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Grundlagen phänomenologischer Soziologie: Alfred Schütz VO5 Wie

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Grundlagen phänomenologischer Soziologie: Alfred Schütz VO5
Wie entsteht intersubjektiv geteiltes Alltagswissen?
Zum Beispiel...
• darüber, wie Geschlecht richtig unterschieden wird (in Darstellung und Attribution)
• darüber, was es bedeutet zu studieren,....
Ausgangspunkt uns zentrale Annahmen der phänomenologischen Soziologie von Alfred Schütz
• Handeln und Sinngebung findet innerhalb der Lebenswelt statt
• Lebenswelt: raumzeitliche Welt der Dinge, so wie wir sie in unserem vor- und
außerwissenschaftlichen Leben erfahren
• der Alltag ist die von allen geteilte Lebenswelt – eine ausgezeichnete Wirklichkeit
◦ Neben dem Alltag gibt es Wirklichkeitsbereiche, die nicht von allen geteilt werden
• der Zugang zur alltäglichen Lebenswelt ist nur über Bewusstsein möglich
◦ Bewusstsein ist immer auf etwas gerichtet
Phänomenologische Soziologie
• fragt
◦ Wie kommen Dinge, auf die sich in unser Bewusstsein richtet dort hin?
◦ Wie kommt es zur subjektiven Orientierung in der Welt?
◦ Wie entstehen Erfahrungen?
◦ Wie entstehen subjektive Wissensvorräte und wie sind sie mit den objektiven
verschränkt?
• Zielt darauf ab, zu erklären
◦ Wie sich im Bewusstsein eine Welt konstituiert und wie der Mensch eine Welt
konstituiert
Bewusstsein entsteht über Erfahrungen eines „ich“
• Erfahrungen
◦ entstehen durch reflexive Zuwendung zu Erlebnissen
◦ werden verallgemeinert → mit anderen Erfahrungen in Beziehung gesetzt
◦ dadurch entsteht Sinn
◦ und ein subjektives Relevanzsystem
◦ sowie eine Alltagstheorie
◦ mit der die Wirklichkeit geordnet wird
◦ aus typischen Erfahrungen werden typische Erwartungen
Was kennzeichnet die alltägliche Lebenswelt?
• Wir begegnen ihr mit einer „natürlichen“ Einstellung
◦ Alltagswelt wird als selbstverständliche, unbefragte, gegebene, vertraute,
unproblematische Wirklichkeit wahrgenommen – bis Überraschungen auftreten
• Wird bestätigt durch Routine des immer Gleichen
Alltägliche Lebenswelt
• ist intersubjektiv
◦ Wir gehen davon aus, dass unsere Mitmenschen mit Bewusstsein ausgestattet sind und
sich im Prinzip an einem ähnlichen Alltagswissen orientieren wir wir
• Intersubjektivität wird über die Generalthese der wechselseitigen Perspektiven im Handeln
© Andrea Werdenigg
Ausgewählte Paradigmen_Breckner WS 08/09
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immer wieder bestätigt und hergestellt
◦ Vertauschbrakeit der Standpunkte
◦ Kongruenz der Relevanzsysteme
Alltagswissen
• typische Erfahrungen werden als Wissensvorrat abgelegt
• mit diesem Wissensvorrat schafft sich der Mensch eine subjektive Welt und erfährt sich
gleichzeitig als Teil einer Welt geteilt in Gemeinschaft mit anderen
• jeder Mensch trifft auf schon vorhandenes, objektiviertes Alltagswissen
• Dieses Wissen setzt dem Denken/Handeln einen Rahmen/Grenzen
• Subjektive und objektive Welt sind aufeinander verwiesen
• Erfahrungen sind sozial konstruiert
Wissensvorrat/Typisierung
• Die Auslegung der Welt beruht auf einem Vorrat früherer (mittelbarer und unmittelbarer)
Erfahrungen
• Der Wissensvorrat dient als Bezugsschema zur Bewältigung jeder Situation
• Gegenstände und Ereignisse treten uns in ihrer Typisierung entgegen
Typisierung
• Herstellung eines Sinnzusammenhangs
• wenn eine Situation wiederholt in einen gleichen Sinnzusammenhang eingeordnet werden
kann, wird sie zu einer typischen Situation
• entsteht durch Gewohnheitswissen /Rezepte
• Gewohnheitswissen wird automatisch angewendet
• verwandelt Neues/Fremdes in Vertrautes
• wenn das nicht gelingt, muss der Typ modifiziert werden
• reduziert die Fülle der Bedeutungen, die Dinge haben können, auf die Bedeutung die in
meinem aktuellen Handeln Sinn macht
• ist pragmatisch motiviert
• In der Sprache sind allgemeine lebensweltliche Typisierungen objektiviert
• Gesellschaftliche und individuelle Typisierungen verschränken sich
• Typisierung und Auslegung der Welt unterliegen Idealisierungen
◦ es bleibt so, wie es bisher war (Kontinuität)
◦ ich kann immer wieder (Wiederholbarkeit)
• es entsteht ein Denken wir üblich
Denken wie üblich
• Grundannahmen:
◦ für die Bewältigung zukünftiger Situationen werden frühere Erfahrungen genügen
◦ tradiertes Wissen ist verlässlich
◦ das Wissen über etwas reicht aus, um etwas handhaben zu können
◦ die Rezeptsysteme als Auslegung und Anweisungsschemen werden von den
Mitmenschen geteilt und akzeptiert
Zusammenfassend
• Die auf Handeln ausgerichtete Ordnung der Lebenswelt und unsere Orientierung darin
entsteht durch Alltagswissen
© Andrea Werdenigg
Ausgewählte Paradigmen_Breckner WS 08/09
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•
•
•
Alltagswissen beruht auf einem Vorrat früherer Erfahrungen
Der Wissensvorrat entsteht durch Typisierung
Subjektive und objektive Typisierung verschränken sich
Weiterentwicklung zur Wissenssoziologie durch Berger und Luckmann
• zentrale Fragen
◦ wie kommt es, dass dem Menschen die Wirklichkeit objektiv erscheint?
◦ wie kommt es, dass der Mensch leicht vergisst, dass er die Welt geschaffen hat?
Zentrale Thesen in Anlehnung an Schütz
• gemeinsam geteilte gesellschaftliche Wirklichkeit basiert auf gemeinsam geteiltem Wissen
• Das Alltagswissen bildet die Bedeutungs- und Sinnstruktur, ohne die es keine menschliche
Gesellschaft gäbe
Gemeinsam geteiltes Wissen
• liegt immer schon vor
• wird permanent hergestellt
• durch Sprache und Sozialisation gezielt vermittelt und weitergegeben
• standortgebunden
• gesellschaftlich geordnet
• erscheint dadurch objektiviert
Abels
Biografie von Alfred Schütz
• 1899 in Wien geboren
• Zugang zur Methodologie von Max Weber
• Beziehung zu Husserl (Begründer der Phänomenologie)
• Emigration nach USA
• Kontakt zu Parsons (Systemtheorie) → ihre Denkrichtungen lassen sich nicht auf einen
Nenner bringen
• Macht sich mit Pragmatismus, vorallem mit James und Mead vertraut
• Schüler: Berger, Luckmann, Garfinkel
Der sinnhafte Aufbau der sozialen Welt
• Buchtitel, des einzigen veröffentlichten Werks → Versuch einer philosophische Fundierung
für Max Webers Soziologie
• Webers Theorie sei noch nicht in jeder Tiefenschicht → Grundthematik und Urphänomene
der Soziologie seien noch nicht ausreichend erforscht und angeschnitten
• sein Versuch: zur Wurzel vorzudringen → greift auf Webers Definition des sozialen
Handelns zurück und fragt sich, was denn der „Sinn“ ist
• Schütz verfolgt den sinnhaften Aufbau der Welt, in dem er die Konstitution von Sinn bis zu
den passiven Prozessen nachzeichnet
Phänomenologie der Lebenswelt
• Husserl: Objekte sind notwendigerweise auf Subjekte bezogen → kein reines Bewusstsein,
sondern nur Bewusstsein wovon
© Andrea Werdenigg
Ausgewählte Paradigmen_Breckner WS 08/09
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Phänomenologie: Welt zu der sich der Mensch in seinem Bewusstsein in Beziehung setzt ist
Thema
• Lebenswelt: selbstverständlich vorausgesetzte Welt der sinnlichen Erfahrungen →
raumzeitliche Welt der Dinge → natürliche Erscheinung bestätigt sich durch Routine
• Schütz verbindet diesen Ansatz von Husserl mit der verstehenden Soziologie Webers:
Wissenschaften, die menschliches Handeln/Denken deutend und erklärend verstehen wollen,
müssen mit einer Beschreibung der Grundstrukturen der vorwissenschaftlichen für den
Menschen selbstverständlichen Wirklichkeit begründen (Wirklichkeit der alltäglichen
Lebenswelt) → es muss geklärt werden, wie der Mensch seinen Zugang zu dieser
Wirklichkeit findet
• Zugang zur Wirklichkeit ist das Bewusstsein, aber es gibt nicht die einzige Wirklichkeit
• Bewusstsein ist immer auf etwas gerichtet, das außerhalb von ihm existiert → wie gelangen
diese externen Dinge in unser Bewusstsein?
