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Liebe... „Wie komme ich in Kontakt mit Gott?“ - ist das für Sie

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Predigtreihe „Wie komme ich in Kontakt mit Gott?“
Predigt „Rosenkranzgebet“ am 15/16.10.2011 von Pfr. Stefan Redelberger
Liebe...
„Wie komme ich in Kontakt mit Gott?“ - ist das für Sie überhaupt eine Frage?
Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass es der großen Mehrheit von Ihnen wie
uns im Liturgieausschuss des Pfarrgemeinderates geht: Sie sind interessiert daran,
wie Sie mehr oder anders als bisher mit Gott in Kontakt kommen können.
Im Laufe der nächsten Monate werden Sie in unseren Kirchen St. Anton und Maria
Hilf verschiedene Predigten und verschiedene PredigerInnen zu dieser Frage hören
- ich hoffe, mit viel Gewinn!
Heute geht es um eine Gebetsform mit langer kirchlicher Tradition. Heute geht es
um das Rosenkranzgebet.
Ich habe hier eine solche Rosenkranzschnur: eine kreisförmige Schnur mit 59
Perlen und einem Kreuz am Ende. Die größeren und kleineren Perlen bzw. die
Abstände zwischen den einzelnen Perlen helfen mir, auch ohne hinzuschauen, ein
Vaterunser oder ein Gegrüßet seist du Maria zu beten.
Solche Gebetsschnüre gibt es auch in anderen Religionen: Sie haben sicher schon
oft türkische Männer auf der Straße gesehen, die eine solche muslimische
Gebetsschnur, den „Tasbih“, zwischen den Fingern bewegen. Im Hinduismus und
Buddhismus heißt die Gebetskette „Mala“. Die Gebetsschnur in der orthodoxen
Kirche besteht nicht aus Perlen sondern ist einfach eine Schnur mit dickeren
Knoten.
Was ist das besondere am Rosenkranz? Mit dem Rosenkranz habe ich etwas in
der Hand. Als ich in der Krankenhausseelsorge tätig war, habe ich Patienten oft
einen solchen kleinen Fingerrosenkranz geschenkt. Die Patienten haben da gerne
zugegriffen im wörtlichen Sinn. Denn an einem Rosenkranz kann ich mich auch mal
festhalten. Ein Rosenkranz in meiner Hand lässt mich spüren, dass es da
jemanden gibt, in dessen Hand ich geborgen bin. Mit einem Rosenkranz in der
Hand kann ich den Kontakt zu Gott fühlen. Und dazu muss ich noch gar keine
Gebete sprechen.
Fühlen, das ist glaube ich ein wichtiges Stichwort beim Rosenkranzgebet. Ich habe
da kein Buch zum Lesen in der Hand. Ich habe nicht nur meine leeren Hände. Ich
kann den Rosenkranz fühlen, ich kann mit ihm spielen, ich kann ihn gut in meine
Jackentasche oder Reisetasche stecken.
Manche hängen sich einen Rosenkranz an den Rückspiegel ihres Autos. Manche
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Predigtreihe „Wie komme ich in Kontakt mit Gott?“
Predigt „Rosenkranzgebet“ am 15/16.10.2011 von Pfr. Stefan Redelberger
Jugendlichen tragen ihn als Schmuck. Das war übrigens in der Zeit des Mittelalters
und des Barock auch schon so: der Rosenkranz war damals ein beliebter
Schmuckgegenstand. Und hier ist auch der Ursprung des Rosenkranzes zu finden:
ursprünglich war der Rosenkranz, das „rosarium“, wohl tatsächlich eine
Rosengirlande, mit der eine Muttergottesstatue geschmückt wurde. Später wurde
der Begriff Rosenkranz von der Blütenkette auf die Gebetskette übertragen.
Der Rosenkranz und das Rosenkranzgebet ist nichts für den analytischen
Verstand. Dieses Gebet spricht vor allem unser Gefühl an - und möglicherweise
auch unbewusste Schichten in uns.
Manche sagen: Mit diesem „Runterleiern“ kann ich nichts anfangen. - Aber genau
das ist der Sinn und die Form des Rosenkranzgebetes: Die einzelnen Gebete, das
Vater unser und das Gegrüßet seist du Maria, das Ehre sei dem Vater und die
sogenannten Geheimnisse werden nicht vom Kopf her gebetet. Es ist ein Gebet
zum laut oder halblaut sprechen, es ist ein Gebet, wo sich der Wechsel zwischen
Vor- und Nachbetern bewährt. Es ist ein Gebet zum Murmeln, fast tatsächlich zum
meditativen „Leiern“.
