war häufig zu beobach-
den vergangenen Jahrzehnten
dungsideologien gerinnen. Er
ten, dass sich gerade die Theo-
haben jedoch zu einer Ausdiffe-
differenziert neun Bildungs-
riebildung vorzugsweise auf die
renzierung von sozialen Milieus
modelle: 1) das Lagerhaus-
Medien stürzte, Bildungstheo-
und von Erziehungsstilen ge-
modell, 2) das Datenbank-
rien aber nur entfernt eine Rolle
führt. In ihrer Dissertation ver-
management-Modell, 3) das
spielten. Das mag u. a. mit der
sucht Sylva Liebenwein, diese
alltagspragmatische Modell,
Faszination zu tun haben, die
beiden Entwicklungen zu ver-
4) das Erlebnismodell, 5) das
auch für Medienpädagogen von
binden und die „typischen“
Geschwindigkeitsmodell, 6) das
den Medien und ihrer Dynamik
Erziehungsstile in den verschie-
Arbeitsmarktmodell, 7) das Zer-
ausgeht. Der vorliegende Band
denen Milieus zu beschreiben.
tifikatsmodell, 8) das Manage-
versammelt acht Beiträge, in
Dazu hat die Autorin zweiein-
mentmodell und schließlich
denen aus verschiedenen Per-
halb- bis vierstündige Interviews
9) das bürgerlich-abendländi-
spektiven eine (bildungs-)theore-
mit 25 Müttern und 16 Vätern
sche Modell, das dem herkömm-
tische Fundierung der Medien-
geführt, deren jüngstes Kind im
lichen Bildungsbegriff verpflich-
pädagogik unternommen wird.
Vorschulalter war. Die Eltern
tet ist. In den Modellen zeigt sich
Der erste Beitrag von Werner
wurden einzelnen Sinus-Milieus
das Faszinosum der Bildung auf
Sesink mit dem Titel Bildungs-
zugeordnet. Diese Milieutypolo-
unterschiedliche Art, von der
gie hat gegenüber klassischen
Expansion der Information über
theorie und Medienpädagogik.
Versuch eines Brückenschlages
die Auffassung, dass Bildung
ist daher programmatisch zu
renzierung (z. B. Ober- und
Unterhaltung sein müsse, bis hin
nehmen für den gesamten
Unterschicht) auch den Vorteil,
zur Bildung als Qualifikation für
Band. Er zeigt dabei, „dass Bil-
horizontal zu differenzieren. Die
das Arbeitsleben.
dung nicht lediglich betroffen,
Autorin geht von einem mehr-
Diese gängigen Bildungsvor-
sondern aktiv und fundamental
dimensionalen Begriff des
stellungen unterzieht der Autor
beteiligt ist an jenen Entwicklun-
Erziehungsstils aus, der Er-
einer z. T. sehr amüsanten Kritik.
gen im Bereich der Medien, auf
ziehungspraktiken, -ziele und
Doch ihm geht es auch um kon-
die sie nun antworten soll“
-einstellungen beinhaltet, die
struktive Vorschläge zur Versach-
(S. 14). Winfried Marotzki und
teilweise auf Erziehungserfah-
lichung der Bildungsdebatte.
Benjamin Jörissen zeigen am
rungen beruhen (S. 31).
Auch wenn er feststellt, dass Bil-
Beispiel von Film und Internet,
Die ausführliche Schilderung
dung ein „multidimensionales
wie sie zur Artikulation ge- und
der elterlichen Erziehungsstile in
Unterfangen“ ist (S. 226), ver-
benutzt werden. Unter Medien-
den vier Milieugruppen (gesell-
sucht er sich an einer Definition:
bildung verstehen sie „die in
schaftliche Leitmilieus, traditio-
„Bildung ist die Anregung zur
nelle Milieus, Mainstream-
ausgewogenen Entfaltung aller
und durch Medien induzierte
strukturale Veränderung von
Kräfte des Menschen, die in der
Mustern des Welt- und Selbst-
Milieus) offenbart die ganze
Entwicklung einer reifen und
bezugs“ (S. 67, H. i. O.). Denn
Vielfalt der Erziehung. Leider
ausgewogenen Persönlichkeit
Medien wirken nicht nur auf die
geht die Autorin nicht auf die
mündet, damit diese in ihrer
Menschen, sie dienen auch dem
Medienkonzepte in der Erzie-
Einzigartigkeit die Menschheit
Selbstausdruck, der Artikulation
hung ein. Sie kann jedoch zei-
bereichere“ (S. 227). So sieht
– auch im Konsum.
gen, wie sehr sich die Erziehung
das Ideal aus, hinter dem alle
Die Beiträge des Bandes stoßen
in Bezug auf Rollenbilder und
zurückbleiben. Aber muss man
eine in der Medienpädagogik
Wertekomplexe unterscheidet.
es deswegen aufgeben? Ein an-
notwendige Bildungsdiskussion
Eine ebenso spannende wie
regendes Buch.
an.
aufschlussreiche Lektüre.
Prof. Dr. Lothar Mikos
2 | 2009 | 13. Jg.
Prof. Dr. Lothar Mikos
Modellen der vertikalen Diffe-
Milieus und hedonistische
L I T E R AT U R
Manfred Prisching:
Bildungsideologien. Ein
zeitdiagnostischer Essay an
der Schwelle zur Wissensgesellschaft. Wiesbaden
2008: VS Verlag für Sozialwissenschaften. 229 Seiten,
24,90 Euro
Johannes Fromme/
Werner Sesink (Hrsg.):
Pädagogische Medientheorie. Wiesbaden 2008:
VS Verlag für Sozialwissenschaften. 170 Seiten mit
Abb. u. Tab., 22,90 Euro
Sylva Liebenwein:
Erziehung und soziale
Milieus. Elterliche Erziehungsstile in milieuspezifischer Differenzierung.
Wiesbaden 2008: VS Verlag
für Sozialwissenschaften.
318 Seiten, 39,90 Euro
Prof. Dr. Lothar Mikos
87
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Bildung
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