Konstitution und Konstruktion von Welt
• Wie macht der Mensch überhaupt Erfahrungen und wie bestimmen diese den Umgang mit
der Welt?
• Phänomenologie will die universalen Strukturen subjektiver Orientierung in der Welt
beschreiben
• neue Situation → Erfahrung:reflexive Zuwendungen des Ichs auf abgelaufene Erlebnisse
• Erfahrungen werden gespeichert und verallgemeinert, dadurch, dass sie in Beziehungen zu
anderen Erfahrungen gesetzt werden → Sinn (Luckmann: Sinn als Relation)
• Zwischen Erfahrungen und Phänomenen wird eine Verbindung, die außerhalb liegt,
aufgebaut
• subjektives Relevanzsystem: nicht alle Erfahrungen werden bewusst gemacht → die
Ordnung ist systematisch
• Erwartung: Vorerinnerung an eine Handlung → Entwurf
• Unterscheidung bei Bewusstsein zwischen thematischem Kern und thematischem Feld
• Kern: Bewusstsein richtet sich aktuell darauf
• Feld: Zusammenhang in dem Dinge als typisch wiedererkannt werden
• Gewinnung von Erfahrung im Alltag → universelle Strukturen subjektiver Ordnung
Strukturen der Lebenswelt
• Jeder Mensch lebt in einer Lebenswelt und hat eine natürliche Einstellung dazu →
Wissensvorrat
• subjektive und objektive Welt sind aufeinander verwiesen
• Strukturen der Lebenswelt durch Institutionen und Produkte, die im menschlichen Handeln
geformt und wirken ihrerseits auf menschliches Handeln zurück
Die Lebenswelt der natürlichen Einstellung
• was ist die alltägliche Lebenswelt? → 1. Wirklichkeitsbereich, an dem der Mensch in
unausweichlicher, regelmäßiger Wiederkehr teilnimmt. Der Mensch kann sich nur innerhalb
dieses Bereichs mit seinen Mitmenschen verständigen und mit ihnen zusammenwirken. Hier
kann sie eine gemeinsame kommunikative Umwelt bilden
• Es gibt noch andere Wirklichkeitsbereiche, die aber nur dem einzelnen zugänglich sind
(Träume, Phantasien, Vergangenheit...) → beeinflussen Denken und Handeln
• alltägliche Lebenswelt 2. → Wirklichkeitsbereich, den der wache normale Erwachsene in
der Einstellung des gesunden Menschenverstandes als schlicht gegeben vorfindet
• Lebenswelt 3. → geteilte Gemeinsamkeit mit anderen, wir nehmen uns wechselseitig wahr
und haben Bedeutung füreinander. Wir gehen davon aus, dass die Wirklichkeit von anderen
so gesehen wird, wie wir sie selbst sehen
• Lebenswelt 4. → Lebenswelt ist eine Welt, die wir durch unser Handeln modifizieren, die
•
© Andrea Werdenigg
Ausgewählte Paradigmen_Breckner WS 08/09
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natürliche Einstellung gegenüber dieser Welt ist durchgehend von pragmatischen Motiven
bestimmt. Unser Denken und Handeln gibt einen Rahmen vor
Typisierungen
• Man tritt Gegenständen und Ereignissen in der Lebenswelt von vornherein in ihrer
Typenhaftigkeit entgegen.
• Erfahrungen werden als typisch abgelagert
• Typisierung: Herstellung eines Sinnzusammenhangs
• Eine Form der Sedimentierung typischer Ereignisse ist die Sprache
• Typisierung als zweiseitiger Prozess: dem Individuum werden gesellschaftliche
Typisierungen vorgegeben, es übernimmt sie unbewusst und eignet sie sich auch
selbst an (zuerst werden Typisierungen gedeutet, dann danach gehandelt)
• gemeinsames/identisches Handeln und trotzdem das Gefühl zu haben, individuell
gehandelt zu haben
Idealisierungen
• jede Auslegung der Welt geschieht nach bekannten Regeln, passiert innerhalb eines
Rahmens von bereits Ausgelegtem, innerhalb einer grundsätzlichen und dem Typus
nach vertrauten Wirklichkeit → man vertraut drauf, dass die Welt so bleibt wie sie ist
• der Wissensvorrat behält seine Gültigkeit → die Idealisierungen des „und so weiter“
• diese Idealisierungen steht für Kontinuität, wenn das nicht so wäre, wäre jeder
Augenblick eine Überraschung
• Idealisierungen des „und so weiter“ → Die Weise mit der man auf die Welt wirkt,
bleibt erhalten. Unter gewissen Umständen kann in ähnlichen Situationen ähnlich
gehandelt werden.
• Das Problem, dass eigentlich jede Situation neu ist (allein schon wegen der Zeit),
lösen wir, indem wir Besonderheiten unterdrücken
Die soziale Struktur der Lebenswelt
• Man kann in soziale Beziehungen treten, weil man annimmt, andere sehen das gleiche wie
ich
• Generalthese der wechselseitigen Beziehungen → die Lebenswelt ist nicht von vornherein
intersubjektiv, sondern nur unter einer Annahme, mit der eine gemeinsame Lebenswelt erst
konstituiert wird.
• Zwei Idealisierungen in dieser Generalthese → 1. Idealisierungen der Vertauschbarkeit und
2. Die Idealisierungen der Kongruenz der Relevanzsysteme
• ad 1. man nimmt an, das Menschen, die an meienr Stelle stünden, die Dinge aus der gleichen
Perspektive sehen würden
• ad 2. Die Unterschiede der Auffassung der Welt, die sich aus individuellen Biografien
ergeben, im Prinzip irrelevant sind wir handeln so, als würden wir die Dinge nach den
gleichen Kriterien beurteilen
• Erklärung: wir werden in einer gemeinsamen Welt sozialisiert
Zeitstruktur und Sinnstruktur des Handelns
• Unterscheidung zwischen Handeln und Handlung
• Handeln: Prozess, in dem etwas vollzogen wird
• Handlung: Ergebnis dieses Prozesses
• Handeln bringt Zukunft mit sich, Handlung Vergangenheit
• 1. Zeitstruktur des Handelns als Prozess: als erstes gedacht, als letztes kommt die Handlung
• bevor man handelt, hat man eine Vorstellung des Ergebnisses (von der Handlung) → die
Vorstellung ist eine praktische Utopie
• Das Ergebnis ist noch nicht vorhanden, aber wir richten unser Handeln so aus, als wäre es
schon vorhanden
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Handlungen haben ein gewisses Ziel, um es zu erreichen braucht man bestimmte Mittel.
Sind die Mittel gewählt, sind sie wieder entworfene Handlungsziele (Zwischenziele)
2. Sinnstruktur: Annahmen über die Motive des Handelns → zwei Motive: 1. Um zu Motiv:
Bezieht sich auf den Entwurf des Handeln (jeder Schritt des Handeln wird getan, um etwas
zu erreichen) 2. Weil Motiv: Bezieht sich auf die biografische Bedingtheit zu handeln (wir
handeln, weil es dafür bestimmte Gründe gibt)
Der Anspruch der phänomenologischen Soziologie
• Will Schicht für Schicht freilegen, wie Menschen ihre Wirklichkeit ordnen
• erfolgsversprechende Lösungen für grundsätzliche Probleme des alltäglichen Lebens
vorschlagen
• Mit dem Perspektivenwechsel der phänomenologischen Soziologie von Alfred Schütz als
Ausgangspunkt, haben sich Reihen von soziologischen Theorien verbunden:
Sozialpsychologie (Mead), symb. Interaktionismus (Blumer)
Text aus VO 5 in anderer Farbe zusammengefasst
•
•
•
Feeling Gender VO6
Leibphänomenologische Ansätze in der feministischen Theorie
• gehen davon aus, dass erst das gefühlte Geschlecht die Stabilität und unhinterfragte Evidenz,
eine Frau oder ein Mann zu sein, erzeugt
Zentrale These und Frage
• das sozial konstruierte Wissen um das Geschlecht wird nur insofern subjektiv relevant und
damit eine unhinterfragbare Realität, als es leiblich inkarniert/empfunden wird
• Worin besteht die affektive Qualität der Geschlechterdifferenz?