Meinen Zugang zum Rosenkranzbeten habe ich auf Wallfahrten bekommen, wo in
einem langen Menschenzug die eine Seite vor-, die andere Seite nachbetet. Oder
in vielen Dörfern gibt es am Abend vor einer Beerdigung, wo die trauernden
Angehörigen und Gemeindemitglieder gemeinsam den Sterberosenkranz beten.
Das Rosenkranzbeten stiftet Gemeinschaft. In einer größeren Gruppe macht das
dann auch nichts aus, wenn ich mal kurz aussetze. Die anderen beten für mich
weiter. Das Rosenkranzgebet lässt mich wissen und spüren: Ich werde von
anderen im Gebet mitgetragen.
Der Rosenkranz ist eigentlich kein Mariengebet, wie man meinen könnte. Er ist „im
Tiefsten ein Christusgebet“, wie Romano Guardini einmal gesagt hat. Jedes Gesätz
dient der Betrachtung eines „Geheimnisses“ aus dem Leben Jesu. Die ersten fünf
Geheimnisse umkreisen das Geschehen um Weihnachten, der freudenreiche Rk.
Die folgenden fünf Geheimnisse erinnern an die Passion Jesu, d.i. der
schmerzhafte Rk. Und die letzten fünf „glorreichen“ Geheimnisse erinnern an das
Ostergeschehen bis hin zur krönenden Aufnahme Mariens in den Himmel.
Diese Betrachtung des Lebens Jesu bietet aber zugleich ein Nachdenken und
Nachspüren des eigenen Lebens an. Sie zeigt dabei uns die Perspektive unseres
Glaubens: die Nähe Gottes zu uns, die Auferstehung, das Überwinden allen Leides,
das Leben in seiner ganzen Fülle bei Gott.
Das Rosenkranzgebet kann uns helfen, christusähnlich zu werden. Es vertieft mich
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Predigtreihe „Wie komme ich in Kontakt mit Gott?“
Predigt „Rosenkranzgebet“ am 15/16.10.2011 von Pfr. Stefan Redelberger
auf meditative Weise in das Leben Jesu und hilft mir, mein Leben aus der
Beziehung zu Jesus Christus anzunehmen und zu gestalten.
Das Rosenkranzgebet kann aber auch die bedenkliche Tendenz haben, ein
Himmelstürmer-Gebet zu sein. Je mehr Rosenkränze ich bete, um so mehr bewege
ich Gott in meine Richtung. Dieses Verständnis gab und gibt es immer wieder in
der Kirchengeschichte. Immer jedoch, wenn unser Beten in ein Leistungsbeten
abgleiten sollte, wenn es auf unser Beten ankommen sollte, damit Gott sich gnädig
erweist, wenn im Gebet Angst vor dem „Feuer der Hölle“ gemacht wird, dann
müsste dieses Verständnis von Gebet durchaus hinterfragt und weiterentwickelt
werden.
Interessant sind Erkenntnisse der modernen Medizin: Das British Medical Journal
berichtete im Jahr 2001 von einer Studie der Universität Pavia, bei der
herausgefunden wurde, dass Rosenkranzgebete und Mantras, bei denen sechs
Mal pro Minute geatmet wird, positive psychologische und möglicherweise
physiologische Effekte hervorrufen.
Unter psychologischen Gesichtspunkten ist das Rosenkranzgebet in den Bereich
„repetives Meditationstraining“ einzuordnen. Es beruht auf demselben Prinzip wie
andere solche Meditationsformen, nämlich der rhythmischen Wiederholung einer
Formel, die sich nach und nach an der Atmung orientiert und sich bei regelmäßiger
Übung sehr positiv auf den Parasympathicus, unseren Ruhenerv, auswirkt.
Das Gebet, mein Kontakt mit Gott kann sich also ganz konkret auf meinen Körper,
meinen Geist, meine Seele auswirken. Denn das alles bin ich - ein Mensch, der von
Gott kommt und mit dem Gott schon immer in Beziehung ist.
Wie jedes Gebet kann das Rosenkranzgebet helfen, meinen Kontakt zu Gott zu
vertiefen und mein Leben heil zu machen. Nicht nur für die Krisenzeiten in meinem
Leben. Beten heißt, Beziehung pflegen mit Gott.
Das Rosenkranzgebet ist eine Möglichkeit, mit Gott in Berührung zu kommen. Es
ist wie bei Schuhen - nicht jeder Schuh passt jedem Fuß. Aber probieren können
Sie es. Vielleicht entdecken Sie es neu und es passt Ihnen - das Rosenkranzgebet.
Schuhe haben ihren Sinn darin, dass man sie anzieht und damit geht. Das
wünsche ich Ihnen auch für's Beten - welche Form auch immer die Ihre ist.
Amen.
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Seele and Geist
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