Ausgangspunkt von Gesa Lindemann
• Bedeutung des Körpers wurde in Soziologie bisher vernachlässigt
• die leibliche Verankerung der Geschlechterdifferenz wird im doing gender und im
diskurstheoretischen Ansatz von Judith Butler unterschätzt
• Geschlecht entsteht nicht nur durch seine Darstellung, sondern indem wir und selbst als
Geschlecht empfinden
• die affektive Verinnerlichung des Geschlechts muss nicht immer wieder interaktiv
hergestellt werden
• affektive Verinnerlichung ist mehr als eine Vollzugswirklichkeit
zentrale Annahmen des leibphänomenologischen Zugangs
• unsere Umwelt wird über Körper/Leib als eine unmittelbare hergestellt
• Körper/Leib sind eine zentrale Basis der Orientierung in der Welt
• Die Unterscheidung und der Zusammenhang zwischen Körper (sozialem Körperwissen) und
Leib (unmittelbarem Erleben) erfolgt auf Basis von Plessners Unterscheidung zwischen
zentrischer und exzentrischer Positionalität
Zentrische und exzentrische Positionalität
• zentrisch (Leibempfinden)
◦ von allen Lebewesen geteilt
◦ unmittelbar, sinnlicher Umweltbezug im hier und jetzt
◦ Umwelt wird als konzentrisch auf das leibliche Selbst bezogen erfahren → positionale
Mitte
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•
•
exzentrisch (Körperwissen)
◦ charakteristisch für den Menschen
◦ das leibliche leben der Umwelt wird erlebt
▪ Distanz zum Umweltbezug und zum eigenen leiblichen Zustand
◦ ermöglicht reflexives Bewusstsein
Beide Positionen sind immer miteinander verschränkt
Verschränkung von Leib und Körper
• das Selbst ist eine positionale Mitte und zugleich auf dieser heruasgesetzt, es ist Leib und
erlebt, dass es diesen an seinem Körper hat
• Verhalten aus positiver Mitte geschieht intuitiv
• menschliches Verhalten ist darüber hinaus in der exzentrischen Position durch eine zweite
Natur (kulturelle Ordnung) bestimmt
• Die passive Leiberfahrung wird durch Alltagswissen über den Körper strukturiert
daraus folgt →
• Leibliche-affektive Erfahrung unterliegt kultureller Spezifik sowie historischem Wandel
• Zugleich ist leibliche-affektive Erfahrung Voraussetzung der Konstruktion von
Involviertheit in sozialen Situationen
• mit ihr ist ein passives Eingebundensein in soziale Situationen verbunden
Konsequenz für die Konstruktion von Geschlecht
• Die Verschränkung von Körper und Leib erzeugt eine unleugbare Evidenz des eigenen
Geschlechts
• Lindemann untersucht diesen Zusammenhang in einer empirischen Studie zu Transsexualität
◦ auf der Basis von teilnehmender Beobachtung, protokollierten Beratungsgesprächen und
Interviews
Binäre Geschlechterordnung muss subjektiviert werden
• Geschlechtskörper muss für mich stimmig sein um als Mann/Frau authentisch wirken zu
können
• Alltagsweltliches relevantes Wissen geht davon aus, dass man dem Körper ansieht, welches
Geschlecht eine Person ist
• Daraus entsteht die Frage, wie die Körperformen das Geschlecht bedeuten
Kulturell ist der Geschlechtskörper objektiviert
• der Körper wird von der Grundannahme der Zweigeschlechtlichkeit gesehen
• der sichtbare Körper ist Bedeutungsträger für das Geschlecht – Zeischen und Bedeutung
fallen zusammen
• der Körper wird als „Ding“ von jedermann gesehen – die Wahrnehmung von Jedermann
dominiert die individuelle Wahrnehmung
Beispiel Petra
• Beim sehen ausschließlich der Unterleibs von einer Mann zu Frau Transsexuellen wird von
ihrer Freundin (Partnerschaft ist homosexuell) angenommen, dass es sich um einen Mann
handelt
• Fazit Lindemann
◦ der Unterkörper ist ein Ding, das von jedem/r gesehen werden kann (Generalthese der
wechselseitigen Beziehungen)
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•
•
•
◦ die körperliche Form bedeutet Mann – der Körper als Ding wird zum objektivierten
Zeichen. Der Körper objektiviert das Geschlecht
◦ Transsexuelle müssen objektivierte Körperformen des nicht akzeptierten Geschlechts
verbergen
die objektivierte Bedeutung des Geschlechts durch den Körper geht jeder Interaktion voraus
einen Geschlechtskörper zu haben heißt, sein eigenes Geschlecht schon dargestellt zu haben,
noch bevor man in einer Situation eine Geste gemacht , eine Blick geworfen oder ein Wort
gesprochen hat.
Sie Subjektivierung des Geschlechts ist immer auf die objektivierte Bedeutung des Körpers
bezogen
Rolle des Körpers bei der Subjektivierung der objektiven Geschlechts
• Eine Distanzierung vom leiblichen Hier und Jetzt ist in sozialen Situationen nicht möglich
• Zwang der subjektiven Präsenz in leiblicher Interaktion verhindert Ausweichen ins
Imaginäre
• Jede/r muss das Geschlecht sein, das der sichtbare Körper bedeutet
• Beispiel „Felix“ . Scheitert daran, bei sichtbaren Brüsten ein anderes Geschlecht zu sein –
wird in die Realität der leiblichen Interaktion durch Reaktionen der anderen zurückgeholt
Verschränkung von Körper und Leib in der Körperscham und im Begehren
Körperscham
• Wen der Körper und seine (geschlechtliche) Bedeutung im Hier und Jetzt unangemessen
erscheint, erzeugt dies Scham als leibliche Empfindung
• Die Signifikanz des Körpers wird in Scham zu leiblich affektiver Wirklichkeit
• daran wird das passive Eingebundensein ins soziale Feld deutlich
Begehren
• bedeutet die leibliche Beziehung zu anderen
• ist als kultureller Code binär (heterosexuell) codiert
• bewirkt Sexualisierung des Leibes
• wird entscheidend in der Wahrnehmung anderer
• In unserem Bezug auf die Umwelt nehmen wir andere als Geschlecht wahr
• Das binäre System von Mann und Frau wird auf der Basis von Begehren zu einem der
Gleich- und Verschiedengeschlechtlichkeit
• Ausgehend vom eigenen Geschlecht entsteht eine subjektive Begehrensposition
• sexuelles Begehren, Evidenz des eigenen Geschlechts und die Wahrnehmung des
Geschlechts anderer bedingen einander wechselseitig
Beispiel
• Ein Therapeut nimmt in einer erotisierten Situation aufgrund seines aktuell auftretenden
Begehrens als Mann die transsexuelle Gesprächspartnerin als Frau wahr, obwohl er sie
zugleich als Mann sieht
• sein leiblich empfundenes Begehren bestimmt die Wahrnehmung deines Gegenübers und ist
begleitet von Scham, weil dies nicht legitim erscheint
• die Wahrnehmung anderer von der eigenen Geschlechterposition aus geschieht auch ohne
aktuelles leibliches Begehren, z.B. über den Blick (Norbert) im Hinblick auf ein potentielles
Begehren
Fazit Lindemann
• Die protentionale Erotisierung ist mithin die leiblich affektive Dimension der
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•
•
Geschlechterunterscheidung in der alltäglichen Geschlechtswahrnehmung
Die protentionale Erotisierung im System der Gleich- und Verschiedengeschlechlichketi ist
entscheidender in der Wahrnehmung anderer als die sichtbaren Körpermerkmale
Geschlechtlich bedeutungsvoll ist die Körperform in und durch das Begehren → das leiblich
ineinander verhakt sein
Zusammenfassend
• Die Wahrnehmung des Geschlechts anderer und die Realisierung des eigenen Geschlechts
sind nicht zu trennen → jemand ist ein Geschlecht wenn er/sie es für andere ist und ist ein
Geschlecht indem andere ein Geschlecht für sie/ihn sind
• Die Wahrnehmung unterscheidet nicht nur zwischen Männern und Frauen, sondern
ausgehend von der subjektiven egehrensposition zwischen Gleich- und
Verschiedengeschlechtlich
• Leiblich affektive Empfindungen von Scham und Begehren sind dabei entscheident
• Durch sie entsteht die unhintergehbare Evidenz, ein Geschlecht zu sein
• die Evidenz des eigenen Geschlechts ist abhängig von der eigenen Position im System
geschlechtlicher Gleich- und Verschiedenheit
G.Lindemann
Da es eine Arbeitsteilung zwischen Natur- und Sozialwissenschaften gibt, wird in den
Sozialwissenschaften die Binarität der Geschlechter als natürlich angesehen
• Problem → diese Arbeitsteilung ist nicht durchzuhalten, denn das anatomische Geschlecht
gilt als Differenzierungskriterium zwischen Mann und Frau und wird in einem sozialen
Zusammenhang gesehen und muss folglich als kulturelles Zeichen verstanden werden.
• Naturwissenschaftliche Erforschung des Körpers ist um die Aufrechterhaltung dieser
symbolischen Differenz bemüht
Für eine Erweiterung der mikrosoziologischen Forschungsperspektive
der affekttheoretische Mangel der Mikrosoziologie (Goffman/Garfinkel)
• Gefühle waren bis vor 20 Jahren in der Soziologie kein Thema, dann rasch steigende Zahl
empirischer und theoretischer Arbeiten
• 1. geht es um die soziale Konstruktion von Gefühlen und deren Ausdruck auf soziale
Strukturen und zum 2. geht es um die Affektive selbst neben den symbolischen und
kognitiven Prozessen als eine Dimension sozialer Realität
• ad 1.: Goffman → Analyse der Rahmen, die bestimmte Gefühle und ihren angemessenen
Ausdruck erforderlich machen → Emotionen werden von den syntaktischen Erfordernissen
der Interaktion her verstanden → Emotionsarbeit (Hochschild). Badura: das Verstricktsein in
eigene affektive Erfahrungen macht es unmöglich sich von den eigenen Gefühlen zu
distanzieren → Interaktionsstress → Gefühlsregulierung setzt ebenfalls eine Distanz zu den
Gefühlen voraus und bereitet deshalb auch Stress
• Collins: Affekte sind als solche nicht sozial konstruiert, sondern sind selbst ein Moment der
Konstruktion sozialer Realität. Affektive Verstrickung der Akteure in die Situation
funktioniert auf Zwängen, die soziale Ordnung garantieren → seine Ausführungen bleiben
naturalisierend
Der Aktivismus der soziologischen Leibthematisierung
•
© Andrea Werdenigg
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Als soziologisch relevant gilt der Körper lediglich als Mittel, der dazu dient, etwas zu tun
und er wird passiv erlitten (Soziologie der Emotionen) → Körper wird angesprochen um ihn
als soziologisch irrelevant zu sehen
• Bourdieu ist einer der wenigen, der den Körper als zentrale analytische Kategorie bestimmt
→ Habitus (strukturierte Strukturen die als strukturierende Strukturen dienen). Problem:
Begriff des Habitus denkt den Leib primär als auf Praxis hin → eine Analyse passiver
Leiberfahrungen gibt es bei Bourdieu nicht → Körper wird also auf der Ebene der
Naturwissenschaften und Medizin als gegeben genommen und ist die natürliche
Voraussetzung für soziologische Analysen
• Mary Douglas: der wahrgenommene Körper symbolisiert die soziale Ordnung → ihre
Theses wird in Untersuchung aber auch darauf reduziert, dass die passive Erfahrung des
eigenes Leibes als psychologisches Niveau der Wahrnehmung dient
• Barbara Duden: „Geschichte unter der Haut“ → Vermeidung der naturwissenschaftlichen
Naturalisierung der Leiberfahrung, weil sie naturwissenschaftliche und medizinische
Verfahren selbst als soziale Konstruktion auffasst. → es gibt keine natürliche, von der
Dimension des Sozialen, freie Wahrnehmung des Körpers
• Geschlechtsspezifische körperliche Prozesse werden nicht als solche festgestellt um in den
Dienst eines symbolischen Ausdrucks genommen zu werden, sondern sie sind durch die
Verschränkung in ein zeitgebundenes Körperwissen selbst unmittelbarer Ausdruck eines
verleiblichten kulturellen Zusammenhangs → die sozialen Konstruktionen werden von den
Individuen unter der Haut als ihre eigene Realität erfahren
• Diese Analyse gelegt die Möglichkeit und die Notwendigkeit, das passive Eingebundensein
des Leibes in seine kulturelle Gegenwart als ein soziologisches Phänomen zu sehen
• Zwei Hinsichten auf die leibliche Erfahrung: 1. Schwerpunkt liegt auf dem affektiven Bezug
zur Umwelt, der aber nie ohne eine leibliche Involviertheit stattfindet und 2. auf einem
differenzierten Spüren des eigenen Leibes, das als solches zumeist einen affektiv sinnhaften
Bezug auf die Umwelt beinhaltet
Verschränkung von Körper und Leib
• These von Verankerung von Körper und Leib entwickelt Plessner im Rahmen seiner Theorie
der exzentrischen Positionalität
• Positionalität → Umweltbezug aller lebenden Organismen (Beziehung geht einerseits vom
Organismus aus, andererseits geht die Beziehung gegensinnig vom Feld auf den Organismus
zurück)
• exzentrische Positionalität → menschliche Umweltbeziehung
• zentrische Positionalität → ein leibliches Selbst ist unmittelbar auf die Umwelt bezogen
(sphärische Einheit von Subjekt und Gegenwart)
• Wahrnehmungen sind bezogen auf Aktionsmöglichkeiten der leiblichen Selbst → dieses lebt
in einer Umwelt, die als konzentrisch auf das leibliche Selbst bezogen erfahren wird →
positionale Mitte, aus der heraus agiert wird und auf die die Wahrnehmungen bezogen sind
• das leibliche Selbst erlebt die Umwelt und ist handelnd auf sie gerichtet und erlebt sein
Erleben der Umwelt → minimale Distanz zum Umweltbezug des leiblichen Selbst und zur
eigenen leiblichen Zuständlichkeit → komplexes Verhältnis von Körper und Leib
• Mensch braucht eine stützende Ordnung (Tiere haben dafür Instinkte) → dadurch erreicht
das Selbst eine Ruhelage in der zweiten Naivität
• soziale Strukturiertheit der passiven Leiberfahrung → Individuum erlebt eigene
Zuständlichkeit, indem es den Leib, der es ist, als Körper erfährt, den es hat, ist die passive
Erfahrung des Leibes durch das alltagsweltliche relevante Wissen über den Körper
strukturiert
• Analyse der leiblichen Erfahrungen. Aktive Modi der zuständlichen Leiberfhrung
•
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Geschlechterkonstruktion: 1. Ausgehend davon, dass bestimmte Körperregionen ein
Geschlecht bedeuten, kann man untersuchen, wie der Zusammenhang von alltagsrelevantem
Wissen über den Körper als Differenzierungskriterium zwischen Menschen und der
Dinghaftigkeit des Körpers beschaffen ist. 2. Ausgehend davon, dass die Verschränkung von
Leib und Körper die leibliche Erfahrung strukturiert, stellt sich die Frage, wie der Körper als
Realität erfahren wird, die jemand ist. → wie ist das Wissen über die Geschlechterdifferenz
in einer gegebenen Situation sozialer Kontrolle wirksam und welche Bedeutung hat dabei
die Struktur der leiblich-affektiven Erfahrung?
Die leiblich affektive Konstruktion der Geschlechter
• Befragung Transsexueller → Bewusst lernen, dich im neuen Geschlecht so zu geben, dass
sie überzeugend sind → Auskunft darüber, was geschieht, wenn eine jemand als Frau/Mann
wirkt
• Beratungsstelle für Transsexuelle (Protokolle, Kasettenaufzeichnungen), ethnographische
Interviews als Grundlage
Die subjektivierung der binären Geschlechterordnung
• Geschlecht ist binär strukturiert, Versuch zu untersuchen, wie Körperformen das Geschlecht
bedeuten
das objektivierte Geschlecht
• 1.Körper wird von der Grundannahme der Zweigeschlechlichkeit gesehen → habitualisiertes
Sehen 2. der sichtbare Körper, der das Geschlecht symbolisiert, wird so gesehen, dass der
Körper als Bedeutungsträger und das Geschlecht als Bedeutung nicht voneinander
unterschieden werden 3. als dinghaftes Gebilde ist der Körper ein Verweis darauf, von
jedermann gesehen werden zu können → Jedermanns Sehen
• ad1: es geht um das Wahrnehmen ad2,3: der wahrgenommen Körper im Mittelpunkt →
Geschlechtskörper wird im Sehen zeichnerisch konstituiert
• Bsp. Petra: Transexuelle Frau (Frau mit Penis und Hoden) → Beziehung mit Frau →
homosexuelle Beziehung → männliche Genitalien werden nicht als solche wahrgenommen
→ Freundin sieht in bestimmter Sitation nur den Unterkörper und denkt es wäre ein Mann,
obwohl es ihre Freundin Petra ist
• 1. es gibt zwei Sichtweisen auf Petras Körper 2. offensichtliche Irritation der Freundin →
den zwei Sichtweisen entsprechen zwei Körper
• zwei Momente 1. der gesehene Unterkörper 2. die körperliche Form bedeutet Mann
• Schütz → Generalthese der wechselseitigen Perspektiven (ad 1 Vertauschbarkeit der
Standpunkte, ad 2 Kongruenz der Relevanzsysteme)
• Sogar die Freundin, die Petra als Frau begehrt, lässt sich von den in das Körperding
eingelassene Zeichen irritieren
• Die Art wie der Körper ein Zeichen ist, wird wesentlich dadurch bestimmt, dass er ein Ding
ist → indem der Körper ein Zeichen wird unterliegt die Zeichenhaftigkeit ihrerseits einer
Objektivierung → objektives Geschicht
• Der Körper objektiviert das Geschlecht → nicht operierte Transsexuelle fürchten sich davor,
nackt gesehen zu werden
• Dadurch, dass jemand ein objektiviertes Geschlecht hat, ist er in ein soziales
Ausdrucksverhältnis eingelassen
Die Zumutung das objektive Geschlecht subjektiv zu sein
• Um die Struktur des der Zumutung, das objektivierte Geschlecht subjektiv zu sein, zu
verstehen, ist es erforderlich, die Rolle des Körpers in der Interaktion zu beschrieben.
• Könnte sich eine Person tatsächlich radikal von ihrem Hier und Jetzt distanzieren, wäre sie
weitgehend einer sozialen Kontrolle entzogen und könnte für sich in einer nur für sie
existierenden Welt alles mögliche sehen
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Leibliche Interaktion verhindert unter anderem das Ausweichen ins Imaginäre
Bsp. Transsexueller Mann Felix: entzieht sich ins Imaginäre, wird aber schließlich
zurückgeholt → Blendet seine Brüste aus → Menschen starren ihn an → merkt, er kann sie
nicht ausblenden
• 1. er verneint einen weiblichen Geschlechtskörper zu haben 2.er versucht die unmittelbare
Beziehung zur Umwelt aufzulösen → scheitert weil er sich dem sozialen Druck nicht
entziehen kann
• sozial verfasstes Geschlecht ist mit dem Leib verschränkt → Person realisiert sich als das
Geschlecht, dass der Körper bedeutet
• Körperscham: Wird der Zusammenhang zwischen Symbolik des Körpers und dem Leib
deutlich
• Körperscham wird der Körper geschlechtlich sexuell bedeutsam → spezifische
Körperscham von Transsexuellen
• Garfinkel: Geschlechtsorgane bedeuten nicht nur das Geschlecht einer Person, sondern
geben ihr auch das Recht, einen geschlechtsspezifischen Status einzunehmen und sich
dementsprechend zu verhalten
die protentionale Erotisierung in der leiblichen Interaktion
• Welche Bedeutung hat die Leiberfahrung für die Wahrnehmung anderer:
• Die positionale Umweltbeziehung hat eine doppele Richtung: sie geht vom leiblichen Selbst
auf das Feld und im Gegensatz zu ihm zurück
• es gibt nicht nur ein Geschlecht für andere, sondern Person erlebt sich auch als Geschlecht,
wenn sie sich auf die Umwelt bezieht und andere als ein Geschlecht wahrnimmt →
Geschlecht ist eine interaktiv wechselseitige Realität, aber das Verhalten erfolgt immer
schon von einer vergeschlechtlichten Position aus
• Es werden Männer/Frauen wahrgenommen, die andererseits gleich- und
verschiedengeschlechtliche Individuen sind.
• In der Verleiblichung wird aus dem binären System von Mann und Frau ein System von
Gleich- und Verschiedengeschlechtlichkeit
• Die Verleiblichung der Binarität überschneidet sich mit den Grundkategorien des sexuellen
Begehrens: unsere Kultur entscheidet beim Begehren nicht zwischen Frauenliebenden und
Männerliebenden, sondern ausgehend von der subjektiven Begehrensposition, zwischen
Homo- und Heterosexuell → das eigene Geschlecht ist konstituiv für die Art des Begehrens
• Bsp.: Begegnung eines Therapeuten mit einer transsexuellen Frau → er kam in den Bann
der Erotisierung
• Sie tritt erotisierend auf und er ist erotisiert → Anflug von Scham auf seiner Seite
• Einhaken: der Therapeut ist sich seiner selbst nicht mächtig → leibliche affektive Erregung
• der Gegenstand wird erst in und durch die Erregung zu dem, was für ihn erotisch
bedeutungsvoll ist → empirischer Beleg für Plessners Auffassung des Bewusstseins als
sphärische Einheit von leiblichem Selbst und Umwelt
• In dem Bsp. geht es um die Gleichzeitigkeit von Wahrnehmung und leiblich affektivem
Zustand
• Bsp. Norbert, ein nicht transsexueller Mann, der eine Begegnung mit einer transsexuellen
Frau hat „einer Frau in die Augen zu sehen, macht etwas anderes mit mir, als einem Mann in
die Augen zu sehen“
• Man muss verstehen, wie er die Weiblichkeit erkannt hat als auch ihre Männlichkeit und
zwar in dem Mischverhätnis: Transsexuelle Frau
• Blick: es ist die Evidenz des eigenen affektiven Zustandes, die es für Norbert unmöglich
macht, in Uli eine Frau zu sehen → kontrastiert mit Ulis weiblicher Erscheinung
• Norbert verspürt kein sexuelles Begehren, keine Möglichkeit des Begehrens → leibliche
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•
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Erregtheit kann verschwinden
• Positionalitättheorem: Als leibliches Selbst ist Norbert auf die wahrgenommene Person
bezogen und erlebt sie von ihrer leiblichen Zuständlichkeit her → das Geschlecht der
anderen und das eigene sind real
• vom Begehren getragene Geschlechtsunterscheidung folgt der Differenz von Gleich- und
Verschiedengeschlechtlichkeit
• Bsp. nicht transsexuelle Sabine wird gefragt , ob sie ihre transsexuelle Freundin Kristina
sexuell attraktiv findet, sie verneint: 1. wegen dem System von Gleich- und
Verschiedengeschlechtlichkeit (Sabine ist nicht lesbisch) und 2. Der Junge, der Kristina mal
war, ist nicht Sabines Typ gewesen
• Durch Blicke setzt man die jeweils anderer Person von sich in Kenntnis
Schluss
• 1.Teil: Eine Person erfasst sich leiblich als ein Geschlecht, indem sie den geschlechtlich
signifikant gemachten Körper als die leiblich affektive Wirklichkeit erlebt → unleugbare
Evidenz in der Verschränkung von Körper und Leiblich
• Die Beziehungsstrukur ist 1. ein wesentliches Merkmal sozialen Zwangs und 2. schließt sich
im Rahmen dieser Struktur die Wahrnehmung, indem auch Personen, deren
Geschlechtszeichen uneindeutig ist, einen eindeutigen wirklichen Platz im System von
Gleich- und Verschiedengeschlechtlichkeit erhalten
• Passive Leiberfahrung wird durch diesen Versuch in soziologische Analysen einbezogen und
ihre grundlegende Bedeutung aufgezeigt.
Text aus VO 6 in anderer Farbe zusammengefasst
Radikaler Konstruktivismus VO 7
Begründer und zentrale Theoretiker
• Ernst v. Glasersfeld gilt zusammen mit Foerster als Begründer
• Maturana, Varela, Watzlawick, Luhmann sind zentrale Vertreter
Was ist radikal am radikalen Konstruktivismus?
• Wirft Vorstellung von Objektivität von Wissen um
• entwickelt Erkenntnislehre, die auf folgenden Prämissen beruht
◦ es gibt keine von uns unabhängige objektive Realität
◦ wir bauen die Welt, die wir erleben, selbst auf
◦ wir sind uns der Vorgänge, in denen wir die Welt konstruieren, nicht immer bewusst
◦ diese Vorgänge können dennoch rekonstruiert und analysiert werden
Ziel des radikalen Konstruktivismus
• Verhältnis zwischen Wirklichkeit und Wissen neu bestimmen
• die berührt die erkenntnistheoretisch immer noch offene Grundfrage: wie wir Kenntnis von
der Wirklichkeit erlangen und ob diese Kenntnis auch verlässlich und wahr ist.
Ansatzpunkte von Glasersfeld
• philosophische Diskussionen seit der Antike zum Problem der Erkenntnis
• Kritik am Wahrheitsbegriff traditioneller Philosophie, die besagt, dass nur wahr ist, was mit
einer als absolut unabhängig konzipierten objektiven Wirklichkeit übereinstimmt
• Kritisch dagegen schon Kant
Zentrale Thesen
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Wissen ist kein Abbild von Realität im Sinne einer Übereinstimmung oder Korrespondenz
(Homomorphie – match)
Realität gibt die Begriffe/Vorstellungen von ihr nicht vor – Wissen kann Realität daher nicht
einfach wiedergeben
Wissen entsteht in einer funktionalen Anpassung an die Umwelt (fit)
Wissen erschließt verschiedene Wege einen passenden Schlüssel zur Umwelt zu finden
Evolutionstheoretische Grundlage
• pures Überleben schafft Evidenz für „passen“ nur „negative“, keine „positive“ Auslese
• zwischen Umwelt und überlebensfähigen biologischen Strukturen gibt es keine kausale
Beziehung
• nicht die Umwelt sucht aus, was überlebensfähig ist – sie lässt lediglich aussterben, was
nicht passt
• Variationen biologischer Strukturen entstehen zufällig nach dem Prinzip des Passens
• aus dem Überleben sind keine Schlüsse auf die Beschaffenheit einer Welt zu ziehen, die sich
nur in negativen Auswirkungen offenbart
Analogie zu Wissen und Wahrheit
• In Bezug auf Wahrheit ist die Erlebenswelt im Alltag oder das Laboratorium der Prüfstein
unserer Ideen (Kognitive Strukturen)
• kognitive Strukturen entwickeln sich aus der Beobachtung von Regelmäßigkeiten, aus
Alltagstheorien und wissenschaftlichen Theorien
• letztere erweisen sich im Licht weiterer Erfahrunen als verlässlich oder nicht
das heißt..
• Wissen ist nur brauchbar, relevant, lebensfähig, wenn es der Erfahrungswelt standhält
• wenn Wissen als kognitive Struktur standhält, heißt das, dass es leistet, was wir von ihm
erwarten – es ist aber kein Wissen über die Beschaffenheit einer von uns unabhängigen Welt
• Wissen bedeutet einen gangbaren Weg zu einem Ziel zu erschließen
• dadurch wissen wir noch nichts über alle anderen möglichen Wege
• Ziele werden nicht von der Umwelt vorgegeben, sondern entstehen in der Erlebniswelt
Fazit Glasersfeld
• Verhältnis zwischen lebensfähigen organischen Strukturen und Umwelt = Verhältnis
zwischen brauchbaren kognitiven Strukturen und der Erlebenswelt des denkenden Subjekts
• beide Gebilde passen, die einen, weil der natürliche Zufall der Mutation ihnen die Form
verliehen hat, die sie nun haben, die anderen, weil menschliche Absicht sie im Hinblick auf
jeden Ziele geformt hat, die sie nun tatsächlich erreichen
• Diese Ziele sind Erklärung/Vorhersage/Kontrolle der Steuerung von bestimmten
Ergebnissen
Konsequenzen
• Erkenntnis ist nicht mehr auf eine objektive (ontologische) Perspektive gerichtet, sondern
ausschließlich auf die Ordnung und Organisation von Erfahrungen in der Welt unseres
Erlebens
• das führt zu Hauptfrage des radikalen Konstruktivismus:
◦ warum und wie kommt es dazu, dass wir in unserer Erlebenswelt eine Struktur suchen
und sich auch finden?
◦ Wie kommt es dazu, dass wir eine außerordentlich stabile und verlässliche Welt erleben,
in der es dauerhafte Dinge gibt, ständige Verhältnisse und Regeln von Ursachen und
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Wirkung, die uns einen guten Dienst erweisen?
Antworten von Glasersfeld
• Erkennen und Wissen ist Ergebnis von Handlungen eines aktiven Subjekts
• Handeln, das Wissen aufbaut, nennt Glasersfeld operieren
• Operieren ist, mit Piaget, die kognitive Instanz, die sich selbst und ihre Erlebniswelt
organisiert
• Erkenntnislehre wird zu einer Untersuchung der Art und Weise, wie der Intellekt operiert,
um aus dem Fluss des Erlebens eine einigermaßen dauerhafte, regelmäßige Welt zu
konstruieren
Kernelemente kognitiver Tätigkeiten zur Organisation der Erlebenswelt
• Ziele der kognitiven Tätigkeiten richten sich darauf, herauszufinden, welche Erlebnisse
wiederholt werden können und welche vermieden werden müssen
• Der Glaube an die Regelmäßigkeit liegt allem Leben zugrunde
◦ Regelmäßigkeit basiert auf Vergleich
◦ Vergleich bedarf der Vorstellungsfähigkeit
◦ diese ermöglich eine vergangene Wahrnehmung mit einer Gegenwärtigen vergleichen zu
können und
◦ Komplexe von Wahrnehmungen in einem von Subjekt unabhängigen Raum und einer
vom subjektiven Erlebensfluss getrennten Zeit zu sehen
Vergleiche und Wiederholungen sind Grundlage von Regelmäßigkeit/Kontinuität
• Vergleiche geschehen im Hinblick auf
◦ Gleichheit verschiedener Objekte (Tische in diesem Raum sind gleich) oder
◦ Unverändertheit eines Objekts in einem zeitlichen Zusammenhang (gleich wie vor 3
Tagen)
• Gleichheit ist immer nur in Bezug auf bestimmte Eigenschaften von Objekten herzustellen
→ dadurch immer relativ
• Kriterien für Gleichheit/Unterschiedlichkeit werden vom urteilenden Subjekt geschaffen
• Regelmäßigkeit und Konstanz setzen wiederholtes Erleben voraus
• Wiederholung ist der grundlegendste Baustein in der der erlebten Wirklichkeit. Je nachdem,
was da als wiederholt erlebt wird, bilden sich Stufen der Wirklichkeit
• die dadurch konstituierte Ordnung....
◦ ...ist auf ein Ziel bezogen und
◦ hängt von Ausgangspunkten ab (bisheriges Wissen, Begriffe, Kategorien,...)
Fazit
•
•
eine von uns unabhängige Welt offenbart sich nur dort, wo unsere Konstruktion scheitert
◦ Scheitern kann wiederum nur in dem von uns geschaffenen Begriff verstanden und
erklärt werden
◦ diese Begriffe liefern deshalb nie ein Bild der objektiven Welt, die wir fürs Scheitern
verantwortlich machen
Die Welt an sich ist nicht zugänglich
◦ Was wir erleben und erfahren, erkennen und wissen, ist notwendigerweise aus unseren
eigenen Bausteinen gebaut und lässt sich auch nur auf Grund unserer Bauart erklären
Zusammenfassend
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Wissen wird vom lebenden Organismus aufgebaut, um den an und für sich formlosen Fluss
des Erlebens so weit wie möglich in wiederholbare Erlebnisse und relativ verlässliche
Beziehungen zwischen diesen zu ordnen
das Erkennen von Regelmäßigkeit, Wiederholung und Konstanz bildet die Grundlage der
Stabilität unserer Erlebniswelt
Was als existierende Einheit und was als Beziehung zwischen Gegenständen
wahrgenommen wird, hängt von unseren Entscheidungen darüber ab, was wie verglichen
wird
durch Erzeugen von Regelmäßigkeit, Wiederholung und Konstanz über Vergleiche werden
(kognitive) Strukturen im Erleben geschaffen (Piaget)
weil dies unwillkürlich geschieht, erscheinen sie als Gegebenheit einer unabhängigen,
selbstständigen Welt
eine solche wird jedoch nur durch unsere kognitiven Strukturen aufgebaut
Ziel des RK kann es nur sein, diese Strukturen zu erkennen und nicht eine von ihnen
unabhängige Wirklichkeit
Grundlegende Verschiebung der Fragen vom Was (objektive Eigenschaften der Dinge) zum
Wie (Erzeugung vom Wissen)
E.v. Glasersfeld
Vorbemerkung
• der denkenden Mensch ist allein für sein Denken/Wissen/Tun verantwortlich
• Die Welt in der wir leben wird unwillkürlich aufgebaut (wir wissen nicht wie)
• RK → Operationen, mit denen wir unsere Erlebenswelt zusammenstellen sind weitgehend
erschließbar
1
• Wirrwarr von Ismen, ein Ismus, der ernst genommen werden will muss sich von den
anderen abheben (mindestens eine neue Masche in der Erkenntnislehre vorweisen)
• Putnam: Von den Vorsokratikern bis Kant gibt es keinen Philosophen, der kein
metaphysischer Realist gewesen wäre → über den Begriff Wahrheit sind sich alle einig
gewesen auf dem Weg, herauszufinden, was wirklich existiert
• Kants These → der Verstand schöpft seine Gesetze nicht aus der Natur, sondern schreibt sie
ihr vor
• Nach wie vor herrscht die Auffassung, dass Wissen nur dann Wissen ist, wenn es die Welt
erkennt, wie sie wirklich ist
• radikaler Unterschied zu anderen Ismen: Verhältnis zwischen Wissen und Wirklichkeit →
traditionell: bildhafte Übereinstimmung RK: Anpassung im funktionalen Sinn
• Match und Fit (stimmen und passen)
• eine Abbildung stimmt → die gibt das Abgebildete wieder und ist in einer Weise
gleichförmig → Homomorphie
• etwas passt (fit) → es leistet den Dienst, den wir uns erhoffen (Schlüssel passt ins Schloss
→ das passen beschreibt die Fähigkeit des Schlüssels, nicht die des Schlosses). Survival of
the fittest → Überleben ist das einzige Kriterium → entweder einer Art passt, oder sie passt
nicht → RK und Evolutionstheorie fallen zusammen: Umwelt setzt Lebewesen Schranken,
Erlebenswelt ist der Prüfstein für unsere Ideen
• Wirklichkeit, die durch ihre Beschränkung des Möglichkeiten ausmerzt, was nicht
lebensfähig ist → natürliche Auslese → alles was der Prüfung nicht standhält geht unter
• Weitere Analogie: Verhältnis zwischen lebensfähigen organischen Strukturen in der Umwelt
= Verhältnis zwischen brauchbaren kognitiven Strukturen und der Erlebenswelt des
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denkenden Subjekts → beide Gebilde passen
Wissen ist brauchbar/lebensfähig/relevant, wenn es der Erfahrungswelt standhält und uns
befähigt Vorhersagen zu machen und gewisse Phänomene zu bewerkstelligen/verhindern
Man weiß jetzt nicht, wie die objektive Welt beschaffen ist, sondern hat lediglich einen
gangbaren Weg zu einem Ziel. Es sagt uns nicht, wie viele anderer Wege es gibt und wie wir
das Ergebnis, das wir als Ziel betrachten mit der absoluten Wirklichkeit zusammenhängt
RK: Erkenntnis nicht als objektive, ontologische Wirklichkeit, sondern als Ordnung und
Organisation von Erfahrungen in der Welt unseres Erlebens
Piaget: Erkenntnis= Wechselwirkung zwischen bewusster Intelligenz und Umwelt →
Anpassung (nicht als Homomorphie verstanden)
2
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Zweifel an der Übereinstimmung von Wissen und Wirklichkeit entstand, als der Denker sich
seines Denkens bewusst wurde
etwas das erblickt werden kann, müsste da sein, bevor der Blick darauf fällt → Wissen wäre
also ein Abbild der Welt (es existiert, bevor ein Bewusstsein es sieht) → metaphysischer
Realismus
Dass die Antwort auf die Frage, was Wissen ist, vorweggenommen wird, schafft die
herkömmliche Erkenntnislehre sich ein unvermeidliches Dilemma → Wenn Erkenntnis und
Wissen eine Beschreibung/Abbild der Welt an sich sein solle, dann braucht man ein
Kriterium, auf Grund dessen man beurteilen kann, wann die Beschreibung/Abbilder richtig
sind → Weg für die Skepsis eröffnet
„Schein“, Bsp. Apfel: in den Sinnen erscheint er saftig, süß, aber besitzt dieser Apfel
wirklich diese Eigenschaften? → Menschen vergleichen ihre Wahrnehmungen → Kant fügt
noch zusätzlich Raum und Zeit dazu → existiert der Apfel als wirklicher Gegenstand?
Warum und Wie kommt es dazu, dass wir in unserer Erlebenswelt Strukturen suchen und
finden, die nicht eine Spiegelung der Wirklichkeit sind?
Vico: Das Wahre ist dasselbe wie das Gemachte → Gott allein weiß, wie die wirkliche Welt
ist → der Mensch kann nur erkennen, was er selbst macht → Operation
Vico: Mythologie und Kunst nähern sich mit Hilfe von Symbolen der Wirklichkeit →
Symbole sind Konstruktionen
Hauptfrage: Wie kommt es dazu, dass wir eine relativ stabile/verlässliche Welt erleben,
obschon wir nicht im Stande sind, Stabilität/Regelmäßigkeiten der objektiven Wirklichkeit
mit Sicherheit zuzuschreiben?
Grundzug konstruktivistische Epistemologie → die Welt, die da konstruiert wird, eine Welt
des Erlebens ist, die aus Erleben besteht und keinerlei Anspruch auf Wahrheit im Sinne einer
Übereinstimmung mit einer ontologischen Wirklichketi erhebt.
Erfahrung und Gegenstände der Erfahrung sind das Resultat unserer Art und Weise des
Erfahrens
Aprioro (eingebaut/angeboren)
Vico: wenn wahr ist, was gemacht ist, dass heißt, etwas durch seine Ursache beweisen, das
gleiche, wie es bewirken → Möglichkeit etwas als Ursache zu identifizieren entspringt dem
Vorgang des Zusammensetzens von unverbundenen Elementen, so dass aus der Ordnung
und Komposition von Elementen die bestimmte Form des Gegenstandes entsthet
Vico: Bau des Wissens nicht nach der Übereinstimmung mit der objektiven Wirklichkeit
betrachten, sondern nur durch die Bedingung beschränkt, die dem Baumaterial (dem bereits
Gemachten) anhaftet → Möglichkeit innerhalb von Schranken
zwei offene Fragen: 1. Was sind die Schranken innerhalb derer etwas mit bereits
vorhandenem Wissen als vereinbar gilt? 2. Warum unternimmt ein Organismus überhaupt
eine kognitive Konstruktion?
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3
Erkennen und Wissen sind Ergebnis von Handlungen eines aktiven Subjekt
Handeln das Wissen aufbaut → operieren
1.Konstruktivismus beginnt mit der Annahme, dass alle kognitiven Tätigkeiten in der
Erlebenswelt eines zielstrebigen Bewusstseins stattfindet. Die gemeinten Ziele entstehen
lediglich dadurch, dass der kognitive Organismus seine Erlebnisse bewertet und darum die
einen zu wiederholen, die anderen zu vermeiden trachtet
• Zweckdienlichkeit → kognitive Konstruktionen und Strukturen haben jeweils einen Zweck
und werden danach beurteilt, wie sie dem gewählten Zweck dienen → setzt voraus, dass in
der Erlebenswelt Regelmäßigkeiten festgelegt werden
• 2. betrifft die Beschaffenheit der Regelmäßigkeiten, die der kognitive Organismus in seiner
Erlebenswelt findet/hervorbringt → um zu behaupten, dass etwa regelmäßig sei, muss es
verglichen werden können → etwas erlebtes wird mit einem zweiten Erlebnis in Beziehung
gesetzt →
• Äquivalenz (wird als Kind gelernt) – individuelle Identität → das gleiche – das selbe
• Zwei Wahrnehmungskomplexe können als zwei voneinander unabhängige Objekte
externalisiert werden oder als zwei Erlebnisse ein und desselben Individuums existieren
• Urteil der Gleichheit → zwei Objekte, die im Vergleich gleichwertig sind, oder ein Objekt,
das sich in einer Zeitspanne nicht verändert hat
• Prinzip der Assimilation: Objekt mit Eigenschaften abc kann Objekt mit Eigenschaften abcd
gleichgesetzt werden, wenn d nicht in Betracht gezogen wird
• Schranken der Welt, an denen Unternehmen scheitern, bekommt man nicht zu Gesicht →
man erfährt Grenzen von Innen
Zusammenfassung
• Bewusstsein kann auf Grund eines Vergleichs Wiederholung/Konstanz/Regelmäßigkeiten
erkennen. Vor dem eigentlichen Vergleich muss entschieden werden, ob es ein und dasselbe
Objekt oder zwei unterschiedliche sind
• Struktur = was der bewusste Kognitive Organismus als Wirklichkeit erlebt
• RK nicht als Abbild einer/Beschreibung einer absoluten Wirklichkeit, sondern als Modell
der Erkenntnis in kognitiven Lebensweisen, die im Stande sind, auf Grund ihres eigenen
Erlebens eine mehr oder weniger verlässliche Welt zu schaffen.
Text aus VO7 in anderer Farbe zusammengefasst
•
•
•
Gender im Diskurs VO8
Geschlecht wird dekonstruiert
• durch Judith Butler in radikaler Weise
• Ausgangspunkt
◦ der Ungleichheit zwischen den Geschlechter liegt die Konstruktion der
Geschlechterdifferenz zugrunde
◦ Geschlechterdifferenz ist ein Schauplatz politischer Kämpfe
▪ um das Verhältnis Natur – Kultur
▪ um die Definition und Unterscheidung sex und gender
Ziel ihrer Analyse ist
• die Deontologisierung der Geschlechterdifferenz
• zu zeigen, dass Begriffe ebenso wie Substanzen z.B. Frau oder Heterosexualität konstruiert
und daher veränderbar sind
• Begriffs- und Diskursanalytisches Vorgehen
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Was bedeutet Deontologisierung?
• Kein ursprüngliches oder eigentliches Wesen der Dinge zu entdecken, weil alles immer
schon Repräsentation oder Interpretation ist
• es gibt keine von der menschlichen Wahrnehmung unabhängige Realität, die wir erkennen
können
• entspricht der Grundposition des RK
Zentrale Annahmen
• Biologie ist kein Schicksal
• der Ort und der Modus der Konstruktion des Geschlechts ist vor allem der Bereich der
Sprache, des Diskurses, der symbolisch-diskursiven Ordnung
• Diskurse sind Systeme des Denkens und Sprechens, die die Welt intelligibel machen und
sinnvoll ordnen
• die Logik der Zweigeschlechtlichkeit besteht vor allem aus:
◦ Dichotomisierung
◦ Naturalisierung
◦ Normativer Matrix der Heterosexualität
Zentrale Fragen
• Wie erzeugen Diskurse Realität?
• Wie sind Diskurse im Machtverhältnis eingebettet?
• Wie wird naturhaftigkeit der Geschlechterdifferenz diskursiv erzeugt?
◦ In Bezug auf Geschlechtsidentitäten
◦ sexuelle Orientierung
◦ Materialität der Geschlechtskörper
• Welche Macht haben Kategorien für die Formung der Geschlechterdifferenzen und am
Körper?
Diskurs und Sprache
• bringen das hervor, was sie bezeichnen/vermeintlich sprachlich nur abbilden. Diskurse sind
performativ
• Sprache handelt → eine performative Handlung ist eine solche, die das, was sie benennt,
hervorruft und so die konstituive/produktive Macht der Rede unterstreicht
• Performative Sprechakte sind in sozialen Ritualen eingebettet
• Bedeutung existiert nicht vor oder jenseits der Sprache
◦ entsteht durch Wiederholung und Zitate
◦ durch Verweise auf Bedeutungen in einer Zeichenkette
◦ Sprechen bedeutet Zitieren
• Sprachliche Perfomativität bleibt ambivalen: Bestehende Bedeutungen werden im Zitieren
reproduziert und zugleich neu geschaffen
• Frau/Mann sein sind in sich instabile Angelegenheiten
• Geschlechtliche und sexuelle Existenz muss immer wieder aufs neue performativ hergestellt
werden
Konsequenzen
• Sprechakte sind in einem Feld bereits gegebener Interaktionen eingebettet
◦ Geschlechterdifferenz ist eine diskursive Matrix → bestimmte Begriffe machen nur im
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Bezug auf Zweigeschlechtlichkeit Sinn
Das Individuum ist nicht Herr seiner Rede
Veränderung nur durch veränderte Zitierweise möglich
ein außerhalb des Diskurses gibt es nicht
Gibt es noch ein handlungsfähiges Subjekt?
Wie wird das Subjekt geformt?
• Subjetivation entsteht durch diskursive Identitätserzeugung
• Anrufung und Umwendung
◦ Anrede, Name, Titel
◦ Umwendung/Annahme/Identifikation/ reflexive Bezugnahme auf sich selbst erzeugen
intelligible Subjekte
• Wir erkennen uns selbst nur durch das Zitieren bereits bestehender sprachlicher Kategorien
◦ „ich“ sage
• ich ist nicht autonom, sondern entsteht durch Platzierung in oder gegen normative
Positionen
• Potentielle Subjektpositionen werden ausgeschlossen/Verworfen
◦ Identität ist auch das, was man nicht ist
• Anerkannt Subjektpositionen werden von Herrschaftsverhältnissen reguliert
• Heterosexualität als Norm erfordert in spezifischer Weise materialisierte Geschlechtskörper
• Geschlechtskörper (sex) sind realer Effekt hegemonialer Diskurse
Wie kommen intelligible Geschlechtsidentitäten zustande?
• Geschlechtsidentitäten entstehen in ritualisierten performativen (Sprech-) Akten in Bezug
auf diskursiv erzeugte Normen der Weiblichkeit/Männlichkeit
• Indem Beziehungen der Kohärenz und Kontinuität zwischen dem anatomischen Geschlecht ,
der Geschlechtsidentität, der sexuellen Praxis und dem Begehren stiften und
aufrechterhalten
• Kohärenz folgt Norm der Heterosexualität
• aber die Heterosexualität ist keine ausschließlich repressive Form der gesellschaftlichen
Konstruktion des Sex, sondern auch eine produktive Norm, die der beschriebenen Logik
Erfahrungen, Identitäten und bestimmte Geschlechtskörper ermöglicht
• Subjekte (Ich) werden durch nicht autorisierte Subjekte (Gestalten der Verworfenen)
geschaffen
• Die Norm des Geschlechts kann nie ganz erfüllt werden
• Angst vor misslingender Geschlechtsidentität zeigt, dass Geschlechtsidentität leone
ontologische Tatsache ist
• auch sex und Körpergeschlecht ist instabil und nichts natürliches
Wie werden Geschlechtskörper materialisiert?
• Materialisierung: zeitlicher Prozess der Einschreibung
• Körpergrenzen und Beschaffenheiten sind Produkte biografischer Prozesse
• Normen werden somatisiert
• Das ich wird im das spekuläre Bild des Körpers selbst herum gebildet – in projektiven
Idealisierungen
• denn das Körperbild im imaginär/gesellschaftlich
◦ der Körper ist weiblich/männlich weil er gar nicht anders wahrgenommen werden kann,
so wird aus gender sex
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die Materialität des Körpers ist daher ein Diskurseffekt
Rezeption in politisch- theoretischen Kontexten -queer
• kritische Position gegenüber Identitäten
• Identitäten sind Effekte politischer und diskursiver Strukturen
• abschließende Definition von Identität ist nicht möglich
• auf Dauer gesetzte Uneinigkeit
Kritik
• Handlungsfähigkeit
◦ Wenn alle Subjekte durch Diskurse konstituiert werden, wie und woher kann dann Kritik
an diesem Diskurs kommen?
• Geschichts- und empiriefrei
◦ Verwobenheit von Geschlechterverhältnis und Geschlechterdifferenz
• Fokussierung auf Geschlechtsidentität
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